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Jüdische Rundschau · 1933-12-19 · Heft 101 (19.12.1933) · p. Seite 990

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 101 (19.12.1933)
Date
1933-12-19
Page
Seite 990 (sequence 4)
Language
German
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Seite 980?!scfre rundschaזסם! Nr. 101, 19. XII. 1933 Palästina-Fragen 1m Unterhaus London, 14. Dezember. (J. T. A.V Im Unterhaus riehtete Colonel Wedgwood an den Minister für die Kolojiien die Frage, ob er auf die Tatsache aufmerksam gemacht worden sei. daß die Palästina-Regierung eine Beschränkung der aum ärztlichen Beruf zu/ulassenden luden in Palästina beabsichtigt, und ob er mitteilen wolle, ob diese Einschränkung von der englischen Regierung gebilligt wird. Der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe- Lister, erklärte, er sei von der Palästina-Regierung nicht verständigt worden, daß eine solche Einschränkung geplant sei. Sir Naim« S t e w a r t - S a n d c m;1 n fragte den Ministe!, ob er darüber informiert sei, wieviele Industrie- Betiiebe seit der Uc-bernahmc des Mandats in Palästina erriciitet wurden, wieviele von diesen jüdische und wieviele arabische Unternehmungen seien und ob es in jüdischen Unternehmungen arabische Leiter gebe. Sir Philip Cunliffc-IJster antwortete, er habe dicsbcziiglieh den liigli Commissioner um Informationen ersucht und werde diese vorlcgcn, sobald sie eingelangt sein würden. Abgeordneter Curry erkundigte sich nach der prozentualeti Vermehrung der arabischen Orangen plantagen in Palästina in der Zeit von 1922 bis 1932. Sir Philip erklärte, er wolle auch diesbezüglich beim High Commissioner Informationen einhulen. Schließlich erklärte Sir Philip auf eine Frage des Abgeordneten Barnctt Jänner nach dem Gesamtwert der Pal ä s t i n a e i 11 f u h r einschließlich der Wiederausfuhr für 1922 uml 1 <02, die Ausfulirziffer ohne Berücksichtigung der Wiederausfuhr und Transit.uisfuhr sei für 1922 1330171 Pfund uml für 1932 2 3$ 1 •101 Pfund. Iri der Sitzung vom 11. De/, fragte Colonel Wedgwo od den Minister für die Kolonien, auf Grund welcher Verordmmg es Trans Jordaniern gestattet sei, ohne Kontrolle nach Palästina zu Isoinmcn und welche Weisungen der High Commissioner auf Grund des Abschnitts 5 Punkt 1 der Einwan derungsx erorduung Nr. 38 ex 1033 bezüglich der Zulassung solcher F inwandeier, die keine Pässe besitzen, gegeben habe. Sir Philip C 11 n 1 i f f e - 1. i s t e r antwortete, was den ersten Teil der Frage betreffe, so käme Absatz 4 Punkt 2 der Palästina-Fimvandonuigsvcrordnimg vom Jahre 1933 in Befracht, in dein vorgesehen sei, daß Personen, die ihren ordentlichen Wohnsitz in Traiisjordanien haben, auch wenn sie nicht im Besitz von Passen oder gleichartigen Dokumenten sind, aus Transjordanien unmittelbar nach Palästina kommen können, sofern nicht der High Commissioner andere Vcrfiigimgen trifft. Was den zweiten Teil der Frage betreffe, so sei die allgemeine Vorschrift des Abschnitts 5 Punkt 1 auf die in der Sondcrbesiimmurig des Abschnitts 4 Punkt 2 erwähnten Fälle nicht anzuwenden. Sitzung des Palästina-Komitees des Unterhauses London, 15. Dezember. (J. T. A.) Am 14. Dezember trat: (ins Palastina-Komitce des Unterhauses unter dem Vorsitz des konservativen Abgeordneten John Bucha n im Parlamcntsgebiiiide 711 einer Sitzung zusammen, an der sechzig Parlamentarier tdlrinbinen. Die Sitzung war vor allem der Information der Mitglieder des Palästina-Komitees über die jüngsten gegen die sogenannte ,,illegale Touristen-Ein- Wanderung“ gerichteten Maßnahmen der I’aliistina-Regierung gewidmet. