Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 98 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- Seite 920 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 918 7&DISCHE RUNDSCHAU Nr. 98, 8. XII. 1933 Palästina und der deutsche Außenhandel Das ״Berliner Tageblatt“ veröffentlicht fo seiner Handelszeitung■ vom 6. 12. abends einen Aufsatz von Diplom- Kaufmann Bernhard Spitz, der sich mit den Handelsbeziehungen Deutschlands zu Palästina beschäftigt. Der Verfasser weist einleitend darauf hin, daß ״die Bedeutung Palästinas für den Weltmarkt in den letzten Jahren unter dem befruchtenden Einfluß des zionistischen Aufbauwerkes gestiegen ist. In einer Zeit stark absinkender Welthandelsumsätze (von 19 2S bis 1932 ist z. B. der deutsche Import um 68,5 °/0, der deutsche Export um 50 «0 zurfickgegangen), konnte Palästina sein Außenhandelsvolumen nicht nur stabil halten, sondern noch beträchtlich erhöhen.“ Diese. Sätze werden an Hand der Aus• u!1d Einfuhrzahlen Palästinas in den verganenen Jahren illustriert. Zwischen Palästina und Deutschland estehen die weltwirtschaftlichen Austauschverhältnisse, die zwischen hochentwickelten Industrieländern und überwiegend agrarischen Kolonialgebieten üblich sind. Deutschland liefert Industrioerzeugnisse, Produktionsmittel und Konsumgüter (zirka 94,4 0/0 der Ausfuhr nach Palästina 1932) und bezieht für einen Teil des Erlöses das Spezialprodukt des Landes: Orangen (96 0/0 «Ict palästinensischen Ausfuhr nach Deutschland. 1932). Deutschland steht mit zirka 10 0׳,״ an vierter Stelle der Lieferanten und mit zirka 14 0/0 an zweiter S t c 11 e d e r Kunden Palästinas. Als Orangen-Lieferanf für den deutschen Markt rangiert Palästina hinter Spanien und Italien an dritter Stelle, hat jedoch in den letzten Jahren seinen Anteil fast verfünffachen könneninfolge ständiger Verbesserung der Kulturen liefert es jetzt zirka 11 °,ö des Gesamtimports.“ Der Anteil Palästinas am deutschen Südfrüchte-Import dürfte nach Meinung des Verfassers auch in Zukunft steigen. Im weiteren Verlauf seines Artikels beschäftigt sich der Verfasser mit Palästina als ״K r i s e n i n s e 1״. Er weist darauf hin, dal) ״die eigenartige politische Bedeutung Palästinas als ״N at i o n a 11: e i m‘■ der Juden sich wirtschaftlich sehr günstig ausntmmi. Die jüdische Einwanderung (der jüdische Bev&lkerungsanteil ist von 05 000 Seelen 1918 auf zirka 220 000 Seelen 193) — zirka 20 der Gesamtbevölkerung — angewachsen), bringt arbeitswillige und gut aus gebildete Kräfte ins Land, die damit verbundene steigende Nachfrage in der Konsumsphäre zeitigt alle Symptome einer anhaltenden Hochkonjunktur. Erhebliche Kapitalinvestitionen auf allen Gebieten tun das ihre, um das wirtschaftlich verwahrloste Land wieder zur Blüte zu bringen.“ Hieran schließt sich eine .Darstellung der Entwicklung in der Land- Wirtschaft, in der Industrie und im Baugewerbe. .Für die ZukunSt wird eine recht günstige Perspektive gestellt. Wenn von mal\gebender Seite die wirtschaftliche Kapazität des Landes derart veranschlagt werde, daß in den nächsten fünf bis zehn Jahren weitere 190000 Menschen angesiedelt werden können, so dürfte bereits eine solche progressive Einwanderung die Kontinuität der aufsteigenden Entwicklung garantieren. Hinzu komme die wirtschaftsgeographisch so aus-?zeichnete Lage, die Palästina zur Handelspforte es