Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- Seite 1028 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 1018 J 0 D 1 8 Nr, 103/104, 29. XII. 1933 Bibel und BodenreSorm Ein englischer Profenor spricht! Der Zionismus und die Araber Die englische Zeitung ״The Near East and India“ b er ichtet über einen Vortrag ״Der Zionismus und die Araber“, den Professor H. W. V. Temperier in Cambridge in einem Klub gehalten hat, Prof. 1 emperley gab einen geschichtlichen Rückblick über die _Entstehung 3er gecfemviirtij/en cn^lisc ׳;:en!,;iListina-Politik. Er erwähnte die verschiedenen Tendenzen, die sich in der britischen Araber-Politik während des Weltkrieges geltend machten. Der bekannte Oberst 1. a w r e 11 c e, der mit dem Scherifcn Hussein von Mekka in enger Verbindung stand, bemühte sich um ein britisches Versprechen der Unabhängigkeit für ganz Arabien, falls die Araber gegen die Türken revoltieren. Auf der anderen Seite stand Sir Mark Sykes, der von Lord Kitchener zum Leiter der britischen Politik im Nahen Osten ernannt worden war. Dieser schloß im .Mai 1016 mit Frankreich den bekannten Sykes-Pirot-Vertrag־, der die französischen An• Sprüche nuf Syrien anerkannte mit der Aussicht, die Araber anderwärts nt entschädigen, vor allem im Hedschas und Irak. Sir Mark Sykes war es'aticli, der das britische Kabinett für die Unterstützung des Zionismus gewann. Seine letzten Bemühungen waren darauf gerichtet, eine Entente 1, w i ■ S c h e n Z i o n i s t <e n 1! n d A! a b e r ״ zustande zu bringen. Er starb vor/citD, olme dieses Werk beendet zu hauen. Prof. Tcinperiev schildert dam!!!en arabischen Standpunkt in be/ir; auf Palästina, der darin gipfelte, daß die uden, die damals nicht einmal ein Zehnte! der Bevölkerung ’alastinas betrugen, nicht das Recht bekommen konnten, ihre Volksgenossen in das Land zu bringen, wenn neun Zeltniel der l.nndeshevoikertimg dagegen waren. Hier liegt die Quelle aller künftigen Schwierigkeiten. Innerhalb des englischen Kabinetts entspannen sich scharfe Gegens.ät/e. Fin!!;di-chrs Mitglied tles Kabinetts (Edvin Montagu) war ein entschiedener Aiui/ionist, Lord Curzon war skeptisch; aut der anderen ■seile waren Lloyd George, Lord Miltier, Balfour und Lord Robert (weil entschiedene Förderer des Zionismus. Den stärksten Widers,tarnt aber leistete das India Office (.Ministerium für Imlicii) und die indische Regierung, die dafür eintraten, den Arabern alles zu geben und die jüdische Sache zur u, k/ii.-äclleii. Den Ausschlag gaben schließlieh zwei Miiimer, n.inilich der schon genannte Mark Sykes und der dama'me Direktor des!nilif.arischen Nachrichtendienstes, Sir (icorge Macdonougli. Unter ihren Argumenten spielte besonders der Hinweis auf die jüdische Stimmung in neutralen Landern (Amerika) eine Rolle. Auf die heutigen Verhältnisse übergehend, schilderte Temperier׳ die ungeheure Veränderung, die in der zurückgebliebenen primitiven arabischen Wirtschaft durch eine moderne europäische Bevölkerung, wie sie die Juden darstellen, entstanden ist. Neben den registrierten Immigranten gab es in diesem Jahre noch eine große Zahl illegaler linmigrauten, deren Zahl von den Arabern noch maßlos übertrieben wird. Dies sei der Grund der letzten Unruhen. Das einzige Heilmittel, so schloß der Redner, sei die Herbeiführung ein er Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern. Gelingt dies nicht, dann liege in Palästina der Keim schwerer Gefahre n für das ganze britische Empire. Der Sache sei nur beizukommen, wenn der Rat befolgt wird, den Sir Mark Sykes, jener größte Freund des Zionismus, seinerzeit gegeben hat: ״Die Juden müssen das Palästina-Problem durch die arabische Brille zu sehen versuchen.