Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 96 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 883 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1933 Nr. 96, 1 XII. 1933 jüdische Rundschau Seite 881 6 wunkamen uns m jnd wir et. Wir en, und immer in, fanlesetie, n, war, s fertig, en dort en steim Dorf it; diese iS ganze :swegen 1alästira Art an- :wischen im, was r Unterfruf. nanrt f!922ß pesi cmitischc ine Reihe vollstenigarisclien in ga f ir For- H o m a n nten und Ordnung aufrechtnicht die sen Modigefordert d au erti * n g a r i achnrittag Schon in Einginge die den uden ־und und fort■ Jniversität ndverkki- Nachdem ektor und isten mit ach einem e Demon• . Horm an, Studenten-; r Uni- ■ z in bis ׳]eichzeitig ■Weitungen leiben, so;n, ]es Unter- ■'achinitta.' Fakultät 1g ab, in Minister- 1 Ras sei:- et wurde. 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Es zeigt sich immer wieder, daß ein sehr großer Teil der Einwanderer und derjenigen, die sich auf die Einwanderung vorbereiten, mit absolut unrichtigen Vorst ellungen nach Palästina kommen. Vielfach erscheint Palästina denjenigen, die sich noch nicht im Lande befinden, als das Land einer unbegrenzten Prosperität, so wie man sich in Europa vorstellte, daß es vor einigen Jahren in Amerika gewesen sein soll. Sehr viele neue Einwanderer kommen erst nach Ablaut vieler Wochen zu der Erkenntnis, daß sie in ihrem bisherigen Berufe nicht verbleiben können und nur der Uebergang zu einem mit körperlicher Arbeit verbundenen Berufe ihnen zu einer neuen Existenz, verhelfen kann. Diese Ucbergangswoclien müssen unter allen Umständen vermieden werden; sie führen zu-Verbitterung und zu überflüssigen Geldausgaben. Es soll deshalb hier zunächst der Versuch gemacht werden, eine UcbcrsicJit über die gegenwärtigen Wirtschaftliehen Möglichkeiten zu geben. Wenn dabei die eine oder andere Illusion zerstört werden sollte, so wird es besser sein, als wenn diese Illusion erst in Palästina verschwindet. Es kann noch heute und uneingeschränkt gesagt werden, daß jeder Mensch, der zu körperlicher Arbeit bereit und physisch dazu imstande ist, auch wenn er früher nicht körperlich gearbeitet hat, sich in Palästina seine bescheidene Existenz aufbauen kann. Die beiden Hauptzweige der Wirtschaft des Landes, nämlich die Landwirtschaft und der Hä u serba 11, leiden unter einem schweren Mangel an Arbeitskräften. Insbesondere braucht die Landwirtschatt ungelernte Arbeiter, und wenn dieses Bedürfnis sich schon in der sogenannten toten Saison in erheblichem Maße zeigt, so wird die jetzt beginnende Saison des Orangenpflückens um so schwerer unter dem Mange! an Menschen leiden, als leider die Zahl der zur Verfügung gestellten Zertifikate nicht im mindesten den Bedürfnissen der Wirtschaft des Landes entspricht. Jeder junge und kräftige Mensch, der zu arbeiten bereit ist, kann unmittelbar nach seiner Ankunft oder im Laufe von wenigen Tagen damit rechnen, in einer der großen Pflanzungskolonien als Einzelarbeiter mit ca. 20 Piaster Tageslohn Arbeit zu finden, oder er kann in eine der Chavvuroth der Hitachduth Oley Germania eintreten oder endlich in einem Kibuz, einer Kwuza oder einer anderen Siedlungsgruppe Arbeit finden. — Aber auch der Bau markt leidet unter dem Mangel an Menschen. Facharbeiter werden zu hohen Löhnen jederzeit Arbeit finden können. Ungelernte Arbeiter können ebenfalls Arbeit auf dem Bau bekommen, freilich