Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-01-04 · Heft 2 (4.1.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 2 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653829--26234-2687605
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr. 2, 4.1.1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Fragen der Religion Zu dem einen großen Teil der deutschen Juden und auch der Jugend heute stark bewegenden Problem der Religion und des Religionsgesetzes geben wir nachstehend einem Manne das Wort, der sich zum Zionismus und zur orthodoxen Auffassung des Rcligionsgesetzes bekennt. Es gilt hierbei das von uns bei einer früheren Gelegenheit Gesagte, daß in diesen subtilen fragen des Bekenntnisses jede Aeußerung selbstverständlich als persönliche anzusehen ist. Red. Klare Begriffe Von Emil Bernhard Cohn In den Zeiten der Aufgewühltheit und seelischen Nöte, die wir heute erleben, ist es ein wahres Elend zu sehen, in welcher Verwirrung nicht nur der Gefühle, sondern auch der Begriffe wir leben. So ergreifend, rührend und teilweise sogar erhebend es ist zu beobachten, wie die jüdische Seele Westeuropas ihren Rückweg zu Gott, zum Judentum, zum jüdischen Brauch sich zu ertasten sucht, so erschütternd ist die Feststellung, dal! die Zeit uns auf einem Trümmerhaufen falscher und verbogener Begriffe, schiefer und verworrener Geisteshaltuugeu findet. Mehr denn je ist es deshalb das Gebot der Stunde, diesen Trümmerhaufen abzutragen und zunächst einmal für klare Begriffe zu sorgen. Denn gerade das Gebiet des Religiösen, und das ist das Gebiet der feinsten und sublimsten Empfindungen und gleichzeitig der erhabensten Nervositäten, bedarf dieser unanfechtbaren Klarheit und kristallenen Durchsichtigkeit mehr als irgendein anderes. Ist schon für den Künstler — was nicht alle Künstler wissen und die meisten Kunstlaien nicht wahrhaben wollen — die „Gedankenkuhle die wahre Glut des Künstlers", so fordern wir fürs Religiöse mit harter Entschiedenheit zunächst einmal eben diese Gedankenkühle. Denn die Seele ist von besonderem Stoff und will nicht bloß ihre Forin, sondern auch ihren Halt haben, das heißt ihr intellektuelles Gegengewicht, ohne das sie zu sentimentalem Brei zerrinnt. Man hört heute so viel von der „religiösen Aufgeschlossenheit" unserer Tage reden, und gerade die, die bislang keinen Zugang zum religiösen Judentum gehabt haben, reden davon. Man lasse es sich von einem bösen Theologen sagen: Aufgeschlossenheit ist gar nichts ohne Klarheit der Begriffe. Klarheit der Begriffe aber — und das wissen ebenfalls die wenigsten — vermindert nicht, sondern vermehrt die religiöse Wärme und verfeinert und vertieft das religiöse Denken und Empfinden. Es gibt einige interessante Feststellungen in der jüdischreligiösen Gegenwart. Die erste zeigt uns, daß es um den religiösen Liberalismus im deutschen Judentum still geworden ist. Es könnte scheinen, daß diese Stille ihre Herkunft im Politischen hat, weil dort der Liberalismus fürs erste gründlich ausgeräumt seheint. Trotzdem liegt der Grund für diese Tatsache wo anders: Liberalismus war ein Oppositionsbegriff und richtete sich gegen die Orthodoxie, ja, er lebte von dieser Opposition. Fleute aber bringt man nicht mehr den Mut, oder richtiger die seelische Fähigkeit auf, gegen die Gesetzestreue der Orthodoxen Front zu machen. Es geht den Jüdisch-Liberalen hier ebenso wie es ihnen mit dem Zionismus geht: Jeder deutsche Jude fühlt, daß diese beiden früheren Gegner in wesentlichen Punkten Recht behalten haben. Beide hatten Voraussichten, die der Liberalismus