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Jüdische Rundschau · 1933-12-22 · Heft 102 (22.12.1933) · p. Seite 1012

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 102 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
Seite 1012 (sequence 14)
Language
German
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Seite 1002 jüdische Rundschau Nr. 102, 22. XU. 1933 Kommission, die bekanntlich auch gegen den Zionismus Stel- Jung nahm. Nicolson bemerkt über sie: ״Als ihr Bericht schließlich cintraf, ersvies er sich als ein höchst unbequemes Dokument. Aber 711 dieser Zeit halle Präsident Wilson mittlerweile Paris verlassen und war seinem endgültigen Zusammenbruch «ntgegengcgnngen; und so wurde dann der King-Cratie- Bericht im Aktenstaub begraben.“ Später wurde bekanntlich die syrische Frage im Gegensatz zu diesem Bericht durch die militärische Eroberung Svrietis durch Frankreich gelöst. Bücherschau Panama. Von Bruno Weil, Verlag Walter Rothschild, Berlin. Bruno Weil, jetzt in Berlin, der vor dem Kriege ein hekannter Straßburger Anwalt war, hat sich das Studium der Skandalaffären der französischen dritten Republik zur Spezialaufgabe gewählt, und gibt nunmehr, nachdem seine Bücher über den Fall Drevfus und die Boulangerepisodc allseitige Beachtung gefunden haben, als Schlußstiick dieser Zeitbetrachtungeti die Entwicklung des Panatnaskandals heraus. Es ist «in Stück Zeitgeschichte des Kapitalismus, aber während bei der Affäre Drevfus und der Boulatigeiepisode bestimmte Personen greifbar nahe vor uns stehen, ist hier beim Panamaskandal das Anonyme, die Masse, ohne bestimmte Personen, die man als Mittelpunkt der Ereignisse bezeichnen könnte, alles ist verschwömmen er und unangreifbarer. Hier soll nur ganz kurz auf die Personen cingegniigen werden, die vom jüdischen Standpu 11 kt Interesse erwecken. Dabei muß gesagt werden, dafi diese — Ikiron Jacques von R e i 11 a c h und Kornelius Herz — beide durch iie/iehtnigen miteinander verknüpft, die heute noch vbüig rätselhaft sind, zeitweilig im .Mittelpunkt der Sache stehen, und an psychologischem Interesse, den Durchschnitt der \ ieien windigen beteiligten erheblich überragen. Reinacli stammte ans Frankfurt .־», M., seine Familie kam aus Mainz, wo ihre Mitglieder schon!750 den Vorsteherposten der <jemeinde imiehatten. Ihn Zweig der Familie ging nach Frankfurt, wurde vom König von Italien geadelt und ging dann nach Paris, wo er zu groi’.em Reichtum gelangte. \X׳it dann dieser Baron Hernach in die Panama-Atfäre verwickelt 1FH wichtige (itlieiitmN-.e mit in das Schweigen der Ewigkeit andern! Holze ist Korue'ius llerz, giweluiit/t, ׳Ihm kann nieniaml bcikominea. khgti ntngaat, ^Advokaten, Kommissionen tu 1* 1 ' t 1 1 P 1! ine nt-komtmssion, die ilt'it 8ten Person! u in diewm seltsamen Spiele. Schließlich wird der sang- und klanglos, mit Theaterdonner geht der Panamaheute!Kuh in d< n Archiven Frau ki eie 11s schlummert. Ein'Buch mit interessanten Scliiagiicbferii auf das Getriebe eines überleihen Parlamentarismus, auf einen gigantischen Bcstecliungs- Skandal mit seinen groben politischen und moralischen Erschuttcnmgcn. Dr. Otto Simon, Kinderbücher. In der jetzigen Zeit dürfte es für viele jüdische Eltern schwierig sein, geeignete deutsche Bücher für ihre Kinder zu finden. Darum sei auclt an dieser Stelle angezeigt, daß der Verlag Williams fk Co,, Berlin W57, dem wir schon eine ganze Reihe sehr beliebter Kinderbticlier verdanken und dessen Dr, Dolittle-Bänile walirschcinlieh in der Hand der meisten unserer Kinder sind, wieder eine Reihe gelungener und empfehlenswerter Bücher herausgebracht hat. Es ist zunächst einmal ein neues Buch von dem Liebling der Kinder, dem Verfasser des Dolittle-Werkes, 1lugh I.oftiiig. Es ist diesmal kein direkter neuer