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Jüdische Rundschau · 1933-12-05 · Heft 97 (5.12.1933) · p. Seite 908

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 97 (5.12.1933)
Date
1933-12-05
Page
Seite 908 (sequence 4)
Language
German
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?eite 906 jodische Rundschau Nr. 97, 5. XII. 1933 nicht zu verkennen, d.iß tlie jüngere Generation sich in sturherein Maße den akademischen Berufen zugewendet hat, so daß jüdische Anwälte und Aerz.te einen prozentual höheren Anteil dieser Berufe stellen, als dem jüdischen Bcvölkcrungsquotienten entsprechen würde. Aber seihst wenn man, in einzeinen Großstädten, 3 oder gar 4 °n jüdischer Akademiker in den ausübenden Berufen zählen könnte, so entspräche diescr Satz auch etwa annähernd der in diesen Städten lebenden Prozentzahl Juden. Auch im pundesheer, in der Ileiiuitenschüft, unter den Offizieren und Richtern, sind Schweizer Juden zu finden, es herrscht gesetzliche Gleichstellung, aber die Zahl der Juden in diesen Berufen — mit Ausnahme vielleicht der UnivcrsiUitsprofessur —־ erreicht kaum die Vorhält iriszahl. Die weitaus meisten Juden gehören den siiicltisehen Berufen des Einzelhandels, des Großhandels, des Bank- und Immobiliengewerbes, der Handelsvertreter an, auch die Industrie ist vertreten; und man kann teslstellcn, daß die wirtschaftliche Lage der Judenschaft im Durchschnitt nicht ungünstig ist, wenn auch die Wirtschaftskrise hier Opfer gefordert hat. Die Zahl und die Schichtung des Schweizer Judentum» ist jedenfalls nicht geeignet, die jüdische Bevölkerung hier als besonders augenfällige Sandergruppe zu kennzeichnen. Auch ln der sonstigen Oeffentiiehkeit spielt der jüdische Bcvölkerangstiil!׳(eine irgendwie auffällige Rolle. Dies hat den Juden in der Schweiz, jenes Ruhe- und Sicherheitsgcfühl verliehen, aus dem sie erst im letzten Jahre durch die antiseir.i i.u-he Agitation der Frontenbewegung aufgeschreckt ■Seitdem ist das jüdische Heben hier vielfältiger, bewußter und nk'i'.cr geworden. Die Notwendigkeit des Zusammen־!cd tu und das Gefühl der Cieincinschafltichkcit stärkten sich. Wenn diese neue I.clicndiukeit des jüdischen Empfindens sich mu'lt zunächst vorwiegend aut die Abwehr der sich luiulen den Angriffe beschrnnkte, so erwuchs daraus doch sehr bald, namentlich bei der Jugend, eine positive Ein- Stellung zum Judentum. Im Sommer dieses Jahres wurde von führenden Schweizer Juden der ,,Bund Schweizer Juden“ gegründet, der zusammen mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemcindebund den Abuehrkampf gegen ungerechte Vorwürfe führt, für die Schweizer Interessen im vaterländischen Sinne cintritt, und dem Allgemeinwohl vor den persönlichen Interessen den Vorrang verschaffen will. An positiv jüdischen Zielen ist in der Arbeit dieser Organisation allerdings kaum etwas zu erkennen. Wirksamer in dieser Richtung dürfte der I s - r a c 1 i t i s c 11 c Gemcindebund werden können, wenn er die jn ihm verkörperten jüdischen Kräfte richtig erkennt und nutzt. Ein bemerkenswertes und entwicklungsfähiges Element stellt die jüdische Jugendbewegung der Schweiz dar, namentlich die jüdischen Wanderbünde und die Jugend der zionistischen Ortsgruppen. Auch von der Schweiz ans hat neuerdings bereits eine