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Jüdische Rundschau · 1933-12-05 · Heft 97 (5.12.1933) · p. Seite 907

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 97 (5.12.1933)
Date
1933-12-05
Page
Seite 907 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 91, 5 XII. 1933 jüdische Rundschau Seite 905 933 it ittchen tau bearakter n Wert JUR. weinen Cohn lisation : Schubcr die rioni- »er zio- :h eine ler die J cn. unter 11 führen;leinen! 1 dahin :iahuti׳! dischen m Auf- Campt > e n im erschiessenheit e c i a I ,־׳eil des dt der ihr des Ukt zu! eincmu fcntlich .Hoch ash Cv Zionistische Massenversammlung 1 Kurl Blumenfeld zur PaläslüiapoliflK »un der h Com ten Un 1 g’e den 2 Juden,;ine Zu ohin sie rabisclie umsonst : leidige der der .. .11? י I ands :ise ent en zwei;ten Pa eilte der 1 n d i a״ ilitik l'a r letzten n Weise ie Juden fr finde: I o s i o 11 schädigt ir b ei d igten 7 se habe:' mg ihr Elmvmi ileti E 1L*r beim fürchten zu \ve lie Imn;!eht doch eise for!!recht - 1k xvitnk :ine E x liidiscln■ togar er!der sin werden ■iinschcn I f o n d s!1, denn .1 nehme! a t v o r Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltete am vergangenen Sonntag Vormittag eine Massenkundgebung im Theater des Westens, bei welcher Kurt Bl umenield über: ״Das Recht des jüdischen Volkes auf seine Heimstätte in Palästina" sprach. Das Theater war von weit über 2000 Personen gefüllt; besonders stark war die jüdische Jugend vertreten. Schon lange vor Beginn der Kundgebung sangen einige Jugendbünde hebräische Chöre. Die Rede Blumenfclds wurde von der Riesenversamirilung mit größter Aufmerksamkeit und innere! Anteilnahme aufgenommen, und der tiefe zionistische Ernst und das Verantwortungsgcfüln des Redners fand einen merkbaren Widerhall. Die Zionisten Berlins freuten sich, Blumenfeld nach mehrmonatlichem Palästina-Aufenthalt wieder zu höien. Seine Rede wurde um so mehr beachtet, als sie gleichzeitig, ohne in Uebertreibungen au verfallen, eine Stellungnahme zu den aktuellen Palästina-Problemen brachte. Nach einleitenden Worten von Dr. Martin Bandmann begnnn Blumenfeid mit einer Erinnerung an die älteste Oeschichte der Juden. An ihrem Beginn stehe ein Vertrag zwischen Gott und «lern Volk Israel. In diesem Vertrag hat Gott dem Volle Palästina verheißen. Auch damals wie heute sei der jüdische Anspruch auf Palästina nicht durch den faktischen Besitz des Landes entstanden. Damals wie heute kamen sie von außen, fanden sie das Land nicht leer vor, sondern besetzt von Gegnern. Die Eroberung dauerte viele Generationen; von den Zeiten, in denen Josua den Jordari überschritt, bis zur endgültigen Gewinnung des Landes sind zwei Jahrhunderte vergangen. Seitdem schrankte die jüdische Geschichte immer wieder zwischen dem Verlust des Landes und der Wiedergewinnung. Jetzt steht sie wieder in einer Epoche der Rückkehr in das Land, wo alles das entstanden ist, was jüdische Kultur bedeutet, wo alle großen ׳ Männer des Judentums gelebt haben, wo alles das geschaffen .vurde, was das jüdische Volk der Welt zu sagen hatte. Immer aber war die Rückkehr die Anstrengung eines Teiles, einer Minderheit. Die Mehrheit wollte niemals ihre neue Heimat aufgehen, um die alte zurückzuerobern, aber nie 111 sie entschied. Als die Juden aus der babylonischen Knechtschaft zuriicklidiren durften, blieb der rollte Teil in Babylon, wo cs den Juden nicht