Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Hr.l, 1.1.1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 3 unge- 10 000 i i n« -. in V Die Entwicklung Von Dr. Jacob Jacobion der Gemeinde Rogasen Aus einer im wesentlichen auf die Akten des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin gestützten heimatsgeschichtlichen Skizze werden im folgenden einige Abschnitte wiedergegeben, die für die Entwicklung der jüdischen Gemeinden in der Provinz l'osen als charakteristisch gelten können. Sie dürften daher das Interesse weiter Kreise beanspruchen. (Red.) Dia Anfang« der Gemeinde Bereits im 16. Jahrhundert lebten Juden in R o g a s c n. Ihre Zahl war damals (1509) noch sehr gering, nahm aber rasch zu. Als der polnische General Czamecki im schwedischpolnischen Kriege seinen Rachezug gegen die Juden Großpolcns unternahm, fiel ihm auch die damals — 1050 — }0 Familien starke Gemeinde in Rogasen zum Opfer. Es kam aber bald wieder zur Neugründung oder Wiederbefestigung der Gemeinde und ihrer Einrichtungen. Die jüdische Bevölkerung wuchs in ganz erheblicher Weise an. Das Alter des Friedhofs — er wurde schon 1808 geschlossen — und der weit in die Vergangenheit sich verlierende Ursprung der höchst verwickelten Gcmeindcschuldcn — auch das ein typischer Vorgang — zeugen vom langen Bestehen der jüdischen Siedlung in Rogasen. Da* Jadenprivileg Wie spielte sich nun das wirtschaftliche Leben der Juden in dieser alten Gemeinde ab, und wie war es geregelt? Gleich den anderen jüdischen Gemeinden Polens besaß auch die Rogasener Judenschaft ein Statut, ein sogenannten Judenprivileg, in dem ihre Rechte genau bestimmt waren. In Rogasen hatte der Starost, der königliche Statthalter und Stadtinhaber, noch im Jahre 1778 ein solches altes Privileg rc\ idiert und erneuert. Diese Originalurkunde befindet sich heute im Posener Staatsarchiv und ist deswegen schwer erreichbar. Das Preußische Geheime Staatsarchiv in Berlin- Dahlem bewahrt aber die deutsche Uebersetz.ung jener Vereinbarung zwischen Juden und Bürgerschaft, die dieser Privilegserneuerung vorangegangen war und ihr offensichtlich als Grundlage diente. Es stand danach den Juden frei, Handel zu treiben, Tücher, Wolle, Kramwaren, Gewürze, Heringe gleich den anderen städtischen Einwohnern zu verkaufen. Den Kürschnern, Schmucklern und Schneidern war der Betrieb ihres Handwerks gestattet. Die Schneider mußten nach altem Brauch der christlichen Schneiderinnung einen jährlichen Beitrag für Wachs zur Pfarrkapelle zahlen. Den jüdischen Schlächtern war das Schlachten erlaubt; sie mußten Vorsorge treffen, daß nicht durch Unredlichkeit ansteckende Krankheiten entstünden. Auch der Lederhandel war gestattet. Fremde jüdische Kaufleute, die in der Altstadt Rogasen — neben der Altstadt bestand die im 18. Jahrhundert gegründete protestantische Siedlung der Neustadt — Tücher und Wolle zum Verkauf einbrachten, mußten nach altem Brauch eine Abgabe an die jüdische Gemeinde entrichten. Das war eine Abwehrmaßnahme gegen das Ueberhandnehmen der Konkurrenz, wie sie auch an anderen Orten bestand. Alle Waren, die amtlich ausgewogen werden mußten, wie Wolle, Met, Talg u. ä. durften von den Rogasener und den fremden Juden nur zur Waage in der Altstadt gebracht werden. Hatte ein Jude einen Rechtsstreit mit einem anderen Juden, so mußte er vor dem Rabbiner oder vor den Judenältesten sein Recht suchen. Hatte ein Christ einen Konflikt mit einem Juden in