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Jüdische Rundschau · 1933-12-01 · Heft 96 (1.12.1933) · p. Seite 886

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 96 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 886 (sequence 6)
Language
German
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Seite 884 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 1. XII1933 Nr. Letzte Nachrichten Pala*lina-Debatte in Unterhaus Wie uns nach Redaktionsschluß aus London gemeldet wird, fand am 29. November abends im englischen unterhaus eine Debatte über die Palästina-Politik der Regierung statt im Anschluß an eine Reihe von Anfragen verschiedener Abgeordneter. Der Kolonienminister Cunlifie-Llster gab in diesem Zusammenhang die Erkllrung ab, daß sich die Politik der englischen Regierung in bezug auf die Zulassung von jüdischen Einwanderern nicht g e8ndert habe. Die Einwanderung werde entsprechend der Aufnahmefähigkeit des Landes geregelt und cs entspreche nur den Interessen aller beteiligten Gruppen, wenn einwandfrei feststehe, daß nur die vom High Commissioner zugelassenen Einwanderer wirklich Ins Land kommen. Die Frage, ob zwischen der gesteigerten jüdischen Einwanderung und der arabischen Revolte ein ursächlicher Zusammenhang bestehe, v«rne inte der Kolonienminister. Bei einer Kundgebung der Engiish Zionist Federation In London vor vielen tausenden Zuhörern sprachen Dr. Welzmann, Dr. Brodetsky und Ben Gurion über die neue Wendüng der Palästina-Politik. Tiberias Von Sanitiitsrat Dr. S. L a c h 111 a n n, Bad Landeck i. Sehl. Der Name Tiberias hat /» verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Bevölkerungsscliichtcn einen Sehr verschiedenen Klang gehabt. Die alte Itadestodt, die dort dem Kaiser Tiberias /11 Uhren errichtet und benannt war, galt den Römern als herrlicher Kurort zur Erholung und Gesundung, aber zu etwa der gleichen Zeit und noch Jahrhunderte lang nachher hatten (Ion die .Wisoreten, die mit peinlichster Sorgfalt über der Reinheit des Ihheltextes wachten, ihren Wohnsitz aufgeschiatjen. Von der stolzen Hohe eines Luxuskurortes für die elegante Weit jener Zeit war Tiberias zwar herabgestiegen; aber seine Quellen selbst hatten ja nicht aufgehört zu fließen, und nach wie vor suchten und fanden Kranke an ihnen Heilung. Wenn man heute erzählt, daß man begonnen hat, über den altbewahrten heißen Quellen moderne Badehifuser zu errichten, daß in ganz wenigen Jahren dort der Aushau eines Heilbades vollendet sein wird, das sich in seinen Einrichtungen mit den besten W eltb a dern wird messen können, so glauben die HC-ror meist, cs handle sich da tim den Versuch, ein längst in jahrlumdertelaugern Schlaf liegendes Dornröschen mit ciniger Kunst zu erwecken. Und man ist dann sehr erstaunt ztt erfahren, daß der Kurbetrieb in Tiberias niemals unterbrochen gewesen ist: dal׳» auch heute, hei den technisch veralteten und recht primitiven Einrichtungen, das Bad jährlich von 4500 Kurgästen besucht wirdj also einer Zahl, die selbst in Deutschland der Frequenz, manches gut bekannten Bades entspricht. 15ahei ist bis heute überhaupt nur ein einziges der Gebiete, für die ärztlich die Quellen von Tiberias verwandt werden können, praktisch erprobt und eingeführt. Da es sich um sehr starke und heiße Solquellen handelt, die sich daneben noch durch einen recht hohen Schwcfelgehalt auszeichnen, so liegt die Anwendung hei rheumatischen Krankheiten nahe, ttnd sie ist auch von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart die Domäne des Kurgebratichs in Tiberias gewesen. In dieser Beziehung ähneln die Quellen und die bistierige Art ihrer Anwendung den Thermen von Aachen und Wiesbaden, mit denen sie