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Jüdische Rundschau · 1933-12-19 · Heft 101 (19.12.1933) · p. Seite 989

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 101 (19.12.1933)
Date
1933-12-19
Page
Seite 989 (sequence 3)
Language
German
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Kr. m, w. xn. 193» S eif e m Stimmen zur Judenfrage In der katholischen Monatsschrift ״Stint men der Zeit“ veröffentlicht Gustav Le h mach er eine Abhand- Jung ״Rasseswerte“, worin er am Schluß ausführt: ״Eine Abhandlung über die deutschen Rassenverhältnisse muß auch die Juden erwähnen. Dali diese als Gesamtheit und geistige Gemeinschaft unserem Volk mehr Schaden als Nutzen bringen, hat u. a. Eberle in GroRmacht-Presse gezeigt. Auch war das starke Ueberwiegen einer aus der Fremde stammenden, in mancherlei Gegensatz zum Deutschtum stellenden Gruppe in vielen Berufen ein Mißstand. Und die starke Einwanderung der Ostjuden konnte unsere rassische Zusammensetz.ung nicht aufbessern. Gleichwohl hat man oft durch Uebertreibung der sc 11!echten Eigenschäften des Juden sowie seines Gegensatzes zum Deutsehen ein schiefes Bild bekommen. Am Aufbau der jüdischen Stammesgruppe ist namentlich die ursernitische (orienialische) und die vorderasiatische Rasse beteiligt. Diese haben, allein oder miteinander gemischt, große Völker 11ervorgebracht; man denke an die hochbegabten Babylonier, die tapferen, gastfreien Araber. Nach Lenz kann die seelische Eigenart der Juden nicht einfach aus der Eigenart der Rassen, aus denen die jüdische Gemeinschaft hervorgegangen ist, erklärt werden. Vom wesentlichsten Einfluß waren offenbar die Auslesevcrhältnisse während des viele Jahrhunderte langen städtischen Lebens und der fast ausschließlichen Beschäftigung im Handel und ähnlichen Berufen. Von der Urerzeugung der Lebensbedürfnisse nicht nur durch eigene Neigung, sondern vielfach auch durch gesetzliche Beschränkungen a 11sgeschlossen, konnten in der Hauptsache nur immer solche Juden Familien gründen, welche die Angehörigen der Wirts- Völker ganz besonders gut zu nehmen verstanden. So dürfte es kommen, daß die Juden sich nicht nur durch Klugheit und Rührigkeit, Fleiß und Beharrlichkeit, sondem vor allem durch die Fähigkeit auszeichneten, sich in die Seele anderer Menschen zu versetzen und sie nach ihrem Willen zu lenken. Neigung und Fähigkeiten führten sie daher immer wieder zu Betätigungen, bei denen das Eingehen auf die jeweiligen Neigungen des Publikums und deren Lenkung Erfolg bringt. Berufe, denen sie sich mit Vorliebe und Erfolg zuwenden, sind daher vor allem die des Kaufmanns, Händlers und Geidverleihers, des Journalisten, Schriftstellers, Politikers, Schauspielers, Musikers, Rechtsanwalts und Arztes. Berühmte Männer der Wissenschaft stellen die Juden auf dem Gebiete der Medizin, der Mathematik, Physik und Psychologie. Die großen Schachmeister sind fast alle Juden. Auffallend gering ist ihr Sinn für Natur. Auch für bildende Kunst sind die Juden im allgemeinen wenig begabt. Gegen körperliehe Arbeit hat der Jude meist eine lebhafte Abneigung. Sehmerzen, Krankheit und Tod fürchtet er im allgemeinen mehr als die Germanen. Er liebt auch den Kriegsdienst im allgemeinen nicht besonders. (Dr. Fritz Lenz: Menschliche Erbikhkeitslehre, Bd. I S. 294 ff.). Viel! eicht betont Lenz die guten Eigenschaften zu stark. Daß man aber keinen Juden zu einem brauchbaren Gliede des deutschen Volkes machen kann, ist unbeweisbar und wird durch manches Beispiel widerlegt. Die Nutzanwendung aus diesen Darlegungen unseftr Rassenverhältnisse müssen wir andern überlassen.“ * In der Zeitschrift ״Zeit und Volk“ vom 9. 