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Jüdische Rundschau · 1933-11-28 · Heft 95 (28.11.1933) · p. Seite 868

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 95 (28.11.1933)
Date
1933-11-28
Page
Seite 868 (sequence 4)
Language
German
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Seite 866 jüdische Rundschau Nr 95, 28. XL 1933 Tausend Parlamente Die Herrschaft des Bürgers drückt sich trotz aller ״Krise der Demokratie" auch heute noch, im Parlament, im Sprechhaus, aus, dessen allmächtiger Präsident bekanntlich der ״Sprecher“ heißt. Diese Herrschaft spiegelt sich in tausend und abertausend größeren und kleineren Abbildern im ganzen Lande, in Versammlungen und Festsälen, bei Tisch und an der Straßenecke. England ist das Land des freiet» Wettbewerbe» und des fairen Sportes, und der höchste Sport ist die freie Rede. Sie und die ihr stets folgende Diskussion unterliegt denselben Gesetzen selbstverständlichen Anstandes, der um bezeichnendsten mit dem Worte ״cricket“ auagedrückt wird. Auch hier hat gerade die letzte Zeit mancherlei Er- »chütterungcn und Einschränkungen gebracht, aber im großen darf dies traditionell iestgelegte Bild als der Wirklichkeit immer noch entsprechend fc-stgehalten werden. Pazifistisch? Anfimiliiarisfisch! Es ist sehr schwer fcstzusteilen, ob der Engländer wirklieh den Frieden so liebt, wie seine Diplomatie behauptet Sicher ist nur, daß er das Militär haßt. Wenn es einen Krieg ohne Heer und ohne Uniformen gehen könnte, so wflrden sich manche Engländer — natürlich nicht alle — vielleicht schnell mit dem Gedanken ahfinden; aber ״Militärfromm“ sind die wenigster» von ihnen. Man ehrt natürlich die Armee und ihre Leistungen im Felde, ohne übrigens für die zahlreichen, auf den Straßen bettelnden oder auf dem Pilaster Bilder malenden Invaliden offenbar sehr zu sorgen, aber man wünscht nichts weniger als eine Militärherrschaft, in welcher Form auch immer. Lnglnnd hat einmal eine solche Militärherrschaft ertragen, die der C’romwellschen Armee, und seitdem wehrt sich dieses zähe Volksgedächtnis gegen die Institution eines stehenden Heeres. Dabei ist dieser Antimilitarismus keineswegs, wie man vielleicht nach deutschen Analogien schließen würde, auf die 1.inkskreise beschränkt; man könnte eher im Gegenteil sagen, daß er, ursprünglich wenigstens, eher eine Real ction der Rechten gegen die ziemlich linksradikale Ein- Stellung der Croimvellsehen Soldaten gewesen ist. Noch ein so konservnl iver Denker wie Edmund Rurke, der b-ckunntlicb die für England typisch gewordene Auseinandersetzung mit dem internationalen Anspruch der französischen Revolution geführt hat, schreibt den Satz nieder: ״Ein disziplinierter bewaffneter Körper ist in seiner Wesenheit für die Freiheit gefährlich; undiszipliniert ist er katastrophal für die Gesell- Schaft“. Dieser Antimilitarismus wirkt sich wiederum überall aus. Auf der Straße ist kaum jemals marschierendes Militär zu sehen oder Militarmusik zu hören. Bei den zahlreichen Diskussionen, die in Studentenclubs, Vereinen oder den — vorbildlich organisierten — Volkskildungsinstitutionen stattfinden, sind die häufigsten Themen solche wie: ״Soll die Flotte zerstört werden?“, ״Sollen wir am Waffenstillslandstag zwei Minuten schweigen'״ ,‘“־Darf die Rüstungsindustrie weiterhin privat bleiben?