Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 95 (28.11.1933)
- Date
- 1933-11-28
- Page
- Seite 870 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653818--24444-2687394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 868 jodische Rundschau Nr. 95 28. XI. 1933 m9! Rückkehr nach Haifa Erste Eindrücke Von Dr, Elias Auerbach, Haifa. Der nachstehende Aufsalz von Dr. Auerbach beruht auf persönlichen Eindrücken eines in der zionistischen Bewegung bekannten Mannes, der für seine Darstellung die Veranltvorhing trägt. Er wendet sich zum einen 'feil gegen Verhält• mn.se, die als unvermeidliche Begleiterscheinung zu federn schnellen kolonisatorischen Aufblühen eines Gebietes zu gehören scheinen, aber um so mehr die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Instanzen und entschiedene Behämpfnngsmußnahmen erfordern. IL’n׳ weit im Rahmen der herrschenden Dri a Wirtschaft diese Bekämpfung erfolgreich sein kann, ist freilich zwei 'eihaft, and die Wirtschaftsgeschichte scheint zu b'weisen, daß erst die herci!!brechende Krise den notwendigen Abschluß — und zum Teil die Strafe — übermäßiger Spekulation durslcllt. '/,׳im anrleren Teil wendet sich Dr. Auerhach gegen die I'nzuhinglichkvit der Maßnahmen, die die Jewish Agency zur Unterbringung mtd Beratung der Einwunderer getroffen hat. Hierbei mag manche Klage durch persiiuliihe Verärgerung übertrieben sein, wie dies er fallrungsgemäß oft der Fall isi, doch wird auch nicht bestritten, daß die vorhandenen Instanzen dem übermäßigen Ansturm der letzten Monate nicht gewachsen waren. Auch muß berücksich:igt werden, daß private Einwanderer oft der Bvcinflussuilg durch beratende Stellen widerstreben und auf eigene lutusl losester zu fahren meinen. H'/r hoffen, daß die jetzt endlich ziislarnlegekommene Einrichtung der ״Zentralst eile für die .\nsicdhmg dänischer ,luden“, über deren Tätigkcitsfgel'iete unser pitläsl ittensischvr Korrespondent in Nr.92 berichfr״:: 1) ׳/) ,••׳;«■v ״< tretenrn di ingenden Frf ordernissen begegnen und mute, ’tu in schweren ,1 Junge) al h7׳ien wird. Der Artikel Dr. .Auerbachs diene zugleich als Wamitiig für solche, die sich über das Allgemein-h1leres.se himvegsetsen zu dürfen glaubet!. (Red.) Jetzt 'im! cs /dm 1'a/e, seit ich wieder in Haifa bin, lind ’ über?1!;dir!•, mit ich Haifa kenne: eine gute Verjdcicli.diad-;, um erwe |d!uir!mhe an IVmiehim-n und wiederz1!::eben, hecor sie durch die Kenntnis zuvioler Fiim'lheiten an t'Nakihut gr\vu>.!u!1, aber a!1 Hihliudti!,d<eit verlieren. 1 laifa i't 11 ich! w i e d e r / u e r k e 11 n e n. Als das Schiff in den neuen Hafen einlief, lag ein völlig umgewandeltes Bild <k׳r Unter•,(,׳!( It vor »n«, beherrscht von dem breiten, neu auhte-chiittdon 1 lafemiehuide um! der prächtigen Quaistraße, der einzigen 1:111 cn 1 ang-verbindung durch die Stadt, ln der Stadt seihst zieht steh der ״Orient“, das bunte Viertel der engen (ki liehen, immer mehr auf einen kleinen Bezirk־ der Altstadt zusammen, das übrige fällt immer rascher der Spitzhacke zum Opfer, überall Neubauten und Straßemlurch• hräche. 1 )er 7. e n t r a 1 e W ה g c n h a 1 t e p I a t 7, vor wenigen Jahren goschUfert. ist bereits viel zu klein, in tgefrihrh'chcr Enge staut sich hier der Verkehr und wird bald neue Wege suchen müssen. Die größte Ueberrascluing ist die jüdische Oberstadt, der ״hl a tl a r Hakarmel“. Erst 1922 gegründet, noch vor drei |ahren ein ruhiges, locker bebautes Villenviertel, ist plötzlich -Mittelpunkt fieberhaften Treibens. Kein Wunder! Vor drei Jahren lebten hier 4000 Menschen, jetzt sind es über 12000, und täglich strömen neue herein. Der ganze Hadar ist ein einziger Bauplatz, erfüllt vom Lärm der