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Jüdische Rundschau · 1933-12-22 · Heft 102 (22.12.1933) · p. Seite 1015

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 102 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
Seite 1015 (sequence 17)
Language
German
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!fr. 102, 22. XII. 1933 jüdische Rundschau Seite 1005 von der Spracheig entümli dikeiften der mittelalterlichen Poesie Zum Lichterfesigedidit de« Jehuda Halevi Von Dr. Michael Wllensky. Das Verständnis der hebräischen mittelalterlichen Poesie Ist selbst für den Hebraisten mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Die Veröffentlichung des ״Lichterfest“-Oedichtes des Jehuda Halevi nebst dessen Verdeutschung durch Franz Rosenzweig in der ״Jüdischen Rundschau“ (Nr. 100, S. 057, Sp. 2), einer nicht speziell wissenschaftlichen Zeitschrift, muß daher als Zeichen der Zeit gewertet werden. Sie zeigt die Richtung an, nach welcher liier das Interesse des jüdischen Lesers in Deutschland von 1933 tendiert. Es mag daher am Platze sein, einen Begriff von der Ursache der erwähnten Schwierigkeiten zu geben und die Mittel und Wege aiizuzeigen, wodurch diese behobai werden könnten, um so mehr als gerade das veröffentlichte Gedicht hierfür eine ausgezeichnete Illustration bietet. Wenn man von Schreib- und Druckfehlern absieht (die dadurch verursachten Schwierigkeiten sind auch nicht zu unterschätzen),!;ißt sich im allgemeinen von zwei Arten von Schwierigkeiten sprechen. Die eine beruht darauf, daß die damalige hebräische Poesie sich in engster Verbindung mit der arabischen befand, die der ersteren als Vorbild sowohl im Versbau als in anderen Hinsichten diente. Die genaue Kenntnis aller Feinheiten der hebräischen Poesie erfordert daher eine Vertrautheit mit der arabischen Poetik. So kam es, daß der bekannte mittelalterliehe Dichter Mose ihn Esra aus Granada sich veranlaßt sah, eine Schrift zu verfassen, in der die Figuren der arabischen Poetik durch Beispiele aus der hebräischen Poesie erklärt werden; übrigens ist diese in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts arabisch verfaßte Schrift erst in der neuesten Zeit von B. Hai per ins Hebräische übertragen und unter dem Titel: שירת ישראל veröffentlicht worden (Leipzig, 1924). Wir wollen uns aber hier mit der Ursache einer anderen Hauptschwierigkeit befassen. Die hebräischen Dichter des Mittelalters haben in einer n ic h t g e s p r o c h en e n Sprache gedichtet; es standen ihnen, da sie sich obendrein vorzugsweise des biblischen Wortschatzes bedienten, ungenügend Worte zur Verfügung, sie mußten sich daher ganzer Ausdrücke, Versteile aus der Bibel, bedienen; durch manchmal unerwartet kühne Kombinationen solcher Versteile, kleine Zusätze, Einschiebungen und Abänderungen, suchten. sie den ihnen gewünschten Gedanken auszudrücken. Im vorliegenden Gedicht z. B. macht der in der ersten Zeile erhaltene Ausdruck באורך נראה אור den zweiten Halbvers in Ps. 36, 10 aus; zwischen באורך und ,ניאד ist אל נאור eingeschoben und dem Ganzen יחד vorgesetzt worden. Die erste Zeile der ersten Strophe העם אשר הלך בחשך ist eine leichte Modifikation der ersten Hälfte des ersten Halbverses in Jes. 