Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 95 (28.11.1933)
- Date
- 1933-11-28
- Page
- Seite 872 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 870 1jüdische Rundschau Nr. 95, 28 3a 1933 Ifr. man zwar nicht agitieren — als Beweis hierfür wurde an• geführt, daß der RJF. es ablehne, zionistische Vereine aufm• nehmen, um di י Arbeit des Makkakikreises nicht zu stören! —, aber man steht doch z. B. dem auch den Makkabiverband cinschiicßendeu Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände als der Oesamtrepräsentation der jüdischen Jugend Deutsch• lands zumindest mit uninteressierter Kälte gegenüber! Allerdings wird, man all diese Ausführungen und Ansichten nicht allzu ernst nehmen dürfen. Die jüdische Ju• gerul Deutschlands gellt ihren Weg, ohne sich um die Parolen zu kümmern, die von einer Generation ausgegeben werden, die in der Tat nicht ihren Geist repräsentiert. Ganz besonders deutlich wird dies dort, wo der Versuch gemacht wird, von oben herab eine sogenannte ״deutschjüdische Jugend“ zu organisieren und ihrer Arbeit einen Inhalt zu ״eben. So beschäftigt sich Heinz Keilermann in der letzten Kummer des ״Schild“ u. a. mit der Frage der Berufs Umschichtung der deutsch-jüdischen Jugend. Er wünscht, daß von ihr ein ״soziales Aufbauwerk, ähnlich dem zionistischen Hechaluz“ geschaffen wird. Als Begründung wird 11. a. angeführt, daß bisher ״für jeden jungen Juden eine erfolgreiche So/hluinstcliung ohne Zugehörigkeit zum Hechaluz undenkbar war“. Diese Feststellung ist nicht uninteressant. Sie zeigt nicht nur, daß es allein der Zionisnnis gewesen ist, der zur rechten Zeit unter der jüdischen Jiigeru! den Gedanken der beruflichen und sozialen Umstellung mit Erfolg vertreten hat, sondern daß auch nur unter einer i d eeil e n F a 11 n e auf diesem Gebiete Erfolge zu erzielen s i!1 11. Wir unterschätzen gewiß nicht die Bede11*t!״g des ökonomischen Druckes, der die jüdische Jugend zur ''msteilung zwingt, aber wir wissen, daß inner• lieli freit und zufriedene Menschen auf diesem Wege nur dann zu erzielen sind, wenn sie ihr Tim nicht als aufgezwungen empfinden, sondern es von sich aus im Namen der Unterordniing unter eine Idee tun. Die Arbeit des Hechaluz ist darum so erfolgreich, weil die jüdische Jugend weiß, daß ihr etwas Großes geboten wird, eine einmalige Chance ihres lehcno Damm glauben wir nicht, daß es möglich ist, auf diesem Gebiete etwas ähnliches künstlich zu organ isiereu, das immer nur eine Konjunkturerscheinung bleiben wird. oe. Berliner Juden lernen Zionismus Die Meinung, daß es in unserer Zeit schwersten Existenzhampuw ein Wagnis bedeute, «in Zionistisches Seminur in großem Stil eiimirühlen, das nicht auf Tageslragen Auskunft gibt, sondern geistiger Orientierung dient, hätte eine gewaltige Unterschätzung des Berliner Judentums bedeutet. Die gegenteilige Voraussetzung, von der die Berliner Zionist!sehe Vereinigung ausging, hat sich als richtig erwiesen. Die Auflockerung, welche die letzten Monate in jüdischer Beziehung gebracht haben, ist in den verschiedensten Kreisen eines bisher uninteressierten oder gar ablehnend gewesenen Uroßsiadtpublikuins erstaunlich groß; das zeigt die große Zahl derjenigen, die das ,,Jusagen zum Judentum“ akzeptiert halten und nun einen Schritt weitergehen wollen, zur Einarbeitung in die Wissensgebiete und Probleme des lebendigen, nufhnuenden nationalen Judentums, der zionisti- ■sehen Bewegung. Die ersten Abende des Seminars der B.Z.V. waren durchweg gut besucht. Die starke Teilnahme an den Vorlesungen über Palästina- Kunde (Dr. M. Bandmann) beweist, daß