Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- Seite 1027 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103/104, 29. XH. 1933 jüdische Rundschau Seite 1017 Glaube und Heimat Der Zionismus in der Auswanderungsbewegung Unter dem Einfluß der Ereignisse dieses Jahres ist für das deutsche Judentum ein Problem aktuell geworden, das es bisher in der Hauptsache nur betrachtend oder durch seine Hilfstätigkeit für andere Gruppen der Judenheit kannte: die Auswanderungsfrage. Ein ins Gewicht fallender Teil der deutschen Juden hat die deutsche Heimat verlassen, um sich in anderen Ländem eine neue Existenz aufzubauen. Niemand verkennt auch die Notwendigkeit, daß in den nächsten Jahren insbesondere ein Teil der jungen Generation außerhalb der Reichsgrenzen ein Unterkommen wird suchen müssen. Man kann sagen, daß der Drang zur Auswanderung unter den deutschen Juden erheblich stärker ist, als es in den tatsächlichen Auswandererriffern zum Ausdruck kommt; viele jedoch werden — mit Recht — durch die im Auslande herrschenden schweren Lebensbedingungen, die in zahlreichen Fällen die Schaffung einer Existenz nahezu unmöglich machen, davon abgeschreckt, den Weg in eine ungewisse Zukunft zu beschreiten. Im Rahmen dieser Wanderungsbevvegmig, in die das deutsche Judentum hineingezogen worden ist, spielt Palästina eine wichtige Rolle, da ein erheblicher Teil aller Ausgewanderten in dieses Land gegangen ist und dort in einem ganz, anderen Malle als in allen übrigen Ländern, die das Ziel der Wanderung sind, die Möglichkeit produktiver Arbeit gefunden hat. Das neue jiidische Palästina und die zionistischen Bestrebungen überhaupt wurden dadurch in einem Grade in den Bereich der praktischen Interessen des deutschen Judentums einbezogen, wie es niemals vorher durch noch so intensive Aufklärung und Werbung der Fall war. Auch alle jüdischen Instanzen, die es in Deutschland gibt, mußte!! mit dieser Tatsache rechnen und das jüdische Palästina als einen wichtigen Faktor für das deutsche Judentum anerkennen. Dabei aber hat man den Versuch gemacht, dieses Palästina einer Art von neuem ״S ä k u I a r i - sationsprozeß•'‘ zu unterwerfen. Der Zionismus ist gewiß als ganzes keine religiöse Bewegung, auch wenn in ihm starke religiöse Teilkräfte wirksam sind• Ihm ist Palästina die irdische Aufgabe unserer Generation Aber er ist doch zugleich frei von einer reinen ״Niitzlichkeitsauffassung“, die in den! Aufbau des jüdischen Palästina eine bloße Zweckmiißigkeitsangelegenheit sicht, um bedrängten Juden zu helfen und ihnen eine Lebensmöglichkeit zu geben. Und gerade dies hat man in manchen Kreisen des deutschen Judentums in der jüngsten Vergangenheit getan. Man macht Palästina zu einem gewiß wichtigen, aber doch nicht durch ganz spezifische Eigenschaften ausgezeichneten Auswaiiderungslande und degradiert den Zionismus zu einem Teil in der großen Kette der jüdischen Wanderungsbewegung. ״Rfiiion&k" Beschränktheit Damit zeigt sich, daß diejenigen, die so sprechen, in einem gewissen Sinne einer beschränkten Auffassung unterliegen. Sie haben noch immer nicht bemerkt, daß irn Leben der rnenschliehen Gruppen die Ratio, das vernünftig abgewogene Handein zwar zu finden ist, aber nicht di« e 1! t s c 11 e i d e n d e Rolle spielt. Eigentlich sollten die letzten Jahrzehnte der europäischen Geschichte denen die Augen geöffnet haben, die als letzte Vertreter dersogenannten Aufklärung auch heute noch glauben, daß ihre eigene, höchst sporadisch anzutreffende Haitu 11g bestimmend ist für die großen Bewegungen, die in und zwischen den Völkern vorhanden sind. Das gilt nicht zuletzt auch'von