9,1 העם ההלכים בוזשך ראו אור גדול; der in diesem Haibverse ausgedrückte Kontrast zweier Zustände dient übrigens als Leitmotiv des ganzen Gedichtes; in der dritten Zeile ist einerseits יגד עקבו Gen. 49, 19 entnommen, andererseits ist עקבו••• נשך eine Anspielung auf הנשך עקבי daselbst V. 17; in der vierten Zeile ist בהם צח עלי־אור Jes. 18, 4; ישכן־אור Hi. 38, 19 entnommen, nur ein einzelnes Wort עליי ist vom Dichter hinzugefügt worden; das gleiche ist der Fall in den übrigen Strophen. Nun haben die Dichter aus der Not eine Tugend gemacht, da sie, ähnlich ihren arabischen Kollegen, ihren Ehrgeiz nicht daran setzten, möglichst einfach und verständlich zu schreiben, sondern möglichst schwierige und gesuchte Ausdrücke zu gebrauchen. Das Lesen eines Gedichtes war zugleich eine Probe sowohl auf die Geduld als auf die Intelligenz des Lesers, eine Art geistigen Sportes. Selbstverständlich konnte sich bei ihnen die Idee nicht immer so eng an die Form anschmiegen, wie es in der modernen Poesie möglich ist; trotzdem findet man Wundervolles auf diesem Gebiete, besonders bei Jehuda Halevi. Mag dem sein wie es will, sobald Bibelverse eine solche wichtige Stelle in der Poesie entnehmen, muß man, um ein Gedicht zu verstehen, die darin gebrauchten Bibelverse zu deuten wissen, und zwar so, wie der Dichter sie gedeutet hat. Das ist nicht immer leicht! Die meisten der dafür in Betracht kommenden Kommentare, soweit sie sich erhalten haben und veröffentlicht worden sind, sind arabisch (z. B. Saadia, jehuda ibu Balaain, Mose ihn Dschikatila u. a. in.), und, was noch schlimmer ist, nicht in Form eines Kommentars geschrieben. Eine reiche Fundgrube für die Bibelexegese der spanisch-arabischen Periode bilden z. B. die Werke des in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Spanien lebenden berühmten hebräischen Sprachforschers ibn Dschanacb, obwohl dieser kein exegetisches Werk geschrieben hat; die Bibelerklärungen sind in seinen samtliehen der hebräischen Sprachforschung gewidmeten Schriften zerstreut und man findet sie manchmal an Stellen, an denen man sie am wenigsten erwarten konnte. Das gleiche, wenn auch nicht in solchem Maße, trifft zu für die sprachwissenschaftlichen Werke des Menache m, Dunasch, Chajjudsch, ibn Parchon u. a. m. Auch in den Werken der mittelalterlichen jüdischen Philosophen finden sich, wie wir sofort sehen werden, Bibelerklärungen. Die Bibel beherrschte das ganze jüdische Schrifttum! Nun kann es selbstverständlich nicht Aufgabe des Lesers, sogar des Kommentators der mittelalterlichen hebräischen Poesie sein, bei _ jedem .dort anzutreffenden Bibclvers die ganze jüdische Literatur in verschiedenen Sprachen durchzu* mustern, ob sich dort etwa eine gerade für diese Stelle passende Erklärung findet. Es müssen, um die mittelalterliche Poesie von dieser Seite her zu erfassen, vorbereitende Arbeiten stattfinden, Arbeiten, die auch an und fiir sich nützlieh sein könnten. Diese Arbeiten können auf doppelte Weise bewerkstelligt werden. Entweder werden die Bibelerklärungen des jeweiligen Autors gesammelt, nach den Bibelbüchern geordnet und gesondert herausgegeben. So hat Bacher die Bibelerklärungen in den philosophischen Werken (s. o.) von Saadia bis Maimonides