nach einer Periode hastiger und olwrilüchlkher Orientierung (die durch den Absatz von Ilunderitausenden von Informat i<m»hcftcn usw. in den letzten Monaten gekennzeichnet war und durch die überfüllten Abende ״Paiiistinu-ITagekasien“) ein weitverbreitetes tieferes Interesse Befriedigung sucht. In das den deutschen Juden fast unbekannte Gebiet der NeuhebrBisehen Literatur 1 •;;11 fl der Kurs von Dr. M. Brosens ein. Die Wßrme und I icr/lii iikeit des Dozenten, der zutiefst verbunden ist mit dem (11 c!1t er ist h e 11 Kulturgut des jüdischen Volkes Und der Renaissanee seiner Literatur, gibt den Seminarteilnehmern ein lebendiges Bild von den Ilauptcrscheniungen unserer Nationa II iteratur, das zu weiterem Studium anregen muß. Geistesccm hiebt 1kdie Grundlagen der jüdischen Renaissance wurden auch in einem ,•)!)deren Zusammenhang herausgenrlveitet, iti dein Vortrag ,,Die Struktur der Zionistischen Organisation“ von Dr. Ernst Meehner. Die harte Wirklichkeif des ,1 ü d i 5 c h e n Wirtschaftslebens der Gegenwart schildert und erklärt Dr, Michael Traub, heute wohl der beste Kenner dieser Materie; er weist die konsequente I.inie mich, die Palästina zürn Zentralpunkt jüdi ל!, her Bemühungen macht, lieber den ersten von Kurt B 1 ti in e n 1 c 1 d s Vorträgen, die den Höhepunkt des Semitiars bilden, wurde bereits berichtet. Die B.Z.V. ist dem Lehrer des deutschen Zionismus, der sich für dieses Erziilmngsw erb zur Verfügung gestellt hat, besonders dankbar. Da es vielen nicht möglich ist, regelmäßig an einem Kurs teilzmielinien, ist das Programm so gestaltet, daß jeder Abend ein in sieh geschlossenes Gebiet behandelt. Die nächsten Abende des Seminars sind folgende: Grundgedanken des Zionismus, l|. Abend, Kurt Blumenfeld, Dienstag, den 28. November; Die Judenfrat’e. ״Jüdische Wanderungen“, Dr, Michael Traub, Mittwoch, den 29. November; Palast' akunde. *Palästina durch vier Jahrtausende“, Dr. Martin Bandmann, Donnerstag, den 30. November. Die Vorträge finden um 8.30 Uhr im Logenhaus, Kleist- Straße 10, statt. Kursus- und Einzelkarten sind in der B.Z.V. und an der Abendkasse erhältlich. Dr. Friedrich Brodnüz Vorsitzender des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbäade Der Reichsausschuß der jüdischen J u g e n d - verbände Deutschlands teilt mit: Der Führerrat des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände hat am 22. November Dr. Friedrich Br od ni tz zum Vorsitzenden des Reichsausschusses gewählt. Dr. Friedrich Brodnitz ist damit Nachfolger des verstorbenen Dr. Ludwig Tietz in der Leitung des Reichsausschusses geworden. Alice Behrendt, die Verfasserin der in Nr. 88 der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten ״Realistischen Traumerden aus einem spanischen Boot“, derzeit in Barcelona, bittet uns, um Irreführungen zu vermelden, festzustellen, daß sie nicht identisch ist mit Alice Berend, der Verfasserin der bekannten humoristischen Romane, wie ״Bräutigarne der Babefte Bomberling“ usw. Aus der redaktionellen Vorbemerkung, die von einer ״bekannten Schriftstellerin“ sprach, und infolge des Gleichklangs des Namens ist bei manchen Lesern dieser Irrtum entstanden, der hiermit, um Verwechselungen vorzubeugen, berichtigt wird. Das Erlöschen des syrischen Mandats Eia Ereignis von großer Bedeutung ist die Unterzeichnung des Vertrages zwischen Frankreich und Syrien, die das Erlöschen des französischen Mandats in Syrien vorbereiten soll. Bekanntlich ist schon seit langer Zeit dieser Vertrag in Vorbereitung und wurde auch bereits vor der Mandatskommission des Völkerbundes angekündigt. Der