überhaupt eine große Verwandt- Schaft haben; nur daß sowohl ihr Salzals ihr Schwefelgehalt erheblich größer 13t als der dieser deutschen Quellen. Aber überall in der Welt werden ja Salzquellen noch für eine ganze Reihe anderer Krankheiten mit ausgezeichnetem Erfolg verwandt, besonders auch für Katarrhe der Atmungsorgane, und deshalb hat die Tiberias*(JescilSchaft, die sich die vollkommene F. r n e u e r u n g des ganzen Ortes zum Ziel gesetzt hat, auch die baldige Errichtung van Inhalatorien, Gradierwerken usw. iri ihr Programm aufßtnommeii. Eben in diesen Wochen macht ein berufener Mbieralqucficnfachmann an Ort und Stelle die Vorarbeiten für eine moderne Fassung der Quellen, von denen heute bei dem primitiven Zustand des ganzen Terrains itt ihrer Umgebung der größte Teil noch 11 ngenützt verloren!seht. In wenigen Monaten wird dann diese Arbeit soweit gediehen seit!, daß mit dem eigentlichen Neubau des großen Badehauses begonnen werden wird. Und dann wird in rascher Folge die weitere planmäßige Erncucrung aller Kuranlagen sich;inschließen. Die unter dem Namen ״T (1 e I i a tu c i - T i b c r i a (Tifaerias Hot Springs) Co. Ltd.“ ins Lehen gerufene Aktiengesellschaft, der die englische Regierung als Eigentümerin der Quellen die Konzession für ihren Ausbau verliehen hat, geht in ihrer finanziellen Gebarung so vorsichtig zu Werke, daß schon bei einer mäßigen Steigerung der bisherigen Frequenz sich eine sehr gute Verzinsung für das in dem Unter* nehmen aii/iilegemle Kapital ergeben dürfte. Aber neben dem uralten Ruf, der! die Quellen auf Grund der Erfahrung von zwei jahrtritisenden genießen, wird die große Anziehungskraft, die das I!eilige Land auf alle westlichen Kulturvölker ausübt, in Zukunft unter den vielen Tausenden von Touristen sicher auch eine unerwartet große Zahl von Heilung suchenden Kurgästen nach Tiberias führen. Darüber hinaus aber wird sich das Werk, das hier ge* schaffen wird, noch nach den verschiedensten Richtungen hin fruchtbar und segensreich ausvirken. Nicht nur, daß zuerst da» Baugewerbe für mehrere Jahre eine lukrative Betäfigitng finden wird; daß dann alle die Hil fsgewerbe, die sich in einem Kurort tmd 111 Zusammenhang׳ mit ihm überall entwickeln, ein gutes Feld finden werden; daß endlich die landwirtschaftlichen Betriebe Palästinas In nähe* rer und fernerer Umgebung einen sicheren, aufnahme- und zahlungsfähigen Inlandmarkt für ihre hochwertigen Boden- Produkte gewinnen. Es wird vielmehr, uml das verdient im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich in Deutschland für viele Juden ergeben haben, besonders hervorgehoben zu werden, hier jüdisches Kapital, das Anlage* mßglfchkeiten sucht, und jüdische Arbeit, die ein Betätigung»* fehl braucht, für viele Jahre und Voraussichtlich In alle Zu* kunft die Möglichkeit zu produktiver Entfaltung finden, und deshalb verdient «las, was jetzt in Tiberias geschaffen werden soll, auch die größte Aufmerksamkeit und das größte Inter* esse gerade der deutschen Juden. * (Nähere Auskünfte über den geschäftlichen Aufbau und die Ihvestitionsmögllchkeiten der ״Tiberias-Gcsc-Ilschaft“ erteilt die Palästina-Wirtschaftsstelle, Berlin W 15. Melnekestr. 