Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-01-01 · Heft 1 (1.1.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 1 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653828--26224-2687594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, T. 11935 Unromantisches Ghetto Kämmcrchen. Auffallend sind kreisrunde Behälter aus gestampftem Lehm, die fast jedes Haus besaß und die zur Aufbewahrung vermutlich von Getreide bestimmt waren, also primitive Silos sind. Die nächst untere Schicht latf 0,50 m tiefer und entsprach im Plan der oberen. Vermutlich hatten beide dieselben Bewohner, die sich entweder freiwillig auf die Wanderung begeben hatten oder vertrieben worden waren, dann zurückkehrten und eine neue Stadt auf den Trümmern ihrer alten errichteten. Darunter lagen noch zwei andere, wahrscheinlich erheblich altere Siedlungen, denn es konnte sich eine Schuttschicht von 1> 'L» m ablagern, bevor die Wiederbesiedlung erfolgte. Die Untersuchungen in diesen Schichten dauern noch fort. Das überraschende Lrgebnis dieser Grabungen ist nun. daß sich in den Häusern der oberen Schicht ziemlich häufig Wandmalereien fanden. So kam ein Fries von Vögeln lind einige Köpfe mit riesigen runden Augen und hohem, turbanartigen Kopfschmuck zutage. Die Zeichnung war j^auz roh, völlig geometrisch stilisiert. Als Farben waren Schwarz, Rot, Gelb und Weiß verwendet. Der bedeutendste Fund bedeckte eine große Fläche mit einem achtstrahügen Stern, in dessen Mitte eine runde Scheibe dargestellt ist." Die Strahlen waren abwechselnd schwarz und rot mit weiiien Wellenlinien. Ueberhaupt ist die Imicuzcichnuug reich. Außerhalb des Sternes waren auf der Fläche wieder Kopfe der gleichen Art und Teile von Drachcugestaltcn erhalten, außerdem Reste mehrerer unbestimmbarer Figuieu. Daß dies Gebilde religiösen Sinn hatte, ist wohl nußer Frage. Der Grahungsberieht bringt den Stern mit der Göttin I s h t a r, der AstaiTe der Bibel, in Zusammenhang. Das wurde auf Zusammenhange mit dem Gebiete Babylons weisen. Die Gestalt und Stilisierung des Sterns unterstützt eine solche Annahme. Die Kunstwcise steht der alten Keramik von Susa nahe. Das würde durchaus mit dem biblischen Bericht in Flinklang stehen, daß Abrahams I leima! in Chaldäa lag. lieber die Grenzen dieser Siedlung hinaus wurde eine Nekropole untersucht, die wahrscheinlich die letzte Ruhestätte ihrer Bewohner war. liegt im t Men, an den Grenzen des Kulturlandes und am Fu.i der Gebir •■ .terra-se \on Mt)nb. Sie ist megaliihUch, d. h. -:e gehört einer Periode der Steinzeit an, die enorme Sinne für ihre ( j; abaulag'en verv. i miete und u. a. :m> h im Xooien l'nn>p is li.-imisch war. Der Gnindtvpus ist der > sammele Dolmen, in unserem lalle eine Gruppe von vier unh. all» Helen Steint n, die einen Decksti in tragen. Dm diese giob- :en (naher, in denen u ahroliein- 1 ich die Häuptlinge bes' o-ef waren, brom die mit großen Steinen ausgelegten IVgi.dmi-Mdes Volkes, deren 1 iirm, die sogenannte < iste, gieicliulb in Ilutop.i!> Kaimt ist. Die Gräber waren von Norden na. 1t ^uden orientiert. Ks gibt üoeli drei w< Hei.- solcher N'e!>ro|x»leii in derselben Gegend am Fäiße der M. on; ber:e; Ad ei in eh, I i] 1 a n u um! Harn in 3 m, die doa < >..., n, d,e immer lie-sut/t wurden, cnlspre,. heil: Siii'inn h. Kamill mal Kmrein, Ige biblischen Namen die* er Om waren Bin le-ehimoiii, B. ih Ilaram und Abel Sittini. Die Blute die-er <.{,>>■ n i illt in d:e Zeit Ahrahams und die ganze S;.,,lh'oug >..