“ Immerhin sieht man an diesen Formulicrungen, wie eng jener Antimilitarismus teilweise mit bewußt pazifistischen Fragestellungen Zusammenhänge besonders bei einem Teil der radikalen Jugend. Gibt es eine englische Rassenfrage? Zunächst ist man geneigt, die Frage glatt zu verneinen. Das Straßenbild ist beinahe so international und ״vielfarbig“, wie in Paris; die auffallendsten F.rscheinungen können vorübergehen, ohne daß sich auch nur jemand nach ihnen umschaut, und man hat häufig daa Gefühl, in der Hauptstadt des neuen römischen Reiches zu sein, wo sich die Abgesandten aller Völker «ier Welt begegnen. Prüft man dann aber näher nach, so ist es doch nicht ganz so. Zunächst ergibt sich, daß auch im Punkte zwar nicht der rassischen, aber der nationalen Einheit die Eng- Linder ein ,,historisches Trauma“, eine Wunde in ihrem Geschielitss erlauf empfangen haben, die freilich viel stärker vernarbt, ist als die Munde der Cromwcllschen Militärherr• Schaft, aber doch noch gelegentlich spürbar wird; Die Eroberung durch die Normannen im Jahre 1066. 600 Jahre später war die Erinnerung noch so‘15schmerzhaft, daß die linksradikalcn puritanischen Sekten, z. R. die Leveier, immer von den ״normannischen Gesetzen“ sprachen, wenn sie das — von Wilhelm dem Eroberer in der 'Fat. umgestaltete — Feudal- System meinten, so daß sie ihre Sozialrevolutionären Forderungen — wieder echt englisch! — nicht als Neuerung, sondern als Rückkehr zu den alten angel-sächsischen Bräuchen ausgeben konnten. Dieser ״normannische Komplex“ wirkt nun heute noch nach, und zwar in der stilistischen Bewertung der germanischen und der romanischen Sprachstänime innerhalb des englischen, von denen die ersten bekanntlich etwa 60 ״יי, die zweiten etwa 40 0״ ausmachen. Ihre qualitative Verteilung ist sehr hübsch im Anfang von Scotts Ivenhoe angedeutet: der dort auftretende Schafhirt bemerkt, erbrauche seine Tiere nur schlachten und fein zubereiten zu lassen, damit sie alle französisch lernen: d. h. also, die der naturentlegeneren Sphäre der Verarbeitung, der höfischen Gesell- Schaft usw. angehörenden Ausdrücke sind stärker dem romanischen Sprachbereich entnommen, die ״Urwcrte“ dem angelsächsischen. Dieser Tatbestand spielt nun im englischen Sprachunterrieht, und damit in einem der ilauptbezirke für den geistigen Aufbau des Volkes eine gewisse Rolle. Es gibt zwar irp Englischen nicht die scharfe Ausprägung der ״Fremdwörterfrage“, liei der sich in Deutschland schon vor Jahrzehnten prinzipielle Auseinandersetzungen vorangekündigt haben, die heute in politischer Form aktuell geworden sind. England ist in diesem Sinne überhaupt keine ״Ursprache“, um in der Terminilogie von Fichte» ,,Reden an die deutsche Nation“ zu sprechen: es ist keine ungebrochene Fortsetzung einer Sprachtradition, die in dem großen Augenblick der Sprschwertung überhaupt einsetzte und von jedem Wort der Sprache stets bis zu diesem Ur-Sprung zurttckzuleiten ist, sondern es hat, wie all« ״neulateinischen“ Sprachen den Schicksalsbruch durch das Romanisch« erlebt. Eine Fremdwörterfrage kann es also hier nicht geben, da 40 0/0 oller Wörter Fremdwörter wären. Doch es gibt Meinungsverschiedenheiten darüber, welches Englisch besser ist: das romanische oder das germanische. In einem Sprachkurs erlebte ich, daß ein junger Engländer, der das tausendmal gedruckte und von den besten Schriftstellern verwandte Wort ״coramence“ gebrauchte, vom Lehrer mit den Worten verbessert wurde: ״Sagau Sie ״begin“, commence ist überhaupt kein englisches Wort; ״begin“ ist ein gutes altes angelsächsisches Wort.