10.) bi Tel-Awiw wird das Eintreffen einer belgischen Handelsdelegation erwartet, der Vertreter der beigischen Hauptindustrien angehören. Die Delegation wird die Möglichkeiten der Entwicklung der Handelsbeziehungen Belgiens mit Palästina und den übrigen Landern des Mittleren Ostens studieren und auch die Vorbereitungen zur Errichtung läsea belgischen Pavillons für die Levante-Messe treffen. Berufsuxnsdiiditung und Kurzlehre Von S. Adler-Rlidel. Unter diesem Titel hat Herr Paul Goldmann, Hannover, in Nr. 85 der .,Jüdischen Rundschau“ vom Standpunkt des jüdischen Hanawerkcrs zur Berufsumschichtungsaktion Stellung genommen und dabei auch die oft angewandte Kur zieh re kritisiert. So sehr man den Ausführungen des Herrn Goldmann zum Teil zustimmen kann, so erscheint es doch wichtig, 11m Miß- Verständnisse zu vermeiden, noch einmal deutlich den Unterschied zwischen der notwendigen Veränderung der Berufsstruktur der jüdischen Bevölkerung und der zurzeit stattfindenden B e r u f s u m s t e 11 u n g des Einzelnen zu kennzeichnen. Die Veränderung der berufliehen Struktur der deutschen Juden, die allein Berufs- Umschichtung zu nennen ist, nämlich die Abwanderung der Juden aus den überbesetzten Berufen des Kaufmanns* und Akademikerstandes in die handwerklichen, gärtnerischen und landwirtschaftlichen Berufe, die bisher von Juden weniger besetzt sind, ist ein Prozeß, der sich im Laufe vieler Jahre, evtl, durch Generationen hindurch, vollzieht. Dieser Prozeß ist in keiner Weise mit der zurzeit stattfindenden Kurz* lehre, die aus der wirtschaftlichen Not des Einzelnen heraus begonnen wird, zu verwechseln. Eine wirklich tiefgreifende Veränderung der beruflichen Struktur setzt eine Er- Ziehung der Jugend zur produktiven Arbeit, zur Wert- Schätzung des Handwerks und zur Richtigeinschätzung aller manuellen Arbeit voraus. Diese Erziehung kann nicht dann begonnen werden, wenn der jugendliche Mensch in das Berufsleben eintritt, sondern sie muß sich durch den ganzen Lehrplan der Schule ziehen. Es ist wichtig, daß der junge Mensch in seinem Elternhause bereits die für die Umschiehtung notwendige Einstellung zum Berufe bekommt. Es gehört dazu, daß die Eltern dem Kind die Bedeutung des Berufes klarzutnacheti verstehen; es gehört vor allem dazu, daß der produktive Beruf in dem Bewußtsein der jüdiseben Gemeinschaft einen ehrenvolleren Platz ciimimmt, als er ihn bisher eingenommen hat, Zur Berufs- Umschichtung ist notwendig und wichtig, daß in dem Urteil der Gesamtheit der handwerkliche, gärtnerische und landwirtschaftliche Beruf nicht mehr ein minderbewerteter ist, sondern als produktiver Beruf vollwertig an die Seite der anderen Berufe gestellt wird. Schon bevor diese Gedankengänge in weite Kreise der jüdischen Bevölkerung gedrungen sind, ist es notwendig, daß Einrichtungen vorhanden sind, die jungen Menschen dazu verhelfen können, ihren Beruf gründlich nach den Erfordcr* nissen der Wirtschaft und der jüdischen Gemeinschaft zu erlernen. Schule und Berufsberatung müssen Hand in Hand arbeiten, um in den Kindern Sinn für manuelle Arbeit zu wecken; sie müssen den Kindern Verständnis für Material und Werkzeug beibringen und ihnen den Begriff einer wirklichen Werkfreude vermitteln können. Es müssen Einrichtungen vorhanden sein, die einer großen Anzahl Kindern zur gründlichen Erlernung ihres Berufes behilflich sein können. Es besteht kein Zweifel daran, daß sich diesem Vorhaben technische Schwierigkeiten mancher Art entgegenstellen. Trotzalledcm muß für die Umschichtung in dieser Form gekämpft und müssen immer neue Möglichkeiten und Wege für die jüdische Jugend erschlossen werden. Bei dem bisher Gesagten handelt es sich nicht etwa um Theorien und um unerfüllbare Wünsche, sondern die Arbeit, die in der Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde seit mehr als einem Jahrzehnt getan wird, läßt deutlich erkennen, daß bei Aufwendung aller Kräfte in dieser Richtung vieles zu erreichen Ist, und daß eine Arbeit in diesem Sinne sehr wohl zu einer wirklichen Veränderung der Berufsstruktur der deutschen Juden führen kann. Die Zahlen der jüdischen Berufsberatung in Berlin zeigen deutlich, wie sehr die berufliehe Zusammensetzung ■der Kinder, die in den letzten