Nahen Ostens prädestiniere. Im Anschluß hieran wird die Bedeutung des Haifaer Hafens und der Levanfe-Messe in Tel-Awiw dargestellt und die Bedeutung der Cbritischen Befriedung für die wirtschaftliche Entwicklung des andes erörtert. Im letzten Teil des Artikels werden dann die aktuellen Fragen der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Palästina behandelt, die ins* besondere durch die Auswa nderungdeutscher Juden nach Palästina aufgeworfen worden sind, Der Verfasser forciert, daß dem deutschen Export ein wachsender .Anteil an der Wareneinfuhr Palästinas gesichert wird und sagt hierzu folgendes: ״Bigiinnlgt wird dieses Bestreben nun durch die besonderen Umstände, «.1.11i sich das Auswanderungsbestreben weit e r Kreise der wirtschaftlich potenten d e u t sehen Juden beute auf Palästina konzentriert Der diese Auswanderung begleitende Kapitalstrom kann nach den Grundsätzen des internationalen Verkehrs nur dann ehne Volkswirtschaftliche Schädigungen fließen, wenn er in der Form des W arentransfers erscheint. So ist es eine handelspolitisch kluge Maßnahme des Reichswirtschaftsrninisteriums, wenn durch ein besonderes Verfahren die Uebcrtragung des Vermögens von Auswanderern nach Palästina kürzlich erleichtert und gleichzeitig in den Dienst der Exportförderung gestellt worden ist. Nach dem bekannten Erlaß des Reichswirtschaf tsministers (Nr. 64/33 vom 28. August 1933) brauchen demnach die anfallenden Erlöse aus dem deutschen Warenexport nach Palästina nicht mehr der Reichsbank angeboten zu werden, sondern können — mit Genehmigung der Devisenstelle — an solche Auswanderer in Palästina zur Aus- Zahlung gelangen, die einen entsprechenden Reichsmaikbctrag bei der Reichsbank eingezahlt haben. Die mit der Abwicklung dieses Verfahrens betraute Palästinensische Trcuharidgcsellschaft hat vor etwa sechs Wochen ihre Tätigkeit in Berlin aufgenommen und bearbeitet bereits eine Anzahl von Abwicklungen der geschilderten Art: das vom Ministerium zunächst probeweise bewilligte Kontingent von 3 Millionen Mark dürfte in absehbarer Zeit bereits erschöpft sein, sobald nämlich in dieser Höhe Einzahlungen von Emigranten auf ein Sonderkonto bei «1er Reichsbank erfolgt sind, die mit den Exporterlösen in Palästina verrechnet werden können. Man beabsichtigt jedoch, dieses Kontingent erheblich auszudehnen und es ist zu erwarten, daß dieses Verfahren in den nächsten Jahren große Bedeutung für die Handelsbeziehungen Zwischen Deutschland und Palästina erlangen wird.“ Der Artikel schließt mit einem Hinweis darauf, daß bei den maßgebenden deutschen Wirtschafts stellen die Bedeutung der Entwicklung Palästi״ nas nicht unterschätzt wird, und daß eine Realisierung der Möglichkeiten des Handelsverkehrs jm beiderseitigen Interesse liegt. « Das ״Eberswalder Offertenblatt“ vom 2. 12. berichtet über den palästinensischen Eisen - und Stahl waren markt. Es weist darauf hin, daß in Palästina vom Boykott wenig oder gar nichts zu spüren ist. Nachfrage besteht gegenwärtig vor allem für Haushaltgeräte, landwirtschaftliche Geräte und Tischlerwerkzeuge. Der Messerwarenmarkt ist noch flau, mit Ausnähme von Rasierklingen, Recht gut ist das Geschäft in allen Baubedarfsartikeln, wenn auch nicht vergessen werden darf, daß Drahtstifte im Lande selbst erzeugt werden. Besonders schwere Beschläge und Schlösser sind gut gefragt. Drahtgewebe geht ebenfalls sehr gut und weiter alle verzinkten Blechhohlwaren. Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ vom 8. November bringt einen ausführlichen Bericht über ״P a - lästina als Vvirtschaftsfaktor“, worin über die talästinensischen Finanzen, sowie über die wirtschaftliche ntwicklung Im Orangenbau und in der Industrie berichtet •wird. Auch die ״Kölnische Zeitung“ vom 7, November bringt im Rahmen einer aus Bagdad datierten Betrachtung der ״W irtschaftslage im Mittleren Osten“ eine Dar- Stellung der Wirtschaftsverhältnisse in P a 1 ä s t i n a, die dahin, charakterisiert wird, daß man ״von einer Einwanderungs-Konjunktur ganz großen Stils sprechen müsse“, bei •der es nicht leicht zu entscheiden sei, wie weit sie wirklich zu einer in der Wirtschaft des Landes verwurzelten Konjunktur bereits geworden ist und noch werden kann. Man baut gegenwärtig in Palästina in einem Tempo und in einem Umfange, die nur amerikanisch genannt werden können. Im weiteren Verlauf des Artikels erwähnt der Berichterstatter auch die auf die Frühjahrsmesse von Tel-Awiw gerichteten Erwartungen. «luden verschmähen die Arbeit" Die ״N a t i 0 n a I - Z e i t u n g“ in Essen vom 5. Dezember veröffentlicht einen Artikel mit der Uebcrschrift: ״Juden verschmähen die Arbeit“, welcher sich in der Hauptsache mit einem Zitat aus dem im Jahre 1916 im ״Juden“ abgedruckten Aufsatz von A. D. Gordon: ״Arbeit“ auseinandersetzt, den Ciordon im Jahre 1911 geschrieben hat. in diesem Aufsatz spricht Gordon die Ansicht aus, daß das jüdische Galuth- Volk zur Arbeit keine positive Beziehung habe, daß es nicht durch Arbeit mit dem Boden verbunden sei, und daß daher auch seine Kultur, die auf fremdem Boden erwächst, nicht vollwertig sei. Diese Darstellung Gordons stellt einen Auf- Tuf an das jüdische Volk dar, das in Palästina den Weg der Selbstarbeit ״dien soll. Aus den erschütternden Worten Gordons, die die gefährdete Lage des jüdischen Volkes in aller Welt aufzeigen, macht der oben erwähnte Artikel ein Geständnis des ״Juden Gordon“, daß das jüdische Volk die Arbeit grundsätzlieh verschmähe. Er scheint nicht zu wissen, daß A. D. Gordon selbst nicht einer der im Anfang des Artikels verspotteten ״Arbeiterführer“ war, sondern ein Mensch, der im Alter von 50 Jahren den Weg zur Selbstarbeit gefunden und dem jüdisehen Volke das ״Evangelium der Arbeit“ gepredigt hat. Er hat damit nur die tiefste Sehnsucht Unseres Volkes ausgedrückt, das durch Jahrhunderte hindurch künstlich durch die Maßnahmen der anderen Völker von Boden und Arbeit ferngehalten worden ist und heute auf palästinensischer Erde den Weg zur schaffenden Arbeit zurückfindet. Wenn der Verlasser des zitierten Artikels so gut um die literarischen Dokumente des werdenden Palästina Bescheid weiß, sollte er auch nicht verschweigen, daß es sich hierbei um mehr als Lite- Tatur handelt, nämlich um Zeugnisse einer wirklichen Regeneration des jüdischen Volkes durch Arbeit. Kardinal Faalhaber Ober das Alte Testament Am Abend des ersten Advent begann Kardinal Faul* h a b e r in der Michaelshofkirche zw München einen Predigt- Zyklus über das Thema: ,;Christentum und Judent u m“. Der Kardinal begann nach dem Bericht des ״Berliner Tageblattes“ vom 6. 