‘* Die (xlocken von Bethlehem Anläßlich des Weihnachtsfestes wurde zum ersten Male das fl I o c k e n g!■läute von Bethlehem durch Radio auf den e!11׳ii-c!u׳n Rundfunk überfragen. Dieses Ereignis nimmt die londoner Zeitung ״S unday Times“ in ihrer Wiihnaehtsaiisgiibe vom 21. Rezemher zum Anlaß eines ArliUäs ״Die (Hocke 1! von Bethlehem“, der sich mit Palästinas Bedeutung in (iesdiiehte ־und Gegenwart beschäftigt. Jerusalem, so schreibt das Blatt, hat die große Kontir!uitrit von allen alten btäelten der Welt. Noch heute verbindet man mit ihrem Namen dabei Gefühle wie vor Tausenden von Jahren. Auch die Stadt Bethlehem ist nicht nur den Cährieten heilig, sondern auch großen Moslems, wie dem Kali len Omar, und auch für die Juden ist sie die Stadt des jungen Hirten David. Palästina vergleicht der Artikel- Schreiber mit einem ״Belgien des Nahen Ostens“. Von Gaza bis Meggido und daun dtirdi die Ebene Jesreel führt die größte Hecr.-fraße der alten Welt. Das jüdische Palästina ist für Millionen von Engdäuilcrn und Schotten Jahrhundertelang seelische Nahrung 'gewesen, und speziell die Schotten simi eine Nation von Bibe!k־«ern, wie kein anderes je gewesen ist. Bri'iiirb, so fahrt die Zeitung fort, ist in der letzten Generation eine Armierung eingetreten, und die Bibel wird nicht mehr -o fleißig gelesen. Erst in unserer Zeit habe England du■ Möglichkeit gefunden, seine große Schuld g e g e ti 11 b er!1 e m j iul i s c 11 e 11 Palästin a abzutragen, wenn wir heute die Resultate des großen Weltkrieges anschauen, so sehen wir, dah eines nach dem anderen sieh als falsch erweist oder zerbröckelt. Eines aber, das stand hält, ist Balfours Idee eines jüdischen Nationalheims in Palästina, Es war ein großes Kompliment für England, daII es als Mandatar für Palästina gewählt wurde. Es steht fest, da0 Palästina nicht nur eine große Vergangenheit hat, sondern auch eine große Zukunft haben wird. Der Artikel würdigt d:um die Leistungen des Zionismus und spricht die Hoffnung aus, daß die ״künstliche Feindschaft“ zwischen Juden und Arabern durch die weitere Entwicklung ihr Ende finden wird. England jedenfalls habe den Vorteil, daß durch die Beiträge, die die Palästina-Liebe der Juden herbeischafft, da« Land entwickelt wird, ohne daO England dadurch Kosten hat. England sollte sielt dieses großen Vorteils bewußt sein. Von der Hitachrluth Olej Germania. Am 9. Dez. wurde in Pctach-Tikwah eine Ortsgruppe der HOG. gegründet. Der Merkas war durch die Herren I)r. Fritz Loewenstcin, Dr. Meinhold Nußbaimi und Fnoch in der Versammlung■ vertreten. Zwei Tage darauf wurde in Anwesenheit der Herren Dr. Ernst I.ewy, Dr. Fritz Loewcustein und Fnoch auch in Rcchowoth eine Ortsgruppe der HOG. ״(•gründet Die Zahl der Olim aus Deutschland ln diesen beiden Orten dürfte ztisammen etwa 5()') betragen. Fs zeigt sich in dieser Ziffer, wie grob die Zahl der Olim aus beutsclilancl ist, die in die Kolonien gegangen sind. Die wichtigsten Probleme, mit denen »ich die HOG. In den Kolonien zu beschäftigen hat, sind folgende: Schaffung neuer Arbeitsplätze, hebräische Kultur- Arbeit, Kampf gegen die Wohnungsnot, Schaffung von Chawuroth