Auswanderung junger Juden nach Palästina begonnen. *Der Morgen" in neuer Gestalt ״Der Morgen“, die ursprünglich von Professor Julius Goldstein in Darmstadt begründete zweite Monatsschrift (Philo-Verlag, Berlin \V 15) erscheint seit Oktober unter neuer Redaktion in veränderter äußerer Ausstattung als Monatsschrift. Als \ ernntwortlidi lär die Redaktion zeichnen jetzt IV. Hans!,(ach und Dr. Eva R c i c 11 nt 11 n 11 - Jung mann. .An der Zeils.lirifi, die bekanntlich im Sinne ihres Begründers mit die Linie der extremen Assimilation eingestellt vvnr, sind die Stürme der Zeit nicht spurlos 1- 1 11 י י - s! m '1 ,111 c ne m ehr p <> s 11 1 * -! u der' ersten Hefte sind zu'"ne ■men: Leo Hacek, Martin Buber, Hi - " 1 t , ׳! ' s ■ n1 ln׳l 111 l!n dm /, 11־ tz. j(i« 's!׳ h-p,,; it ische n l.neern. Vom zionistischen Standpunkt sind seuüt gegen die Ka'tun׳; vieler Aufsätze Einwendungen i׳vt Ge mnsiitz zu früher ^ein Boden s inam.kes Wertvolle und Lesensden 11ns mit einzelnen BeUnigen geder Zeitschrift. feine■ lltzcm 11cr-hu m tu c r ist als S mderheft der Tic! z' Vrö'ifnen 'ebs lief'!, zwei' größere Vufsiltze Ion Hanns PiC'ifVcr und Früh Hirsdiiicr:׳ beschäftigen sich mit den beiden erst eil Bünden der jüdischen .lugendbewel'ung in Deutv bland, .,der B'.mweil“‘ und ״die Kameraden“, die bc.dc imtcrgcu.tilgen, doch die^ XVur/.el zahlreicher Neubil- und;;mh heute noch in den bestellenden Gruppierungen fortxx irken. Mit der geujenwärtigon . Lage de1' Juperulbcweder if'.iks’hen •luaendbe Weitung in l)euts< h!and“, Heinz Cohn liefert einen Beitrag über Gegenwart »fragen jüdischer Flr- 7.ich!!!!;!. Das Heft wird vervollständigt durch eine Notiz, über das Cb nnukkahw under von Ignaz•. May bau in, die Fr,l-ts׳.'!/!!ne des Beitrages vom hohem Priestertum von Leo Stern 11 erp, einen soziologischen Versuch über die jtt- Hin• he K!einstcid!gemeinde von Kri h Rosenthnl und eir-e!,eilie von kleineren Ru'irilicn. Wir werden auf die wichtKs.’en Aufstltze dieses Heftes wie auch auf die vorhergegangenen Nummern des ,.Morgen“ noch zurüekkommen. Zum jüdisch-arabischen Problem, ein Sammelbuch, herausbegehen vom llcdialuz, ca. 'TM! Seiten, Klcinoktav, Preis 1,25 Hekhsmark. — Am 10. 12. erscheint dieses Buch, das in weitesten Kreisen des deutschen Zionismus und des!;esamten deutsche» Judentums großes Interesse erregen dürfte. Es enthalt eine Reihe von Aufsätzen zum Araberproblem aus der Feder van Arlosorofl, Beilinsohn, Ben Gurion, der firith Schalom-üruppc, Screni, Simati, Smilanski und Wil- Lanskv. Vorbestellungen sind an den Hcchaiuz, Berlin W 15, Mcinekcstr. 10, zu richten. Alt und Jung schichtet sich um s. ת. Paris, den 3. Dezember 1933. Das Herzlwort, daß einem Volke nicht zu helfen ist, wenn es sich nicht selbst helfen kann, kann auch auf Individuen angewendet werden, Aber für beide nur mit einer Einsehränkling, daß die Selbsthilfe Förderung und Wohlwollen In den Augen der Mitwelt bzxv. bei den Mitindividuen findet. Genau wie die große Sache der jüdischen Volksbefreiung durch den Zionismus nur ״in einer Atmosphäre des Wohlwollens“ (Herzl) durchführbar ist, so kann sich die Selbsthilfe von Menschen, die in die Lage!ersetzt sind, urplötzlich ihr Dasein zu revolutionieren, nur dann wirksam erweisen, wenn die Umgebung, in die diese Menschen