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Jüdische Rundschau · 1933-12-08 · Heft 98 (8.12.1933) · p. Seite 919

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 98 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
Seite 919 (sequence 3)
Language
German
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־Nr. 98, 8. XII. 1933 jüdische Rundschau Seite 917 Sind die luden am Geimrienriidfgang sdiuld? Kein Arierprinzip in der Wirtschaft Wie das ConU-NachrlchtenbOro meldet, hat Ministerialrat Seel vom Rekhsinnenministerlum bei seinem in der Verwaltunßsakademie gehaltenen Vortrag Uber die Arlerparagraphen im Beamtenrecht, über den wir bereits berichteten, den Anwendungsbereich des Arierprinzips scharf umgrenzt und nachdrücklich betont, daß er nicht auf das Wirtschaftsleben ausgedehnt werden könne. Der Arierparagraph, erklärte Ministerialrat Seel, bezwecke nur, den Nichtaricr von allen öffentlichen Aemte rn fernzuhalten. Ihn auch da anzuwenden, wo an einer Tätigkeit ein öffentliches Interesse besteht, sei durchaus berechtigt. Es schieße aber über das Ziel hinaus, wenn auch in der Wirtschaft alle Nichtarier aus ge schaltet werden sollen. Darauf sei von der Regierung schon wiederholt hingewiesen worden. Auch die deutsche Ariergesetzgebung werde, wenn auch nicht überall gebilligt und nachgeahmt, so doch immer mehr verstanden und gerechter beurteilt. Man werde anerkennen, daß sie aus völkischer Notwendigkeit, nicht aus Haß, geboren wurde. Die christlichen Symbole im Weihnachtsgeschäft Auf Grund zahlreicher Anfragen über die Verweil• düng christlicher Symbole im Weih nachtsesc hä ft gibt der Einzelliandelsverband Frankfurt a. M. im invernehmen mit dem t'inzelhandelsairit der Industrie-^ und Handelskammer bekannt, daß von allen Firmen Zurückhaltung in der Verwendung brennender Weilinachtsbäume und sonst!* ger Weihnachtssymbole zu üben sei. Nichtarisch c E i r - men solltenaber die Verwendung von Weihnachtsbä umen, Kreuzen, Krippen, Sternen, Engeln und ähnlichen Symbolen des Christliehen Weihnachtsfestes gänzlich untcrlassen. Nicht zu beschränken ist der Verkauf von Waren in Weihnachtspackungen, die die genannten Symbole nicht tragen, z. B. in der Schokoladenindustrie Nikolause, Weihnaäitsmänner, Packungen mit Weihnachtsetiketten usw. In einer Kundgebung des Landesverbandes des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmittel-Einzelhandels für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet in Frankfurt a. M. erklärte der Gesamtleiter der NS.-Hago, Kammerpräsident Schmidt- Wiesbaden u. a., das Weihnachtsfest sei Christlieh und deutsch, entsprechend sei auch mit der Ver- Wendung der Weihnachtssymbole in der Reklame zu verfahren. Es werde erwartet, daß nichtarische Firmen diese in ihrer Propaganda nicht verletzen. Anwaltsgebühren und Arierprinzip In der ״Juristischen Wochenschrift“ vom 2. 12. beschäftigt sich R.-A. Dr. Paul Zerweck, Stuttgart, mit der in letzter Zeit aktuell gewordenen Gebührenfrage bei Abgäbe des Mandats an arische Anwälte. Er sagt dazu u. a. folgendes: ,,En muß nun gesagt werden, daß jeder deutsche Volksgenosse, der einen nichlanschen Rechtsanwalt mit der Führung seines Prozesscs Ix-auftrsigt hat. sieh hierdurch Kosten machte, die zur zweckentsprechenden Rerhtsvcrfolgung oder -Verteidigung nicht notwendig waren. Es hätte von jeher jeder deutsche Volksgenosse die Möglichkeit gehallt, einen deutschen Rechtsanwalt zu mandieren, und es wären dadurch nicht die Kosten zweier Anwälte