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Jüdische Rundschau · 1933-11-24 · Heft 94 (24.11.1933) · p. Seite 851

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 94 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
Seite 851 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 94, 24. XI. 1933;JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 849 33 k 933. r der emonn und rt. Es e, die!glichitisch, hlech-!konodmini- Welttliches n und hnete, lierhin nindue und rn be- : war. Mittele von ch be- :nitive, niedrin war Anzahl er, der d ihre 1. Der g der tcl der ringen 1 seine ekauft, nd ge• ibrigen : Mehl!e, das Boden;nd die keinen ltbaren Jesrcel, ia und ichkeit, drückte e A d - zte mit stärkte gländer;herheit geordwurden erschic- ־t, aber an. Die mg der und die ibe, die e. Freilie Fd- Steuer, s s i 0 n :nd den id ihre Reizen-!ei get Jahre Steuern or dem konnte,!efassen igen zu n Sachlie Einen und inwandhaft ist gicrung ’rojekte mdwirth überre Wirtng des lßenbau 1 durch jüdische e wirrmdwirtulturcn, ieite an r Kamel ind dei begann ngen in früher eduinen;e untet ren um seitigeu ng der Land t aus und Handel bleiben, Händler .׳on die• ßt w׳urnteil an rusplantagen an, sondern lernten auch die neuen Arbeitsmethoden. Durch Bodenkäufe floß Im Laufe der Jahre viel Geld in arafusche Hände, vor allem in die der großen öutsherren. Aber auch Fellachen verkauften Stücke ihres Besitzes, wenn sich ihnen Gelegenheit bot, und die Pächter erhielten, wenn der Boden, den sie bearbeiteten, in jüdische Hände überging, Abfindungssumtnen, die ihnen Kapital für neue Unternehmungen, vor allem für die Intensivierung ihrer Wirtschaft in die Hand ״abcu. Viele Dörfer, die in der Nähe jüdischer Siedlungen lagen, änderten sich im Laufe der Jahre von Orund auf. Der Fellache verkaufte einen Teil des Bodens und benutzte das dadurch erhaltene Geld für den Ausbau und die Umstellung seines Betriebes. Die Anregung■ für die Einführung neuer Kulturen und neuer Formen der Bewirtschaftung entnahm er den jüdischen Kolonien. Vielfach fand er hier auch als Arbeiter Beschäftigung, während er die Versorgung des landwirtschaft* liehen Betriebes seiner Familie überließ. Mit der Modernisierung der Wirtschaft begann auch unter der armen Landbevölkerung — freilich bisher in beschränktem Umfange — ein Zug in die Stadt, weil die Löhne, die dort gezahlt wurden, eine bessere Lebensmöglichkeit gaben als die Bearbeitung der kleinen zur Verfügung stehenden Bodcnfliichc. Alles in allem boten sich großen Kreisen der arabischen Bevölkerung durch die jüdische Einwanderung wirtschaftliche Vorteile und Anregungen und Ansporn für eine Umstellung und Modernisierung der Wirtschaft. Freilich gibt es auch große Gebiete im Land«, die von dieser Entwicklung nur schwach oder gar nicht berührt werden und der Standard des Fellachen im Durchschnitt ist nach wie vor erschreckend tief und bedarf dringend einer Verbesserung. Wenn trotz alledem und trotz der Weltdepression die durchschnittliche Lage der Landbevölkerung besser ist als in den N'achbargebicfcn — Syrien, Aegypten, Transjordanien, Irak — so ist das zu einem großen Teile dem jüdischen Kapitalimport zuzusch reiben, Wenn dennoch unter den Arabern eine scharfe Animosität gegen die jüdische Einwanderung besteht, so ist das keineswegs, wie häufig geglaubt wird, nur der Aufhetzung unwissender Massen durch die Führer zuzuschrciben. Es darf nie vergessen werden, daß sich in Palästina eine echte nationaleBewegung entwickelt, die sich mit Wirtschaftliehen Vorteilen allein nicht zufrieden gibt, auch wenn diese noch viel größer sein sollten als dies heute der Fall ist. Außerdem ist die Befruchtung der arabischen Wirtschaft nicht eines der Ziele der jüdischen Politik gewesen, sondern ein Bei- Produkt der jüdischen ökonomischen Aktion. Sie war als solche nicht beabsichtigt, und das ist den Arabern keineswegs verborgen. Auel! haben die Juden bisher kaum einen Plan für eine allgemeine palästinensische Wirtschaftspolitik. Sie haben sich mit allen Kräften um den jüdischen Sektor der Wirtschaft gekümmert, weitere Aspekte in der Rege! außer acht gelassen. Die beiden Wirtschaftslager «les Landes beeinflussen jedoch einander auf das innigste. Auf die Dauer lassen sich ohne Komplikationen nicht zwei so stark verschiedene Standards aufrccliterhalten wie der arabische und der jüdische. Es muß sich notwendigerweise eine ständige Reibung ergehen, vor allem in der Konkurrenz billiger und teurerer Arbeitskräfte. In der Tat kämpft der jüdische Arbeiter, der einen europäischen Standard aufrcchterhalten will und muß, seit Jahren gegen die Konkurrenz billiger arabischer Arbeitskräfte. Eine umfassende, geplante