Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 102 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- Seite 1002 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 992 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 102, 22. XII. 1933 Der Arierparagraph Ittr SdirtffleUer Zur Durchführung des Sch riftleitcrgcsctzcs vom 4. Oktober 5933 um! des Reidiskulturkammergesetzes vom 22. September 1933 haben die zuständigen Rcichministcr eine Verordnung unter dem 19. Dezember 1933 erlassen. Das Schriftleitergcsetz tritt danach am 1. Januar 1931 in Kraft. Wer nach dem 31. Dezember 1933 den Schriftleitcrbertif ausüben will, muß, wenn er cs nicht schon getan hat, unverzüglich bei dem für ilm zuständigen Landesverband des Rciclisverbandes der Deutschen Presse einen Antrag auf Lintragung in die Berufsliste stellen. LVir die Antrag ■Stellung ist als Form die Ausfüllung eines Fragebogens vorgeschrieben, der den Vorschriften des Berufsbcamtengcset/.es entspricht. Nach der Durchführungsverordnung fallt unter den _ Hegriff der Schriftleit erarbeiten jede unmittelbare oder mittelbare Tcxigestaltung durch Wort, Nachricht oder Bild, nicht aber die Tätigkeit für den Anzeigenteil einer Zeitung oder einer politischen Zeitschrift. Zur Antratplelhmg sind alle im Hauptberuf hei einer Zeitung oder politischen Zeitschrift beschäftigten Schriftleiter verpflichtet. Für Berichterstatter im Hauptberuf gilt das gleiche. Für N'ichtarier ist der § 16 der Durchfüllrimgsverordnung maßgebend. Nach dem Schriftleitergcsetz ist Voraussetzung für die Anerkennung als Schriftleiter: arische Abstammung des Schriftleiters und der!:lielrau. Vor! diesen Voraussetzungen kann in folgenden Lallen Befreiung gewährt werden: Aussicht auf Befreiung vom Erfordernis der arisch.cn A h s t a n! in!1!1 g hnheit Personen, die im Weltkrieg rtn der Ft mit f;ir!Ins I knitsche Reich oder seine VorbimiJefen gekämpft haben oder deren Väter oder Sühne im und die übrigen liier maßgebende״ Bestimmungen gelten die Vorschriften des II e,amten recht s, also zum Beispiel auch die über Kampfe gegen Seartihixten. -•• i:crner kann solchen Pereiner j ii d i se'h eVi ’ Z e i't'u 1:1׳;,usubeii wellen.' Ihnen wird Keine jüdische Arbeiinehmerorganisaiion! jedoch die Befreiung unter Beschränkung auf die Tätigkeit an solchen Zeitungen erteilt werden. Schließlich lallt eine Bestimmung weitere Ausnahmen in :Sonderfällen zu: ״im übrigen sollen die Leiter der Landesverbände Anträge auf Befreiung vom Erfordernis der arischeu Abstammung mir in besonderen Fällen und nur lür bestimmte Zweige der Tätigkeit eines Schriftleiters befiir- Worten׳‘; hier kommen 11,ach früheren Aeulicrungcri z. B. Handekredaktcure in Betracht. Vom Erfordernis der arischen Abstammung der Ehefrau kann solchen Personen Befreiung ׳ gewährt werden, die zürn Zeitpunkt der Verkündung des Gesetzes bereits mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet waren. Auch hier gilt also eine ähnliche Bestimmung wie im Beamtenrecht, das nur zukünftige Ehen von Beamten mit N'iehtariern ausselilielit. ,Auch von der Voraussetzung der R’.