Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 102 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- Seite 1005 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 102, 22. XU. 1933 JODISGHE RUNDSCHAU Seite 995 Sport-Rundschau #m 1• ■* 10 1 11 1 Nachdem der jüdische Boxklub ״M a k k a b i“, Berlin, der Exponent des jüdischen Amatcurboxsports in Deutschland, den Anschluß an den Deutschen Makkabikreis vorgenommen hat, wird es für die Oeffentlichkeit von Interesse sein, etwas über die Entwicklung dieses Sportzweiges zu erfahren. Auch heute ist es bei jeder Erörterung über Boxen, die sich nicht ausschließlich an die Anhänger dieser Sportart wendet, notwendig zu betonen, daß die sehr häufig mit dem Begriff Boxen verbundene Vorstellung von Roheit oder bloßer Anwendung roher Körperkraft durchaus verkehrt ist. Die rohe körperliche Kraft allein ist für sportliches Könnern nicht cntsclieidend, sondern die Technik, die der Boxer sich in dein auf Seilspringen, Arbeit an Boxßeräten, Gymnastik, Sparren und Ergänzungssport — Waldlauf — usw. aufgebaiitem Training erworben hat. Es ist dabei selbstverständlich, daß eine geeignete körperliche Veranlagung dem Kampfboxer den Weg zum Erfolg eileichtert. Zu diesen auf rein körperliche Faktoren abgestellten Voraussetzungen müssen aber für den, der sich in dieser härtesten und männlichsten aller Sportarten auszeichn cn will, bestimmte eistige und charakterliche Eigenschaften liinzutreten, die minestens dieselbe Bedeutung für den Erfolg haben: Schnelligkeit des Denkens, ein gutes Auge, Entschlußkraft, Mut und Härte. Man sagt nicht ohne Grund von einem Boxer, er sei ein ״Kop f b o xe r“. Es kann von keiner Seite widerlegt werden, daß gerade Juden seit jeher eine hervorragende Rolle in diesem harten Sport spielen, «in nicht zu unterschätzendes Argument gegenüber dein immer vviederkehrenden Vonvurt der körperlichen Minderwertigkeit und Feigheit der Juden. Von den zahlreichen internationalen Vertreter» des jüdischen Boxsports 8d nur an einige Namen erinnert: an den früheren langjährigen Weltmeister im Leichtgewicht, Benny Leonard, den besten Techniker der Boxgeschichte, an den englischen Fighter Ted Kid Lewis, an den jetzigen Träger des Weltmeistertitels im Halbschwergewicht, Maxie Rosen bl 00m und an Max Bahr, den Besieger eines Sdimcling. Es ist bemerkenswert, daß diese internationalen jüdischen Boxgrößen im allgemeinen Ostjuden sind, ein Zeichen der Unverbrauchtbeit und im härtesten Daseinskampf erprobten Widerstandsfähigkeit gerade dieser jüdischen Bevölkerungsgruppe. Kehren wir nach diesem kleinen, für das Verständnis jüdischen Boxsports notwendigen Umweg zu unserem eigentliehen Thema zurück, so ergibt sich, daß die Geschichte des jüdischen Boxsports, in Deutschland im wesentlichen sich mH der Geschichte des jüdischen Boxklubs ״Makkabi“ deckt. Gewiß bat es — um ganz korrekt zu sein — auch einige jüdische Boxer gegeben', die nicht aus dem Makkabilager hervorgegangen sind, B. den früheren Mittelgewichtsmeister von Deutschland, S e e I i g, der heute im Ausland boxt. Aber sonst sind die meisten bekannten jüdischen Amateure und Berufsboxer aus den! ,,Makkabi“ hervorgegangen. Im vorigen Jahr hat der ״Makkabi“ sein!