nicht in Tel-Awiw oder jedenfalls nur in Ausnahmefällen, wohl aber in den Kolonien und evtl, in anderen Städten. Ganz allgemein ist zu sagen, daß Facharbeiter (und Handwerker gute Aussichten haben und z. B. Tischler und Schlosser ohne weiteres mit Arbeit rechnen können, während z. ß. Glaser und Elektrotechniker keineswegs so gute Aussichten haben. Zu dieser Kategorie kann als eine zweite positiv zu bewertende Kategorie die der wirklichen Kapitalisten hinzugefiigt werden. Hierbei muß allerdings auf einen viel verbreiteten Irrtum hingewiesen werden. Ein paar hundert Pfund sind in Palästina wie in den meisten Ländern der Welt kein ״Kapital“, um damit eigene Unternehmungen eröffnen zu können, und kaum eine Möglichkeit, eine Beteiligung zu finden, wenn nicht der betreffende Kapitalist über Fachkennfnisse verfügt und bereit ist, nicht nur zu kontrollieren und zu leiten, sondern milzuarbeiten und sein eigener Buchhalter oder Techniker zu sein. Die Auffassung, als könne ein Kapitalist mit 1000 Pfund sich ohe weiteres mit einem Fachmann zusammen tun und init ihm zusammen eine Unternehmung schaffen, von der beide Familien leben können, und bei der sie die eigentliche Ausführung bezahlten Kräften überlassen, gehört zu den gefährlichen Illusionen, von denen eingangs gesprochen wurde. Ueberhaupt muß gesagt werden, daß 1000 Plund keineswegs immer die Garantie dafür bieten, sich damit «ne Existenz schaffen zu können. Auch hier bietet die Landwirtschaft die besten Möglichkeiten. Die Kolonisationslroschiire, die im Palästina-Amt in Berlin zu haben ist, enthält Einzelheiten. Sie zeigen, daß es sogar mit einem Kapital von weniger als 1000 Pfund für s e I h s t a r b e i - tendc Menschen mit Pioniergesinnung möglich ist, sich anzusiedeln. Die Möglichkeiten in der Stadt sind sehr viel begrenzter, und es muß denjenigen, die mit ihrem Gclde in der Stadt bleiben wollen, durchaus angeraten werden, sich mit der Hitachduth Oley Germania, Tel-Awiw, Lilienblum- Straße 26, oder mit der zentralen Industrieberatungsstelle American Economic Committee in Tel-Awiw, Rotschild- Street 18, in Verbindung zu setzen, um fcstzustellen, welche Möglichkeiten hier bestehen. Die bisherige Erfahrung zeigt, daß ein nicht unwesentlicher Teil der Kapitalisten mit 1000 Pfund, die sich nicht zur Landwirtschaft entschließen konnten, in der Stadl sitzen und Möglichkeiten suchen, ohne daß sich bisher gezeigt hat, daß diese Möglichkeiten auch immer gefunden werden. In diesem Zusammenhang gehört die Frage der Akademiker. Es braucht heute nicht mehr gesagt zu werden, daß Palästina in bezug auf Aerzte einen Sättigungsgrad erlangt hat, der schwerlich noch ü hertroffen werden kann. Es muß dabei auch in Betracht gezogen werden, daß die jüdisehen Einwanderer aus Deutschland nicht dafür in Frage kommen, etwa als Pioniere in arabische Gegenden m gehen, und daß sie im allgemeinen auch keine Neigung zeigen, sich in etwas entlegenere Gegenden des jüdischen Siedlungsbesitzes Zu begeben, ln den jüdischen Kolonien tJnler-daliäas (Kfar Tabor, Jawneel usw) besteht keine solche Ucberfüllung an Aerzte!» wie in den jüdischen Pflanzungskolonien. Aber es erfordert natürlich Kapital, um dort 1 bis 2 Jahre sitzen zu können, und man muß bereit sein, ein etwas primitiveres Leben auf sich zu nehmen. Im allgenieinen aber sollten Aerzte, die sich zur Auswanderung entschließen, davon ausgehen, daß sie ihr Kapital anderweitig verwenden