Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 96 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 887 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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933 Nr. 96, 1. XIL 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 885 >er den i hebrä• Eiterngeführt -eh der unmehr tgeteilt, >n dem Stunden ir jede mit ist md der iem die tan will idischen ktisclien Hangen. Forde- :sch ickt. rderung;mg der gerade einzelne ber an- ׳on den .,braucht 1 sagen, \ e b r Ü - e offene :s Auscon den Energie zu Beiingehen¬ Wie ge- Vorstand t wurde, der (je die von irkräften worden, r allgeahl der i c h t s - 18 fern, rn; wir ebenso iidischen i kommt lammender ein- )a jedes abhangt, 1 hierauf 1t gelegt dmum und es igen bee heute ■ks sind,;ich alle um*, die ti Boden Vorderr Augen in der cs deut-!ft denen e Macht deutsche n einem •r C.-V.- n Juden :häftigte, er Juden i s un g“ r Hauptiruhhfen. 1er Faklas Werk mit rein Problem an sollte nzip der lie ihnen stung in Irtscfiaftsondern 1e volle, — oder will, der n seinen (zeptiert oe. war laut Anzeige iffc Ver- 31 e Vcr- Knaben irdachtsdaß das r Direk- •eslau in siuferin, ¬ס fiter ן Seite! gestellte ft tsanwalt f Anklage!8 Jude!» n) seine calypse“ usalem). 'opograsprachcn Aus- U. Cas* 1 bisher 15. Jahriretaticm literar- Bcsonim Fall trcMvea Aus der Berliner Gemeinde Kampf um die Umbildung Die Repräsentanten Versammlung der Berliner Jüdischen Oemeinde hat sich am 20. 11. mit den von Dr. Siegfried Moses gegen den Gemeind evorstand erhobenen Vorwürfen beschäftigt. Zwischen der Gemeinde und den jüdischen Zeitungen besteht eine Vereinbarung, wonach von der Berichterstattung über die nicht öffentlichen Sitzungen der Repräsetitantenversammlimg mir der offizielle Bericht, der vom Gemeindebüro versandt wird, verwendet werden soll. Dieser Sitzungsbericht ist nunmehr ausgegeben worden. Wir entnehmen dem Bericht nachstehende Einzelheiten: Erklärung de• Gemeindevorsiando Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Heinrich Stern, erhielt der Vorsitzende des Oemdndevorstandes, Direktor Stahl, das Wort zur Abgabe einer Erklärung. Die Erklärung nimmt zunächst auf die Behauptung von Dr, Moses Bezug, der Oemeindcvorstand sei der ״Rcichsvertretung der deutschen Juden“ in den Rücken gefallen oder suche, sie zu stürzen. Hierüber (u’iflt es in der Erklärung; ״Der (!«׳mcimlrvursiand hat den Wunsch, daß die Reichs• Vertretung eine weilgeheiide Und segensvolic Wirksamkeit, lür die dent.-ithen Juden entfalten möge und in■ l* re ihre Ktiirtc dafür einsetsen ״lüge, die Rechte der deutschen Juden zu wahren. Freilich kann dir (;e(oIgsclü1ft, die der keiehsvertietung gideisiel, werden soll, nicht ln-<In1;1׳m!yNlos sein, sonder!! wird — 1 1 11׳ o! wird Hinigkcif unter uns bestehen — abhängig sein von den Tuten der Reicljsveilretung. Es sei mir daher vergönnt, irr allem I-'n-iimit einen Wunsch 7.11111 Ausdruck zu!)ringen, dessen Erfüllung Un* für das von uns angestrebte vcrlrauensvolle Zusammenwirken mit der Rckhfvcrtrctung besonders wesentlich erscheint. Wir glauben, daß die Erhaltung und der Wiederaufbau des d e u t, s c h e n J u d e n t u nt s, die Neugestaltung von Existenzen durch 13 e r u f s - li 111 schi c 111 u 11 g und zeitgemäße A u s b i 1 - düng der Jugend r1uup(aufgabcn der Rcichsvcrtrctung der deutschen Juden sein müssen. Der Wiederaufbau, die erzieherische und kulturelle Arbeit wird trotz aller Anstrengungen, die die deutschen Juden selbst zu machen verpflichtet und gewillt sind, der Stützung nus den Mitteln des zentralen Hilfs Werkes nicht entraten können. Wir legen deshalb besonderen Wert darauf, daß Verhandlungen mit den hierfür maßgebenden Stellen durch Persönlichkeiten geführt werden, die durch sich gelbst die (iewithr dafür bieten, (laß sie nicht iiherhört werden und deren ganzes Interesse dem Wiederau 11 >a!1 in 1 >,-■11• wldand gehört. Durch diese Stellungnahme wird aber in keiner Weise beeinträclitigt das volle Intcrcs-e und!las Verständnis des (leineinjevor- Standes für die Hilf:,Eiligkeit zugunsten derjenigen aus unserer Gemein schaft, die ihre Zukunft außerhalb der Heimat suchen, insbesondere ihr Geschick mit dein Auibauwerk tu Palästina voiknüpft haben oder verknüpfen wollen.