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Jüdische Rundschau · 1933-12-29 · Heft 103-104 (29.12.1933) · p. Seite 1025

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 103-104 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
Seite 1025 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 103/104, 29. XU 1933 'JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 1015 Englisch״ jüdische Reisehriefe Zweiter Brief: The Jewish ״Church of England״ (Vgl. den ersten Brief in Nr. 95 der ״J. R.") Etwas Statistik, Geschichte Mnd Soziologie Es gehört zu den Freiheitsbegriffen des englischen politi- «dien Status, daß nach der Religion amtlich nicht gefragt wird. Aus diesem Grunde gibt es keine offizielle, und das heißt keine zuverlässige Statistik über die Zahl der in England lebenden Juden. Sie wird von jüdischen Stellen zurzeit auf rund 500 000 geschätzt, von denen allein in London 200 000, in Manehester 40 000 leben sollen. Die übrigen verteilen sich auf die größeren, mittleren und kleineren Städte, mit der auch ans anderen jüdischen Siedlungen bekannten Tendenz, die Großstadt vor der Mittelstadt, diese vor der Kleinstadt und die Stadt überhaupt vor dem Lande zu bevorzugen. Was die Herkunft dieser Judenlieit anbetrifft, so ist ja allgemein bekannt, daß die Juden gegen Ende des 13. Jahrhunderts von Richard I. ans England vertrieben wurden: nur wenige Getaufte blieben in einem, im Jahre 1299 eigens errichteten Hause zurück. Ebenso bekannt ist die Tatsache, daß die Rückkehr der Juden durch den Amsterdamer Rabbiner Manasse ben Israel im Jahre 1657 bei Oliver Cromwel! ditrchgesetzt wurde, den sowohl seine Vorstellungen von religiöser Gleichberechtigung (mit Ausnahme der ihm politisch gefiilirliehen Katholiken) wie vor allem seine Wirtschaftspolitik zu diesem Schritt bestimmt haben. So ist also der eigentliche Grundstock der englischen Judenlieit scpliardiscli; die Asclikenasim haben sich erst viel später dazu gefunden, wenn sie auch heute die Mehrheit geben. Von 111m an bezeichnet jeweils etwa je die Jahrhundertwende einen Markstein in der Geschichte der englischen Judenlieit: nach 1650 das eben erwähnte ״Rescttlemcnt“, nach 1750 eine vorübergehende, schnell wieder zurückgenommene Emanzipation der Juden, und nach 1850 ihre endliche Zulassung zum Parlament. Die Hauptmasse der heutigen jüdischen Bevölkerung stammt aus der starken Einwanderung, die sich in den Pogromen und Notjahren im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts nach England gewandt hat. Darauf beruht es, daß der englische Jude im Kern ״O s t j 11 d e“ ist und sich dieser Volkszugehörigkeit weit weniger schämt, als wir das von den entsprechenden Schichten der zweiten oder dritten Generation In Deutschland gewöhnt sind. Man kann häufig, auch bei ganz anglisierten Engländern, eine starke Hinneigung zum Ostjudenttim neben einer Antipathie gegen den deutschen Juden bcobachten; diesem wird seine Volksfremdlieit und Assimilierung■ zum Vorwurf gemacht. Das gilt nicht nur für ״Whitechapel“, den Sitz des englischen Ostjudentums erster Generation, sotidern auch für London West, wo die Söhne und Enkel wohnen. Einige ausgesprochene Spitzenstellungen in der allgemeinen und jüdischen Gesellschaft werden allerdings von Abköinm-!Ingen deutscher Juden eingenommen, die häufig nicht frei von den spezifischen Fehlern des deutschen assimilierten Judentums sind. Die soziologische Schichtung dieser Judcnheit ist ebenso unnormal wie die der deutschen, wenn auch wieder in anderer Art. Die kaufmännischen Berufe scheinen noch einseifiger zu überwiegen; dagegen tritt der überprozentuale Anteil der Juden an den freien Berufen erst in den letzten Jahren sichtbarer in den Vordergrund, wenn er freilich auch für die Zeit, da die jetzt studierenden zahlreichen jungen Leute ihr Examen gemacht haben werden, ein Problem zu werden