Vertrag lehnt sich an das Vorbild des Vertrages zwischen England und dem Irak an, wodurch Irak zu einem unabhängigen Staat wurde und der früheren englischen Mandatarmacht gewisse Vorrechte eingeräumt werden. Der Vertrag wurde vorige Woche nach der Rückkehr des französischen Hochkommissars de Martei von beiden Teilen unterzeichnet. Er anerkennt Syrien als unabhängigen und souveränen Staat, der;*!ich die Verantwortlichkeit für die Landes- Verteidigung und die Ordnung im Innern trägt, doch wird Frankreich für eine Periode von 25 Jahren •Syrien militärische Hilfe gewähren, die jedoch nicht als eine ״Okkupation Syriens“ in Erscheinung treten soll. Die französischen Streitkräfte werden als exterritorial gelten, in Art. 7 wird gesagt, daß Syrien sich verpflichtet, di« Freiheit und Rechte tür Einzelpersonen und Gemeinschaften gemäß der syrischen Konstitution aufrechtzuerhalten und die religiösen und nationalen Minderh eiten gemäß den allgemeinen vom Völkerbund akzeptiertcu Prinzipien zu behandeln. Der Vertrag wird mit der Aufnahme Syriens in den Völkerbund in Kraft treten. Es ist eine Uebergangszeit von vier Jahren vorgesehen. Die syrischen Nationalisten sind heftige Gegner des Vertrags, da sic darin nur eine neue Form der französi• sehen Vorherrschaft sehen. Sie verlangen eine völlige U n - abhängigkeit Syriens. Aus diesem Grunde wurde auch der Unterzeichnete Vertrag im syrischen Parlament mit heftiger Opposition der Nationalpartei aufgenommen. Die .Obstruktion ging so tveit, daß die Parlamentssitznng inmitten des Tumults vertagt werden mußte. Der französische Hochkommissar erklärte, daß durch «die Obstruktion des Vertrags die Aufhebung des französischen Mandats erschwert oder verzögert werden würde. Vom Standpunkt der palästinensischen Politik sind die Vorgänge in Syrien höchst bedeutsam. Denn w׳enn der jetzt Unterzeichnete Vertrag in Wirksamkeit tritt und Syrien Mitglied des Völkerbundes wird, bleibt Palästina d, a s einzige Land mit einem Mandat der Kategor je A. Außerdem würde bei der engen Verbindung der syrischen und palästinensischen Araber (bekanntlich bildeten vor dem Krieg in der alten Türkei Syrien und Palästina ein einziges Verwaltungsgebiet) eine Einflußnahme von syrischer Seife aut Palästina zweifellos versucht werden, ln Palästina liegen die Dinge vollständig anders als in Syrien, weil hier durch den Aufbau des Jüdischen Nationalhcims eine Angelegenheit von großer internationaler Bedeutung unter den Schlitz des Völkerbundes gestellt wurde. Dennoch darf man nicht übersehen, daß durch das Vorbild der arabischen Nachbarstaaten und dauernde geistige Beeinflussung auch in Palästina neue Momente entstehen, Es kommt darauf an, innerhalb der in Umbildung befindlichen vorderorientalischen Welt die jüdische Position in Palästina zu behaupten und zu verstärken. Das Organ des Vatikans für jüdischarabische Verständigung Rom, 21. November. (J.T.A.) ״Osservatore Romano“, das offizielle Organ des Vatikans, kniinft an einen längeren Bericht über die letzten Ereignisse in Palästina den Wunsch, daß die beiden semitischen Völker, Araber und Juden, sich vereinigen mögen auf einer Plattform der Arbeit, damit endlich einmal ״der Friede herrsche auf den Bergen Zions“. Der katholische ״T j d“ in Amsterdam veröffentlicht einen Bericht seines römischen Korrespondenten, worin erklärt wird, die vatikanischen Kreise verfolgen die Vorgänge in Palästina mit großer Aufmerksamkeit. Der Heilige Stuhl sei über den Verdacht des Antisemitismus erhaben, befrachte es aber als_ seine Pflicht, auf die Gefahr des Aufloderns der