Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- Seite 922 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 920 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 8. XII. 1933 Musik und Tanz in Palästina Heges Kunstleben Von Manfred O ei s Tel-Awiw, 1m November 1933 Tanzabend Deborah Berfonoff Vor ein paar Jahren tauchte bei irgendeiner jüdischen Veranstaltung in Berlin ein junges Mädchen auf, fast nach ein Kind, mit schwarzem Haar, weißer Bluse, blauem Röckchen, in der Hand jenes bewußte Köfferchcn, das unentbehrliches Requisit jeder Tanzschülerin war, huschte furchtbar eilig durch den Saal in das Kiinstlerziinmer und wurde dort vorgestellt: Deborah ßertonoff. Sie tanzte damals den Bettlertanz aus dem ״Dvbuk“ nach Engels Musik, das heißt, sie tanzte die Tänze aller, die sich im Dvbuk nach dieser Musik bewegen. Man sah die Lea, den Blinden, den Lahmen, ein Dutzend Menschen im Ablaut wenigt'T Minuten, getanzt von einem Mädchen, dessen Technik zwar noch mangelhaft war» dessen Begabung und Künstlertum aber nach dieser Probe fest stand. Heute, »ach etwa 3 Jnhren, steht Deborah Berfonoff, inzwischen erwachsen geworden, auf der Bühne Tel-A\vi\vs, eine fertige Künstlerin mit einen! Programm von 11 Tänzery, in dem nicht eine Nummer schwadi ist, und reißt das sonst mit seinen Reifallskimilgehnngen so s ehr geizende Tel-Awiwer Publikum zu einer Begeisterung hin, wie man sie stärker in einem hlesigen Theafei raum nicht oft verzeichnen kann. Die Bertonoff war in Berlin Schülerin der Gruppe Triimpv- Skoronell (das Andenken der letzteren ist unvergessen). Es ist zweifellos schwer, sie einem bestimmten Tänzer-Genre einztigliedern, und ebenso zwei lellos wird ein Teil ihrer protessioncilen Kolleginnen ihr das Tänzerische absprechen wollen. Als wühle die Bertonoff das voraus, beginn{ sic mit einen! Tanz, in dein sie nichts weiter zeigt als Sprünge, unter Beweis stellt, (lall sie virtuos über Bewegungstechnik verfügt und im einfachen Trainmgskos'üm ihre Korpcrbeherrschung zur Kritik stellt, die im spateren Programm ausschließlich den Figuren dient, die sie zu schaffen wimseht. Ls gibt bei der Bertonoff über nicht eine einzige tänzerische Figur eine Unklarheit, man weiß in jeder Sekunde, in der sie auf der Bühne steht, genau was sie will. Nichts Verschwommenes, Verstiegenes, dafür eine ungeheuere, bezwingende Kraft der Mimik und ausgeprägtesten Sinn für das Groteske, ohne mit diesen Gaben Mißbrauch zu treiben. Hm* ernsten Themen ״Dämon“, ״Werwolf“, ״Arbeitsloser", schaffen ebensosehr die dramatische Atmosphäre, wie ihre grotesken jüdischen Tänze (in denen sie manchesmal ihren Vater, den bewahrten 1 labima-Schauspielcr ein wenig zu parodieren scheint), das Vereinigen des Publikums in solchem Maße hervorrufe»!, daß sie dieselben zum zweiten Male zeigen muß. Das Bestreben, eine Anzahl von Charakteren in einen! Tanz, zu zeigen, hat sie bis zur Vollendung ausgebaut und macht davon weitgehendsten Gebrauch in ״Typen auf einer jüdischen Hochzeit״. Ihr ״Maschinentanz*‘ hat nicht die Schwere, wie wir sie bei Verwendung des gleichen Themas von anderen Gruppen her gewohnt sind. Sie zeigt eine lustige .Maschine, die gut geölt, mit Leichtigkeit und etwas Ironie ihren Dienst versieht. Den wesentlichen Teil der Musikstücke