Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-11-28 · Heft 95 (28.11.1933) · p. Seite 871

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 95 (28.11.1933)
Date
1933-11-28
Page
Seite 871 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653818--24445-2687395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

m 95, 28. XI. 1933 JÜDISCHE HüHDSeHAfJ Seite 869 l ist ן oll- :ren zu ,ttes Ren Itcn. 'osi• men itcn. idut ihcn entmier der lach die itens fi-e.-i, eines einer Eintalls entt zu s 111- 11t erieses lig'cu eine 11 agen ntmg loviel Erb- Juden nicht iken! vpenj auf Geld , sein Stadt ,nversieht, wird? orgakaum Ein- 111 sie re an iiehen nichts h uni Lauf, k den Wir Ipckuionalc schon mente ir nie schon 1 ver- Erfolg Immer egen I a n d, Ka• Joden* er die lisch en jewalm des durch ut wie ihren 1 auch!s Bei* Besitz: i dann aß der reform seinem irbbaii* n, und nau so lier zu Haifalisvolle . Nur ädti* KKL r Haen, als . Aber mußte tungen t und 1. 1933 seiner utschcr geistesanzier:!e minechtfcr- [erkling ״R a ses für 1t. also religiös nuntcrenn für n Tassiimmen, Xrirkuns und London en Pa- , induitellung Die Film-Sensation von Berlin Der Film ״La Maternelle“ — die Schöpfung eines Juden Das Berliner Ufatheater am Kurfürstendamm zeigt seit 5 Wochen einen französischen Film ״la matemelle“, der auf das Publikum einen ungewöhnlich bewegenden Eindruck macht. Tagtäglich verlassen seit 35 Tagen hunderte Mensehen das Kino, die noch lange auf der Straße an einem von Tränen geröteten Ausdruck erkennen lassen, was sie erlebt haben. Und wirklich hat man schon lange nicht im Theater einen so starken und allgemeinen Eindruck der Rührung erlebt wie hier. Im Theater weinen meist Frauen und das Schneuzen begleitet gewöhnlich einen sentimentalen traurigen Vorfall nicht etwas Tragisches, denn wer weinte bei Shakespeare! In ״maternelle“ wird dagegen geräuschlos geweint. Erst wenn es Licht wird, erkennt man, wie viele sich den Tränen hingaben. Während eine nie abbrechende Folge herzerquickend komischer Szenen eine unaufhörliche Welle von Heiterkeit und stürmischem Gelächter hervorruft, bereitet sich längst im Hörer die Wohltat der Tränen vot. Und beim schönsten happy end, das sich denken läßt, gerade bei dem Vorfall, der drei Menschen glücklich vereinigt, ist die Rührung am größten. Was ist es nun, was in diesem Fall eine so tiefe und bezwingende Wirkung hervorruft? Güte und Menschlichkeit. Der Mensch erlebt wieder, daß die Botschaft der Liebe die fröhlichste ist. Er erlebt, wie viel Güte der Mensch braucht, um glücklich zu sein, und wie wenig dazu gehört, Güte zu schenken, wenn man sie hat, wenn sie wahrhaft mütterlich, matemelle ist. ״Halt dich gerade“, sagt die Pflegerin Rose in einer Pariser Ecole matemelle, einer Kleinkinderbewahranstalt zur kleinen Marie Coeurat. Das genügt schon, das Kind wieder glücklich zu machen; es wird beachtet und das heißt in dem Fall, es fühlt sich geliebt. Der Film, der dieses Wunder der Beseligung an einem deutschen Großstadtpublikum vollzieht, ist ein Werk franzn'sischer Filmkunst, entstanden auf der Basis des französisehen, gleichnamigen Romans, mit Hilfe von sechs restlos guten Schauspielern, einigen hundert Kindern von 2—8 Jah- 1en und einem besonders meisterhaften Kameramann. Sie alle sind aber nur