und Beschäftigung mit dem Soliulnroblem. In absehbarer Zeit werden auch in Chedera timi Rischon le Zion Ortsgruppen der HÜG. gegründet werden. Der Industriellen-Verband Pnlilstinns teilt uns mit. daß »ein Vorsitzender, Herr Arie S c 11 e ת k a r, seine in der ״Jüdischen Rundschau'* seinerzeit angekimdigte Europarcise, bei der er Interessenten Informationen über die industriellen Verhältnisse Palästinas zu geben versprach, aus Gesundheit»• gründen aufschieben mußte. Kardinal Faul 11 ab er hat nach dem Bericht der ״Jild. Rundschau“ in einer seiner Adventspredigten das soziale Recht des Alten Testaments besonders hervorgehoben und hierbei auch die Bestimmungen des mosaischen Gesetzes gegen wucherische Tendenzen des Großgrundbesitzes unter• strichen, wobei er überhaupt ״auf vielfache Anklänge au modernes ,soziales Empfinden des mosaischen Gesetzes“ Irinwies. Im Zusammenhang hiermit möchte ich doch die Aufmerksamkeit auf ein eingehendes Studium der liodcnfrage im Alten Testament lenken. In einer 1920 erschienenen Schrift schreibt Max Brod: ״Das Kapitel, das Damaschke in seiner ,Bodenreform1 und ,Geschichte der Nationalökonomie‘ dem Bodenrccht in! alten Israel widme(, ist wohl das Schönste und Gerechteste, was je ein Nichtjude über das Judentum geschrieben hat.“ 1925 hat der Ehrendoktor der Rechte und der Medizin sowie der protestantischen Theologie Dr. Adolf Damaschke, in den sozialen Zeitfragen eine kleine, aber höchst inhaltrciche Schrift ,,Bibel und Bodenreform“ erscheinen lassen. Darin stellt er die Frage, welche Bedeutung hat dieser gewaltigste Gesetzgeber aller Zeiten (nämlich .Moses) der Bodenfrage beigeinessen? Damaschke antwortet: Das volkswirtschaftliche Ziel seiner Gesetzgebung ist einmal (3. Buch Moses 25) so zusammengefaßt: ״Das Volk soll in seinem Land sicher wohnen!“ Klar und gewaltig, schreibt Damaschke, klingt das Gebot: ,,ihr sollt den Boden nicht verkaufen ewiglich: denn mein Land ist die Erde, und Ihr seid nur Fremdlinge und Lehnsträger von mir.“ Aus dem 3. Buch Moses 25 erwähnt Damaschke die ewig gültigen und heute besonders beachtenswerten Worte: ״Ruft Freiheit aus im Lande für alle seine Bewohner. Kehrt zurück ein jeglicher zu seinem Erbbesitz, ein jeglicher zu seiner Familie!“ Aus dieser Stelle kann man auch die tiefe Bedeutung des MC’idderhoms erkennen, im Gegensatz zu den spitzfindigen und fast komisch anmutenden Ausdeutungen ewisser Psychoanalytiker. Der Grundgedanke der mosaischen odenrefornijgesetze war, wie Damaschke mit Recht hervorhebt: alle Glieder des Volkes vor Elend zu schützen. Jedem Bürger und seinen Nachkommen sollte sein Anteil an dem Nutzungserbe des Bodens gesichert sein. Neue Bedeutung׳ gewinnen die uralten Gedanken heute in der jüdischen Welt, wie Damaschke schreibt. Vom Zionismus erhofft er in dieser Richtung die volle Einsetzung für die Verwirklichung Einwanderung im Oktober und November Jerusalem. 21. Dezember. (J. T. A.) *Wie amtlich mitgeteilt wird, sind im Oktober d. J. 4572 Einwanderer, unter Ihnen 4449 Juden, nach Palästina gekommen. Von den Einwanderern gehörten 410 der sogenannten Kapltalisten-Kategorle an. Diese Einwanderer, die mit 427 Angehörigen Ins Land gekommen sind, haben ein Kapital von etwa einer halben Million Pfund mitgebracht. 32 Juden, die auf Grund von Touriaten-Visen nach Palästina gekommen waren, wurde die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung erteilt. 