notwendig gewordin. Die Ansicht des Olierlandesgerichls Kiel, nach der der nichtarische Anwalt auf fl rund eigenen Verschuldens keinerlei Vergiitungsatispruch habe, ist nicht haltbar. Das Verschulden lag ja nicht bei ihm, sondern t>ei seinem Mandanten. Es wäre im Krgetmis im höchsten Maße ungerechtfertigt und unbillig, wollte man nun den I’ rozeßgegner derjenigen Partei, die einen nichtarischen Rechtsanwalt mit der Prozcßfiihrung beauftragt hat, die hierdurch entstandenen Mehrkosten auferlegen. Schon mit Rücksieht hierauf dürften in allen Fällen, und zwar wenn ein freiwilliger od׳׳r infolge der Zuihissmig-riicknahme des nirhtarisrhen Rechtsanwalts notwendiger Mandatswerhsel vorliegt, der unterliegenden l’rozeßpartei nur diejenigen Kosten aulerlegt werden, die entstanden wären, wenn e i 11 Rechtsanwalt für den Gegner den Prozeß durehgeiiihrt. hätte.“ Bemerkenswert ist bet dieser Stellungnahme, daß hier a־rischen Volksgenossen nachteilige Rechtsfolgen dafür auferlegt werden, daß sie nicht arische Anwälte zu ihren Prozeßbevollmächtigten ausgewältlt haben in einer Zeit, in der die Rassenfrage in der Gesetzgebung noch keine Rolle spielte. Das Arierprinzip bei den Krankenkassen Vor melieren Monaten wurde mitgeteilt, dal? zwischen den privaten Krankenkassenversicherungen und der Vertretung der Acrzteschaft Vereinbarungen getroffen worden seien, nach welchen nichtarische Aerzte nur noch beschränkt zur Behandlung der bei den Privatversichenmgsgesellschaften Versicherten zugelassen werden sollen. Wie damals berichtet wurde, sollten auch bei den Privatkrankenkassen nur noch solche nichtarischen Aerzte zugelassen werden, welche zu den reichsgesetzlichen Krankenkassen (RVO-Krankenkassen) ebenfalls ™gelassen blieben. Für andere nichtarische Aerzte sollte die Regelung getroffen werden, daß sie nur die nichtarischen Patienten oder solche, die sich als nichtarisch bezeichneten, behandeln dürften, soweit Erstattung des Honorars durch die Kasse erfolgen soll. — Auf eine Anfrage, ob etwaigen Satzungs- Änderungen in dieser Richtung vom Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung die Genehmigung erteilt werden würde, hat, wie der ״Frankfurter Zeitung“ berichtet wird, das Reichsauf־ sichtsamt für Privatversichcrung mit einem Schreiben vom 18. Oktober geantwortet, daß die Verhandlungen mit den Verbänden betr. Nichterstattung von Rechnungen nichtarischer Aerzte an arische Versicherte noch nicht abgesch lossen seien. Derartige Maßnahmen sollen frühestens am 1. Januar 1934 in Kraft treten. Von den krafHahrenden Aerzlen Die Mitteilungen der ״Kraftfahrer-Vereinigung Deutscher Aerzte“ vom Anfang Dezember enthalten eine Anordnung des Führers der KVDA, In der es u. a. heißt: ״Meine Kämeraden! ich eTwarte von Ihnen, daß Sie am Aufbau unseres Vaterlandes, wie bisher in Krieg und Frieden, in der ersten Linie marschieren werden. Das verlangt den Einsatz jedes deutschen Mannes iri jeder Stellung, in die er von seinem Führer berufen wird; denn der Führer muß sich auf seine Gefolgschaft verlassen können. Aus diesem Grunde haben unzuverlässige Leute, Juden und Marxisten, unsere Reihen zu verlassen.