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Einwanderungspolitik geeignet sei, das Wachstum der jüdischen Bevölkerung entgegen den Bestimmungen des Mandats zu hemmen, und daß die Nichtzulassung neuer Arbeitskräfte in einer Zeit, in der sie dringend benötigt werden, die Grundlagen der jüdischen Wirtschaft Palästinas erschüttere, Referate in diesem Sinne hielten der Vorsitzende John Buch an und der Abgeordnete Colonel Wedgwood. An der Sitzung nahm auch der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency, Professor Selig Brodctsky, teil, der Fragen, die von mehreren Abgeordneten an ihn gerichtet wurden, beantwortete. Oie Ueberlfllliing des Amteberufes in Palästina Jerusalem, 15. Dezember. (J.T. A.) Zu den von der Palästina-Regien! m; geplanten Maßnahmen zur E inschränk 1! n g d e r 1. i z e 11 / e r t eil 11 11 g a n A erzt e, die vom Abgeordneten Colonel Wedgwood zum Gegenstand einer Anfrage im englischen Unterhaus gemacht wurden, wird der Jüdischen Telcgraphcn-Ageiitur vom stellvertretenden Direktor des palästinensischen Gesundheitswesens, Harkness, mitfreie» it, die iWpirrung erwäge eine solche Maßnahme im Hinblick auf die (jefahr einer noch stärkeren Ucberfiillung des ärztlichen Berufes. Von den 1043 Aer/teu, die es Ende 1932 in Palästina gab, waren 832 Juden. Bis zum 39. November dieses Jahres war die Zahl der Aerzte, Zahnärzte und Pharmazeuten auf 15 üb gestiegen. Die im Jahre 1933 erteilten Lbenzen für;!r/tliehe Praxis betrafen in der Hauptsache deutsch-jüdische Einwanderer, Kein Iransjordanisciies Verbot des Landverkaufs Amman, 13. Dezember. (J. T. A.) Die Gesetzgehende Versammlung hat einen Antrag, in dem gefordert worden war, daß der Verkauf von transjordanischeni Grund und Boden an Ausländer verboten werden soll, ahgelchnt. Der Antrag der radikalen Isfaklalpartei, einen Tag für die Diskussion des Vorschlags zu bestimmen, wurde ebenfalls mit großer M ehrheit niedergestimmt. Im Alter von 84 Jahren verstarb in Nizza der Senior der jüdischen Publizistik in spaniolischcr Sprache David Fresco, der 50 Jahre lang die spaniolische Tageszeitung ״El Ticmpo“ in Konstantinopel geleitet hat. Unsere Zeitung erscheint in der Weihrtach1s~ und in der Neufahrswodie nur fe einmal in erweitertem Umfang als Doppel-Nummer Nr.103/104am Freilad, d. 29.Dez.l 933 Anzeigenschluß am Mltiwoch, 37• Dez., mittag» 12 Uhr Nr. 1/2 am frelfaö, den S. Januar 1934 Anzeigenschluß am Mittwoch, 3, Januar, mittags 12Uhr Verlag und Redaktion der Jüd. Rundschau Nochmals; Deutsche Juden und Jisdiuw Eine Antwort an Dr. Elias Auerbach Van Dr. Alfred M a r c us, Haifa. Die Diskussion aber die Einordnung der deutsch-jüdischen Einwanderer in Palästina wird wohl noch lange nicht 1»erstummen, da sich aus diesem Zustrom von Einwanderern eine Fälle vielfältiger Probleme int Lande ergibt. Wir haben bei Veröffentlichung von Beiträgen zu diesem Thema stets davor gewarnt, Eindrücke zu verallgemeinern. Es ht eine mißliche Sache, aus individuellen Erfahrungen allgemeine Schlüsse zu ziehen, wobei, wie wir auch in unserer Vorbemerkung zu dam Artikel non Dr. Elias Auerbach in Nr. 05 der ״Jüdischen Rundschau" betont haben, persönliche Verärgerung der Betroffenen eine Holle zu spielen pflegt. Bei diesen Erlebnissen ist es fast immer so, daß jedem Beispiel ein Gegenbeispiel entgegengesetzt werden kann. Da es fedoch wichtig ist, die Dinge von möglichst vielen Seiten zu beleuchten, so bringen wir — wie wir schon früher ähnliche Ausführungen veröffentlicht haben —■ eine Acußerung im Anschluß an den Artikel von Dr. Auerbach. Wir möchten aber betonen, daß wir in gegensätzlichen Ausführungen zu dieser Frage nicht eine ״Polemik" sehen, bei der nur» entschieden werden müßte, wer ,,recht“ hat, sondern wir glauben, daß es sich eben um verschiedenartige Beleuchtung auf Grund der verschiedenartigen Einzel ■Erfahrungen handelt, die natürlieh noch vielfach abgcwandclt werden können. Wir können schon aus Raumgründen nicht alle 'Zuschriften und Schilderungen von Einzelfällen, die sich auf dieses Thema beziehen, abdrucken. Zu einem Punkt des nachstehenden Artikels möchten wir eine Bemerkung machen: IDenn die Rendite des Htmsbesilzes gefallen ist, so dürfte dies nicht eine Folge gesunkener Mielspreise sein, sondern eine Folge des beängstigend überhöhten Bodenpreises, also auch ein nach unserer Meinung bedenkliches Symptom, das die Gefahr einer Krise nahebringt. Red. Sehr geehrter Herr Dr. Auerbach, wir sind jetzt seit einiger Zeit engere Landsleute. Freilich bin ich noch ein greenhorn in Haifa, denn Ich bin erst seit dem Frühjahr im Lande. Sie kennen Haifa und das Land dagegen bereits seit 24 Jahren und sind somit einer von unserer ältesten Garde. Es scheint mir, als ob für einen Mann von Ihrer Landeskenntnis und längst bewährten Klarheit des Blicks <lie Schilderung der hiesigen Verhältnisse etwas allzu ״erstlingshaft“ gewesen ist. Ein Mann wie Sie hat, wenn er ins Land zu rück kehrt — entschuldigen Sie die etwas kategorische Forderung — ״erste Eindrücke“ überhaupt nicht mehr zu haben. Es scheint mir, daß Sie sich — fast wie ein ״Neuling“ — von der großen Welle der Immigrantenpsychose haben beeinflussen lassen. Denn es handelt sich hei sehr vielen der Klagen, die Ihnen zu Ohren gekommen sind, zu einem guten Teil um echt psychotische Erscheinungen. Ein Beispiel, das aus dem höchst unangenehmen Bezirk der ״Hungerpsychose“ stammt, von dem alle Menschen ein Lied 2u singen wissen, die hier nur ein paar Monate lang in der Ein- Wanderungsberatung tätig waren. Zu mir kommt ein Berliner Akademiker mit seiner Gattin in ziemlich desolatem seclisehen Zustande, Es sei ihm trotz aller Bemühungen bisher nicht möglich gewesen, eine Beteiligung an einem Unternehmen zu {inden, er esse sein Geld auf, und er sei völlig railos und verzweifelt. Auf meine Frage^ wie lange er im Lande sei, bekam ich die in solchen Fällen fast typische Antwort — eine Woche! Auf meine weitere Frage, ob denn seine Mittel so knapp seien —- er machte nicht den Eindruck —, daß er nicht noch wenigstens noch einige Wochen weiter seine Bemühungen fortsetzen könne, bekam ich die nun allerdings auch mich überraschende Antwort, er habe ״nur" 1Ö)0 Pfund in bar mitgebracht, aber es würden ihm in kurzer Zeit Beträge über Sperrkonto zur Verfügung stehen, die mehr ah das Zehnfache dieser bereits mitgebrachten Summe ausmachen. Ein solcher Mann kann sich bei einiger Selbst- Überlegung sagen, daß er, auch wenn er die Sperrmark ungünstig verwertet, nicht einmal seine Zinsen aufessen kann, aber Sie werden verstehen, daß dem Berater, auch wenn er immerhin einige Praxis hat und an manches gewöhnt ist, zunächst einmal auf gut deutsch gesagt, die Spucke weg bleibt, wenn er sich solchen Fällen gegenüber sicht. Das war aber kein Ausnahmefall! Ich kann aus meiner ja nur ehrenamtlich und einmal in der Woche bei der hiesigen Hitachduth Ol ei Germania ausgeübten Beratungspraxis Dutzende solcher Fälle erzählen. Dieses Beispiel