nicht hatte, beide waren diesen Voraussichten gegenüber gerüstet, und beide werden heute sogar beneidet. Immer wieder höre ich es von liberaler Seite: „Ihr habt es einfacher! Ihr seid glücklicher! Was aber machen wir?" — Noch interessanter ist die religiöse Haltung der Orthodoxie gegenüber im zionistischen Lager, soweit es sich aus dem deutschen Liberalismus rekrutiert hat. Dort ist die religiöse Frage außerordentlich lebendig geworden, und man quält sich sehr mit dem Problem der Orthodoxie, des Ritus, des Zeremonialgesetzes und der traditionellen Formenwclt. Gerade darum aber halten wir es für fruchtbringend, zur Klärung der Begriffe einiges beizutragen. Erste Frage: Wer sorgt im Bereich des Religiösen für Klarheit und Eindeutigkeit? Man erschrecke nicht: Das tut die Theologie. Sie tut sogar noch mehr: sie sichert die Begriffe. Wenn man einen Blick auf die Kämpfe der Kirche in dieser und in allen Zeiten wirft und ihre Bemühungen um historische Selbstbehauptung sieht, so weiß mau ohne weiteres, und niemals ist das bestritten worden, daß die Kirche mit ihrer Theologie steht und fällt. Wird sie zerbrochen, dann ist alles dahin. Niemals aber darf man Theologie und Orthodoxie miteinander verwechseln. Orthodoxie ist eine religiöse Geistes- und Gefühlshaltung, Theologie eine Wissenschaft. Beide aber erfreuen sich gleicher Abneigung seitens der uneinsichtigen Masse nicht nur, sondern auch vor allem seitens 3i « ** Der Besuch des schwedischen Kronprinzen in Palästina Nach der Besichtigung des Daniel-Sieff-Forschungsinstituls in Rechoboth, vor dem Hauptportal des Instituts. Von links nach rechts in der vorderen Reihe: Prinz Barlil von Schweden, Dr. W eizmann, der Kronprinz von Schweden, trau Dr. Vera Weizmann, der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation Wilkansky (Volcany). Vorn rechts: Josehua Gordon, politischer Beamter der Jewish Agency. Foto; OrtucWue aller religiösen Individualisten. Und hier muß zunächst einmal deutlich gesagt werden, daß diese Abneigung gegen die Orthodoxie und Theologie auf einer einfachen Begriffsverwechslung beruht. Zunächst darf man nämlich die Orthodoxie nicht mit den Orthodoxen und die Theologie nicht mit den Theologen verwechseln. Ich weiß, daß es in allen religiösen Lagern und also auch bei den Orthodoxen „gottesfürchterliche" Menschen gibt. Man darf aber nie vergessen: Nur Theologen können unsympathisch sein, Theologie niemals. Nur Orthodoxe starr und äußerlich, Orthodoxie niemals. Theologie als Wissenschaft von den religiösen Begriffen und Orthodoxie als gehorsame Haltung gegenüber Gott und seiner Lehre stehen himmelhoch über allen diesen Begriffen ästhetischer und sogar ethischer Bewertung. Sie sind einfach da, und wenn sie nicht da wären, so gäbe es bei uns kein Judentum, bei den anderen keine Kirche und überhaupt keine Religion. Das sind Dinge von so banaler Abgedroschenheit, daß der Katholik oder bekenntnisgläubige Protestant sie niemals bezweifelt bat. Nur dem Allerweltsjuden westeuropäischer Prägung blieb es vorbehalten, aus diesen einfachen Dingen große Probleme zu machen. Ich wiederhole es: es sind immer nur die Menschen, die die Dinge flach, starr und äußerlich machen. Menschen sind es freilich auch, die zur Klarheit die Wärme fügen und die Unklarheit durch Wärme verführerisch machen, religiöse Größen die einen und religiöse Schwarmgeister die anderen. Jetzt ist es aber wichtig, die Sache auch von der anderen Seite zu betrachten. Schopenhauer hat einmal den Pantheismus einen „höflichen Atheismus" genannt, was eine wunderbar treffende