Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 2 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 2, 4.1.1935 Differenzen treten in diesem südlichen Lande zurück. Der italienische Faschismus betont jedenfalls immer wieder die rechtliche und tatsachliche Gleichstellung der Juden, bekämpft den Antisemitismus und erkennt an, daß die Juden als nationale Gruppe, insbesondere durch den Aufbau Palästinas, Wertvolles für die Welt leisten. Prinzipien und Taktik Ein besonderes Wort erfordern unter dem politischen Gesichtspunkt diejenigen Staaten, die einen Schein Parlamentarismus bewahrt haben, aber im wesentlichen doch autoritär regiert werden. Wir denken in diesem Zusammenhange /. B. an Ungarn, Polen und Litauen. Ungarn war bekanntlich eine Zeitlangnach dem Kriege die Hochburg des Rnsscnantisemitismus und der jüdischen Entrechtung. Heute wird von der Regierung ein Kurs verfolgt, der die Gleichberechtigung der Juden anerkennt, aber nicht verhindern kann, daß im Lande selbst da und dort Ausbrüche gegen die Juden vorkommen. Zugleich spurt man, dal! mit der Tendenz der (ilcichberectitiguneine Politik der Assimilation verbunden wird, die im Rahmen der gesamten ungarischen Politik den Minderheiten gegenüber taktisch verstandlich ist, aber nach den eigentlich nur Sehr kurze Zeit zurückliegenden Rassekäinpien etwas merkwürdig anmutet. Dali derartige assimilatorische Hoffnungen von Regicrungsscitc auch anderswo vorhanden sind, zeigt die vor kurzem abgegebene Erklärung eines litauischen Ministers, der es besonders begrüßte, daß Juden die litauische Umgangssprache annehmen, wobei allerdings zugleich deutlich wurde, dal! dh' Regierung nicht gewillt ist, gegen die antisemitischen Sn.'.inuiigen im Landianzukämpfen. Anders liegen die Dinve in I';>ii n. wo das I'ilsud.ski-Regirne in einem schalten Kamp! g' .:<-': die anti-einitivehen Nationaklemokraten steht und -ich gegen die antisemitischen Ex/esse wendet, ehe von dieser Seite allenthalben im Lande vorkommen. Daß allerdings die Wirtschaftspolitik der Regierung sich durch ihre allgemeinen Malinahmen besonders gegen die Juden wendet, steht aaf einem anderen Blatt und ist später noch zu iRspreeln::. Das polnische Bei-picl aber zeigt, dal! auch ein autoii>.i;i > K< .-itne weniger aus Prinzip antisemitisch odi r Juden Ii';:::du b. zu >cin In .nicht a's im Hinblick auf die taktischen ti>so bcnhciteii, die in diesem Lande, in dem die Regierung nicht in den 1 landen der antisemitischen Rechtsgruppen liegt, tan natürliches Bündnis zwischen Regierung und Juden vehaff'-n. Und wie 'teht es mit den Demokratien? Es ist klar, dar! die-'- grued-ai/iirh für eine Gleichstellung aller II Ii r p r r n-d und daher den Juden politisch nicht unfreundlich gcgi imix rireleu können. In einigen dieser Länder genießen die lehn darüber hinaus wie andere Minoritäten einen besonderen Sehnt/, etwa in der Tschechoslowakei, in manchen sind sie ein Instrument des parlamentarischen Spills, /. Ii in Griechenland und daher in ihrer politischen Lage brichst gefährdet, anderswo tritt die antisemitische Agitation sehr radikal auf, z. iL in der Schweiz, auch in den Niederlanden, und wird von den Regierungen mit großer Lncrgie bekämpft. In den Ländern des Westens, wohin ein Strom jüdischer Auswanderung aus Deutschland gegangen ist, hat der Antisemitismus dadurch einen gewissen Aufschwung gewonnen, aber die maßgebenden Kreise in Politik und öffentlichem Leben lehnen ihn entschiedcn ab. Ausstoßung aus der Wirtschaft Damit sind wir bereits mehrfach in das zweite Gebiet hineingelangt, das uns in diesem Zusammenhange interessiert: das