“ (nt weiferen Verlauf behauptet die Erklärung, Dr■ Moses habe dem Qemeindevorstand vorgeworfen, daß zwei seiner Mitglieder an der neugegriindeten ״Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen“ maßgebend beteiligt sind. Es sei aber weder Absicht noch Aufgabe des Gemeindevorstandes, das Eigenleben innerhalb des deutschen Judentums zu unterdrücken. Schließlich erklärt der Gemeindevorstand, daß er nicht daran denke, vor Ablauf seiner Amtsperiode seine Arbeit niederniederzulegen. Wenn Dr. Moses die zeitgemäße Neugestaltung der Qemeindekörperschaften gefordert habe, so könne er ״des geschlossenen Widerstandes der berufenen Vertreter der Gemeinde gewiß sein“. Im letzten Teil der Erklärung wird dann aufgezählt, was der Qemeindevorstand leistet. Er habe den Ausbau des jüdischeu Schulwerkes in Angriff genommen, wobei auch den Anträgen der hebräischen Lehranstalt und der Schule der jüdischer! Jugend ״auf Bewilligung von Mitteln für Ausbildung im Neuhebräischen bereitwilligst entsprochen worden“ sei. Weiter wird die Wirtschaftshilfe, der Arbeitsnachweis, das Wohlfahrtswesen erwähnt, Gebiete, auf denen eine gemeinsame Arbeit der verschiedenen Richtungen wie bisher stets möglich sein werde. Schließlich sei cs eine besondere Aufgabe des Gemeinde- Vorstandes, ״ermutigend und belebend einzuwirken auf die große Zahl derer, die wirtschaftlich und seelisch aus ihrer Bahn geschleudert sind, die aber eine neue Zukunft nur in Deutschland finden wollen und können.“ Die Erklärung fährt fort: ,,Die Intensivierung dos jüdischen Wissens und Fühlen* und des Zusammenhalts unter den Juden Ist gewiß erstrebenswert, darüber sind wir einig und hierfür können wir gewiß gemeim;;u»1 wirken, aber das reicht nicht aus. Darüber hinaus muß die Zuversicht, von der die Führung der Gemeinde erfüllt ist, vcrhieitet und jedem Gcmcindcniitglicdi: vermittelt »erden, daß den deutschen Juden im deutsche» Lande eine Zukunft «blühen wird, bei der sic in loyaler Einfügung in die bestehende Staats- und Wirtschaft«• Ordnung gleichberechtigt als freie Menscher, Ihr Lehen führen könneu,“ Die Debatte Direktor Kareski (Qemeindevoritand) gibt ein Min• d er h eits v 0 tum ab, worin erklärt wird, daß er der verleseneu Erklärung des Gemeindevorstandes nicht zustimmen könne. Zwar habe die Reichsvertretung in wichtigen Belangen versagt, insbesondere in der Atisbürgertingsfrage, und verdiene daher kein Vertrauen. Aber auch gegenüber dem Getneindevorstand müsse Kritik geübt Werden, da er auf den wichtigsten Tätigkeitsgebieten die grundsätzlichen Forderungen der jüdi־ sehen Volkspartei unbeachtetlasse. (Wie uns hierzu aus Kreisen der ״Jüd. Volkspartei‘‘ mitgeteilt wird, hat Herr Kareski seine Erklärung nur im eigenen Namen und nicht, wie es in dem offiziellen Communiquc heißt, ״namens der volksparfeilichen Minderheit des Gemeindevorstandes“ abgegeben. — Red. d. ״Jüd. Rundschau“.) UcbcT die darauf folgende Rede von Dr. Siegfried Moses belichtet das Communiquc folgendermaßen: ״Dr. Siegfried Mojei beschäftigt »ich zunBclut mit den Gründen, die ihn zum Austritt aus dem Direktorium bewöge» haben. Während zu Beginn seiner Tätigkeit in diesem Kollegium die Zusammenarbeit der maßgebenden Instanzen mit ihm loyal gewesen sei, sei eine grundlegende Aenderting in dem Zeitpunkt eingetreten, in dem die Berliner Jüdische Gemeinde sich auf das Gebiet der jüdischen Politik begeben habe. Von nun an seien nacheinander