Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 96 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 884 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 882 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 1. XIL 1933 Rückkehr nach Haifa Erste Eindrücke Von Dr. Elias Auerbach, Haifa. II*)• Fast mit dem Tage unserer Ankunft begannen hier, nachdem Jcrsualcm und Jaffa vorangegangen waren, die bekannten Demonstrationen der Araber, Hier in Haifa ging in den jüdischen Stadtteilen das tägliche Leben unverändert weiter, nur eingeschränkt durch den alsbald verhängten Ausnahmezustaml, während dessen die Straßen abends utn 6 Uhr geräumt sein mußten. Nur die noch immer zahlreichen Juden der arabischen Unterstadt kamen in Scharen in des! riadar Hakarmei. Von grobem Interesse ist die Haltung der starken d e 111 s c h ־ j ü d i s c h e n Einwanderung gegenüber den Unruhen. Diese haben wie ein etwas gewaltsames Experiment die Frage beleuchtet, wie deutsche Juden sich wohl in die Probleme palästinensischen Lebens hineinfinden werden. Die deutschen Juden haben sieh i»n ganzen sehr verriünftig gehalten. Von Panik oder besonderer Acngstlichkeit habe ich nichts bemerkt. Eine ganz kleine Anzahl hat Verbin• düngen gelöst, Käufe rückgängig gemacht, Verkäufe getätigt, vielleicht die Abwanderung beschlossen. Um diese Elemente braucht es niemanden leid zu tun, sie sind mit falscher Einstellung nach Palästina gekommen. Die große Masse der neuen Einwanderer aber hat vollkommen begriffen, welcher Unsinn es war, ihnen drüben zu sagen: Ihr werdet nur einen Antisemitismus mit einem anderen vertauschen. Hier begreift jeder sofort, daß es sich bei diesen Reibungen um etwas ganz anderes handelt, nämlich um die unausbleiblichen nationalen Diiferenzett zwider miteinander lebender Völker, an denen er als gleichberechtigtes Milgüed seinen Anteil zu tragen hat. Das schwierigste Problem bleibt hier für die einwanderttden deutschen Juden die L inpas sungin das Leben Palästinas, ein Problem, über das ja bereits auch in der ״Jüdischen Rundschau״ viel geschrieben worden ist. Es wäre gut, wenn es mit größter Objektivität und bestem Willen von beiden Seiten behandelt würde. Ich möchte glauben, daß ich zu einer solchen Objektivität befähigt bin, da ich auf der einen Seite durch vieljahriges Leben i 111 Lande als völlig eingewurzelt empfunden und anerkannt werde, auf der anderen Seite den Zusammenhang mit der deutschen Judenheit nie verloren habe, ihre Einstellung, ihre Gefühle und Wünsche kenne. Ls gilt zunächst, die Frage von einem etwas höheren Gesichtspunkt als dem des Verhaltens Einzelner zu betrachten. Es handelt sich hier tun die Reaktion einer großen neuen j ii d i s c 11 e n (i r u p p e auf Palästina, einer Gruppe die in sich in mancher Hinsicht recht einheitlich, in anderer stark differenziert ist. Die Verschiedenheit innerhalb der deutsch-jüdischen Ein- Wanderer liegt vor allen! in ihrer Einstellung zum Zionismus. Und hierüber bestehen beim Jisehub zweifellos falsche Vor- Stellungen. Es kann gar kein Zweifel sein, daß die große .Mehrheit dieser A I i j a h stark z i 0 n i - s tisch eingestellt ist. Für die Chaluzim aus Deutschland gilt dies mit ganz geringen Ausnahmen; aber auch bei den ״Kapitalisten“ kann jeder, der genug Personenkenntnis besitzt, mit Leichtigkeit feststellen, daß sie in ihrer großen Mehrheit gute Zionisten sind. Viele sind aktive und bekannte Zionisten, über deren Weggang ja die Ortsgruppen in Deutsch- ’!and schwer klagen. Die ahnungslosen Nichtzionisten sind nur ein kleint’T Prozentsatz der Einwandernden. Dieser Gesichtspunkt