in zwei Schriften herausgegeben. Mail kann aber auch, ohne die Bibelerklärungen selbst wiederzugeben, lediglich ein Register der erklärten Bibelverse, mit Angabe der Stellen des Werkes, in denen diese gedeutet sind, hersteilen und ihn dein betreffenden Werke beifügen. Ein solches Register hat Schreiber dieser Zeilen seiner erneuten Herausgabe des großen grammatischen Werkes des oben genannten ibn Dschanach, des ״Sei er Har iq m a“, beigelegt. Ein eklatantes Beispiel für das Gesagte bietet die bereits erwähnte erste Strophe des veröffentlichten Gedichtes. Rosen zweig gibt den in der vierten Strophe desselben enthaltenen Bibelausdruck: כחם צח עלי־אור der üblichen Uebersetzung folgend mit: ״wie Glut auf Licht“ wieder; das fibt aber besonders hier, wo es sich um Kontraste handelt, einen guten Sinn. Nun zitiert ibn Dschanach in seinem hebräischen Sprache wenig verbreiteten Erstlingswerke ״Kitab Almustalc h a q“ ״ ־־־Buch der Ergänzung“ genannt, anläßlich der Frage, ob צח ein Verbum geminatum ist, diesen Vers und bemerkt beiläufig, daß צח hier, ähnlich dem arabischen ״dih“, Sonne bedeute; in seinem allerletzten Werke ״Buch der" Wurzeln“, lexikographischen Inhalts, erklärt er איר in diesem Verse als Regen, wofür er Belege aus der Bibel anführt (übrigens erklärt bereits Saadia so dieses Wort in diesem Vers); der Ausdruck bedeutet also: ״wie Sounenwärme nach dem Regen“ (der oben erwähnte ibn Balaam, der die meisten seiner Bibelerklärungen Ibn Dschanach entnimmt, ohne diesen, dem damaligen Gebrauch entsprechend, zu nennen, übersetzt in seinen arabischen Glossen 2u Jes. tatsächlich diesen Vers so). Nach Berichtigung weiterer Ungenauigkeiten, auf deren Einzelheiten hier nicht eingegangen werden soll (בר® z. B., noch dazu mit einem schin, kann hier unmöglich Hoffnung bedeuten), ergibt sich folgende Bedeutung der Strophe, wobei übersichtlichkeitshalber die Wiedergabe Rosenzweigs ihr gegenübergestellt wird: Rosenzweig: Hoffnung — dem Volk, des Weltpfad weist Nachtdureh, wie lang Ihr Schein nur gleißt Und Sünd es In diese Ferse beißt? O, daß auf Ihm, wie Glut auf Licht, throne Licht. Wflensky: O Volk, das im Finstern wandelte, wie lange noch wird seine QuaJ dauern, wie lange noch wird die beißende Sünde es auf der Ferse verfolgen? Möge doch endlich das Licht über Ihm aufgehen, wie die Sonnenwärme, die auf den Regen folgt. Schließlich soll noch bemerkt werden, daß der Gebrauch von אור einmal in der Bedeutung von Regen, bald darauf in derjenigen des Lichtes keine zufällige ist: der Gebrauch von Homonymen nebeneinander war, als besondere Eleganz des Stils, sowohl bei den arabischen als auch bei den hebräischen Dichtern des Mittelalters sehr beliebt und verbreitet. Auch in der 4. Zeile der 3. Strophe dieses Gedichtes gebraucht der Dichter ןןא1ך in der Bedeutung von fluchen, neben אור in seiner gewöhnlichen Bedeutung. *Ncuhcbräisdi״? — Althebräisch I Von Dr. S. Kaldko, Berlin. Es ist bisher noch nicht gelungen, den Urheber der zurzeit in Deutschland viel gebrauchten Bezeichnung ״Neuhebräisch“ zu ermitteln. Vielleicht ist sie auf den ״Scheintod“ des Hebräischen zurückzu führen, das nach vielen JahThunderten erst wieder zu neuem Sein als ״lebendige Sprache“ erwachte. — Was jedoch keinem Zweifel unterliegt, ist die Tatsache, daß die Einführung des Begriffes ״Neuhebräisch“ große Verwirrung In den Köpfen Vieler, die sich für Hebräisch interessieren, angerichtet hat. Nur das Fehlen der primitivsten Kenntnisse von Zusammenhängen läßt unter anderem folgende Fragen aufkommen: ״Wird Neuhebräisch ebenfalls von rechts nach links geschrieben?