Bemerkung war. Der nicht nur höfliche, sondern auch liebenswürdige, ja sogar bestrickend liebenswürdige Deismus, der sich heute kundtut, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß von ihm zur wahren Religion noch ein lang Stück Weges ist. Das ist gerade der Unterschied zwischen der Orthodoxie und jeder anderen religiösen Richtimg, daß all diejenigen, die ihre Religion auf freie Auswahl und Selbstverantwortlichkeit stellen, und sich nicht bloß Gort, sondern auch seine Lehre nach dem eigenen Bilde formen, etwas ungernein Sympathisches an sich haben, während die Orthodoxie nichts als die Ernsthaftigkeit ihrer Wahrheit einzusetzen hat. Religiöse Wahrheiten waren und sind immer unbequeme Wahrheiten und ihre Forderungen schwere Forderungen. Das Glück der Selbstüberwindung ist darum das einzig dauernde Glück, das die Religion uns bieten kann. Ist uns aber dieses Glück auch nur einmal, auch nur das erste Mal beschert worden, dann wissen wir, daß der sich mit dem Erlebnis drapierende Sireuenruf des religiösen Individualismus ein schöner Trug ist und weiter nichts. Du lieber Gott, es ist ja in dem Elend unserer Zeit nur zu verständlich, daß unsere erschütterten Menschen nach der Zerstörung so vieler Illusionen neuen Illusionen sich nur zu gern hingeben und gerade das Illusionsfreudige an der Religion über alles bestätigen und lieben. Aber eben gerade darum muß ihnen gesagt und immer wieder gesagt werden, daß das allein bestenfalls ein Anfang ist, der Anlauf, aber nicht der Sprung. So bleiben uns diese suchenden, sehnsüchtigen, aber in ihrer Sehnsucht beharrenden Menschen immer liebenswert und ihr Bemühen immer rührend. Wer aber ihnen helfen will, der muß ihnen mehr geben als „religiöse Aufgeschlossenheit"; — Ernst muß er ihnen geben, Klarheit über das, was ist und was noftut, und Ernst. Mau mag sich drehen und wenden, wie man will, alle Religion erprobt und bewährt sich allein an einem Punkte, am Ritus. Es ist im Rahmen eines kurzen Aufsatzes unmöglich, ganz auszusagen, warum das so ist. Ich muß und darf hier angesichts der Ernstheit gerade dieser Frage auf mein Buch „Aufruf zum Judentum" (Verlag Siegfried Scholem, Berlin) verweisen, das ich ganz allein dem Nachweis dieser Behauptung gewidmet habe. Außerdem weise ich auf einen Aufsatz des bedeutenden Moritz Heimann hin, der in seinen Nachgelassenen Schriften (S. Fischer-Verlag) sich als erklärter Rationalist mit meinem Buch auseinandergesetzt hat und gerade als Rationalist — was ganz besonders wiegt — mir bestätigt hat, daß Ritus und religiöse Formen innerliche Dinge sind. Für unsere mittelalterlichen Religionsphilosophen war das selbstverständlich, ich habe lediglich versucht, die modernen philosophischen Beweise dafür zu liefern. Jene alten Religionsphilosophen erkannten schon und haben es ausgesprochen, daß der Sinai seinen Sinn allein durch das Zercmonialgesetz erhalte. Für die „Vernunftgebote", z.B. „Ehre Vater und Mutter" usw., hätte es gar keiner sinaitischen Offenbarung bedurft. Sie war allein notwendig für die großen Bewährungsmittel und Erziehungsmittel der Religion. Und das sind allein die Gesetze des jüdischen Rituals. Nur an ihnen, au ihrer felsenstarken Wahrheit, sagten sie, erprobe sich der Mensch, wie er wirklich ist. Nur an ihnen könne er lernen, nutzzweckbefreite und selbstlose Taten zu tun: Ohne Uebung komme man nicht zur Tat, ohne religiöse Uebung nicht zur ethischen Tat. Und weist man auf unethisches Verhalten orthodoxer Menschen und ethische Hochrangigkeit freireligiöser Naturen hin, so beweist mau damit gar