Doiittle - Band, sondern es heißt ״ü öb-Oib’s Buch“ (M. 4,50) und ist wieder ein überaus amüsantes, alle Kinder packendes und erheiterndes Rudi, in welchen die Tierwelt sich über ihren alten Dr. Doiittle unterhält. Tiere und Menschen sind auch die Helden der Zaubcrwelt des bekannten tschechischen Dichters Karei Capek, von dein der Verlag Williams & €0. ein neues Buch mit dein Titel ״Doktoren, Katzen, Schwalben und Spatzen“ (Mark 2,50) licrausbringt. Marianne Bnms erzählt «ine Geschichte ״Jan und Trine laden ein“, ein Spiel, "bei dem Kinder sich in die Rollen von Erwachsenen versetzen, was zu ganz reizenden Ergebnissen führt. Schließlich seien noch zwei richtige Jtmgensbüclier genannt: ״P et e rs großer Preis“ von Hans Stuck (M. 3.—), ein Rcnnfahrcr-Roman, und ״Die W arte auf U kstei!1“ vor! Her je (M. 2,50), eine Seefahrergeschickte von norwegischen Fisclicrjtmgen enthaltend, die die Kinder in ein ihnen neues herbes Milieu einführt. Diese Bücher lies Verlages Williams & Co. kann mail allen Kindern emptelilcn. Photographie. Zwei schöne photographische Bücher, die nicht nur Photographen interessieren werden, sind, wie uns der Societäts-Vcrlag Frankfurt a, M. mitteilt, jetzt in einer kartonierten Ausgabe für den billigen Preis von je M. 2,40 erhältl ich. ״A u s der Frühzelt der Photographie 1810—70“ ist ein Bildbuch nach 200 Originalen, zusammengestellt von Dr. Helniuth Bossert und Heinrich Gutmann. Das Buch ist nicht nur in technischer Beziehung interessant, indem es uns zeigt, weiche technische Vollendung schon in jener Zeit in der Pljotograpliic erreicht wurde, die manchmal empfinden läßt, wie relativ gering der Fortschritt auf diesem Gebiet ist, sondern auch kulturell-historisch, da vielfach die dargestellten Sujets, Trachten und Szenen den Geist einer vergangeiien Epoche wirkungsvoll widerspiegeln. Wir finden in dem Buch auch jüdische Kopfe, z. B. eine Photographie von Saphir, ferner Meyerbeer 311s dem Jahre 1850, dann von Joset Joachim 1865, des Schauspielers Ludwig Barnay 1871 — Gestalten voll edlen Ausdrucks, eine gute Ergänzung des in Berlin noch immer auf allen Bahnhöfen feilgebotcnen Jeder Leser wirbt für die Jüd. Rundschau Buches ״Juden sehen dich an“. — Das andere Buch heißt ״Die Pflanze als Lebewesen“ von Ernst Fuhrmann, eine Biologie in 200 Aufnahmen. Jeder Naturfreund wird bei der Betrachtung־ dieser Aufnahmen einen echten Genuß haben, der das Gefühl für die Zusammengehörigkeit alles Lebendigen erhöht — eine richtige Erbauung in unserer Zeit. Nachrichten Die Ruinen Jeiichos. In der ״Times1״ veröffentlicht Prof. John Garstang, dessen großes Buch über seine Ausgrabungen in Palästina und die sich daran anknüpfenden historischen Folgerungen (״The Foundation «f Bilde History“, Verlag Constable, London 1931) wir vor einiger Zeit in der ״Jüdischen Rundschau“ gewürdigt haben, einen interessanten Aufsatz über seine letzten Ausgrabungen in Jericho. Bei den Ausgrabungen in Jericho wurden vier übereinanderliegende Schichten aufgefunden. Die ältesten Schichten gehörten dem früheren Bronze-Zeitalter an, etwa 2500—2100 vor Chr. Die zweite Schicht, die ans der unter dem Namen ״Erstes mittleres Bronze-Zeitaller“ bekannten Zeit stammt, weist eine Stadtmauer von zehn Fuß Breite auf. Diebin dieser Schicht gefundenen Altertümer, wozu auch ein Stierköpf aus Elfenbein und 700 verschiedene Vasen gehören, santmen aus den Jahren 2100—1900 vor Chr. Die dritte Phase (Mittleres Bronze-Zeitalter II) zeigt eine gewaltige kulturelle Veränderung infolge des damals überwiegenden ägyptischen Einflusses. In diese Zeit fällt die größte kulfurclle und materielle Blüte der Stadt. Diese Stadt wurde etwi um das Jahr 1600 zerstört, wahrscheinlich von den Aegyptern. Die darauf folgende neue Stadt war sdir viel kleiner. Prof. Garstang