“ Erschwerung fflr jüdische Studenten ln Hamburg Hamburg, 5. Dezember. (J. T. A.) Einer Verfügung für das ganze Reich entsprechend, sind nunmehr auch in Hamburg für die jüdischen Studenten der dortigen Universität gelbe Ausweiskarten eingeführt worden. Die jüdischen Studierenden der Fakultät für Zahnheilkunde konnten in der Poliklinik keinen festen Arbeitsplatz bekommen, sondern sind darauf angewiesen, den Platz eines arischen Studenten י jeu benutzen, falls ein solcher den Platz vor Klinikschi uß räumt. Diese Sonderbehandlung der jüdischen Studenten, die die vollen Gebühren zu entrichten haben, bildet für sie eine bedeutende Erschwerung bei der Erreichung des geforderten Semesterpensums. Die Zeitschrift ״Neues Volk“, Nr. 6, vom f. 12., die im Verlage der Deutschen Acrzteschaft erscheint und in der Hauptsache zur Auslage in den ärztlichen Wartezimmern bestimmt ist, bringt einen Aufsatz von Hanna Uebler über die Gründe des Geburtenrückgangs, ln diesem Aufsatz wird darauf hingewiesen, daß wir ״in den berühmten Pratokollen der Weisen von Zion“ auf Seite 40 lesen: ״Wir werden die Bedeutung der nichtjüdischen Familien und ihre erzieherischen Werte vernichten.“ Und auf Seite 35: ״Wir werden uns noch eines andern Mittels bedienen: Es ist die Entwicklung eines starken Verlangens bei den Nichtjuden nach Pracht, nach einem alles verschlingenden Aufwande.“ Im Anschluß an dieses Zitat berichtet dann der Aufsatz, daß im Jahre 1<KX) die Bewegung des ״Einkindersystems“ einsetzte, nachdem jener Kongreß im Jahre 1897 stattgefunden habe. Es ist bedauerlich, daß in einer Zeitschrift, die auf die breitesten Bevölkerungskreise Einfluß besitzt, zur Begründung der Erscheinung des Geburtenrückgangs die ״Protokolle der Weisen von Zion“ heran gezogen werden, die längst als eine plumpe Fälschung entlarvt worden sind. Man tut der vertretenen Sache keinen guten Dienst, wenn man mit derartigen Mitteln arbeitet. Der Geburtenrückgang hat nichts mit der Juden zu tun. Er ist vielmehr eine soziale Erscheint!ng, die auch bei solchen Völkern zu finden ist, in deren Mitte überhaupt keine oder mir wenige Juden leben. Gerade die Juden selbst werden von ihm aufs stärkstebetroffen. Der erwähnte Aufsatz erkennt diesen Einwand gegen seine eigene' These, indem er sagt: ״Man könnte freilich einwenden, da II die reichen jüdischen Familien dieses ״System“ ebenso Mitnahmen wie die arischen, und man berechnete, daß die Juden in Deutschland i!1 etwa 89 Jahren aiisgestorben seien, wenn nicht immer wieder der neue Zu- Strom von Osten käme. Sie wußten aber, dal' für eine untergegangene jüdische Familie zehn frische aus dem Osten kamen, und damit ihr Bestand gesichert war." Leider weiß die Verfasserin nicht, daß die von ihr zitierten ״reichen jüdischen Familien“ den Zuzug aus dem Osten gar nicht gern sahen und sich vielfach bemühten, die eingewanderfen ostjüdischen Brüder nach Möglichkeit von sich fernzuhalten! Der Geburtenriiekgang hat übrigens auch erhebliche Teile des Ostjudcntums getroffen, wenn auch nicht in dem gleichen Maße wie die Völker des europäischen Westens. Hier machen sich eben soziale Gesetze bemerkbar, die in erster Linie auf die Urbanisicrung der Bevölkerung zurückzuführen sind. Hiervon werden fuden und Nichtjuden in gleich unheilvoller W eise erfaßt, und der Kampf um die biologische Erhaltung Die Juden in Preußen Im der Tagespresse ist eine Meldung des V. d. Z.-Biiros in den letzten Tagen abgedruckt worden, wonach die statistischeu Ermittlungen in Preußen eine stärkere Zunahme der jüdischen Bevölkerung als der deutschen ergehen hätten. Es wird darauf hingewiesen, dal? in der Zeit vom 10. 12 1910 bis zum 16. 6. 