Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 99 (12.12.1933)
- Date
- 1933-12-12
- Page
- Seite 944 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 942 jüdische Rundschau Nr. 99, 12. XII. 1933 eines Nidifzionlsien ״Norderney ist judenfrei" Wir erhalten folgende Zuschrift: Staatliches Nordseebad N orde rnev Betrlebsges. m. b. H. Norderney, den 6. Dezember 1933. Schriftleitung der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Die Badeverwaltung Norderney hat die am Kopf dieses Schreibens aufgeklebte BriefverschluBmarke an fertigen lassen und sie der Einwohnerschaft Norderneys für ihren Briefverkehr zur Verfügung gestellt. Durch den Text der Verschiußmarke wird einwandfrei ausgedrückt, daß jüdische Kurgüste auf Norderney nicht erwünscht sind. Sollten Juden trotzdem versuchen, in kommenden Sommer ln Norderney unterzukommen, so haben sie selbst die Verantwortung dafür zu tragen. Bei vorkommenden Reibereien müßte die Badeverwaltung im Interesse des Bades und der anwesenden deutschen Kurgäste die anwesenden Juden sofort von der Insel verw'eisen. Wir bitten Sie, in Ihrem Leserkreise durch entsprechende Hinweise in Ihrer Zeitung aufklärend zu wirken. Staatliches Nordseebad Norderney Betriebsgesellschaft m. b. H. Auf dem Briefkopf ist die Verschlußmarke mit dem Text ״Norderney ist j 11 d e ת f r e i“ angebracht. Wir glauben, daß die Verwaltung nicht dazu genötigt sein wird, die aai'cdrohten Maßnahmen zu ergreifen. Kein selbstbewußter Jude wird einen Ort betreten, der ihm in so brüsker Form die Gastfreundschaft verweigert. ״Umgang mit Juden" ln der ״D euts e h e n W nclicn scha 11“ vom 9. Dezcmher steht ein Aufs,״ :/)!־Umgang mit Juden“, in dem es u. a. wie folgt heißt: ״Kein Mensch verlangt, daß die Juden mißhandelt und ihre Fensterscheiben eingeworfen werden sollen, niemand hat veranlaßt, daß man ihnen etwa Salzsäure statt Schokolade in deutschem Gaststätten versetze, und wie sich sonst unserer .Meinung völlig entgegengesetzt der kleine Moritz modernen Antisemitismus vorstellt. Wir gchenmit Juden korrekt, aber ohne j r d 1׳ s Interesse und ohne jede Wfi r m e ,gegenüber einer Rasse um, die namenloses Unglück über unser Volk brachte. Es ist bedauerlich, daß Kreise, die hinter ״ehemals jüdischen“ Blättern stehen, heute in anderer Richtung, nämlich moralischer Rehabilitierung und Gleichberechtigung der Juden, wirken wollen. Wir protestieren dagegen, daß uns hier ganz liesing, Hesing da ein jüdischer Erzähler, dort eine jüdische wissenschaftliclie Autorität, hier der Brief eines jüdischen Tenors vorgesetzt wird, oder wehmütige Schilderungen ihres Emigrantendascins. Wir wollen auch nicht, daß jüdischen Geldleuten Gelegenheit gegeben wird, nach wie vor jjanz groll Kasse zu machen, während weniger gerissene Nazis in den Mond gucken; liier ist allerdings persönliche Tüchtigkeit und Energie entscheidend. Beim gesellschaftlichen Leben dieses Winters werden die Angehörigen der Nationalsozialistischen Partei jede Gemeinschaft mit Kreisen rassisch uns zuwiderer Menschen zu vermeiden wissen. W i r werden auch jeden verdammt schief ansclien.der etwa mit dem Hakenkreuz im Knopfloch bei Moses Eierschlamm Weihn a c h t s ei n k ii u f e 111 a c!1 e 11 will.Es geht nicht an, daß hier in Deutschland — Gott