verschlagen werden, ihnen beizustehen bereit ist. Der 1״ eidensweg vieler Auswanderer, die durch die letzten politischen Entwicklungen Deutschland verlassen mußten und nach Frankreich verschlagen wurden, ist ein beredtes Zeugnis für die Stichhaltigkeit der vorangegangenen Bemerkungen. Im Ueberscfnviing der mitleidigen Gefühle wurden in Paris die ersten jüdischen Ankömmlinge aus Deutschland von den rasch ins Leben gerufenen Hilfskomitees empfangen, untcrgebracht und reichlich unterstützt. Je mehr Auswanderer hinzukamen und je länger der Zustand ihrer Notlage dauerte, um so größer wurden die Schwierigkeiten, ihnen zureichend zu helfen. Wir haben darüber berichtet, daß der Untcrstützungssatz gekürzt, daft eine Kasernierung vorgenommen und außerdem angekündigt wurde, daß die Hilfsmittel bald v e r - siegen werden. Glücklicherweise ist dieser Zustand heute noch n i c 111 ein getreten. Aber viele Hunderte Auswanderer haben nicht erst dieser Ankündigungen bedurft, um sich über ihre Lage Gedanken zu machen und ernste Versuche zu unternehmen, so rase It wie möglich aus der Obhut der W o h 11 ä t i g k e i t s g e s e 11 s c 11 a f t e n entlassen zu werden. Zunächst trat dieses Bestreben am stärksten in den vier Kasernen in Erscheinung, in die das Pariser zentral« Hills- Komitee einige Hundert, hauptsächlich jüngere, Auswanderer untcrgebracht halle. Diese Menschen litten besonders unter dem Gefühle, beschäftigungslos zu sein. Man hatte für sie Lehr- Kurse eingerichtet." man hatte Vorsorge für Leibesübungen getroffen — das alles aber vermochte auf die Dauer nicht die Unruhe dieser -Menschen zu bannen, immer mehr Kaserneninsns«en verlangten, daß man ihnen Gelegenheit gebe, neue Berufe zu ergreifen, ein Handwerk zu erlernen, um sich wieder in den Arbeitsprozeß einzufügen. Eine Gesellschaft, welche noch vor einigen Monaten gegründet wurde, nahm sich der Aufgabe nn. diesen Menschen mit Rat und Tat zu Hilfe zu kommen. Funktionäre dieser Oesc'lscbaft gingen in die Kasernen und suchten auch außerhalb der Kasernen wohnende Aus- Wanderer aut, um mit ihnen über das sie bewegende Problem der U tn s c h i c h t u n g zu sprechen. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Aber schon die bisherigen Ergebnisse, festsgchalten in statistischem Material, geben ein bezeichnendes Bild, wie tiefgehend die seelische Wandlung bei der überwiegenden Mehrheit der aus Deutsch-!and im Lauic der letzten Monate atisgewanderten Juden ist. Es wurden Menschen bis zum Alter von 50 Jahren ausgefragt und beraten. Es handelte sich in der Hauptsache um gewesene Kauflente und Vertreter freier Berufe, außerdem uni Studenten, Handelsangesfeilte und in nur geringer Zahl um geiverbetreihemle oder sich für ein Gewerbe vorbereitende Eiemente. Hierbei sind die jüngeren Jahrgänge, die hauptsächlich vom Hechaluz erfaßt sind — es handelt sich hier um ungefähr 800 junge Menschen, von denen zirka 300 in der Landwirtschart oder in Lehrstellen untcrgebracht sind — nicht berücksichtigt. Von Interesse ist, was diese Menschen auf die Frage, nach welcher Richtung sie sich umstellen wollen und was für einen Beruf sie ergreifen möchten, geantwortet haben. Nur sehr wenige geben als ihren Herzenswunsch an, daß sie wiederum im llandel tätig sein möchten. Die