׳nl1sa11gcl1örißkcit kann Befreiung erteilt werden, und zwar Dcutscbsfämmigen, wenn nicht in ihrer Person Bedenken bestehen; ferner Personen, die den Sehriftlciterbcruf an der Zeitung einer nationalen Minderheit im Deutschen Reiche ausüben wollen, falls Gegenseitigkeit verbürgt ist, schließlich Personen, die iin Auslände wohnen und an einer im Reichsgebiet Itcrmisgegebenen Zeitung oder politischen Zeitschrift auf Dienstvertrag angestellt sind, also 7. B. ausländischen Korrespondenten. Die Durchführungsverordnung enthält auch Näheres über frühere politische Betätigung. Die Eignung zum Srhriftleitcrberuf haben solche Personen nicht, die wesen Lieh gegen ihre Berufsidlichten verstoßen oder sich in beruflicher oder politischer Betätigung als Schädlinge an Staat und Volk erwiesen haben, (hie frühere Zugehörigkeit zu einer politischen Partei allein genügt nicht, eine Ausnahme gilt jedoch für Personen, die vor dem 3 יh. Januar W33 für die marxistische Presse tätig waren. Die Verordnung erklärt schließlich als Sinn des Schriftleitergeselzcs, ein!׳ verantwortungsbewußte’, sonst aber vielgestaltige deutsche Presse zu schaffen. Arbeiter und Juden Christentum und die Juden Die Auseinandersetzungen über die geistigen Grundlagen der evangelischen Kirche und insbesondere über den Einfluß des Alten Testaments haben für uns Juden insofern ein Interesse, als wir aus ihnen erkennen, wie man auf religiösem Gebiete 71! den Leistungen des jüdischen Geistes für die christlich-abendländische Kultus* steht. In diesem Zusammenhange zitieren wir einen Aufsatz von Walter Balze r in_ der ״Wi'.tgensteiner Na irm,11-Zeitung" vom 8. Dezember mit dem Titel: ״Eine deutsche Kirche“, in dem es u.a. heißt: ״Clirlslui soll uns Herzog und Führer sein; er ist ein Held in besinn deutschen Sinne, ein Cottenweiler. Es ist ganz einfach nicht wahr, daß er an das Volk der Juden gebunden sein soll, unter dem er zufällig gelebt hat und da; ihn in seiner angeborenen Bosheit g tütet hat. Gerade, weil die Juden fühlten, daß Jesus nicht zu ihnen gehörte, haben sic■ ilm getötet, wie sie auch beute noch jeden begeifern, der nicht ihrer Art ist.... Denn es gibt nicht eher Frieden ln Deutschland, bis auch der letzte Hauch jüdischen Geistes aus deu1 schein I.ebrn entfernt ist. Iia ist beschämend für uns, daß die deutschen Kinder die deutschen Ccdtcsstreiter wie Beethoven, Bach, Jak״!> Dohm׳'. Pestalozzi nicht einmal dem Namen nach kennen, will,. r!nd ihnen die Nnm״n und das l.chen der I’ferde- und Schafdicbc, d׳r orientalischen Zuhälter und Betrüger geläufig sind.... Der Jude ist unser Feind; wir kaufen ilmr seine Waren nicht ab — wollen wir ihm den Einfluß auf unser dleiligstes weiter lassen, ihn weiter sei!) .1 in eigener N־01־r 1 r\swe 1,P,cd1u01ל׳ cst1 h״t? Wollen wir weiter Jehova Frit״h, Der falsche Gott, Bewolaimlcrial gegen Jehova. Hammer- Verlag, Leipzig), wie Winnetou ein Stanmicsgott der Indianer?“ Gegen Einkauf bei Juden Das ״H e 11 b r o!1 n e r Tageblatt“ veröffentlicht große Verlagsanzeigen mit folgendem Wortlaut; ״Wer beim Juden kauft, schädigt die deutsche Wirtschaft!“ — ״Das jüdische Warenhaus ist der Totengräber des Deutschen Mittelstandes.“ — ״Wer seine Einkäufe für das christliche Weihnachtsfest in jüdischen Geschälten tätigt, muß als moralisch minderwertig״ bezeichnet werden!“ Wir hoffen, daß nach den Erklärungen des Reichswirtschaftsministers derartige Aktionen nunmehr eingestellt werden. Di׳> R e i c 11 s v e r t r e t tt 11 g 11 c r deutsch e n J u d e!1 teilt mit: UninitUJbar t1:!clt Ausschluß der jüdischen Arbeitnehmer aus den AiigcsbllLnvith.imlcn liabeti die großen jüdischen Organisationen ״- Genti'.'d-Vcrdn deutscher Staatsbürger jiidisehen Glaubens, R! k 11-buml jüdischer Frontsoldaten und Zio- WirtxeliaftssU'lle ihr Berliner Jüdischen Gemeinde bei der isnuun; In der ersten Sitzung des um einige Finzelpersönlichkeiten erweiterten Ausschusses wurde die Tage der jüdischen Arbeitnehmer ausführlich erörtert. Ms bestand Uebereinstimrnung darüber, dafi im Augenblick die Gründung einer bes o n d c r e!1 A r b e i