sei Dank bisher nur an einzelnen •Stellen — gedankenlos und charakterschwach mit jüdischeu (ientlenien vom Kurfürstcndamm Bridge gespielt und Cocktails getrunken werden, während man sich an offizieller Stelle ohne übermäßige Betonung, jedoch mit natürlicher Selbst- Verständlichkeit weise Zurückhaltung auferlegt. Wir Deutsehen müssen es lernen, ohne Geschrei, ohne Befehl, ohne V e r e i n s p h r a s e n einen Geist allgemein wirksam zu machen, in dessen B e f o 1 g u n g d i e 1? c w e g 11 11 p z 11 r L a w ine wurde, und eine M c 11! o d e zu ü b e!1, <1 e r e 11 stille Befolgung ger a d e g e g e 11 uns bisher an d e r e n Vö lkern größt e n Erfolg gebracht hat.“ ״Jüdisches Spitzbubenvolk״ Die Zeitung ,,Der Gesellige“ in Schncidemühl veröffenflichte am 2. 1 Dezember einen Aufsatz: ״Neue Aufgaben“ von WilliGm K 11 b e, Gauleiter der Kurmark, ln dem Artikel berührt der Verfasser u. a. auch die kirchlichen Auseinanderst•(ziingen und verweist auf die Notwendigkeit eines praktischen Christentums, ln diesem Zusammenhänge stehen folgende Ausführungen: ״l's geht nicht um den König David in Juda oder um Moses und diu I’rophel! n, cs iglis nichi um die einwandfrei nachgcwiescnm Silben!״-lisiiihlc des jüdischen G.mncrvolkes in Aegvpten. nicht um die Ortt׳.׳id>w!.irb1.11,g1*!t Josephs oder um die Erbschlcirhf r1׳i Jakobs: das hat mb Religion nichts zu tun. Die Geschichte des j iid i 5 e h c n S p i t?, 1) u b c n v 0 1 k c s hat auch mit unserem inneren Verhältnis zum Herrgott nicht das geringste zu tun.“ Die Ablehnung des Alten Testaments als eines ״fremdvölkischen“ Erzeugnisses kann als Ausdruck eines radikalen Willens zur geistigen Autarkie verstanden werden. Warum sie aber mit Beschimpfungen des als fremd empfundenen Kulturvolkes verbunden sein muß, äst in keiner Weise verständlich. Judenfrage als Prüfungssloff In der Zeitschrift ״Deutsche Justiz“ (Amtliches Organ des Reichsministcrs der Justiz und des Preußischen Justizministers), Nr. 51 vom 8. 12. 33 findet sich in der Rubrik ״Juristischer Biichertiseh“ eine (nicht Unterzeichnete) Bespreenung des ״Handbuch der Judenfrage“ von Theodor Fritsch. Das Buch wird ״das grundlegende Hauptwerk der antisemitischen Bewegung, das Vorkämpfer und Wegbereiter der Nationalsozialismus war“, genannt. In der Besprechung heißt es, die Bedeutung des Buches liege ״nicht nur auf allgemein staats-, kultur- und wirtschaftspoutischem Gebiet, sondern darüber hinaus einzig dastehend auf dem Gebiete der deutschen Gesetzgebung und Rechtspflege“. Der Verfasser fährt fort: ״Seit der Einwanderung der Juden in deutsche« Land hat wohl jeder Deutsche ohne Unterschied seiner Lebensstellung zu allen Zeiten instinktiv den rassenmäßigen and damit auch geistigen Unterschied zwischen sich and dem Judentum mehr oder minder empfunden, allein das Erkennen der wahren Ursachen war nur wenigen beschiedon. Das Handbuch — das seit 1SS7 bis heute 84 Auflagen erlebt ht»t — bringt nun so umfangreiches ur>d Interessantes Geschirhtsmaterial. daß die klare Erkenntnis der alten drohenden Gefahr des Judentums für das deutsche Volk jedem offen bat wird und nach dem nicht mehr verborgen bleiben kann, der selbst heute noch aus ,Humanität* oder gar aus ,geistiger Selbst- Überschätzung* den völkischen Grundlagen des Dritten Reiches 8blehnend gegernibcrsteW* Beweisführung ist dabei so einfach und ״Die größte und konzentrierteste Leistung des Judentums seit Generationen“ Paläsflna-Reisc in der ״C.V.