müssen, und dal) der Uebergang zur Landwirtschaft in den meisten Fällen das Gegebene für sie sein wird. Ob sich dabei Möglichkeiten finden werden, den ärztlichen Beruf nebenbei auszuüben, läßt sich nur von Fall zu Fall entscheiden. Die Zahl der Anwälte, di« bisher nach Palästina gekommen sind, ist wesentlich geringer als die der Aerzte. Für den Anwalt liegt die Situation teilweise günstiger, teils ungünstiger als für die Aerzte; günstiger insofern, als der AnwaTt im allgemeinen schneller den Weg in das Wirtschaftsleben findet als der Arzt, ungünstiger deshalb, weil der Arzt ohne weiteres seine Lizenz erhält und sich niederiassen kann, während der Anwalt ein Examen, wenn er in seinem Beruf I bleiben will, durchzumachen hat, zu dem viel Sprachkcnntnisse und die Aneignung eines vollkommen anderen Rechtssystems erforderlich ist. Die Folge ist, daß unter den nach Palästina gekommenen jüdischen Anwälten aus Deutschland nur ein geringer Teil, soweit sich bisher beurteilen läßt, wirklich auf das Examen sich vorbereitet, während der größere Teil sich wirtschaftlich zu betätigen sucht. Es soll hierbei hervorgehoben werden, daß es sowohl Aerzte wie Anwälte gibt, — und zwar nicht in geringer Zahl —, die den Weg zur Land- Wirtschaft gegangen sind und heut bereits angesiedelt sind oder in der Vorbereitung der Ansiedlung stehen. Auch für andere akademische Berufe sind die Aussichten nicht besonders günstig. Apotheker haben besondere Schwierigkeiten, weil das palästinensische Gesetz den Nachweis vom 6 Semestern Studium verlangt, während in Deutschland mir 4 Semester verlangt werden. Es kann nicht damit gerechnet werden, daß Apotheker, wenn sie die 6 Semester nicht naclnveisen können, die Lizenz erhalten. Schlecht sind auch die Aussichten für C 11 e in i k c r, vor allein für die, die kein Kapital haben und Anstellungen suchen. Architekten haben gute Aussichten. Bauingenieure haben begrenzte Möglichkeiten, in ihrem Berufe zu bleiben, aber müssen im allgemeinen sich mit einem niedrigeren Lebens- Standard begnügen und werden vielfach gezwungen sein, zunächst als Monteure, Maschinisten usw. zu arbeiten, wenn sie nicht genügend Kapital mitbringeii. Die Unterbringung von Maschinen- und Elektroingenieuren ist wegen der Ucberfüllung sehr schwierig. Die schwierigste Kategorie vom Gesichtspunkte der Ein- Ordnung sind die Kaufleute, wie sie sich in der Alijah in sehr großer Anzahl befinden. Ich denke hier an Buchhalter, Verkäufer, Agenten, Stenotypistinnen 11. a. kaufmännische Angestellte. Es gibt sehr wenig offene Stellen für kaufmännisehe Angestellte, und die wenigen, die es gibt, sind sehr schlecht bezahlt und erfordern — und das ist der Hauptpunkt — ausnahmslos Sprachkcnntnisse. Wer französisch und englisch wirklich beherrscht, hat unter Umständen, auch ohne ansreichend hebräisch zu kennen, eine gewisse geringe Aussicht. Fiir die weitaus größte Zahl »der Angehörigen dieser Berufe bietet sich in Palästina nur der Weg der entschlossenen Abkehr von dem bisherigen Berufe und der Uebergang zur Landwirtschaft, Bauarbeit oder einem Handwerk. Bei den noch sclir unentwickelten Lchrlingsverhiiltnissen in der Stadt kann hier im allgemeinen geraten werden, daß die Umschichtung zum Handwerk — vorläufig wenigstens — in Europa vorgenommen wird. Am aussichtslosesten sind die Fälle älterer Persotien und überhaupt alle diejenigen Fälle, die einer sozialen Behandlung bedürfen. Es muß dringend