schlecht ging; cs ist bezeichnend, daß die Bibel, die sonst mit großen Zahlen nicht spart, hier kleine Ziffern nennt. Aber die Minderheit, die Babylon verließ, hat die Kontinuität des Judentums gehalten; von den andern, die blieben, findet sich heute keine Spur. Auch damals fanden die Heimkehrer im Laude eine feindliche Bevölkerung; in der einen Hand hatten sie, wie die Bibel berichtet, die Keife, in der andern hielten sie das Schwert. Der historische Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina ist also, so faßte Blumenfeid zusammen, grundsätzlich anderer Art als die historischen Ansprüche anderer Völker auf andere Länder. Niemals ist auch i:1 der Zerstreuung die Verbindung der Juden mit Palästina abgerissen. Ihre Religionsesetze beziehen sicli auf dieses Land. Die Erinnerung au die Befreiung von der ersten Knechtschaft, an den Auszug aus Aegypten, durchzieht das gesamte religiöse Leben und im höchsten Moment seiner Erhebung steht das Gebet: Im iiäcltten Jahr in Jerusalem. Der jüdische Anspruch auf Palästina ist der ganzen Welt bekannt; er hat in der Balfour- Deklaration und im P a I ä s t i n a - M a n da t, das in seiner Präambel sieh auf die ״historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina‘‘ bezieht, Völkerrechti c 1! c Anerkennung gefunden. Er hat kein Analogon 111 der Geschichte; er ist nicht Wiederbelebung eines ers'torbenen Gedankens, sondern Verwirklichung einer dauernden, nie abgebrochenen inneren Be- Ziehung. Der historische Anspruch wird ergänzt und legitimiert durch die Leistungen, die die Juden in diesem Land und an diesem Land vollbracht haben. Das Land war durch tausendjährige Mißwirtschaft vernaclilüssigt, verwahrlost. Als die zionistische Bewegung begaim, fand sie das Land v׳erschlossen vor. Hundcrttausemie standen bereit zur Einwanderung, aber nur wenigen Tausend dang sie. Sie waren eine Auslese, und sie haben gezeigt, daß der Anspruch auf das Land ihnen neue Kräfte entstehen ließ. Zur Ueberraschung auch der Juden selbst stellte sich heraus, daß die Juden kolonisieren können. Das Land hat auf sie gewartet; sie haben es zum netten Leben erweckt. Der Redner schilderte dann die Primitivität der arabischen Bewirtschaftung, wie sie die Juden vorgefunden hatten. Die Juden haben, indem sie ihre intensive Arbeit dem I aride zugute kommen ließen, das Land vergrößert; denn für die Aufnahmefähigkeit eines Landes ist nicht die Zahl seiner Bewohner entscheidend, sondern ihre Art und ihre Arbeit. Deutschland war um die Mitte des vorigen Jahrlumderts bei einer halb so großen Bevölkerung, wie es sie jetzt hat, Auswandereriand; die Auswanderung war vor dem Kriege trotz• der ■verdoppelten Menschenzahl von selbst ztm! Stillstand gekommen. Die Juden liaben in Palästina für neue Menschen Platz gemacht, trotz der ungeheuren Schwierig- Leiten, die sie vorfanden. Trotz des Wassermangels, der Malaria, des 113!btropischen Klimas, trotz ihre! Unerfahrenheit; war doch von den Pionieren, die das Land zu neuem leben erweckten, kaum einer zuvor Landwirt gewesen. Ihre kolonisatorische Arbeit ist nicht zu vergleichen mit den anderen kolonisatorischen Unternehmungen unserer Ze'.t, die darin bestehen, daß die weißen Herren die Arbeit farbiger ״Natives" ausbeutcn. Es gibt heute keine andere Sied- 1 u 11 g s k o 1 o n i e in der Welt außer Palästina; und auch die Engländer geben ztt, daß sie bei