droht. Kaum etwas ist 2u bemerken von jener Erscheinung, die man in Deutschland als die sogenannte ״Herrschaft“ der Juden über das geistige Lehen der Nation an gesprochen hat: •weder Presse noch schöne Literatur, Bühne oder Universität zeigen merklichen jüdischen Einfluß. Sowohl kulturpolitisch ־wie politisch verteilen sich die Juden über die ganze Breite «des Kampffeldes, da keinerlei programmatischer Antisemitismus der Konservativen sie von einer Stellungnahme für ״rechts“ ausschließt. Ebenso sind die Themenstellungen jüdischer Autoren nicht von jener gewissen Einheitlichkeit, die man für Deutschland, mit Ausnahme Rudolf Borchardts, feststellen kann, sondern erfolgreiche jüdische Autoren schreiben 7. B. über ״Den dritten Weg (d. h. den Luftweg) nach lndien“ oder ״Erinnerungen eines Infanterieoffiziers“. Die Rolle der ״Kulfurholschewisten“ wird hier eher von dem irischen als von dem jüdischen Element gespielt. Organisationsformen Die englische Verfassung ist bekanntlich ein merkwürdiges Gemisch zwischen lokalen und zentralen Autoritäten. Weit mehr wichtige Lebensfunktionen als etwa in Deutschland sind der Initiative der Gemeinden, ja der Arbeit privater Gesellschäften überlassen — so z. B. das gesamte Bildungswescn, und trotzdem übt das englische Parlament in den zentralen Fragen eine weit größere Macht, als je ein kontinentales Parlament sie besessen hat. Diese wohlausgewogene Polarität spiegelt sich auch in «len Organisationsformen des englischen Judentums wieder. Der lokalen Zelle entspricht nicht die uns aus Deutschland vertraute Ortsgemeinde, die alle am Platze lebenden Juden in einer Zwangsorganisation vereinigt, sondern die einzelne Synagoge, der man angeboren kann oder nicht. Die zentrale Organisationsform wird in ihrer höchsten Spitze ausgedrückt durch den ״Board of Deputies", eine Art Parlament der englischen Judenschaft, in das die großen Verbände ihre Vertreter entsenden und das bekanntlieh nicht nur zu inue!׳englischen Fragen sich äußert, sondern auch die Verpflichtung fühlt und erfüllt, bei kritischen Situ,וtionen, die Juden irgendwo in der Welt treffen, protestierend, beratend oder wirtschaftlich helfend einzugreifen, ln den letzten Jahren ist der zionistische Einfluß in dieser Behörde siebtlieh gestiegen. Zwischen der einzelnen Synagoge und dem zentralen Board of Deputies stehen •die Synagogen verbände, von denen wir vier bis fünf unterscheiden können. Der wichtigste und wohl auch zahlenmäßig der größte heißt ״United Synagogue“, und er wird gelegentlich mit jenem Scherzwort bezeichnet, das an der Spitze dieses Briefes steht. Es ist die offizielle Organisation der englischen Juden, ohne sie aber alle oder auch nur die Mehrheit zu umfassen. Ihre Satzungen aber sind durch Parlainentsbeschluß genehmigt, ihr Oberrabbiner heißt, abgekürzt, schlechthin der ״Chief Rabbi“, und ist eine Art ״Primas“ der englischen Judenheit, In ihrer Vertretung bei Hof und Staat. (Merkwürdig ist übrigens, daß der englische Oberrabbiner keinen Sitz im House of Lords hat; eine Form der Repräsentation, die im übrigen viel weniger emanzipierte Judenheiten, wie die ungarische und rumänische, längst besitzen. Die Gründe dafür sind übrigens aus der inneren englischen Verfassungsgeschichte her leicht einsichtig zu machen.) Die United Synagogue nimmt auch insofern eine zentrale Stellung ein, als sie in einer besonders engen Verbindung zum — einzigen — englischen Rabbinerseminar, dem Londoner ״Jews1 C o 11 e g e“ steht und als die Gemeinden der Provinz und des britischen Weltreiches ihr im allgemeinen, wenn auch lose, angeschlossen sind. Diese Verbindung hat der jetzige Inhaber des Amtes, der Misrachist Dr. J. H. Hertz, dadurch betont, daß er eine Inspektion;*- reise durch die Gemeinden des Imperiums unternommen und einen Bericht in Buchform darüber veröffentlicht hat. Der zweite große Verband