ist dasjenige der Wirtschaft. Die Lage der Juden hängt nicht zuletzt eng mit der Wirfschaftssituation in den einzelnen Ländern zusammen. Wir meinen damit nicht die wechsehnle Konjunktur, obwohl auch diese in ihrem Auf und Ali flu die Zuspitzung der Judenfrage von größter Bedeutung ist, oud<;:i die Struktur der Wirtschaft, die in JiiHi /'it|)eriodc in den verschiedenen Ländern besteht. Und biwnii neunten wir den Satz aufstellen, daß die J ti (I c n f r a g e stils dort a m deutlichsten siehtb a r wir d, w o d i e W i r t s c It a I t ei n es L a n il e s d e n U eb c r g n n g v un t in er m e h r o d e r weu i g e r s c Ii w a c Ii i ii (1 u s t r i a i i s i e r t e n A g r a r v e r f a s s u n g zmn I n d u s t , , e k a p i t a I i s m u s findet. Die Juden haben in tnam'nn 1 andern ( >st- und .Mitteleuropa* teils allein, teils in Viihiiuhing mit anderen kleinen Gruppen (die vielfach auch 1 11 ni : ■ i.unmige, l.migranten und Retugies waren) Bürgertum und Mittelstand entwickelt, ohne die auch in einer verh.titrii-tnaüirr psimühm und in <jch beruhenden Agrarverfa-Ming un An-taiiM-h der Produkte unmöglich wäre. Sie haben auch mit Duldung von Regierung und Gesellschaft überall von ehr Seite des Handels- und des Finanzkapitals aus an dein Beginn ihr industriellen Entwicklung mitgearhih^t. Dä-vr Piozei; kam in dem Augenblick /um Abschluß, in dein daailgenuu.e Niveau der Lebenshaltung im Lande sich soweit gtIt*»In u hatte, daß man nunmehr daran gehen konnte, ans eigeiun Kräften die feineren Verzweigungen der Wirtschaft zu entwickeln, und in dem zugleich, hergeleitet aus den romantischen Wurzeln einer Hinwendung zur eigenen Geschichte, das n a t i o n a! e B e w u ß t s e i n ans Tageslicht drängte, mit dun Willen, einen Staat zu schaffen und in seinen Grenzen eine nationale Wirtschaft aufzubauen. Dieser Zeitpunkt des Ucbcrgauges zur nationalenWirtschaft und zugleich zum 1 n d u s t r i e k a p i t a 1 i s m u s, der in Mitteleuropa schon im letzten Dritte! des l'i. Jahrhunderts eine große antisemitische Welle erzeugt hat, überschwemmte die Länder des Ostens in der Nachkriegszeit und hat zu einer gewaltigen Aussonderung der Juden aus dem Wirtschaftsprozell geführt. Dies gilt besonders von Polen, wo die Not der existenzlos gewordenen und durch die ökonomischen Maßnahmen der Regierung immer stärker bedrängten Juden völlig auswegslos erscheint. Aber auch in _ L i t a u c n und den tibi igen Rand Staaten, in Rumänien und auf dem Balkan finden wir gleiche oder ähnliche Erscheinungen, an denen selbst wohlmeinende Regierungserklärungen wenig zu ändern vermögen. Nicht zuletzt ist das Schicksal des russischen Judentums in dieser Hinsicht außerordentlich ähnlich gelagert, da dort im Zuge der allgemeinen Umwandlung des Wirtschaftslebens und besonders der Industrialisierung die früheren Grundlagen der jüdischen Existenz, wegfielen. In _ kultureller Beziehung geht mit all diesen Erscheinungen parallel bzw. durchkreuzt sie die Frage nach dem Verhältnis der Bild u n g s - und Zivilis a t i o n s s t u f e n der Juden und ihrer Umwelt. In Lindern, in denen dieses Niveau auf jüdischer Seite „Seit 1880 kein Die Wetterkatastrophe in Palästina (Telegramm der „Jüdischen Rundschau") g. I. T e 1 - A w i w, 3. Januar. Die Wetterkatastrophe, von der Palästina zu Beginn dieser Woche heimgesucht worden ist, hatte ein für die Verhältnisse des Landes ganz ungewöhnliches Ausmaß. Seit 1880 ist kein derartiger wolkenbruchartiger Regen in Palästina niedergegangen. Der Schaden, der durch die Ueberschwemmungen verursacht worden ist, ist beträchtlich; eine Gesamtsumme