()jähriges Jubiläum begangen. Dieses Jubiläum fand auch bei den meisten deutsclien Boxvereinen fast zur gleichen Zeit statt, da das Boxen in Deutschland ein verhältnismäßig junger Sport ist. Polizei- Hebe Verbote hinderten früher seine Entwicklung. Als sportbegeisterte Boxer, in vorderster Reihe Bruno Goidstein, im September 1022 die Idee eines jüdischen Boxklubs propagierten, wurden sie nicht nur allgemein, sondern auch in den eigenen jüdischen Kreisen belächelt. Aber dieses Mißtrauen envieß sich als grundlos. Zwar konnte Goidstein die Voll• einltmg dieses Werkes nicht mehr erleben . ihn ereilte der Tod im Ring —, aber andere Mim 11 er führten die Arbeit fort mit dem Ergebnis, daß der ,..Makkabi“ zu den grüßten und angesehensten Boxv er einen Deutschlands gehörte. Zu dieser Stellung hat dem ״Makkabi41 in erster Reihe die Leistung seiner Kampfmainischaft verholten. Zu den Kämpfern, die durch ihre boxerische Leistung für die Ruhm des ״Makkabi“ warben, gehören neben vielen anderen Hermann W e i B k i n d, M a x B u e h 1) a 11 m, der in seiner besten Zeit durch seine unerhörte Rechte einer der besten Mittelgewichtler war, Jakob!Mal.׳, der hervorragende Techniker und mehrfacher Meister, Drei ß, der bekannte Halbschwergewichtler, Herbert Fuchs, zu seiner Zeit eins der besten Federgewichtler des Kontinents, sowie Otto Friedländer, Charly Vcyner, zwei zuverlässige Kämpfer; die stets ihren Platz ausfüllten. An der Spitze der noch jetzt 'tätigen Kämpfer marschieren der uusgezcichn«te Fliegengewichtler Herbert Ball, dreimal Brandenbiirgischer Meister seiner Gewichtsklasse, Julius Balsam, Kurt Branntwein, Siegfried Stadtländer, ein Talent erster Ordnung, und der Weltergewichtler Ossi׳ Kronfeld. Wie kein anderer Sport vermag der Boxsport dem jungen jüdischen Menschen Gefühl für Kraft und Würde zu geben. Darum geht an alle der Ruf: Juden treibt Boxsport! Dr. Max Schein mann. ״Aufklärung״ Das P r ä s i diu m des Deutschen Makkabikreises übermittelt uns folgende Ausführungen: Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, der heute bestrebt ist, das Sammelbecken der noch Vorhändenen assimilatorischen Kreise im deutschen Judentum zu werden, veröffentlicht in der letzten Nummer des ״Schild“ eine Notiz: ״Zur Aufklärung“, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Zur Sache ist zu entgegnen: 1. Niemals hat der Deutsche Makkabikreis in seinen Veröffentlichungen sein Präsidiumsmitglied, Dr. Friedenthal, als Führer des jüdischen Sports in Deutschland bezeichnet. Vielmehr ist gesagt worden» was ja auch den Tatsachen entspricht, daß Dr. Friedenthal zum Führer der Gruppe Sport im Reichsausschuß der Jüdischen Jugendverbände gewählt worden ist, der die allein anerkannte Vertretung• der jüdischen Jugend Deutschiands darstellt. An dieser Feststellung können alle Deutuugsversuche nichts ändern. 2. Es ist nicht wahr, daß verschwiegen wurde, daß der RjF. ebenso wie der Deutsche Makkabikreis vom Reichssport- Führer ein Bestätigungsschreiben erhalten hat. Im Gegenteil wurde im Sportteil der ״Jüdischen Rundschau“ in Nr. 94 im Sperrdruck betont, daß auch der RJF, dasselbe Schreiben wie der Deutsche Makkabikreis erhalten hat. 3. Wenn der RJF. die Diffamierung der Ostjuden als interne Bundesangelegenheit bezeichnet, so überlassen wir es der jüdischen O e f f e n t i i c h k e i t zu entscheiden, ob es sich hier um_ eine interne Angelegenheit einer Organisation oder um eine solche von allgemeinjüdischem Interesse handelt, 4. Zu der Veröffentlichung des RJF. in der ITA., daß der Sportbund des RJF. heute die größte