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Jüdische Rundschau · 1935-01-08 · Heft 3 (8.1.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 3 (8.1.1935)
Date
1935-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 8.1.1935 Tagung des Administrative Commiitee geschlossen New York, 3. Januar. (JTA.) Die Tagimg des Administrative Committee der Jewish Agency wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden, Nevillc L a s k i, geschlossen, in der er den Zusammenschluß der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in Amerika zu einer einheitlichen Körperschaft zwecks stärkerer Einflußnahme und Arbeitsmöglichkeit innerhalb der Agency ankündigte. Die Tagung faßte eine Resolution, in der die jüdische Öffentlichkeit aller l.Snder zu stärkerer Forderung des Palä'stinawerks aufgerufen und die Politik der Exekutive in bezug auf Legislative Council und Einwanderungsfrage gutgeheißen wird. In der dritten Sitzung der Konferenz hatte das Mitglied der Exekutive Bcrl Locker ein politisches Referat erstattet, in dem er die Maßnahmen der Exekutive zu den verschiedenen Problemen der Palästinapolitik eingehend auseinandersetzte. Der Redner begründete ausführlich die Notwendigkeit freundschaftlicher Zusimmenarbcit mit der Mandatarniacht und wies im Rahmen einer Besprechung des jüdisch-arabischen Problems darauf hin, daß sich die Voraussetzungen für die Em'elung einer Verständigung zwischen Juden und Arabern im Palästina Zusehens günstiger gestalten. Zum Schluß begründete Locker die ablehnende Haltung der Exekutive der Jewish Agency gegenüber dein Projekt eines Legislative Council. Der Budget-Voranschlag wurde dem Administrative Committee durch den Generalsekretär des Keren Hajessod Leo Hermann unterbreitet. Konlerenz der jüdischen Wohlfahrts verbände Amerikas New Y o r k, 4, Januar. (JTA.) In New York fand eine Tagung der indischen VC' o h 1 f a h r t s v e r b ä n d e Amerikas statt, an der auch der Vorsitzende des Board of Dentitir» of Briti-h Jews, NVviile L a s k i, teilnahm. Der Ehrenvorsitzende des Joint DMrihution Committee, Felix M. \X; a r h n r g, teilt mit, daß die jüdischen Wohliahrtsverbände Amerikas in den beiden letzten Jahren 25 Millionen Dollar für soziale Hilfsarbeit ausgesehen haben. Nevillc Easki sprach über seine Eindrücke während seiner letzten RcNe durch Osteuropa. Der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Bernhard Kahn, berichtete über die Lage «der jüdischen Auswanderer in Frankreich. In der letzten Sitzung des Rates der American Joint R c c o n s t r u c 1 i o n Foundation in Paris wurden Wiederaufbau-Kredite für die 1 lirrfsarbeit in Mittel- und Osteuropa im Betrage von '.50 000 Dollar bewilligt. Zum .Mitglied des Rates wurde Herr Emil Oettinger (Frankfurt a. M.) gewählt. Vom polnischen Judentum Die wirtschaftliche Not Warschau, 3. Januar. (JTA.) Am 3. Januar fand in Warschau eine. Besprechung führender jüdischer Persönlichkeiten statt, die von dem früheren Senator Rabbiner Rubinstein (Wilna), dem Präsidenten des Verbandes jüdischer Kaufieute Polens, Senator Raphael Szereszewski, Oberrabbiner Prof. Srhorr und dem Präsidenten des Klubs der jüdischen Abgeordneten, Rabbiner Dr. Osias Thon, einberufen worden war.'In der Konferenz wurde darauf hingewiesen, daß im letzten Jahre die finanzielle Hilfeleistung ausländischer Juden für die Juden in Polen in bedenklichem Ausmaß zurückgegangen sei. Es wurde auch betont, daß die von der Joint ICA-Poundafion vor kurzem für die Juden in Polen, ausgeworfenen Beträge keine neue Zuwendung darstellen, sondern daß es sich 'nur