gibt eine genaue Beschreibung des Ausseitens dieser Stadt. Die Entwicklung bricht im Jahre FIDO vor Chr, plötzlich ab. Die aufgefundenen Ruinen weisen darauf hin, daß eine plötzliche Feuerskatastrophe die Stadt heinisuchte. Die Forschungen, die in dem eben abgelaufeneit ) ah re angestellt wurden,?eigen, daß die Stadtmauern infolge eines Erdbebens eingestürzt sind. Mach dieser Katastrophe — die also praktisch nisammenfiele mit dein in der Bibel geschilderten Sturz der Sladt Jericho bei der Eroberung durch Jostia — scheint es jahrhundertelang־ zu keinem neuen Lehen gekommen zu sein. Erst etwa im Jahre 900 vor Chr. dürfte die Stadt wieder von neuen Bewohnern bewohnt worden sein. Frau Alice Jacob-Loewenson, die unseren Lesern als Leiterin unserer Musikhcilage und aus zahlreichen Vorträgen bekannte Musik-Scliriftstellcriu und Musikp idagogin, ist in diesen Tagen nach Palästina abgereist. Vor ihrer Abreis? hat Frau Loewenson noch eine überaus erfolgreiche Tournee durcii Holland, Belgien und Frankreich gemacht, wobei sie zehn Vorträge (vier im Haag, je einen in Amsterdam, Rottcrdam, Antwerpen, Brüssel und zwei in Paris) hielt. Ihre Vorträge über jüdische Musik, die für das jüdische und nichtjüdische Publikum dieser Länder ein überaus interessantes und noch wenig beachtetes Wissensgebiet erschlossen, fanden überall das stärkste Interesse und eine überaus warme und beifällige Aufnahme, wie auch aus den Presscäußenmgea ׳zu ersehen ist. Wir hoffen, daß Frau Loewenson, die auch weiterhin Mitarbeiterin unseres Blattes bleibt, in Palästina ein für sie fruchtbares Wirlumgsfeld finden wird. ־meindesireit in Gelsenkirchen frühe :1׳ gcieipf d. Et'ie’Il in Nr. 99 vom 12, 12. erschienenen Bericht der Vorstand der S y n a g o g e 11 - G e - tkircheii folgende Stellungnahme: nicht r i c!11 i ־״, daß die Verringerung der!ich auf die Streichung aller Subventionen .!c\ creine zurück Zufuhren ist. — Wahr ist, eip Gemeindevereine noch gezahlten Subb til 11 hY'1 lb lu dir a׳bi'int und auf Anforderung der Jugend- :•■!lt vGid. Es ist ׳ auch nicht. wahr,, daß die an daß au allen Positionen Abstriche gemacht 11':.i 1:1.11־ die Gclialter der Angestellten der 11,11t wahr, daß der Turnsaal bisher mir \ e d 11 :ein; s: an 1 ■ Wahr ist, daß jedes 111׳! iiide zu uuer Zeit das Recht hat, die 1 1\ 1 •111 ייוrunu1 der da, J! heim 1 w! 1 Repräsentanten Position Wohlfahrt le. — Wahr ist, mt haben, weil sie t zweier Positionen, 11 an dem Jugendt wahr, dal; die Wahlen zum Reaut den Antrag der liberalen Mehrheit a 11 r ist, daß es sich um den Antrag di, dem ein 511 tu in i g stattgegeben Unser Gclscnkirchener Berichterstatter äußert sich zu dieser Stellungnahme des Vorstandes wie folgt: Aus dem!,tat der Synagogcngeirieinde!geht hervor, daß meine Angaben richtig sind. 1. Die Subventionen für die Vereine sind gestrichen. 2. Iler Rabbiner ist pensioniert. Beide Positionen zuwimnien ergeben die relativ größte Einsparuiig gegenüber dem vorjährigen Etat. 3. Der WoliKahrtsetat ist um RM. 1!00 gegen über dem Vorjahr gesenkt 4. Für Einrichtung und Uiiterh:iltimg des Jugendheims sind RM, 1.300 neu eingesetzt. Diese werden in der Hauptsache für Bauliche Veränderung 11 es RJF.-Turnsaales verwandt. 