immer neue Verstöße gegen die jüdische Solidarität, immer neue Provokationen gegen die Anschauungen erfolgt, die nach der Uebcrzeugung des Redners von der Mehrheit der Berliner Juden geteilt würde, ln ihrem Zusammenhang erörterte der Redner da* Verhalten des Ge-!TMundevorstandcs bei der Entstehung der Reichs Vertretung; das Oktober-Heft des Gerneindcblattes, das mit einem politischen Progranxn tief Reichsvertretwjg iu den Rücken gefallen sei; das Ravernber-IIeft de* Gcmcindcblatte«, düs — statt dem zugestandenen Fehler wieder gutzumachen -- einseitige und nach Ansicht des Redners bekämptenjwerte Anschauungen auf dem Gebiete der Schul-Polilik programmatisch vertreten habe; schließlich (Jcbertragung der verantwortlichen Positionen in der Jugendarbeit an extreme Vertreter einer Richtung, die in der Jugend eine kleine Minderheit bilden. Nim habe sieh auch noch unter Beteiligung von zwei Mitgliedern des Gemeindevorstandes die ״Erneuerurigsbewcgung der jüdischen Deutsehen“ gebildet, die sich die Bekämpfung der Reichs Vertretung zum Ziele gesetzt habe. Unter diesen Umständen würden die Bestrebungen des Redners und «einer Freund«, die auf eine Umgestaltung der Gemeindekorperschaften gerichtet sind, keinesfalls zur Ruhe kommen.“ Im weiteren Verlauf der Debatte erklärt zuerst Herr W oyda (liberal), er könne es sich nicht gefallen lassen, daß mail seine außerhalb der Genieindestube liegende Tätigkeit krifisiert, und verteidigt die von ihm ins Leben gerufener Orgamsation. Der Vorsitzende der liberalen Fraktion, Dr. Kurt Fl ei sc 11 er, betont, daß die Gemeinde als Einheitsgemeinde nur aufrechtzuerhalten sei, wenn weltanschauliche Auseinander- Setzungen außerhalb der Gemeindeverwaltung ausgetragen werden und in der Gemeinde unter Betonung ihres Charakters als Religionsgemeinde die soziale Arbeit in den Vordergrund gestellt wird. Die Vertreter verschiedener Anschauungen können sich in ihrer privaten Betätigung nicht behindern lassen. Herr Rosenthal (üemeindevorstand) erklärt (im Gegensatz zu den Versicherungen anderer maßgebender Vertreter der Liberalen), der von Dr. Moses angegriffene Artikel des Herrn Woyda im Gemeindeblatt entspräche den Ideengängen des Gemeindevor- Standes. R.-A. Dr. Klee (Jikl. Volkspartei) betont, die Zusammenarlieit zwischen den verschiedenen Parteien sei auch jetzt erwünscht und durchaus möglich. Eine Emhcitsgcmciudc sei aber so aufztifassen, daß für alle in der Gemeinde vertretenen An- Behauungen das gleiche Recht verlangt werden müsse, bei den Veranstaltungen der Gemeinde und im Gemeindeblatt zu Worte zu kommen, sowie in den wichtigsten Dezernaten vertreten zu sein. Dementsprechend sei eine Ergänzung der Redaktion*- Kommission durch Zuwalil neuer Mitglieder erforderlich. Hinsichtlich der Reiclisvertretung sei, nachdem sie ins Leben gerufen wurde, es notwendig, dali sie von allen Seiten unterstützt werde. In der Ausbürgerungsfrage habe jetzt der Preubische Landesverband, nachdem die Reiclisvertretung iiier eine Tätigkeit nicht entfaltet habe, Fühlung genommen. Der Redner unterstrich mit allem Nachdruck die These, daß auch jetzt der Versuch einer sachliche 11 Zusa mm enarbeit unternommen werden müsse, und er hoffe, daß dieser Versuch ein Ergehnis zeitigen werde. Die von Herrn Dr. Moses angeregten Fragen lassen sich nicht ohne weiteres erledigen. Eine gründliche Erörterung zunächst in den einzelnen Fraktionen und dann in den interfraktionellen Besprechungen sei geboten. Schließlich polemisierte noch R.