“ Bei all dem darf man nicht vergessen, daß die Sprachenfrage noch kein« Rassen frage ist — schon deshalb nicht, weil im Jahre 1066 ja drei germanische Völker: Dänen, Sachsen »nd Nor• mannen gegeneinander kämpften, sondern nur ein Analagon zu ihr bildet. Direkt tritt die Rassenfrage an die englische Oeffentlichkeit heran, wenn z. B. die, wohl nicht ganz vereinzelten, Ehen zwischen englischen Mädchen und indischen Studenten in der Presse erörtert werden. Der Ton solcher Diskussionen ist bemerkenswert ruhig, und auch die Gegner argumentieren häufiger mit wirtschaftlichen als mit speziell rassischen Argumenten. Doch sind, andererseits, die gesell- Behältlichen Vorurteile gegen ״coloured people“ zwar nicht entfernt so groß wie bei den amerikanischen Vettern, aber doch noch verbreitet genug. Religion ab Weekend Der englische Sonntag, über den es jetzt ein sehr interessantes Buch von Dr. Max L e v i, Haifa, gibt, auf das wir noch in einem anderen Zusammenhänge zurückkommen werden, hat immer noch starke Reste seiner puritanischen Herkunft übrig behalten, und das ist zu bekannt, als daß es hier dargelegt werden müßte. Deshalb nur ein kleiner Zug zur Illustration der immer noch sehr allgemein verbreiteten Kirchlichkeit auch des englischen Proletariats, so sehr sie auch in den letzten Jahrzehnten abgenommen haben soll: Als neulich einige Pfarrer in ihren Predigten militaristische Heden gehalten hatten, forderte das Organ der Labour Party, der Daily Herold, nicht etwa zum Kirchenaustriit auf, sondern ermahnte die sozialistischen Gemeindemitglieder, auf ihre Pfarrer etwas besser aufzupassen. Gerade über diesen Punkt und die Einwirkung all dieser Dinge auf die englischen Juden -- im nächsten Brief. ..— - Lord Cecll Vertreter Englands beim Emigrantenkommissar Genf, 23. November. (|, T. A.) Der vom Völkerbund eingesetzte Hochkommissar für Emigrantenfragen James O. Mac- Donald, der in den letzten zwei Wochen seit seinem Eintreffen aus Amerika in London, Paris und anderen europäischen Hauptstädten Besprechungen mit Regierungsstellen und den am Emigrantcnhilfswerk interessierten privaten Gruppen abgehalten hat, kehrt am 25. November aus Deutschland nach Genf zurück. Die ursprünglich für den 28. November in Aussicht genommene erste Sitzung des dem Emigrantenkommissar zur Seite gestellten Verwaltungsrats des Hilfswerks wird erst am 5. Dezember in Lausanne stattfinden. Zum Vertreter der englischen Regierung im Verwaltungsrat des Emigrantenhilfswerks wurde vom britischen Außenamt entsprechend einem auch von den interessierten jüdisehen Körperschaften gemachten Vorschlag Lord Cecil of Chclwood bestimmt. Lord Cecil wird ebenfalls zum Wochenende in Genf eintreffen und sofort mit dem Hochkommissar James MacDonald Fühlung nehmen. An den Besprechungen werden auch die Vertreter Polens, der Schweiz, und Schwedens; im Verwaltungsrat, die Herren Westmann, Chodzko und Rotarmund, teilnehmen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Mitglied der Columbia University Joseph P. Chamberlain zum Vertreter Amerikas im Verwaltungsrat des internationalen Hilfswerks für Emigranten aus Deutschland ernannt. Dieser ist nach Europa abgereist, um an der Sitzung des Verwaltungsrats in Lausanne teilzunehmen. Genf, 24. November. (J. T. A.) Die französische Regierung hat das Völkerbundsekretariat verständigt, daß sie zu ihrem Vertreter im Verwaltungsrat des Emigrantenhilfswerks den Senator Henry Bdrenger bestimmt hat. Auf seiner ersten Tagung wird der Verwaltungsrat zunächst sein eigenes Statut, sowie Bestimmungen über die innere Ordnung seiner Verhandlungen und seines Finanzgebarens zu beschließen haben. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung wird Beschlüsse über die Art der Zusammenarbeit mit den Privat- Organisationen betreffen. Ben Gurion für eine indisch-arabische Konferenz? London, 26. November. (J.T.A.) Die Zeitungen melden aus arabischer Quelle in Palästina, daß sich_ der Führer der jüdischen Arbeiterschaft und Leiter des politischen Amtes der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, an die Araber mit dem Vorschlag gewandt hat, gemeinsam mit Juden eine Konferenz abzuhaiten, um zu einer a irekten Verständigung der beiden Palästina bewohnenden Völker zu kommen. Von jüdischer Seite liegt eine Bestätigung dieser Meldung bis jetzt nicht vor. Der Präsident der Arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, kündigt einen arabischen Generalstreik am 27. und 29. November, den Tagen, an denen Gerichts- Verhandlungen gegen Teilnehmer an den Ausschreitungen im vorigen Monat stattfinden, an. Der deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Wolff, tritt in einem Brief an die arabische Tageszeitung ״Falestin“ den arabischen Pressemeldungen entgegen, denen zufolge in Jaffa und Haifa lebende christliche Deutsche an den Arabeninruhcn am 27. und 28. Oktober teilgenommen haben sollen. Generalkonsul WoHf erklärt, daß diese Berichte kein wahres Wort enthalten. Die Deutschen Palästinas legen Wert darauf, vor der breitesten Oeffentlichkeit festzustellen, daß sie während der letzten Unruhen strengste Neufraiitäi eingehalten haben. Mohammedanische und christliche Mitglieder der arabischen Jugendorganisation haben auf einer in Jerusalem abgchalte'ncn Tagung beschlossen, eine faschistische ״G rü ״ h e m d c n -Ö r g a n i s a t i on" zu bilden, die völlige Einstellung der jüdischen Einwanderung, Beschränkung des Bodenverkaufs an Juden und Einsetzung einer autonomen Regierung in Palästina anstrebt. Vereinigung dialuzischer Jugend Am 25. November hat sich der jugendbund ״Hanoar haowed‘‘ mit dem ״Habonim noar chaluzi“ vereinigt. Obwohl der ״Habonim“ ln der letzten Zelt den Hauptwert auf die Intensivierung der inneren Erziehungsarbeit gelegt hat, hat der Gesamtbund heute eine Mitgliederzahl von über 4000 Chawerim erreicht. Die Berliner Ortsgruppe des vereinigten Bundes mit ihren Uber 1000 Chawerim stellt heute die größte zionistische Ortsgruppe eines zionistlsehen Jugendbundes in der Welt dar. — Der Berliner Bund wird am!7. Dez. zum ersten Male vor die Berliner jüdische Oeffentlichkeit mit einer großen ״Feier der jüdischen Jugend“ treten. Jüdische Volkserziehung Eia Vortrag Martin Bubcr* Wir haben bereits in Nr, 93 der ״Jiid. Rundschau“ kurz über die Eröffnung des ״Jüdischen Lehrliauses“ in Frankfürt a. M. berichtet. Nach der Eröffnungsrede von Justizrat Blau, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, hielt Martin Buber den Eröffnungsvortrag ״Aufgaben jüdischer Volkserziehung“. Wir geben nachstehend den Gedankengang des mehr