12. damit, daß in bestimmten Kreisen heute die Forderung erhoben werde, das Alte Testament zu beseitigen, die Kinder nicht mehr ״mit den Qeschichtep von Abraham zu plagen“, ja, auch Christus selbst als Juden abzulehnen oder ihn durch seine Mutter, ob* wohl sie aus dem Hause Davids stamme, zum Arier umzufälschen. Damit aber berühre der Kampt die Grundlagen des Christentums. Nicht Bluts-, sondern Glaubensbeziehungen bildeten die Grundlagen der Religion. Aus den Schriften des Alten Testaments komme die Botschaft vom einzigen, mächtigen Gott. Darum müsse man die Schriften des Alten Testaments in Ehren halten und dürfe sie aus den Schulen nicht verdrängen lassen. Holländischer Antisemitismus Mehrere unserer Berliner jüdischen Leser, die h o! 1 ä n di scher Staatsbürgerschaft sind, übersenden uns eine Einladung, die sie — offenbar in Unkenntnis ihrer Zugehörigkeit zum Judentum — erhalten haben. Die Einladung laufet: ״Nationalsozialistische Niederländische Arbeiterpartei N.S.N.A.P. Leiter: Major Kruyt. Am Sonntag, dem 3. Dezemlrer 1933, vormittags um 10 Uhr, findet im Lehrer-Vereinshaus (Blauer Saal), am Alcxandcrplatz eine Werbeversammlung der N.S.N.A.P. statt. Zweck der Versammlung: Errichtung einer Ortsgnrpjxe Berlin. Es spricht Kreisleiter Duinker, Essen, über das Thema: Nat i o n a 1 so xia 1 i s m us und die Juden in Holland. Es ist die Pflicht eines jeden national denkenden Holländers von arischer Abstammung, diese Versammlung zu besuchen. Es geht um die Zukunft des holländischen Volkes und des Vaterlandes. Kein aufrichtiger Niederländer darf fehlen. Wir rechnen deshalb bestimmt auch mit Ihrem Erscheinen. Wir bitten, Verwandte und Freunde mitzubringen. Die Landcslcitung für Deutschland, gez. v. d. Ileuvel-Domsdorf.“ Wir wissen natürlich nicht, was sich auf der Versammlung ereignet hat, aber schon aus der Formulierung des Themas geht unzweifelhaft hervor, daß hier der Versuch gemacht wird, unter den in Deutschland lebenden Holländern eine antisemitische Gesinnung zu verbreiten, und dies gerade in einem Moment, wo die holländische Regierung in ihrem Strafgesetzbuch neue Bestimmungen zur Bekampfung des Rassenhasses einführt. Es ist bedauerlich, daß im Ausland lebende Holländer sich in einer Weise betätigen, die sicherlich nicht mit den Intentionen ihres Vaterianaes übereinstimmt. Wir glauben, daß auch Deutschland kein Interesse daran hat, daß sich eine solche ausländische Bewegung hier in dieser Weise betätigt. Die antisemitischen Unruhen in Ungarn Budapest, 4. Dezember. (J.T. A.) An der Budapester Technischen Hochschule und an der Szegediner Universität ist es abermals zu antisemitischen Ruhestörungen gekommen. Nach Budapest wurde eine Rektorenkonferenz einberufen, die üb$r Maßnahmen gegen die Exz e s s e beraten soll. Der Ministexrat hat eine Reihe von Vorschlägen, die der Unterrichtsminister gemacht hat, gebilligt und ist entschlossen, jene Hochschulen, an denen die Ruhe nicht vollständig wiederhergestellt sein wird, für ein Semester zu schließen und Studenten, die sich in Zukunft der Störung von Ruhe und Ordnung schuldig machen sollten, den Gerichten zu übergeben. Nach den Unruhen an den Hochschulen ist es am 5. Dezember auch In der Kunstge wer beschule und in der Gewerblichen Zeichenschule zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Angesichts dieser Vorkommnisse hat der Direktor der Kunstgewerbeschule die Schule bis auf weiteres gesperrt. Zionistische Frauenarbeit in Deutschland Arbeitstagung