komponierte eigens für dieses Programm Carl Salomon, am Klavier begleitete einfühlsam Sara Golantl. Die Kostüme entwarf Genia B e r - g e r mit jenem künstlerischem Geschmack und Können und mit jener Diskretion, die man ״ach ihrer ״Dreigroschen-Oper“-Ansstattung von ihr erwarten konnte. Palästinensisches Symphonie - Oreheste» Einige schüchterne Versuche, in Palästina ein Symphonie- Orchester zu schaffen, sind teils infolge Mangel an Spielern für bestimmte Instrumente, teils infolge Organisationsfehlern _gescheitert Nunmehr hat sieh ein neues Orchester konstituiert, dem der ״\X'aad Halnrbufh" eine wirtschaftliche Basis geschliffen hat und von de:״ man hoffen und wünschen darf, daß cs einen I irrigen Bestand haben wird. Leiter ist j. D. Jacobson, drei Jahre Dirigent der füg,1er ('per, vier Jahre musikalischer Leiter der Münchener Kammcrspifle, Scluiier von Humperdink und Rimsky-Korsakow. Jacobson hat es fertiggebravht, ein Orchester von 32 Mann zusammen/i!stellen, in dein alle Instrumente vertreten sind, die für die jeweils misgefuhrlcri Programme benötigt werden. Ein wesentlicher Prozentsatz von Musikern wird von den aus Deutschland komn: enden Juden gestellt. Konzertmeister ist Par neß, ehemaliges .Mitglied des Orchesters Michael Taube. Unter den Musikern befinden sich auch sechs Englinder aus der englischen Militär- bzw. Polizeikapelle, die von den Behörden zur Anteilnahme an Proben und Konzerten dispensiert werden. Man beabsichtigt, nach dem großen Interesse, das den ersten Konzerten entgt'gcngebracht wurde, etwa alle sechs ,Wochen ein neues Programm herauszubringen und den Musik- Körper wesentlich zu erweitern. Es besteht der Plan, in Kürze Beethovens Neunte mit großem Orchester und Chor (für den die hebräische Uebersctzung bereits geschrieben ist), auf- Zufuhren. Der füdische Lichtbildner Ei» Aufruf za organisierter Tätigkeit Die nationale Regierung in Deutschland hat sehr viele Gebiete des Wissens und der Kultur, die in früheren Zeiten keineswegs das Interesse der führenden Männer erringen konnten, mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Wer die Ausstellung ״Die Kamera“ besucht hat, der konnte sich in des Wortes wahrster Bedeutung ein Bild davon machen, ln zielbewußter und in bisher noch nicht gesehener Weise hat die Staatsführung die Liehttiildkunst in dem Dienst der nationalen Aufgaben gestellt. Dabei w1׳'rd durchaus nicht dem Berufs- Photographen und dem Reporter eine Monopolstellung zu gewiesen, *sondern der Reichspropagandaminister und seine Mitarbeitcr wenden sich mif denselben Forderungen an das große Heer der Liebhaberphotographen. Während bisher sich die Betätigung des Amateurs in den weitaus meisten Fällen damit erschöpfte, Erinnerungsbilder zu erhalten und auch die Fortgeschritten en sich bei Blumenstilleben und ״kleinen Sachen groß gesehen1"־ zu zersplittern drohten, so wird jetzt der großen Masse, der die Photographie eine liebe Beschäftigung geworden ist, ganz andere und viel wesentlichere Aufgaben zugewiesen. Man könnte fragen, ־warum diese Tatsachen gerade jetzt auch für den jüdischen Amateur von Wichtigkeit sind, wo doch dessen Mitarbeit auf diesen Gebieten nicht gewünscht wird. Denn der neugeschaffene Amafeurverband hat den Arier- Paragraph eingeführt und — wenigstens