der Frage nationaler Wanderungen. Das Streben des jüdischen Volkes nach Palästina und seine Bereitschaft, selbst untrr großen Opfern, die ja letzten Endes einzelne Menschen treffen, dieses Land wieder aufzuhauen, ist ein Beweis dafür, daß hier nicht abstrakt-rationale Erwägungen die aussehlaggebende Rolle spielen, sondern daß die Palästinawanderung weitgehend ganz anderen Gesichtspunkten unterliegt. Sic nimmt damit allerdings keine Ausnahmestellung ein. Der Mensch oder die Mensclu'iigruppc, die vernunftgemäße Erwägungen über das anstellt, was zu tun ist, wird niemals direkt aus Vernunft- Schlüssen heraus zu Handlungen gelangen. Es schaltet sich vielmehr zwischen die rationale Erwägung, die etwa mit Nützlichkeitsargumenten arbeitet, und die wirkliche Tat ein drittes Eiement ein, und dieses ist der Glaube an die Richtigk e i t und Durchschlagskraft d e s s e n, w a s man erwogen hat. Ohne dieses letzten Endes von der Ratio unabhängige Element wird es niemals zu einem Entschluß kommen,• ja gerade dieser E itschluß ist in! menschlichen Lehen der Ausdruck der Tatsache, daß ein Element des Glaubens, etwas im Gefühl Verankertes, die Oberhand gewonnen hat. Dies gilt vorn einzelnen Menschen; um wicuel mehr von den Aktioneu der menschlichen Gruppen und Völker, bei denen im wesentliehen überhaupt nur eine Gefühisrcaktion zu konstatieren ist. Zionsiiebe und Palästira Nicht erstaunlich ist es daher, daß am Beginn der in oder- 11011 zionistischen Bewegung die Zionsliebe, Chibbath Zion stellt. Es gab eine Zeit, in der unter rein rationalen Erwägungen die Wanderimgsbcwegung nach Palästina sinnlos erscheinen mußte. Das jüdische Volk erlebte die gewaltige Flut der Einwanderung nach Nordamerika, und daneben standen ihm zahlreiche andere Länder offen. Welchen Sinn sollte es haben, in einer solchen Zeit ein kleines ״Konkurrenzunternehmen'‘ gegen die großen Ziele der jüdischen Wanderung zu eröffnen? - Es war aber kein Konkurr enzuntcr nehme n. Das, was die ersten Pioniere auf dein Boden Palästinas taten, lind wovon sie glaubten, daß es der Beginn einer neuen Aera der jüdischen Geschichte sei, stand auf einem ganz anderen Roden als der übrige jüdische Wanderungsstrom. Man erstrebte ein jüdisches Palästina, man wünschte gewiß eine starke Ein- Wanderung in dieses Land (die damals noch in weiter Ferne lag), aber man wurde nicht deshalb gerade dorthin geführt, weil die Lage des jüdischen Volkes unerträglich zu werden begann und man ein ״Rezept“ der Abhilfe allsprobieren wollte, sondern weil diese aktuelle Situation des jüdischen Volkes Anlaß dazu geworden war, daß die verborgenen Kräfte im Juden wach wurden und er zu den Quellen seiner Persönlichkeit, die in i lim schlummerten, hinabstieg. Dieser ״W egzudenMüt* t c r 11" w a r z u g I c i c h ein Wiedererwachen der in der ganzen jüdischen Geschichte wirkenden Zionsliebe, er brachte die Konzeption eines neuen jüdisehen Lehens in Palästina, die wir heute Zionismus nennen. Der Zionismus ist ohne diese Verbindung mit dein tiefsten Wesen des jüdischen Maischen sinnlos und nicht realisierbar, weil nur so die schweren Opfer von denen, die Palästina aufbauen, wie auch von der Gesamtheit des jüdischen Volkes ge- Rabbiner nicht mehr in der Schulverwaltung Das Preußische Staalsniinisterimn hat eine Novelle zum Volksschuluntcrhaltungs-Gcsetz ve. a 1־schiedet, wonach die Vertreter des Judentums aus der preußischen Volksschulvervvaltung entfernt werden. Das Volksschuluntcrhaltungs-Gcsetz vom 28. Juli ll)()(1 in seiner Fassung vom 7. Oktober 1920 sah u. a. vor, daß, sofern sich in der Stadt mindestens 20 jüdische