des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit Im Anschluß an die Arbeitstagung der Z. V. f. D. hatte der Verband Jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit die Leiterinnen ihrer wichtigsten Ortsgruppen zu einer Besprechung in das Haus von Frau Bach gebeten. Es waren vertreten außer Berlin die Gruppen Beuthen, Breslau, Dessau, Dresden, Erfurt, Frankfurt a. M., Gleiwitz, Halberstadt, Hamburg, Mainz, Stettin, Waldenburg. Bedauerlicherweise fehlten Leipzig, Hannover, das Rheinland und Bayern ganz. Auf der Tagesordnung. stand: Bericht über die im letzten Halbjahr geleistete Arbeit, sowohl von der Geschäftsstelle als von den Ortsgrupppt. lieber. Kulturarbeit sprach Frau Marg. Moses (Berlin), die die Wichtigkeit der geistigen Hachscharah betonte und Wege, zur besonderen Erfassung der Frauen in Kursen wies. Freudig begrüßt wurde Herr Blumen fei d, der die Grüße v^ti Frau Jenny Blumenfekl üherbrachte, der bisherigen Vorsitzenden des Verbandes. Er schilderte im einzelnen die Aufgaben, die den Frauen in Palästina besonders in bezug auf die neue Alijah zufallen. Dann wies er darauf hin, wie wichtig eine gründliche berufliche Hachscharah, eine gute geistige Vorbereitung und vor allen Dingen Kenntnis der hebräischen Sprache sei. Aus den Ausführungen, speziell auch über die Wichtigkeit allgemein-politischer Erziehung der Frauen schöpften die Ortsgruppenvorsitzenden viele Anregungen. — Die Aussprache beschäftigte sich eingehend mit den Fragen der Ortsgruppen, es wurde über Werbung, über Veranstalfutigen, praktische und kulturelle Kurse gesprochen. Dann wurden die einzelnen Kontingente für die Ortsgruppen festgesetzt und in Vorschlag gebracht, den Ortsgruppen für ihre besonderen Aufgaben zu gestatten, größere Abzüge als bisher zu machen, allerdings unter der Voraussetzung, daß ade Wizo-Gelder unter dem einheitlichen Gesichtspunkt ״hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Hachscharah für Mädchen und Frauen“ verwendet werden sollen. — Fräulein Schleif er, die Vorsitzende der Jung-Wizo, berichtete über den Stand der Arbeit der Jung-Wizo und stellte die Forderung, daß die Wizo versuchen solle, überall im Anschluß an Wizo- Gruppen Jung-Wizo-Gruppen einzurichten, daß man sieh mehr als bisher um Beschaffung von Hachscharahstclien für die Mädchen hier bemühe, daß die Wizo größeren Einfluß auf die Zertifikatserlangung haben müsse und daß man Sorge tragen soll, daß die Mädchen der Jung-Wizo in Palästina von der Wizo Arzith besser empfangen werden, als das bisher der Fall wäre. Sie berichtet von Ausiedltmgsplänen für Mitglieder der Jung-Wizo mit Kapital auf Boden des KKL in der Haifa Bay. Die Frage, inwieweit sich die Wizo um die Hachscharah der Mädchen kümmern sollte, nahm einen großen Platz: in der Diskussion ein. — Aus den Ortsgruppenberichten ging hervor, daß in einzelnen Ortsgruppen die Arbeit wieder sehr rege ist, daß sie in anderen aber dringend der Anregung bedarf. Man war allgemein der Ansicht, daß von der Zentrale mehr als bisher für Werbung gesorgt werden müsse; es müßte Propagandamaferial gedruckt werden und auch einzelne Red'nerinnen sollten für Provinzorte zur Verfiigun ״ stehen. Ueberall da, wo eine gut arbeitende Ortsgruppe ist, muß sie die kleineren Ortsgruppen in ihrer Nähe mit geistiger Anregung versorgen, was z. B. von Frankfurt und Breslau geschieht. Ein neuer Reichsvorsfand