übrigen erklärten, ein Hand w c rk ergreifen zu wollen. Cs ist bezeichnend, daß eine große Anzahl angab, im Bäcker- oder Konditorgewerbe arbeiten zu wollen. Im Unterbewußtsein ist vielleicht in diesem Wunsche die Vorstellung verknüpft, daß man in einer Backstube genügend Brot findet, um sich satt zu essen. Andere wollen Friseure werden. Ein großer Teil der Gefragten möchte in der elektrotechnischen Branche Unterkommen oder die Schlosserei und Klempnerei erlernen. Wenige (cs handelt sich uni verhältnisniäPiig ältere Menschen um die 25 Jahre herum), sind geneigt, in Zukunft Maurer, Schreiner oder Landwirte zu werden. Einige halten sich noch für fällig, vom TextilhandeHn das Optikergewerbe hinüberzuwechseln. Ehemalige Angestellte von Lederhandunigen wollen Gerber werden. Kurz, bei der erdrückenden Mehrheit besteht der a u f r i c h - tige Wille, aus den bisherigen Händler- und V e r m i 111 e r b c r 11 f e n zu fliehen und ein Leben schwerer körperlicher Arbeit zu beginnen. Dieser!drang ist, wie gesagt, bei jung und alt anzufreffen. Wenn man die einzelnen Fragebogen studiert und sie dann in einem großen Haufen vor sich liegen sieht, ist man zur Er- Kenntnis gelangt, ein ungeheueres Mali von Spannkraft und auch von Zukunftswillen liegt in all diesen Menschen, welche durch ein plötzliches Geschehen aus ihrer gewohnten Lebensbahn gerissen wurden. Es ist der erwähnten Gesellschaft gelungen, vielen dieser Menschen Gelegenheit zu verschaffen, ihre Umschichtungspfärte zu verwirklichen. Trotz der schwierigen Lage auf dem französischen Arheitsmarkte sieht die französische Regierung dem Bestreben der Gesellschaft wohlwo'knd gegenüber. Man darf sich doch nicht täuschen, daß durch den Zustrom vieler ausländischer Arbeitnehmer in Frankreich ein immerhin bcachtiichcs Problem geschaffen wird. Chaim W e i z m ,1 ri n hat in einer am 1. November in Paris gehaltenen Ansprache darauf It ingewiesen und der französischen Regierung gedankt, daß sie trotzdem den Mut gefunden hat, das Risiko der Schaffung eines Problems auf sich zu nehmen. Entgegenkommend sind die n i c h t j ü d i s c!1 e n französischen O e w e r b e t r e i - Bend en und Handwerker. Der Geschäftsführer der Gesellschaft findet nicht genug Worte des Lohes für die Bereitwiliigkcit der nicht'üdisclien Franzosen, die Umschichtungs- Bestrebungen «1er aus Deutschland gekommenen jüdischen Aus- Wanderer zu fördern. Zurückhaltender sind die jüdisch-französisehen Arbeitgeber. Ob wohl für sie Acliad Haams Wort von der inneren Knechtschaft bei äußerer Freiheit Geltung hat? Die Exekutive der Jewlsh Agency» Londoner Büro, teilt mit, daß David Ben Ci ur i o n, Mitglied der Palästina-Exekutive, am 23. November aus Palästina nach London kam, um mit der Londoner Exekutive über die politische Situation in Palästina m beraten. Jiz.chak Grünbaum ist von Warschau nach Palästina gereist, um seine Aufgaben als Leiter der Immigrations-Abteilung der Jewish Agency zu übernehmen. Presseschau Der ״Refchibnnd füdfscher Frontsoldaten" Ueber die neue Entwicklung des ״Reichsbtmdes jüdischer Frontsoldaten“ schreibt die Breslauer ״Jüdische Zeitung“ im Verlauf eines längeren Artikels u. a.: ,,Im heutigen RJF. kämpfen offensichtlich zwei Riehtungen miteinander. Die eine Richtung hält an dem ursprünglichen