11! meutern Bericht ist nicht gesagt, daß nicht auch andere Unfaßbar ist es, wenn der Vorstand sagt: ״Es ist nicht wahr, daß der Turnsaal bisher mir dem RJF, zur Verfügung stand,“ Die ganze Gemeinde ist wegen dieser Franc erreG die Repräsentanten haben hierzu Stellung genommen, auswärtiVe Redner haben eingcgrifieit, die Jugend ist wegen der Haltung des Vorstandes in zwei Lager zerrissen. Der Vorstand sagt demgegenüber, daß alle Mitglieder der Synagogengemeinde das ,,Heim“ betreten können. Ich habe das mit keinem Wort bestritten. Dieser Zustand ist übrigens erst neueren Datums. Es bedurfte zu seiner Herstellung erbitterter Kampfe, da man den Zionisten-Jugendbünden den Eintritt ins ״He!m“ verwehrte, Der Vorstand will besser als der Sprecher der Zionisten wissen, warum diese gegen die Ausgabciiseitc des Etats gestimmt haben. Nachdem "die Tat- Sache der Gegenstimmen nicht bestritten wird, kam! der ,Vorstand die Ansicht darüber, warum die Zionisten gegen die .Ausgaben gestimmt haben, ruhig den Zionisten selbst überlassen. — (3er Vorstand hat lediglich die Anregung zur Verschiebung der Wahlen gegeben. Der Sprecher der Liberalen hat diese Anregung aufgegriffen und zum Antrag erhoben. Ich habe nicht gesagt, daß dieser Antrag nicht einstimmig angenommen worden ist. lieber die obenerwähnte Repriisentanten-Sitzung erhielten wir folgenden Bericht: Die letzte Sitzung der Repräsentanten zeigte ein tutgewöhnliches Bild. Sehr viele Jugendliche hatten sielt im Zuhörerraum eiiigefmiden, um der Beratung über die Vorge Innig des Turnsaales int Jugend!1 e i in beizuwohnen. Die zionistischen Repräsentanten beantragten, den Turnsaal nicht nur, wie!naher, der Sportgruppe des RJF., sondern auch dem Mnkkabi ־zur Verfügung zu stellen, der nicht nur die zionistische Jugend, sondern auch weite Kreise der neutralen Jugend und damit die Mehrheit der turnenden jüdischen Jugend erfaßt. Der Vorsitzende des Vorstandes wies darauf hin, daß er ganz auf dem Boden der vom RJP. vertretenen Anschauungen stehe, Er kümmere sich nicht darum, was Berliner Stellen in dieser Frage dächten, weil seine Maßnahmen nur für den Bereich seiner Gemeinde gelten. Er beantragte, den Turnsaal ausschließlich der RJF.-Jugend zur Verfügung zu stellen, damit dieser Bund alicin die turnerische Erziehung der Jugend und auch die Beeinflussung der Jugend in seinem Sinne durchführen könne. Nach diesen i in Geineindcieben wohl einzig dastehenden Erklärungen eines liberalen Vorsitzenden licflcn die Zionisten durch ihren Sprecher wissen, daß sie ihre wehere Mitarbeit im Rcpräsentantenkollcgiuni von der Ablehnung! des Vorstandsantrags und der Annahme ihres der Gerechtigkeit und dem Frieden in der Gemeinde dienenden Antrages abhängig machen. Die Beratung wurde vertagt, weil sich die liberale Mehrheit zu keinem Entschluß atifraffen konnte. Der Konflikt wischen der Jugend und der Oenieindeverwaitung hat über die Grenzen der Gemeinde hinaus Bcdcutung erhalten. Das bewies eine vom neutralen Jugendverein einberufene Gemeindeversammlung, in der der Vorsitzende des Verbandes jüdischer jugendverc ine Deutschlands, I)r, Herzfeld (Esset), über die Stellungnahme seines Verbau des in der Ttmtfrage sprach. Er machte heilt Hehl daraus, daß ihm der RIF. gesinnuiigsinäßig näher stehe als der Makltabi. Wenn er dennoch dem Turnabtcilungen seines Verband cs Anschluß an der! Makkabikreis empfohlen habe, so aus dem Grunde, weil er seinen Leuten nicht zunnifen könne, die Grundsätze des RJF'. zu akzeptieren. Der RJF. hatte für die Diskussion seinen Gaugeschäfts liihrcr Dr. Salanton aus Köln herbeigcholt. Dieser fand begeisterte Worte für das Aufbauwerk in Palästina und — die ״Jüdische Rundschau“, die er mehrfach zitierte. Daneben vertrat er die Theorien des RJF., wonach nur zwei Richtungen im deutschen Judentum anerkannt werden können, seine und die zionistisclie. Allen anderen Verbänden und Organisationen sprach er die Daseinsberechtigung ab. Der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe wies darauf hin, daß nach den Ausführungen des RJF. •Vertreters der Meinungsstreit in Gelscnkirchcn nicht anders als im Sinne des zionistischen Antrages entschieden werden könne. Die Ausführungen Dr. Salamorts können nicht anders ausgelegt werden als im Sinne völliger Gicichberechtigung der Sportgruppen. — Di« Gemeinde, insbesondere die