politischen Leidenschaften, die durch das schnelle Anwachsen des jiidisehen Elements ausgelöst würden, hinzuweisen. Der Vatikan wünsche die Heiligen Stätten der Christenheit möglichst bald durch eine internationale Regelung den politischen Wechselfällen entrückt zu sehen. (Dazu ist zu sagen, daß di« im Mandat vorgesehene Regelung der Frage der Heiligen Stätten, die ganz und gar in der Richtung der zionistischen Wünsche liegt und schon von Herzl in seinen ersten Publikationen gefordert wurde, bisher nicht durch Schuld der Juden, sondern wegen der Uneinigkeit der christlichen Konfessionen gescheitert ist.) ln einer Missionsversammlung in London sprach der Erzbischof von York über *die Lage in Palästina und erklärte, daß in den Konflikten zwischen Juden und Arabern eine besondere Aufgabe für die anglikanische Kirche erwachse, die ihren Einfluß dazu benutzen müßte, um zwischen beiden Gruppen zu vermitteln. Zeugenvernehmungen Im JaHaer Mordprozeß Jaffa, 21. November. (J. T. A.) Am 22. und 23. November wurden vom Jaffaer Gericht wieder einige Vernehmungen im Vorverlahren gegen die der Beteiligung an der Ermordung Dr. Arlosorotfs Beschuldigten durchgeführt. Aba Achi Meir erklärte, weder er noch die Revisionisten trügen irgendwelche Mitschuld an der Ermordung Dr. Arlosoroffs. Er behalte sich vor, eine zusammenhängende Darstellung zu seiner Verteidigung zu geben. Ein zwölfjähriges Mädchen, Rosa Bochorov, sagte aus, sie habe in der Nacht des 16. Juni, in der Dr. Ariosoraff um 11 Uhr am Strande von Tel-Awiw erschossen wurde, Abraham Stavsky jn einem Restaurant in Jerusalem gesehen. Vierzehn Tage später habe sie ihn im Gefängnis wiedererkannt. Eine Photographie Stavskys sei ihr vorher nicht zwecks Erleichterung der Identifizierung gezeigt worden. Der Bruder des Mädchens, der aus London gebürtige 16jährige Chaim B o c h o r 0 v, der seit Qt j Jahren in Palästina'lebt, erklärte ebenfalls, er habe in jener Nacht in der Gesellschaft einiger bekannter Gäste des Restaurants einen Fremden gesehen und später in Stavsky diesen Mann wiedererkannt. Am folgenden Verhandlungstage wurden zwei weitere Zeugen vernommen, durch deren Aussagen das Alibi Stavskys gestützt wird. Der erste Zeuge, Arieh Vorbei, erklärte, er habe an jenem Abend Stavsky um etwa 8,30 Uhr in dem Restaurant gesehen, in dem er selbst die Abendmahlzeit eingenommen habe. Um 8,45 Uhr habe er das Lokal mit Chaim Bochorov verlassen. Sara Rechtscheit, eine mehrmats in dem Restaurant beschäftigte Kellnerin, bestätigte gleichfalls, daß sich Stavsky zur angegebenen Zeit im Restaurant aufgehalten hat. Sie habe sich 'bisher als Zeugin nicht gemeldet, weil sie illegal ins Land gekommen war und die reststellunjr dieser Tatsache vor dem Gericht fürchtete. Erst jetzt, nachdem ihre. Rechtslage durch Verheiratung gesichert sei, habe sie vor Gericht erscheine« können. Presseschau Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 26. 11. veröffentlicht am 26. 11. einen Aufsatz ihres Haifaer Korrespondentei mit dem Titel: ״Mandatskrise in Palästina?“ Ueber die Gründe die zu den letzten Unruhen geführt haben, wird dazu folgen* des gesagt: ״Das Genfer System der Mandate beginnt im ,Mittleren Osten‘ zu versagen. Wir haben es ja bereits erlebt, daß England das Irak-Mandat aufgegeben hat, wir erleben jetzt Bestrebungen, die die Aufgabe des französischen Mandates in Syrien zum Ziele haben, und wenn nicht alles trügt, werden Wir in kurzer Zeit auch in Palästina eine Mandatskrise erleben. Die ersten Anzeichen hierfür sind bereits erkennbar. Die jüngsten Unruhen waren nur eines von