12. erschien ein Aufsatz von Studienprofessor Karl Schmid, Augsbürg, mit dem Titel: ,,Und die Judenfrage“? in diesem Aufsatz sagt der Verfasser einleitend folgendes: ״Wir müssen uns Idar sein und das auch mit der ganzen Freimütigkeit aussprechen, die Katholiken und Deutsehen ziemt, daß in vielen katholischen Kreisen die Lösung der Juderif rage, wie sic die nationale Regierung vorgenommen hat, nicht die restlose Zustimmung gefunden wie ihre anderen Entschlüsse. Daß das übrigens aucli in protestantischen Kreisen ־vielfach der Fall ist, entnehmen wir einer unlängst erschienenen Broschüre des Alttestamentlcrs Dr. Kittel ,,Die fudenfräge“, der eben gegen solche Stimmen die Richtigkeit des Vorgehens der Regierung Im Anschluß daran werden die Schäden geschildert, die nach Meinung des Verfassers durch die ״Ueberfremdung““ Deutschlands eingetreten sind. Besonders die Einwranderung von Ostjuden seit dem Kriege habe zu dieser Erscheinung geführt. Der Verfasser übersieht dabei, daß gerade die von ihm bekämpfte Betätigung von Juden im öffentlichen und im geistigen Leben nur zum geringsten Teil mit der ost- Jüdischen Einwanderung in Verbindung gebracht w׳erdcn kann. Er kommt dann zum folgenden Schluß: ״Ilct Iclbacli hat rer 111, wenn er am Schlüsse eines Geherblicks über den ganzen Fragenkomplex sagt: ,[Cs ist der Taumel de s au s de m '/. ti s a in nt e n 11 a ng g c rissenen unfähigen Subjektivität.‘׳ Allerdings: die Gerechtigkeit erfordert, hinzuzusetzen, daß diese Dinge vor allem die entwurzelten, die ״religiösen Juden trifft und ebenso erfordert die Gerechtigkeit, hinzuzusetzen, daß viele Jurten und gerade die in Deutschland schon lange ansässigen Juden, mit solchen Auswüchsen nichts zu tun hätten.“ Schmid begrüßt es, daß der Kampf gegen die von ihm ifargestellten Erscheinungen nicht in ungezügelten Volksliaß entartete, und sagt weiter: ״Gewiß, der Kampf traf auch Unschuldige״ traf auch solche, die sich redliche Midie gegeben hatten, in das deutsche Wesen einzudringen unt! sieh m a ssifniliereii, Aber tl.'is, jüdische BJut ist und geistiger Art die jjii<lisehen Züge• immer wieder hervorbrechen. Und deshalb muhte das Los alle treffen- Wir haben ja Äußerungen führender Köpfe der uaf ionabozialitischcn Ik־׳.vcqa1ng selbst, wie schwer ihnen oft: die Maßregeln gegen solch Unschuldige wurden: aber sie blieben fest und es war recht wegen des höheren. Rechtes unseres Volkstums.“ Hier bemerk! der Verfasser nicht, dafl es gerade die Tatsache der ״Eindeutschung“ war, die den Widerstand gegen die Juden hervorrief. Sie bedeutet ja eine Verwischung der von Natur und^Geschiclite bestehenden Unterschiede, also gerade das, worin Schmid die Ursache zu der aktuellen Judentrage sieht. Der zweite Teil des Aufsatzes beschäftigt sich dann mit den Forderungen, die an das deutsche Volk selbst zu stellen sind, um sein nationales Wesen zu sichern, und Schließt mit folgenden Sätzen: ״Nun, die hier gestellte Aufgabe ist jetzt in feste Itänd genommen und damit liegt auch die sittliche Berechtigung des Kampfes eines Volkes gegen das andere vor, der immer auch ״Unschuldige trifft. Möge er für unser Volk Segen bringen lind auch für das jüdische, damit es zurückfinde ku eien Wurzeln seiner Kraft: seiner arteigenen Religion und der Gott- Verflochtenheit, die immer sein grüßtet Ruhm gewesen! So sollen sich unsere Wege scheiden, nicht iin blinden Hasse, sondern im Bewußtsein, daß cs sich um bittere Lelx׳r15״a>twe1>di״keitera Irandelle. Das Leben ist nicht immer gerecht: cs muß oft um seiner Selbst willen hart sein!