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Jüdische Rundschau · 1933-11-28 · Heft 95 (28.11.1933) · p. Seite 873

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 95 (28.11.1933)
Date
1933-11-28
Page
Seite 873 (sequence 9)
Language
German
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Ür. 95, sa XI. 1933 TumsüHi• fwnmünkv Seite 871 933 röffenlidente! jründe folgen* nnt im erlebt, en jetzt lates in werden rise er- 1ar. Die ßt denn hrcnden und in Schema, lern Bet neuen :ht einin wird, n zwölf es sich genübcr 1 politiapa aus Oeffcnt- 1 eingeht wich-;en sehr aug, um von den verfolgt um sich ir weist ׳ Staatshätten: stellen, ick aber, irgendir machdeshalb, ung f>a-!en, weil 11er Fritndestem ien pro rd, kann aus der age, daß ►ir Philip abischen die neue der 4Heerkennen ikel sind isten Ins 5 erteilte inen aus rolle ein- .chzuweiften. 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Ist es schon bedauerlich, daß Kreise, die außerhalb der jüdischen Gemeinschaft stehen, die Existenz einer ,,Jüdischen Musik“ geflissentlich übersehen, so ist es betrüblich, ja unbegreiflich, daß die luden selbst vom Vorhandensein einer eigenen Kunstmusik keine Notiz, nehmen wollen. Das jüdische Volk ist von seinen Musikern, seiner Musik, durch eine tiefe Kluft getrennt. Die wenigen Beriihrungspunkte bestehen fast immer noch ausschließlich im primitiven wesen der Volksmusik. Auf dem Wege zur Kunstmusik jedoch werden große Teile des Volkes abgesprengt. Und so müssen wir — merkwürdig genug — immer und immer wieder für die jüdische Musik eintreten, den Zweifelnden und Ablehnenden etwas zu ״beweisen“ suchen, was eines Beweises eigentlich kaum bedarf; daß das jüdische Volk, welches im ursprünglichsten Sinne des Wortes musikalisch tief veranlagt ist und seit Urzeiten in intensivster Beziehung zur Musik stand und steht, daß auch das jüdische Volk eine eigene Musik — Temnelmusik, Volksmusik, Kunstmusik — besitzt. Es ist wirklich ein unerträgliches Gefühl, andauernd einer Angst vor der Deklarierting seiner Selbst bei den Juden begegnen zu müssen. Während also die indische Musik sich innerlich bereits in einer gefestigten Position befindet, hat sie äußerlich noch sehr hart zu kämpfen. Lieber die gewiß auffallende Tatsache der ״jüdischen Musikalität“ fehlen uns bis jetzt eingehende und zusammenfassende Publikationen. Wer sich jedoch der Aufgabe unterzöge, alle auf Musik bezugnehmende Stellen in der Bibel zu sammeln und zu sondern, der würde einen äußerst lehrreichen Beitrag zur Frage ״Warum die Juden so niusikalisch sind“ liefern und wesentliche Ein- und Aushticke für die Musikalität des jüdischen Volkes eröffnen. Daß t'cdoch die große Masse unseres Volkes der Kunst״mik manchmal verständnislos gegenübersteht, ist aus der Eigenartigkeit unseres Schicksals heraus faßbar. Die schönferischen Kräfte des Judentums sind gerade in bezug auf Entwicklung einer eigenen Kunstmusik Jahrhunderte lang versiegt gewesen. In den Teninelgeaängen und der Volksmusik besitzt das Judentum zwar ausgeprägte m1'i';dischc Aeußerungcii seines schönferisc'ien Genius, doch fehlte dieser Musikübung lange Zeit der Wille zur künstlerischen Oestal* tung, die Durchdringung und die Durcharbeitung des Stoffes zur Kunstform, zum Kunstwerk. Im letzten lahrhumlert haben wohl Komponisten jüdischer Abstammung in der kM-sUchen. romantischen und besonders in der neuzeitlichen Mu-'ik Redeutendes geschaffen, doch gab es bis vor kurzem unter ihnen nur wenige, die