aller ihrer kolonisatorischen Erfahrung liier vor etwas Neuem stehen. Und noclt mehr: die Juden haben alles L.atul, das sie behauen, durch Kauf er w 0 r 1t c n. Niemals ist eine Be- Siedlung eines fremden Landes in so legitimen Formen erfolgt. Unter ihrem Einfluß hat sich auch die einheimische Bcvölkcruitg erstaunlich entwickelt. Auffallend ist der Unterschied zwischen Araberdörfern, die in unmittelbarer Nähe von jiidischert Besitzungen und solchen, die einige Kilometer entfernt lagert. Hier intensive Wirtschaft, Sauberkeit und Wohlstand, dort Unkenntnis, Verwahrlosung und bodenlose Armut. Durch jüdische Arbeit ist die Malaria verschwunden, wurden Terrassenkulturen angelegt und Bäume gepflanzt, wurde Wasser gebohrt und Sümpfe getrocknet. I>ie O r a n g e 11 k 1111 u r wurde eingeführt, die Grapefruit kultiviert. Wo früher die Fellachen bei extensiver Wirtschaft 250 Dunam zur kümmerlichen Existenz brauchen, reichen jetzt bei der intensiven jüdischen Austnitzung des Landes 15 Dunam bei besserem Leben — die Welt ist größer geworden durch das Kolonisationswerk in * alästina. Blumenfeld kam dann auf die Aralter-Frage nt sprechen. Durch die Leistungen der Juden seien die Spannttngen nicht aufgehoben; denn es gibt keine Dankbarkeit in den Beziehungen zwischen Völkern. ״Warum verfolgst du midi; ich habe dir doch nicht so viel Gutes getan" — so hat einmal Jakob Bernavs dieses Gesetz geistvoll formuliert. Und doch sei die Arbeit der Juden für das [.and und die zunehmende Stärke ihrer Position das beste Mittel, um zu einem modtts vivendi mit den Arabern zu kommen. Die Unruhen von 1020/21, 1925 und 1020 waren gegen die Juden gerichtet; die von 1033 ausschließlich gegen die englische Verwaltung. Von einer Animosität zwischen Arabern und Juden war diesmal nichts zu bemerken; daraus ist der Schluß erlaubt, daß sich die Spannungen wenigstens nicht verschärft haben. Je stärker wir werden, desto eher wird man sich mit dem f’ait accompli unserer Existenz abfindcii; nur mit unserer Stärke wird man sich versöhnen. Voraussetzung; ist selbstverständlich, daß auch unser Verhallen der Situation entspricht: wir wollen die Araber weder majorisieren noch assimilieren, wir machen Raum fi'tr uns, ohne die eingeborene Bevölkerung zu verdrängen. Allerdings: ohne jüdische Landwirtschaft kein jüdisches Palästina. Nur, wenn wir wirklich auf dem Land sitzen, können wir nicht mehr daraus entfernt werden. Wir vollen kein neues Karthago schaffen; die Grundlage des palästinensischen Volle,- tums ist und bleibt die landwirtschaftliche Bevölkerung. Händler waren wir überall — dazu brauchen wir Palästina nicht. Wenn wir aber wirklich innerlich und äußerlich vorbereitet sind, so können uns die Schwierigkeiten, die sieh jetzt der Einwanderung entgegcnsteilen, nicht entmutigen. Wenn irgendein Vorgang einen Zionisten mutlos machen kann, dann ist er kein Zionist. Feiglinge gehören nicht nach Palästina. (Stürmischer Beifall.) Gewiß, in I’alästina zu leben, ist gefährlich. Aber jedes echte 1 eben Dt gefährlich. Die Mandatsregierung, so fuhr Blumenfeid fort, ist der Unruhen schnell Herr geworden. Sie habe diesmnl so gehandelt, wie man cs 1020 verlangt habe, und es sei nicht leicht gewesen, sich so zu verhalten bei den vielerlei großen Rücksichten, die cii’e englische Verwaltung nun einmal nach allen Seiten hin zu nehmen hat. Die Eröffnung des Hafens von