als emstündigen Vortrag» wieder. Lehren ist nur ein S t ü c k Volkserziehung; Lehen, das Unabsichtliche, Unwillkürliche, gehört dazu. Doch hat die Lehre bei uns — und es ־wird so sein, solange es Judentum gibt — die Führung; denn sie gibt das Ziel an, auf das hin erzogen werden soll. Der Begriff ״Volk“ hat im Deutsehen seinen Wandel von der ursprünglichem Bedeutung ״Heereshaufen“, ״Menschenmenge“ zu der gegenwärtigen: ״organisches Volkstum“ unter dem Einfluß des biblischen Gebrauchs: ״Volk Israel“, ״Volk Gottes“ erfahren. Das hebräische ״Am“ bedeutet nicht den Haufen, sondern eine Vielheit von Mensehen, die sich zur Gemeinschaft gesellt und als Gemeinschaft unter das Königtum Gottes begeben hat. An seinem Anfang steht der ״Bund“, tinablösbar von der Blutseinheit der Stämme, die das Volk bilden. Der an Israels Anfang stehende Bund —■ ein Königs- und Vaterbund —, der das Volk als Volk Gottes aussendet, ist an die Thora geknüpft, die ״Weisung“. Hier fassen wir die erste Phase jüdischer Volkserziehung: die weisende. Sie dient gleicherweise der Wahrung des Bundes mit Gott und der Verbundenheit dieses Volkes. Denn der Bund erfordert zu seiner Erfüllung nicht eine Anhäufung von Menschen, sondern eben ein Volk, ein wahrhaft verbundenes, wahrhaft einiges Volk. Von hier aus ist die zweite Phase jüdischer Volkserziehung, die mahnende, prophetische zu verstehen: Der Künder der Mahnung sagt es den auf die ״Sicherheit“ des Bundes und des Heiligtums Pochenden an, daß der Bund mit Gott nicht besteht ohne die Verbundenheit aller Glieder des Volkes untereinander, und deren Bewährung durch die in allen Lebensatigenblicken sich kundtuende Urbrüderlichkeit. Soziales Unrecht zerstört die Verbundenheit des Volkes und damit den Bund. Dieses Unrecht ist es dann auch, das den Voiksbestand als Bestand eines selbständigen Gemeinwesens zersprengt. Die Zerstreutheit des Volkes, das Exil, bringt die dritte, die tradierende Volkserziehung hervor. Sie hat die Erinnerung an den Bund in all den Zeiten der Zerstreutheit ununterbrochen festgehalten und weitergegeben, und durch das derart lebendig erhaltene Vermächtnis erhält sich die Verbundenheit im Exii. Di« durch die tradierende Volkserziehung bewirkte Selbstverständlichkeit dieses Erinnerns ist durch die Emanzipation unterbrochen worden. Es wäre ein Mißverständnis, die Emanzipation für problematisch an sich zu halten, problematisch ist sie dadurch geworden, daß wir als Einzelne, nicht als Israel emanzipiert wurden, und die Menschen so in die U n v erbundenheit getreten sind. Unter den nachemanzipatorischen Verbindungen, die das jüdische Volk eingegangen ist, ist die mit dem deutschen Volk ohne Zweifel die tiefste und wirksamste geworden. Nun hat die deutschjüdische Symbiose eine, vielleicht d i e Krisis erfahren. Die Anklagen, die diese gegen uns heraufge* bracht hat, in Bausch und Bogen abzulehnen, das wäre schlechte Apologetik. Es gibt Anklagen, in denen Berechtigung Ist; das sind die Folgen der falschen Emanzipation. Was darüber hinausgeht, dürfen wir auf unsere aligeschiclifiiche Situation zurückführen. Von dieser Krisis aus ist die gegenwärtige Phase unserer Volkserziehung zu fassen. Es gilt heute nicht ״Ablösung“ vom Deutschtum, zu dem wir ein inneres Verhältnis haben, das durch kein Verhalten zu uns abgeändert werden kann — was aber nichts zu tun hat mit dem in