ist das meinen Freunden und mir so ergangen — den jüdischen Mitgliedern der alten photographischen Vereine nahegeiegt, freiwillig auszutreten, uni einem Ausschluß zuvoraikommen. jeder selbstbewußte Jude wird sich diese Frage schnell beantworten. Es &bt Ja für den jüdischen Lichtbildner ganz Es ist damit zu rechnen, daß auch die materielle Seite des Orchesters eine gefestigte bleibt, wenn das künstlerische Niveau mindestens die Basis hält, mit der man begonnen hat, und wenn das Interesse des musikliebenden Publikums unvermindert stark bleibt. Das erste Programm brachte »,Mendelsohns Ouvertüre zum Sornmernachtstraum“, ״Das fünfte Brandenburgische Konzert“ von Bach und ״die Vt. Symphonie (Pathetique) von Tschaikovsky“. Am einheitlichsten wirkte Tschaikovskv, eien Jacobson mit viel Hingabe dirigierte. Der Bach hingegen gelang nicht ganz. Besonders lag das daran, daß die Besetzung der Solisten nicht ausreichend war. Zumal die Flöte, die bei diesem Konzert eine wichtige Roll« spielt, war kaum zu hören. In der ,,Sam* mernachtstraum-Ouverture“ klangen die Bläser itn Vergleich zu den Streichern zu schwach Und nicht ganz rein. Wenn man jedoch in Betracht zieht, daß hier ein neues Ensemble unter recht schwierigen Umständen zum ersten Maie eine Probe seines Könnens ablegte, so war das Ganze eine hochanständige Leistung, und man darf auf die weitere Entwicklung außerordentlieh gespannt sein- Franz Osbora Wenige Tage nach dem Konzert des Symphonic-Orrhesters hatte man die große Freude, Franz Osborn am Klavier zu hören. Auch dieses Konzert fand vor vollbesetztem Saal statt. Ein neuer Beweis, daß die kulturellen und künstlerischen Bedürfnisse der Stadt Tel-Awiw Schritt halten mit ihrem Anwachsen. Wo in aller Welt wäre es sonst noch möglich, daß in einer Stadt von 80 000 Einwohnern fast jeden Abend in vorsehiedensfen Sälen Tausende und Abertausende von Menschen künstlerischen Darbietungen lauschen. Osborn hatte eine hohe Meinung-von seinem Publikum und machte, weder in bezug auf Zusammenstellung des Programmes, noch auf künstlerische Gertn'tnng irgendwelche billigen Kon- Zessionen. Der stürmische Erfolg, der ihn zu wi cclerholten Zugaben zwang, gab ihm recht und gereichte dein Tel-Awiwer Publikum zur Ehre. Man hörte ״Chromatische Fantasie“ von Bach-Busoni, ״Sonate F-M0I1 Opus 5“ von Brahms und ״Bilder einer Ausstelhing“ von MussoTgskv. Man bewundert an Osborn wieder die virtuose Technik und die seelische Hingabe, mit der er seinem Werke dient. Die zehn ״Bilder“ ״malte“ er wirklich und man spürte derer! Ernst wie ihre Heiterkeit fast plastisch. Osborn gab auch ein Konzert in Jerusalem und hatte dort einen gleichgroßen Erfolg zu verzeichnen. Ost and West in der Musik Palästinas Von Karl Salomon (Universität Jerusalem). Der Ausbau des Musiklebens ist eine der wichtigsten kulturellen Aufgaben in Erez-Jisrael. Welche Fülle von Stoff! Welche Fülle von Möglichkeiten! Aber auch: welche Fülle von Meinungen! Dieser will nur Niggunnim sammeln, dieser nur rein orientalische Musik für (las Land gelt«! lassen, jener einen europäisch-amerikanischen Musikbetrieb importieren, Zwischen diesen Extremen gibt es unzählige Kompromiß• lösungeri. Man hat alte religiöse Melodien im Stile Mendelssohns vierstimmig gesetzt, mau hat hebräische