heißt ״Federation of Synago g u e s“ und ist im wesentlichen auf London beschränkt, wo er weder zahlenmäßig noch finanziell, wohl aber ״gesellschaftlich“ hinter der United Synagogues erheblich 7.11־ rucksteh4. Er besteht im wesentlichen aus Synagogen, in denen das ostjiidische Element noch deutlich in der Art des Gottesdienstes hervortritt. Die religiöse Richtung der beiden großen Verbände wiirden wir in Deutschland als ״konservativ“ bezeichnen; sie selbst Darum mu& die Erneuerung auch dies bedeuten: dafe der Kampf um die Erfüllung das ganze Volk erfasse, dab die Ideen die Wirklichkeit der Tage durchdringen, da& der Geist ins Leben komme! Dann erst, wenn das Judentum sich wieder ausreckt wie eine Hand und jeden Juden bei den Haaren seines Hauptes faftt und ihn im Sturme zwischen Himmel und Erde gen Jerusalem trägt, wie einst die Hand des Herrn den Jecheskel ben Busi, den Priester, im Lande der Chaldäer fahle und trug, dann erst wird das jüdische Volk reif sein, sich ein neues Schicksal zu erbauen, wo einst das alte zerbrach. Die Bausteine mögen, ja müssen schon jetzt zusammengetragen werden, aber das Haus wird erst dann errichtet werden können, wenn das Volk wieder zum Baumeister geworden ist. Martin Buber (1911) nennen sich ״orthodox“, welche Bezeichnung für den zweitgenannten Verband noch eher als für den ersten zutreffen mag. Nichts ist nämlich für den religiösen Status des englischen Judentums kennzeichnender als die Verwendung des Wortes ״orthodox": so heißt alles, was nicht offiziell ״reformiert“ wurde und nicht offiziell sich von den beiden großen Verbänden und ihren Satzungen ״bgetrennt hat. 111 Wirklichkeit gibt es aber, besonders innerhalb der ״United Synagogue“, dl• mannigfachsten Schattierungen, amref׳.1״״e11 von wirklich orthodoxen Synagogen mit dem Almemor in der Mitte und dem Frauengitter bis hin zu .solchen mit gemi-etdem Chor. Die Grenze ist: die Orgel; sie steht in keiner der in Frag« kommen den Synagogen. Kleine Abweichungen im Ritual, wie der den vorgesehene) Verzieht auf die still.״ ־Seinnone Esr-e“ sind hingegen überaus häufig.. Der scnnardisrlie Svnagogenver- Bedeutung verfügt, hat etwa denselben religiösen Status; der Gottesdienst wird dort noch mit der ganzen spaniolischen Grandezza und Silbentreue voilfuhrt wie Mir der Vertreibung aus der Iberisehen Halbinsel. Von diesem großen Stamm des offizieller! englischen Judentums haben siel! nun zwei kleine extreme Gruppen abgesplittert, die quantitativ völlig, qualitativ durchaus nicht unbedeutend sind: eine radikal orthodoxe und eine, oder eigentlich zwei liberale. Die orthodoxe hat ihren Sitz in Nordlondon um! ist im wesentlichen eine Gründüng deutscher, ja: Frankfurter Juden. Doch sind die Gegensätze, in denen diese kleine, aber opferbereite und jüdisch sehr intensive Gemeinde zum Gros der englischen Juden steht, keineswegs zu vergleichen mit den gespannten Beziehungen, die in Deutschland zwischen Austritts- und üroßgerneinden herrschen: schon deshalb nicht, weil es eben in England keine Zwangsgemeinden und daher auch keinen ״Austritt“ gibt. Auch die politischen Gegensätze sind nicht so scharf: so war z. B. der erste Rabbiner dieser Gemeinde, Dr. Schoenfdd, ein führender Misrachist, während sein junger Sohn und Nachfolger allerdings der Agudah nahezustehen scheint. Auch diese Gemeinde, die vom englischen Judentum im allgemeinen als ein Fremdkörper mit freundlicher Neugier betrachtet wird, hat den Versuch gemacht, sich einige gleichgesinnte Synagogen, insbesondere in Whitechapel, an zu gliedern und eine ״Federation orthodoxer Gemeinden“ zu schaffen. Hervorzuheben ist, daß es offenbar hier stärker als sonst gelungen ist, auch die Jugend zum ״Lernen" heranzuziclien, wie auch die Gründüng einer höheren jüdischen Schule den Bemühungen Dr. Schoenfelds und seiner Nachfolger verdankt werden muß. Am anderen Extrem