innerhalb der jüdischen Gemeinschaft standen; die meisten fühlten sich weder innerlich noch äußerlieh mit dem fudentum verbunden. So kommt es daß die Werke von Mendelssohn. Meverheer, Halevv, Rubinstein, Mahler und Schönberg, als deutsche, russische, französische Musik ihre Geltung erlangt haben. Mitten zwischen fremden Kulturen lebend, aussrhlicß’ich bemüht sich der Kirnst und Geschmacksrichtung anderer Völker anzmassen, stunden und stehen diese Musiker außerhalb der Geschehnisse ihres Volkes, sind dessen Wesen so gänzlich fre-nd geworden, daß sie nicht mehr Renräsentation. ihre Werke nicht unmi“elbarer Ausdruck des jüdischen Volkswesens sein können. Der 1111bewußte Einfluß des Blutes imd des Geistes vieler Generationen darf und soll auch in diesen Werken nicht geleugnet werden, aber was wir suchten, wünschten und noch immer erstreben, ist keine eurooäis׳-he Musik aus jüdischem Geist, keine jüdische Musik aus eu-onaischem Geist, sondern eine jüdische Musik, aus jüdischem Geist und i ii - dischem Empfinden, eine Musik, die den C h a - r a k t c r des Lebens, die Gemütsart des jüdisehen Volkes auszti drücken und zu formen vermag. Erst die Enoche der Renaissance, die im luden ein neues Ideal georäc-f hat, ihn aus seiner Zwiespältigkeit herausziireißen und in eine neue Wirklichkeit zu stellen sucht, konnte auch die K-iifte für che ei *etie M0?!kä1tße־u*!g vor! manchen Hemmungen und Einflüssen befreien. Joe! En״cl hat als erster die Möglichkeit einer indischen Kunstmusik erwogen und vor 25 Jahren die Vorbedingungen angedeutet, das Entstehen manchen Werkes angeregt und die ״anze Bewegung in Fluß gebracht. Ein Blick auf die inzwischen zurück״ele״te Entwicklung lehrt, in welch überraschendem Temoo sich die jüdische Musik in Form und Inhalt bis zur Selbständigkeit einporgearbeitet hat. Wir überblicken bereits 3 Epochen: Sammlung der Volksmusik, deren Verwertung und Ausnützung und das freie, selbständige Schaffen. Das nächstliegende war das Sammeln und Bearbeiten von Volks- und synagogalen- Melodien, neuen Stoff zu finden, das Bewußtsein für ihn im jüdischen Musiker zu wecken, seine Phantasien zu beleben und ihr einen neuen, starken Impuls zur jüdischen Musik und ihrer Eigenart zu geben, ln diesem Zusammenhänge muß eine sehr bemerkenswerte Tatsache hervorgehoben werden: daß die jüdischen Volksweisen in Werken von nichtjüdischen, vorwiegend russischen Komponisten ihre Auferstehung erlebten, noch bevor sich der jüdische Musiker dieses Schatzes bemächtigte. So haben Glinka, Balakirew, Rimsky-Korsakow und besonders Mussorgsky in ihren Werken wiederholt jüdische Melodien benützt. Ein kleiner Kreis begabter jüdischer Musiker, vom fotirigen Glauben an die Zukunft einer jüdischen Musik erfüllt, ward damals in Rußland versammelt. Das Wissen um das Schicksal des eigenen Volkes gab ihnen die Gemeinschaftlichkeit der Empfindungen. Von innen her wurden sie zum eigenen, ursprünglichen und lebenskräftigen Schaffen gedrängt. Aus dem zielbevvuliten Wirken dieser Musiker hat sich die jüdische Musik entwickelt. Viele Werke sind entstanden, die im jüdischen Geist, im jüdischen Empfinden verwurzelt sind und vom jüdischen Melos und Rhythmus getragen werden. Es ist nicht das erstemal im Verlauf der Musikgeschichte, daß aus bescheidenen Anfängen, aus dem Wesen der Volksmusik im Laufe von Jahrhunderten eine selbständige Kunstmusik sich entwickeln konnte. Auch in der ,,jüdischen Musik“ dokumentiert sich von neuem die Gesetzmäßigkeit einer