Volksschulkimier befinden, auch der dem Dienstrang nach vergehende bzw. der dem Dienstalter nach älteste Ö r t s r a b b i n e r Sitz und S t i rn in e i!1 deT S c h u 1 d « p 111 a t i o!1 haben müsse. Da die Schuldeputation die gesamte Volkssehulverwaltung in den Gemeinden durchführt, hatte also in diesen Fällen auch ein Vertreter des Judentums die Möglichkeit, mitbestimmend am Volks- Schulwesen zu wirken. Diese Beteiligung des Judentums wurde noch ergänzt durch die H i n z u z i e h u n g des Rabbin e r s auch zu den Schulvorstand t)1 beim Vorliegen entsprechender Voraussetzungen. Das neue preußische Gesetz, das bereits verkündet und in Kraft getreten ist, hebt mm alle diese. Vorschriften aus dem Volksschuliinterlialtungs-( jesetz ausdrücklich auf, die die Einbeziehung von Rabbinern in die preußische Volksscliulverwaltung regelten. Damit ist die Ausschaltung des Judentums aus der V e r - waltung des preußischen Volksschul wesens restlos vollzogen. Das Niederländische Dankgebet Die sächsische Kirchenregierung hat folgende Verordnung erlassen: ..Der Wurlkmi des \igle,hindisdtfn IHnkgebeW, der :״•hon g b׳i;, sei;:1 immer uniragbarer als da, OcUlc-produkt eines Das Niederländische Dankgebet wurde schon früher von christlicher Seite vielfach als ein jüdisches Produkt gekennzeichnet. So /. B. hat der Theologe D• Lueken in der Zeitscliril't ״Christliche Freiheit“ gegen die Verwendung des Textes Stellung genommen, weil er von dem Wiener Juden Joseph Wey! verfaßt sei. Als die ״Jüdische Rundschau“ in Kr. 36 d. J. die Bemerkungen Luekens wiedergab, meldete sich ein Leser, Herr Alfred Meyersberg, der uns einen in Nr, 59 der ״Jüdischen Rundschau“ publizierten Brief schrieb, worin er mitteilte, daß Joseph weyl, ein intimer Freund seines Elternhauses, Nichtjude war und seines Wissens auch nicht von Juden abstamme. Jüdische BauernhocbT׳*;t Dr. Eli Schachtel übersendet uns aus Palästina eine Amateuraufnahme, die er in der jüdischen genossenschaltliehen Siedlung Beth-Sera anläßlich einer Trauung gemacht hat. Das Bild zeigt den im Freien errichteten Trauhimmel (Chuppah), der so hergestellt wurde, daß auf Tier Mistgabeln, deren Spitze mit Blätterbüsehen von Bananenstauden geschmückt waren, ein Tuch (Tallis) aufgespannt wurde. Leider, so schreibt unser Korrespondent, konnte er das Brautpaar nicht mit auf das Bild bringen, da er nicht den Trauvorgang stören wollt«. Die Kwuzah Beth Sera besteht zum großen Teil aus jüdischen Siedlern aus Deutschland (früher Marken hof). ״Neuiieideaium" und Judentum Die Zeitschrift ״Zeit und Volk“ vom 23. 12. veröffentlicht im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dem ״Neuheidentum“ in ihrem Leitartikel ״Zeitblick“ ein Zitat aus einem Vortrag des Amtsgerichtsrats Dr. Willi Mahr in Darmstadt über das Thema ״Die deutsche Glaubensbewegung und der nationalsozialistische Staat“. Nach dem ״Darmstädter Tageblatt“ Nr. 33 erklärte Dr. Willi Mahr u. a.: ״Wir haben den Juden nicht aus seiner staatlichen Macht verdrängt, um uns in der Seele jüdisch infizieren zu lassen. Die Kirche hat sich an die nationalsozialistische Bewegung angcschlosscn, als wir gesiegt hatten, aber auch heute sind ihr Rasse, Volk und Blut und Boden Fremdhegriffe oder bestenfalls Guaileiigeschcnkc des jüdisch-orientalischen Gottes, nicht aber Dinge, die uns im Erbkeim angeboren sind. Der christliche Staat wäre die Verneinung des völkischen Staates.