Zweck des Bundes fest, der als Samrne'organisafion sämtlicher jüdischen Frontsoldaten nicht nur in deutsch-politischen, sondern auch in innerjüdischen Fragen auf dem Boden strengster Neutralität stehen mußte. Solange Deutschland ein Parteistaat war und sich die Juden für berechtigt hielten, an dem Parteileben Anteil zu nehmen, umfaßte der RJF. AUmschen der verschiedensten deutsch-politischen Richtungen, was in gar keinem Gegensatz zu seiner allgemeinen Betonung des vaterländischen Gedankens stand. Alle waren ja überzeugt, auf ihre Weise dem großen Ganzen dienen zu können. Gegenüber den jüdischen Richtungen machte der RJF. keinerlei Unterschied und umfaßte Zionisten wie Zentralvcreinler, Liberale und Orthodoxe. Alle konnten sich ja durch ihre Frontkämpfercigensrhaft dahin ausweisen, daß sie ihre Pflicht als Soldaten erfüllt hatten. Es kann gar kein Zweifel daran bestehen, daß in der gleichen Periode, in der die Frontkiirnpfereigciischaft zur Voraussetzung gewisser gesetzlicher Erleichterungen bei der Ausschaltung der Juden aus einzelnen Berufszweigen geführt hat, sich die Führung des Frontbundes darüber klar wurde, daß sie, solange ihre Anhängerschaft auf die eigentlichen Frontkämpfer beschränkt büch, eine Gruppe vertrat, die aus natürlichen Gründen immer mehr und mehr in den Hintergrund treten mußte. Hierdurch wird cs verständlich, daß der RJF. sich nach einer Verbreiterung seiner Basis umsah und dadurch zwangsläufig dazu kam, aus einer Zweckgemeinschaft eine Q c s i n n t! n g s g e in e i nschaft zu werden. Hierbei ist ein Teil der Führung des RJF. offenbar bestrebt, den Bund in einer Richtung festzulegen, die nichts anderes darstellt als eine Fortsetzung der historisch erledigten Assimilationspolitik der deutschen Juden im 19. Jahrhundert.“ Nach Besprechung verschiedener Artikel des Organs des ״Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten“ heißt es weiter: ״Solange unsere Umwelt unter dem Begriffe ,Volk‘ die Gesamtheit der ■Staatsbürger oder, in einer anderen Wcrdung, die Gesamtheit der zum deutschen Sprach- und Kulturkreis gehörigen Menschen zählte, konnten sich zweifellos die deutsehen Juden (natürlich einschließlich sämtlicher Zionisten) zum deutschen Volke rechnen, wenngleich die Zionisten die Verknüpfung der deutschen Juden mit dem jüdischen Volke als vertikale Verbindung zugleich mit der horizontalen Einglicderung in die Umwelt erkannten. Wenn aber der Volksbegriff gerade auf diese vertikale Beziehung der menschlichen Gemeinschallen, auf ihre rassische Herkunft und die dadurch bedingten geschichtlichen Kräfte begrenzt wird, dann wird es unsinnig, die klare Situation der Amlersartigkcit dadurch wieder vernebeln zu wollen, daß man die deutschen jaden in einseitigen und von der Umweit abgclehnten Proklamationen zum deutschen ,Volke‘ zurechnet. In allen Actißerungen des öffentlichen Lebens tritt die Betonung des Rassenm 0 m ent es hervor als Ausdruck des Wunsches zur Dissimtlierung der Juden. Die deutschen Juden müssen sich dieser Tatsache bewußt werden und ihre Andersartigkeit in diesem Sinne begreifen lernen. Denn der Makel der Minderwertigkeit wird durch keinerlei Berufung auf allgemeine Grundsätze der Menschheilsethik und der Wissenschaft getilgt werden können. Auch der Versuch, die Andersartigkeit der Juden wegzudispt!