zehn Jahren die Schule verlassen haben, efne andere ist als die der Eltern. Diesem Problem gegenüber steht die Frage aller jener erwachsenen Menschen, die durch die plötzliche Ent- Wicklung vor eine neue Entscheidung in ihrem Berufsleben gestellt worden sind. Sie können nicht viel fragen, weichem Beruf sie sich zuwenden sollen. Ihre eigentliche Berufswahl liegt hinter ihnen, und der neue Beruf muß sehr oft entgegen ihren Wünschen erlernt werden. Es handelt sich hier darum, Lücken zu finden, in denen die jetzt zur Berufs- Umstellung gelangenden Menschen eine Tätigkeit ausüben können. Es handelt sich darum, einen Beruf zu finden, den sic möglichst rasch Und ohne Aufwendung möglichst geringer Mittel erlernen können. Gewiß muß man auch hier, soweit es möglich Ist, nach der Neigung gehen, und immer muß überlegt werden, ob der Mensch, der sich zur Umschichtung meldet, für den gewählten Beruf geeignet ist. Auch hier soll man nicht ohne weiteres der Kurzlehre das Wort reden. Auch hier soll dafür gesorgt werden, daß der Lernende eine möglichst gründliche Ausbildung erhält. Aber immer muß man sich klar sein, daß die Menschen, die einen gelernten Beruf verlassen, in dem neuen Beruf nur angelernte Arbeiter sein können, und es darf keinesfalls verschwiegen werden, daß es sich hier um einen Notbehelf handelt. Man soll und muß sich darüber klar sein, daß die wirkliche Berufsumschichtung nur von der Jugend kommen kann und daß sie eine Erziehung von Generationen sein muß. Notizen der Woche Nochmals; Kampf Wir berichteten am 21. 11. über den um Hebräisch Kampf uni die Erweiterung des hebrä* ischen Unterrichts, der von der Eitern* schaff der Schulen der Jüdischen Gemeinde in Berlin geführt wird. Auf den damals erneut ausgesprochenen Wunsch der Elternschaft hat die Schulverwaltung der Gemeinde nunmehr endlich eine Antwort erteilt, ln dieser wird mitgeteilt, daß die Schulverwaltung sich genötigt sieht, den von dem Elternbeirat gestellten Antrag auf Einführung von 5 Stunden Hebräisch ahzttlclitien, da cs unmöglich sei, für jede Schule einen besonderen Lehrplan aufzustellen. Damit ist diese Auseinandersetzung zwischen der Elternschaft und der Schulverwaltung bis ztt einem Punkte gediehen, an dem die Absichten des öemeindevorstandes deutlich werden. Man will einfach nicht den berechtigten Forderungen der jüdischen Eltern nachgeben, die aus erzieherischen und praktischen Gründen einen vermehrten hebräischen Unterricht verlangen. Die Begründung, die man zur Ablehnung dieser Fordederung gewählt hat, ist allerdings besonders ungeschickt. Die Elternboiräte sämtlicher Schufen hatten die Forderung auf״csteilt, so daß es sich nicht um eine Differenzierung der Lehrpläne in den einzelnen Schulen handelt, sondern gerade um ihre Vereinheitlichung. Bisher haben einzelne Schulen ein Mehr an hebräischem Unterricht gegenüber anderen, und in der Schule Rykcstraßc ist die jetzt von den Eltern aufgestellte Forderung bereits erfüllt. Warum gebraucht der Schulvorstand dann Ausflüchte und wagt nicht zu sagen, daß er einfach dagegen ist, daß mehr Hebräisch unterrichtet wird? Wir glauben, daß eine offene Auseinandersetzung besser ist als die Methode des Ausweichcns; diese Auseinandersetzung wird allerdings von den Eltern mit der Schulverwaltung der Gemeinde mit aller Energie geführt werden. Das Sdiulwcrk Das Schulwesen der Gemeinde zu Beider Gemeinde lin bedarf überhaupt einer sehr eingehenden und kritischen Würdigung. Wie ge-!eigentlich eines Presseempfangcs, der vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde am 30. November veranstaltet wurde, mitgeteiit werden konnte, umfaßt das Schulwerk der Gc־ meinde augenblicklich (19 Klassen mit 2938 Schülern, die