Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 101 (19.12.1933)
- Date
- 1933-12-19
- Page
- Seite 994 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 984 JßD4*CftE RUHbSGflA■ Ifr. m, ». XH. t998 Jüdisches Leben im Reich (Von unsern Berichterstatfern) Bcuthen O.-S. In der letzten Repräseirfanten-Sitzung vom 6. 12. wurde der Steuersatz auf 20 0/0 der Reichseinkommensteuer festgesetzt. Die Angelegenheit der geplanten Aufbauschule mußte vertagt werden, weil infolge Erkrankung des Herrn Rektor Schürmann die Vorarbeiten nicht gefördert werden konnten. Die Sitzung beschäftigte sich auch mit dem Weggange von Rabbiner Dr. Melchior, der seit dem Jahre 1925 an der hie- »gen konservativen Gemeindesynagoge fungiert. Das Bedauern über sein Scheiden ist allgemein, es läßt sich aber bei der kritischen finanziellen Lage der Gemeinde das besondere konservative Rabbinat nicht mehr aufrechterhalten. Der Gemeindevorsitzende, Apotheker H. Kunz, und der Präsident der Mamreh-Loge, Professor Dr. Golinski, haben für den 21. 12. zu Ehren des Scheidenden und seiner Gattin zu einer Abschiedsfeier eingeladen. J. L. Bernknste! Hier sprach Dr. Hans Ca pell (Düsseldorf) in einer gutbesuchten Versammlung über ,,Judennot und Zionismus“. Der Vortrag hiriterliefi tiefen Eindruck. — Im Jugendbund besteht bereits seit einigen Monaten ein hebräischer Sprach• kursus unter Leitung von Lehrer Friedmann. Im neuen Jahr wird hier die zionistische Arbeit aufgenommen werden. Bleicherodc Auf Einladung des Gemeindevorstandes sprach in einer gtrtbesuchten Versammlung Werner Ahlfeld (Nordhausen) über das Thema ״Palästina und wir“. Der Referent gab einen anschaulichen Bericht über seine Palästinareise und wies besonders auf die notwendige innere und berufliche Um- Stellung für Palästina hin. Eine angeregte Aussprache schloß sich an, in der der Wunsch nach regelmäßiger Wiederholung derartiger Veranstaltungen geäußert wurde. Bocholt i. VVestf. In unserer Gemeinde fand vor einigen Wochen 7.11m ersten Male ein öffentlicher Vortrag über das Palästinaaufbamverk statt. Dr. Eduard Strauß (Frankfurt a. M.) sprach auf Einladung eines neutralen Ausschusses über ״Altes Land in neuer Zeit“. Der Redner verstand es, durch seine Ausführungen das Interesse der zahlreichen Zuhörer (ca. 100 Personen) für das Aufbauwerk zu wecken. Der Leiter der Veranstaltung, Herr Emst Braunschweig, teilte mit, ilafi weitere Veranstaltungen zur Intensivierung des Gemeindelehens folgen würden. — Unter Leitung von Lehrer Herz findet zweimal wöchentlich ein neuhebräischer Kursus statt. Essen Im hiesigen Kulturbund sprach Ludwig Hardt einige Kapitel aus der Buber-Rosen/weigschen Bibel-Uebersetzung, Verse von Heine und Novalis. Den größten Erfolg erzielte er mit der Vorlesung eines Kapitels aus ״Tewje der Milchhändler“ von Scholem Alechem. — Rabbiner Dr. Baeck sprach im Kulturbund über ״Der jüdische Weg“. Die zahlreich erschienene Zuhörergemeinde stand im Bann des von überragenden Gesichtspunkten beherrschten Vortrages. — Das Stefan Frenkel-T ri o brachte in deT Synagoge Werke von Mozart, Mendelssohn und Dvorak zur Wiedergabe. Dieser Musikabend schloß sich dem 1. Konzert in unserer Synagoge, das von Emanuel Feuermann bestritten wurde, würdig an. — Die erste Theatervorstellung des Kulturbundes Rhein-Ruhr fand am 9. Dezember hier statt. Gespielt wurde ״Sonkin und der Haupttreffer“ von Semen