“ — ״Ist es wahr, daß man Neuhebräisch mit arabischen (!) Buchstaben schreibt?“ — ״Ist Neuhebräisch mit dem sogenannten ,Jiddisch4־‘ der osteuropäischem Juden identisch?“ Hierzu ließe sich mancherlei sagen. Als erstes:: — Es gibtgar kein ״N cuhebräisc h“! Weder hat die alte hebräische Sprache von ihrem Wortschatz etwas eingebüßt, noch hat sie Veränderungen in ihrem Bau in syntaxischer oder etymologischer Hinsicht erfahren, noch sind wesentliche Umgestaltungen ihrer Schrift oder Orthographie vor sich gegangen. Das Hebräisch, das gegenwärtig gesprochen wird, ist in seiner Hauptsubstanz die Sprache der Bibel — also ״A11 h ebrä i s ch“. Und auch das Bestreben der Schöpfer der modernen hebräischen Literatur gellt dahin, die Neubildungen innerhalb der hebräischen Sprache in Bau und Form dem Bibel-Hebräisch anzugleichen. Selbstverständlieh hat, — wie jede lebendige Sprache, — auch die hebräische im Laufe der Zeit ihren Wortschatz bereichert. In starkem Maße geschah dies während der letzten Jahrzehnte, als Hebräisch zur Umgangssprache der unter veränderten Verhältnissen in Palästina lebenden Juden wurde. Der neue Alltag stellte neue Anforderungen an die Sprache, und das ״Loschaun Kaudesch“ des Siddur und des gesamten religiösen Lebens wandelte sich zum modernen ״Iwrit“, detn Ausdruck des neuen werktätigen und geistigen jüdischen Lebens. Bei den neu entstandenen Worten handelt es sich jedoch nicht um neue Wortschöpfungen, da sie entweder dem alten hebräischen Schrifttum (Mischtiah, Talmud u. a.) entnommen, oder — in Anlehnung an bereits in der Bibel enthaltene Ausdrücke — gemäß dem Bau und Geist der hebräischen Sprache nachgebildet wurden. Hier stehe nur eines von den vielen Beispielen: Das hebräische Wort 1*1y®״Schaah“ Stunde. Von ״Schaah“ wurden später abgeleitet: ״ שעייןScliaon“ Uhr u.״ שעןSchaan“ Uhrmacher. Selbstverständlich handelt es sich bei den letzten beiden Bezeichnungen um neue, im alten hebräischen Schrifttum noch nicht enthaltene Worte; aber derartigen Neubildungen begegnet man w׳ohl in jeder Sprache, die gleichzeitig mit der fortschreitenden Entwicklung und Um- . , . Raten möcht' l<h dir, Geliebte, Nach zuholen das Versäumte Und Hebräisch zu erlernen - Laß Theater und Konzerte, Widme ein'ge Jahre solchem Studium, du kannst alsdann Im Originale lesen Iben Esra und Gebirol Und, versteht sich, den Halevy, Das Triumvirat der Dichtkunst, Das dem Saiienspiel David(s Einst entlockt' die schönsten Laute, Heinrich Heine Aus: Jehuda ben Halevy (״Hebrälsdse Melodien") formung des Lebens neue Begriffe und Bezeichnungen aufnimmt, ohne daß ein begründeter Anlaß vorläge, die Sprache deshalb als ״neu“ zu bezeichnen. Nicht die Anzahl neuer Wortschöpfungen, sondernder Bau, das etymologische und syntaxische Gerüst (und hierin hat sich das Hebräisch der Bibel fast unverändert erhalten), sind für eine Sprache