um (leider handelt, die aus Polen selbst als Rückzahlung früherer Darlehen eingeflossen sind und jetzt neuerlich f.ir I lilfsarbeit zur Verfügimg gestellt werden. Antisemitische Ausschreitungen \\ - >, I u'uir. (II \ ) In die ebassidische Klairs Wer ist Simanowitsch? d^ N D.s In w uiti' n v r11 m i 1 >! z'orv bei Otwock wurde in der II ir.t-E'ollen wurden geschändet ■-tta ' angeordnet. u i -i Mitglieder der illegalen i rt.iil. ihn Partei wieder eine ,'o - B i ts am Silvesterabend dran- Oiv 1 he N'alr.vki-Viertel War- ' * -ri i i Ii he Passanten. Drei Juden ,.\' H 1-1 I tili wurden verhattet Katholischer Priester gegen die „Protokolle der Weisen von Zion" Der bekannte k.nbo'.L-die Gelehrte und Professor an der Universität Eov.cn, Pater Pierre Charles, hielt in Brüssel vor einem Auditorium von Geistlichen, hohen Beamten und Offiziellen ein":! Vor irrig über die „Pi otokolle der Weisen von Zion". Der Vortragende, der Mitglied des Jesuitenordens ist, legte die Entstehung dieser Fälschung dar und richtete an die katholische Oeistlichkeit den Appell," jener Welle des Hasses entgegenzutreten, die zur Abfassung des besprochenen Buches, das er als „niederträchtiges Falsifikat" bezeichnete, geführt habe. „Gesetzgebender Rat vertagt" Die Londoner „Times" behandelt in ihrer Jahres-1 rückschau, die der Nummer vom 31. Dezember beigegeben ist, Palästina nur kurz, und zwar interessanterweise nicht in der Rubrik „Britisches Reich", sondern unter „Auswärtige Angelegenheiten". Es wird im Kapitel „Naher und Mittlerer Osten" die Vertagung des syrischen Parlaments erwähnt und im Anschluß daran heißt es: „Palästina war ruhig. Das britische Schatzamt garantierte eine Anleihe von 2 Millionen Pfund. Ein britischer Vorschlag, eine Gesetzgebende Körperschaft einzusetzen, wurde von den Juden kühl aufgenommen und vertag t." Sonst wird über Palästina nichts berichtet. Die Mitteilung, daß die Lrriclitung des Gesetzgebenden Rates bis auf weiteres vertagt ist, wurde dieser Tage auch vom Abg. Wedgwood in Wien in einem Gespräch mit jüdischen Pressevertretern gemacht. Sliosbergs Erklärung vom 10. August 1928 Wie unseren Lesern bekannt, hat der „Völkische Beobachter" im Dezember drei große Artikel unter der Ueberschrift „Die Beichte eines kleinen Weisen von Zion" veröffentlicht, worin das 1928 in Berlin erschienene Buch eines gewissen Simanowitsch zitiert wurde, der behauptet, als Sekretär Rasputins Einfluß auf die russische Judenpolitik genommen zu haben und sich darauf beruft, daß er dabei mit Führern des russischen Judentums kooperiert habe. U. a. wird Rechtsanwalt Sliosberg genannt, der gegenwärtig in Paris lebt. Wir haben Dr. Sliosberg, einen bei allen Parteien hocliangesehenen Führer des vorbolschewistiseheti russischen Judentums, um eine Mitteilung über seine Beziehungen zu Simanowitsch gebeten. Dr. Sliosberg macht uns darauf aufmerksam, daß er im dritten Bande seines in Paris erschienenen Buches „Erinnerungen eines russischen Juden" über Simanowitsch auf Seite 3-19 folgendes geschrieben hat: „••• In der Umgehung von Rasputin trieb sich ein gewesener Juwelenhändler, Simanowitsch, herum, der sich als Sekretär von Rasputin ausgab. Erstens war dieser „Sekretär" ein vollständiger Analphabet, und zweitens hatte Rasputin keinen Bedarf für einen Sekretär. Seine ganze Korrespondenz bestand aus kleinen Zettelchen, auf die er einige Worte kritzelte, und die meistens kleine Bittgesuche darstellten. Aber, wie es scheint, hat Simanowitsch wirklich Rasputin bei allen seinen Orgien begleitet und ihn mit verschiedenen Menschen