Juschkewitsch. Der frühere Regisseur des Stadttheaters Essen, Willibald Froon, hatte es verstanden, in kurzer Zeit sein Ensemble zu einer beachtlieber) Leistung zu erziehen. Insbesondere der Darsteller des Sonkin, Hermann Schindler, und Friedl Münzer als Manitschka waren darstellerisch und sprachtechnisch auf der Höhe. Die übrigen Mitglieder des Ensembles fügten sich stilgerecht in die tragisch-komische Handlung ein. — Die Bildungskurse der Synagogengemeinde (Palästina-Kunde, Geschichte der Juden in Spanien, Einführungen in das jüdische Ritual) sowie die Freitagabend-Vorträge von Rabbiner Dr. Hahn erfreuen sich eines sehr guten Besuches. Gotha Unsere Gemeinde hat iti .den letzten Monaten durch Wegzug von zehn Familien wertvolle Mitglieder verloren. Vier Familien sind nach Palästina aiisgcwandert, weitere fragen sich mit der Absicht, bald fortzuziehen. Für die Finanzlage wirkt sich die Abwanderung sehr ungünstig aus. Der Vorstand, der nach langer Pause wieder eine Sitzung abhielt, beriet einen Notetat bis Ende März. Durch starke Streichungen hofft man, den Etat zu balancieren. Wegen der schwachen Kasscnlage konnte von den vorliegenden Unterstützungsanträgen nur ein Teil berücksichtigt werden. Für das ausgeschiedene Mitglied für. Krotoschin wurde Herr N. Dminsky neu in den Vorstand gewählt. Der Vorstand beschloß den Anschluß der hiesigen Gemeinde an die in Erfurt bestehende Darlehenskasse. Diese hat sich in der Zeit ihres Bestehens bewährt, ihr Ausbau als Bezirksdarlehenskasse für Thüringen ist geplant. — Auf Veranlassung des Keren Hajessod hielt Herr Max Nathan (Berlin) einen Vortrag über ״Probleme des Palästina-Aufbaus“. Der Vortrag war gut besucht. — Seit einiger Zeit besteht unter der Leitung des Herrn Alfred Schäler ein neuhebräischer Kursus. Dieser wird von ca. 40 Teilnehmern besucht. Güstrow/Meckl. Ueber das Thema ״Die deutschen Juden heute und Palästina“ sprach hier in einer von Herrn M, Jacobsohn eingeladenen Versammlung der Gemcmdemitglieder Herr Dr. Edgar Marx (Hamburg). Die sehr zahlreich Erschienenen nahmen die instruktiven Darlegungen des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit auf. Halle Die kulturelle Arbeit stellt hier unter der Leitung der J fi d i s c h e n J u g e ת d g e m e i n s c h a f t, der Einheitsorganisation der jüdischen Jugend in Halle. Es werden verschiedene Arbeitsgemeinschaften abgehalten über: Jüdische Geschichte, Gegenwartsaufgaben jüdischer Jugend, erbbiologische Fragen, Palästina — Land und Leute. Ferner ist ein Kunstkreis gebildet, der sich gliedert in je einen für Musik und für Literatur. Nebenher laufen Einzelveranstaltungen, zu denen jeweils auswärtige Redner herangezogen werden. Sämtliche Veranstaltungen sind stark frequentiert. Ebenfalls erfreuen sich die Sprachkurse für Hebräisch, Englisch, Französisch und Italienisch, sowie ein Ausbildungskurs für Schneiderinnen eines regen Besuches._ Die spezifische Jugendarbeit für die Jugendlichen im Alter bis zu 18 Jahren wird vom J.P. D. geleistet. Hamburg Nachdem die in Hamburg bestehenden Orchestergcmeinschatten ihre nichtarischen Mitglieder ausgeschlossen haben, hat sich eine neue jüdische Orchestergemeinschaft unter der Bezeichnung ״Orchester - und Kammermusik-Vereinigung von 1933“ in Hamburg gebildet. Der Dirigent ist Kapellmeister Hermann Ccrini. Die Vereinigung will ihren Mitgliedern Gelegenheit zur Ausübung von Orchester- und Kammermusik geben und alsbald mit Orchesteraufführungen an die Oeffentlichkeit treten. Anfragen sind zu richten an Rechtsanwalt Dr. Herbert Mendel, Hamburg 1, Mönckeberg- Straße 5/1; Tel.: 333558. Hildesheim Die Hildesheimer Gemeinde versammelte sich am 14. 