und ein kleinerer Arbeitsvorstand aus den Berliner Mitgliedern des fteichsvorstandes wurde gewählt. — Die Teilnehmerinnen dieser Besprechung gingen mit dem Gefühl auseinander, daß es wichtig und nötig war, wieder einmal alle Fragen der Wizo-Arbeit zu klären. Ans der Arbeit des K. J. V. in Palästina Wir erhalten folgenden Bericht: Das palästinensische Kartell Jüdischer Verbindungen, das bereits ca. 400 Mitglieder im Lande zählt, widmet sich neben der intensiven Erziehungsarbeit und der Beratung seiner Bundesbrüder der zionistischen Aufklärung־- und Propagandaarbeit im Lande, ln den drei Städten Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa wird ein V o rt r a g s z y k 111 s durchgeführt, der die Fragen des palästinensischen Lebens behandelt. Bisher sprachen in Tel-Awiw am 1. Abend, den 8. November 1933, Direktor Pbikas (Tel-Awiw) über ״Die Entwicklung und die Aufgaben der Stadt Tel-Awiw“, am 2. Abend, den 21. November 1933, Dr. Arthur Ruppin, Vorsitzender der Zionistisehen Exekutive der Jewssh Agency (Jerusalem), über ״Die wirtschaftlichen Aussichten der deutschen Alijah“. Am 3. Dezember 1933 sprach Redakteur J. Klinoff (Tel-Awiw) über ״Die politischen Strömungen im palästinensischen Judentum“. Für die weiteren Vorträge sind folgende Themen in Aussicht genommen: I. Gruppe: 1. Der Jischuw, Herkunft und Aufbau. 2. Die Verfassung und Verwaltung Palästinas. 3. Das Rechtswesen in Palästina. 4. Das Gesundheitswesen in Palästina. 5. Das Erziehungswesen in Palästina. 6. Die Universität in Palästina. 7. Theater und Presse in Palästina. — If, Gruppe: 8. Haifa. 9. Jerusalem. 10. Straßennamen in Tel-Awiw11 .׳. Führer der 'palästinensischen Judenheit. 12. Vom Leben der Araber. — 111. Gruppe: 13. Handel und Banken in Palästina. 14. Industrie in Palästina. 15. Städtische Siedjungsbewegung. — IV. Gruppe: 16. Organisation und Institutionen der Arbeiterschaft. 17. Von der 1. zur 5. Alijah. 18. Das Emek. 19. Die Exlösnng des Bodens. — V. Gruppe: 20. Die Aufgaben der Jevish Agency im Palästina-Aufbau. — VI. Gruppe: 21. Die deutschen Juden und der Jischuw. 22. Der Zug aufs Land. 23. Die Einbürgerung in Palästina und ihre rechtlichen Konsequenzen. ״Habonim״ im Wachsen Wir erhalten nachstehenden Bericht: Sowohl in Berlin als auch in der Provinz fanden in den letzten Wochen Einzelne und Gruppen den Weg zur weltanschaulichen und pädagogischen Haltung des ״Habonim“. So ist cs zu erklären, daß der Bund zahlenmäßig sehr stark gewachsen ist. In Berlin zählt er etwas über 1000 Mitglieder. Die Vereinigung mit dem Noar Haowcd, über die an dieser Stelle bereits berichtet wurde, hat viel zur Vereinheitlichung der ehaluzischen Jugend beigetragen, ln Düsseldorf hat sich der Ortsbund des JPD. mit seiner überwiegenden Mehrheit dem Habonim angeschlossen. In Hannover und in Liegnitz entstanden neue Ortsbünde. In Bachrach, Emden, Hainau, Jauer, Neidenbuig, Oberhausen, Wartenburg, Waidenbürg sind Gruppen entstanden, die sich dem Habonim anschließen wollen. Im Einverständnis mit diesen Gruppen wurde ihr Anschluß noch nicht offiziell vorgenommen; diesen Oruppen wurde eine Zeit zur Verfügung gestellt, iti der sie sich mit dem Wesen des ״Habonim“ intensiv beschäftigen sollen. In den Bezirken Rheinland, Sachsen, Südwest und Süden finden im Laufe des Dezember Gauführertage, während der Weihnachtsferien Winterlager statt.