zusammengeführt, wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig. Dieser Simanowitsch ist nach dem Kriege in Paris aufgetaucht. Er war hier in die Affäre der gefälschten Tscherwonzen verwickelt, die großes Aufsehen erregt hat. Er saß eine Zeitlang im Gefängnis, wurde aber dann vom Gericht freigesprochen. Er hat hier öfter versucht, Unterstützung von angesehenen russischen Juden zu erlangen, was ihm aber nicht gelungen ist, obwohl er sich immer darauf berufen hat, daß er als Freund Rasputins große Verdienste um das Judentum habe. Soweit mir bekannt ist, hat ihm niemand geholfen. Er besuchte einmal auch mich, und als ich ebenfalls ablehnte, ihn zu unterstützen, erklärte er offen, daß er — falls man ihn nicht unterstützen würde — ein Buch schreiben würde, in dem er viele angesehene Juden kompromittieren würde. Ich antwortete ihm darauf, er solle tun, was er wolle. 1927 erschien wirklich ein Buch von ihm in Berlin. In der Vorrede erklärte er, daß er zum Sekretär von Rasputin vom Zaren selbst ernannt worden sei. Das ganze Buch ist voll von Lügen und Erfindungen. Nebenbei gesagt, ist das Buch natürlich nicht von ihm geschrieben, da er absoluter Analphabet ist. Da er darin einige Male meinen Namen erwähnt, habe ich eine Erwiderung in der Presse veröffentlicht. Obwohl ich mich in dieser Antwort sehr scharf über Simanowitsch geäußert habe, hat er nicht darauf reagiert..." Der in dieser Bemerkung erwähnte Brief Sliosbergs an die Presse, datiert vom 10. August 1928, liegt uns im englischen Text vor. In dem ausführlichen Schriftstück wird betont, daß Simanowitsch ein völlig ungebildeter Mensch, nach seinem eigenen Zeugnis Inhaber eines S p i e 1 k 1 u b s und Teilnehmer an Raspu. tins Orgien war, der nicht die geringste seriöse Beziehung zu den Führern des russischen Judentums hatte. Sliosberg schreibt: „Simanowitsch war in Petrograd unter anstand!» gen Menschen vollkommen unbekannt und all seine Märchenerzählungen über angeblichen Schutz jüdischer Rechte durch seine Organisation berühren mich als lach erlicher Unsinn und erfundene Anekdoten. Möglicherweise hat er etwas getan, um Rasputin zu bewegen, für die jüdischen Dentisten zu intervenieren, aber diese Sache war absolut ohne öffentliches Interesse für die jüdische Gemeinschaft, und die Repräsentanten des nissischen Judentums kümmerten sich überhaupt nicht darum. ... Was die angeblich von Rasputin an den damaligen Außenminister Sassanoff geschriebenen Briefe betrifft, so kann man über diese Angabe nur lachen.* Dr. Sliosberg beschäftigt sich dann im einzelnen mit verschiedenen, von Simanowitsch in seinem Buch gemachten Angaben, die er als Halluzinationen und Sensationsgeschichten charakterisiert. Niemals habe das russische Judentum Simanowitsch oder Rasputin in Anspruch genommen, dagegen habe Simanowitsch Anstrengungen gemacht, Geld von russischen Juden zu bekommen. Im weiteren Verlauf seines Briefes stellt Sliosberg auch die (vom „Völkischen Beobachter" wiedergegebene) Behauptung Simanowitschs, der russische Ministerpräsident Stürmer sei jüdisch gewesen, richtig. Der Deutschrusse Stürmer war weder ein Jude, noch von jüdischer Abstammung. Auch im Namen des von Simanowitsch erwähnten Moses O i n s b u r g erklärt Sliosberg, daß die Behauptungen Simanowitschs vollkommen erfunden sind. Der Brief vom 10. August 1928 schließt: „Offen gesagt, betrachte ich es als unter der Würde eines Mannes, in eine Diskussion der Erfindungen Simanowitschs einzutreten, sowohl wegen ihrer eigenen Natur, als auch wegen des Charakters ihres Erfinders. Hätten nicht (damals, d. h. 1928 — A. d. R.) verschiedene