gebe ich deshalb, um zu zeigen, daß bei sehr vielen bürgerlichen Immigranten — bei den Chaluzim ist das ganz anders — gerade in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft eine geistige Verfassung vorliegt, die sie einfach unfähig■ zu vernünftigen Uebcrlcgungen macht. Die Gründe hierfür sind klar!genug. Die Leute haben in einer sehr starken seelischen und geistigen Spannung gelebt, die sich in dem Moment zu lösen beginnt, in dem sie hier ans Land kommen. Sic fallen zunächst einmal seelisch und geistig einfach auseinander. Routinierte Kaufleute sind in diesem Zustande — auch hier spreche ich aus meiner Praxis — nicht einmal dazu imstande, sich die einfachsten Kalkulationen durchzurechnen. Alles wird unter einem Gesichtswinkel betrachtet, de! sonst den betreffenden Menschen völlig fern liegt, nämlich unter dem der Furcht vor dem Verhungern und vor der Verelendung. Groteskervveise hat aber gerade diese Einstellung die Folge — ich bin schließlich kein Fachpsychologe Und kann das nicht erklären —, daß diese Menschen nicht dazu imstande sind, auch bei der Beschaffung ihrer Wohnung nüchtern und sachlich zu kalkulieren. Gerade hieraus resultiert die gewiß beklagenswerte Tatsache, daß sie sich gegenseitig in einer Weise in den Mietspreisen überbieten, die in der eigentlichen Lage unseres Wohnuugsmarktes gar keine Stütze findet. Es gibt doch schließlich Dutzende von Fällen, in denen Neuankömmlinge dem Hauswirt schon hei Beginn der Verhandlung an bieten, sie wollten den /Mietpreis auf ein Jahr vorher bezahlen, sie würden mehr zahlen als Der Und Der usw. Dabei habe ic!1 sehr oft die Erfahrung machen können, daß der Hauswirt durchaus mit sich reden ließ, wenn der Mietslustige nicht nervös war, sondern in aller Ruhe zu verhandeln begann, evtl, auch einmal wegging, ohne gleich gemietet zu haben. Es gibt aber auch Fälle, in denen neue Immigranten alteingesessene Laden- Inhaber mit geradezu grotesken Ucbcrangeboten einfach ausgemietet haben. Ich kann auf Wunsch diese Fälle mit Namen belegen. Also: Die Angelegenheit mit dem Mietswucher hat auch ihre zwei Seilen. Es ist keine Frage, daß der nervöse Zustand der Immigranten hieran nicht ganz unbeteiligt ist. Im übrigen hat Dr. Albert Baer neulich hier schau auf die frundslt/üche Seite der Angelegenheit hingewiesen: In einem andc, in dem das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte sicherlich auch gerade von den ״bürgerlichen“ Immigranten aus Deutschland gewünscht wird, herrscht nun einmal das Gesetz von An gebot und Nachfrage. Wird die Nachfrage über ihren sachlich berechtigten Druck hinaus noch durch psychische Faktoren der oben angedeuteten Art überliitzt dann darf man sich nicht wundern, daß auch die Preiscntwlcklung am Wohnungsmarkt zeitweise überhitzt gewesen ist. Auch die Renditen aus den! Hausbesitz sind nicht allgemein *0 hoch, Ich kenne hier Neubauten, die allenfalls 8—9 0/0 abwerfen, bei denen es sich also der Besitzer schon hätte überlegen können, ob er sein Geld nicht lieber als erste Hypothek anlegt, anstatt das Risiko des eigenem Baus eimzugehen. Die Rendite von 12 ״> bei Neubauten und 15—18 ״/e bei Altbesitz, die Sie als ״nichts Seltenes“ bezeichnen, scheint mir doch nur in wenigen Fällen nachweisbar zu sein, wobei ich mir gar nicht klar darüber bin, ob der betreffende Hausbesitzer wirklich richtig gerechnet hat, Eine andere Frage: Die erste Unterbringung der Immigranten. Es ist richtig, daß in dieser Hinsicht in Haifa nicht alles so ist wie es sein soll. Aber Sic schreiben, ״die