Texte in einem etwas orientahsierten Mtissorgski-Stil komponiert, man hat jemenitische Wersen mit einer impressionistischen Klavier- Begleitung versehen — immer war es eine mehr oder weniger äußerliche Mischung heterogener Elemente. Eine neue jüclr'sche Musik kann auf diesem Boden ebensowenig wachsen, wie eine neue türkische Musik aus dem ״Türkischen Marsch“ von Mozart oder Beethoven sich hätte entwickeln können. Nun kann man jedoch an der Tatsache, daß eine jüdische Musik orientalisch sein muß, ebensowenig vorübergehen wie an der europäischen Musikgeschichte der letzten Jahrhunderte. Es genügt aber nicht, daß mau orientalische Musik in ein abendländisches Gewand hüllt oder europäische Musik mit ein paar orientalischen Melismen versieht und dabei vielleicht noch orientalische Satztechnik und ■orientalisches Kolorit mit den Mitteln des modernen Orchesters kopiert -- man muß tiefer cindringen in die Formen und den Geist beider Gattungen. Man wird dabei feststellen können, daß sehr viele jüdische Melodien stark an die Musik des Fntstehungslandes assimiliert sind (vor allem sehr viele ostjüdische Melodien sind mehr slavisch a!s jüdisch), daß andererseits in deT westlichen Musik, vor allem in der neueren, formale Elemente der orientalischen Musik festen Fuß gefallt haben. Hier handelt es sich nicht um eine Vermischung, son- (fern um eine organische Zusammen cntwicklung. Und die auf solchem Boden gewachsene Musik scheint mir für das!.and besonders geeignet zu sein. Natürlich soll das nur ein Weg von vielen sein; wir wollen alte jüdische Melodien aller Länder sammeln und pflegen» wir wollen im Rahmen der vergleichenden Musikwissenschaft die orientalischeu Tonsysteme erforschen und lebendig erhalten, wir wollen versuchen, die Werke ■der großen Meister des Abendlandes in möglichst vollendeten Aufführungen wiederzugeben, aber bei allen Wegen müssen wir immer an den Aufbau, an die Zukunft denken. ähnliche Aufgaben zu lösen lind es wird auch für ihn eine große Befriedigung bedeuten, wenn er mit seiner Kunst dazu beiträgt, jüdische Werte festzulialten und im Bilde einem großeren Kreis von Menschen zugänglich 7!! machen, Ich denke dabei an Denkmäler wie alte Friedhöfe der frühen jüdischen Gemeinden, Synagogen und deren Kuitgegenstäiide, an jüdische Patrizierhäuser und auch an das jüdische G es i c h t in Deutschland• Gerade jetzt, wo in Berlin ein jüdisches Museum eröffnet wurde, wird eine solche Arbeit des Einzelnen von ernster Wichtigkeit für die Gesamtheit sein können. Es kann eine sehr wesentliche Ergänzung der Museumswerte durch den jüdischen Lichtbildner geschaffen werden. Aber der Einzelne wird es doch nicht zu letzten Erfolgen ■bringen, wenn er sich nicht mit Arbeitskameraden beraten und seine Erfahrungen austauschere kann. Leider sind dem jüdischen Lichtbildner solche Möglichkeiten genommen worden, ganz davon abgesehen, daß das eben timrissene Spezialgebiet nattirlicherweise auch schon früher in den Vereinen kein besonderes Interesse hätte finden können. Diesen Ausführungen wurde deshalb der Untertitel ״Ein Aufruf“ gegeben, weil ich die Ortsgruppen dazu aufrufen möchte, diejenigen Mitglieder, die photographisch interessiert sind, zusammenzufassen. In jeder Stadt wird sich eine Gruppe finden, und es wird