136 Personen wurde die Einreise nach Palästina verweigert. Jerusalem, 27. Dezember. (J. T. A.) Im Monat N o - vember lind nach Palästina 3938 Personen, darunter 3837 Juden, hauptsächlich auf Einwandererzertifikate eingewandert. Hiervon sind 538 Kapitalisten. Aktion« - Comi i6 für März einberufen London, 22. Dezember, (j. T. A.) Das Hauptbüro der Zionistischen Weltorganisation gibt bekannt, daß die Exekutive beschlossen hat, das zionistische Aktions-Comite zu einer Sitzung dnzuberufen, die im Laufe des Monats Marz stattfinden soll. Es ist beabsichtigt, die Sitzung in Palästina abzuhalten; eine endgültige Entscheidung hierüber wird erst nach Abschluß der schwebenden Verhandlungen mit dem Präsidium des Aktions-Comitds verlautbart werrden. Die Demonstration in Tel״Awiw Kein ״Sirafjenkampi״ Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gi. Tcl-Awiw, 19. Dezember 1933. 111 Nr. 99 der ״Jüdischen Rundschau“ ist ein Telegramm der J. T. A. abgedruckt und mit der Ueberschrift ״Straßenkampt in Tel-Awiw“ versehen. Das Telegramm enthält grobe Ungenauigkeiten und schmückt die Ereignisse mit Einzelheilen aus, von denen man hier nichts bemerkte. Unter einem ״Straßenkampf“ versteht man in der Regel Schießereien, womöglich verbunden mit Barrikaden und ähnlichem. Davon kann in dem Falle der Demonstration am 9. 12. keine^ Rede sein. Es handelte sich einfach um die Weigerung einer Gruppe von Revisionisten, die Demonstration auseinandergehen zu lassen und ein darauffolgendes Handgemenge mit der Polizei, wobei von der einen Seife Steine, von der anderen Knüppel benutzt wurden. Nicht einmal das Wasser, das in dem Telegramm der J.T. A. auf die Polizei gegossen wurde, ist authentisch. Richtig ist, daß die Tel-Awiwer Polizei sich aus affa Verstärkung erbat, weil sie als ein kleines Häufein nicht gleich mit den Steinwürfen fertig wurde. Jedoch Bei bei der ganzen Angelegenheit kein einziger Schuß (alle Verletzungen rühren von Steimvürfen, Schlägen und Tritte!! her und Keine davon hat sich als gefährlich erwiesen) und woher die fünf Panzerautos aus Jerusalem (!) stammen sollen, die schließlich nach dem Telegramm der J.T. A. die Sache entschieden, ist vollkommen unerfindlich. Die ganze Demonstratio:■־, cscliiehte ist auch so wie sic ist, lächerlich und traurig genug, und cs braucht keiner sensationellen Aufmachungen mul der Erfindung von ״Panzerautos“, um diesen üblen Vorfall als ernst hinzustellen. Seine schweren Folgen liegen in der Verwilderung der Sitten, die er beweist, i!1 der völligen Verkennung politischer Mcthoden, in der Vorstellung, es sei ״Politik“, wenn man sich mit der Polizei berlinisch!:igt. Gerade heute aber, wo die Frei»- nisse in Palästina au *'s genaueste verfolg( werden, wo ohnedies die Erregung >!11 Inmul Auslände groß genug ist, sollte die Berichtes stall 1mg nicht noch übertreiben. (Antn. d. Red : Wir geben dieser Berichtigung, die glich aus palästinensischen Leserkreisen gewünscht wird, Raum, bemerken aber ausdrücklich, daß von ״Schießerei!: 11“ in der ״Jüd. Rundschau" nicht die Rede war und daß im übrigen der Bericht in allen wesentlichen Punkten mit dem der Londoner ״Times“ übereinstimmte, die auch über das Eingreifen von ״srmoured cars", Pan/erauto» — gemeint sind wohl bewaffnete Polizei antos — berichtete. Im übrigen schließen wir uns den Konklusionen unseres Korrespondenten voll an.) _ Sterbefall. Unser Mitarbeiter Dr. Arthur Prinz ist durch das Ableben seiner Mutter, Fra« Clara Prinz, in Trauer versetzt worden. Wir sprechen ihm unser herzlichstes Beileid aus. der alten mosai.ciuii Gruniiforiieningen, und bei meinem letzten Besuche bei ihm schloß er unsere Unterredung: ״Bet Ihrem nächsten Besuche er/Hhlcn Sie mir wieder von den Zionisten.