• i-g wahr-eln i.ilicli mit der Pentapolis identisch, die Gent »k XIV erwähnt wird. Nationalismus und Säkularisation In dem vor kurzem bei Mohr in Tübingen erschienenen Ruche von Dr. Gerardus van der 1. eeuw, Professor der Religionsgeschiehte in Groningen, „Phänomenologie der Religion (Neue theologische Grundrisse)" finden sich einige Darlegungen (in dein Kapitel „Nation und M c n s c h h e i t"), die auf N a t i o u a 1 i s m u s ti n d S ä k u - 1 a r i s a t i o n eingehen und auch den Nationalismus in Israel ins lieht stellen. Prof. van der l.eemv bemerkt in dem erwähnten Kapitel: „Die Heiligkeit haftet der Gemeinschaft an, auch v\.nn >ic sieh vom Stamm zum Staat und zur Nation entwickelt und damit allmählich säkularisiert" (Seite 210). „Zur Nation gehört neben der nicht einmal so wichtigen BliitverwandtM/haft das genieinsame historische Erlebnis, das Zusammengelebthabcn. Das jüdische Volk ist das erste historische B.i-piel einer Nation. Die anderen Völker des Altertums sj,u| entweder Stämme oder Reiche. Aus Prag wird uns geschrieben: Es besteht eine gewisse Gefahr, daß Völker, denen es schlecht geht, anfangen, ihr Elend zu romantisieren, ja, daß Lebensformen, die ihre Entstehung mir härtestem Schicksal verdanken, als vorbildlich gepriesen werden. Der Zusammenhang mit der Wirklichkeit geht dabei verloren, und das Urteil der Umwelt, die die Realität viel härter sieht und beurteilt, wird deswegen feindlich gescholten. So kam es, daß kürzlich der karpatho-russische Film „Die ungetreue Marijka'', der das Zusammenleben der ruthenischen und jüd. Bevölkerung in den verlorenen Waldgebieten des tschechoslowakischen Fernost schildert, als „antisemitisch" verschrien wurde. Dabei waren seine Autoren alles andere als dies. Sie gaben nur Wirklichkeit. Und die jüdische Wirklichkeit ist nicht immer angenehm, wenn auch ihre negativen Formen durch ihre historische Erklärbarkeit oft entschuldbarer sind, als die gleichen Formen der anderen Völker. Man braucht nur au die Gestalt des Rabbiners Spira aus Munkacz zu erinnern, um diese Formen einer „Romantik" ablehnenswert zu finden. Und daß Karpathorußland neben seinen jüdischen Handwerkern und Bauern auch eine sozial mehr in die Höhe gekommene und zum Teil dadurch verkommene jüdische Schicht hat, wird niemand leugnen. Man findet sie sehr interessant geschildert, und zwar mit offenbarer Wahrhaftigkeit, in dem dem gleichen Legendenkreis wie der oben genannte Film entnommenen Buch „Der Räuber N i k o I a S c h u h a j" des hervorragenden tschechischen Airtors Ivan Ol bracht, das in einer wirklich dichterischen Uebersetzung von Julius Mader soeben deutsch im Verlag R. Piper rV Co., München, erschienen ist. Olbracht schildert das von den Menschen dieses Urwaldlandes in die Sage erhöhte Leben des „in die Berge gegangenen" ehemaligen Soldaten und Bauern Schuliaj. Fr lliuelt seinen korsischen, mazedonischen oder abrtizzischen Brüdern, bekämpft als Einzelgänger den Staat, nimmt dabei als edler Räuber von den Reichen und gibt den Armen und wird von der Landbevölkerung deshalb verehrt. Bei dieser Gelegenheit entwirft Olbracht auch ein Bild der Juden in den karpathortissischen l>'irfern. Sic werden von Schuliaj genau so bekämpft wie erst die ungarischen Gen- Rekle halten sich für die eigentliche Welt, und ihre Herrscher haben kosmische Bedeutung. Aegypten und Babylon sind die Welt, aber sind keine Nationen. Israel, bedrängt unter den Volkern, erlebt die Mächtigkeit lies Volkes als eine eigene, nationale... Die Mächtigkeit der Nation gilt, trotz aller Säkularisation, immer noch als heilig... Nationalismus ist immer religiös. Das großartigste Beispiel dieses religiösen Nationalismus sind wiederum die Juden. Israel ist nicht der Stamm oder das Reich, dessen Grenzen die Grenzen der Welt sind oder doch sein sollten. Es ist ein Volk unter Volkern. Aber unter diesen allen ist es erwählt, Gott ist sein Gott. Das Volk ist Gottes Volk. Und der Gott des Volkes ist