Finanzierung einer solchen Vorsorge ist überhaupt kein Problem“. Sie ist ein Problem, und hierbei komme ich zu dem entscheidenden Punkt meiner Auseinander- Setzung: Ein Mann von Ihrer Autorität hStte die einzigartige Gelegenheit der Veröffentlichung ״erster Eindrücke“ daz.u benutzen sollen, eine wirklich fruchtbare Kritik der Finanz- Politik bestimmter zentraler Instanzen, also des Hilfsfonds und auch des Keren Kajemcfh einzuleiten. Die Kritik hätte sich nicht auf den Hinweis beschränken dürfen, daß in der ganzen Welt Geld unter den Juden für konstruktive Hilfe gesammelt werde, und dann die Frage zu stellen: ״Warum wird es nicht auch dafür verwendet, daß Parzellen abgeteilf, Bewässerung vorbereitet, ein Typenhäuschen auf den Boden gestellt wird?“ Der Hinweis aut die ״in der ganzen Welt gesammelten Gelder“ ist in dieser Form verhängnisvoll. Denn diese Gelder, die von den Hilfsorganisationen der einzelnen Länder gesammelt wurden, gelangen nur zu einem winzigen Bruchteil nach Palästina und werden zum weitaus größten Teil in den Ländern selbst für die FKichtlingshilfe verwendet, ln denen man sic gesammelt hat. Man darf nicht den Eindruck erwecken, als ob man hier nur so in HLlfsgeidern schwimme. Das ist leider nicht der Fall! Außerdem: wie alt ist denn die ganze Hilfsaktion für deutsche Juden? Viele Leute haben immer den Eindruck, das gehe nun schon seit Jahren. Der Eindruck ht begreiflich,_ denn die deutschen Juden die jetzt hierherkoramen, haben in den letzten Monaten so viel erlebt, daß sie ihnen wie Jahre erscheinen. Aber deshalb bleiben es doch nur ein paar Monate. Internationale Oeldvcrteilungsorganisationcn dieser Art arbeiten schwerfällig. Der Außenstehende _ verwechselt leicht gezeichnete und versprochene Gelder mit gezahlten Geldern. Das sind Dinge, die man nicht einfach unter den Tisch fallen lassen kann. Was das Verhältnis der neuen deutschen Einwanderung zum Jischuw als solchem betrifft, habe ich in dieser Hinsicht die denkbar besten Erfahrungen gemacht. Aber man muß auch mit diesen Menschen von vornherein als Gleicher unter Gleichen sprechen und nicht von außen her oder gar von oben herunter. Selbstvcrständlieh merkt das der ״lischuwnik“ sehr schnell, und er reagiert dementsprechend. Es ist leider so, daß sogar eine Reihe alter und bewährter deutscher Zionisten gerade in dieser Hinsicht nicht den richtigen Ton finden und ״ sich dann ausgeschlossen und abgestoßen fühlen. Ich bin überzeugt, daß sich das ändern läßt. Aber der gute Wille nuiö da sein, und zwar auf beiden Seiten. Ich muß sagen, daß ich ihn auf seiten des jischuw immer gefunden habe. Zu wünschen wäre unseren Freunden aus Deutschland, die hierher kommen, vor allem ein gewisses. Maß von Unbeschwert heit. Wir müssen uns schließlich alle darüber War sein, daß wir in den Verhältnissen hier nur leben können, wenn wir sic wirklich bejahen, und dazu ist diese geistige und seelische Unbeschwertheit, die Befreiung von all den alten Belastungen dringend notwendig. Zu einer solchen Bejahung gehört natürlich auch Kritik, aber es muß fruchtfcare Kritik sein. Ganz ergebenst I)r. Alfred Marcus, Haifa. Die Touristen - Ausweisungen aus Palästina Jerusalem, 14. Dezember. (J.T.A.) Bei der letzten Razzia auf illegal nach Palästina eingewanderte Juden wurden vier Personen, die aus Wien ais Touristen nach Palästina gekommen waren, und der Leipziger Max Vogel verhaftet und sollen wegen Ueberschreitung der Urnen gewährten Aufenthaltsfrist deportiert werden. Bis dahin verbleiben sie im Gefängnis. Vogel, der 18 Monate in Palästina weilte, ist der erste Jude aus Deutschland, der von der Aus- Weisung betroffen wird. Alle Verhafteten hatten in Palästina Arbeit gefunden. Presseschau Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 8. 