davor gewarnt werden, daß Menschen, die selbst nicht mehr arbeitsfähig sind, im Vertrauen auf irgendwelche öffentliche Mittel nach Palästina kommen. Arme und kranke Menschen haben keine Existenzmöglichkeit in Palästina, selbst wenn sie jahrelang in der zionistischen Bewegung gewirkt haben. Das ist in vielen einzelnen Fällen sehr traurig, aber die Erfahrungen zeigen, daß die Warnung deutlich ausgesprochen werden muß. Zusammenfassend ist festzustellen: Auch für die Ein■ Wanderer, denen ein Verbleiben in ihrem Berufe möglich ist, ist eine gewisse Elastizität erforderlich. Spezial!• sierung ist in Palästina, was überhaupt ein wichtiger Gesichtspunkt ist, nicht annähernd so bekannt u.11d ausgebildet wie in Europa. Noch wesentlicher aber ist, (lall Einwanderer sich schon in Deutschland mit dem Gedanken des Uebergangs zu einem anderen Berufe vertraut machen, wen« sie zu den Kategorien gehören, von denen wir oben dar• gelegt haben, dal) es für sie keine Möglichkeiten in Palästina gibt. Ein zweiter [*linkt siAd die S p r a c h k e 11 n t n i s s t\ Es ist nicht nur die Frage des Hebräischen, wenn auch in erster Linie diese. Es ist erstaunlich, wie schwer es heut in Tel-Awiw ist, unter den deutschen Einwanderern eine Stenotypistin zu finden, die französisch und englisch kann. Die meisten haben Schulkenntnisse, die für die hiesigen ziemlieh hohen Ansprüche nicht ausreichen. Bei aller beruflichen Vorbereitung sollte auch dieser Frage stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein weiterer charakteristischer Punkt der deutschen Ein- ,Wanderung liegt in der ungewöhnlichen Vorsicht und Acngstlichkeit der Einwanderer gegenüber jeder Entscheidung. Wer sich beteiligen vvili, lehnt es in! allgemeinen ab, sich am Aufbau eines neuen Unternchmens zu beteiligen, sondern sucht ein seit vielen Jahren fundiertes Unternehmen mit Bilanzen und sicherer Rentabilität. Das ist im allgemeinen nicht die richtige psychologische Ein- Stellung für Palästina. Es ist überaus bedenklich, daß unsere Einwanderer mit ihren beschränkten Mitteln viele Monate lang unschlüssig Besprechungen abhalten und Pläne durcharheitcii, ohne sich entschließen zu können. Das gilt ganz besonders auch von der Landwirtschaft. Der Artikel von Dr. Walter Kahn, der vor einigen Wochen in der ״Jüdischen Rundschau“ erschien, ist in dieser Beziehung bemerkenswert. Landwirtschaft auf Probezeit läßt sich sehr wohl machen, wenn man als landwirtschaftlicher Arbeiter geht und in die Stadt zuriiekkehrt, Das Hecht des nwiscnen uoihes aui seine Heimstätte in Palästina! Sonntag, den 3. Dezember 1933 12 Uhr vormittags spricht Kurt Biumenieia im Theater des Westens, Kantstraße 9-12 Karten & 30 Pf., 50 Pf. und 1,— RM in dar B. Z. V. Am Tage d, Veranstaltung and. Theaterkasse ab 10 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung Neschef-Alijah. Der fiir Sonntag, den 3. Dezember, angesetzte Neschef-Alijah wird verlegt auf den 10. Dezember, vorm. 11 Uhr, im Lehrer-Vereinshaus. Es findet eine Protestkundgebung statt gegen die Einwanderungsdrosselung. Redner sind die Cnawerim Elieser Liebenstein, Enzo Seretil, Marduk Schattner. wenn man es nicht aushält. Aber man kann keine Ansiedlung aut der Grundlage machen, daß jeder berechtigt sein soll, nach einer Probezeit wieder auszuscheiden und sein Kapital herauszubekoiiirnen. Es gibt heut eine große Reihe iinaiisgenützter Möglichkeiten für die Landwirtschaft, und es wäre