auch der Gott der gemeinsam erlebten Geschichte: der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der das Volk aus Aegypten, aus dem Diensthause geführt hat" (Seite 250). Die Bedeutung der gemeinsam erlebten Geschichte hebt Prof. van der Leeuw auch in dem Kapitel „Der Stifter" hervor, indem er zur biblischen Erzählung vom brennenden Dornbusch bemerkt: „Das Wesentliche ist hier, wie später in historisch minder wichtigen Verhältnissen bei Samuel, das Sprechen Gottes und das Hören des Stifters... Es ist der Gott, der in der Geschichte seinen Willen betätigt, der sich hier dem Stifter kundtut. Moses' Stiftung ist Erfüllung des geschichtlichen Auftrags seines Gottes. Sein Erlebnis pflanzt sich fort als Gehorsam. Es muß sich — als Erlebnis des Volkes — als Treue bewähren" (Seite 620). Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim. darraeo und später die tschechischen Behörden. Aber wenn man das Buch aufmerksam Kest, so sieht man, daß der Räuber und der Autor sehr wohl zu unterscheiden wissen zwischen dem tätigen Juden (Schmied, Handwerker usw.) und dem raffenden Krämertyp. Letzterer ist der entartete Jude, der immer nur mühsam die Augen nach oben dreht, um flink von der Welt zu erspähen, wer gerade dort Herr ist. Die Romantik des Dorf/uden ist hier scharf durchsetzt und durchsäuert \on sozialen Erkenntnissen, deren Ergebnisse Olbracht oft als „Antisemitismus" ausgelegt werden. Man braucht aber nur seine Schilderung des jüdischen Patriarchen zu lesen, in der dieser Haus und Familie durch Haltung, Klugheit und Würde vor den Flammen einer trunkenen Revolutionsnacht schützt, um zu erkennen, wie klar Olbracht die Dinge sieht. Die Grenze des „Antisemitismus" ist hier oft schwer zuziehen. Auf sein Jtidescm hat sich anscheinend ein anderer Prager Autor, E. E. Kisch, besonnen, der in einem kleinen Sammelbuch, das sehr groß aufgemacht ist, „Geschichten aus sieben Ghettos" erzählt. Kisch, eben erst der „Held" einer australischen Sensation, ist in «Uesen Geschichten vollkommen unpolitisch. Nur ab und zu pappt er einen Alibi-Satz ganz zum Schluß an die Erzählung an, ohne daß das irgendeine Bedeutung hat. Denn seine Erzählungen sind entweder rein historisch-anekdotisch oder ganz eingeschlossen in die menschlich-jüdische Atmosphäre, aus der sie wachsen. Und wenn sie auch mit grolier Liebe geschrieben sind, so wird man ihre skurrilen Helden doch nicht lieben. Die scharfe Feder des reponierenden Autors kratzt die Konturen seiner Objekte plastisch heraus und sie stehen in ihrer grotesken Einmaligkeit und Flilflosigkeit erbarmenswürdig nackt da, Spukfiguren aus Paris, vom Prager Judenfriedhof, aus verlassenem Provinzdorf, Schnorrer, Boxer, Händler, Aufschneider, Halbwahnsinnige und allesamt Opfer. Man schaudert vor ihnen, weil man von ihnen weil), daß sie, im Gegensatz etwa zu den Gespensterfiguren E.T. A. Hoffmanns, nicht Dichter- Hirngespinste, sondern Wirklichkeit sind. Glänzend wird jede dieser Panoptikumsfiguren voll Blut und inneren Wunden aus dein Zwielicht ihres Daseins ins helle Augenlicht des Lesers gestellt. Auch dies in seiner traurig-ironischen Form eine Entromantisierung falscher Ghetto-Sentiments. m.g-g. Wir veröffentlichen nachstehend auf Wunsch einer Anzahl von Lesern den Text der zwei ersten Strophen der „Halikwah" von N. II. Imher, dessen 2.5. Todestag in diesen Tagen begangen werden konnte, sowie eine deutsche Vcbersotzang dieses jüdischen Nalionalliedcs. V.£nt}nf>n^t) .nyyin Hin', tr'sj -ps 25^3 -tly V$ .1 awj>:n^'ü? rri?n ,uc)i?P rrpr tib niy - ,r-;«:ls "i;n rri *i th U'ciaK ity uo&Mag m3:?