ist wichtig für einen Vergleich etwa mit der Vierten Alijah des Jahres 1925. Wer die Verhältnisse kennt, wird zugeben, daß damals die Zahl der Nichtzionisten unter den Einwanderern erheblich größer war. Warum wurde trotzdem diese grolle Masse ohne wesentliche Abwehrerscheinungen vorn Jisehub aufgenommen, und warum fügte sie sich ihrerseits trotzdem ziemlich leicht in das Leben Palästinas ein? Diese Frage führt auf den Kern des Problems. Die jetzige Alijah ist nämlich in einem!,unkte einheitlieh, sie ist gegenüber dem Jisehub eine neue, unge- ■w nhnt e (j r u ין p e: d entgehe J u d e n. Di« früheren Einwandrrungswdleii trafen immer auf einen Jisehub, dem sie trotz kleiner I)iffmaizeri weitgehend wesensgleich waren, es waren nsfjüdische Menschen verschiedener Schattierung. Darum wurden sie!eicht aufgenomm cn und fügten sieh leicht ein. I) a s j ii d i s e 11 e M i I i e u Palästinas vz a r bisher ejn o s t j 11 d i sc 11 e s, und das tritt überall in den Kleinigkeiten des Alltags noch hervor. Im Essen: das beliebte Suppenhu 1111 mit brühe, in der Kleid 1111 g; die Russenbluse der Chaluzim; im Tonfall des Hebräischen, der stark an das Jiddisch anklingt, Deutsche Juden gab cs in Palästina nur als Einzelne, es mögen vor der diesjährigen Einwanderung etwa 2000 Seelen gewesen sein. Jetzt zum erstenmal treten sic als starke Gruppe auf und werden als neuartig empfunden. Neuartiges wird zunächst immer ahgelehnt. So stellen sich die Araber zu den Juden gegensätzlich, bis sie sich an ihre Sitten und ihr Lebenstempo gewöhnt haben werden, so schimpften auch anfangs die Sephardim über die ״Moskob“. Das muß man nicht allzu tragisch nehmen; die Gegensätze werden sich in dem Maße ausglcichen, wie die Kinder zusatnmen in den Schulen aufwachsen und Zwischen heiraten die Grenzen zwischen den Gruppen verwischen. Der jüdische Mcnsc 11 Palästinas wird sich erst jetzt aus der o s t j ü d i s c h e n Mehrheit und der stark wachsenden west jüdischen Gruppe h e r a li s b i I d e n. Hier liegt die große geschichtliche Aufgabe der deutseh-jüdisehen Einwanderung, die auch von den Juden Palästinas noch nicht voll erfaßt worden ist. Dagegen muß sich de!- deutsche Jude von der Vorstellung freimachen, daß er in irgendetwas Wesentlichem den Juden Palästinas ״überlegen“ sei. Der Vorsprung, den er vielleicht vor ihnen hat, ist ein Vorsprung der ״Modernität“ das heißt der exakten, geräuschlosen, sauberen Organisation und der durch sie abgeschliffenen Lebensformen. Wie gering dieser Vorsprung ist, zeigt jeder Ostjude in Deutschland, dessen Kinder schon ihn völlig aufbolen. Demgegenüber ist aber der Ostjude dem deutschen Juden weit überlegen an Ursprünglichkeit des jüdischen Gefühls, an Breite und Tiefe der jüdischen Kulturdurchdrungenheit; Güter, deren Bedentung lür Palästina der deutsche Jude zunächst 11 ux nebelhaft ahnt und erst allmählich begreifen wird. Es wäre also ganz verfehlt, wenn die deutschen Juden glauben u ürden, als ״Kulturbringer״ nach Palästina zu kommen. Einer solchen überheblichen Einstellung wird man auch bei ihrer zionistischen Mehrheit kaum begegnen; es ist eine kleine Schicht, die durch vorlaute Acußerangen dieser Art Aergernis erregt, Daß sie Ablehnung erfährt, braucht uns .nicht zu wundern und nicht zu betrüben; es sind meist Elemente, die unter falschen Voraussetzungen hergekommen sind und, soweit sie nicht umlernen, zum guten Teil wietier abwandern werden. Daß aber solche Einzelerscheinungen rasch verallgemeinert und ihre Aeußerungen von Mund m Mund als typisch weitergegeben werden, ist nur als Symptom des tieferen Gruppengegensatzes