-Zeitung“ vom 7. d. M. faßt Dr. Friedrieh Brodnitz, Mitglied des Hauptvorstandes des C.V. und des Initiativ-Komitees für die Jewish Agency, die Ergehnisse seiner Palästinareise zusammen. Dr, Brodnitz, der unseren Lesern als einer der aktiven nichtzionistisehen Förderer des Palästina-Werkes in Deutschland bekannt ist, ist kürzlich von einer Palästinareise zurückgekehrt und es darf wohl vermutet werden, daß die früher in der ״C. V.- Zeitung“ ohne Namen veröffentlichten Reiseberichte (s. die Zitate in ״Jiid. Rundschau“ Nr. 89) ebenfalls von ihm stammen. In dem vorliegenden Artikel wirft Dr. Brodnitz zuerst die Frage auf: ״Kann Palästina eine Lösung der praktischen Frage der Juden bringen; oder, konkreter gesprochen, wird Palästina in «len nachsfrn Monaten so viele derjenigen deutschen Juden, die auswandem wollen oder müssen, aufnehmen, daß dadurch das WirtschaftsproHi'm der bereits in andere Länder aticgewanderten und dort noch nicht (ungeordneten deutschen Juden und der ia Deutschland verbleibenden eine fühlbare Entlastung erfahren kann?“ Diese Frage wird von Brodnitz negativ beantwortet, da die Zahl der Zertifikate bei weitem für die Anwärter nicht ausrekhen und die Einwanderung auf ״Touristen- Visum“ in Zukunft verschlossen sein dürfte. Trotzdem ist Brodnitz der Ansicht, daß ״wir auch weiterhin unsere ganze Kraft daran setzen müssen, einer möglichst großen Zahl auswanderungsbedürftiger deutscher Juden nach Möglichkeit hier eine wirtschaftliche Grundläge zu erhalten.“ Brodnitz beschäftigt skli dann mit der Frage, wem zur Uebersiedlung nach Palästina zu raten sei und erörtert die Erfordernisse, die wir bei unseren Lesern aus zahlreichen Artikeln der ״ J, R.“ als bekannt voraussetzen (körperliche Eignung, Arbeitsfähigkeit, Anpassungswilligkeit, Kenntnis der Verhältnisse, I lebraisierung usw.); besonderen Nachdruck legt Brodnitz auf den Willen, sielt der werdenden jüdischen Gemeinschaft vorbehaltlos ein /!!gliedern im Bewußtsein, für die geopferten alten Gewohnheiten etwas Großes einzutauschen. Der letzte Abschnitt des Aufsatzes endlich behandelt die Frage: ״Was bedeutet Palästina für die deutsehen Juden?“ Diesen Schlußteil der Ausführungen geben wir nachstehend im Wortlaut wieder, weil sie uns als Bekenntnis eines führenden Nichtzionisten bemerkenswert erscheinen: ״VVus kann cs für den uns nahestehenden (gemeint sind offenbar die nichtzionistischen C.Y..Kreise — A. d. Red. ״J.R.“) Teil der deutschen Juden sein, die in Deutschland nicht nur bleiben müssen, sondern auch wollen? Wer, wie wir es taten, aus der Arbeit, für das deutsche Judentum heraus aut die Reise nach Palästina ging, tun sich, zuniokqekehrt, wieder mit allen seinen Krii[- ten in den Dienst der Aufgaben hier zu stellen, wer an keinem Tag dieser Reise von der Porge um die Menschen daheim losgelassen wurde, der hat, glaube ich, ein Recht, auf diese Frage eine Antwort zu gehen, die, jenseits aller Partei»« schauungen allgemeinere Gültigkeit beanspruchen d a r f. Es wird auch heute vielleicht Icicliter sein, Verständnis zu finden, wenn die Antwort