Betonmischmaschinen, vom Staub des Bauschutts, der vielfach fast die Straßen sperrt, und von überall emporschießenden drei- bis vierstöckigen Häusern, die rein auf Zweckmäßigkeit gebaut sind. Schotter ist der Hadar Hakarmel nicht geworden! Die herrliche Aussicht aut die Bucht, die früher jeder Hausbesitzer mit Stolz zeigte, haben mir noch die obersten Stockwerke der höher :gelegenen Häuser, ln der Hauptstraße, Recliob Herzl, schiebt jedes Haus modern aus gebaute Läden vor, und in den kühleren tviirnlct! (noch ist es trotz des pünktlichen Frübregens sehr heiß!) flutet hier eine dichte Menschenmenge lebhaft plaudernd und kaufend auf und ab. Bild einer werdenden Großstadt. יי ehr charakteristisch hat sielt die Verteilun g der Juden in der ‘Mault geändert. Vor drei Jahren wohnte noch der Großteil der Haifa er Juden, etwa 8000, in der arabischen \ 'nterstadt, ca. 100:) im Hadar Hakarmel, knapp tausend in den Vorstädten Bat ('!::lim und Neva Schaanan, hundert auf dem Karmel. Jetzt sind in der Unterstadt kaum mehr als 1(*!<־). im Hadar Hakarmel 12HK1, in Bat Ga lim und Neva Schaanan je!000, auf dem Karmel 500, in kleineren Randsiedlungen 1 2<!0d. und in der Kison-Lbene draußen ist eine' neue Vorstadt von P 1)0 Einwohnern entstanden, die rasch wächst. (Haifa hat heute unter etwa 55 000 Einw. ca. 22 000 Juden.) Die Folge ist, daß die Altstadt weit stärker als früher wieder arabisch geworden ist, auf den Straßen, Mä ritten t! t) ei Ra/;treu sieht inan liier immer weniger Juden. Da alles, was neu hcreinkonimt, in den Hadar Hakarmel drängt, herrscht schwere W ohniingsnot. Fertige Wohnungen timl überhaupt nicht zu haben. Man mietet im Rohbau, m:ui mietet eben begonnene Etagen, inan mietet nach dem l’la:!, mit einer Frist von 2 bis 4 Monaten bis zur Fertig-gcHim ׳,:. Ich will die Dinge au-spreehen, wie sie sind, da es das wichtigste ist, die Einwanderer richtig zu informieren. Der starke Andrang der Mieter hat zu unerhörten Preis- Steigerungen geführt, die nicht nur der wirklichen Raumknappheit entspringen, sondern der spekulativen Ausnut/ung der Konjunktur. Pro Zimmer wird 3— 31) Pfund im Monat verlangt und bezahlt, so daß eine Dreizimmer-Wohmine durchschnittlich 10 Pfund kostet, und dieser Betrag־ muß für ein Jahr im voraus entrichtet werden, so daß die Wohnung in Wirklichkeit 11 Pfund im Monat kostet. Und die Bezahlung muß sofort erfolgen, auch wenn die Wohnun!:! erst in zwei oder drei Monaten bezogen wird, denn mit diesem Uelde haut der kluge Hauswirt. Der Einwanderer aber, der die ersten Tage oder Wochen in teuren Hotels oder Pensionen wohnen muß, der mit seiner Familie £ 2 im Tag, also in einem .Monat £ 60 ausgeben muß, stürzt sich auf jede angehotene Wohnung und zaiilt nicht nur jeden verlangten Preis, sondern ii herbietet freiwillig den Mitbcwerher. um nur zu einer Wohnung zu gelangen, und verschärft damit die l äge. Zu spät hedenkt er, daß er ein Zehntel bis ein Fünftel seiner knappen .Mittel hingetgehen hat, bevor er auch nur die ersten Schritte zur Schaffung einer Existenzgrundlage getan hat. Spricht man mit einem Hausbesitzer, so führt er stets zur Entschuldigung seines Vorgehens zwei Momente an: die Steigerung der Bodenpreise und die Steigerung־ der Arbeitslöhne. Beides ist scheinbar richtig und doch falsch. Die Bodenpreise sind in der Tat phantastisch gestiegen. Ein mir gut bekannter Bauplatz im Hadar Hakarmel. der vor 3'5 Jahren für £ 800 verkauft wurde, ist vor drei Wochen für £ 3700 wiederverkauft worden. Aber die weitaus meisten Häuser stehen auf Böden, die seit Jahren in der Hand ihrer Besitzer sind; die Besitzer kalkulieren einfach ihre Böden zu den neuen ,,Marktpreisen“, au! Kosten der