Zeitungen die Informationen wiedergegeben, so hätte ich mir niemals träumen lassen, daß ich auch nur die geringste Aufmerksamkeit diesen widerlichen Lügen zuwende, ebenso wie ich nicht die Geduld aufbrachte, das Buch zu Ende zu lesen. Man hat beim Lesen den Eindruck, als ob man an 'einem Biertisch säße, wo Betrunkene phantasieren." Trotz dieser schweren persönlichen Beleidigungen, die Dr. Sliosberg am 10. August 1928 öffentlich gegen Simanowitsch aussprach und trotz des Vorwurfs der Lüge und Erpressung hat Simanowitsch nicht das geringste gegen Dr. Sliosberg unternommen. In diesem Lichte müssen daher bis zur Erbringung des Gegenbeweises die Auslassungen von Simanowitsch beurteilt werden. Die Rambam-Feier« in Wien IN ALLER KÜRZE Im Schachturnier zu Hastings fielen die drei ersten Preise gemeinschaftlich an Etiwe, Flohr und Thomas, die je 6y, Zähler haben. Den vierten Preis gewann Capablanca mit 5'/s Zählern, dann folgen Botwinnik, Lilien th Michell 4, Vera Menchih 3, Milner-Bary. Norman iyf. und Lilienthal sind Juden.) e mit »1 5, (Flohr (Von unserem Korrespondenten) J. R, Wien, 28. Dezember 1934. Die Vorarbeiten für die zu den Peßachtagen geplanten Rambam-Feiern in Wien werden intensiv durchgeführt. In den letzten Tagen fand unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Dr. Feu cht wang eine Plenarsitzung des erweiterten Maimonidcskomitccs statt. Nach Anhörung der Berichterstatter der Subkomitces wurde beschlossen: „Der Maimonidesmonat wird für die Zeit vom 4. April bis 4. Mai proklamiert. In diesem Monat werden Rambam-Feiern in allen jüdischen Korporationen, Verbänden, Vereinen, Anstalten, zionistischen Sektionen, Jugendgruppen usw. veranstaltet. Zwei Hauptveranstalttingen für "Erwachsene und die Jugend werden am 20. April und am 27. April 1935 stattfinden, wobei Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die deutsche Festrede und Dr. Rothblum die hebräische Ansprache halten werden. In allen Tempeln und Synagogen und sonstigen Bethäusern sollen am ersten Tage des Peßachfestes Predigten über Maimonides gehalten werden. Die Religionslehrer haben im zweiten Semester des "Schuljahres 1934/33 in den öffentlichen Schulen über Maimonides vorzutragen. Die israelitische theologische Lehranstalt in Wien veröffentlicht im nächsten Jahresbericht wissenschaftliche Abhandlungen über Rambam. Eine populäre Broschüre über Maimonides wird in großer Auflage veröffentlicht. Als Verfasser wurde Max Brod bestimmt" * Es wird mitgeteilt, daß die Leitung der Warschauer Jüdischen ü e m e i n d e sich an den Maimonides- Feier n, die jetzt vorbereitet werden, nicht beteiligen wird. Dieser Standpunkt der Gemeindeverwaltung wird damit begründet, daß die extreme Orthodoxie grundsätzlich gegen die Abhaltung der Feiern ist, da dies kein jüdischer Brauch sei. (Bekanntlich steht die extreme Orthodoxie dem Werk Maimonides' ablehnend gegenüber.) Palästina im Spiegel der schwedischen Presse. Unser Stockholmer H. R.-Korrespondent schreibt: Das schwedische Regierungsorgan, die Stockholmer Tageszeitung „Sozialdemokraten", bringt in seiner Ausgabe vom 31. Dez. einen mehrere Spalten umfassenden Artikel, betitelt „Arbeitslosigkeit existiert nicht im neuen Palästina". In dem sehr sachlich gehaltenen Bericht beginnt der Verfasser damit, daß der erste und stärkste Eindruck des Besuchers der gewaltige Rhythmus sei, in dem die Europäisierung vor sich ginge. Der Einfluß der jüdischen Emigration auf ökonomischen, industriellen und kommerziellen Gebieten sei ein außerordentlich günstiger, hei denen die Araber bedeutende finanzielle Gewinne verzeichnen könnten. Der Verfasser beschäftigt sich dann ausführlich mit Fragen der Palästina-Politik und den verschiedenen Parteien. — -—-,-_——5 Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottewborg, Joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde T«I«fan Binurcfc 6506 Zweadtn« .