von ausschlaggebender Bedeutung. Selbst die später übernommenen Fremdwörter sind der hebräischen Sprache in jeder Hinsicht so vollkommen angeglichen worden, daß sie mit dem Geist und Klang der Sprache harmonisch verwebt sind und kaum noch als störende Fremdkörper empfunden werden können. Die hebräische Wortschöpfung ist keine ״Errungenschaft der Neuzeit“, wie mancher meinen könnte. Schon im Mittelalter, insbesondere aber im späteren Zeitalter der ״Haskalah“ (= Aufklärung“) begegnen wir neuen hebräischen Wortbildun- ׳gen. Die ״Maskilim“, die sich vom religiösen Schrifttum abwandten und Hebräisch zwar nicht als Umgangssprache, sondem als Schriftsprache für ihre — thematisch profanen — Werke gebrauchten, schufen eine ganze Anzahl von neuen Wort- Prägungen. Aber gerade die Wortschöpfungen der ״Maskilim“, die bestrebt waren, ihren Stil der Bibelsprüche anzugleichen, und häufig ganze Abschnitte ans den Propheten zitier״ ten (die sogenannte ״M'li/ah“) entsprachen zumeist (so paradox es sich anhören mag) viel weniger dein Geist der Bibelspräche als die neuen Wortprägungen der letzten Jahre. Die sprachlichen Neubildungen der 1״ Iaskalal1‘־-Epr»che trugen vielfach den Stempel einer Uebersetzung aus der Umgangssprache, deren sich ihre Schöpfer sonst bedienten (zumeist Jiddisch). Um bei dem obenerwähnten Beispiel zu bleiben, sei hier die von den Maskilirn geprägte Bezeichnung für ״Uhr“ מידה שעות --־־־ ״More Schaot“ ״Sfundeii/eiger•׳ angeführt, die zwar aus hebräischen Wörtern zusammengesetzt ist, in ihrer Bildung jedoch weniger dem Geist des Ältlicbriiischeii entspricht. Das spatere ״Schaon“ (siehe oben!) ist organisch und geistig ״echleres“ Hebräisch, während ״More Schaot“ der Klang eines ״übersetzten“ Hebräisch anhaftet. Ebenso verhält es sich — unter zahlreichen anderen Bezeichnungen — mit ,,R’sclumat Hamaachalim“ רשימת המאכלים für ״Speisekarte“, das als ״Verzeichnis der Speisen“ eine glatte Uebersetzung aus dem Deutschen l>/\v. Jiddischen darstellt und längst dem modern hebräischen ״Tafrit“ gewichen ist. Ein Punkt jedoch, der die deufsclispreclicnden Juden bei der Erlernung der hebräischen Sprache noch immer ein bißdien schreckt, weil er ihnen ״neu״ erscheinen mag, ist die sephardisehe Aussprache. Iin Anfang fällt es den nur mit den (meist spärlichen) hebräischen Kenntnissen aus dem Religionsunterricht Ausgestatteten oft schwer, die schon bekannten Vokabeln unter dem Mantel der anderen Aussprache zu erkennen. — Aber auch dieses ״Novum“ stellt nichts arideres dar als die Rückkehr zur ursprünglichen Aussprache des Hebräischeu. Selbst das Hebräisch der Gebete und des Kultus überhaupt wird bekanntlich in den verschiedenen Ländern verschieden ausgesprochen. So spricht der deutsche Jude die drei Anfangsworte des Morgengebets (sephardiseh: ״Mode Ani L’fanecha“) wie ״Maude Ani L’foneciio“ aus, der polnische und galizische Jude: ״Mojde Ani L’funechu“, der litauische und russische wie: ״Me/de Ani L’foneciio“. Bei der Aussprache der Ostjuden fällt jeweils die Anpassung an Vokal isierung und Betonung ihres ״Jiddisch“ auf. (Die Ansicht manches hebräischen Sprachforschers, die Aussprache des ״Cholam“ a'is ״au“ sei die ursprüngliche, ist noch sehr umstritten; aber auch