Geldangelegenheiten, so mußte er sich Ebenfalls an diese Instanz wenden. Berufung konnte entweder beim Gericht des Starosten oder beim Stadtrichter eingelegt werden. Hatte ein Jude etwas innerhalb der jüdischen Gemeinde verschuldet und sich widersetzlich gezeigt, so mußte er ins jüdische Gefängnis wandern, „in jüdischen Koniorken sitzen". In Kriminalfällen und bei allen verdächtigen Sachen kam er ins Stadtgefängnis. Die Abgaben, die die Juden von den städtischen Grundstücken zu zahlen hatten, waren durch eine königliche Verordnung vom Jahre 1729 festgesetzt. Wenn ein Jude sein von der Stadt erworbenes Grundstück einem anderen Juden verkaufte, mußte der Verkauf in die städtischen Hypothekenbücher eingetragen werden. In besonderen Ausnahmefällen genügte die Eintragung in die Rabbinatsakten. Für den Fall der Erweiterung der Stadtgrenzen wurde den Juden die Erwerbung weiterer städtischer Grundstücke in Aussicht gestellt. Die Juden waren zum Gehorsam gegen die Anordnungen des Magistrats verpflichtet, wogen der Magistrat ihnen seinen Schutz bei Tumulten zusicherte. An die Rogasener Pfarrkirche mußten sie zu Ostern und Fronleichnam eine bestimmte Menge Pulver liefern. Zum ersten Male preußisch 1793 kam im Zuge der 2. polnischen Teilung Rogasen zum erstenmal an Preußen. Damals lebten 104-1 Juden am Ort. Sie machten also mehr als ' , der Gesamtem«•ohnerschaft und fast die Hälfte in der Altstadt Rogasen aus. In der Neustadt mit ihren etwa 1000 Einwohnern gab es nur etwa 10 o/o Juden. Dasselbe Zahlenverhältnis — d. h. mehr als i' der ücsamtbcvölkerung — fand sich damals auch in Meseritz, Peysern, Pinne und Schwerin a. W. In ganz Südpreußen, der den Kalischcr, Posener und Warschauer Bezirk unifassenden preußischen Erwerbung des Jahres 1793, waren in den Städten unter 11 Menschen durchschnittlich 2 Juden. Unter sehr ärmlichen Verhältnissen war noch 1792 eine neue Synagoge eingeweiht worden. Als vornehmster Stand galten damals die Fleischer. Sic hatten fast alle Platze an der bevorzugten Ostwand der Synagoge inne. Die neuen preußischen Gesetze engten die Bewegungsfreiheit der Juden erheblich ein, und brauchten auch ein System der Ordnung, das bei aller Schematisierung *" it* phne günstige Wirkung blieb. Zeugnisse dieser ersten, vielfach vom wohlwollenden Geist der Aufklärung bewegten preußischen Regicrungszcit, Beurkundungen über Häuscrerwerb, über Handelskonzessionen und Hejratsgen-jhmigungen finden sich häufig in den staatlichen Akten jener ersten pruU, schen Janre- 1806/07 ging die erste preußische Herrschaft zu Ende. Ihr folgte die kurze Episode des von Napoleons Gnaden geschaffenen sächsisch-polnischen Herzogtums Warschau. 1815 entstand das Großherzogtum Posen. Rogasen war wieder preußisch. Beraiestatistik Eine wichtige Rolle im Regierungsprogramm der neuen Preußischen Regierung spielten die Juden. Sie stellten ein — allerdings überwiegend städtisches — Bevölkerungselement dar, aas in keiner Weise übersehen werden konnte. Am Beispiel von Rogasen können wir uns ein Bild davon machen, was die posenschen Juden nach Zahl und Beruf für die Städte des Posener Landes zu bedeuten hatten. Als Rogasen 1815 an Preußen zurückfiel, gab es dort 1161 Juden. 1836 zählte die jüdische Gemeinde 1474 Seelen. Das waren ungefähr 10 f>> der gesamten Einwohnerschaft. I m Jahre 1810 stieg dann die Zahl auf 1050. Sic erreichte damit ihren G i p f c I p u n k t. Es ist nicht uninteressant zu erwähnen, daß im gleichen Jahre 1810 noch I I andere von den insgesamt 131 jüdischen Gemeinden der Provinz ihre Höchst/iffer aufweisen, darunter die Gemeinden Meseritz (1155 Juden 21 ">), Rawilsch (1780 =. 