verständlich. In jedem einzelnen Fall sollten wir bei Erzählern und Hörern solcher Anekdoten dem wahren Sachverhalt auf den Grund gehen und ihn in seiner wahren (d. h. geringen) Bedeutung idarste!kn. •) Vgl. den ersten Aufsatz in Nr. 95 der J&1. Rundschau״״ Die deutschen Juden, das soll offen gesagt werden, beklagen sich mit Recht über eit» nicht sehr volksbrüderliches Verhalten großer Teiie des Jisehub. Der freundlichen und verständnisvollen Einstellung der Presse, der Führer und der Institutionen steht die Tatsache gegenüber, daß die neuen Ein- Wanderer vielfach als Konjunkturobjekte betrachtet werden und schwer darunter leiden. Auch das wird hoffentlich besser werden, wenn etwas mehr Ordnung in die Versorgung der Einwanderung kommt, und wenn das Verständnis zwischen den Grpupen wächst. Dies Leben ist das Ziel, dem auch die deutschen Juden nach Kräften dienen müssen. Sie können es am besten dadurch, daß sie versuchen, sich möglichst schnell in das Milieu Palästinas einnrleben, daß sie sich nicht ärgern, wenn man ihr Deutsch nicht versteht (auch der Jiddisch- Sprechende versteht schwer ״Ticf-Peutsch“) und ihnen hebräis?h antwortet. Sie werden am schnellsten durch sachliche Arbeit, durch vorbildliche Lebensführung und durch Hebräisch- Lernen ihren Platz erobern. Ihr Platz ist gerade für die Zukunft Haifas ein sehr wichtiger. Alle Zeichen sprechen dafür, daß Haifa vor einer gewaltigen Entwicklung steht. Noch ist der neue Hafen, dicht hinter Marseille, der zweitgrößte des Mittelmeers, für die Stadt wie ein viel zu großes Kleid, aber die Stadt wächst rapide in ihr neues Kleid hinein. Diese Entwicklung, durch wirtschaftliche Faktoren internationaler Art bestimmt, wird mit urtd ohne uns Juden kommen. Wir müssen alle Kräfte anspannen, daß sie durch die Juden erfolgt, daß nicht Haifa ein neues Caesarea werde, ein Fremdkörper Im jüdisehen Palästina. Darum wäre es von grundlegender Bedentung, die neue Einwanderung von Arbeit, Kapital und Unternehmungsgeist gerade nach Haifa zu lenken, von Bedeutung nicht nur für diese Stadt selbst, sondern für den jüdischen Gcsamtjischub Palästinas. Es ist interessant zu sehen, wie schon jetzt das Gewicht der wirtschaftlichen Tatsachen autoniatisch in dieser Richtung wirkt. Während bis zum Juli auch die deutsche Alijah zum größten Teil nach Tel-Awiw strömte, wendet sic sich seitdem immer stärker nach Haifa. In der Tat sind die Entwicklungsaussichten Haifas, über die auch in diesen Blättern schon viel geschrieben worden ist, ganz außerordentliche. Die Stadt, die jetzt etwa 55 000 Einwohner zählt, dürfte schon in fünf Jahren an die Hunderttausend kommen. Was uns in diesem Zusammenhang besonders beschäftigt, jst die Entwicklung des jüdischen Haifa. Heute ist das unbestrittene Zentrum der Hadar Hakarmel mit etwa 12 000 Juden; aber dem Weiterblickenden kann es nicht zweifelhaft sein, daß er das nicht lange bleiben wird. Als dieses Viertel vor elf Jahren gegründet wurde, wiesen wir stolz darauf hin, daß die dafür verfügbare Fläche 20000 Einwohner fassen könnte. Damals schien uns das eine ungeheure Zahl; aber in zwei bis drei Jahren wird sie erreicht sein, lnzwischen wird der jetzt stagnierende Vorort Bat <1alim in der Westebene ein erneutes Wachstum beginnen, aber auch hier ist nur für 15 000 bis 20 090 Menschen Platz. Auch das Karmelplateau, das an sich großen Menschenmassen Raum bietet und seiner raschen Erschließung entgegengeht, wird immer nur als Wohnsitz Wohlhabender und als Etholungs- Stätte in Frage kommen. So ist die Entwicklung Groß-Haifas, auch die jüdische, aut das Gebiet der Haifa - Bay im Osten