Mieter, kh kenne bekannte Führer der Zionistischen Organisation, die in ihren Häusern jetzt ohne jede Berechtigung und Gegenleistung einfach die Mieten erhöht haben. Das ist nicht zionistische, sondern Volksfeindliche und die Einwanderung schädigende Haltung. Sie wird nicht dadurch besser, daß man gleichzeitig schöne Reden über die Notwendigkeit einer starken Alijah hält. Neubesitzer, die diese überhöhten Bodenpreise bezahlt haben, können mit mehr Recht die hohen Mieten durch sie entschuldigen; aber auch sie begnügen sich nicht mit einer mäßigen Verzinsung ihres Kapitals, wie sie bisher üblich war, sondern gehen weit über sie hinaus: Verzinsungen von 15—!8 ״/o bei Altbesitz, von 12 ®/o bei Neubesitz sind nichts Seltenes, und das ist nicht zu rechtfertigen. Das zweite Argument ist nicht besser. Es ist richtig, daß die Löhne der Bauarbeiter stark gestiegen sind, und das ist gut so, denn die stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften ist der stärkste Anreiz zur Alijah. Die Steigerung beträgt 40—50 «;0 des Tageslohnes. Auch die Matcrialpreise sind gestiegen; richtig. Aber die Organisierung des Bauvorganges (Betonbau) und die Leistung der Bauarbeiter ist stark verbessert, so daß ein Bau, der früher sieben Monate dauerte, jetzt in vier Monaten erstellt wird. Das bedeutet bei dem hohen Anteil der Arbeitslöhne an den Gesamtkosten eine solche Ersparnis, daß die wirkliche Vertcuerung des Bauens nach meiner Schätzung nur etwa 25 0/0 beträgt. Die Verteuerung der Mieten aber beträgt 60—80 ״/». Auch dieses Argument ist also nur ein Vorwand für die spekulative Ausnutzung der Situation. Ich spreche von diesen Dingen so ausführlich, weil hier ein Kernproblem der städtischen Einwanderung vorliegt und der Ausgangspunkt einer Krise, die nicht aus bleiben kann. Denn die Spanne zwischen Unkosten und Verdienstmöglichkeit wird bei dem Wachsen der Mietsprcisc immer kleiner, und zumal der Ladenbesitzer wird bald die riesige Ladenmiete nicht mehr herauswirtschäften können. Ebenso ist auf die Dauer der Zustand unmöglich, daß eine Familie für Wohnung 40—50 0/0 ihres Monatsbudgets ausgibt. Die Kurve der Konjunktur muß mit dem Ruin einer Reihe von Existenzen zum Absinken kommen, und der Rückschlag wird zuerst die treffen, die geglaubt haben, mit teurem fremden Gclde den _ Berg der Spekulation mit erklettern zu körnten. Es geschieht ihnen recht; aber alle Anstrengung muß rechtzeitig darauf gerichtet werden, daß diese Krise nicht, wie 1926/27, weitere und weiteste Kreise zieht. * So spitzt sich alles auf die Frage zu, die jedem Neuanköinmling und jedem wohlmeinenden Palästinenser auf der Zunge liegt: Was geschieht und was kann geschehtn, um den ungesunden Auswirkungen einer starken Einwanderung zu begegnen? Nur die schonungslose Wahrheit kann der Abhilfe den Weg bereiten, und ich halte cs für Zionistenpflicht, sie ohne Rücksicht auszusprechen. Oie Wahrheit ist, daß wir wenig gelernt und alles vergessen haben, was die ähnliche Situation von 1925 uns gelehrt haben sollte. Obwohl man die Einwanderung seit Beginn des Jahres voraussehen konnte, obwohl sie seit sechs Monaten in Fluß ist, ist zu einem s a c 11 g e in äßen Empfang der Einwanderer nur wenig getan worden (ich spreche dabei immer von Haifa). Am leidlichsten sind noch die Chaluz.iin versorgt, die in die Baracken und Zelte der Jewish Agency gebracht werden (obwohl auch hier über Verpflegung und Unterkunft geklagt wird); aber um die starke mittelständische Einwar,- derung kümmert sich eigentlich überhaupt niemand. Es steigen in Haifa jetzt in der Woche durchschnittlich 250—300 Einwanderer ans Land, darunter etwa die Hälfte der Kopfzahl ״Bürgerliche“ mit