t!1 e h in e r o r g a 11 i s a t i o 11 nicht in Betracht gezogen werden kann, daß vielmehr die weitere Entwicklung der I)eutscheii Arbeitsfront zunächst ab- ,verden nuiß. Diese :1!)wartende Haltung in der Or-;frage schließt aber keineswegs aus, daß alle Maßetroffen werden, die geeignet sind, die Lage der Arbeitnehmer zu verbessern. Hierzu gehören: Rechts- Rechtsschutz und kcichsvertretting, Sicherung der zu Arheilspl.it/.e, Schaffung neuer Arbcifsmöglichdie Izrwcrbs'osen sowie Umschulung derjenigen,!1 bishet ig! n Berufen nicht verbleiben können, itip.ki'it des .Arbeitsnachweises fand bei der g besondere; I״fer>־s-e. JA wurde beschlossen, die reu jüdischen Genu in Jen mit erltrbiieher Arbeitnehmerzahl soll*־!! ähnlich(׳ An,.( misse unter Mitwirkung der Reichsverfretimg gebiMef werde!!. Zur Unterrichtung der jüdischen Arbeilm hmerscbaft, j.!-l)׳-״>m!c1 e rann der Erwerbslosen, sollen zu H; ginn des n;1c!1׳.;en Jahres Zusammenkünfte mit einem Unberechtigte Entlassung lieber eine I;1״s׳.hei,hing «des ,Arbeitsgerichts in Berlin berichtet >!. ״!TuiB.fnrtcr Zulun:׳“ vom 13. 12. der 111 f 0 r - mati 11 ״ s ,1 i ״ ״ s f d e r D e 11! s e 11 e ״ A rbeits fr o n t: Zellenobmamis der NSB< » auf Fort setzung der l.ohnzahlung bis zum ordminusnuir,igeit Kündiguiigstennin zu beschäftigen. Der Bericht an •die Kn isb itung der NSBO vertrauliche Angabe״ über den Betrieb gcm;Hn hatte, wobei er tt. a. auch von ,,echt jüdischer Frechheit“ der Betriebsleiter des Unternehmens sprach. Das Arbeitsgericht hat der Klage des Zellenobmnnus auf 1 inhaltting der gesetzlichen Kündigungsr ü c k'g e w i e s c 11, 111 dem Urteil heilst cs u. a.: Wenn der Bet ricGr.il ,vor-u zweie und ZelPnolirrmiin auf Anorilnicht I>e5!lrmruen lfrrl׳d,t 1k;!׳ idigerde Arylierungen gegen den Aibritt •i n d 1 i c b, der NGIH) im internen andere Sprm An diesem Urteil des Arbeitsgerichts finden wir hem erkenswert, daß das Gericht es für ‘״selbstverständlich“ erklärt, daß der einfache Arbeiter im interner! Verkehr mit der NSBO eine andere Ausdmckswcise anwendet als in der Oeffcntlichkeit_ und auch den beanstandeten Ausdruck ״echt jüdische Frechheit“ aus diesem Grunde anscheinend für nichts Ungewöhnliches hält. Daß der Arbeiter sich der Sprache bedient, die ״er auch sonst im Umgang mit seinen Berufskollegen gebraucht“, finden wir durchaus verständlich, daß aber zu dieser Sprache der vom Geschäftsinhaber bcanstand etc Ausdruck gehören muß, scheint uns ein Zustand, den Jüdische Arbeitgeber nicht als normal anerkennen können. Bei einer Kundgebung der Arbeiter der öffentlichen Betriebe im Berliner Sportpalast hielt der Fahrer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Lev, einen Vortrag, in dem er lt. ״Volk. Beobachter“ vom 16. 12, u. a. sagte, bei seiner sechswöchigen Wanderung durch die Betriebe Deutschlands habe er erkannt, dafS an keinem so furchtbar gesündigt worden sei, wie am deutschen Arbeiter. Am Arbeiter sei alles falsch gemacht worden. Deutschland habe die besten Unternehmer, Ingenieure tt r. <1 Chemiker, aber 11 e r Jude sei neben ihnen hergelaufen und habe ihnen die Menschen und A r 1) c i t c r fortgenommen. Wenn hiermit gesagt sein soll, daß es Juden waren, die in Deutschland zu den politischen Gegensätzen zwischen Arbeitern und Unternehmen! die Veranlassung gegeben haben, so sei der Hinweis darauf gestattet, daß auch in Ländern, in denen die Juden nur eine äußerst geringe Rolle im öffentlichen Leben spielen, derartige Gegensätze entstanden sind. Unterstützung! *׳ Sperrfrist und Nichtarier« Entlassungen Das Rdchsversicherungsamt hat als