sehr nützlich, wenn unsere neuen Einwanderer sieh mit diesen Möglichkeiten vertraut machten, bevor sie hierher kommen. Dann könnten sie sofort mit Hilfe des landwirtschaftlichen Departements der Hitachduth Olev Germania, die jetzt zugleich im Aufträge der Deutschen Abteilung der Jewish Agency landwirtschaftliche Beratung erteilt, sich fiir den Plan entsclieiden, der ihren Bedürfnissen am meisten entspricht, und körntten mit der Ausführung ihrer Pläne beginnen, statt viele Monate nutzlos zu vertun. Fine weitere Unkenntnis unserer deutschen Einwanderer betrifft die W o 11 n u n g s v e r h ä 11 n i s s e. Man muß unter allen Umständen damit rechnen, erst nach Wochen zu einer Wohnung zu kommen, teure Preise zu zahlen und im allgemeinen die Miete für ein Jahr im voraus zu entrichten. Aehnlieh, vielleicht noch schlimmer liegt c׳s mit Läden und Gcschältsräumcn. Die HOG. ist im Augenblick im Begriff, in Zusammenarbeit mit der jewish Agency und dem Merkas Schecliuiioth Owdim der I list.idrntli Wolmiirigsbaiiintcrcssentcn Zusammenschlüßen und den Versuch organisierter Selbsthilfe zur Liniierung des Wohnungsproblems zu gehen. Die Hoffnung auf ein Eingreifen der Geset/gehung oder auf einen großen gemeinnützigen Wohnungsbau aus öffentlichen Mitteln haben sich;11 s hinfällig erwiesen. Erst nach wochenlangem Drängen seitens der HO(i. Iiat sich die Stadt Tel-Awiw entschlossen, ein paar Baracken zu errichten. So sehr also alles geschieht, u!11 in dieser, im Augenblick vielleicht schwierigsten Frage zu helfen, so sicher ist, daß die Verhältnisse in absehbarer Zeit sich liier nicht grundlegend ändern können. Diese Tatsache sollte jeder in Betracht ziehen, der sich das Problem Stadt oder Land überlegt. Die größeren Kolonien haben z. B. fast alle noch Mangel an bestimmten Handwerkern; es ist in den meisten Fällen deshalb zu raten, daß solche Handwerker, besonders wenn sie mit dem Bau zu tun haben, in die Kolonien gehen, wo freilich die Wohnungsnot auch schon groß ist. Dir berechtigte Empörung über den Wohnungswiicher in Tel-Awiw und Haifa hilft leider ־wenig und man muß die bestehenden Wohnungsverhältnisse als feststehende Tatsache in diu Kalkulation cinstellcn. Ein letzter Punkt, der der Aufklärung bedarf, ln und außerhalb Palästinas hat mau viel davon gehört und gelesen, daß g r o ß « B e t r ä g e zugunsten der deutschen Juden gesammelt worden sind. Es gibt darüber ziemlich naive Vorstellungen, viele neue Einwanderer vermuten, daß die hunderte, tausende!*fände, über die in den Zeitungen berichtet worden ist, sich iin Büro der HOö. befinden, und stehen der Tatsache fassungslos gegenüber, daß eine Unter- Stützung von wenigen Pfunden auch in den berechtigstcn Fällen vielfach nicht zu halten ist. Deshalb muß klar gesagt werden, daß von den außerhalb Palästinas gesammelten Geldern bisher mir 4000 Pfund nach Palästina geflossen sind, die lediglich für einen Zweck (vorstädtische Siedlung bei Haifa) bestimmt sind. Es sind in London 50 000 Pfund für Palästina bewilligt worden, von denen 30 000 Pfund fiir Bauten in den Kolonien, 20000 Pfund für Hacbscharahzwecke bestimmt sind. Ueber die Verwendung der Mittel im einzelnen schweben noch Verhandlungen zwischen der deutschen: Abteilung der Jewish Agency und dern Londoner Komitee. Das Geld wird nach Abschluß dieser Verhandlungen der Jewish Agency zur Verfügung gestellt und von ihr verwendet werden. Bisher standen in Palästina nur