Haifa ist trotz der Unruhen vor sielt gegangen. Der Oberkomimssar hat zwar die Feierlichkeiten abgesagt, tun die Gäste nickt zu gefährden, alter die Lröffnurig selbst!nabe programmgemäß stattgefunden. Der Kolonialminister habe in seiner Rede noch einmal das Versprechen der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims ausdrücklich betont und die Bewohner ermahnt, Ruhe und Ordnung zu halten. Aber die englische Regierung sei dennoch bee i n d r 11 c k t v. ordett, durch die vor h a n d e 11 e R e - a k t i o n der Araber auf die jüdische Einwattd e r 11 n g. Die Touristen ein Wanderung sei auch von jiidischer Seite aus betrachtet problematisch. Die Frage ist, ob die, die auf diese Weise i!t das Land hnieinkamert, geeignet sind. Palästina sei erstaunlich aufnahmefähig, aber nur für arbeite 11 tie Menschen, begrenzt sei seine Aufnahniefähigkeit für intellektuelle. Matt wolle nicht in l’aliistina ein Abbild des deutschen Judentums schaffen; die Touristcneiiiwanderung habe die soziale Schichtung ungünstig beeinflußt. Nicht dies kann uns befriedigen, daß Touristen f it Lande bleiben und wir wenig Zertifikate erlir.1ten. Wir haben einen Anspruch auf viele tausende Zertifikate und brauchen zahlreiche Einwanderer mit dem erforderlichen Kapital. Man müsse den A.nsprtidt auf eine Erhöhung der Zertifikatszif fer mit aller Kraft erlichen, alter in einer Form, die die Mandatsregierung überzeugt. Wir halten uns mit einer Welt auseinanderztisetzen. die ernst und männlich ist und die mir Ernst und Männlichkeit anerkennt. Nichts ist ihr unsympathischer als sterile Aufgeregtheit, nichts hilft weniger als eingeworfette Fensterscheiben. Leute, die den Kampf 11 ac 11 allen Seiten zugleich führen wollen, gegen die Araber, gegen die Engländer und gegen die anderen Richtungen innerhalb des Zionismus, beweisen keine Kraf t. (Starker Beifall.) Ihr Verhalten führt zu Zertrümmerung und U!1ter׳»a1!g. Kraft drückt sielt nur du reit I. e 1 s 111 11 Eg aus. 1 tie Juden könnten nun einmal nur übers Meer nach Paläslina gelangen. Sie!rauchten also di« Zn- Stimmung der Re giertttig für ihre Ziele. Diese Zustimmung aber erreicht man nur durch die Kraft der U ober zeitg tt n g. Ucbcr/ettgttng aber wird erzielt durch den historiselten Anspruch des jüdischen Volkes, durch seine Leistungen an Palästina und, so schloß Blumenfeid, durch seine tiefste Legitimation, seinen elementaren Drang nach Palästina. Es handelt s ich um die wir Hielte Umsetzung einer! d e e ins Leben, oft gegen jedes wirtschaftliche Interesse, gegen alle rationalen Gründe. Aus der zusatnmvngehallten Kruft der Hunderttaiiscnde, die hier etwas Neues geschaffen haben, neue Worte, neue Formen, nette Lieder gefunden, neue Selbstsicherheit und Lcbcnsnälie gewonnen Italien, aus dieser Kraft stamme unser stärkster Anspruch. Ans ihm entnehmen wir die Gewißheit, noch einmal zu tun, was wir in grauer Vorzeit getan haben: neues Leben und neue Freiheit für das jüdische Volk zu erobern. Die Versammlung dankte Bhmicnfekl mit einer lancjanhallenden Ovation, die sowohl seinen eindrucksvollen Auslührungen galt, wie auch die Verehrung 7 um Ausdruck brachte, die die Versammelten seiner Person zollten. Dr. Bandmann schloß die Kundgebung mit einer kurzen Ansprache, in der er zum Eintritt in die Zionistische Organisation appelfiertc. Unter dem Stichwort ״Aas dem Inhalt“ finden unsere Leser