12, •veröffentlicht in ihrem Handeisblatt einen Artikel über den Warcnvcrkehr mit Palästina und die Wirksamkeit des Auswanderer- Abkommens, Jn dem Aufsatz werden zunächst die Modalitäten dieses Abkommens geschildert und die praktische Verwirklichung der Transferierung dargcstellt. Der Artikel kommt dann zu folgendem Schluß: ״Wie man uns sagt, habe bisher niemand länger als ach: Wochen auf die Transferierung de» Gesamtbetrages warten müssen und für die. Zukunft sei nach Uebcrwindung der Anlaufs- Schwierigkeiten sogar mit einer wesentlichen Beschleunigung zu rechnen. Die Kosten der Transferierung betragen insgesamt 41/4—5°/0, wovon 10/0 Gebühr für die deutsche Treuhandstclle darstellten und der Rest auf Palästina entfällt, wo Provisionen an die Zubringer der Fakturen usw. abgegeben werden müssen. Diese Kosten erscheinen, *tibsolut genommen, recht hoch, aber sie sind verhältnismäßig niedrig im Vergleich zu den Einbußen, die Aus• Wanderer bei Benützung anderer Tran»fermöglicl!kcitea in Kauf nehmen müssen. Beispielsweise stellt sich ihr Verlust im Falk: einer Veräußerung von ״Sperr mark“ — Auswandercrguthalrcn werden im Zeitpunkt der Auswanderung automatisch Sperrguthaben —■ noch immer auf etwa 20 Prozent trotz der starken Vcrringerung dieses Disagio* während der letzten Wochen. Andererseit» verbleibt freilich dem Auswanderer bei einer Inanspruchnahme des Palästina-Abkommens ein Valutarisiko für di« Dauer de* Transfers, die, wie erwähnt, vorläufig noch verhältnismäßig lang ist. liier zeigt sich der Pferdefuß aller solche! V'crrcchnungs- und Clearingsahkotnmcn. Die Schwankungen des X’alästirm.Pfundes folgen allerdings im allgemeinen eng denen dr englischen I'fundes und dürften außerdem die innere Kaufkraft der Währung kaum beeinflussen. Da die Einfuhr Palästinas 1032 Lst. 7.77 Miß. betrug und im ncu:n Jahr weiter gestiegen ist, Deutschland aber hieran bisher nur mit etwa 10 Prozent beteiligt war, müßte an sich Platt sein für einen weiteren Ausbau des oben besprochenen Vcrrcdinungsabkommcn*. das ja nur ein Probeabkomrncn darstcllcn *olltc und icllrstverständlich eine U n terstützung der deutschen Ausfuhr durch die zionistischen Organisationen in Palästina zur Y01- ■Umsetzung hat. Mit einen» solcher. Auobau wäre sowohl den Intercssen der deutschen Exporteure gedient wie denen der jüdischen Auswanderer. Allerdings wird dann die Iftuvara (die in Palästina errichtete Txeuhandgaicllacltaft. — Red. d. ״J. R.“) vielleicht doch zur Einräumung von Abschlägen an palästinensische Importeure übergehen müssen, zumal von deutscher Seite grundsätzlich für Palästina-Exporte kein Verlu •tausgleich durch Scrips• Zuteilung usw. erfolgt; damit würden natürlich die Transferkoiten steigen.“ Nr״ Ha Hac 1 rteml fand« im י weil greift zuste friere kale neue niclri Bond! Gescl tnein! die ( Zeit mach Uebe schal groß Ort1 1 scha! Be 1 Uebc Arbc worc Die glied schal Stocl isl < Köpi Das ein« flog« AuJli noch 'gern lanxl’ kurz die! eine denc au Et der fäHi ihre zwei eige eine ihric Milc I u z tape zu Peti sich 4 viel Gru bar! wir» geh Stöi wv G ri bes lieh nicl sch um! tiiu inf< d«r OTg sin! zah sch in» Riti rau Pri sir! ab< jun füll sar aits kat rin um tin rei in sc sei In 31 Bel mc tm ־Tj 101

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