20 o/o), Schwersenz (2<>:i§ 55"/«) und Wöllstein (S5S 33 o/o). Ueber die B e r u f s s c h i c h t u n g der Rogasener jüdischen Gemeinde in der Zeit des zahlenmäßigen Aufstiegs unterrichtet eine S e e 1 c n I i s t c aus dem Jahre 1830. Bei •Vi der rund 350 Haushaltungen sind die Berufe angegeben, so daß sich ein ungefähr zutreffendes, aufschlußreiches Bild ergibt. Wir finden 1 Vi/erabbiner, 3 Gelehrte, 8 Lehrer, 1 Kantor, 1 Schächter, 2 Zchngebofeschrcihcr, 1 Schuldiener, 1 Tuckcwärter (Mikwawärter), 1 Arzt, 1 Hebamme, 3 Kauf Seilte, 03 Handelsleute, 17 Faktoren, 8 Mäkler, 2 Pferdehändler, 1 Tabaksfabrikanten, 1 Tabaksmäkler, 1 Tabaksspintier, 11 Fleischer, 3 Fischhändler, 6 Bäcker, 1 Konditor, 3 Milchhändler, 1 Milchpächter, 5 Mehlschänkcr, 43 Schneider, 5 Kürschner, 1 Hutmacher, 1 Pelzsticker, 1 Wollpacker, 2 Gerher, 1 Goldschmied, 1 Schmuckier, 1 Topfstricker, 5 Buchbinder, 4 Glaser und 24 Tagelöhner. In 12 Fällen stellt nur die Angabe Witwe, in 9 Fallen werden die Betreffenden als Arme bezeichnet. Bei 5 findet sich die Angabe, daß sie kein Gewerbe ausübten, davon 3 ihres hohen Allers wegen. lieber» schaut man diese Tabelle, so fallt sofort in die Augen, daß die Juden in Rogasen keineswegs bloß auf kaufmännischem Gebiete tatig waren, sondern daneben noch eine Fülle handwerklicher Berufe ausübten. Wenn die preußische Regierung den Handwerksbetrieb der Juden begünstigte, so trafen sich die Absichten des Staates mit den Notwendigkeiten des Lebens. Bemerkenswert ist die große Zahl der Schneider, eine Erscheinung, wie sie in allen posenschen und polnischen Städten anzutreffen war. Wir haben in diesen Schneiderwerkstätten der Proxinz Posen, die wir uns zumeist als recht kleine Betriebe vorstellen müssen, die Keimzellen für das später zur Weltbedeutung gelangte K o n f e k t i o n s g e - w e r b e der g r o ß e n d e ti t s c Ii e n -; t ä d t e zu sehen. Die große .Wenge der als Tagelöhner Bezeichneten weist daran! hin, daß es damals in Rogasen viele Juden gegeben haben muß, die wohl eigentlich nur von Zufallsarbeit lebten und im großen und ganzen als Luftexistenzeai anzusehen waren. Schulpolitik Der Weg zur beruflichen und geistigen Umschichtung ging damals wie heute durch die Sc h u 1 e. Auf diesem Wege suchte denn auch die preußische Regierung an die Posener Juden heranzukommen. Es gab allerdings zunächst viele Widerstände zu überwinden. Die große Menge der Juden und ihrer Führer fürchtete, daß das I andringen deutscher Bildung den Bestand der jüdischen Tradition bedrohen wurde. Auch gegen Wanderungen in Polen Lodz —■ die Stadt der Arbeit*) Von M. Braun Die Straßen von Lodz bilden Karrees, wie man sie in den Buchhalumgsbüeheni sieht. Im rechten Winkel schneiden sich die Reihen der Straßen, dicht bebaut mit Häusern tum Fabriken. Es ist eine große Stadt. Sechshiindertseehzigtausenu Einwohner. Unerwartet ist Lodz entstanden; aus einem Körnchen, das auf einen Felsen geworfen wurde. Schnell ist ein verzweigter Baum voller Früchte gewachsen. Dir Daluchi-Hynek die Die Linien des lodzer Straßenhildes sind roh. Kuhistisch aus rotem Ziegel gebauten Fabriken. In eine unendliche Allee von Schoriistt inen treten wir ein. Aus den Fabrikfcnstern weiten die Arbeiter die schweren