stellen die b e i d e 11 1 i b er a 1 e n ,Synagogen. Die ältere, weniger radikaler Richtung, ist bereits über hundert Jahre alt und datiert aus der Zeit, da, im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, die jüdische Reform- Bewegung auch nach England lieniher/uschlagen schien. Es ist aber damals mir zur Gründung jener einzigen Synagoge gekommen, die allerdings einen beschränktet! Kreis reicher und gesellschaftlich führender Londoner Familien an sich zu ziehen verstand. Als ein interessantes Symptom mag vermerkt sein, seien ״Prolegomena zu einer künftigen Metaphysik“. Aber sie waren weit, weit mehr als nur dies. Meverson, der polnische Jude, der ein großer frauzösi- •scher Philosoph geworden ist, war, wie die ״J. R.“ bereits mitteilte, durch mehr als zwei Jahrzehnte als Beamter der lea mit dem Palästinawer k verbunden. Seine philosopbischen Werke aber, von denen die Welt wußte, blieben in Palästina unbekannt. Man kannte und kennt ihn nur als Ica-Beamten. Ein Plan, «1er vor einiger Zeit auftauchte, seine Werke ins Hebräische zu übersetzen, blieb unrealisiert. Es ist jetzt Ehrenpflicht der Ica (Pica), dafür zu sorgen, daß Meyersons Werke ins Hebräische übersetzt werden. Jerusalem. Hugo Bergmann. Premiere der ״Habimah“ ״Drei Diebe״ Tel-Awtv, 17. Dezember 1933. Eine Premiere der ״Habimah“. Der Saal voll wie immer bei solchen Gelegenheiten. Im Publikum viele bekannte Gesiebter, tlie seit Jahren bei diesen Gelegenheiten sich treffen. Da sind Prominente des öffentlichen Lehens, Schriftsteller, Künstler, Presse und sehr viele Arbeiter. Man fühlt nach wie vor, die ״Habimah“ ist eines der Lieblingskinder des Ptiblikums, ein l.ieblingskind, das man seit langem gern hat und — dem man dafür auch so manche Mängel verzeiht. Von dem sieh sprunghaft verändernden Tcl-Axviw ist hier nicht viel zti merken. Von der neuen Einwanderung kommt nur ein wi!1ziger Bruchteil in diese Premiere. Es mag zu einem großen Teil ari der Unkenntnis des Hebräischen liegen. Aber die Konjunktur spürt man «loch; es sieht — trotz der Anwesenheit vieler Arbeiter — sehr viel eleganter aus als früher: die Smokings haben sich vermehrt und die Abendkleider, kurz, das Publikum nähert sich in seinem äußeren Anstrich langsam den europäischen Formen. Das neue Stück ist die Komödie von Umberto Notari: Drei Diebe. Man kennt das Stück vorn Filme her, er lief vor längerer Zeit in Palästina. Was die ״liabimah“ aus der Sache macht, gibt zu denken. ״Drei Diebe“ ist die Geschichte eines Raubes von drei Millionen, für den ein I armer Kerl von einem Tagedieb, der aus dem Schaufenster I den Käse, aus der Garküche die faulen Fische stiehlt, weil | er doch nun einmal leben und daher essen muß, eingesperrt 1 und verurteilt wird. In Wirklichkeit hat sie aber ein ״Gcntleman-Einbreclier“ genommen, und der erscheint am Schluß der Gerichtsverhandlung, befreit den Verurteilten, erklärt dem Großindustriellen, daß er gar nicht der Besitzer des Geldes sei, weil er es durch betrügerische Operationen dem Publikuin aus der Tasche gelockt hätte und schleudert schließlich den Regen der Geldscheine ins Publikum, das sieh zusammen mit Richtern und Anwälten um den Mammon balgt, während der Gentleman den Tagedieb beruhigt, das Gele! sei ohnedies gefälscht. Also eine Persiflierung der gesamten Gesellseh,»fts- Ordnung, mit ihren verschiedenen Kategorien von ״Dieben״, den anerkannten, den großen und den kleinen, verbunden mit einer Verhöhnung bürgerlicher Sitten und bestehender Justiz. Eine Saitre, durchtränkt von Ironie. In den Händen der Habimah wird daraus eine Posse, eine Posse, die so' stark autgetrageu wird, daß sie gelegentlich als Kasperletheater ammitet. Die Aufführung hat gelungene Stellen, manche originelle Bühnenwirkung und wie immer, überraschend bunte Bühnenbilder, auch reichlich komische Wirkungen. Aber schließlieh handelt es sich bei einer