ist noch nicht offiziell festgestellt, nach privaten Schätzungen wird von der JTA. der Schaden auf eine Million Pfund beziffert. Das Unwetter hat zwar glücklicherweise — im Gegensatz, zu dem Wolkenbruch in ■Liberias im Mai vorigen Jahres ■— keine größere Zahl von Menschenleben gefordert, doch sind vereinzelte Unglücksfälle vorgekommen: Auf dem Gebiet der Haifa- Bay wurde ein arabischer Wächter der Irak Petroleum Comp, von den Fluten weggerissen. In Kfar Baruch (Emek Jesreel) ist der Sekretär der Haifaer Ortsgruppe der jüdischen Arbeiterpartei (Mapai) ertrunken. Der Bahn verkehr nach Haifa war vier Tage unterbrochen, der Bahndamm der Strecke Ludd^Haifa stellenweise zerstört. Nach Reparaturen, die einen Aufwand Die Tagungdes Administrative Committee der Jewish Agency Wiedereintritt Felix Warburgs New York, 1. Januar. (JTA.) Am 31. Dezember wurde in New York die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency in Anwesenheit von 18 zionistischen und 14 nichtzionist'schen Mitgliedern unter dem Vorsitz von Neville L a s k i eröffnet. Ferner nahmen an der Sitzung die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B. H c x t e r, Louis Lipsky und Berl Locker, sowie Leo Hermann als Vertreter des Keren Haj'essod und Dr. Martin Roscnblüth und Dr. Georg Landauer als Vertreter des Zcntralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina teil. In seiner Eröffnungsansprache gedachte der Vorsitzende des ersten Präsidenten des Council der erweiterten Agency, Louis Marshall, Dr. Chalm Arlosoroffs und anderer hervorragender Mitglieder der Jewish Agency, die seit der letzten Tagung dahingegangen sind. Sodann verlas er eine telegraphische Grußbotschaft des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum Sokolow. Eine weitere Begrüßungsansprache hielt Dr. Cyrtis A d - 1 e r, der neben Richter M a c k zu einem der Viz.eprä identen der Tagung gewählt worden war. Der frühere Vorsitzende des Administrative Committee, Felix W a r b u r g, nahm an der Sitzung teil und trat in das Administrative Committee wieder ein. Einen Bericht über die allgemeine Lage in Palästina und insbesondere über die Fortschritte der Kolonisationsarbeit erstattete Dr. Maurice B. H e x t e r. Er befaßte sich auch mit der Entwicklung der Schwerindustrie und der übrigen Industriezweige, mit Fragen des Exports und der Beschäftigung jüdischer Arbeitskräfte. Seinen umfassenden Ueberblick über die Wirtschaftslage in Palästina schloß Dr. Hexter mit der Feststellung, daß sämtliche Kolonien bis auf eine einzige sich bereits aus eigenen höher ist als bei der übrigen Bevölkerung, kommt es nur allzu leicht zu spontanen Ausbrüchen gegen die Juden; wir kennen dies aus dem alten Rußland, aber auch heute noch aus Pole n und haben im Orient, in Algier und Tunis schwerwiegende Ereignisse dieser Art erst jüngst erlebt. Eine antisemitische Bewegung von politischer Kraft beschrankt sich aber /umeist auf solche Lander, in denen ein solcher Niveauunterschied nicht besteht. Denn dort ist ja auch die breite Masse der Bevölkerung fähig, an politischen Aktionen teilzunehmen, und erst dort begreift der Einzelne, welche Macht in gesetzgeberischen Akten liegt, so daß man die Energien auf diese und nicht so sehr auf physische Verfolgungen richtet. Es sind darum gerade kulturell hochentwickelte Länder, in denen ausgesprochen antisemitische Parteien auftreten und ihre Forderungen verfechten, wie etwa neuerdings in der Schweiz, in S ü d - a f r i k a und nicht zuletzt in gewissen Anfängen in England, Jüdisch« Irrtümer Was die Juden selbst anbelangt, so darf man ihren Einfluß auf