12. zu einem Konzertabend. Stefan Frenkel (Geige) und Oberkantor Israel Alter (Tenor) waren als Solisten gewonnen. Stefan Frenkel spielte neben Vivaldi, Beethoven, Mendelssohn, Couperin, Nick-Frenkei und d׳ Ambrosia eine Pastorale von Händel, die wohl den stärksten Eindruck hinterließ. Oberkantor Alter sang hebräische und jiddische Lieder, von denen besonders letztere alle Herzen der Zuhörer ergriffen. Beide Künstler wurden in feinsinnigster Weise von John Mandelbrod (Hannover) begleitet. K.M. Karlsruhe Die vergangene Woche brachte eine Reihe von Chanukkah-Feicm. Die Karlsruher jüdische Jugend feierte am 13. Dezember in den Räumen der Carl-Friedrich-Loge. Leider konnten wegen der ungünstigen Raumverhältnisse viele keinen Platz finden. Die Veranstaltung wurde in allen Teilen von den Bünden bestritten und bot eine bunte Schau jtigendliehen Könnens. — Die Z. O.G. veranstaltete ihre Feier am 16. Dezember im Mnnzsaal. Der Abend bot in seiner Ansgesfaltung allen Besuchern ein reiches Erleben. Hebräische Chöre des Habonini, musikalische Vorträge verschiedener Art und gemeinsamer Gesang aller Anwesenden boten den Rahmen für die wirkungsvolle Chanukkahrcde des Vorsitzenden der Z. O. G. und das Spiel ״Makkabäer einst und jetzt“. Die Reihe der Feiern wurde am 17. Dezember durch die Bundesfeier des Habonim beschlossen. S. Köln Die private jüdische Volksschule Morijah hat seif etwa zwei Monaten außerhalb ihres Lehrplanes für die Schüler und Schülerinnen der Oberklassen zwei Sprachkurse eingerichtet, in denen Neuhebräisch und Englisch gelehrt wird. Beide Kurse, von denen besonders der hebräische großen Anklang gefunden hat, sollen vom 1. April 1934 ab zu einem ständigen Teil des Lehrplanes erweitert werden. Jüdische Volksschulen, die ein gleiches Interesse haben, werdet! gebeten, sich zwecks Meinungs- und Erfahrungsaustauschs an die Volksschule Morijah, Köln, St, Apernstraße 29—31, zu wenden. Köthen Unsere Gemeinde, dessen Vorstand bisher aus den Herren J. Schönfeld und Professor Dr. Roth bestand, hat insofern eine Umgestaltung in der Verwaltung erfahren, als der Mitvorsitzende, Herr Prof. Dr. Roth, Köthen verlassen hat. Ein Jahrzehnt hat Prof. Roth im Vorstände unserer Gemeinde mit großer Hingabe gewirkt. Sein Scheiden wird in Köthen außerordentlich bedauert. Mannheim Hugo Adler suchte bereits vor vier Jahren eine neue musikalische Form der Chamtkkahfeicr mit seiner packenden Lehrkantate ״Licht und Volk“, die mit dem von Rabbiner Dr. Grünewald geschaffenen dichterischen Text in Mannheim ihre Uraufführung erlebte. Von Adler hörte man nun anläßlich einer Chamikkahfeier, die Gemeinde und Liederkranz in der Hauptsynagoge veranstalteten, drei Uraufführungen. Adler hat hier alte Melodien, die sonst verlorengehen würden, in einer Weise neu bearbeitet, die wirklich neue Wege geht. Er zeigt in seinen neuen Schöpfungen, besonders in ״Maos zur“, das er nach einer Melodie von Benedetto Marcello für gemischten Chor, Streichorchester und Orgel bearbeitete, eine Abkehr von der früheren, manchmal schwer sangbaren Art, Nicht so schlicht wie das ״Maos zur“, aber