vorbehaltlos bejahend ausfällt. Gibt es doch kaum noch einen unter uns, der nicht einen nahen Angehörigen oder Freund drüben hat. Er erlebt jetzt auf einmal. durchschlagend, daß jedes Gegenargument sich selbst erledigt ... Zahlreiche Themen des Handbuches sind seit dem Sommer dieses J,ihres wiederholt zum Gegenstand der mündlichen Prüfung im großen Staatsexamen gemacht worden. Die dabei gesammelten Erfahrungen haben gelehrt, daß der junge juristische Nachwuchs das eingehende Studium der Judenfrage ganz besonders nötig h s t. wenn er den heutigen An'ordertingcn gerecht werden will, die Volk und Staat an ihn stellt.“ Theodor Fritsch’s ״Handbuch“ Ist nach unserer Meinung keine objektive Einführung in die Judenfrage. Wenn Themen, die mit der Judenfrage Zusammenhängen, wirklich Priifungsstoff beim Staatsexamen werden, so müßte der Wunsch ausgesprochen werden, daß auch andere Quellen zum Studium herangezogen werden. Christliche Symbole in jüdischen Geschäften Die Kre-isamtsleitung ■der NS-Hago in Stettin veröffentlicht lt. ״Voss. Zeitung“ vom 9. Dezember eine Bekanntmachung, wonach im Hinblick auf die Einstellung weiter Bevölkerungskreise zum bevorstehenden Weihnachtsfeste alle nichtchristlichen Firmen ersucht werden, hei Dekorationen und Geschäftsreklame die Verwendun g v o n chris!liehen Symbolen und Kultgegenständen, z. R. Krippen, Kreuzen, Adventssternen, Darstellungen biblischer Figuren, EngelmltSprii eher! usw. zu unterlassen. Dasselbe gilt auch für den Verkauf dieser Gegenstände. Dieses Ersuchen gilt weiter auch für dieKonfirmation undfürOstern, also auch für den Vertrieb von Gesangbüchern. Hollands Nationalsozialisten gegen Rassenunterschiede. Der Führer der ״Nationalsozialistischen Beweging in Nederland“ (NSB.) wiederholte, einer Darstellung der Berliner Zeitschrift ״Der Rin g“ zufolge, kürzlich auf den zweiten Parteilandtag die Ziele dieser Bewegung. Er betonte, daß an Stelle der inneroolitisehen Zerrissenheit wieder die nationale Verbundenheit aller Niederländer, ohne Unterschied von Beruf, Rasse und Religion treten müsse. Rassen- und Religionsprobleme würden von seiten der Partei nicht zur Diskussion gestellt. (Hiervon zu unterscheiden ist die NSNAP., die nach deutschem Muster organisiert und auf das deutsche Programm festgelegt ist. Zu ihren Mitgliedern gehören aber nur in Deutschland arbeitende Holländer.) K. T. Zu derselben Angelegenheit wird uns unter Bezugnahme auf die Notiz ״Holländischer Antisemitismus“ in Nr. 98 der ״Jüdischen Rundschau“ von einem christlichen Holländer, der selbst Gruppenführer der ״Nationalsozialistisclien Bewegung“ (NSB) ist, mitgeteilt, daß die in jener Notiz erwähnte Nationalsozialistische Niederländische Arbeiterpartei (NSNAP) nur im Ruhrgebiet etwa 1200 Anhänger besitzt. Die NSB, die nach den Angaben unseres Gewährsmanns in Deutschland etwa 40000 Mitglieder zählt, leb nt den Antisemitismus ab und nimmt auch Juden als Mitglieder auf. Uns liegt ein Werbeblatt dieser Partei vor, in dem es in der Tat neißt, daß ״Arbeiter, Bauern, Studenten, Intellektuelle, Katholiken, Protestanten und Juden, usw. in der NSB in bester Harmonie vereinigt seien“. wa* er früher aus theoretischen Erwägungen heraus bestritt, daß er selbst weiter sein!,eben als deutscher Jude bewußt und