der Stadt an gewiesen. Der Gedanke Joseph Loewy’s, der durch die Er- Werbung und Erschließung der Haifa-Bay sich ein bleibendes Verdienst erworben hat, reift rasch zur Verwirklichung. Schon zeichnen sich die Grundlinien des Werdens deutlich ab: An den Hafen und die Eisenbahn schließt sich das Petroleum- und Industriepelände, in der Schchunat-Owdim ist der Grundstock zu einer großen Arbeiter- und Handwerkerstadt gelegt, und in weiter Fläche fügen sich auischhißbereite vorstädtisclie Kleinsiedlung^- U!1d Villengürtel daran. Allein der heute schon in jüdischer Hand liegende Boden der Haifa-Bay vermag Dicht 3(X)000 Menschen zu fassen- Hier, in der Haifa-Bay, liegt auch die zukünftige Badestadt, deren herrlicher Sandstrand sich 15 km weit bis nach Akko dehnt. Sorge der Keren Kajemeth, der Großbesitzer dieses Geländes, dafür, daß das, was in Klein-Haifa versäumt worden ist, in diesem Groß- Haifa verwirklich' wird; eine echte Bodenreform, die die gewaltigen Zuk! utswerte dieser Entwicklung nicht in die Taschen einiger Skrupelloser fließen läßt, sondern zum Nutzen der Gesamtheit und der Entwicklung selbst verwertet lieber allen wirtschaftlichen, kritischen, voraus-schauenden Erwägungen bleibt ein starker Eindruck lebendig: die Sch ön - beit Haifas, Es schickt sich ־Dicht, die Schönheit der Geliebten zu preisen wenn man bald zur Silbernen Hochzeit mit ihr schreitet. Und doch sei es gesagt: Wie am ersten Tag liebe ich diese schöne Stadt und den herrlichen Blick vom Karmel aut das Häusermeer von Haifa. Aus palästinensischen Zeitungen Die ״Jüdische Rundschau“ hat, wie unsere Leser bereits bemerkt haben dürften, eine neue Rubrik ״Aus palüstinengischen Zeitungen“ eingerichtet, worin jeweils Pressestimmen aus Palästina mitgeteilt werden. Wir halten uns hierbei weniger an Besprechungen aktueller Ereignisse, die ohnedies in der Presse erörtert werden, als an interessante Einzelheiten abseits von den Tagesereignissen, die einen Einblick In paiästinensisches Leben und Entwicklung. gewllhren. Die Rubrik ״Aus palästinensischen Zeitungen“ wird also nicht systematisch ein bestimmtes Gebiet behandeln, sondern möglichst abwechslungsreich Streiflichter auf alle Gebiete des palästinensischcn Lebens werfen. Chedera Die Tageszeitung ״Ha-Arez“ veröffentlicht einen Artikel, der einen interessanten Einblick gewährt sowohl in das schnelle Wachstum als auch in die sozialen Verhältnisse der Kolonie Chedera, die einmal durch ihr furchtbares Klima berüchtigt war, und die heute — mitten in der Orangenzone liegend — einen rapiden Aufschwung nimmt. Im Laufe weniger Jahre ist die Bodenfläche der Kolonie von 34 000 auf 56IKX) Dunam gestiegen. Die Zahl ihrer Einwohner stieg von 1400 auf 3800. Gegenwärtig wird am Bau von 50 Häusern gearbeitet urtd eine ganze Anzahl von Arbeitergruppen hat sich um die Kolonie angesiedelt. Ein Dunam Orangenboden in der Nähe der Kolonie kostet PL 30 und in der Kolonie selbst kostet der Dunam P£ 500. Zahlreiche deutsche Einwanderer haben sich in der Kolonie niedergelassen, im Laufe des letzten Jahres hat sich die Zahl der Arbeiter um 500 vermehrt, und man spricht jetzt schon davon, daß, falls nicht Im Laufe der nächsten Wochen für di« Orangenpflücke 300 weitere Arbeiter zur Verfügung stehen werden, sich ernstliche Schwierigkeiten ergeben werden. Mit dem schnellen Wachstum der Zahl der Arbeiter haben sieh aber auch die sozialen Verhältnisse in der Kolonie verschärft und die Zeitung ״Ha-Arc 7.