nichts. Es gibt religiöse Erbmassen vergangener Jahrhunderte, Tischreste vom Mahle der Väter, von denen noch Generationen später leben können und tatsächlich leben, wie wir täglich sehen. Als Ernest Renan den Katholiken Victor Cherbuliez in die Acadcmie Fraticaise aufnahm, hielt er ihm eine beiühmte Rede — und es war die Rede eines Beinahe-Atheisten —: „Mein Herr", sagte er, „wir haben die alten Formen begraben, aber wir wissen nicht, was wir aufgegeben haben. Wir leben heute vom Dufte einer leeren Vase. Unsere Kinder verden von einem Schatten leben und unsere Kindeskinder von dem Schatten eines Schattens. Ich fürchte, das könnte einmal sehr Seicht sein"... Zum Schluß: Es ist letztlich und endlich eine Sache der menschlichen Natur. Solange es religiöse Kämpfe und Auseinandersetzungen gab, hat es innerhalb dieser Kämpfe zweier- Aus der Haftara für Scb abbat, 5Januar (Itosdi Chodesdi Sdiwat) So hat ER gesprochen: Der Himmel ist mein 5fuh!, die Erde der Schemel meiner Füße, — was ists für ein Haus das ihr mir bauen wollt, was für ein Ort wöre mir Ruhestatt?! hat all dies doch meine Hand gcmadit, da ist all dieses geworden — SEIN Erlauten —, doch auf den blicke ich: aut den Gebeugten, Geisfzerschlagnen, meiner Rede Enfgegenbebenden. Jesdiajahu, Kap. 66, Vers 1-4 (vgl. auch Nr. 64 d. fahre» 1934) lei Menschen gegeben, die ich hier kurz als „Mosesmensch e n" und „J e s u s m e n s c Ii e n" bezeichnen möchte. Die Pharisäer haben zweifellos gewußt, was sie taten, als sie Jesus nicht anerkennen wollten, und Jesus ebenso, als er gegen die Pharisäer kämpfte. Es fragt sich nur, wo das Recht und wo die Wahrheit liegt. Ich meine — und meine es nicht etwa als Jude, sondern als Theologe —, daß die Pharisäer recht gehabt haben und, solange die Erde besteht, recht behalten werden. Denn kaum war Jesus tot, als ein .Wann mit Namen Paulus kam, der auf dem Bo K n der ncinn Echte all das schuf, was Jesus an den Pliaiisicni von Ornml auf bekämpft und abgelehnt hatte: Recht, Disziplin, Kulm--, l.elsronlnung, Ritus und noch etwas mehr: Paulus schuf die l) o g in en und mit den Dogmen die Scbut/wHsr gegen jenen religiösen Individualismus. Würde Jesus wiederkommen, und k.inir er genau so, wie er war, so w urde er d.is hat DuM-m w-ki in seinem berühmten „Großinquisitor" mit wunderbarer Klarheit dargestellt -- von der Kirche abgelehnt werden, gcsi.ni so wie ihn damals das Judentum mit innerer Notwendigkeit ablehnen mußte. Was Iwan Karamasow aber in seiner <-keptiscbcn Verbohrthcit nicht erkannte, ist die Tatsache, daß sein unsympathischer Großinquisitor im Besitze inner h tzten Wahrheit w ar. Bezweifelt man am lüde, dal! man mit > oli lien Ideen die jüdische Jugend ergreifen könne, so meine ich, daß man dann ruhig am Judentum selber verzweifeln kann. Solange ich für meinen Teil denken kann, war Jugend nie lur Halbheiten und immer hirs (i;> n / e und Unbedingte. Aber klar muß sie sehen, diese Jugend. Entweder liquidiert das Gottcsvolk seine ( n sehn hie und „um m liisiert" sich im Lande der Vater, wie das schöne Woi t lautet, oder alier es konfrontiert sieh mit Gott und seiner Lehre. Diese Konfrontation ist Weg und /.ich Aber auf den Weg muß man sich zunächst einmal machen, w ie w< it ein jeder kommt, ist seiner Kraft anheimgegeben. Das Ziel aber muß ein für allemal und mit äußerster Klarheit gesichtet und gesehen werden. Und es gibt nur ein einziges und ganzes Ziel und keine Auswahl. Denn dieses Ziel hat Gott gestellt, und Gott ist kein Händler, der seine Waren auslegt, damit wir uns aussuchen, was uns paßt. Die Lage im