das Material, durch das sich Jean Benoit- Levy ausdrückt, und zwar so, daß er seit diesem Film zu den vier, fünf Namen gehört, die den Tonfilm zu einer Sache der Menschheit gemacht haben. Das ist der Grund, warum wir uns als Juden mit diesem ungewöhnlichen Film beschäftigen müssen, obwohl ja das Judentum im Film weit über seinen zahlenmäßigen Anteil an der Bevölkerung der Welt, durch Leistungen vertreten ist. Der Film hat für uns aber noch eine andere Bedeutung. Er zeigt uns den Juden überzeugend von einer ganz anderen Seite als der, die der Antisemitismus des Dritten Raches als seine wesentliche bezeichnet. *Niemand kann an Benoit-Levy einen Zug von ״zer• sitzender“ Intellekt ualität oder von Herabsetzung und Ausbeutung rein menschlicher Werte entdecken. Das ist es aber, was viele Nationalsozialisten ais die wesentliebste Eigenschaft der jüdischen Rasse bezeichnen. Und ge- :ade das hat niemand an diesem Fall entdecken können. Auch nicht die Kritik der nationalsozialistischen und der gleichgeschalteten Presse. Es gibt nur eine Stimme des Lobes, die eine einzige Stimme des Enthusiasmus ist. Die Kritik des ״Angriff‘ ist ein begeistertes Bekenntnis zur Kunst dieses Films. Und diese Kritik eines jüdischen Kunst- Werkes ist von ganz besonderer Bedeutung, weil sie wahrschein!ich — keineswegs sicher — in Unkenntnis des Judenturas des Regisseurs erfolgte. Die Ufa hat sich nämlich mit diesem Film einen viel belachten Schildbürgerstreich geleistet, indem sie den Doppelnamen des Regisseurs ganz unberechtigt um seinen Levy-Anteil kürzte und den großen französisch-jücisehen Meister dieses Kinderfilms unter dem halben und laher falschen Namen Jean Benoit bekanntinachte. Im Personenverzeichnis, das den Film einleitet, heißt Benoit- Ltivy schlicht Benoit, in den Anzeigen der Tagespresse heißt er Benoit, auf manchen Reklamen fehlt der Name ganz und in jedem Fall steht seine Publizität in Berlin nach diesem Riesenerfolg in keinem Verhältnis zu dem Ruhm, den die Ufa sonst ihren eigenen Lieblingen zu schüren weiß. Nur so ist es auch zu erklären, daß der Name des Regisseurs in einigen Zeitungskritiken ganz fehlt (Angriff, Völkischer Beobachter, Berliner Tageblatt), während er sonst, mit ein oder zwei Ausnahmen, in der ״arischen“ Vermummung erscheint, in die ihn die Ufa gesteckt hat. Man muß sagen, daß diese Form des Ufa-Antisemitismus Unzeit gern ii ß ist. Das Dritte Reich verzichtet auf die Hilfe auch solcher Juden, deren Qualitäten es gar nicht bestreitet, weil ihm das Prinzip über den Einzelfall geht. Die Ufa kehrt dagegen zum Antisemitismus der Kaiserzeit zurück. Der Nationalsozialismus dringt unerbittlich darauf, den Juden aus allen Vermummungen herauszuholen, in die er sich gesteckt hat oder nt die er in einem Zeitalter gesteckt wurde, das Taufe oder Namensänderung vielfach als Entreebillett zu höheren gesellschaftlichen Stellungen verlangte. Der Nationalsozialismus entblößt die Achillesferse des Judentums an Nichtjuden, die einen jüdischen Großelternteil haben. Die Ufa akzeptiert dagegen einen reinen Juden, nursollesebennichtjederwis• sen. Kein Zweifel, daß uns das System der reinlichen Deklarierung lieber ist. Die kleinen Ufa-Anschläge an den Litfaß- I Säulen — kamen sie nicht erst später? — rechnen wir jedenfalls nicht dazu. ״La Matemelle“ ist der Film eines Juden, aber es ist doch auch ein durch und durch französischer Film- Mit Jeanne 11'Are und Therese Raquin, mit den neuen Reichen und mit dem köstlichen Romanzyklus eines Rene Clair hat Frankreich eine Filmkunst geschaffen, deren nationaler Charakter nicht im Aussprechen von Forderungen oder im Aufstellen von Behauphingen liegt, sondern in der Sache selbst, im Sein, in der Existenz der Dinge und Menschen, mit einem Wort im Wesen des Volkes, ohne jede ideologische Zutat. Gerade an diesem Punkt setzt nun auch Benoit-Ldvy ein. Auch er ist, wie Rene Clair, der Dichter seiner Visionen, für den der Roman eben nicht mehr als den Ausgangspunkt bietet. Und wie für Rene Clair und Feyder ist auch für Benoit-Levy das Leben selbst sein Stoff, und die Anschauung, die der Franzose vom Leben hat, ist die Philosophie und die Geistigkeit seines Spiels. Der Realismus dieses Films ist ohne den französischen rea- Bstischen Roman, das Bild ist ohne das französische Licht und die französischen Farben nicht denkbar und schließlich schlingt rieh auch durch diesen französischen Film ein wahrer Wasserquell der köstlichsten Lieder und Kindergesänge. Primitiv im Materiellen, subtil im Geistigen — das ist cs, was dieses Werk eines französischen Juden so französisch macht und das eben doch ein Jude als Jude geschaffen hat. Rose hat ihr Staatsexamen gemacht, alter kein Geld auf eine Anstellung tu warten. So kommt sie als Aufwartefrau in rin Kleinkindorheim, in dem die schmutzigsten und ärmsten Kinder des Pariser Proletariats abgegeben werden, •während die Eltern auf Arbeit sind, oder Vater im Zuchthaus, oder Mutier auf dem Strich. Was fiir ein Elend der Unschuld tut sieh da auf. Da ist der kleine jung«', der nie lächelt, aber Rose bringt ihr! dazu, indem sie ihn nach dem alten Kinderspiel ״wer lacht zuerst“ mit ihrem ernsten, schwarzen Blick zwingend in die Augen schaut, bis der vierjährige kleine Strolch von der reinen Heiterkeit allmählich besiegt wird, die auf Roses Gesicht liegt — einem echt französisch heiteren 'Lage-licht, das ja auch die französische Plastik von der Gotik bis zur Moderne durchleuchtet. Da ist der kleine Junge eines Deportierten, der ein Sous-Stück gestohlen und geschluckt hat, aber damit Rose nicht bestraft wird, sich meldet und Rizinuso! nimmt. Und da ist schließlieh, unter hundert anderen, die Tochter einer Prostituierten, Marie, die sich an Rose hängt, attarhöe comtne un chien perdu, mit der dämonischen Liebe eines Kindes ohne Heim, mit der Kifer-ueht auf jeden Kuß, den die Lehrerin einem anderen Kinde gibt, mit der Bereitschaft, den Tod einem Verlust dieser ihrer neuen Pflegemutter vorzuziehen. Denn dieser Verlust droht, da der LVU'-guc eantonal das hübsche Aufwartemädchen aus der Krippenkticbe heiraten will, nachdem sich herausgcstellt hat, daß sie sogar die Papiere eines Examen sup^rieur besitzt. Aber wieder ist es hier die Güte, die dem Kind Nächsten Freitag: I KINDER ״RUNDSCHAU LITERATUR ״BLATT JÜDISCHER SPORT Einsendungen für die darauf folgende KINDER - RUND- SCHAU, die zu Chanukkah erscheint, müssen bis 6. Dezember ln unseren Händen sein. alle Schatten seiner Eifersucht Und seiner Angst wegnimmt. Am Anfang des Films hat diese kleine Marie die prächtige Frau Paulin, seit 20 Jahren etatgemäße Aufwartefrau