soldien Entwicklung. Die Tatsache jedoch, daß die jüdischen Musiker die folkloristische Periode so rasch hinter sich hatten, ferner die Tatsache, daß wir bereits so viele Kompositionen eigenschöpferischer Potenz von hoher musikalischer Natur besitzen — die Muik ei־* es :eden Volkes be ,urf e i in An'au *s- Stadium der befruchtenden Einwirkung fremder Werke — beweist die Möglichkeit eines jüdischen Stils in der Musik zur Genüge. Wir dürfen die letzten Musikschöpfungen Die Neugestaltung der Svnagogalmusik Wohl jedem, der mit der gegenwärtigen Situation der Synagogalmusik mir einigermaßen vertraut ist, werden die zwei schweren Mängel unserer kultischen Musik aufgefallen sein. Der Mangel aller Einheitlichkeit im Vergleich etwa mit der Musik der evangelischen oder katholischen Kirche ist seit Jahrhunderten das schwerste Hemmnis einer selbständigen, künstlerisch ernst zu nehmenden Fortentwicklung der jüdischen Kultmusik gewesen. Es ist heute so, daß nahezu jede Gegend ihre eigenen Gebetsweisen, jeder Vorbeter seine eigene Tradition hat. Zu all dem aber kommt noch ein Manko: Unsere liturgische Musik ist nur zum kleinsten Teil jüdisehen Ursprungs; mit wenigen Ausnahmen (etwa des Leinen, des Tropp, der N’ginoth, einzelner aller Psalmodien und Piutim) besteht unsere Synagogalmusik aus weltlichem, durchaus profanem musikalischem Gut, das mit hebräischem Text unterlegt tmd so dem Gottesdienst adaptiert wurde, oder aus Kompositionen jüdischer Kantoren, die vorwiegend in den letzten 100 Jahren für den liturgischen Gebrauch geschaffen wurden. Diese Werke sind aber ganz und gar weltlichen Charakters und sprechen auch musikalisch die Sprache der deutschen Roma .,iker Löwe. Schubert, Mendelssohn usw. Bestenfalls sind sie mit einigen ostjüdischen Mc!o׳'i 'dementen verseilen worden• um ihnen ein ..jüdisches‘‘ Gepräge zu ver! nen. das dann eher slawisch v.irkt. Dic.c ganze Art der liitirn sehen Musik ist also eigentlich weder jiidi'fh noch streng-kultisch. Eine Neugestaltung der Svna^ognHusik hätte also vor allem zwei Forderungen zu erfüllen: sie miif!te von echtem Hidischen Geist ebenso zeugen wie von echt liturrischem. Diese beiden Postulate wollen wir getrennt behandeln. 1. Wie nun wurde sich eine Wiedergeburt der Kultmusik gcst-lten können? Unlän־״•׳( hat Stutsehe w s k v hUdarauf bin־׳>e'• io-en. daß die 7e>'t reif sein könnte für die Pflege neuer Formen des svungiva1 cu Gesanges, An diesen Punkt will ich arknrnfen. P!c pnn׳i׳vcll wichtigsten Fragen, die jedenfalls ־׳es', eilt werden würden, dürften etwa folgendermaßen lauten; I. Besteht iin Interesse des jüdischen Geistes die Notwendi 'kcit einer A.ew'e ־uug der bishen en Praxis? II. Bedcht d׳>s B-.-dürP’is danach? (das sind z.weieHei Din ׳e, die oft!1i'.1'־t deutlich genug auseinandcrgehallen werden). III. Läßt si :11 die Kultninsik 01111״ einschneidende Aencleru”״en der al DemeDei jüdische*! I itm׳ ■ie reformieren? IV. Welche mirika'ischen Er11euc־un״snri"./i’*ic11 bieten zurzeit die Garantie, daß die E'nfiihrung neuer Formen in die svnagogale M**sik nicht in eine rettungslose Anarchie mündet? V. Existiert .irgendeine musikalische Keimzelle, die zu allen Zeiten und au aßen Orten als jüdisch und nur als iiidiscii anerkannt wurde, die also imstande wäre, das einlieitliche und zentrale Stilprinzip der neuen Kuitmusik zu bilden? Unseres Erachtens lassen sich die ersten drei Fragen ohne weiteres positiv beantworten, denn der unselige Partikularismus des Judentums geht doch seinem Ende entgegen und überall machen sich Zentralisationsbestrehungen!