1925 die jüdische Bevölkerung in Preußen um 10,1 0/0 gewachsen sei, während die Gesamtbevölkerung Prcußens im gleichen Zeitraum und bei gleichem Umfang nur um 8,9 »0 sich vermehrt habe. Dabei seien nur diejenigen Personen als Juden gezählt worden, die der Konfession nach zum Judentum gehörten. Diese Entwicklung sei um so bemerkenswerter, als nach dem Kriege besonders judenreiche Gebiete abgetreten worden sind sowie zahlreiche Juden die jüdische Religionsgemeinschaft verlassen hätten. Unter Berücksichtigung des Sferheüberschusscs der Juden und des Uebertrittcs in christliche Konfessionen ergebe sich eine Eirwandc• rung von rund 70 700 Juden in dem genannten Zeitraum. Irr Wirklichkeit sei diese Einwanderung aber größer, da ein Teil der eingewanderfen Juden bereits als Dissidenten, Katholiken oder Protestanten die preußische Staatsangehörigkeit erwarben. Zu dieser Statistik ist zu sagen, daß es zunächst etwas merkwürdig annnitet, wenn plötzlich die längst bekannten Zahlen aus der Erhebung von 1925 journalistisch ausgewertet werden. Inzwischen ist bereits im Jahre 1 9 3 3 eine Volks- Zahlung vorgenommen worden, und es muß zumindest als sehr fraglich bezeichnet werden, ob in dem jetzt abgeschlossenen Zeitraum die Entwicklung des jüdischen Anteils an der Gesamtbevölkerung nicht eine ganz andere Richtung angenommen hat. Außerdem sagen die preußischen Zahlen sehr wenig, wenigstens in dieser Hinsicht. I n ganz Deutschland ist nämlich die Zahl der Juden auf der gleichen Gebictseinhcit w i e 1925, von 1910 bis 1925 um 51019 Personen gesun« k e n, d. h. es kann von einem Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Deutschland in dieser Zeit keine Rede sein. In einzelnen Bundesstaaten ist der Rückgang sehr stark, z. B. in Hessen und Bayern. Dagegen ist in Preußen in der Tat eine Steigerung eingetreten, was nicht zuletzt darauf zuriiekzuführen ist, daß aus anderen Teilen des Reiches und jnsbesondere aus den abgetretenen Gebieten des Ostens zahlreiche Juden nach Preußen verzogen sind; insbesondere hat Berlin für diese Gruppen eine starke Anziehungskraft bewiesen. Hier ergibt sich also, dal! die in der Presse jetzt gebrachte Statistik zwar an sich richtig ist, aber nur einen Teilausschnitt darstellt, der geeignet ist, für die Entwicklung im ganzen Reich ein falsches Bild zu erzeugen. Wir glauben, daß es im Interesse der sachlichen Beurteilung derartiger Fragen liegen würde, wenn das vorhandene Zahlenmaterial in einer mögliehst objektiven Weise benutzt wird. ״Völkisch״ Die ״Haiberstädter Zeitung“ vom 2. Dezember berichtet über eine Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront, die am vergangenen Freitag in Halbcrstadt stattfand. Kreis-Betriebszcllenleiter Roddcwich, Köthen, hielt bei dieser Gelegenhat das Hauptreferat und stellte darin u. a. die Frage, wer eigentlich ein Nationalsozialist sei. Der Redner beantwortete sie nach dem Bericht des genannten Blattes wie folgt: ״Nationalsozialist ist einzig und allein der, der dm Salz verstanden hat und nach dem Salz liandcll, der da laute!: ״Wir sind alle miteinander auf Tod und l-etx-11 verbunden!“ — Völk i s c 11 aber sei der, dem das Blut ins G e s i c 11 t schieße, in dem A u genb lick, wo ein Jude es wage, ihn 9 111 der Straße amusprerhen.