“ im ״L i n 11 a u e r Tageblatt“ vom 20. Dezember ist ein Bericht iiber die Sitzung des Stadtrats vom 19. Dezember enthalten, in dem u, a. ein Referat des Rechtsrates erwähnt wird, worin dieser berichtete, daß der Hauptausschuß mit großer Mehrheit beschlossen habe, Judenfirmen zu den Lindau er Jahrmärkten in Zukunft nicht mehr zuzulassen. Die Durchführung des Berufsbeamtengesetzes und die neuen Bestimmungen für das Beamtentum, die auch den Nachweis der arischen Abstammung enthalten, haben lauf ״Frank- (urter Zeitung“ vom 28. Dezember Veranlassung zur Einfiihrung eines neuen Formblattes ״Abstammungsnach weis“ gegeben. Das neue Formblatt enthält alle Fragen und Erklärungen, die für den Nachweis der arisehen Abstammung vorgeschrieben sind. bracht werden können, die heute und auch noch in Zukunft hierfür erforderlich sein werden. Philanthropie und Selbsthilfe Palästina kann also auch heute nicht in das große Gebiet der jüdischen Philanthropie hineingesteilt werden. Gewiß ist die Hilfe des einzelnen Menschen dem Nebenmenschen gegenüber gut und notwendig. Wir verkennen auch nicht die Bedentung philanthropischer Maßnahmen für die deutschen Juden, mögen sie nun von den Juden des Auslandes ausgehen oder von den Kreisen des deutschen Judentums, die die Möglichkeit dazu noch besitzen. In der jüdischen Wanderungsbewegung sind solche Hilfsmittel gar nicht zu entbehren, um diesen nicht immer einfachen sozialen Prozeß zu erleichtern. Der Aufbau Palästinas jedoch ist eine Aktion der Selbsthilfe. Es ist nicht möglich, daß man mit der Argumentation, mit der man früher ״für die Ostjuilen“ Geld zu geben bereit war, jetzt gleichsam für sich selbst etwas tut. Die Selbsthilfe, die der Zionismus von allem Anfang an darstellte, muß heute dem deutschc-n Judentum in seiner Gesamtheit vor Augen geführt werden. Dazu gehört allerdings, daß man sich aus der Nützlichkcitspsvehose heraushebt und einen Standpunkt einnimmt, bei dem man fühlt, was Palästina für uns bedeuten kann. Es muß der Schritt vor! der Haltung, die wir oben als rein rational bezeichnet haben, zu einem echten Glaube n a 11 N o t u c ״ d i g k e i t 11 nd Wert dieses zionistischen W c 1׳ k c s in P a 1 ä s t i n a Rclundc n werden. Niemals hätten ,.ungläubige’ Menschen“ die Basis eines neuen Lebens auf dem Roden Lrez. Israels schaffen können. Niemals wird das Werk von solchen fortgesetzt werden, die nicht aus dem ganzen Reichtum ihres Gefühls heraus sich ihm cingliedern. Unglaube — Glaub« — Aberglaube Ist es notwendig, so wird man vielleicht fragen, diese ethtsehen Faktoren im gegen" artigen Augenblick in den Vordergrund zu stellen? --׳ Wir meinen, diese Frage bejahen zu müssen. Wer die Zaghaftigkeit erkennt, mit der nicht die schlechtesten Menschen im deutschen Judentum Palästina gegenübertreten, wer sieht, wie sie bemüht sind, das Geschehen in jenem Lande in die ihnen gewohnten Begriffe einzuordnen, der fühlt, daß diese Kreise zwar erschüttert, aber noch nicht zutiefst von dem c r g r i f f e 11 sind, was vor der jüdischen Gesamtheit als Aufgabe steht. Darum gilt es zu zeigen, worin der Unterschied zwischen einer geschäftigen Tätigkeit auf jüdischem Gebiete und der die Grundlagen unseres Lebens umwandelnden großen Tat beruht. Es ist ein im letzten Grund ethischer Prozeß, der im Menschen vor sich gehen muß, will er den Anschluß an das nach Palästina tendierende lebendige Judentum erlangen. Die ungläubige rationale Haltung muß von dem Glauben abgelöst werden, daß in der auf den Aufbau Palästinas gerichteten Tat nicht nur die Erfüllung aller Vernunftgemäßen Wünsche für die Zukunft des Judentums liegt, sondern weit mehr als dieses, nämlich die Anknüpfung an die iit uns wirkenden echten Kräfte der Geschichte. Lösen sich so in der zionistischen Entscheidung des Ein- /.einen Unglaube und Glaube ab, so besteht