jüdische Sportorganisation Deutschlands sei, ist zu bemerken, daß der Makkabi über eine doppelt so große Anzahl von Sportlern wie der RjF. verfügt. Von den 81 Gruppen desRjF. sind dem jüdischen aktive» Sportler in Deutschland ü b e r 70 noch nirgendwo auf der Aschenbahn oder auf dem Rasen begegnet. Zwei internationale Starts 4es Makkabi Wie wir erfahren, werden die Makkabivereine Bar Kochba Frankfurt a, M. und Hakoah Köln zu Weihnachten im Ausland starten. Di* Kölner werden den Makkabi Haag (Holland) mit einer Handballmannschaft aufsuchen, Bar Kochba Frankfurt wird in Brüssel (Belgien) gegen den dortigen Makkabi mit seiner i. Fußballmannschaft antreten. Handball und Hockey in Hamburg, Als Abschluß seiner Werbewoche veranstaltet der Bar Kocliba Hamburg an den Weihnachtstagen ein Handhall- und Hackeyturnier, und zwar spielen an beiden Weihnachtstagen die 1. und II. Hockey- Herrenmannschaft sowie die I. Dameii-Hockeyinannschaft von B. K. Fiamburg und Berlin gegeneinander. Die J, Herren- Handballmannschaft empfängt am 2. Weihnachtstage die gleiche Mannschaft von Emden (Ostfr.). Beachten Sie unseren Inseratenteil Vorschau Großes Fußballturnici des Deutschen Makkabikreises am 25. und 26. Dezember 1933. Das Programm für das Turnier sieht folgende Spiele vor: Montag, den 25. Dezember, Sportplatz am Schäfersee, Reinickendorf - Ost (Straßenbahn 41, 111, 35, 61 bis Seebad Reinickendorf): 12.20 Uhr: B. K.-Hakoah Berlin gegen B. K. Breslau; 2 Uhr: B. K. Leipzig gegen Blauweiß Hamburg. Vorher: B. K.-Hakoah Berlin gegen Hagibor Berlin. — Dienstag, den 2G. Dez., Sportplatz Grunewald (am S-ßahnh. Grunewald): Unter Beteiligung der Vereine Bar Kochba Leipzig, Blauweiß Hamburg, Bar Kochba Breslau, Hagibor Berlin und Bar Kochba-Hakoah Berlin findet ein Blitzturnier statt. Es sind zehn Spiele von 2י1א Minuten vorgesehen, in welchen Jeder gegen jeden anzutreten hat. Die Spiele werden mit Punktwertungausgetragen. Der Sieger erhält einen vom Deutschen Makkabikreis gestifteten Pokal. Sämtliche aus- «artigen Teilnehmer versammeln sich arn Dienstag Abend zu einer Abschiedsfeier bei Hermann, Jägerstr. IS, wo auch die Ueberreichung des Pokals stattfinden wird. Spielatisschuß Jüdischer Fußballvereine. Der Spielausschuß hat für Sonntag, den 24. Dezember, folgende Pflichtspiele der Schüler- und Jugendmannschaffeti angesetzt: Sportplatz, am Schäfersee, 10 Uhr: Hagibor II gegen B. K.-Hakoah 111; 11.10 Uhr: Hagibor 1 gigen B. K.- Hakoah II. Sportplatz Schönholz, lOUlir; B.S.G. 1 gegen B. K.-Hakoah 1; 11.10 Uhr: B.S.G. II gegen Auerbach; 12.20 Uhr: Hagibor I. Jagend gegen B. K.-Hakoah HL Ja- Send; 2 Uhr: B.K.-Hakoah I. Jugend gegen B, K.-Hakoah 1(. Jugend. Die jüdische neue TurnliaÜe in Berlin Der J.T.S.C. Bar Kochba-Hakoah hat eine mutige Tat vollbracht. In der Erkenntnis, daß durch den Mangel an Turnhallen und durch die völlig unzureichenden Ersatzräume, die in der letzten Zeit dein Turnbetrieb zur Verfügung standen, die Ausbildung zu leiden hatte, ist nunmehr die frühere W i g-in a n n - S c h u 1 e, ein großes Gebäude am Ringbahnhof Halensec, Kurfürsiendamin 119/20, Eingang Kronprinzendainrn, als eigene Turnhalle gemietet worden. Anfang Januar wird die Turnhalle der Benutzung übergeben werden können. Sie wird bis dahin mit allen notwendigen Turngeräten ausgestattet sein. Besonders angenehm ist, daß das gemietete Gebäude vollkommen abgesondert stellt, und daß