“ Wir sind nicht legitimiert, Definitionen dieser Art zu bestreiten, aber wir Juden würden es bedauern, wenn wirklich der Begriff ״völkisch“ hier richtig interpretiert wäre. W i r glauben, daß völkische Gesinnung ein Ausdruck eigener Volks- Verbundenheit ist, die es nicht unmöglich macht, auch den Andersartigen und Andersrassigen zu achten und sich sogar von ihm ansprechen zu lassen; es ist aber für uns Juden, die wir auch ein Ehrgefühl besitzen, wichtig, zu wissen, daB mancherorts die Auffassung verbreitet wird, es sei eine Schande, von einem von uns angesprochen zu werden. des Volkstums wird von allen Völkern in gleicher Weise als notwendig erkannt. Es ist beklagenswert, daß auch dort, wo eine Interessengleichheit vorhanden ist, antisemitische Motive hineingetragen werden und den Tatbestand ver« wirren. — In der gleichen Nummer der genannten Zeitschrift finden wir einen Aufsatz von A. Schickedanz über: ״V orkärnpfer des Antisemitismus“. Darin wird u. a. gesagt, daß diesem ״Anti-“ gewissermaßen die eigentliche aggressive Tendenz fehlt. Es richtet sich keinesfalls gegen das Jüdische seiner Träger, das zwar zur Erlangung einer Erkenntnis begrifflieh geformt, gewertet und gegenüber dein andersartigen abgegrenzt w׳erden muß. Es richtet sich allein gegen das Ucbergreifen des Jüdischen auf verschieden veranlagte mensch• liehe Gruppen und gegen die Handlungen seiner Träger, soweit sie der Lebensentfaltung dieser andern Abbruch tun.“ Damit wird also zum Ausdruck gebracht, daß der Antisemitismus die Assimilation der Juden ablehnt. Auch soweit es sich um die Wahrung der im Zusammenleben verschiedener Volksgruppen erforderlichen Distanz handelt, können wir mit dieser Definition übereinstimmen. Die Differenz beginnt aber dort, wo der Antisemitismus von der Annahme ausgeht, daß die Juden einen überm ä ß i g e n oder gar h e s t i m rn enden Einfluß im Leben der Wirtsvölker ausüben. Wir glauben ganz im Gegenteil, daß der jüdische Einfluß maßlos überschätzt wird, lind daß daher die gegen ihn einsetzenden Abwehrerscheinungen gleichfalls über das Ziel hinatisschicßcn. Diese Uebersclüitzung zeigt sich in dem weiter in dem Aufsatz enthaltenen Sa(/: ,.Der Antijudaisnius tritt also mir dieser bereits ei »getretenen Verfälschung völkischen Charakters entgegen und dringt auf andere (iestaltmig der bisherigen Wechselbeziehungen, tun die angeborene Natur beider mögliehst rein und voneinander unbeeinflußt zur Entfaltung zu bringen.“ — Grundsätzlich mul! zu dieser Begründung, daß der Antisemitismus eine Ab« ehrersdieinuiig gegen ein lieberwuchern des jüdischen Einflusses ist, jedoch noch gesagt werden, dal! antisemitische Erscheinungen auch dort zu beobaehten waren, wo die Juden völlig auf sich gestellt lebten und daher keinerlei Einfluß auf das Lehen des Wirtsvoikes ausübten. Dies zeigt, daß die antisemitische Hait u n g k e i!1 e E r vv ä g u 11 g ist, die allein darauf a b z i e 1 f, das e i g e!1 e Volks t 11 in rein zu erhalte n, sondern daß sie an tiefer liegende Affekte im menschlichen tiruppenleben ankniipft, die unabhängig sind von der Stellung, die die Juden im!.eben der Völker einnelimen. Amerika und die deutsche Literatur In der Düsseldorfer ״Volksparolc“ vom 30. November ver• öffentlieht Hanns-Martin Elster einen offenen Brief an «len amerikanischen Professor Stanley L. Sharp, den Dozenten für deutsche Sprache und Literatur an der Stanford Universität in Kalifornien. Professor Sharp hatte ihm eine Liste der meistgelesenen deutschen Autoren in Amerika, die mit den Namen Emil L u d w i g, R e marq u e, Vieki B a u m, Thomas Mann beginnend und außer G o e t h e, S c h i 11 e r, N i e t z s c 11 c Namen wie Feucht w an gcr, Wasser m a n n, S 11 d e r m a 1111, Werfel, Spengler, Stefan Z v e i g, Alfred N e 11 mann enthält, mit dem Bemerken zugesandt, er halte es für möglich, daß das amerikanische Publikum ein verzerrtes Bild von der deutschen Literatur