Stoffballen direkt in die Lastautos. In der Luft Staub von Kohle und Baumwolle. Gedränge auf den schmalen Bürgcr-deigen. Die Menge stößt aneinander, eilt im ewig gleichen Rhythmus. Wer das alte Lodz der Vorkriegszeit kennt, wird es schwer in dieser modernen Stadt wiederfinden. Es hat sich viel seit jenen Tagen verändert. Der Verlust der östlichen Märkte, ein schwerer Schlag für die l.odzer Industrie, hat dennoch die Existenz der Stadt nicht erschüttert. Verwunderlich: die Einwohnerzahl hat sich sogar verdoppelt, und die Stadt ist gewachsen nach allen Richtungen. Die Lod/er verstehen zu kämpfen, sieh anzupassen und -- zu überwinden, trotz der Weltkrise hat Lodz nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil. Als zweitgrößte Stadt des Landes und als polnisches Handelszentrum nimmt es ständig an Wichtigkeit zu. Allmählich verschwinden die kleinen schmutzigen Holzhäuser, an deren Stelle weiße Blöcke aus Stein gesetzt werden. Es entstehen neue Stadtteile, und dort, wo einstmals ein Ynrstadtwaldcheii grünte, ist jetzt ein dicht bewohntes Quartier, in neuzeitlichem Stil, erbaut. Fast überall hat man schon Kanalisation. Das elektrische Licht strahlt bis in die entfernteste Gasse. Vorn frühen Morgen an ziehen über den Balucki Rynek,, Mittelpunkt des alten Lodz, in Richtung der Petrikauer Straße Scharen von Arbeitern. Der I iandelsgeist weckt die Läden, sowohl die großen mitten in der Stadt, als auch die elenden, aus morschen Brettern zusammengenagelten Buden, wo man die Ware für die Aermsten ttmiet. Lodz hastet schon früh um 5 Uhr. In der Elektrischen drängen sich die Menschen, deren Leben mit dein Leben der Fabriken verbunden ist. Das sind nicht nur die Arbeiter, sondern ebenso die Lieferanten und Abnehmer, und eine Armee von Agenten kreist außerdem durch die Stadt. Die Agenten tragen Pakete. In blaues Papier eingewickelt: Proben von Wolle und Baumwolle, Stoffe verschiedener Qualität. Alte und Junge sind es, Juden und Nichtjuden. Alle, kämpfend für ihre Familien, versuchen die rücksichtslose und allmächtige Kraft zu ergründen, die aus Angebot und Nachfrage resultiert. Die j ü d i s c h e B e v ö 1 k e r u n g dieser Stadt, der man den Beinamen „das polnische Manchester" gegeben hat, stellt in Europa an zweiter Stelle, was die Größe der Anhäufung von Juden betrifft. Und die soziale Struktur der jüdischen Masse in Lodz, die weit 220 000 übersteigt (der letzten Zählung zufolge), widerlegt vollkommen die Annahme, die Juden befaßten sich nur mit einigen Berufen. In Lodz findet man Juden in allen sozialen Schichten. Nicht nur unter den hervorragenden (i r ü n d cm und O r g a n i s a t o r e n der großen Konzerne, von denen die berühmte „Widzewska Mamifaktura" (Oskar Kon) und die Namen Ejtingon, S i 1 b e r s t c i n, R o s c n b 1 a 11, P o z n a n s k i genannt seien. Sie sind vertreten in der Mittelklasse von Handel und Industrie, ferner in den freien Berufen. Aber ZehntaUsende von Juden leben ausschließlich von ihrer f lande Arbeit als H a n d w e r k e r n n d 1 a b r; k a r Ii e i i e r. Bei schwerster physischer AiKtiengung vn-iclfii die )iidi-"hcn Arbeiter dennoch eine hohe kuhtiieil«' l.tkhm.'.sstutV. I >ie-i-n Massen ist das Analphabetentum v liig iiiib-i.v.int; daiur kennen sie um si, besser Shakespeare und S.