ihren Familien. Warum werden nicht Empfangsuaracken errichtet, in denen sie die ersten zwei Wochen bleiben können? Während dieser Zeit könnten sie in Ruhe sich ihre Wolmstatt suchen und die ersten Schritte für ihre wirtschaftliche Efnwurzelung tun. Die ermüdenden mehrmaligen Gänge zu den Impfungen usw. würden fortfallen, da die sanitäre Üeberwacbung hier viel einfacher wäre, der Run auf die Wohnungen wäre um vieles gemildert, die Ein- Wanderer hätten von der ersten Nacht an die Sicherheit, ein Dach über dein Kopf zu haben, und sie würden riesige Summen für die erste Zeit sparen, die sie bitter nötig brauchen. Die Finanzierung einer solchen Vorsorge ist überhaupt kein Problem. Boden hat der Keren Kajemcth genug bei Haifa. Bau und Einrichtung von sechs großen Baracken (für je 50 Personen, in Räumen z.u 4 Betten) und einer siebenten für Wirtschaft und Verwaltung kosten höchstens 2000 Pfund. Aber jeder Einwanderer wird mit Freuden einen Schilling (50 Mil, ca. 70 Pfennige) pro Kopf und Nacht bezahlen, mit Freuden die Selbstkosten der Massenverpflegung, etwa 75 Mil (ca. 1,05 RM.) pro Kopf und Tag. Da die Bewirtschaftung sich durch die Einnahmen deckt (vielleicht mit geringem Verwaltungszuschuß), ergeben die Schlafgelder von 300 Personen pro Tag 15 Pfund, pro Monat 450 Pfund, in vier bis fünf Monaten sind die Baracken bezahlt. Die Familie von vier Personen verbraucht so in zwei Wochen 7 Pfund für das, was sie jetzt mit 25—30 Pfund bezahlen muß. (Lobend soll hier nebenbei erwähnt werden, daß die Preise in den Restaurants noch immer recht niedrig sind; für 1—11/5 Schilling |70—105 Pfennige] ist ein gutes und reichliches Mittag -oder Abendessen zu haben.) Die Sache ist, scheint mir, einfach, einleuchtend und ausführbar. Nur gemacht wird sie nicht. Ein ähnliches Bild zeigt die Beratun g und Weiter- Ieitung der Einwanderer. Der Ankömmling betritt schüchtern den Hafenquai von Haifa; hierher gehört die erste Auskunft, der Empfangsbeamte, der bei den Formalitäten hilft, erste Unterkunft und Verpflegung, nachweist und dem Neuling den Quartierzettei in die Hand gibt. Aber nichts dergleichen gibt es. Der Einwanderer steht verwirrt im Getriebe des Hadar Hacarmel: was soll er jetzt zuerst tun? Verhältnismäßig leicht ist noch die Situtafion für diejenigen, die wegen irgendwelcher geschäftlichen Unternehmungen rn der Stadt zu bleiben gedenken: sie gehen, suchen Auskünfte und Verbindungen, haben meist bestimme Adressen in der Tasche. Da gibt es forsche Leute, die schon am zweiten, dritten Tag ein Stück Boden oder ein Haus kaufen (und dann gewöhnlich damit hereinfallen!). Schwieriger ist es schon für die, die einen industriellen Betrieb beginnen wollen. Da heißt es zunächst, Boden kaufen oder pachten. Man hört, der Keren Kajemcth ״ anläßlich der Hg Im Erg ffn un g I6P der Bezirksgruppe Süd in den Räumen des Oranien - Palastes, Oranlenstr. 170 Begrüßungsansprachen: A. Gundermann, S. Tschertok Fi Imvorfüh rung Hans Rosenkranz spricht Ober Alijah—das Recht unseres Volkes! Donnerstag, den 30.11. 33., abends 814 Uhr hat Industriegelände in der Haifa-Bay. Großartig! Aber wo ist der Keren Kajemeth? In Jerusalem. In Haifa ist kein Bevollmächtigter, mit dem man abschließen kann, und schweren Herzens muß man sich entschließen, nach Jerusalem zu fahren, tagelang dort zu bleiben und ein zweites und drittes Mal zu fahren. Am ratlosesten sind die Elemente, die den großen Sprung vom Stadtleben zur Landwirtschaft wagen wollen. Sie suchen und fragen, aber sie erfahren lange nichts Positives, kaum mehrmals die Lalästina-Acmter draußen ihnen mitgegeben haben, kaum mehr als allgemeine Möglichkeiten. Denn die Auskunftsstellcn, auch der