wenn diese Meinung zutreffend wäre, stünde sie doch nicht im Gegensatz zur Behauptung des Verfassers dieser Zeilen, daß die verschiedenen Umgangssprachen der jüdischen Bevölkerung auf die Aussprache des ״Kultus-Hebräisch“ abgefärbt hätten.) Die sephardisehe Aussprache, die sich jetzt überall, wo lebendiges Hebräisch gepflegt wird, eingebürgert hat, ist nicht nur deshalb zu begrüßen, weil sie eine A 11 g 1 e i c 11 u!1 g an d i e u r s p r ü n g 1 i c 11 e A ti s s p r a c 11 e darsteHt, sondern weil sie sich das nicht zu unterschätzende Verdienst erworben hat, als Einheits-Aussprache die verschiedenen Variationen in der Aussprache des Hebräischen verdrängt zu haben, bzw. zu verdrängen. Da, wie erwähnt, der Unterschied sirli im wesentlichen auf die verschiedenartige Aussprache von Vokalen beschränkt, das Konsonantengerust jedoch das ״althebräische“ geblieben ist, bedeutet das U’mlenien in das gefürchtete ״Neuhebräisch“ kaum eine nennenswerte Schwierigkeit. Den vorstehenden Sätzen, die lediglich den Zweck verfolgen, zur Klärung der etwas in Verwiimng geratenen Begriffe ״Althebräisch'•' — ״Neuhebräisch■• bei/tifragen, seien noch einige Worte über die Instanz, der die l ä-herwacluing der Entwicklung und Ausgestaltung der hebräischen Sprache untersteht, hinzugefügt. Der Tatsache, daß bis vor kurzem jeder halbwegs gebildete Hebräisch-Sprechende sich zum ״Sprach Schöpfer“ und ״Erneuerer“ berufen fühlte, wurde durch die Schaffung des ״Waad - II a lasch 0 11“ ein Ende bereitet. Der ״Waad-Halaschon“, der vor einigen Jahren begründet wurde, und zu seinen Mitarbeitern Persönlichkeiten wie Bialik, Tschernichowski, Prof. Klausner, David Jelin, Rabbiner Assaf 11. a. Gelehrte zählt, setzte Fach-Kommissionen fur die Bearbeitung verschiedener Terminologien ein (z. B. der Medizin, Zoologie, Landwirtschaft, Handwerk, Technik, Kunst, Wissenschaft u. a. m.), •deren Tätigkeitsberichte regelmäßig in der vom ״Waad - Halaschon“ herausgegebenen Vierteljahresschrift ״L’schonenu“ veröffentlicht werden. Hebräisch in lateinischen Lettern? Wir veröffentlichen Jen nachstehenden Artikel, der sich mit einem kulturpolitisch bedeutsamen Problem befaßt, ohne zu den hier geäußerten Ansichten Stellung zu nehmen. (Red.) Vor 43 Jahren kam nach Palästina unter den ersten Kolonisten ein sonderlicher Mann, der sich F. lies er Ben Jehuda nannte. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, in seinem Hause und im Verkehr mit anderen Juden ausschließlieh Hebräisch zu sprechen. Die alteingesessenen palästinensisehen Juden, die sogenannten ״Chaluka-leute“, verschrien ihn als Ketzer, der cs wagte, die heilige Sprache der Bibel zu profanieren, die offizielle zionistische Bewegung tat ihn und seine Bestrebungen mit kühler Geste ab. Elieser Ben Jehuda ließ sich nicht irremacheu, er sprach hebräisch. Und er behielt recht in einem Maße, wie er es wohl selbst nicht geahnt hat. Mit wahren! Bienenfleiß trug er in seinem vielbändigen Hebräischen Lexikon, genannt ״Thesaurus totius hebraitatis“ alle im gesamten hebr tischen Schrifttum vorkomntenden Wörter und Wortbildungen zusammen und legte mit diesem Werke den Grundstein für unsere lebendige Sprache.

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