nicht nur eine Turnhalle vorhanden ist, sondern zwei, im ücsanitumfange von ca. 400 qm. Die größere der beiden I laßen enthält außerdem eine sehr große, komplett eingerichtete Bühne. Jüdische Vereine und Verbände, die in Zukunft derartige Räume zu Aufführungen oder Veranstaltungen brauchen, finden liier eine einzigartige Gelegenheit. Auch für Heimabende und kleinere Veranstaltungen sind Räume vorhanden. Selbstverständlich macht die Erhaltung der Halle große fiuatuiclle Opfer erforderlich; es ist daher zu hoffen, daß dem Bar Kochba-Hakoah aus weitesten Kreisen Unterstützung zuteil wird. Es soll dabei nicht unerwähnt bleiben, daß die Jüdische Schule in der Klopstockstrafie ihren Turn betrieb ebenfalls in die neue Halle verlegt, ln einer Eröffnungsfeier am 28. Januar 1934 wird der Bar Kochba-Hakoah allen Gelegenheit geben, sich ein Bild von diesem neuen Werk zu machen, Dem kürzlich verstorbenen Führer der ungari* sehen W asserballmannschaft, dem jüdischen Sportsmann Bela Komjadi, •dam Ungarn seine Vorherrschaft im Wasserbau zu verdanken hat, soll eine bemerkenswerte Ehrung zuteil werden. In Budapest wird eine Straße nach ihm benannt. Vor der Natioiiitlschwimmhalie wird ein Denkmal mit Komjadis Küste aufgestellt werden. Der ungarische Sportverband übernimmt auch das Stellen des Grabsteins auf dem Ehrengrabe des jüdischen Sportmannes. Deatsffler Hakkabikrels Jüdischer Sport-Club ״Hagibor“ Berlin. Unter fieüicUicliligung der Tatsache, daß heult: nur ein großer Club seid.!״kräftig wirken kann, Leits-Club 1933, TLchteinii .-Club /.entmin. Der neue Club umfaßt bereits 250 aktive .Mitglieder und betreibt tolgriide Sportarten: Fuß- Yrretitsftiiir.r Herrn 0 teiu. Der Spfirtbettieb" selbst wirk1 ׳t sieh jfden Sonntag ilurrliS'hmUlirh in 15 Mannschaften ab, 1 י dt 11 11 ׳ I t!1 <)!ז I 1 d!1 t 1t , I 1 rhn, Christ-?AitgUederversammlimg des Ibtr 0 Ka..enbencht. der. Er schloß :ge pünktlich zu 1 hrt.siifg innerhalb .Makkabim das n Maße haben igkctl des KKL :11 Spenden und ״Maccabi•* AI.-Gladbach. Ihr neu ״.״mmlete Verein hat am 7. 12. l.öwy ei »gebend über die ^sportlichen Ziele der M.ikkuU-Bcwegunj». 12. 12. einbeiuienen Vcrcinsvcr-ammlun״ wurde Herr Kirkatd Kracke!, M.-Oiadbadi, zum Vorsitzenden gewählt. Der Verein macht es sich ZU seiner Aulgabe, neben der sportlichen k.t Hieb! igutig tm.-erer jüdischon Jugend auch durch geiiiemsehalllirlio ge.clUge .Veranstaltungen 20 Jahre Bar Kochba Frankfurt, daß die Dr. Dali;L des Ha der lilif J lotmann, voller Lriolg iur de Am 6. Dezember traf das Wasserpoloteam des Makkabi London auf den stärksten Londoner Schwimmklub Willesdon S. C. (9:5 für Willesdon). Die Makkabi-Klubs in London und Manchester treffen sich zu einem Klubkampv I|||llllllllll!l!l1lllllllllllllllllllllllllllllll!lllllilllll1m Gesellschaffs-Ab end des J. T. S. C. Bar Kochba-Hakoah anläßlich des 35 jähr. Bestehens am Montag, den 25. Dezember (1. WeihnachiJteierfag) In den Gesamtr&iiinea des Logenhauiei, Kleislstr. 10 Erstklassige Kapellen Beginn 8 Uhr Eintritt Ink!. Steuer Mk, 2,-, tür Mitglieder im Vorverkauf 1,50 Der Uebersdiub des Abend ג wird für die Errtihlung einer Turnhalle verwandt Wir biitcra dßher um starke beteülgung, Vorverkauf: FeitbÜTO : Alte Schönhauscrstr. 2 י, Weidendamm 0586 Bar Kochba-Hakoah Büro, Meinekestr. 10, Bismarck 1936 Zigarrenhaut Epstein: Jerusalemer Sfrafee 9, Dönhoff 337 Tischbestellung: lm Fe*tbür<*