-n »nir}} dk\j? i:vv.» niy;jfiv"?? -s .'131 «r?3f?0 mT3K ufr t>; - ,r::.i< <i3j? W o^-pin 1. Solange im Herzen innen nocli eine jüdische Seele schlägt, und ostwärts, gen Sonnenaufgang ein Auge nach Zion noch schaut, — ist noch unsere Hoffnung nicht verloren, die alte Hoffnung, ins Land unserer Väter zurückzukehren, in die Stadt, in der David weilte. 2. Solange noch Tränen aus unseren Augen wie fruchtbringender Regen fließen und Zehntausende von Söhnen unseres Volkes zu den Gräbern der Väter pilgern, — ist usw. Arbeiterinnen erzählen - I lecli.iiuz, 1 )i iitsclier ' i n er/„ihH':i'', I d 1 <0), :,\< deiiti i e e i i-hinen diesem \ i m Palästina i i 11 schweigen. eil iialien, vielleicht sai/en haben. Wir ir i'.nti n eiueas \ on der 1 at. i '. ' » t v > ■ I \\ u doch < , \ >w h hu, i i n i t< a " w ie kommt e«, 1 , i . 1 I, .it i h Arn. it ti t in o in'e i'io i'oi isi heil i i Ii i'i :'i n gi i'itwoiur Ith ii1' mi " in ', d is ist mit . . W ,,, <- ll,i , " , ., Das hi e't n, ig d , \ i, n I schw i icsii w jr o;.>ai weil \t n halt, u , , it eo \\, 'i. . \ö 1 n<! hi i , i, , , i , , M, in n o i 1 i! Vi , I h tiiinn n nii h d il, daß , ni «i 11' ii g < j ,r > tatesi. id hu r ir in ,* i ' , Aufg i'x ii di i Vi b i>. arbeit.....i in o< H die \\j Mi sie Ar hui u I Vl> i .to, iuis,t,oii da i-t Kampf an dtr 1 10m /u munem 1 istan i> n Int muh der I ragcr \eistand eil. Das Land hält uns f, d, und treibt uns alje mit einer grollen Kraft an M ine I roiit, besonders uns Frauen. Und trotzdem merkt man uns so wenig drauiSeii im öffentlichen Leben unserer Bewegung; das darf mau uns gerade jetzt nicht verzeihen, in dem Augenblick, in dem sich die Bewegung immer mehr entwickelt und wir, die Ersten, immer weniger werden. Ejn Charod. A. S. v Dein ganzes Leben ist Arbeit und Arbeit. Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Einmal glaubtest Du, daß eine Zeit kommen wird, da wir singend zur Arbeit und singend zur Ruhe gehen. Es ist neun Uhr abends. Jetzt erst bin ich in der Küche fertig geworden. Und ich fühle mich sehr glücklich. Andere werden mich vielleicht auslachen, „Kücheiiaibeb macht sie glücklich!'1 Trotzdem sehr schwer, Dein Leben. ist es so; die Gewöhnung an die Arbeit aber dann kommt plötzlieh ein Lichtstrahl ist in Es ist gut, nachts aufzustehen, wenn der Wächter Dich weckt, ehe die Sterne in den Wolken erlöschen, und Deine Augen das weite Land rings umher erkennen, gut, die reine Luft einzuatmen. Aber dazu hast Du kaum Zeit. Du mußt in aller Eile das Frühstück für die Arbeiter vorbereiten und nur manchmal, auch ohne Zeit zu haben, siehst Du zum Fenster hinaus, wie der Himmel immer heller wird und vor Dir liegen die schlafenden Zelte. Treue Hunde bewachen sie. Bald wecke ich euch, liebe Brüder, bis dahin schlaft noch ein paar Minuten still. Und abends, ehe die Arbeit zu Ende ist, kommen ein paar Stunden der Einsamkeit Ich singe, wasche das Geschirr, höre dem Rauschen des Wassermotors im Dorfe zu, den Liedern der arabischen Nachbarn, und es ist so, als ob etwas Neues in der Natur dazugekommen wäre; in der ganzen Welt ringsherum. Petach Tikwah, Kwuza Pinsk. Beracha. * Wir sind drei Arbeiterinnen in einer kleinen, jungen Kolonie. Tiefe Stille ist um uns. Eine langhingezogene Straße. Zu beiden Seiten des breiten und ungleichen Weges zwei Reihen kleine, stumme Hauser. Dahinter breite, wilde Felder mit Dornen bedeckt. Dieses Jahr wurden große Strecken bepflanzt, meist mit Orangen. Auf dem durchackerten frischen Boden entsteht eine Pflanzung nach der anderen. Zwischen dornigen Feldern, mit stattlichen Gittern umzäunt. Innen grünes, frisches, rauschendes Leben: die jungen Bäumchen. Ihnen haben wir Treue geschworen. Sie sind im zweiten Jahr, ihrem Krisisjahr. Sie werden gepfropft. In den klaren Herbsttagen steckt man in den wilden Stamm ein Orangenz.weiglein. Den Winter über stehen die