äußerst fesselnd wirkte die zweite Uraufführung ״Hanneros hallolu“, worin Adler eine alte chassidische Melodie aus dem 18. Jahrhundert bearbeitete. Die dritte der Urauffülirungcn, die die ersten Stücke einer hebräischen Chor- Suite bilden, war ein Hymnus für Chanukkah von Salomon ihn Gabirol ״Sch ׳ne sessim“, für gemischten Chor, Kinderchor, Streichorchester und Orgel. Unter Leitung von Kapellmeister Max Sinzheimcr machten sich um die Wiedergäbe der gemischte Chor des ״Li ed e r kra n z“, die neu• geschaffene ״Instrumentalge mei 11 sc ha ft“, Josef Levi als Vertreter des Orgelparts und der prächtig frische Knaben■ chor verdient. Geistiger Mittelpunkt dieser neue Wege gehen• den Chanukkahfeier, die wiederholt wurde, waren die packenden Ansprachen von Rabbiner Dr. Lemle und Rabbiner Dr. Grünewald. זיזי־• Wattenscheid Die hiesige Gemeinde veranstaltete am 16. Dezember in der Synagoge eine Feierstunde. Sie wurde eingeleitet durch ein Präludium nach Motiven des ״Ledowid boruch“. Nach einer kurzen Ansprache des Predigers S. Oppenheim folgten Gesänge von Frau Else Koppel (Sopran) und Kantor Erich Mendel (Bariton) aus Bochum, die es übernommen hatten, unserer Gemeinde einen seltenen Genuß zu bereiten. Frau Else Koppel sang Lieder von Kurschmaiin und Wolf, Arien ans Oratorien von Mendelssohn und Händel. Herr Mendel brachte liturgische Gesänge von Lewandovvski, Kaufmann und Birnbaum und das ״Halleluja!!“ von Hummel zu Gehör. Organist Max Rosenthal, Bochum, begleitete die Gesänge feinsinnig. Hanna Oppenheim. Ankündigungen Breslau Der Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen Schlesiens, Sihwc.dnitstcr Stadtgraben 28, teilt mit: Wir suchen Stellung für Gärtner, Bäcker, Elektrotechniker, Ausscliänker, Sprechstundenhilfen, Ver- Läuferinnen, Biiroangcstcllte aller Art u. a.; insbesondere Lehrstellen in jedem Handwerk. Wir suchen Kräfte: Lehrlinge über 17 Jahre fiir den Handel, Lehrmädchen jeden Alters. Hausangestellte, die bereit sind, alle Hausarbeit zu übernehmen, können untcrgcbiacht werden. Telephon: 26 863. Darmstadt Zionistische Vereinigung 21. Dezember, abends 8.30 Uhr, in der Slarkenburgioge, Ncckarstr. 20. Vortrag von Assessor Georg Guthrnann, Frankfurt a. M., über ״Palästina: Asyl oder Heimat?“ Frankfurt a. M. Wohnräume der weiblichen Fürsorge, Bäckerweg 26. Das Heim bietet jüdischen Frauen und Mädel״•״ angenehme״, behaglichen Aufenthalt mit und ohne Pension zu billigstem Preise. Herne Hebräischer Schülerkursus unter Leitung von Sprachlehrer Gerszonowiez joden Sonntag, morgens 10-11 Uhr, in der Synagoge. Neu• anmeldungcn bei Herrn Weslreieh, Herne, Rahnhofstr. 90. Saarbrücken Neue Jüdische Volksschule. Voraussicht lieh wird ata 1. April 1934 in Saarbrücken eine jüdische Volksschule eröffnet. Die Anstellung der Lehrkräfte erfolgt durch die Landesregierung. Bewerbungen werden genommen. Die Stellen sind ausschließlich von Volksschullehrern zu besetzen. Familien ״ Nachrichten Herr und Frau Max A. Reiß. Bad Dürkheim, feiern am 1. Januar das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Hans Erl, Frankfurt a. M., der seitherige erste Bassist der Frankfurter Oper, feiert am 20. 12. das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Louis Herzog und Frau Anna, geb. Wctzler, Frankfurt a. M. Stcrnstr. 40, feiern am 24. Dezember die silberne Hochzeit. 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