des Kinderheims, in den Arm gebissen, wvil sie eine Maus aus der Falle in den Ofen schüttet. Jetzt gewinnt der Dr. Libois das eben aus der Seine gezogene und wieder warm gewordene Kind, indem er eine Maus nicht aus der Falle ins Feuer wirft, wie das Kind ängstlich glaubt, sondern auf di« Straße laufen läßt. Da sind sie Freunde! Und wie dann Ro-e der Kleinen sagt, ״halt dich grade“, da weiß das Kind, es wird angesehen, beachtet, man kümmert sich um sein Lehen. Es w-ird nicht allein })leiben. So wird Rose ihrem Mann ein Kind in die Ehe mitbringen, das sie aus der öcole matemelle an ihr Herz gezogen hat. Alles das erscheint wie nichts, und wirklich, wie wenig ist es, wenn man an die komplizierten Intrigen denkt, von denen der Film, sonst lebt, an die falschen Palazzi Jagden und Cowboys-Doubles! Hier kommt alles Herrliche aus der Seele der Kinder, denen eine Mutter in einem unansehnlichen Küchenmädchen hcranwächst, aber auch aus der!«zaubernden Fülle der Begebenheiten eines solchen Kinderhaufens, der uns in kllen, aller auch allen Situationen vorgeführt wird: Mit and ohne Töpfchen, mit und ohne Trief na se, mit und ohne Läuse, beim Spiel, Essen, Lernen, Zeichnen, kurz überall! Aber was Benoit-Ldvy aas diesen Kindern herausholt, zeigt nicht nur einen großen Regisseur, sondern auch einer! bewundernswerten Pädagogen. Er hat doch schließlich alle diese Gesichter bclausrht und geformt, zum Sprechen und zur Mimik gebracht. Unheimlich das Kind in der Szene am AVasscr, dann diese tragische Sriiwärze, wie es nackt in seinem Mantel, nach, der Rettung, wieder mitten im Eeben sitzt — voller Angst vor der Leere des Lebens. Und solcher Kinder sind noch eine ganze Reihe zu sehen. Einmalig aber ist che Rose der Madelaim! Renaud. Mit welcher Klugheit, Güte. Kinder■ liebe, Festigkeit und Heiterkeit sic ihre hundert kleinen Rangen hegt und glücklich macht, eine wahre Jeanne d’Arc der Besprisornji des französischen Proletariats. ■ Wenn man sich mit den Aeußerungen des jüdischen Lebens in Deutschland beschäftigt, so gelangt man immer wieder zu der Erkenntnis, daß manche Kreise, die für das dcutsehe Judentum zu sprechen sieh für befugt halten, noch nicht den großen Wandel der Gruntlla g e n unseres deutsch-jüdischen Lebens und der Zukunftshoffnungen, die die Mehrheit der deutschen Juden besitzt, erfaßt haben. Einige Beispiele, die uns in den letzten Tagen bekannt wurden, sind geeignet, diese bedauerliche Erscheinung zu illustrieren. So fand vor einigen Tagen in der Synagoge Lützowstraße ein Gcmeindeabend der Berliner J ii - dischen Gemeinde statt, bei welchem die Herren f)r. Walter Breslauer und Bruno Woyda referierten. Dr. Breslauer benutzte diese Gelegenheit, um gegen die These zu polemisieren, daß eine bestimmte Generation des deutschen Judentums als ״Juden am Rande“ zu kennzeichnen sei. Diese dem jüngst erschienenen Buche von Joachim Prinz entnommene Bezeichnung wäre schon dadurch hinfällig, daß die Angehörigen dieser Generation gewaltige Leistungen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege innerhalb der Gemeinde vollbracht hätten. Wir unterschätzen gewiß nicht die Bedeutung der Zcdakah für das jüdische Leben, wenn wir sagen, daß diese Beweisführung wirklich nicht zutreffend ist. Das Judentum jener Generation beschränkt« sich