«* ultra StttHMm Das Rassepolitische Amt der NSDAP, ver* öffentlicht die bekannten Zahlen über die jüdische Bevölkerung in Deutschland im Jahre 1933 und bemerkt hierzu, die Ziffern, die sich aus der Konfessionszugehörigkeit ergeben, seien unvollständig, weil sie nicht nach der Rasse unterschieden. Man müsse vermuten, daß der Anteil der iüdisch-vermischten Bevölkerung bei uns mehrfach so groß sei wie der Anteil derer, die sich auch heute noch zum jüdischen Glauben bekennen. Den wirklichen Umfang des Judentums festzustellen, müsse Aufgabe einer eingehenden Untersuchung, vor allem der Berufsverbände sein, die ihre sämtlichen Angehörigen zu erfassen hätten und an Hand der so gewonnenen Ergebnisse Aussagen über die tatsächliche rassenmäßige Zusammensetzung des deutschen Volkes machen könnten. Nach dem Mitteilungsblatt der Städtischen Kran« kenversicherungsanstaltzu Berlin hat die Hauptversammlung der Krankenversicherungsanstalt am 26. November 1934 einen Beschluß gefaßt, wonach ab 1. Januar 1935 die zu den gesetzlichen Krankenkassen zugelassenen oder für diese Kassen zulassungsfähigen Aerzte, Zahnärzte und Dentisten zur Behandlung der Versicherten der Krankenversichcrungsanstalt berechtigt sind. Durch diesen Beschluß sind auch wieder die jüdischen Kassenärzte, die zu gesetzlichen Krankenkassen zugelassen sind, berechtigt, Mitglieder der Berliner Krankenversichertmgsanstalt zu behandeln. Die polnischen Behörden haben Maßnahmen gegen die unter der weißrussischen Bauernbevölkerung getriebene Judenhetze angeordnet. Unter den Bauern wird das Märchen von einem Ritualmord an einem Knaben aus dem Dorfe Kobilniki verbreitet, obwohl die gerichtliche Obduktion Hunger als Todesursache festgestellt hat. Eine Dienstmagd in Wilna wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie gegen ihren Dienstherrn die Beschuldigung des Ritualmords erhoben hatte. Die Verurteilung erfolgte wegen Verleumdung. Die türkische Regierung hat den jüdischen Organisationen nahegelegt, die in der Türkei sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge aus Persien nach Palästina weiterzuleiten. Andernfalls sei mit ihrer Ausweisung zu rechnen, da sie der Öffentlichkeit zur Last fielen. Zum 150jährigen Jubiläum der Londoner „Times", das am 1. Januar mit einer großen, der historischen Rückschau gewidmeten Beilage gefeiert wurde und an dem Publizisten und andere Personen des öffentlichen Lebens aller Nationen lebhaften Anteil nehmen, veröffentlicht Nahum Sokolow, der Senior der hebräischen und jüdischen Publizistik, einen ausführlichen Würdigungsartikel, worin er auch die Bedeutung der „Times" in der Behandlung jüdischer und zionistischer Fragen hervorhebt. Die Zeitung „Le Progres" in Saloniki bringt einen sympathisch gehaltenen Artikel über die jüdische Handelss ch'if f a hrt, die sich von Palästina aus zu entwickeln beginnt Hauptschriftlciteri Dr. Robert Weltsch, Bcrlin-Charlottenburg 9. Stellvertreters Kurt Loe wen stein, Berlin W 15. Arizeigenleiterin und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chtnciner, Berlin N 54, Verlag und Anxeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 16, Meinekestr. 10. D.-A. Deiember 33 300. — Druck: Siegfried Scholen, Berlin-Schöne berg.

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