habe. In seiner Antwort, die von der ,.Volksparole“ mit der Unter- Überschrift ״D i e Frucht j ü d i s c 11 e r V e r f ä Ischun g“ versehen wurde, erklärt Hanns-Mai «in Elster u. a., die von Professor Sharp übermittelte Liste beweise den völligen Bankrott des geistigen Verkehrs von Volk zu Volk mit Hilfe der Literatur, mit Hilfe der Uebcrsetzerarheit, mit Hilfe der Vcrlcgertätigkeit. Unter 2t aufgefiihrten Namen, so heißt es weiter, seien ״die Mehrzahl, elf, j ii dis e h e r A b k 11 11 i t“. Sie vermögen also ihrem Wesen und damit auch ihrer Produklion nach, nicht deutsch zu sein. Wenn man dann weiter noch liinzunimmt, daß unter diesen elf jüdischen Autoren alle Schriftsteller vertreten sind, die weder Deutschland noch dem deutschen Volke tieferes Verständnis enfgegenziibringen vermochten, so sieht man, daß Sie in Amerika deutsche Dichtung weder um des Deutschtums noch um der Dichtung willen vermittelt erhalten haben, sondern allein um des Ges e 11 ä f t e s und um politischer Ziele willen. Ihnen ist die deutsche Literatur unserer Zeit nur durch jüdische Mittler nabe gebracht worden, und Sie haben, mit ganz wenigen .Ausnahmen, nur eine jüdische Literatur, wie sie in deutscher Spru-du■ geschrieben worden ist, gelesen, aber keine deutsche I iteratur." Hanns-Martin Eist er nennt dann eine Reihe arisch-deutscher Schriftsteller und faßt sein Schreiben folgend ermaßen zusarninen: ״Wir Deutschen anerkennen nur diejenigen Autoren und Werke als deutsche Literatur, als repräsentativ für das Deutschtum, wie Sie sagen, und als literarisch wertvoll, die aus d e 1t t s c h e m Blut 11 n d d e ti t s c 11 e r E r d e g e w a c 11 - sen sind im vollen sind bewußten Zusammenhang mit dem deutschen Schicksal, mit unserer Tradition und mit unserer Zukunft, mit unserem Glauben und Wissen, mit unserer Erfahrung und Sehnsucht.“ Ein deutscher Kolonialheld Im Ullstein-Verlag ist soeben unter dem Titel ״Die schwarze Sonne“ ein Buch erschienen, das Ehm Welk zum Verfasser hat und sich mit E in i 11 Pascha beschäftigt. In einer Besprechung dieses Buches in der ״Berliner Morgenpost“ vom 3. 12. wird auf dieses Huch als auf die Lcbensbe- Schreibung eines deutschen Kolonialheitlen hingewiesen. Der Verfasser der Besprechung, Ralph Zürn, weist darauf hin, daß das Buch ״von der Tragik der deutschen Seele, von dem Zwiespalt deutschen Kampfes und von dem künftigen Morgenrot endlichen deutschen Sieges“ handle. — Wir freuen uns, daß auf Emir! Pascha durch dieses Buch in einem Sinne hingewiesen wird, der frei ist von antisemitischen Beimengungen. Emin Pascha oder mit bürgerlichem Namen Dr. Isaak Eduard Schnitzer aus Oppeln O.-S., w qr ein j ii d i s c h er Ar z t, der später a!sx Politiker und Forscher außerordentliches im Innern Afrikas leistete. Auch im Dienste der deutschen Kolonialpolitik hat er große Leistungen vollbracht, bis er 1892 in Ostafrika ermordet wurde. Es ist in weiteren Kreisen allerdings wohl nicht bekannt, daß dieser M a n n Jude w a r. In der Wormser ,,Volkszeitung" fordert der nationalsozialistische Pressewart von Worms-West, daß das vor vielen Jahrzehnten nach Rase hi benannte Stadttor künftighin den Namen von Klaus Selzner tragen soll, da dieser sich schon ״vor Jahren gegen den Judengeist in Worms gewandt hatte“. In einem Wiener Sanatorium ist der chassidischc Rabbi von Czortkow, Großrabbiner Fri<־dmann, im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer Operation gestorben.

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