•‘ * fn der Zeitschrift der Deutschen Studentenschaft ״Der Deutsche Student“, Novcniberheft 1933, veröffentlicht Paui H. Wiedeburg einen Aufsatz ,,Dietrich Eckart“, worin ausgeführt wird, daß die Niederschrift des Werkes ״Das Judentum in und außer uns“ — ursprünglich als umfangreiches Buch geplant — Torso geblieben ist. Es heißt dann weiter: ....,,Für ihn (Dietrich Eckart) ist das Judentum die Verkörperutig der uninetaphvsischcn Dicsscitsvcrhaftung, ganz so wie er sie in der Gestalt des Ahasver dramatisiert hat. Die Fremdheit des jüdischen Wesens und die zersetzende und hedrohende Kraft seines Denkens und Handelns führt er in tausendfacher Abwandlung mit grandioser Einseiligkeit aber desto stärkerem Ucbcrzeugungswillen auf die Unfähigkeit der jüdischen Rasse zurück,;in eine Unsterblichkeit der Seele und ihr Fortleben nach den! Tode zu glauben. Unter Zuziehung zahlloser Bibelstellen und unter Anrufuug einer großen Reihe von Zeugnissen aus dem alleren und neueren jüdischen Schrifttum führt er die Beweise. Christus ist ihm der gewaltige gottgesaridte IJeberwinder dieser wüstengeborenen, bnclistaben- und materiegebiindmen, durch Furcht, Lebenssucht und Eigenliebe genährten Irrlehre, Auch die Rasse begründet er als Metapliysiker und Mvstiker vorwiegend als Ausdruck seelischer Gemeinschaft. Bezeichnend hierfür ist die kleine Anekdote, die er einmal niedersclirieb: ״Es ist schon ziemlich lange her, da balle ich einen Freund,dasreine Sinnbild eines Ariers, hochgewaclisen, schlank, elastisch, blond, so eine richtige Siegfriederscheinung und auch das Herz danach. Und doch, eines Tages — er ging mir gerade voraus — entfuhr es niir unwillkürlich: ״Kerl, wie läufst Du denn heute? So schied! wie ein Jude!“ — Damals dämmerte rnir das Geheimnis des Judentums auf. Ich entdeckte, daß!nein Freund etwas Uebles, l istiges, kurz etwas Jüdisches vorhatte, und blitzschnell packte es mich: ,,Herrgott, das schlägt sich ja auf den ganzen Menschen!׳‘ Nirgends wird es so deutlich, daß uraltes konservativrevolutionäres deutsches Gedankengut mit seinen Begriffen von Dienst, Amt, PflichtbewuBtsein, Führung, Gefolgschaft und Persönlichkeit, Treue, Glauben und Opferbereitschaft auch in Dietrich Eckart lebendig gewesen ist, wie in seinem Hohenstaufendrama und in der von ihm und dem Lorenzaccio untrennbaren Behandlung der jüdischen Frage.“- Es ist nach unserer Meinung eine etwas primitive Rassen-Theorie, wenn man seiner eigenen Rasse selbst alle edlen Eigenschaften attestiert und bei Abvveiclicn von dieser Norm auch einen Arier des ״Jüdischseins“ zeiht. * Die Zeitung ״D er Heidelberger Student“ vom 12. 12., die von der Studentenschaft der Heidelberger Univcrsitat herausgegeben wird und unter der Schriftleitung von F. A. Six und R. Tipke steht, veröffentlicht in ihrer Beilage ״Politische Umschau“ einen Artikel von Otto Heinrich: ״Der Jude w i r d wieder frech!“ Darin heißt es u. a.: vielen seiner Slomrnesgenossen, mit all seinem zwammongesohacherton Geld und all seinem 11.11״ ins Ausland ,zu flüchten‘ und er, ,der Not: gehorchend, nicht dem eigenen Triebe‘, hie!bleiben mußte, da war auf einmal aus dem großmäuligen temperarnentvollen Bewußt judeu ein harmloser deutscher Staats- Bürger (leider) j ii d i s c h e 1t Gl a u Ire n s geworden, der unauffindbar irgendwo in einem Schlupfwinkel saß.