von 134 Lehrkräften unterrichtet werden. Von diesen Lehrkräften sind im Laufe des Jahres 1933 62 neu eingestellt worden. Von Vorstandsseite wurde betont, daß neben der allgcmeinen pädagogischen Qualifikation bei der Auswahl der Lehrkräfte in erster Linie auch soziale Gesichtspunkte berücksichtigt worden sind. Es liegt uns fern, die Bedeutung dieser Gesichtspunkte zu verkleinern; wir müssen aber trotzdem sagen, daß ein mindestens ebenso wichtiger Faktor für die Auswahl von Lehrern an jüdischen Schulen ihre jüdische Qualifikation ist. Dabei kommt es ebensosehr auf positives Wissen um jüdische Zuammcnhänge und Inhalte an wie auf die Beziehung, die der einzelne Lehrer gesinnungsmäßig zum Judentum hat. Da jedes Schulwerk in erster Linie in seinen Erfolgen davon abhängt, wie die Zusammensetzung der Lehrerschaft ist, sollte hierauf in der iiWischen Ocffentiichkcit allerstärkstes Gewicht gelegt werden. Unser jüdisches Schulwerk muß ja ein Maximum an lebendigem Judentum in den Kindern wachrufen, und cs geht nicht an, daß man sich mit minimalen Forderungen begm'igt. Wir müssen bezweifeln, ob bei denen, die heute maßgebend für die Gestaltung des Gemeindeschulvverks sind, diese Erkenntnis immer vorhanden ist. Irrwege des Fs ist gewiß erfreulich, wenn sich alle Opportunismus Gruppen des deutschen Judentums, die verantwortlich denken, auf dem Boden gemeinsamen Handelns finden und dasjenige in den Vordergrtinu stellen, was ihnen als verbindentfe Aufgabe vor Augen stellt. Trotzdem ist es bedauerlich, daß besonders in der Generation, die bis vor kurzem als Repräsentant des deutsehen Judentums fungierte, Formeln herumgeistern, mit denen man Tatbestände bezeichnen will, die heute durch die Macht der Entwicklung eine ganz andere Bedeutung für das deutsche Judentum erhalten haben. Dies konnten wir z. B. in einem Vortrage bemerken, den Dr. Bruno Weil in einer C.-V.- Versammlung in Berlin über die Lage der deutschen Juden hielt und bei der er sich auch mit dem Zionismus beschäftigte. Er betonte, daß er trotz der Auswanderung deutscher Juden nach Palästina dieses nicht ״als gültige Lösung“ betrachten könne. Begründet wurde dies In der Hauptsache damit, daß die Araber das Aufbauwerk beunruhigen. Wir sind die Letzten, die die Bedeutung realpolitischer Faktoren für das Schicksal des jüdischen Volkes und für das Werk 1'n Paliisfina bagatelfliieren; aber wir glauben, daß mit rein opportunistischen Argumenten die ludenfrage und das Problem der deutschen Juden nicht behandelt werden kann. Man sollte gelernt haben, daß das Sicheinrichten nach dem Prinzip der Nützlichkeit für die Juden Ergebnisse gebracht hat, die Ihnen in keiner Weise dienen. Der Zionismus und seine Leistung in Palästina können nicht von der Entwicklung der Wirtschaftliehen und politischen Konjunktur her beurteilt werden, sondern nur von einer grundsätzlichen Haltung aus, die eine volle, ungebrochene!üdisehe Zukunft bejaht —oder verneint. Wer eine positive Haltung einnehmen will, der kann dies allerdings nur, wenn er Palästina mit allen seinen Schwierigkeiten als gültige und endgültige Lösung akzeptiert __ oe. Di« meinde gegen « Zwisch eine V« nicht i mir der verwen gegebe Einzeln Na Rechts Gerne» einer 1 Behau! der ״N den Ri es in c ״L v e r t r die dei dafür « Fi stet WC. wird Ider K> einen 1 da» vo Rcichsn \V des d durch d u ״ g deutsch 1>< trotz •a vcrpflic z c n I. 1 dcshiiU; rnali״e1 durch werde! 1 gehört. 1)1 trächtij Standes mein sei besondi haben In habe Mitgli jüdiscl weder Eigenl St daran nieder der G geschl Gern ei In der G sehen träger scher! Neuht wird t wesen versci S, vorst a Zahl schien finde!: des 2 über! ken, 1 sicht, jedem Juden sic in ordnen nen.