Sache, wenn sie in großem Stile wirken soll, nicht nur um Amüsement, es muß der Stich zu spüren sein, der immerhin ernsthafte Untergrund, im Publikum muß man sich betroffen fühlen. Davon ist kaum etwas zu bemerken, und wenn es schon eine Posse sein soll, so reißt sie sicher nicht genug mit. So mancher kratzt sich unbehaglich hinterm Ohr und fragt, wo hier der Fehler liegen mag. Der Fehler ist nicht nur i!1 diesem Stück. Man begegnet den alten Schwierigkeiten der Habimah. Zuerst: Repertoire. Wir haben uns häufig genug mit diesem!,unkt auseinandergesetzt, aber er taucht 1111weigerlich wieder auf. An hebräischen Dramen ist ein beängstigender Mangel; es kann auch nicht anders sein, wo wir erst mitten in der Sprachrenaissance stehen und kein Reservoir haben, aus dein wir schöpfen können. Und die Fischziige der Habimah in das Repertoire der Weltliteratur bringen 5011derbare Beute herauf. Man fragt sich immer wieder, nach welchen Gesichtspunkten wohl die Stücke für die Auffühnmgen der Truppe ausgesucht werden? Und weiter: es wäre ein gutes Werk, die Habimah zu zwingen, die Hälfte ihrer Proben einfach zu streichen. Es wird alles so gut vorbereitet, daß es nicht mehr gut sein kann. Da ist alles bis ins kleinste ausgearbeitet, die Stcllungen, die Beleuchtungen, die Gesten — der Erfolg ist, daß alle momentane Ursprünglichkeit verloren geht. Man sehnt sich geradezu nach einem bißchen Improvisation. Insbesondere bei einem Stück wie ״Drei Diebe“, das ja als Posse aufgemacht wird, wo aber leider der Witz nicht sprudelt, sondern sorglich vorbereitet ist. Wenn es alles ein bißchen unsorgfältiger wäre, wenn man die Schauspieler wirklich agieren, aus ihren abgezirkelten Bahnen heraustreten ließe, so würde sich v einen strömenden UiKi.schlicßlic •II Abend kleidung 1en lila (!) Frack, Wä! in Igel etwas wie Menschcnfigui Bühne stellte, ohne sofort ins Groetske und Verzerrte zu fallen? Das alles sind Technika, wichtig, aber erreichbar. Der erste Punkt aber, die Frage des Repertoires ist keine Frage der Technik, und sie stellt das Problem des hebräischen Theaters überhaupt. Ohne das entsprechende Repertoire kann es bestenfalls künstlerisch interessante Unterhaltung geben, mehr oder weniger gelungene schauspielerische Leistungen, bedeutsam für den kleinen Kreis derer, die ״Theaterliebhaber“ sind. Interessant und wichtig wird die Sache erst, wenn man Stücke auf die Bühne stellt, die ins Publikum greifen, die lebendig sind, im wahrsten Sinne dieses Wortes, die um sich einen Radius schaffen von Aktualität tind funkelnder Gegenwärtigkeit. Vielleicht hätte ma grundverschiedenen Auffassung! - aus den auch so etwas machen können. Wer weilt, daß man solche Stücke finden kann, man r suchen. Daß die Habimah der Mühe wert ist, paar Monaten mit der Aufführung von ״Jud Geben wir die Hoffnung nicht auf! Und zum Abschluß'nochmals ein Wort iil den wir schon mehrmals berührt Inheu und der heute so aktuell ist wie je: Das hebräische Theater braucht nicht nur ein Repertoire, es braucht eine aufrichtige, genaue und anspruclisvolle Kritik. Wenn man erkennen will, ob ein Stück gut oder schlecht war, so kann man cs heute nur daran ermessen, ob mehr oder weniger Lobeserhebungen in den Bespreclmtigen Vorkommen, Daß wirklich einmal die Sonde des Kritikers an die Leistung der Regie und der Schauspieier angelegt wird, kommt sehr selten vor. Damit tut man aber dem Theater keineswegs etwas Gutes an, mar« beraubt es einer seiner wichtigsten Entwicklungsfaktoren. Auch hier muß Wandel geschaffen werden. Es wird dann vielleicht nicht alles so glatt gehen wie heute, wo ein Wort der Kritik beinahe als ein Verstoß gegen die Höflichkeit gilt, aber das Werk des hebräischen Theaters wird besser voran schreiten. G. L. ei Dieben“ r aber ist, nur richtig sie vor ein ‘ bewiesen. inen Punkt,

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