eben vielfach auf Werke der Wohltätigkeit, die gewiß nützlich waren und dem, der sie vollbrachte, innere Befriedigung gaben, aber wenig für ein lebendiges in die Zukunft weisendes Judentum bedeuteten, — Etwas merkwürdig war es, wenn nach dieser Einleitung Herr Frankreich hat diesem Film einen Triumph bereitet. Er ■wird in Paris seit dem August ununterbrochen gespielt. Die Propagandaabteilung des Französischen Auswärtigen Amts (service des oeuvres frangaises ä l’etraiiger) empfiehlt ihn französischen Gesellschaften im Ausland zur Aufführung bei großen Anlässen wie dem Bastilletag. Auch in Berlin hat sich Frankreich offiziell zu dem Film bekannt. Der franzüsisehe Botschafter und der Generalkonsul wohnten der deutschen Uraufführung bei, ebenso von der deutschen Regierung Herren des Auswärtigen Amtes und des Propagandaministenums. Die Presse bekannte sich ohne Einschränkung zu dem tiefen Eindruck, den das Werk von Jean Benoit-Levv gemacht hat. Der ״Lokal-Anzeiger“ spricht von ״tiefster und aufwühlender Wirkling“. ״Die Regie von Jean Benoit hat alles hinweggefegt, was den ,Schein‘ andeuten könnte“. ln der Kritik des ״Völkischen Beobachters“ vom 23. 10. wird die Aufführung des Films mit einem Gesamt!ob für den französischen Film \ erbtiiulen. ״Was hei französischen Spitzenfilmen immer wohltut fest/.usfellen, ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die wirklich künstlerische Atmosphäre. Und cs ist erstaunlich, mit welcher Feinfühligkeit liier die Kinderpsyche eingefangen ist und wie liebevoll Kinder beobachtet worder: sind . . . das Publikum dankte lächelnd und gerührt.“ Von besonderer Wärme ist die Kritik des ״Angriff“ vom 27, 10. 33. Sie ist, ohne jeden Bitiv.ind, ein aus dem Herzen kommendes Lob des Werkes: ״Die Menschen gehen still und nachdenklich aus dem Kino, ergriffen von der still en, großen, mütterlichen Liebe, die die kleine Kindergärtnerin Rose ausstrahlt. Wie dieses jmigv Mädchen hiiicinwiichst in die Seelen der Kinder, die unter den sehw ersten sozialen Verhältnissen aufwachsen... Wie diese gütige Fee für alle ihre Schützlinge ein aufopferndes Herz hat und über:11 i verzetliemk' Liehe und liebendes Lächeln spendet, das atmet im einzelnen und im ganzen soviel Wärme und .Menschlichkeit, die den Film, ohwohl er ohne spannende! landhmg ist, /um starken Friebnis werden lassen... Lin Film von außerordentlichem künstlerischem Rang wie ihn Frankreich noch nicht hervorgebracht hat.“ Dieser ri:m ist aber nicht nur Kunst, sondern auch Welt• anschaining durch die Pädagogik, die er vertritt, Daran erinnert der ,,Film-Kurier“. Den Wert des Film stellt er unter anderem dun׳!! folgenden Satz, fest: ״Ungeheuer einfach so zu filmen — ungeheuer schwer und — unnachahmlich ... Es ist einmalig aus heute französischer .Mentalität!׳eschaffnies Werk unter russischen! Einfluß“, dal! der ,.Film-Kurier“ hier etwas Oestrich-asiatisches ges111 וין hat, i->t recht interessant. Zum Weltanschaulichen nimmt der ״Film-Kurier“ dagegen unter Vorbehalten Stellung: ״Fin Belelmmgsfilm für uns Deutsehe — man sehe die Venriggenmg der junge!» Physiognomien in diesem Misclilingsproletariat von Paris, hoffnungslos belastet, die Degeneration im Antlitz. Hilft da mm ,Liebe?’ Auf solche Fragen gibt der Film keine Antwort, er löst kein Bevölkerimgsproblem, er gibt keine Rassenerkenntnisse. Er stellt nur dar ...