-A. Heinrich Stern (liberal) gegen Dr. Moses. Er erinnerte u. a. daran, daß bei der Gründung der Reichsvertretung nicht nur die Berliner Gemeinde bzw. die Liberalen Bedenken hatten, sondern auch andere Riehtungen, darunter die Jüdische Volkspartei. Der Vorwurf, daß in den Institutionen der Gemeinde nur Repräsentanten der Mehrheit zur Geltung kommen, beantwortete Herr Stern damit, daß auch in der früheren Legislaturperiode, als die Liberalen in der Minderheit waren, nur Repräsentanten der Mehr• heit zu derartigen Funktionen herangezogen wurden. Zum Schluß gab Direktor Stahl nochmals die Erklärung ab, daß er und der üemeindevorstand bestrebt sind, die.Reiclisvertretung zu unterstützen. Sodann wurde die Diskussion zur nachsten Sitzung vertagt. * Diese Debatte in der Repräsentantenversammhing, ob man nun Ohrenzeuge war oder sich nur aus dem Communiquc informiert, wirft ein eigentümliches Licht auf die in der Berliner Gemeinde herrschenden Zustände. Am auffallendsten ist das Bestreben der herrschenden Mehrheitsgruppe, den wahren Konfliktsstoff und damit den wahren Sachverhalt zu verwischen. Man wünscht auf diese Weise den Eindruck hervorzurufen, als ob es sicii bei dem Austritt von Dr. Moses aus dem Direktorium um eine unbegründete Friedensstörung handelte. Man tut, als ob Dr. Moses sich dagegen gewendet habe, daß nichtzionistische Gemei ndemitglieder in ihrem Privatleben ihre eigenen Bestrebungen verfolgen. Was Dr. Moses wirklich gesagt hat, ist etwas ganz anderes. Dr. Moses hat darauf hingewiesen, daß der Gemeindevorstand sich in den Dienst einer bestimmten jüdisch-politischen Richtung gestellt hat und seine Organe für eine Bekämpfung der zionistischen Anschauungen zur Verfügung stellt, obwohl die Mehrheit der Berliner Juden eine solche Einstellung in der heutigen Zeit zweifellos nicht billigt. Die wahre Situation wurde enthüllt durch das ״enfant terrible“ der Liberalen, Herrn Rosenthal, der — zum Schrecken seiner andern Fraktionsgenossen, die eben noch das Oegenteil behauptet hatten — zugab, daß die Publikationen des Herrn Woyda die Anschauungen des Gemeindevorstandes zum Ausdruck bringen sollten. Daraus geht hervor, daß der Protest von Dr. Moses völlig gerechtfertigt war. Zur ״Erklärung“ des Gemeindevorstandes wäre noch zu sagen, daß es erfreulich ist, wenn der Gemeindevorstand nunmehr der Reichsvertretung positive Mitarbeit zuteil werden lassen will, dies muß aber unter voller Berücksichtigung der Tatsache bestehen, daß die Existenz der Reichsvertretung davon abhängt, daß alle großen jüdischen Gruppen und Organisationen sich durch sie vertreten fühlen. Die Schlußabsätze der Erklärung, die wahrscheinlieh als antizionistisehe Pointe gemeint waren, legen den Schluß nahe, daß der Gemeindevorstand nicht weiß, worauf die im Berliner Judentum bestehende Unzufriedenheit abzicit. Gewiß soll der Gemeindevorstand ermutigend und belebend auf diejenigen einwirken, die seelisch aus ihrer Bahn geschleudert sind. Aber ein jüdischer Gemeindevorstand kann das nur dadurch, daß er den Mensehen Glauben an das Judentum und eine starke JSdische Oesinnung gibt. Die Menschen werden nicht .,seelisch gestärkt“) wenn man ihnen fadenscheinige Assimilation*־ tlicorien vor setzt, die der tatsächlichen Lage Hohn .sprechen und das jüdische Selbstbewußtsein noch weiter untcrhüMcn müssen. Dies gilt gewiß nicht nur für auswaiidcrnde Juden, sondern gerade für die, die in Deutschland bleiben und hier unter einem schweren seelischen Druck weiterleben müssen. Der Gcmeindevorstand will die ״Zuver« sicht“ verbreiten, daß die deutschen Juden ״gleichberechtigt als freie Menschen“ ihr Leben in Deutsch-!and werden führen können. Daß dies ein anzustrebendes Ziel ist, darüber sind gewiß die Juden aller innerjiidisehen Richtungen in Deutschland völlig einig. Aber es wäre ein Frevel, nicht zwischen \Y 11 lisch und Tat- Sachen zu unterscheiden. Frittier glaubte man. die Gleichberechtigung und das ״freie Menschentum“ dadurch erreichen zu können, daß man das Judentum aufgibt. Wir erklären und haben immer erklärt: wir wollen und können ein solches Ziel, so hoch wir es bewerten, nicht durch Aufgabe unseres Judentums erkaufen. Gegenwä.: w haben sich die