vielen. Was heißt denn ,Völkerhundsmandat‘ gegenüber so hochstehenden führenden Schichten der ,natives‘, wie sie die Araber im Irak und in Syrien, die Araber und Juden in Palästina besitzen? Das Schema, das in Genf auf Ortind der Wilsonsdien Theorien in dem Bestreben geschaffen wurde, die alte Kolonialpolitik mit neuen Arabesken zu verzieren, versagt hier. Wir wissen nicht einmal, wie lange es noch in Afrika aufrechtzuerhalten sein wird. Aber wir Müssen, daß es im ,Middle East‘ in den letzten zwölf Jahren Immer nur nuihsam funktioniert hat und daß es sich jetzt vollends als unzulänglich erweist; insbesondere gegenüber einer panarabischen Bewegung, die in ihren politisehen Motiven und ihrer ganzen Struktur von Europa aus nicht zu durchschauen ist, die daher in der europäischen Oeffentlichkeit teils unterschätzt, teils aber auch ganz falsch eingeschätzt wird Ein weiterer Faktor, der in dieser Hinsicht wichtig ist: die Hand Rußlands ist in all diesen Bewegungen sehr stark zu spüren. Das Mandatssystem ist nicht stark genug, Uhl dem gewachsen zu sein.“ Der Aufruf schildert dann die politischen Ziele, die von den verschiedenen arabischen Gruppen Palästinas verfolgt werden und die e ת g 1 i s c h e Stellung iin Lande, um sich dann der Situation der Juden zuzuwenden. Er weist in diesem Zusammenhang auf Erklärungen englischer Staatsmänncr im Laufe der letzten Monate hin, die gelautet hätten: ״Die Juden sollten in Palästina nur ihre Forderungen stellen, man würde es dann schon bewilligen. In dem Augenblick aber, — so heißt es in dem Artikel weiter —, in dem sich irgendwelche Gegenwirkungen von arabischer Seite bemerkbar machten, waren diese Erklärungen vergessen; und zwar deshalb, weil die Engländer zwar den wirtschaftlichen Aufschwung Paiästinas aus den angedeuteten Gründen sehr gerne sehen, Weil ihnen dieser aber lange nicht so wichtig ist wie politischer Fritden in Palästina, wenigstens äußerlicher, und zwar mindestetii so lange, bis sie ihre strategischen Punkte und Linien pro grammäßig ausgebaut haben werden. Was dann wird, kann man noch nicht wissen. Aber was wird bis dahin aus der jüdischen Einwanderung? Es ist keine Frage, daß die jüngsten Erklärungen des Kolonialstaatssekretärs, Sir Philip Cunliffe Lister, im Unterhause einen Erfolg der arabischen Politik darstellen. Es ist ebensowenig eine Frage, daß die neue Haltung der hiesrren Mandatsverwaltung gegenüber der allegalen‘ jüdischen Einwanderung einen solchen Erfolg erkennen läßt. Worin bestellt die ,Illegalität‘? Mit diesem Makel sind größtenteils solche Menschen behaftet, die als Touristen Ins Land kamen und ihre im allgemeinen für drei Monate erteilte Aufenthaltserlaubnis überschritten haben- (NB. Beduinen aus Transjordanien dürfen ganz offiziell ohne jede Paßkontrolle einwandern!) Nun besteht aber im Lande ein leicht nachzuweisender dringender Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Die Araber haben auch aus der verstärkten jüdischen Einwanqerung — im Jahre 1933 dürften bisher etwa 35 000 Juden 41־ gewandert sein, davon ca. 10000 aus Deutschland — wirschaftiicli erheblichen Nutzen gezogen. Sie haben ihre lancwirtschaftlichen Kulturen seit dem Sommer 1932 intensiviert und. vergrößert, die Arbeitslosigkeit der Ungelernten unter ihnen — der europäische Begriff paßt hier nicht ganz — ist stark zurückgegangen. Die Pächter und Bauern haben für ihre Erzeugnisse einen vergrößerten und aufnahmefähigen Markt. Wer wird also durch die ,illegale‘ Einwanderung geschädigt? Es sind weder wirtschaftliche noch soziale Ziele, di« durch einen Erfolg des arabischen