mit Willen führt und doch plötzlich in eine enge persönlich« Be- Ziehung zu dem jüdischen Aufbauwerk getreten ist. Er merkt, daß cs kein Widerspruch zu sein braucht, zu seinem Schicksal und Leben hier ja zu sagen und doch sich mit den Menschen und den Taten in Palästina aufs festeste verbunden zu füllten. Es hat mit dem Streit der Anschauungen über das Wesen und die Richtung des Judentums nichts zu tun, wenn man anerkennt, daß das, was in Palästina geschaffen wurde, die größt« und konzentrierteste Leistung darstellt, die das Judentum seit Generationen hervotge bracht hat. Mag man die Rolle, die Palästina im Rahmen der Lösung der praktischen Frage der Juden, und besonders der deutschen Juden, in den nächsten Jahren spielen wird, noch so vorsichtig beurteilen, so kann ich mir eine ernsthafte Diskussion der Judenfrage nicht mehr vorstellen, die das jüdi. sehe Werk in Palästina als einen der bedeutend, sten Faktoren nicht mit berücksichtigt. Wo der einzelne unter uns auch stehen möge, welchen Weg er für sich und seine Nachkommen auch zu gehen gewillt ist, für jeden muß es eine Stärkung und Hilfe sein, zu wissen, daß hier Opferbereit- Schaft, Einsatz des Lebens und jüdisches Menschentum ein Werk geschaffen haben, «las der ganzen Welt als jüdisch« Leistung Staunen und Bewunderung ab nötigt. Daß Schwierigkeiten, daß Gefahren dieses Werk oft bedrohen, dürfte für uns deutsche Juden von heute kein Hindernis sein, uns ihm zu nähern. Verbundenheit, und zwar tätige, nicht de. klamatorische, mit dem jüdischen Palästina sollte gemeinsame Sache aller Juden sein, gleichgültig, wo sie stehen. Ich gestehe offen, und mit diesem persönlichen Bekenntnis sollen diese Betrachtungen geschlossen weiden, daß es zwei Dinge sind, deren Erletzen die Kraft geben kann, in täglichem Ringet! die Arbeit um die Existenz und die innere Behauptung der Juden hier in Deutschland durch alles Schwere und alle Sorge, durch alle Not und alles Bedrückende hindurch weiter zu führen: Das erste ist die ruhige Kraft und Sicherheit, mit der die besten Teile des deutschen Judentums, mit der die Besten der jüdischen Jugend aus dein Schicksal dieser Tage den Anstoß zu Aufrüttelung und innerer Erneuerung, zu würdiger Selbstbehauptung und jüdischer Ncuge.-ta!- tung in Deutschland nehmen. Und das zweite, die ruhige Kraft lind Sicherheit, mit der die Besten des jüilischcn Palästinas, unbekümmert um Konjunktur und Rückschläge, jüdisches Leber! gestalten und leben.“ (Sperrungen von uns. — Red. ״J. R.") Wir wünschen diesen Ausführungen, die zugleich ein persönliches Bekenntnis sind, nichts hinzuzufügen. Aber soviel sind wir verpflichtet zu sagen: Wenn heute ein Repräsentant des C. V. in der ״C. V,-Zeitung“ über das in Palästina Geschaffene und seine Bedeutung für die Zukunft des Judentums in dieser Weise urteilt, dann sollte nicht vergessen werden, daß die Zionisten aller Länder durch ihre unbeirrte Arbeit, bei der sie gegen sehr viel Unverständnis im eigenen jüdischen Lager zu kämpfen haften, diese Leistung ermöglicht haben, und daß es darauf ankommt, auch heute — unter allen wechselnden Konstellationen und Konjunkturen — mit aller Intensität und unbeirrt für dieses Werk einzustehen. Darum ist trotz der ungewöhnlich warmen Sympathie, die uns hier aus dem nichtzionistischen Lager entgegenströmt, die Entscheidung des jüdischen Menschen zum Zionismus das Wesen'IHie, worauf es uns an kommt. ״Selbsthilfe" gegen Wohnungsnot Unser palästinensischer gl.