• tiereu, war auf diese Argumentation gestützt worden und ist nach allgemeiner Auffassung restlos gescheitert. Deswegen bleibt für die deutschen Juden nur der eine Weg offen, aus den eigenen Kräften ihrer Art und ihres Volkst u וזז s die schöpferischen Leistungen zu entwickeln, die jedem Volkstum die Achtung der anderen gewinnen. Dabei bleiben die deutschen Juden, die sich zu ihrem jüdischen Volkstum bekennet!, auch weiterhin Angehörige des deutschen Sprach - und Kulturkrciscs und in jeder Rechtsform loyale Angehörige des deutschen Staates. Ihre besondere Aufgäbe besteht aber darin, in dieser durch ihre Geschichte bedingten geistigen Situation die Rückkehr zti dem Quell der jüdischen Geschichte und die Verbindung mit den jüdischen Aufgaben der Gegenwart wiederzufiuden ... Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch im R. J. F. die Aus e inandersetzung um die grundsätzlichen Fragen kommen muß. Zweifellos denkt eine grolle Anzahl, vielleicht die •Mehrzahl der Mitglieder, anders über die jüdischen Aufgaben unserer Zeit, als es die Leitung wahrhaben will. Zumimfestcn fühlt sie instinktiv, daß der Zustand des deutschen Judentums ein anderer werden muß, wenn es überhaupt noch die Hoffnung auf Weiterbestand haben soll.“ Palästina im Bild und in Musik. Der Keren Kajemefh Leiisrael hat für die Ortsgruppen und Jugendbünde neues Material für die C11 a 11 u k k a h - V e r a n s t a 11 u n g e!1 herausgebracht: 1. Ein Bildband ״Tel-Awiw und die O r a n g « n k ü s t e“, 55 neue Bilder aus Palästina mit einem Begleittext. Preis des Streifens mit Begleittext G Mark. Vorzuführen mit dem überall ausleihbaren Filmoskop- oder FilmoÜ-Apparat (Stehbilder auf Kino-Normalfilm). 2. ״H 0 ad raatai“, 3 hebräische Chöre von Ben Uri. Leicht emzustudierende Chorlieder, für Erwachsene und Kinder in gleicher Weise geeignet. Preis 50 Pfennige. Es wird empfohlen, Serien zu 15 Exemplaren pro Chor abzunehmen, die zum ermäßigten Preise von 6 Alark (statt 7,50) geliefert werden. Die Kompositionen stammen alle von Ben Uri in Berlin. ״Ho ad matai“, rhythmische■ Prosa von Ben Uri, gibt die Antwort auf die Frage des jüdischen Volkes, wie es aus seiner Not und aus seinem Elend befreit werden könne. Rückkehr ins Land, Wiedergeburt der eigenen Sprache ist die Antwort. ״L'os rat 11 a a m“, ein Aufruf ßialiks an alle, die jüdisch empfinden, Hilfe und Befreiung zu bringen und mit-?.!!wirken a!1 der Erlösung des eigenen Volkes. ״w׳’tap ec hem“, ist dem vierten Buch Moses, XIV. Vers 31 entnommen. Das Chorlied versetzt uns in die Zeit, als die Kundschafter ins heilige Land zogen. Die Jugend schreitet voran und ist der Eroberer. Alle, die nicht an die Wieder־ gewinnung Erez Israels glauben, werden auf dein Wege Bleiben und in «Jer Wüste sterben. Einzel-Lieder: die bekannten hebräischen Liederkarten des KKL, Serie 2 und 3 zu je 10 Lieder. Preis pro Serie 50 Pfennige. Enthaltend neueste Volks- und Kinderlieder aus Palästina. (Keren Kajemeth, Berlin W 15, Meinckcstr. 10, Postscheckkonto Bcrlin Nr. 28 247.) Achtung Das beste Chanukkah-Geschenk Achtung Ermäßigtes Probe-Abonnement der ,Jüdischen Rundschau" ab 12. Dez. 1933 bis 30. März 1934־ nur RM 6,׳

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