Bäume in Ruhe. Die Winde spielen mit ihren Kronen, und die Wurzeln graben sich immer tiefer in den Boden. Kommt der Frühling, dann beginnt eine ganze Reihe von Operationen. Das Pfropfen hält uns völlig in seinem Bann. Wir nehmen zuerst jedem Bäumchen die Krone ab. Sie ist zu anspruchsvoll, sie würde den gepropften Zweig niemals zu Kräften kommen lassen. Der Stamm steht nackt da, bis ein kleiner Zweig erscheint. Er ist unser Sorgenkind, zuviel Gefahren warten auf ihn. Von allen Seiten schießen kräftige wilde Zweige hervor. Wäre nicht die unbarmherzige Schere, so würden sie den zarten Sproß erdrücken. Auch die Winde nehmen ihn nicht in acht. Wenn wir ihn nicht bänden und ihn nicht behüteten, so könnte er nicht bestehen. Im Obstgarten ist es so still. Die Sonne glüht. Der Hals brennt uns, aber die Bäume mahnen, sie wollen Pflege nach dem Pfropfen, und wir vergessen, wie müde wir sind, wie der Schweiß an uns herabrinnt, wie wir uns nach einem schattigen Winkel, nach einem Schluck kalten Wassers sehnen. Nach einiger Zeit sind die nackten Stämme grün. Stolze, gepfropfte Zweige bedecken ihren dunklen Leib. Die zarte Kinderzeit ist vorbei. Hoch und kräftig stehen sie, an Pfähle gebunden. Wagt sich noch ein wilder Zweig hervor, so wird er gleich entfernt. Die gepfropften Zweige reifen, hören auf zu wachsen, dann beschneiden wir sie. Jeder Zweig bringt drei kleine Zweiglein hervor. Sie wachsen nach allen Seiten, bilden ein kleines Krönchen, und wir beschneiden sie wieder, wenn sie ausgewachsen sind. Unser Krönchen wird zu drei Krönchen mit neun Strahlen. Alles ist mit ihr beschäftigt, der kleinen Anmutskrone, auf allerlei Art wird sie gebunden: mit hölzernen Stangen, mit Reifen aus Euknlyntuszwcigen, mit dickem eisernen Draht in Dreiecksform. Wir wollen sie steif, gleichmäßig und schön machen. Ein Zweig soll den anderen nicht stören. Im Dorte ist es still, und die Zweige in den jungen Orangengärten wiegen sich und rauschtn. Wenn wir auf "die Baumreihen hinsehen, geht uns das Herz auf. Raanana. Riwka. DER AUFBRUCH Von Monfred Sturmann Weldi ein F.rwadien nadi diesem Schlaf! Verjagt sind die Traume. Wie Rehe Sprangen sie fort In der Klarheit des Morgen. Schlafwarm noch nimmt die Frühe dich ouf. Ferne Gewitter, Reste der Nacht. Rufen dich wach. O Aufbruch, Morgenllchl! Jelil OberschOttel Windesübermut den Leib. Aufgerüttelt taucht er in den Tag, Den Jungen, wie In den Lenzkühlen Bodi. Aufgereckt, vom Willen gepeitscht, Elle voraus! In der Ascbe Vergessenheit Glimmt noch ein Funke. Hebe Ihn auf, Lohe ihn an, reifte ihn mitl Ist er entloderl zum Brand — FeuersSule wird er dir sein Belm Weg durch die Wüste. Lesse zurQck das Joch, Das dich zwang In den Staub, Die kleinen Dinge, die Angst, Das Fürchten um Habe Arm und nackt sollst clu schreiten. Aber die Stirn sei gekrönt dir mit Stölzl Also bereitet gehe — wenn auch dem Morgen Des Aufbruchs Fahrnis und Finsternis drohen — Mitten hindurch, es winkt dtr das Ztel In nahender Ferne, Dort, an dem Ursprung, sind neue Quellen, sie warten auf dich. Lahe den dürstenden Mund) Wachse, sprosse, du Reis, empor Zum Baume, er wurielt Im Erdreich breit. Lieber Ihm aber verströmt der Herr «einen Atem. Trinke, Geborgener, — und lebel Palästina-Vortrag in Rom in dem italienischen Klub „Circolo di Roma" wurde ein Vortrag der Gattin des italienischen Honorarkonsuls in Helsingfors, Frau W e i n s f e i n, über die Erfolge der jüdische« Kolonisation in Palästina auf Grund persönlicher Beobachtungen während einer längeren Palästina-Reise veranstaltet. Dem Vortrag, der im Palast des Prinzen Tarlanto stattfand, wohnten eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten bei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.