-Korrespondent berichtet: Die — von der ״Jüd. Rundschau*1 wiederholt geschilderte — Wohnungsnot und die Preissteigerung der Mieten ist eines der brennendsten, immer fühlbarer werdenden Probleme Palästinas, besonders Tel-Awiws. Die folgende Geschichte, die einigermaßen grotesk wirkt, zeigt mit einem Schlaglicht, zu welchen Resultaten die steigende Spekulation führt. In der Nähe von Tel-Awiw lag eine Bodenfläche, die einem ägyptischen Juden gehörte. Sie lag brach, wurde weder landwirtschaftlich noch für Bauzwecke ausgenutzt. Als die Wohnungsn-ot immer höher stieg, entdeckte ein findiger Kopf dieses Areal und es dauerte nur wenige Tage, da war die Gesamtfläche ״verteilt“ und es entstand hier eine Baracke nach der andern. Jetzt stehen dort 300 Baracken, sämtlich von kleinen Leuten, die nicht mehr wußten, wie sie die Miete erschwingen sollten und einfach auf den Boden gingen und sich hier einrichteten. Sie haben ein leitendes Komitee des Viertels gewählt, kümmern sich um Wasser und sanitäre Einrichtungen und diese Siedlung hat auch bereits einen Namen. Der Volkswitz hat sie ״Schchunath Chapp“ getauft (Schchuuah —- Viertel, Chappen — zupacken, erwischen). Natürlich ist mit der Aufstellung dieser dreihundert Baracken und der Namengebung die Sache keineswegs zu Ende. Der Besitzer ist unterdes gestorben und die Erben versuchen natürlich, die Maschine des Oesetzes gegen diese Aneignung fremden Eigentums in Aktion zu setzen. Und ihre juristischen Argumente sind natürlich sehr stark. Der Fall der ״Sciichunath Chapp“ zeigt jedoch, daß in der Wohnungsfrage gründlich und großzügig durchgegriffen werden muß, sonst mfassen die Leute einfach 2ur Selbsthilfe greifen, wenn ihnen kein anderer Weg bleibt. Die Oeschichte jeder europäischen Groß- Stadt lehrt die verheerenden Folgen des Mictswucliers, das Elend, die soziale Not und die hygienischen Schäden, die dadurch angerkhtet werden. Man sollte ihnen in Palästina von vornherein keine Entwicklungsmöglichkeiten lassen. ״Ein deutscher Kliniker“. In der ״Vossischen Zeitung“ vom 10. Dezember wird unter der Uebcrschrift ״Fortschritte für Zuckerkranke“ der ״Experimente des deutschen Klinikers Minkowsky“ rühmend gedacht. Hierzu übersendet uns ein Leser den Hinweis, daß der deutsche Kliniker Minkowsky Jude war und aus Rußland stammte. Auszeichnung eines jüdischen Arztes. Dr. Max Böhm, Berlin, ist von der Britischen Orthopädischen Gesellschaft bei ihrer Jahresversammlung in Edinburgh einstimmig zum Ehrenrnitglied ernannt worden. Keine Nlditarier auf Reit- und Fahrturnieren. Durch eine Verfügung des Preußischen Ministeriums des Innern ist in Zukunft für Nichtarier das Auf t reten als aktive Reiter oder Fahrer auf Tur• nieren nicht mehr zulässig. Als Besitzer von Tur- «ierpferden sind Nichtarier keinen einschränkenden Bes timmungen unterworfen. __ Berichtigung. In das Gedicht von Karl Wolfskehl ״Auf* bruch! Aufbruch!“ in Nr. 96 der ״J. R.“ hat sich ein Schreibfehler eingcschlichen. Es muß in Strophe 3, Zeile l heißen: ,.Aufbrechen todesstolz zu Zeugenschaften“ (nicht »zeugten schafften“).