“ Fine sehr wertvolle Ergänzung zu der Schrift Damaschkes ״Bibel und Bodenreform“ ist die 1932 im Verlag von Max Niemeycr in lialle a. S. «rseliiencne Schrift des protestantischen 1 lienlogiepnifessors Dr. Hans Schmidt: ״Das Bodenrccht im Verfassimgsentwurf des Esra“. Die Annahme, von der Dr. Damaschke ausgeht, daß Lev. 25 Von Mose stamme, ist nach Prof. Schmidt nicht haltbar. Damaschke habe aber ganz recht, wenn er sagt, daß für die Einschätzung des israelitischen Boden rechts die Flage, von wein es stammt und wie weit es verwirklicht ist, nicht ausschlaggebend ist. Besondere Bedeutung, so schreibt Prof. Schmidt, hat das israelitische Bodenrecht für die Ansiedlung der Zionisten in Palästina. Prof, Schmidt sagt an anderer Stelle seiner Schrift: Das Buch,!las Gesetz des Gottes des Himmels, das ״in seinen Händen“ war, hat in aller Zerstreuung den geistigen Zusammenhang seines Volkes bewahrt. Es hat darüber ninnus — auch mit seinem merkwürdigen Bodenrccht — einen Einfluß erlangt von ungeheurem Ausmaß; worunter Prof. Schmidt die Bedeutung der Bodenfrage für die Oegenwart versteht. Prof. Schmidt fragt: ״Was ist das Ewige und Göttliche an diesem Gesetz?“ — und antwortet: ״Es ist die heiße Liebe zu Volk und I leitmtbodcii, die aus ihm spricht. Es ist die Ucbcr/eiigung, «laß Gott es ist, der dem Volke seinen Boden. gegeben, der cs auf diesem Grunde und Boden nach seiner besonderen Art hat werden lassen, der aber auch will, daß diesem Volk in seiner Gesamtheit dieser Boden Heimaterde sei." Man wird Prof. Schmidt mir zustimmen können in der Verbindung des ״Bekenntnisses zum Ewigen“ mit dem Boden, Denn losgelöst von diesem Fundament kann allzuleicht das Bekenntnis zun» ״Ewigen“ ein Lippen- Bekenntnis werden, ohne fruchtbare Auswirkung, die unbedingt notwendig ist in der Stellung zur Bodenfrage und in* Zusammenhang mit ihr zur unlösbar damit verbundenen Stellung zur allgemeinen Arhcitsdieiistpflicht zum Zwecke einer allgemeinen N'ährpflicht im Sinne von Josef Popper - Ly nkeus, Es wird sich entscheiden, ob die geforderte Bejahung des Judentums auch den Inhalt birgt, welcher für viele Sehnsucht und Hoffnung ist. Dr. Otto j uliu» bürge r (Berlin), Kleine Nachrichten Am 20. Dezember fand Im Savov-Hotel zu London unter dem Vorsitz von Anthony de Rothschild ein Vortragsabend zugunsten der Aktion zur Unterbringung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina statt. Der Veranstaltung wohnten 300 prominente Persönlichkeiten, unter ihnen Lady Oxford (As(|11ith) und Lady Ericigli, bei. Für die Aktion wurden noch am seihen Abend 80ÖI) Pfund aufgebracht. Der ״M i d d 1 e s b 0 r ou g 11 and Di st riet Motor Club“, ein englischer Auto-Klub, faßte dieser Tage den Be- Schluß, keine jüdischen Mitglieder mehr aufzunehmen, die bisherigen jüdischen Mitglieder können im Klub bleiben. Wie ״Manchester Guardian“ berichtet, hat ein jiidisches Mitglied des Klubs der Presse mitgetcilt, daß die dem Klub attgchörigei! firden auf ihre Mitgliedschaft verzichten werden. Der Klub hat 400 Mitglieder. Bis Mitte Dezember wurden in Palästina seit Beginn der Ausfuhrsaison 843 