maßgebende Instanz die Frage zu prüfen gehabt, ob bei fristlosen Entlassungen auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamteutums die Vorschrift des § 03, Abs. 1 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen-Versicherung anwendbar ist, wonach für eine gewisse Zeit, regelmäßig für sechs Wochen, derjenige keine Arbcitsloscn-Unterstüt/ung erhält, der seine Arbeitsstelle durch ein Verhalten verloren hat, das zur fristlosen Entlassung berechtigt. Nach eingcheiider Würdigung der durch die Gesetze gegebenen Rechtslage kommt lt. ״Frankurter Zeitung“ vom 15. 12. der Spruchsenat zu der Erkenntnis, daß die Sperrfristen bei Auszahlung der A r b e i t s I o s e 11 u 111 e r s t ü t z 11 n g nach dem genannten Paragraph« n d a n n n i c l:t a 11 w cnü ba r s e i c!1, w c n n Arbeit n c 11 in er ledig- 1 i c!1 wegen ihrer n i c h t a r i s c h c n A b s t a tu m tt 11 g entlassen worden seien. Die Sperrfrist komme dann schon deshalb nicht in Frage, weil aus diesem Grunde allein eine fristlose Entlassung nach den Gesetzen gar nicht zulässig sei, sondern vielmehr eine wenn auch vielleicht abgekürzte Kündigungsfrist cingclialtcn werden müsse. Antisemitismus und Außenhandel ln der ״Frankf. Zeitung“ vom 17. d. M. schildert Rudolf K i r c h e r in anschaulicher Weise die Tage in den großen deutselten Hafenstädten Hamburg und Bremen und die sich für diese Städte ergebenden Probleme. Dabei weist er auf die zuversichtliche Stimmung hin und erklärt, man hoffe dort auf ,,Erfüllung der unerläßlichen politischen und wirtschaftlichen V o r b e d i 11 g 11 n g e 11 für eine weitere Stärkung des lieberseegcschäftes.“ Er fährt fort: ״Daß die Rückwirkungen einiger deutscher politischer Vorgänge und Lehren (Rassenfrage lind Formen des Antisemitismus) auf das Uebersecgeschält sehr beträchtlich waren, ist bekannt. Aas zahlreichen Gesprächen in Hamburg und Bremen ließ sich jedoch entliehmen, daß die B o y k o 11 w i r k tt tt g offenbar nicht so n a c h!1 a 11 i g ist, wie nach den ausländischen Drohungen befürchtet werden konnte. Nordamerika (New York und Chikago) zeigt die stärkste Wirkung, es folgt, mit einigem Abstand, Südafrika, aber darüber hinaus ist, wie von Praktikern versichert wird, mir wenig zu verspüren. Insgesamt, so glaubt man, ist der Höhepunkt überschritten, speziell für New York jedoch noch nicht. Audi wenn man den Schaden, der oft nur indirekt — eingetreten ist, durchaus ernst nimmt, ist man selbstverständlich keineswegs berechtigt, Ausfälle, die mich anderweitig erklärbar sind, auf dieses Konto zu setzen. Soviel ist aber sicher: man wäre in Hamburg und Bremen allgemein sehr froh gewesen, wenn diese Prüfung dem Ucbcrscegcschäft erspart geblieben wäre.“ Wie uns rnitgetcilt wird, ist Herr Dr. med. Max Eichwald, früherer Assistent von Prof. Friedemann im Virchow- Krankenhaus, als Professor der Bakteriologie an die Universitat in Kanton (China) berufen worden. Kleine Nachrichten Wie die Zeitungen melden, ist der Ordinarius für Philo- Sophie an der Universität Berlin, Prof. Dr. Max Dessoir, auf seinen Attirag zum 1. April 1931 von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Prof. Dessoir, der weiteren nichtphilosopliischen Ocffentlichkeit durch Werke auf dem Gebiet der Kunstwissenschaft und des Okkultismus bekannt, ist der Sohn des aus Posen stammenden jüdischen Hofsclmuspielers Ludwig Dessoir. Prof. Max Dessoir ist aus dem Judentum ausgeschieden, Die Düsseldorfer Zeitung: ״Der Mittag“ veröffentlichte am 8. 