Dinge aber so gestaltet, daß dies nicht einmal möglich ist, denn durch den Sieg des Rassegedankens in Deutschland ist jeder Jude ״verurteilt“, ein Jude zu bleiben und sieh als solcher zu bekennen. Die ״Gleichberechtigung als freier Mensch“, wie es das liberale Zeitalter verstand, kann es unter der Herrschaft des Rassegedankeiis nicht geben. Was wir anstreben müssen, ist: Die Gleichberechtigung als stolzer Jude. Das ist die einzige Form, in der wir uns — auch seelisch ■— in der heutigen Ordnung behaupten können. Dies 1111 d nichts anderes muß den deutschen Juden gesagt werden. Das ist gewiß noch nicht ״Zionismus“, aber es ist eine Haitun g,zuderauc 11 Zionisten ja sagen können. Wenn der Gcmeindevorstand in diesem Moment eine Erklärung abgibt und in vager Form von ״Zuversicht“ auf ״Gleichberechtigung“ spricht, statt vor dem Angesicht des deutschen Judentum8 und der ganzen deutschen Welt mit aller Bestimmtheit und W ürde von der Notwendigkeit eines stolzen Judentums auch unter schwierigen Lebensbedingungen zu spreche«, den Menschen und vor allem der Jugend Begeisterung für das Judentum und einen starken jüdischen Glauben zu geben, dann kann eine solche Erklärung nur als ein unzulängliches Kanzleiprodukt gewertet werden und keinen Widerhall in den Herzen finden. Ein solcher Genicindevorslrmd hat nicht das Recht, sich dagegen zu sträuben, daß die zuk u n f t s g 1 ä u b i g e 11 j ft d i s e he 11 Kräfte aktiv in der Führung der G e 111 c i n d e in!!arbeiten. Darum war und isi die Forderung von Dr. Moses nach sofortiger U in g e s t a 11 u n g der G e in e i 11 d e k ö rperschaften voll und ganz berechtigt. Wir würdigen die Verdienste einzelner Persönlichkeiten des Ge« meindevorstandes auf gewissen Gebieten der Gemeinde- Verwaltung. Aber in einer bewegten Zeit wie der heutige!1 ist entscheidend ein neuer Geist, und dieser Geist kann nicht aufgewännie oder getarnte Assimilationstheorie sein, sondern nur ein mutiges, aus freier und ehrlicher Erkenntnis der wirklichen Juden frage geborenes Bekenntnis zum jüdischen Schicksal und zur jüdischen Zukunft. Pressescliau Die Londoner Zeitschrift ״The Mear East and In• dta“, die eine Zeitlang als Sprachrohr des Kolonialamtes galt und nach den Unruhen von!1)2h eine ziemlich araberfreundliche Haltung eimiahm, wendet sich in ihrer Nummer vom 23. November wieder mit großer Schärfe gegen :die Arabische Exekutive. Das Blatt erklärt, die Behauptungen der arabischen Führer, daß die arabische Volks- Stimmung nach einer Explosion drängte, sei nur der Versuch, die wirkliche Verantwortung der arabischen Führer zu bemänteln. Es steht fest, dali die letzten Unruhen in Palästina dadurch entstanden sind, daß die Arabische Exekutive die von der Regierung ausdrücklich verbotenen Dcmon* strationen dennoch durchführte, ״Bisher hat die Regierung anscheinend von dieser vorsätzlichen Mißachtung ihrer Autorität noch keine Notiz genommen, wenn wir von der vorübergehenden Verhaftung von zwei oder drei Führern, die selbst unter den Demonstranten waren, ahsehcii. Wenn die Toleranz nicht so weit getrieben werden soll, daß die Regierung zu einer Farce wird, dann scheint cs notwendig, eine gewisse offizielle Kenntnis zu nelmien von der Aktion der Arabischen Exekutive. Nur wenn diese!־rage einen Teil der Aufgaben cier Untersuchungskoniinission bilden soll, könnte eine Rechtfertigung für einen Aufschub der Aktion bestehen.“ Mit diesen Bemerkungen wendet sich ״The Near East and India“ gegen die Erklärung des Oberkotnmissars, daß die Polizei selbst die Untersuchung durch eine Kommission begrüßen werde. Aus diesen Worten, so schreibt das Blatt, könnte man herauslesen, daß die Untersuchungskorrmiission sich nur mit dem Verhalten ■der Polizei beschäftigen soll, obwohl ja deren Verhalten von allen zuständigen Stellen als sehr zurückhaltend anerkannt worden ist.