604 Kisten C i t tu s f r ü c 111 e verladen. Neben Orangen wurden 90 000 Kisten Grape Fruit» und 10 000 Kisten Citronen ausgefiihrt. Die Jüdische Rcichspaitci Rumäniens, die im aufgelösten Parlament mit fünf Abgeordneten vertreten war, konnte bei den eben thircbgefübrten Wahlen nur etwa 30 000 Stimmen auf sich vereinigen und bleibt somit im Parlament uiivertreten. Der neuen Kammer wird nur ein einziger jüdischer Abgeordneter, ■der in Czernowitz auf der Regierungsliste gewählt wurde, angeboren. In Jerusalem starb der Staat saiiwaltsbeamtc EUiot, der die Regierung in mehreren bekannten Prozessen vertreten hat. Er wurde 42 Jahre alt und war 3 Jahre in Palästina tätig. Am 21. Dezember wurde in Kairo der Freundschaftsvertrag zwischen Emir Abdullah von Transjordanien und dem Herrscher des Hedschas, I b n Saud, ratifiziert. Zwischen den beiden Ländern herrschte bisher Fehde. ______ Die Zeitschrift ״Zion", das Organ der Unabhängigen Misrachi-Laiulcsorgaiiifafion Deutschlands, erscheint ab 1. Januar 1931 im ft. Jahrgang. Die Zeitschrift behandelt regclmäßig die Probleme des religiös-nationalen Judentums in der Golah und in Erez Israel. ״Zion“ berichtet über die Fortschritte des Aufbaus im allgemeinen und des gesetzestreuen Auf haus im besonderen. Die Zeitschrift ist 1m Büre der Unabhängigen Misrachi-Landesorgaiiisntion Deutschlands, Berlin N5I, R'oscnthaler Str. 53, oder durch die Post zu abonnieren und kostet 1,50 M. pro Vierteljahr. Probenummerr werden auf Wunsch zugesandt. An alle religiösen Jugendgrnppsn Westdeutschlands! Die religiösen Jiigtiulgruppen Westdeutschlands, Zeire-Misrachl, Brith-Hanoar, Brith-Cbaluzini-Dathiim und Esra haben unter dem Namen ״Westdeutsche Führerschaft“ eine Arbeitsgemeinschalt gebildet, um die Arbeit zu intensivieren. In rcgclmäßigen Zeitabsiämien treffen sich abwechselnd in •einer größeren Stadt alle Führer der genannten Gruppen zu einer Führertagung. Die erste Führcrtaguiig fand am 17. Septemher in Gelsenkircheu, die zweite an 3. Dezember statt. Die West deutsche Führerschaft veranstaltete über Weihnachten ein Treffen In Form eines F'ührcrkurstis, worüber noch zu berichten sein wird. Barnclt Kling er. Das Kunst-Werk, eine Hilfsaktion für bildende Künstler, über die wir vor kurzem berichteten, hat jetzt die erste Kunstkartenfolge jüdischer Maler veröffentlicht. Fördernd oder!nitarbeitend wirken zur Zeit mit: Der Kulturbund Deutscher Juden, die Künstlerhilfe der Berliner Gemeinde, die Großloge für Deutschland U. O. R.!)., der Schwesternverband der Bne Brith-Logcn. Es besteht die Aussicht, eine große Reihe schaffender Künstler einer breiteren ()effentlichkcit bekanntzumachen und zu unterstützen, wenn alle Organisationen und Gcmeindeinstitutioncii bei ihren Veranstaltungen diese Kartenfolge vertreiben lassen; hierbei kann bedürftigen jungen Leuten ein Nebenverdienst geschaffen werden. Alle Anfragen und Bestellungen rechtzeitig an Dr. Herbert Loe wenstel«, Berlin SO 16, Köpenicker Str. 76. Keksfabrikant gesucht. Die ״jewish Tribüne“ in Bombay vom 1. Dezember veröffentlicht eine Annonce, wonach dort ein jüdischer Keksfahrikasit (Blscuit inanufalcturer) gesucht wird. Die Stelle wird insbesondere einem deutschen Juden angebofen. Bewerber, di* rolle Kenntnis ihres Faches und Fälligkeit zu einer leitenden Stellung besitzen müssen, wollen sieh wenden an die ״Jewtsh Tribun e“, Rattan Terrace, Wodehouse Road, Colaba, Bombay.