“ Das ist nicht ganz richtig. Der Film ״La Maternelle“ stellt nicht dar, sondern er nimmt auch Stellung. Ohne uns mit dein sachlichen Gehalt dieser Stellungnahme in diesem Fall auseinanderzusetzen, muß man aber doch feststellen, daß diese Art der Darstellung zugleich eine Stellungnahme ist. Es ist keine Reportage von einer ,Aufwartefrau, die die Liebe der Kinder gewann, sondern eine Darstellung davon, daß nur Liebe solchen Maßes die Kraft hat, ganz verkommene und verlassene Kinderlierzen zu erwärmen, zu retten, 7.11 bessern. Eben um zu zeigen, wie groß die Macht der ammir matemelle ist, hat Jeall Benoit-Levy besonders degencrierie Typen eines Pariser Zille-Proletariats /11sa1111uengefe:rt. je schwieriger die Aufgabe, um so herrlicher die Lösung. Um! wenn Benoit-Levv gerade an einem kleinen Kinde, das nicht etwa verniggert ist, sondern offenbar ein ganz reinrassiges Negcrkim! ist, zeigt, wie stark in einem solchen kleinen Winm die Liebe /u den Tieren ist, so hat er damit sicher ganz bewußt eine Ucberzeugmig aysgesprochen. So ist es ״nur“ ein Fiim, aber ein ungewöhnlicher, der zu so vielen Dingen und Framzii anregt. Sehr interessant wird jedenfalls der weitere Weg dieses Films sein, der in deutscher Version bald durch die Provinz gehen wird. Wir hallen volles Vertrauen 7:1 den: Ergebnis. (ieuenuber einer so reinen .Menschlichkeit worden sich überall die Zuhörer als .Menschen getroffen fühlen. Sie werden als .Wuschen mit diesen hundert Kindern weinen und lachen mul sie vielleicht sogar beneiden Wovda, der durch die Gründung seines ״Erneuerungsblindes“ erst jüngst unliebsames ,Aufsehen erregt hat, von der Notwendigkeit der Vertiefung des Judentums sprach und in diesem Zusammenhänge allen ״religiösen Richtungen“ irn Judentum Toleranz versprach. Er exemplifizierte dabei auf die Konservativen, wobei wohl!!er Wunsch der VatCT des Gedankens ist, gewisse assimilatorisch-konservative Kreise mit den Herren von der Reform und ihren Freunden an einen Tisch zu bringen, um sie im Kampf gegen der! Zionismus als Vorspann zu benutzen. Die Besucher des Gemeiiideabends wurden dann auch heim .Ausgang durch Flugb!;itter aufgefordert, ״jüdische Deutsche zu bleiben“ und daher in die Erneucmiigsbeweguutg des Herrn Woyda einzutreten. In anderer Hinsicht belehrend fiir Anschauungen, die gelegentlich noch vorhanden sind, war eine Pressebesprcchung, die der R e i e 11 s b u n d jüdischer Front- Soldaten mit den Vertretern der indischen!,resse abhielt. Wir wollen nicht darauf eingellen, daß die leitenden Persönlichkcitcn dieses Bundes glauben, daß ihre Tätigkeit i*n den vergangenen Jahren sinnvoll und erfolgreich gewesen ist. Vielmehr wollen wir uns darauf beschränken festzustellen, daß in diesen Kreisen auch heute noch z. B. die sportliche Betätigung der Juden in besonderen jüdischen Vereinen grundsätzlich a!־!gelehnt wird, und daß man erklärt, die eigenen Sportgruppen des RJ F. nur deshalb zu führen, weil eben die Mehrzahl der jüdischen Sportler in der allgemeinen Sportbewegung nicht mehr aktiv tätig sein könne. Gegen die zionistischen Sportverbändc wolle tim das Glück einer Liehe, die aus Roses Augen in alle dringt. x. r. ßß Juden am ’€

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.