der deutschen Juden hei t mancherorts geübten Pathos der Liebeserklärung ins Leere hinein —, sondern Ver dichtung des Judentums. Die jetzt geforderte Phase der Volkserziehung ist die ern euernde. (Hier ist wieder eine Abgrenzung notwendig gegen gewisse Kreise, die sich blasphemisch des Worts ״Erneuerung“ bemächtigt haben: Wir sind Gottes nur, wenn wir ein Volk Gottes sind.) Gewiß, wir sind schwach und gering, dürfen aber das Ziel nicht schwach und gering setzen, sondern wir wollen mit den schwachen Kräften zu dem großen Ziel hinstreben, sogutwir können. Drei Eiemente verbindet! sich in der Volkserziehung, wie sie heute, in einer vielleicht wieder frühen Epoche jüdischer Geschichte erfordert ist: 1. Erziehung zur Erinnerungsgemeins chaft: wir leben aus der Tiefe der Zeiten heraus und können die Kraft der Erinnerung nicht missen; darum liegt es uns ob, in die jüdischen Menschen die Kraft des lebendigen Gc-ctächtnisses wiedereinzusetzen; 2. Erziehung zur Lebensgemein- Schaft: nicht aus dem Geist, aus der Ideologie entsteht Verbundenheit, sondern aus dem Zueinandertreteri der Menschen als Brüder, im Leben, das ein gegenwärtiges ist, ohne Romantik und Illusionen; 3. Erziehung zur Werkgemeins chaft: wohin immer uns das unvorsehbare Geschick dieser Zeit stellt, sollen wir in neuer Verbundenheit an dem einen Werk wirken, an der jüdischen Zukunft, die nicht irn Himmel ist, sondern auf der Erde, beschlossen in dem, was ein jeder von uns tut. M. Sp. Zwei Millicnen Dollar für die deutschen Jnden New York, 22. November. (J.T. A.) Unter Teilnahme von etwa 1000 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten fand am 21. Nov. die Landes-Hilfskonferenz zur Beschaffung von Mitteln für die deutsehen Juden statt. Es wurde beschlossen, eine Aktion zur Aufbringung von zwei Millionen Dollar für Hilfe an die deutschen Juden durchzuführen. In einer Ent- Schließung protestierte die Konferenz gegen die neuen Einwandcrungsüeschränkungen in Palästina, die die Emigtationsnot der deutschen Juden und das Palästina-Streben der jüdischen Massen in den Ländern der Diaspoia nicht berücksichtigen. Zur Gründung einer jüdischen Buchgeseilschatt. Von zuständiger Stelle erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur zu der Meldung über eine in Gründung begriffene gemeinnützige, von den großen jüdischen Organisationen getragen« Buchgesellschaft, daß aussichtsreiche Verhandlungen über eine Eingiiederung der bereits bestehenden, zunächst weiter arbeitenden ״Jüdischen Buchvereinigung“ in die geplante Gründung geführt werden Infolgedesen wird voraussichtlich das von der Jüdisehen Buchvereinigung angekündigte erste Buch im Rahmen de» Oesamtprogrammes Anfang nächsten Jahres erscheinen. Nr Geg r eine der f sich Einsp sch er wurd< Krieg Recht bei ei hatte a u f sein e s! Ans Firm; arbei׳ Inter! f r is zügle grum Zug sch d i s t sch 111 r dem folgt; der d Mit!( 1■ Af los ZI Reicl der 1 n a t f e r 1 sch s t r 1 darai der 1 schei ein 1 Zu st; nehn statt; anerl seine antn; weis send siche siehe In e eine des gena siche Bedi ihn st Ei be sei vv; de sc di ne Bedi A e 1 nehr ganf der erkl; sich! gen kass wen Der um Kdi halt! beei sehr v OJ Der folg sein Auf! kom unv; erg! abei amt beei sow der 11 ic Run sch n i c n el d er b a 1 Niel aris zu Re sei Ein! den Bür schl Sfa,

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