Form und Stärke, mit der die Judenfrage auftritt, nicht überschätzen. Der wesentlichste Faktor liegt in ihrer Zahl: Wo es nur sehr wenige Juden gibt, ist auch die Judenfrage verhältnismäßig wenig brennend. Andererseits ist nichts so verfehlt wie der ülaube jüdischer üruppen, sie könnten durch g e s i n n u n g s m ä ß i g e Beteuerungen diese Frage aus der Welt schaffen. Nicht nur die Ereignisse in Deutschland sind hierfür ein warnendes Beispiel — auch anderswo war die Verfehltheit dieser Bemühungen zu beobachten. Es hat den ungarischen Juden nichts genützt, wenn sie sich als „Uebcrmagyaren" aufspielten, und es nützt den tschechischen Assimilan ten wenig, daß sie sich als Tschechen maskieren, wenn in Prag gegen Deutsche und Juden demonstriert wird. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß manchmal dort, wo die Juden als nationale Oruppe im Staatsleben auftreten, eine Entspannung der Beziehungen erfolgt, etwa in gewissem Umfange in der Tschechoslowakei, aber auch in Estland, wo die jüdische Minorität offiziell anerkannt worden ist, und bei dem Verhältnis zwischen der polnischen Regierung und den dortigen Juden auf rein politischem Gebiet. ZukunftshoHnungen Das Bild, das man in dieser Zeit von der Lage der Juden in der Welt zeichnen kann, ist im allgemeinen kein solcher Regen" von 3000 Pfund erforderten, ist der Verkehr heute wieder aufgenommen worden. Während des gestörten Verkehrs konnten die Passaglere zum Teil mit Autobussen weiterbefördert werden, zum Teil jedoch waren sie gezwungen, in den Zügen und auf den Bahnhöfen zu übernachten. Im Distrikt Haita sind besonders in den tiefer gelegenen Teilen zahlreiche Häuser und Hülfen überschwemmt worden. Aus vielen Häusern wurde der Hausrat weggeschwemmt und viele Einwohner (zum größten Teil Araber) sind obdachlos geworden. Von jüdischen Kolonien ist besonders die Scharon-Ebene in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Gebiet um N a t h a n i a und W a d i C h a w a r i t h war mehrere Tage vollkommen vom Verkehr abgeschnitten, ohne Licht, Trinkwasser und Telephon. Straßen und Brücken in diesem Gebiet sind zerstört. Auch Beer Schewa (arabisches Städtchen im Süden des Landes) ist durch die Flut vollkommen vom Verkehr algeschnitten gewesen. In T c I - A w i w sind die am Strand gelegenen niedrigen Viertel überflutet. Viele Straften sind beschädigt. Die Häuser der niedrig gelegenen Viertel mußten evakuiert werden. Es gibt in Tel-Awiw zahlreiche Obdachlose, aber es sind keine Todesopfer zu beklagen. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Auch ein großer Teil der Pardesslm, wo die Orangenernte gerade vor sich geht, sind erheblich beschädigt, eine Bezifferung auch dieser Schäden steht noch aus. Krättcn erhalten und daß die Investitionen in Orangenpflanzungen bereits Zinsertrag abwerfen. Es sei mit einer Einw anderung von 60 000 Menschen im Jahr nach # Palästina zu rechnen. Berl I. o c k e r sprach über politische und Einwanderungsfragen, Dr. Landauer über die Arbeit des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden und Leo Hermann über Finanzfraßen. _ Es wurden folgende Kommissionen gewählt: Politische Kommission, Koloritsat tons-Kommission, Finanzkommission, Resolutions-Kommission. Am zweiten T a g e wurde über die Forderung des nichtzionistischen Teils der Agency nach stärkerer Vertretung in der Exekutive verhandelt. Jüdischer ArbeiterkongreB in Amerika Von der League for Labor Palestinc in New York erhalten wir einen umfangreichen Bericht über den kürzlich abgehaltenen Kongreß anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Fonds, den