*״!- teiid, auch auf dem Gebiet der Liturgie. Andererseits hat die ״liberale“ Zeit einer hemmungslosen ״regiona'en“ Tradifion nur Vorschub geleistet und die groRc echte lieberlieferung untc-brochen. Die Notwendigkeit einer Erneuerung aus dem Geist eines positiven und nationalen Judentums bestellt also, ebenso, wenn auch der zeitgenössischen Judentieit nicht so klar bewußt, das Bedürfnis danach. Auch ist eine Renaissance der synagogalen Murtk denkbar o 11 11 e wesentliche Aenderun^en in der Al!gemeinlit11r׳״ie, da ja die textliche Grundlage des Rituals unangetastet bleibt. Dagegen bedarf die Frage, welche Gewähr für eine /!elbewußte Richtung eine solche kultische Erneuerung bieten kann, einer methodischen Klärung. Sie läßt sich u. E. nur im Zusammenhang mit dem Kernnrobtem der S*־nago׳״almusik bcantwo-tcn. dis wir in der 5. F-a zu formulieren versucht haben. Esiiiert ein von alten luder! als jüdisch ,inerkanntes tra׳'i :ionelles Stilnrinzip in der Synagogerimusik, das sowohl einer '■ issenschaftikhcn Untersuchung nach seiner jüdischen Hrkunft standhält als auch die musikalischen Urkräfte besitzt die für das fragende Prinzip jiklisch-musikali eher Entwicklung notwendig sind? Es existiert und jeder Jude kennt es, der seinen eigenartigen Klan* auch nur einmal gehört hat. Es ist der ״Tropp“, jene uralte PsaGiodie der Thoraverlesung; es ist auch enthalten in den ältesten N'ginoth, die noch durch Tonakzente streng determiniert und also noch wenig versL.mmelt sind. Die nicht durch schriftliche Tonzeichen traliierten N'ginoth sind nämlich durch die Iinprovisationshist der Chasa־׳im von uferlosem melismafischeni Wust erstickt und daher in ihrer Urform nicht wiederherstcllbar. Auf Einzelbeiten kann leider hier nicht eingegangen werden, doch sei nur festgestellt, daß das Prinzip des ״Tropp“ auch in den cltliehe Musik, ob die Gemüter nicht angeblich spezifisch ältesten kirchlichen Gesängen nachweisbar ist (vgl. A. Z. Idelsohns Forschungsergebnisse auf diesem Gebiete, die in vielen Fällen die völlige melodische Identität von jemenitischen Judengesängen mit vielen frühchristlichen Hymnen ergeben haben). Uebrigcns besitzt der ״Tropp“ wirklich eine gewaltige musikalisch-thematische Expansionskraft, die ihn unbedingt zum tragenden jüdischen Stilprinzip prädestiniert. Die ,,Gregorianik“ der katholischen Kirchenmusik eines Palestrina, eines Lassus, ja neuerdings vieler zeitgenössischer, deutscher Komponisten ist neben manchen anderen nationalen und zeitgebuuaenen Einflüssen fraglos und anerkanntermaßen von denselben Quellen gespeist wie unser alter Tropp. ln ihm wohnt auch die strenge stilistische Zucht, die es verhindern könnte, daß die liturgische ,Musik allzu sehr zum Instrument des individualistischen Künstlers würde; denn der Sinn jeder liturgischen Musik ist und bleibt der Dienst, der Gottesdienst der Gemeinschaft. Sie ist eine dienende Kunst und bestimmt für das Kollektiv der Gemeinde, nicht für das Individuum. II. Ebenso wichtig wie der jüdische Habitus einer neu- /!!.gestaltenden Knlfmudts muß für uns aber auch ihre echte liturgische Haltung sein; all/u oft taucht bei Gesprächen über dieses Thema die Meinung auf, die kultische Musik solle lediglich erbauen, ״Stimmung“ machen für die eigentliche gottesdiewf liebe Handlung. Dazu gesellt sieh dann oft die Frage: Erhebt eine gute w nun indischer Herkunft oder nicht, ebenso, w ie eine erst zu schaffende