gar nicht schwer sein, diese durch Pnatofreunde zu vergrößern. In der ,,!irdischen Rundschau“ werden wir ein Forum haben, wo wir allgemein interessierende Fragen besprechen können. Eine Be- Schreibung von bisher wenig bekannten Zeugen jüdischer Vergangenheit und wie sie aufgeftrnden wurden, wird z. B. auch den nicht photographisch interessierten Leser fesseln, besonders wenn in der Bildbeilage das Lichtbild, das erjagt wurde, b<- trachtet werden kann. Rein technische Fragen werden zweckmäßig brieflich besprochen werden. Dazu stelle ich mich gerne zur Verfügung. Dt. Ri & Mc!0% Mannheim, Seckeahdiner Sfr. (0. Der edle Jude Wer der Mann, der mir unter dem losen Verknüpfungen einer Reise vorgestillt wird, eigentlich ist, weiß niemand za r.agon. Ea heißt von ihm, er schreib© an einem Roman. Bei Gelegenheit kommt ein Gespräch zwischen uns zustande, das ins Politische ausartet und in dessen Verlauf er Grund findet, mir stürmisch zu versichern, er sei ״kein Antisemit“. Zur Bekräftigung fügt er hinzu: ״In meinem Roman lasse ich einen edlen Juden auftreten.“ Soll ich daraus schließen, daß er wirklich ״kein Astisemit“ ist? Wenn ich mich recht besinne, so beginnt die Reihe der edlen Juden in der deutschen Literatur mit Nathan dem Weisen. So «del, wollte 1/cssing seine Zeitgenossen belehren, kann einer sein, der Menschenantlitz trügt, obwohl er ein Jude ist. Der adlige Sinn und der bürgerliche Mut, der im Jahre 1779 dazu gehörte» um den Deutschen dieses Beispiel vor Augen zu stellen, darf unserer ehrfürchtigen Bewunderung immer versichert bleiben. Aber wir wollen doch das ״Obwohl“ nicht überhören. Der grolle Fechter ist nicht allein geblieiren mit seinem Versuch, die weitverbreit etc, gedankenlose und unverantwortliehe Verleumdung durch die erdichtete Gestalt eines ״edlen“ Juden zurückzuweisen. So tritt in dem bürgerlichen Lieblingsroman des 19. Jahrhunderts, in Gustav Freytags ״Soll und Halicn“, der kluge und fein«, moralisch hochstehende junge EhrenIhal auf. Aber er hat einen wucherischen Vater; von dem gierigen Vcitel Itzig ganz zu schweigen. Umgekehrt ist in Fritz Reuters ״Stromtid“ der ulte Moses ״edel“, dafür sein Solin David ein Schurke. Ihren Erfindern gereichen die Gestalten der braven Juden 7.111 Ehre: sie wünschten damit von dem dumpfen Ilaufen der Judenbeschimpfer sich abzulieben und ihre eigene bessere Erfahrung, gewonnen bisweilen aus freundschaftlich vertrautem Umgang mit Juden, vor dem deutschen Volke 7.11 bekenn*;״; auf die G-cfohr hin, sich höchst unbeliebt zu machen und als Judenanhälnger und Judenknechte verschrien zu werden. Die Ehre soll ihnen unbestritten bleiben. Alrer wohl wird uns nicht l>ei diesen Rettungen. ,,Der edle Jude“ ist ein Klischee. Er setzt das Gegenklischec voraus: den luihstichtigen, herzlosen, wucherischen, ausbeutenden Juden. Gibt’s das? YVuruin soll es das nicht gehen, da doch das Menschliche alle Abstufungen zwischen Engel und Teufel umfaßt? Aber von clieser Möglichkeit, unterscheidet sich völlig die Behauptung» der Typus des Juden sei schlecht, Ohne solchen Aberglauben kämen wohlmeinende deutsche Dichter nicht auf den Einfall, dem schlechten Juden den Typus dos edlen Juden entgcpeiizusfeilen. Er will uns gegen Ehrenkrünkung verteidigen lind begeht doch selbst stillschweigend