“ Kleine Nadiriditen Wie die ״Times“ meldet, haf eine britische Firma Stcwart Pc Lloyd Ltd. vom Kolonialamt den Lieferiingsauftrag für Stnhlrftliren erhalten, die für die Wasserleitung von P a s - e I - A i n nach Jerusalem verwendet werden ’sollen. Es sollen vier Pumpstationen gebaut werden mit einem Rescrvolf bei jeder Station. Die Leitung wird zunächst der FJsenbahn bef Ludd folgen und von da der Landstraße bis Jerusalem. Der Bau, der sofort in Angriff genommen werden soll, wird von dem Departement für öffentliche Arbeiten der Palästina- Regierung ausgeführt. Im Alter von 66 Jahren ist in Jerusalem der Leiter der Slobod ka er Jescnlwah, die vor einigen Jahren nach Hebron und dann nach Jerusalem verlegt worden war, Rabbi Mosche Mordechai Epstein, gestorben. Der tschechoslowakische Schulministcr Dr. Derer erklärte im Prager Parlament auf eine Anfrage des Abgeordneten Dr. A.ngelo Gold st ein betreffend Einverleibung des antisemitischen. Pamphlets ״Juden beherrschen die Wc׳ltfl in öffentliche Bibliotheken der Slowakei, er habe Weisung gegeben, daß dieses Pamphlet und ähnliche Bücher aus allen Öffentlichen Bibliotheken der Tschechoslowakei entfernt werden. . Wie auf Grund einer Nachforschung durch die Budapester jüdische Zeitschrift ״Egyenlöseg“ festgestellt wurde, ist der vor einer Woche zum Bürgermeister von New York gewählte Rechtsanwalt Fioreilo La Guardia jüdischer Abstammung. Seine Mutter war eine aus Trieft gebürtige Jüdin, die mH ihrem Mädchennamen Irene Cohen hieß. Sie starb 1915 in Budapest-Matyasföld. In der an Tel-Awiw angrenzenden Kolonie Bnei Brak wira von der aus Glasgow stammenden Familie Sunderland eure groß« Kleider{abr4k errichtet, Kasse und Kriminaluntersuchung Gegen einen jüdischen Angestellten aus Breslau war laut ״Frankfurter Zeitung“ vom 26. 11. im September 1931 Anzeige erstattet worden, daß er am 20. Mai 1931 eine 2öjährige Verkäuferin der Filiale seiner Firma vergewaltigt habe. Die Verkuiiferin hatte am 31. Januar 1932 außerehelich einen Knaben geboren. Die gegen den Beschuldigten vorliegenden Verdachtsmomente waren damals nicht hinreichend, so daß das Verfahren eingestellt werden!mißte. Nunmehr hat der Direktor des Anthropologischen Instituts der Universität Breslau in einem Gutachten festgestellt, daß das Kind der Verkäuferin, die selbst vorwiegend nordischer Rasse ist, mit größter Wahrscheinlichkeit von väterlicher Seite e i n e n j ü d i 8 c h e n E i 11 s c 111 a g b e s i t z e. Der Angestellte wurde daraufhin in Haft genommen und der Oberstaatsanwalt in Neisse hat gegen ihn wegen Notzucht öffentlich Anklage erhoben. Monatsschrift für Geschichte tmd Wissenschaft des Jude»» tums. Im neuesten Heft bringt A. Kaminka (Wien) seine Aufsatzreihe ״Beiträge zur Erklärung der Esra-Anokalypse“ zum Abschluß; desgleichen beendet S. Kiein (Jerusalem), der verdienstvolle Förderer der palästinensischen Topographik, seine Serie ״Zur jüdischen Altertumskunde“ mH sprachlieh, geographisch und kulturgeschichtlich interessanten Ausführungen zur mischnisch-talmudischen Namenskunde. U. Cassuto (Rom) fenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen bisher nur wenig bekannten hebräischen Dichter Italiens im 15. Jahrhundert: Mose ben Joab, und bringt ihn durch Interpretation von Proben aus seinem Diwan und eingehende literargeschichtliche Würdigung unserm Verständnis näher. Besondere Hervorhebung verdienen auch die Beiträge zum Fall Mortara (1858), die Josef Meäsl aus Berliner Archiven veröffentlicht, t d c r I lesen! könrn versa dahei staiul Tätig scher der ,, Erklä offizi Mind ״Jüd, beiic Grün! Wit hi sam?11 in d< de 1־ nach( Sol Ans ners In 51: mciiK Okto gram

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