liturgisch«: Musik? Diese (iegcn.irguuientatinu drängt •-ich. — vielleicht nicht immer so prinzipiell formuliert - , so häufig auf, daß wir uns mit ihr beschäftigen müssen. Zunächst wirrt in ihr angenommen, daß die liturgische Musik außerhalb der eigentlichen liturgischen Handlung stehe, gewissermaßen nur zu ihrer Verschönerung zu dienen habe. Das ist ein Irrtum; denn diesvnagogale ,Musik ist ein organischer Teil des Gottesdienstes, und keiinowe *:> der in!bedeutendste. Ich darf darauf verzichten, Belege aus der (iewt/gehung und ihrer talmudisehcn Interpretation zu getreu, da sie bekannt und leicht zugänglich sind. Anders aber steht es um den Begriff der Erbauung, der ״Stimmung“, mit dem in diesem ZusaninKiihaii'g operiert wird: es wird nämlich immer übersehen, daß eben die Erhebung, wie sie etwa Beethovens Neunte oder eine der großen Bruckner-Sinfonien uns bringt, die Lösung, die ״Erlösung“ aus einer voraufge :angenen Spannung darstellt. Diese Art der Ifrlielumg deckt sich annähernd mit dem antiken Begriff der .,Katharsis“, sie ist der Höhepunkt des ganzen Werkes, ihr gingen schwere Spannungen voraus. Diese Katharsis ist zwar der Zielpunkt der weitliehen Musik, sie ist aber erst der Ausgangspunkt der Kiiltmii i k; denn diese setzt ia schon die geistige Bereit- Schaft der Gemeinde voraus, ihr affektiver Spannungsgehalt kann darum niemals so groß sein wie der der Profanmusik. ln dieser wird sozusagen der subjektive Gefühlsgehalt der Komposi tion der Hörergemeinschaft milgeteilt, doch muß sie jedesmal von neuem erobert: und zu: Giefühbeinheit zusanwiengfschweißt «erden.!11 der kultischen Musik ist die Oefühlseinheit Voraussetzung, die Spannungen liegen hinter ihr, die Vielfalt der Affekte besteht nicht mehr zu Recht, die Gemeinde ist schon geeint in ihrem Willen zum Gottesdienst, zur A w o d a 11. ♦ Daher kommt es denn auch, daß jede echte liturgische Musik tm Vergleich mit guter Pro faiumisik leicht eint ö 11 i g, ja beinahe langwcih > wirkt Sie muß sielt der Vielfalt der Affekte versagen, tu! sie gibl es nur einen Gefühisinhalt, das religiöse Erlebnis, lind mich hierbei hat der Komponist nicht ganz freie 1 Und, da er sich große Reserve auferlegen inul's, tun nicht durch allzu subjektive Züge die Einheit des gemeinschaftlichen Fuhlens zu stören. Er wird zwar nicht auf alle persönlich׳!! Zuge zu verzichten brauchen, aber sie werden stark zimicktrc'.en müssen vor dem geiueinschaftshildendei! Impuls, der für alle liturgische Musik der Wertmaßstab sein muß. Mozarts oder Beethovens Mes>e:1. die außerordentlich stark persönliches Gepräge besitze 1, si td I ״ule reine Konzertmusik. Die katholische Kirche ging ganz konsequent vor, als sie in der Constitutio apostolica Pius XI. jedes Instrument außer der Orgel verbot, ferner, indem sie Werke allzu subjektiver Prägung zum (iotte-dien-t nidtt zuließ. Linen :ihnliehen Schritt hat die evangelische Kirche durch die Vereinheiüichung ihrer Gesangbücher getan. Wel che praktische 11 F 01 g e 11t 11 g e n ergehet! sich aus dem bisher Gesagten? Vor allem: Zuerst muß das alte jüdi ׳ :he F ormprin zi p d e s R e Sponsor! u in s wieder gepflegt werden, verbunden mit dem Stil des Tropp. Beide Formen sind alt, beide urjüdisclier Herkunft, beide tragfähig genug, rundament der künftigen Entwicklung einer wahrhaft jüdischen Synagogalmusik zu sein. Zuerst gehe inan vom Responsoriuin aus, weil nichts anderes so sehr geeignet ist, die Gemeinde zu aktivieren und zum Singen zu bringen. Erich