die etwa 12 000 Pfund zur Verfiigung, die der Waad meuchad in Palästina selbst gesammelt hat. Von diesen Geldern ist der größere Teil bereits ausgegeben worden, während der Rest noch nicht eingegangen ist, sondern die Verpflichtungen erst eingelöst werden müssen. Auf die Verwendung der Orklmittel hatte die HOG. einen gewissen Einfluß, aber nicht die Entscheidung. Mit diesen Geldmitteln ist es in erster Linie ermöglirht worden, eine große Anzahl der Einwanderer aus Deutschland in der Landwirtschatt unlerzubringcn. Hier liegt übrigens eines der erfreuliebsten Ergebnisse der Ali jah: es sind weit über 1000 jüdisclie Menschen aus Deutschland in die־ Kwu/oth, Kibbuzim und Kolonien gegangen. Mit Hille dieser Mittel ist ein vvesent- Hoher Teil der Arbeit der HOG. durch geführt worden, vor allem die Berufsberatung, die Stellenvermittlung, die Auslandskorrespondenz und die ganze Angelegenheit der Chavvuroth. Mit Hille -dieser Mittel konnten ferner gewisse konstruktive Darlehen gegeben werden in einer Höhe von etwa 600 Pfund, mit denen einer Reihe von Menschen die Einordnung in städtische Berufe ermöglicht woulen ist Es werden ferner ständig Kinder solche! neuer Einwanderer, die während einer Uebergangsz'eit für ihre Kinder nicht sorgen können, mit Hilfe dieser Mittel in Heime oder bei Familien in Kolonien untergebracht. Sehr beschränkt»! Beträge konnten auch für Fürsorge im engeren Sinne des Wortes aus gegeben werden. Die Mittel des Waad meuchaet sind so gut wie erschöpft. Konstruktive Darlehen werden noch in beschränktem Umfange gegeben. Es ist sehr unsicher, wie lange die jetzt wieder zur Verfügung stehenden Mittel reichen werden und ob der einzclne Bewerber berücksichtigt werden kann. Diese Dinge muß der neue Einwanderer wissen, um sich darauf einrichten zu können. Palästina bietet in einem Punkte viel weniger, als den Flüchtlingen in anderen Ländern geboten wird. Er erhält hier keine freie Unterbringung, keine freie Verpflegung, keine bare Unterstützung. Er muß vom ersten Tage an sich mit seinen eigenen Kräften und Fähigkeiten durchzusetzen versuchen, so wie jeder neue Einwanderer in Palästina iin Laufe der bisherigen Kolonisationsgeschichte das gemußt hat. Dafür bietet ihm Palästina, was beut kein anderes Land der Erde ihm bieten kann: Arbeit. Mit vollem Rechte hat insbesondere die HOG. die Arbeitsbeschaffung in Stadt und [.and und die Vorbereitung der Ansicdlung stets für ihre zentralen Aufgaben gehalten und mit demselben Recht« hält sie konstruktive Darlehen fiir einen der wichtigsten Zwecke, zu denen Geld zur Verfügung gestellt werden muß. Wer mit dem festen Entschluß nach Palästina kommt zu arbeiten, kann heute sicher sein, daß er nicht verhungert, und wird mit Hingabe und Energie schließlich seine neue Existenz aufbauen können. Bisher ist die Einordnung der deutschen Olim in das palästinensische Wirtschaftsleben durchaus gelungen. Auch die weitere Ein- Wanderung wird sich einordnen können, wenn sie Pionier* gesinnung mit wirklicher Kenntnis der Ver* hältnisse verbindet. Die Deutsche Abteilung der Jewish Agency und die Hitachduth Oley Germania werden dem Neueinwanderer mit allen Kräften helfen, aber die Verantwortung trägt letzten Endes der Einzelne. Die Stadt Nazareth, bekanntlich eine christlich-ara* bische Stadt, hat mit der Palestinc Electric Corporation (Ruthenberg-Werke) einen Stromlieferungsvertrag abgeschlossen, ן der Ende 1933 in Kraft tritt.