Kampfes gegen die jüdische Einwanderung erreicht werden würden. Es handelt sich bei den arabischen Groß• grundbesitzern, die diesen Kampf finanzieren, in Wirtschaftlieber Hinsicht wesentlich darum, die fortschreitende Differenzierung des palästinensischen Arbeitsmarktes durch die Juden zu verhindern, um so dem Fellachen und Pächter auch fernerhin die Möglichkeit zu nehmen, aus seiner faktischen Hörig■- keit herauszukommen. Es wird allmählich deutlich, daß hierin auch ein Stück ,Anti-Europäismus‘ liegt, das die Ver> bindung solcher grob-materiellen Motive mit der Ideologie de politischen panarabischen Bewegung herstellt. Gegenüber dem Endzielen dieser Bewegung wird England aus den oben an• gedeuteten Gründen wohl niemals nachgeben, aber in Hinsicht auf jene rein materiellen Wünsche des arabischen Groß• gnmdbesitzes macht es Konzessionen. Hierin liegt die Erklärung dafür, daß die Engländer zwar die Unruhen mit harter Hand niedergeschlagen, unmittelbar darauf aber ein Eingehen auf die arabische Einwanderungsfeindlichkeit zu erkennen ge• geben haben. Jedenfalls tragen alle diese Umstände dazu bei, die Mandatsverhältnisse unter verschiedenen Gesichtspunkten zu überprüfen.“ Brielkaslen der Redsküon K. L״ Hamburg• Der englische Außenminister Sir Jofcn Simon ist weder Jude noch Judenstämmling. Wir haben dies bereits vor längerer Zeit in der ״Jüdischen Rundschau'1 festgestellt. John Simon stammt aus einer puritanische« Pastorenfamilie. Der Irrtum des deutschen Publikums beruh: teilweise auf dem biblischen Namen, teilweise vielleicht auch darauf, daß Simons Vorgänger im Außenamt, Lord Reading, ein Jude ist. Margarete N.» Berlin. Der von Ihnen geschilderte Vorfall, daß ein deutscher Anwalt in einer Gerichtsverhandlung am 9, November im Landgericht gegen einen Prozeßgegner antisemitische Ausführungen machte, ohne daß ihm eine Rüge zuteil wurde, ist überaus beklagenswert. Es handelt sich, wie Sie schreiben, um herabsetzende Aeußerungen gegen den Geschäftsführer eines Kleinhandels-Verbandes, der im Zuge der Aktion zur Gleichschaltung der Verbände seinen Posten nicht kampflos räumte. Wir empfehlen Ihnen, die Angelegenheit den zuständigen Beschwerde-Instanzen zu übergeben und der Reichsvertretung der deutschen Juden zu meiden, deren Aufgabe es gewiß wäre, auch in Einzelfällen gegen ungerechtfertigte Beleidigungen des Judentums einzuschreiten. Dr. W. Bernstein, Berlin. Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilungen. Wir sind überzeugt, daß die große Mehrzahl der Berliner Juden mit Ihnen iibereinstimtnt, wenn Sie der sogenannten ״Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutsehen“ die Ihnen ihren Aufruf zusandte, eine entschiedene Absage sandten, und darauf hinwiesen, daß die Bestrebungen dieser Gruppe ״eine ungeheure Verirrung“ darstelle, die, ״wenn sie an Boden gewinnt, zur Selbstvernichtung des Judentums führe« muß1‘. sehen liaft v mehr י seitens esse Kreise, Existei ist es Vorhai men v Di durch punkti Wesen jedoch müssei der fü lehnen cigent ursprti ist un stand Musik Es ist Angst gegne 1 n n e sie ä t U Mus samm unten Bibel lehrrc lisch die M große ständr Schiel D bezug lang י nuisik Aeußi Musik tung, zur K wohl romat deute ihnen stand! lieh 1 Werk Mahl! Musil Kultu Ocscl stehei kes, < nicht Ausdi bewu nen! werd! erstre keine j ii d i d i s c r a k 1 seht v e r 1 I Ideal IrfiP.- in Fi Fntvv jiidisi porgi hing das I 1 V o 1 zu fi weck ken ln d Tatsi weisi Kom jüdis Qlinl sorg! nützt I riger ward Schi! keit nen, Aus jüdis im j und daß musi rnusi dokt dien Mus ferm ei ge besit stad! weis Mus