Werner. IMIIintinililllllllHiltllllMItllltnilllltllltlllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINIMIIlllinillll'illlinilintllimtlMllllllllirnilllllllllllllltlllllltlllllllllliniHllllllillllllMMIIIIIIIIIIIIIIIIIllllllllllllilllllllllllltItlllllllMlIIIMIIIliillliNIIIIIIIIMimilllltimillimmillHIimlltllllMIIII unserer besten heute lebenden Komnonisten als Produkt reinsteil Kunstemnfhdens werten. Es ist kein Phantom, das uns anlockte, 11m u!1:, na:11 kurzer Zeit wieder abzustoßen. Was die jüdischen Musiker in drei Jahrzehnten vollbrachten, ist mehr, als inan anfangs erwarten durfte und konnte. Die jüdisehe Musik,!!!»aufhaltsam fast alle Bezirke musikalischer Formen gestaltend, bricht sich immer mehr Balm und ist heute nicht mehr weg/uleugnen. Die Situation des jüdischen Musikers ist fcr.-tdc deswegen eine ganz besonde-s komnlizier'.e und erschwert sein Dasein in ungeheuerem Maße, weil für ihn alle Bedingungen des י ebens und Schaffens äußerlich und inntHich abnormal sind. Er muß schwer um die Geschlossenheit■ und Einheitlichkeit zwischen Einfall, Intuition und Formung ringen, damit er nicht der ihn umgebenden Kultur, den andersartigen Einwirkungen — die oft den täglichen Lebensanfordcrungen näher sind — unterliegt. Vieles, was um ihn herum geschieht, ist «ine Negierun׳► seines ludentums. So muß er steh eine eigene innere Welt schaffen, die ihm ermöglichen soll, den eigenen Empfindungen und Vom'.e! l!!n׳׳en nachzugehen. Aber jedes Werk sucht naturgemäß den Widerhall im Volke. Lind wenn dieses Echo ausbleibt, droht die vom jüdischen Künstler zusamn!em*e7i:t!»ne׳־te Weh einztistürzen. Die Gemeinschaft mit der! Volk? •!־■'׳ ׳'■<׳ sich jeder ׳■:י׳. '■!'. i r Mensch sehnt, derer er bei ׳•! ׳• ו er,•ule für den jüdischen Musiker das Rückgrat seines Schaffens, seiner Existenz. Von anderen Völkern als Fremdkörper empfunden, meistens miß- und uaver* standen hat der jüdische Komponist gewiß das volle Recht, besondere Berücksichtigung und Anerkennung seitens seines Volkes zu erwarten. Früher begnügter! wir uns, einzelne Musiker der jüdischen Sphäre zuzufiihreti, damit sie sich ihres Judentums bewußt werden. Nunmehr besitzen wir ihre Werke. Jetzt brauchen wir die Masse der Zuhörer, unserer Hörer! Unsere Ziele gehen bedeutend weiter als vor zvvan- 7ig Jahren. Wir wollen, daß die jüdische Musik in das Zentruni der kulturellen Arbeit rückt. Nicht nur in Palästina, sondern allerorts. In Palästina, wo eine hottenständige ,Musikkuliur erst geschaffen werden muß, wird die Musikerziehung ihre natürliche Entwicklung nehmen.!•! der Diaspora muß sie jedoch erst planmäßig ehge'eite; und organisiert werden. Nicht durch Vorträge und Artikel Ober Musik. Reden verhallen, das geschriebene Wort wird rasch vergessen. Die Werke sollen f ü r s i c h —von Seele zu Seele — sprechen. Die Eindrücke von *gehörter Musik sind unmitfdbarer, wirkungsvoller und anhaltender als noch so tiefgehende Ueherlegungen über dir Mu'ikwerke. Es ist eine unaufschiebbare Aufgabe, das Volk intensiver zur Musik, zum!Musikhören zu erziehen. Man beginne in den Gruppen und Vereinen die Musik — Gesang, fnstrumentalspiel, rhythmische Gymnastik — in die allgemeine Arbeitsleistung systematisch cii 'u ־,i ׳ '" i'i"’ ',e ־ ׳ ■■'aktt’t T von Kon ־e 'en weit-eliendst zu t!־ ' : :1! .־:?!; ■''״t: h bei a'l 11־!ien Vrr;'n.>k)lü:.!1ge11 und I Festlichkeiten der jüdischen Kunstmusik breiteren Raum zu gewähren.

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