eine Ehrenkrünkung. Wenn in der deutschen Literatur Juden auftreten: können sie nicht einfach als!Menschen angjeschaut und dargestellt werden? Georg Hermann, der Er/iih ler von Je!tehon Geberts Geschichte, gibt uns Frohen davon, wie Juden aussehon, wenn man sie weder feindselig noch apologetisch, sondern einfach menschlich abschildert. Es geht uns schlecht genug. Aber innerlich sind wir in- /.wischen herangereift. Wir blicken nicht mehr um uns, ob uns einer gegen Verkennung und Verunglimpfung in Schulz nimmt» Wir wissen seihst, was wir sind und wofür wir uns zu halten haben. Auf unserer Seite besteht kein Bedürfnis nach der gönnerhaftem Recht fort ־׳ יum; durch den ״edlen Juden“. A1 0 r i t z G o 1 d s t e i n. Die Organisation der jüdischen Arbeit in Palästina. Vor kurzem ist ein kleines Heft: vom ״Heehaluz‘‘ herausgegeben worden (Heft 3 der Schriftenreihe des ״Ilcchahu‘•, Deutscher Landesverband), das sich mit der HMadruth als der Organl* satioti der jüdischen Arbeit in Palästina beschäftig;! Das Lieft stellt für alle diejenigen zahlreichen Menschen, die neu in die zionistische Bewegung eingetreten sind, und be-sonders für weite Kreise der Jugend eine vor/ityliche Einführung in den Problemkreis dar. Die Geschichte der zionistischen Arbeiterschaft in Palästina wird dargestellt, ihre organisatorische Arbeit erläutert und über die einzelnen aktuellen Gegernvarts- Probleme referiert. Die nächste Palästina-Bildbeilage der ״Jüdischen Rundschau“, Dienstag, den 12. Dezember, bringt u. a. eine Gegeniiberstellung von Denkmälern der jüdischen Geschichte trnd dem Wiederaufbau von heute. Durch Verbindung mit dem eben in Tel-Awiw etablierten ״Orient Photo-Büro“ (früher Dreß-Photo, Berlin, Inh. N. Schifrin) ist die ״Jüdisclie Rundschau“ in der Lage, besonders schöne und aktuelle Aufnahmen des bekannten Pressepbotographen Z. Kluger zu veröffentlichen. Das Kunst-Werk, eine Hilfsaktion für jüdische Künstler, veröffentlicht eine Reihe von Kunstpostkarten; die erste Folge wird von Prof. Max Liebermann eröffnet und bringt Arbeiten von Julie Wolfthorn, Eugen Spiro und Ra lud Szalit. — Jüdische Organisationen, Buch- und Kunsthändler wenden sich an Dr, Herbert Loewenstein, Berlin SO 16 Köpenicker Straße 76. Im Alter von 75 Jahren verstarb in Paris der ehemalige Direktor der Jewish Colonisation Association (Ica) Professor Emile Meyer son. Er leitete king-ere Zeit die von Baron Edmond de Rothschild unterstützte Palästina-Kolonisation, als deren Verwaltung an die Ica überging. Meyers»« war ein bedeutender Wissenschaftler und Philosoph, dessen philosophische Arbeiten in Frankreich sehr beachtet wurden. Der Dampfer ״Polonia“, der seit einiger Zeit zwischen Konstanza und Palästina Dienst tut, konnte am 4. Dezember infolge des arabischen Teilstreiks in Jaffa nicht landen. Das Schiff, das eine größere Zahl jüdische Touristen und Einwanderer an Bord hatte, wurde nach Haifa weiter dirigiert. Zu Chanukkah Geeignetste» Geschenkbuch in diesem Fahret Ja-Sagen zumjadenfum Eine Aufsatzreihe der ״Jödlidien Rundschau", herausgegeben von Robert Weifsch Die ffidisclte Antwort auf die Ereignisse des Jahres 1933 PreHRtf2.85?erlog ״laö.Rtinösdian“, Berlin!? 15 Auslieferung für Buchhändler: Jfldisdier Verlag, Berlin W50, Budapester Straf)« it