die jüdische Arbeiterschaft Amerikas z u g u n s t e n der j ü d i s c h e n Arbeit in P a 1 ä s t i na geschaffen hat. Der Kongrell, der im Pennsylvania-Hotel in New York stattfand und außerordentlich gut besucht war, wurde auch durch Vertreter der größten amerikanischen Gewerkschaften (Unions) und von zahlreichen Vertretern des jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes beschickt. Von der Histadruth waren Salmon Rubaschow und Baruch, Zuckermann anwesend. Es wurden mehrere Referate über die Situation in Palästina gehalten, wobei mehrere Redner sich scharf gegen jene Kreise wandten, die das Prinzip der jüdischen Arbeit verletzen. V. a. erstattete Georg Landauer einen Bericht über die Lage der deutschen Juden. Der als Redakteur der jiddischen Zeitschrift „Zukunft" und als Dichter in Amerika bekannte Abraham Lessin erstattete ein Referat über die jüdische Jugend, das mit Begeisterung aufgenommen wurde, die auch als Ehrung seiner Person galt. Die Versammlung nahm schließlich eine lange Resolution an, in der sie sich zu I;vz Israel und zur Histadruth bekennt und gleich/eilig gegen die Beschränkung der jüdischen Arbeiter-Einwanderung protestiert. erfreuliches. Und auch die Kräfte, die in der Welt wirken, sind in vieler Hinsicht gegen uns eingestellt und lassen die Befürchtung aufkommen, daß eine Erleichterung unserer Lage in politischer oder wirtschaftlicher Beziehung nicht zu erwarten ist. Trotzdem darf man nicht übersehen, daß es Faktoren gibt, die uns freundlich gegenüberstehen. Die besten Kräfte im geistigen Leben vieler Völker fühlen sich mit uns verbunden, und es ist besonders die angelsächsische Welt, in der heute ein erheblicher Teil des jiidischeu Volkes lebt, die nicht zuletzt durch ihre kulturelle Fundienmg in der Bibel eine starke Bereitschaft hat, uns Juden in unserer Wesensart anzuerkennen und zu schätzen. Auch politische Kräfte gibt es, die uns nicht feindlich gegenüberstellen, da sie glauben, dal! die Wahrung der individuellen Freiheit des Menschen, die unbedingte Achtung seiner Menschenwürde und das Prinzip der Gerechtigkeit oberste Gesetze des Handelns sein müssen. Man hat uns in vielen Ländern die Möglichkeit zur Mitarbeit an Staat, Wirtschaft und Kultur gelassen. Das Wesentlichste aber, was diese Zeit an Wertvollem uns Juden gebracht hat, ist die Bemühung um die G e s t a 11 u n g unserer eigenen Zukunft m i t den i n uns liegenden materiellen und geistigen Kräften. Die Besten unseres Volkes wissen, daß unsere Zukunft äußerlich und innerlich gefährdet ist, wenn wir uns nicht auf uns selbst konzentrieren und uns den Weg zu einer glücklicheren und schöneren Existenz bahnen. Palästina, der Aufbau unserer nationalen Hejmstatte, ist darum — und nicht etwa wegen der materiellen Prosperity — der Lichtstrahl in dieser oft so düster erscheinenden Gegenwart. Es ist der Sammelpunkt aller Kräfte in uns selbst, die über den Tag hinaus etwas schaffen wollen — es soll es jedenfalls sein! An uns, den Zionisten und dem ganzen jüdischen Volk liegt es, nicht nur Menschen und Mittel dem Lande ununterbrochen zuzuführen, und sein Leben reicher zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, daß die besten Kräfte unseres Volkes dem Aufbau ihren Stempel aufdrücken. IlaupUehrittleiter: Dr. Robert Wcltsch, Uerlin-Charlottenburg 9. Stellvertreter: Kurt Loewenstein, ßeilin VV 15. Anieigerdeiterin und verantwortlich für den Anzeigenteil: Helene Chanciner, Berlin N 54, Verlag und Aiucigeriverwaltung: Jüdische Rundschau, Üulin W 15, Mtini-kci.tr. 10. D.-A. Dezcmlwr 33 300. — Druck: üiugtricd Scholcui, Beilin-Schonebcig.