Jugend, wartet jetzt mit Spannung auf den Entschluß der Repräsentanten. Für die entscheidende Sitzung׳ hat die liberale Mehrheit die Ocfientlichkcit ausgeschlossen. Die wachsende Prosperität Palästinas kommt darin zum Ausdruck, daß die Regierung sich genötigt gesehen hat, den Geldumlauf um eme weitere Million Piunti zu erhöhen. Ein Siebziger Einer der angesehensten deutschen Sprachforscher, der bekannte Germanist und Indogermanist Dr. Richard I. o e w e, vollendet am 25. Dezember das 70. Lebensjahr. Dr. Richard Loewe gehört zu den Begründern der ersten zionistischen Bewegung in Deutschland in der vorherzlsehen Zeit. Er war damals Mitarbeiter der Wiener ״Selbstcmanzipation“ und eines der tätig■- sten Mitglieder des ersten Zionisten Vereins jimg-lsrael“ in Berlin. Später hat er sich ganz und gar auf seine Wissenschaft zurückgezogen, über die er alles andere beiseite ließ. Aller noch beute ist er den zionistischen idealen restlos hiiigogebcn *nid nimmt, wenn auch inaktiv, au allen Ereignissen im Judentum und besonders am Zionismus, regen Anteil. Seine Wissenschaft- 1ichr»1 Arbeiten liegen ausschließlich auf germanistischem und indogermnnistisdieni Gebiete. Da er von Hanse aus keine jiidischfn Kenntnisse hatte, wohl aber das größte jüdische Interesse, so war e r es, der seine Schiller veranlaßt(', die wissenschaftliche Forschung des Jüdisch-Deutschen und des Jiddischen in Angriff zu nehmen: Die erste wissenschaftliche Grammatik des Jiddisehen von seinem Schüler, «lern 1 loiländer Jacob G c r z 011 , wurde von ihm veranlaßt und geleitet, in seinen Besprecltiingen dieser Grammatik in den ״In״!,׳germanischen Forschungen“ und in ״Ost und West“ zeigte er zum ersten Male die Linien der jüdischen Wanderung aus Deutschland nach dem Osten an der Hand der dialektischen Lagerung des Jiddischen. Aber mangels eigener jüdischer Kenntnisse Iroimte er andere zwar methodisch anleitcn, zu seinem grollen Schmerze aber weder auf hebräischem noch au! jiddischem Gebiete eigene Lorschling leisten. Dafür ist er uni so bedeutender und grundlegender auf_germanlsiischeni Gebiete geworden. Das ״Deutsche etymologische Wörterbuch“ und die ״Germanische Sprachwissenschaft“ von Richard Loewe sind in den Händen jedes Studenten, der Germanistik studiert. Sonst sind seine sehr zahlreichen Arbeiten zwar immer ein Ereignis in der exakten wissenschaftlichen Fachweit, aber über diesen engen Kreis hinaus wegen der endlosen Anforderungen an speziellen Kenntnissen für den Laien .altsolut unverständlich. Am bekanntesten sind seine ausgczcichneten Schriften über deutsche Pflanzermamen, über die Akzentgeseize der indogermanischen Ursprache und über exotische Wörter in der deutschen Sprache, Dr. Richard Loewe lebt sehr zurückgezogen und läßt sich von seiner strengen Wissenschaftliehen Arbeit nicht abziehen. Dennoch verdient der alte Zionist, daß man in unsern Kreise« seines siebzigsten Geburtstages gedenkt. Richard Loewe war auch eines der ersten Mitglieder im Bar Kocltba und lange Jahre hindurch einer der tätigsten und eifrigsten Mitarbeiter. hl- Unter den von Ministerpräsident Mussolini neu ernannten 15 Senatoren befindet sich auch der jüdische Industrielle aus Turin isajah Levi. An die Mitglieder der BZV Am 1• Januar!934 ist dir Mltgfisdaboitrag für das 2 Quartal 5694 (4. Quarta!!933) fällig. Um die erh»blicb«n Mahn»p«s«n zu sparen, bi len wir aii«8 unsere Mitglied«? dringendst um pünktliche Überweisung der Beiträge• Machen Sie den Mahnbrief, der uns Zeit und Geld kost«! Überflüssig, Indem Sie fceute noch Ihren Beitrag auf unser Postscheck-Konto Berlin 37630 überweisen. Auch im kommenden Quartal soll die BZVlhren Vormarsch fortsetzen können Berliner Zionistische Vereinigung Kaaaanvarwraltung

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