-InJI« r. Balzac und Reymont. Der jüdische Arbeiter in lodz ist ein eifriger I eser der Teg( s/eiüingeu und literarK. hen Bl ittcr, er besucht die reichen Bibliotheken, wo man einige Wi» hen im voraus ein gutes, neues Buch bestellen muß; denn an Lesern fehlt es niemals. Bedeutend ist auch das Kulturleben auf dem (ir biete der M um k; der Ruf von lodz als einer iiiu absehen Stadt ist weit in der Welt verbreitet. Aus der ü'crailx.u «• i iml I irmembm Stadl stammen t/rolle Musiker: Ariur Kubin.stcin, T a n z m a n u, S/reter und eine Reihe ander > r, jüngerer. I lie jüdischen Kunst nr a I c r haben hier ein Zentrum begründet. Zu nennen wären Trrl» a e z, Braun er, 11 i r s zf a n g, Spiegel, L i n k e I s 1 e i n, K <> w u e r. Lodz, obwohl von der wirtschaftlichen Kiise stark angerührt, besucht Konzerte und kauft Bilder. Wahrscheinlich versteht es die an der Börse nicht notierten Werte zu schätzen. Eine merkwürdige Stadt. R e v m o n t hat über sie einen schönen Roman geschlichen. Er heißt „Zicmia obiecana" (Das gelobte Land) und ist schon vor dem Krieg erschienen. *■ Die j ii d i s r he Li t e r a t ti r repräsentieren einige Schriftsteller mit Moses Hroderson und Isak Kaceuelenson an der Spitze. Broderson hat große Verdienste auf dem Gebiet der Dichtung und des Dramas, er greift tief hinein ins Volksleben und zeigt dessen weiten Horizont. Kaceuelenson ist ein hervorragen '"r tlebnibt; die hebräische Kultur hat ihm viel zu verd. nken. Die jungen Schreiber kommen aus verschiedenen Spliauu. >»o ist der Dichter I ajb F u c h s von Beruf Schildermaler. Immer öfter wird Lodz in der Literatui zum Thema gewählt. Erst durch das Prisma der Kunst sieht man klar, was für eine < irößc, was für ein Vorrat an Kräften in dieser äußerlich häßlichen ll.andelsstai.lt schlummern. Die jüdischen Theater bilden gegenüber den anderen Theatern eine Ausnahme: sie sind immer überfüllt von dankbaren. lebhaft rc.-ig irrende:! .Menschen. „I i.ibima" und „I lapoel" sind in der Regel eine Woche vor d>r Vorstellung ausverkauft, aber auch Broder-ous ,. Ararat", die „Lüsche Bande' und das „I »ramati-clu- Theater" haben ständigen Erfolg zu verzeichnen. Nene jüdische Schauspieler sind aufgetaucht, mit großem Ihrun' und frischem Talent, wie D z i g an, (i o Idstein, I. i 1 i t h. Still ist es in den it'olnhiien -■trällert von I oilz, Wenn tödliche Müdigkeit alle erfaßt hat die Roboiter der Werkstatt, die finnigen Agenten und die Ausg:. wollenen, die an der Hausmauer Mellen und nach dem Wunder ausschauen, das sie erlösen -"H. Na -lit* kommt lin Juthler. erfrischender Wind von den w. ü.-n I eldern. t gt den i iciii h des Rauches fort, blast den Ges. hm.ick wi Ruß und I abi .kslault hinweg, und die Lunge d.iu itir kui/e Zeh .lu-aihi-n. Nachts sind die Fabriken stumm und haben s.hu.e/c Feilster, wie geschlossene Lider. Vor einer baumbewai hscnen Allee als I Untergrund steht erhöht das mächtige (.iclraude der S > n a g o g e mit der maurischen Kuppel'. Durch han.lecinalte Fenster hindurch sieht man den Schein des ( MI uupchctis im Innern. _ 1 •***"' t \ <* «älBK Pause <nif item Sthulln>l einer Jachma Seltener als in anderen Städten späten Passanten treffen. Der Tag •) Siehe „Jüd. Rundschau" 1934 Nr. 67, 76/77, 87, 94. staun man in Lodz einen ist zu schwer, um ihn aul Kosten der Naibtruhe zu verlängern. Haarscharf zeichnet sich das Seelenleben dieser Stadt der Arbeit und des Schaffens: Der tagliche Kampf ist hier mehr als der Kamp! ums Brot, hier kämpft man um den Lebensinhalt. Vielleicht darf man diese Tatsache als größte Besonderheit von Lodz hinstellen. I