von jetzt ab auf der rechten Seite des Kopfes der ״Jüdischen Rundschau“ eine Angabe einiger wichtiger Beiträge der jeweiligen Nummer. ״Frontismus" und Judentum in der Schweiz Ein Situationsbericht f. Zürich, Ende November 15)33 Die schweizerische Frontenbewegung verdient das Interesse der jüdischen Oeffentlichkcit, weil in den Programmen und Kundgebungen der ״Froutparteicn“, neben dem Kampf gegen den Marxismus und die bisherigen Formen der politischen Demokratie, namentlich nuch die .1 udentr a g e eine Rolle spielt. Allerdings bildet sie im allgemeinen nicht gerade das Kernstück der frontistiselten Forderungen; nur einige der frontistischen ״Splitter“, insbesondere die Heimatwehr und die Eidgenössische Volks- und Wirtschaft spartet, (die mit dem nationalsozialistischen Fädgenössischen Kampfbund identisch ist), stellen in ihren Iticlulinicn die Durtiiführung des Rasscprinz.ips durchaus in den Vordergrund, indem sie verlangen, daß ,,Eidgenosse h 11! I s l> i o 1 o g i s c h nur sein kann, wer mit dem Volkstum seines eidgenössischen Landes verwachsen ist; Staatsbürger soll daher zukünftig mir werden und sein können, wer bl ut sei dgc n ö ss i s ch n b - gestammt ist und mindestens ein Jahrhundert sich hieraus entwickelt hat“. 11 ier tritt die antisemitische Richtung der Frontcnheivcgung klar zutage. In dein Programm der Hauptträger der Bewegung!»leibt sie mehr im Hintergrund. Ucberhaiipt repräsentiert <1 io fron! istische Bewegung, zahlenmäßig gesehen, vor der iland nur erst •einen geringen Teil des schweizerischen politischen Lebens, Man muß ja in diesem kleinen Lande die aus der politischen Arithmetik der großen Märkte gewohnten Zahlen ohnehin auf ein entsprechendes geringores Maß zurüekEaihren. Bei wenig über 4 Millionen Einwohner» in der gesamten Schweiz sind große Millionenbewcgiingten politischer Art überbau|>t schwer denkbar. Aber mich prozentual gerechnet dürfte die Frontenbewegung gegenüber den ulten und noch immer rnäHüigen, tradttbuisgcsichcrten Parteien, und auch namentlich gegenüber der So/ialdetnokratie und dem Koinrminismu», heute noch nicht sonderlich schwer ins Gewicht fallen und kaum 5 °0 der 'Wähler erreichen. Aber in einzelnen Kantonen und Orlen Bilden die Anhänger der Fronten doch bereits eitle recht beachtliche Mindcibi'i:, wie die 27 "״ S! inmien bei der letzten Schaffbiutserisc •lien Ständeratwahl und die )0 Sitze iiti Zureiter Gemeindernt erweisen. Die Gesamtzahl der Anhänger der frontistischen Bewegung, zu der wir hier auch die fnschistisolle Partei des ()!)ersten Fon ja! 1:17. rechnen, der sich kürzlich mit einer Anbüngergrttppe von dem froiilixUsehen Kerne, der ״Nationalen Front", trennte und ein Aktionskomitee für die Universalität von Rom“ (mit anderen Worten eine Zweig- Organisation des italienischen Faschismus gründete, die in Mussolini den Führer erkennt), wird man atif nicht mehr als 20 0(1(1 veranschlagen können. Die Wochenschrift des Oberster» Fonjnllnz: ״Der Schweizer-Faschist“ bildet übrigens in gewissem Sinne ein Gegenstück zu dem Zentralen Kampfblatte: ״llanrus“ des vorhin schon erwähnten rechtsradikalen nationalistischen Kampf blindes. Aber diese beiden Gruppen des schweizerischen Front isntus stellen nur die E'iUgelorganisationen der Bewegung dar. Haupttrager und Kern der Frontenhewegung ist •— auch nach der jüngst erfolgten Abspaltung eines 'Feiles der Anhänger — die ״Nationale Front“, die sich vor einigen Monaten bereits mit der ״Neuen Front“ zu einer Einheit verbunden hat. lieber das Stärke Verhältnis dieser beider! Kerngruppen der Front bewegting verlautet nichts gewisses. Es scheint aber, daß die Mehrheit der Fronlistcn bei der vereinigten ״Nationalen und Neuen Front“ verblieben ist. Allerdings bat die Mehrzahl der Mitglieder der Ortsgruppe Basel, ferner einige Gruppen und Gruppenteile in Solothurn, im Kanton Bern und in Luzern der alten Organisation den Rücken gekehrt und sich dem neuen ״Volks! mild für nationale und soziaic IVTik“ zugewendet. Die Dissidenten haben in einem ״Bullet!17“ die Zahl ihrer Anllänger auf 3000 angegeben, gegenüber 4000, die der alten Organisation treugcblicben sind. Die 7,:1h!rci1 lien Absplitterungen, Umgestaltungen und Neuforniiingcii innerhalb der frontistiseh-f.ischistisclten Parteien werden von manchen Beobachtern als Zeichen des Verfalls gedeutet. Es mag sein, daß die St»f-kraft des Frontismus itn Augenblick infolge der inneren Uneinigkeit gelitten hat: Aber es wäre zu oberflächlich geurteilt, vielleicht um so weniger, als allen Gruppen der front is' isehen Bewegung nach wie vor eine bemerkenswert starke Aktivität zueigen ist, und der neue Volksbund insbesondere je! 7,t Anschluß an die (ausgesprochen antisemitische) ältere 1 i ei matweh rbewegung gcfunden hat. Nach, alledem erscheint es richtiger, die Entwicklung innerhalb des schweizerischen Fronlisntus als eine Krise nicht so sehr des frontistischen Gedankens, als seiner bisherigen Attsdrucktsfunncn anzusehen, und die Stärke und Wcrhckraft des zugrundeliegenden nat tonal-schweizerischen Gedankens nicht über der aktuellen ideologischen und politiselten Schwäche der Bewegung zu verkennen. Die schweizerische Frontenbewegung hat. wiederum die J u d e it h c i 1 der Schweiz aus einem lang jährigen Gleichgewichts- und Ruhezustand nachhaltig uufgerüttclt, und ihr die Labilität der allgemeinen jüdischen Lage zum Bewußtsein gebracht. Die Juden haben hier, als kleine Minderheit der Gesamtbevölkerung, Jahrzehnte lang ein wenig hervortretendes bürgerliches!.eben geführt, in gutem Frieden untereinander und mit 11er übrigen Bevölkerung, ziemlich weitgehend assimiliert, ohne besondere Problematik, und nur in den jüdischen Kult usgemeinden, sow ie in einigen geselligen und wissenschaftlichen Vereinen, mit jüdischen Dingen und jüdischem Gemeinschaftsleben belaßt. Gewiß hat auch der Zionismus hier eine ansehnliche Verbreitung geuinden, es gibt in allen größeren und mittleren Städten zionistiseho Ortsgruppen. Aber die Haupt!räser der l’ulüstinaidee waren hier von jeher die doch eher indifferenten Keren llnjcssod- Zahler, eine stattliche Anzahl für die kleine Schweiz, von denen aber die meisten offenbar mehr das soziale und carilatixe Moment, als die nationale Jdee beim Palästina-Aufbau gelten ließen. Die Zahl der in der .Schweiz lebenden Juden ist von etwa 21 000 im Jahre 1021 auf etwa 13 000 im Jahre 1933 zurückgegangen. Sie machen also heut: bei Uber 4 Mil- Ronen Einwohnern insgesamt knapp 0,4 »0 aus. Nur rund 4000 Juden sind aktiv wahlberechtigte Schweizer Bürger. Jüdische Gemeinden, meist hesclicidetien Umfanges, linden sich in allen größeren and Mittelstädten, die bedeutendsten in Zürich und Genf. Was die Beruf sachichtung ungeht, so ist

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