12. das Bild des berühmten Chemikers Professor Fritz Hab er anläßlich seines 65. Geburtstages. Das Blatt bezeichnet ihn u, a. als ״einen der [größten deutschen Gelehrten“. — Professor Haber, der im Frühjahr 1933 von der Leitung des Kaiser-Wilhelm-institutes für Physikalische Chemie und Elektrochemie zuriiektrat, ist Niclitaricr. Der Sachverstiindigcnbeirat für Volksgesttndhcif bei der Reichsleitung der NSDAP hat bekanntgegebci^ daß die in verschiedenen Bezirken von örtlichen Aerzte- und Zahnärztcverbänden verwendeten Klebezettel mit dem Aufdruck ״Deutscher Arzt“ und ״De titsch er Zahnarzt“ verboten worden sind. Wenn trotzdem örtlich diese Schilder benutzt würden, geschehe es ohne Genehmigung der Reichsleitung. Die Verantwortung habe die örtliche Steile selbst zu tragen. Vor einiger Zeit hatte die jüdische Gemeinde Gron in gen eine Abgabe zugunsten der jüdischen Gemeinden in Deutschland in Holte von 10 °V> der allgemeinen Gemeinde- Steuer eingeführt. Die Exekutive des Verbandes der Jüdische n G c nt e i n d c 11 H 0 11 a n d s hat nunmehr samtliehe Gemeinden angewiesen, dem Beispiel der Gemeinde Groningen zu folgen. Anläßlich des Eintreffens des jüdischen Handdsdampfers ״Einanucl“ im Hafen von Southampton, der dort mit einer Getrcideladung cingclatifcn ist, weisen die englischen Zeitungen darauf hin, daß dies des erste Schiff ist, das unter jüdischer Flagge nach England kommt. Der Dampfer gehört einer jüdischen Reederei, die Mannschaft besteht ausschließlich aus Juden. Der Dampfer ״EtiianucI“ führt die blau-weiße Flagge mit dem Davidstcrn. Nichtarier auf Wohlfahrtsschulen. Der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat in einem Erlaß angeordnet, daß das Gesetz gegen die Ueberfüllting deutscher Schulen und Hochschulen auch auf die Woh ifahrtssc!ווו len, Lau tl p f 1 e gf c schulen sowie auf die so* z i a! p ä d a g o g i s c 11 e 11 Seminare und Lehrgänge sinngemäß Anwendung findet. Die f111tsch׳'idung über die Aufnahme von Personen, die im Sinne des Gesetzes nichtarischer Abstammung sind, behält sich der Minister künftig für jeden Ein z elf all vor. Abweichungen von den Priifungsvorschriftcn werden für Personen, die im Sinne des § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Bcrufsbeamtenlittns nichtarischer Abstammung sind, künftig nicht mehr zugelassen werden. Hachscharah in Jugoslawien. Die Zentrale Hachscharah- Kommission für Jugoslawien in Zagreb schreibt uns: Einige Beratungsstellen jüdischer Gemeinden im Reiche erhielten — wie wir in Erfahrung bringen konnten — Angebote einer angeblichen agudistisenen Jugendgruppe in Zagreb, daß diese Haehscharahstellen in Jugoslawien frei habe für alle Kandidalcn, die 30 RM. monatlich beitragen können. Es werden hiermit alle Interessenten vor diesem, von keiner zuständigen Stelle in Jugoslawien autorisierten Angebot gewarnt, da es mit den praktischen Möglichkeiten nicht übereinstimmt. Die Hachscharah in Jugoslawien wird nur durch die zentrale Hachscharah-Komtnission in Zagreb ermöglicht, und diese übernimmt nur jene Interessenten, für die der deutsche Laudesverband des Hccltaluz seine Einwilligung gibt. Jede andere Aktion wird weder von den jüdischen oder zionistischen Institutionen im Lande, noch von irgendeinem Hilfskomitee unterstützt. Interessenten, die ohne Einwilligung־ des deutsehen Landesverbandes des Hccltaluz nach Jugoslawien kommen, können auf keine materielle oder moralische Unter- Stützung seitens dieser Institution rechnen. Juden Deutschlands! Eure Jugend will aufbauen! Fördert das Siedlungswerk ״Miphal Arlosoroff“ Ueberwtisungen auf da• Pollscheckkonto des Keren Hajesiod, Berlin 1049 51 oder Keren Kajemcth. Berlin 282 47