verdienstlichen Hitachdut Oie Germania, sind im wesentlichen auf andere Aufgaben eingestellt, und sie haben auch keine autoritativen, entscheidenden Stellen hinter sich. Schließlich, weil das immer noch der kürzeste Weg ist, fährt der Eine nach Afule, der Zweite nach Chedera oder Pardess Channa, der Dritte nach Ramat Gan, der Vierte zur Zentrale nach Jerusalem, um die realen Möglichkeiten für sich und seine Familie wenigstens kennenzulernen. Dann folgen langwierige Verhandlungen, dann nach Wochen oder Monaten die liebem ahme eines Landstückes, und nun erst geht es an die Vorbereitung einer Wohnstätte und Beschaffung des Inventars, wenn der Ein- Wanderer um viele Putzende von Pfunden ärmer ist .- talts er nicht vorher schon, ermüdet und entmutigt, sich entschlossen hat, diese Pläne aufzugeben, und in der Stadt zu bleiben. Muß das sein? Haben wir nicht ein ganz besonderes 111teresse daran, den Drang aufs Land in jeder Weise zu unterstützen und ihm alle Wege zu ebnen? Dabei ist dieses Mensch eil material — ich spreche nur von de!» selbständigen Siedlern; der Clialuz findet auch hier viel schneller seinen Platz — ein besonders einheitliches, das mit ein paar Fragen in drei, vier Kategorien nach Vermögen, Neigung, Eignung unterzubringen wäre. Du gehörst dahin, du dorthin; soviel Dunam, soviel Geld; hier ist der Kaufvertrag, hier der Erbpachtsvertrag. Man sagt, in der ganzen Welt wird Geld unter den Juden für konstruktive Hilfe gesammelt. Warum wird es nicht auch dafür verwendet — ohne einen Schilling zu verschenken! — daß Parzellen abgeteilt, Bewässerung vorbereitet, ein Typen- Häuschen (mag der Einwanderer cs nachher verändern!) auf den Boden gestellt wird? Muß der Siedler erst soviel Geld und Spannkraft verlieren, daß er nicht mehr imstande ist, sein Vorhaben ditrchzuführen und irgendeinen Laden in der Stadt eröffnet? Würde er nicht in einer ganz anderen Seclcnvcrfassung an den Aufbau seiner Zukunft gehen, wenn er sieht, daß er erwartet, empfangen, betreut und unterstützt wird? Ich wiederhole, er will keine Geschenke, er will nur eine organisierte Fürsorge. Es gibt im Augenblick in Palästina kaum eine wichtigere Aufgabe als diese. Daß ich diese Betrachtungen unter den ״ersten Eindrücken‘‘ wiedergebe, hat seine gute Berechtigung, denn sie beruhen auf zahllosen Gesprächen, die vom ersten Tage an viele Einwanderer mit mir geführt haben, in diesen Gesprächen kehrt auch die Frage immer wieder: Warum geschieht nichts gegen die zügellose Spekulation? Was kann geschehen? Die Regierung kümmert sich lim nichts, sie läßt dem ״freien Spiel der Kräfte“ seinen Lauf, das aber heißt: der Ausbeutung des Schwächeren durch den Stärkeren. Gesetzgeberische Mittel also haben wir nicht. Wir haben aber auch sehr wenige andere Mittel gegen die Spckulation. Moralische Ermahnungen, Hinweise auf die ״nationale Pflicht“ u. dgl. sind natürlich völlig wertlos, denn wie schon erwähnt;־ geht der Schaden bis in führende nationale Elemente hinein. Das «richtigste Mittel, das wir besitzen, haben wir nie richtig benutzt: den Keren Kajemeth. Ich will, wie schon oft, noch einmal darauf hinweisen, weil ich nicht daran verzweifeln will, daß der Hinweis doch einmal positiven Erfolg haben kann, und weil ich überzeugt bin, daß es noch immer nicht zu spät äst. Es gibt nur ein Mittel gegen Boden- und H ä u s e r w u c h e r: billiges Freiland, richtig benutzt, in der Hand des Keren Ka־ je m e t h. Der KKL hat die Bedeutung des städtischen Bodenkaufs bisher nie erfaßt. Sein einziges Ziel ist bisher die ״Getilat haarez“, die Ueberführung ländlichen arahischen Bodens in jüdischen Nationalbesitz, und darin hat er Gewaltiges geleistet. Aber das