Misrachi Ueber die Situation im Misrachi, die nach der von im* seinerzeit gemeldeten Abspaltung des „Misrachi ha-wathik" entstanden war, erhalten wir einen Bericht von IV. Oskar Wolfsberg (Jerusalem), dem wir folgendes entnehmen: Die Konferenz des Zentralrats des Wcltmisraehi, die im Spätsommer in Lemberg tagte, setzte eine dreigliedrige Kommission rin mit der .Aufgabe, Verhandlungen mit dem „Misrachi wathik" und allen oppositionellen Gruppen im Misrachi aufzunehmen. Die Kommission, bestehend aus den Herren R. Brot, Berlin und Gold sollte, winn möglich, eine völlige Einigung herbeiführen. Die Verhandlungen, an der von sehen des „Misrachi ha-wathik" R. Ostrowski,' A.ssaf Hermann, Prof. Pick und Dr. Wolisberg teilnahmen in einem kurzen Stadium auch Hermann Struck, Dr. A. Barth und Dr. Rothschild (früher Lübeck) . haben ergeben: Der „Misrachi ha-wathik" bleibt als Partei bestehen, und der Misrachi hat hinfort einen föderativen Aufbau. Drei Gruppen setzen ihn hinfort zusammen: der Misrachi alter Prägung (wenn mau will: Stain-Mi>racbi), ha-I'oel h.i-Misrachi und ha-Misracbi ha-wathik. In uei Zusammensetzung aller uitscheidendeu Giemieu p.n nzgneri der „Misrachi wathik" aut Grund seines < iruppciu harakfers, Dazu wird betont, daß der Misrachi ha-wathik seine in Beschlüssen festgelegte grundsätzliche Haltung gemäß dem in der „Jüdischen Rundschau" seineizeit xeröflentlk Ilten Programm festhält. Die früheren d e u t s c h e n M i s r .< c h i s teil, die durch die oben erwähnten Namen repräsentiert werden, sind nicht i n d e n W e I t - M i s r a e h i zurückgekehrt. Sie sind Mitglieder des Misrachi ha-wathik, ohne Mitglieder des WYltmisrachi m sein. Sie sind entschlossen, zunächst abzuwarten, wie der Friedensschluß sich auswirkt. Diese Gruppe der deutschen Misraehisten betrachtet also die Vereinbarung als Ermoglichuiig einer einheitlichen Aktion in bestimmten praktischen DnH'eii. wodurch die Stoßkraft des ge.setzestrciicn Fitigels im Zionismus gestärkt werden soll. Die Moa/ah der Misrachi-Landcsorgathsation in Palästina hat sich gegen das Abkommen ausgesprochen und die Dreierkommission (Brot, Berlin und Gold) desavouiert. Es scheint also, daß die Kämpfe noch keineswegs ihren endgültigen Abschluß gefunden haben. Unsere Schachecke Auf mehrfachen Wunsch unserer Leser haben wir uns (wie in der Nummer vom 28. Dezember 1934 bereits kurt bekanntgegeben) entschlossen, in der „Jüdischen Rundschau" eine regelmäßige Schachccke einzurichten. Das Schachspiel, selbst orientalischen Ursprungs, ist bei den Juden seit Jahrhunderten besonders beliebt. Nicht nur haben große jüdische Persönlichkeiten auch schon im Mittelalter das Schachspiel gepflegt, sondern auch unter den heutigen Weltmeistern gibt es zahlreiche Juden. Man hat behauptet, daß die geistige Eigenart der Juden dem SehachspL-I, das eine besondere Art Kombinationsgabe und Scharfsinn erfordert, besonders entgegenkommt. Manchen Lesern wird der Vortrag erinnerlich sein, den der jüdische Denker Emanuel Lasker, selbst jahrelang Welischachmeister, vor einiger Zeit in Berlin über das Schachspiel bei den Juden gehalten hat. In unserer Schachrubrik, die von dem als erstklassigen Fachmann bekannten jüdischen Schachmeister J. Mieses geleitet wird, werden wir neben Aufgaben, an deren Lösung unsere Leser sich beteiligen sollen, vor allem interessante Partien jüdischer Meister zum Abdruck bringen, deren Nachspielen fesselnd und zugleich lehrreich ist. Unsere Schachrubrik, die heute beginnt, wird Htägig erscheinen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.