“ Der Aufsatz schildert dann, wie ״der Mut der Juden seitdem wieder zunehme“ und fährt fort: cdtr d'Vn dcu t sehen’ '.Mit de 1 fetten I’lattfüßler henirmvatseheln und mit Hl räuli huldigen. Vor allem aber im G e s c h ä f t s 1 e ft <׳ d ני J Format. Es ist Sache des Verfassers, oh er sich gegen die jüdischen Kaufleute wendet oder nicht. In einem Punkte aber irrt er: Die deutschen Juden haben sich! nicht in ״Schlupf- Winkel“ gesetzt, sondern haben im Gegenteil in ihret übergroßen Mehrheit im Jahre 1033 den Weg zu einem bewußten Judentum gefunden, das ihnen leider früher vielfach abging. Diejenigen, die schon immer ״Bewußtjuden“ waren, haben gewußt, daß es beim Zusammenleben verschiedener menschlicher Gruppen auf die Wahrung der erforderlichen Distanz ankommt. In der Zeitschrift ״Hochschule und Ausland“, Herausgeber Dr. Adolf Mörsbach, vom Dezember 1033 ist ein Aufsatz von Dr. Ernst Deißtnann ״Deutschland ־- von England aus gesehen“ enthalten. Darin heißt es u. a.: negative und Haltung führen. Damit macht man sich das l’roblrni ״Wer die Wirkung dieser Dinge richtig her sen: E.in einziger prominenter Artikel o.Fr Jk eiti aut der thiüptsHte abge.lnickter ״Letter bekannten Knglärid׳ rs wiegt scliwerer. als di Kmigrante Tu in de Hm Kngdas Treidunkelt ■J. R.״) die Judenfrage •beml. Der K es sich leisten, da die englisch!■ Erziehung und starre Tiadiiion liehen I.mm 1-׳!e in:; und Regelung gegenüber eia mißtrauisches Ablehnen. Daher die ungeheure Bedeutung der pnvaten Initiative auf allen Gebieten des nationalen I.clvns 111111 eins Zunicktreten der staatlichen Macht. Daher ״her auch die Ablehnung gegemilxer dem deutschen Bestrehen, gerade z. tl. in der Judenfrage, durch eine svstematbche Gesetzgebung unter bewußter Inkaufnahme von Harten im LmzcUall ein Prinzip von Staats wegen einheitlich durchzuführen.“ Juden und Wohltätigkeit Die Zeitung ״Fränkisches Volk“, Würzburg, votri 7. ti) enthält nachstehende Notiz, unterzeichne! L. Mark: ״Volksgenossen? In seiner gestrigen Ausgabe bringt der ,,Tränlösche Kurier“ eine Notiz unter d!׳m Motto; ,.Als deutsche Volksgenossen haben geopfert“, eine Aufüeikmp von Stiitern feir die. Winterhilfe, ln dieser Aufstellung befinden sich die -Namen einer ganzen Reihe Juden. Wir protestieren (lag.׳g!n. daß* die Juden Wir wollen nicht darüber polemisieren, ob der Verfasser der erwähnten l iste recht daran getan hat, die jüdischen Spender unter den Begud'i (kr ״Volksgenossen‘‘ ciii/iireihen. teiiigt haben, als um den < inimlsatz der Näeiisfenliebe und gegenseitigen 1 lilfe zu befolgen, der seif |:ihrlaüscnüeu von den Juden aller Länder hoehgehalten worden ist. Aus dem Apotheker ״ Stande Das amtliche Organ der Standes:• eniemsclinft Deutscher Apotheker ״Der d e 11 t s e 11 <■ Apotheker“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 13. 12. einen Aufsatz ״Judas Ende?“ In diesem Artikel wird u. :1. die [־'ragtgestellt, warum der Bauernstand frei von indischen! EinliuIS geblieben ist Als Gründe werden angeführt: Der Verfasser scheint nicht zu wissen, daß die Eiltfcrimng der Juden aus der Landarbeit durchaus keine freiwillige war, sondern ein geschichtlicher Vorgang, der gegen das Willen der Juden cingeleifet worden ist. Heute streben die besten Kräfte des jüdischen Volkes zur Bau ernarbeit zurück, 7. ii. in Palästina. - - Ina weiseren Verlaufe des Artikels wird dann behauptet, dal! jüdische Apotheker betrügerische Handlungen im großen Stile verübt haben: Es mag .Mißstande auch unter jüdischen .Apothekern gegeben habet! und gelten. Diese jedoch generell mit dem Rasscnproblem tu Verbindung /!! b:i!tgen, ist eine VYrallgcmeinerung, die durch die Tatsachen nicht gerechtfertigt sein dürfte. Antisemitische Reklame Die arischen Textil-, Manufaktur- und Schuhwnrcn-Gcsefläfte in Treptow (Regt!) halten eine Wurfsendung an alle Haushaltungen versandt, in der folgendes gesagt wird; Es ist bedauerlich, daß aus Gründen der gcschäft« liehen Konkurrenz in dieser Weise agitiert wird. Die letzten Verfügungen maßgebender Stellen lassen erhoffen, daß die zuständigen Instanzen derartige Reklaiiieniethoden ent« sprechend überwachen werden.

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