zweite Ziel, das den Gründern des KKL, Schapira und Herzl, vorechwebte, die Bodenreform durch Ausschaltung der Bodenspekulation, hat er bisher so gut wie ganz außer acht gelassen. Denn die Spekulation hat ihren Hauptsitz aut städtischem Boden, und von hier gehen auch immer wieder die Krisen aus. Haifa ist ein lehrreiches Beispiel für den KKL. Hier hat er wenigstens wertvollen Besitz: einmal die ״Schadlije“ inmitten des Hadar Hacarmei und dann das große Gelände in der Haifa-Bay. Nun zeigt sich, daß der KKL, obwohl er ausgezeichnete Theoretiker der Bodenreform besitzt, es im Hadar Hacarmel nicht verstanden hat, von seinem eigenen Boden die Spekulation femzuhalten: mit Erbbailrechten wird genau so gehandelt wrie mit freiem Boden, und der Haus- und Mietwucher blüht auf dem KKL-Boden genau so wie nebenan. (Zu erörtern, woran das liegt, würde hier zu weit führen.) Die Gefahr liegt nahe, daß es in der Haifa- Bay genau so gehen wird, und das wäre eine verhängnisvolle Entwicklung, vor der rechtzeitig gewarnt werden muß. Nur durch rasche Erschließung der vorstädtisehen Böden in der Haifa-Bay kann der KKL die widerwärtige Spekulation im Hadar Hacarmcl zügeln. ich möchte durchaus nicht den Eindruck erwecken, als ob ich nur zu kritisieren hätte und alles schwarz sähe. Aber freilich erscheint mir Kritik als das dringendste, und ich mußte mir erst einmal die drängendsten Sorgen und Befürchtungen vom Herzen schreiben. (Ein zweiter Aufsatz folgt.) ״Die Hilfe“, Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und geistige Bewegung, schreibt in ihrer Nr. 22 vom 18. 11. 1933 unter der Uebersehrift ״Papcn als Kirchenhistoriker“: In seiner großen Kölner Rede vor der ״Arbeitsgemeinschaft deutscher Katholiken“, die einige interessante Beiträge zur geistesgeschichtlichen Entwicklung enthielt, meinte der Vizekanzler: ״In der Rassenfrage hat im Mittelalter die Kirche eine mindestens so energische Stellungnahme von sich aus gerechtertigt wie sie der heutige Staat einnimmt.“ Diese Bemerkung muß geschichtlich ats höchst mißverständlich gelten. Die ״Rassenf rage“, wie das Wort heute zu nehmen ist, gab es für das Mittelalter als bewußte Ueberlegung überhaupt nicht, also auch nicht für die Kirche. Diese hat Judenverfolgung religiös gerechtfertigt und Judentaufe, gelegentlich als Massenunternchmung, betrieben. Das hätte sie nicht tun können, wenn für sie Rassenbewertimg wichtig gewesen wäre. Was für ein Tassischer Idealtypus konnte überhaupt für sie in Frage kommen, die von dem Numidier Augustinus ihre tiefsten inneren Wirkungen bezog!“ Vlscouutess Erlei gh, Tochter Lord Meichetts und Schwiegertochter von Viscount Reading, hat auf der in London eröffneten Messe des britischen Reiches einen Palästinastand errichtet, auf dem die landwirtschaftlichen, industrichen und künstlerischen Produkte Palästinas zur Ausstellung und zum Verkauf gelangen. I C Das 5 Woche das Pu! macht. 1 sehen da Tränen ן haben. L einen so lebt wie Schneuze gen Vor Shakespi weint. E den Trä herzerqu von He reitet sk beim sei dem Vo Rührung Was zwingen G ü Der die fröl braucht, Güte zi mütterlh gerin R kinderb׳ schon, 1 tet und De! d rutsch 1 zäsisch« sehen, guten S ien unc sind ab L e v y den vi! Sache c Da! sem un das Juc an der treten i De! Er zeig Seite‘ a seine \ Ni« sitze und Ai es ab lichste rade d Auch (/leidig Lobes, Die K1 Kunst Werkes schein! tums ( Di belach! pelnarr L e vy «n sch et daher Person Ldvy i er Bei in jed Riesen Ufa sc ist es einiget Beoba׳ oder : schein M Unze auch! weil il digeg nalsoz Vermt in die Name! Schaft blößt jiidisc! einen sen. riertm Säulen falls 1 1וי auch d'Arc dem 1 eine I Aussf hinge Exi< Wese diesei Rene eben Reaie