“, die in dein Kampf zwischen Pflanzern und Arbeitern eine mittlere Linie einzunalten bestrebt ist, gibt eine Darstellung der Gründe dieser sozialen Spannung. Auf der einen Seite haben die Arbeiter alle Initiative in Kulturange!egenheiten und im gesellschaftlichen Leben an sich gerissen. Das Arbeiterhaus mit seiner großen Halle, mit 1000 Sitzplätzen ist das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Die Arbeiter haben ihre Vorschuukasse, ihre Bibliothek, Lesesaal, Konsumgenossenschaft. Demgegenüber steht aber die Tatsache, daß die Arbeiterschaft in der Ortsgemeinde keinen Zu Chaimkkah Cceig net s le 3 Qescfie nk buch in diesem fahret Ja-Sagen zum Judentum Eine Aufsatzreihe der ,,Jüdischen Rundschau", herausgegeben von Robert Weltsch Die füdische Antwort out die Ereignisse des Jahres 1933 preis HM 2.85 Vena« ״toa.Hundstfioa“, Berlin Wh Auslieferung für Buchhändler: Jüdischer Verlag, Berlin W50, Budapesier Strafte 11 Einfluß hat. Den Einfluß in der Ortsgemeinde haben nachdem Bericht von ״Ha-Arez“ 90 Familien der Pflanzer mit 400 Seelen, denen 3400 Arbeiter gegenüberstehen, die ausgcscbaltet sind aus dem kommunalen Leben der Kolonie. Man hat das Stimmrecht auf die Besitzer von Boden beschränkt, als sich aber herausstellte, daß in der Kolonie bereits 300 Arbeiterfamilien leben, welche Grundbesitz haben, beschränkte man das Wahlrecht auf Personen, welche seit zwei Jahren Steuern, und zwar nicht weniger als P£ 1 jährlich, zahlen. Den Arheitern aber wurden Steuern vorgeschriebe!»! die nicht an diesen Betrag her an reichten. Der Kampf der Gruppen m der Kolonie geht um reale Interessen, wie die Verteilung der Elektrizität oder des Wassers an die Arbeitersiedlungen und die Verteilung des öffentlichen Grundbesitzes. Schwierigkeiten besonderer Art ergeben sich in der Schule. 85 Prozent der Kinder sind Arbeiterkinder, 15 Prozent sind Kinder der Kolonisten und jeder erste Mai, wenn die Kinder der Arbeiter nicht zur Schule kommen, stellt den Lehrer vor schwierige pädagogische Probleme. Die Aufgaben dieier Generation Unter dem Titel ״Tage der Prüfung“ zieht Mosche Smilanski im Organ der Pflanzer, ״Bustenai“, die Summe aus den politischen Ereignissen der letzten Wochen. Er prüft, was bisher in Sachen der Araberfrage geschehen ist und stellt Richtlinien für ihre Behandlung in der Zukunft auf: Wir können und dürfen, so führt er aus, die Dinge hier nicht in dem Zustand belassen, in dem sie sich bisher befinden: ohne Idee, ohne Voraussicht, ohne Plan. Die Lage hat sich geändert. Wir müssen diese Aciiderung in Rechnung stellen; wir alle, Juden und Araber. Sonst würden wir uns an uns selbst und unseren Kindern versündigen. Wir dürfen nicht vergessen, daß bei den Arabern eine neue Generation heranwachst, die nicht mehr von den Türken erzogen wurde, und die, im Gegensatz zu der voraufgebenden Generation, wirklich meint, was sie sagt. Noch ist ihre Zahl gering, aber von Jahr zu Jahr kommen mehr Leute aus den Universitäten Aegyptens, Syriens, Europas und Amerikas und ihre Zahl nimmt ständig zu. Sie bringen das Lebenselexier der nationalen Erhebung, aber sie bringen auch das Gift des Chauvinismus. Was wird morgen sein, wenn wir, die ältere Generation beider Völker, die noch mit gutem Willen eine mehr oder weniger gemeinsame Sprache finden könnten, dahin sein werden, und an unserer Stelle auf beiden Seiten eine junge Generation stehen wird, die weder die Fähigkeit noch die Möglichkeit zu solcher gemeinsamen Sprache haben wird? Was wird an jenem Tage werden?... Müssen nicht beide Seiten schon jetzt dafür Sorge tragen? Noch ist die letzte Möglichkeit nicht entschwunden, noch liegt es in unserer Hand, bevor wir abtreten, unsere letzte Pflicht gegenüber unseren Kindern zu erfüllen, zu einem Liebere inkommen mit den Arabern zu gelangen und die nächste Generation im Geiste dieses Ucbereinkommens zu erziehen. Dann wird die Bitterkeit schwinden, und die kommende Generation wird nicht im Geiste des ״nationalen“ Hasses und des ״nationalen“ Neides leben, sondern im Geiste einer nationalen Liebe — einer Liebe, die jede Nation umfaßt — im Geiste nationaler Weitherzigkeit, die die wahren Anzeichen eines gesunden Nationalismus sind. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, daß in diesem Lande zwei Völker, das jüdische und das arabische, ohne die britische Vormundschaft leben könnten. Der Rücktritt Englands von seiner Vormundschaft würde meiner Meinung nach der Untergang dieses Landes sein. Und trotzdem glaube ich, daß allein gestützt auf diese Vormund- Schaft und auf die Schultern der englischen Soldaten wir hier nicht existieren und noch weniger uns entwickeln können. Wir und die Araber müssen den Weg zu einem Ueber einkommen finden, und wir können das nur mit Hilfe der Engländer. Nur auf der Basis eines solchen Uebereinkommens können wir mit Hilfe der Engländer die großen Wirtschaftliehen Möglichkeiten Palästinas wirklich ausnützen. Es gibt keine jüdische Kolonisation in Palästina ohne großzügigen Boden kauf. Es gibt keinen Ausweg für die Araber aus ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, oder — was dasselbe ist —, es gibt Tür sie keinen Uebergang vom extensiven zum intensiven landwirtschaftlichen Betrieb, ohne Boden verkauf in großem Maßstabe an die Juden. Aber unter dem Damoklesschwert des arabischen Chauvinismus gibt es keinen arabischen Bodenverkauf und keinen jüdischen Bodenkauf. Die arabischen Bodenverkäufer wagen unter solchen Umständen nicht zu verkaufen und wir können nicht mehr kaufen, seit es nicht mehr genügt, die Eigentümer zu bezahlen und die Nutznießer zu entschädigen. Wir müssen zu einem Uebereinkommen gelangen, das den Bann gegen die Araber, die den Juden Boden verkaufen, aufhebt, und andererseits den Boden kaufenden luder» gewisse Verpflichttingen auferlegt, damit sie den Arabern auf dem verbleibenden Boden zu einer gehobeneren Existenz verhelfen. Die Kolonisation in Palästina würde ohne jüdische Arbeit ihrer» Sinn verlieren. Die Katastrophen in der Diaspora hatten ihren Grund nicht nur in der Abneigung der Wirt-svölker gegen die Juden, sondern auch in unserer anormalen Berufsschichtung, in unserer geringen Beteiligung an produktiven Arbeiten. Wir werden in Palästina nicht zu dem fatalen Irrtum der Diaspora zurückkehren. Aber ebenso unmöglich ist es, ein großes und neues Werk auf dem kleinlichen System des Boykotts aufzubauen. Das Werk selbst ist dadurch unvollkommen und — was schlimmer ist — wir finden einen unerwünschten Widerhall im anderen Lager. Auch unsere großen und gerechten Forderungen nach jüdischer Arbeit und jüdischer Immigration verlangen ein uebereinkommen und finden darin ihre Grenzen. Nr. Ni D! Arbeit! in ein Auflös gegrüi nahin, schafft die in n i c h 1 schwie zu be bandsf saßen. Di gewor Gesurr düng nahe, in die: zu ihr darauf der Ai gen vi besitzt für dl antwo der d Kennt dert, vaten Nacht׳ in Nr. Arbeit schwc nach falsch»( der S v ert fort! mehr D und kenne gegel riel I halb b ä n ( Orga ו lichun den verwri! lieh 1) kämm keit 1 tuiert b ei Ges et V " D alle 11 Frank Firme esse ״nat die 1 mach! gedel das 5 schlul dustri gang! setzui daß < nelim das I ferne geker das I die 11 den wenn sofor aber Firm: Pcrsc sich i sieh rang und ״dem deirts den. Satz wobt reits der I daß zu!n schäl schäl bo 1 cliris liehe Sitzru «rup schäl zu 1 der Ein 1 non: Par der 1 teilt, Veit ft&hat