allerdings die Oefahr, daß mancher über das Ziel hinausschießt. Wer bisher einen Weg des bequemen Lebens gegangen ist, wird geneigt sein, auf dem neuen Boden nach dem Ort des leichteren Wider-. Standes zu streben, und nun zu einer geistigen Konzeption gelangen, in der das nationale Moment eine trügerische Rolle spielt. So mancher — und es gibt auch hierfür Beispiele —, der vor kurzem Palästina höchstens als eine philanthropische Angelegenheit betrachtete, glaubt nun, einem ״nationalen Monismus“ anhängen zu sollen, indem es ihm so schein!, als oh dieser geistige Ort besonders klar und gegenüber seinem früheren Lebens/ustand abgegrenzt sei. Der Glaube an die zionistische Aufgabe verwandelt sich hier in eine Art von Aberglauben an Formeln, die in Wirklichkeit leer sind, weil hinter ihnen keine echten nationalen Realitäten stehen., Gerade derjenige, der neu in die zionistischen Reihen gekommen ist und seine Entscheidung als etwas Grundlegendes em(>* funden hat, muß sich vor der Gefahr hüten, den für ihn neuert Begriffen zu unterliegen. Wir wissen, daß die Durchsetzung der zionistischen Hoffnungen nur dann möglich ist, wenn immer wieder eine Konfrontierung mit der jüdischen und der allgemeinen Wirklichkeit erfolgt, und wenn insbesondere die wirkliehen Elemente der zionistischen Grundauffassung gewahrt bleiben. Wer den Weg zum Zionismus gefunden hat, sollte sich stets bemühen, im Rahmen dieser Forderungen zu handeln. Heimatgcfühl und Zukunftsglauben Chibbath Zion, Zionsiiebe ist eines der wesentlichsten Eiemente, die unsere Bewegung immer wieder von jieuern gestalten. Es ist ein Gefühl für etwas auf der Erde Lokalisiertes, für eine Heimat des jüdischen Volkes. Man stellt von seiten derer, die antizionistisch gesinnt sind, auch wenn sie heute das praktische Werk in Palästina anerkennen, diesem Gefühl die Verbundenheit des deutschen Juden mit dem Boden Deutschlands gegenüber. Auch hier wieder zeigt sich jene abstrakte Begriffsbildung, die nichts mit den echten Gefühlen des Menschen zu tun hat• Die Verbundenheit mit dem Boden, auf dem man geboren ist, hat wenig mit den Dcklaration e n zu tun, die aus einer gewissen Unsicherheit heraus darüber abgegeben werden. Diese Verbundenheit, die zutiefst im G e f ii h 1 wurzelt, ist für alle Juden die gleiche lind höchstens individuell nach der persönlichen Veranlagung variabel. Die Zionsiiebe dagegen, die uns mit der Idee: Palästina veibindet, entstammt einer geistigen Realität, die in der jüdischen Geschichte wirksam gewesen ist. Sie bewegt sich auf einer ganz anderen Ebene als die konkrete, faßbare Beziehung zu dem Boden unserer deutschen Heimat. Allerdings verbinden wir mit dieser Zionsiiebe einen Z u k 11 n f t s g I a u b e n. Wir meinen nicht, daß die heute vorhandenen Verhältnisse ewig unwandelbar sind, und die Geschichte sollte auch diejenigen, die von einer solchen Uiiwandclharkeit der Verhältnisse sprechen, lehren, daß bei den Juden und bei den anderen Völkern Momente ein getreten sind, in denen unbeschadet ihrer Vcrbundenheit mit der heimatlichen Erde sie an andere Länder, mit denen sie nichts verband, einen Zukunftsglauben knüpften. Die Fahrt der ersten englischen Pioniere nach Nord-Am«- rika ist hierfür ein gewichtiges Beispiel. Palästina ist heute eine starke Realität im deutsch-jüdisehen Leben Es kann und wird zu einer um gestaltenden Macht für die Gesamtheit der deutschen Juden werden, wenn diese den Weg aus einer letzten Endes unjüdischen wie auch menschlich unfruchtbaren Haltung heraus zu einer vollen Bejahung des im Zionismus liegenden jüdischen und ethischen Umbruches beschreiten. K. L.