Hebung der arabischen Massen und ihres wirtschaftlichen Niveaus — von dem naturgemäß auch das kulturelle zu einem grollen Teile ahhängt — die sehr viel weitreichender sein muß als das, was bis jetzt sich nebenher aus der jüdischen Aktivität ergeben hat, muJ! eines der Hauptziele einer weitsichtigen palästinensischen Politik sein und es könnte nur erreicht werden durch eine Kooperation der Engländer, Juden und Araber. Mit einer Hebung des Lebensstandards der arabischen Bevölkerung würde die neu aufstrebende jüdische Industrie sich einen inneren Markt schaffen, der für sie von entscheidender Bedeutung sein muß. Es würden sich im Laufe der Zeit eine Reihe gemeinsamer Interessen herauskristallisieren, die als Kitt zwischen den bisher scharf getrenn• fen Lagern dienen könnten. Es soll freilich keineswegs behauptet werden, daß durch eine derartige ״palästinensisch orientierte Wirtschaftspolitik“ alle Gegensätze, die heute zwischen Juden und Arabern bestehen, aus der Welt geschafft werden können. Es gibt ohnedies keine Rezepte in der arabischen Frage und wo sich zwei nationale Bewegungen gegcnülerstchen, sind Konflikte unvermeidlich. Aber «s wäre zumindest möglich, eine gewisse Entspannung der Atmosphäre herbsizuführen und den Weg für «ine spätere engere Zusammenarbeit vorzubereiten. Schon die Vermeidung einiger Komplikationen und das Hinwegräumen von Zündstoff ist unter den gegebenen Verhältnissen ein großes Werk. ״Palästina“. Zeitschrift für den Aufbau Palästinas. Redaktion (i. E.j: Adolr Böhm, Wien. Nr. 10/׳ll ist eben erschienen. Dr, Ernst Simon, Haifa, schreibt ״Zum Problem der staatsbürgerlichen Erziehung in Palästina“, Er zeigt die Schwierigkeiten und Besonderheiten dieser Frage für die Juden in Palästina auf und gibt eine Skizze für die Qestaltung des Unterrichtes zur menschlichen und jüdischen Ausbildüng der Jugend. — Dr. Alfred Marcus, Haifa, schreibt über Stand und Aussichten der palästinensischen Chemikalienwirt- Whaft. Die vorhandenen Möglichkeiten, der Stand der gegen-!׳artige« Erzeugung, die Aussichten für die Zukunft werden achktindtf eingehend erörtert. — Chefarzt Dr. J. M a j e r, jel-Awivv, schreibt über den Entwicklungsgang der Arbeiter- Krankenkasse. Er zeigt, daß diese sich ־von allen Suhventionen unabhängig machen konnte und ihre Leistungen qualitativ und quantitativ stets vergrößert hat. — Ferner enthält dis Heft größere Auszüge aus den Kongreßreferaten von J. Wilkanski: Probleme der landwirtschaftlichen Koloniiation und von Adolf Böhm: Die Aufgaben der nationalen Kolonisation. — Eine Abhandlung über die öffentlichen Finanzen zeigt, wie stark die Einnahmen und Überschüsse der Regierung durch die jüdische Einwanderung gestiegen sind, indes sie für die jüdische Bevölkerung nur unbedeutende Auf- Wendungen macht. — Spectator schreibt Uber den XVIII. Zionistenkonkreß. Nachrichten und Daten sowie Biiclierschau füllen diesmal nicht weniger als 40 Seiten aus. Sie geben ein wahres Kompendium der einzelnen Materien. — Bezugspreis der Zeitschrift für Oesterreich S 14.—, Deutschland RM. 9.—, Polen Zloty 18.—, sonstiges Europa slrcs. 10.—, Uebersce sfres. 12.—. Administration: Rudolf Langer, Wien, XVII., Sjointengasse 15. ״ Während seines Aufenthalts in Jerusalem wurde Dr. ISimon Rawidowicz von der Hebräischen Universität feingeladen, eine Gastvorlesung zu halten. Dr. Rawidowicz!behandelte ״Grundprobleme der Theologie und der Metaohysik «les Maimonides". Luxusberufe Von Helene Hann« Thon (Jerusalem) Tel-Awiw ist eine Stadt von über 70000 jüdischen Einwohnern, von denen ca. 13«/# Lehrer und Beamte, 600/0 Handwerker und Arbeiter, 1 0/0 Unterstützungsempfänger sind. Daneben liegt Jaffa, von dessen rund 520Ö0 Einwohnern — hauptsächlich Arabern — nur ein geringer Teil Bedarf und genügend Kaufkraft für europäischen Luxus hat. Die landwirtschaftlichen Kolonien des Jaffa- Distriktes, die sich hinter Tel-Awiw ausbreiten, haben eine jiidjsche Bevölkerung von etwa 22 000 Seelen, davon gegen 70 «0 Landarbeiter und Kleinsiedler. Haifa wird jetzt über 5()000 Einwohner haben, darunter gegen 20000 Juden, die sozial etwas ungünstiger geschichtet sind als in Tel-Awiw, da die unbemittelte orientalische Bevölkerung größer ist. Unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung rund um Haifa sind ca. 10 000 Juden, davon weitaus die Mehrzahl Landarbeiter und Kleinsicdler. Auch die arabische Bevölkerung des Haifaer Landdistriktes besteht zum größten Teile aus Arbeitern und kleinen Pächtern. Geht man nun durch die zusammen fünf bis sechs Hauptstraßen von Tel-Awhv und Ha dar H a ka r m e 1, der jüdischen Sfadtsicdlung von Haifa, und studiert ein wenig die Auslagen der Läden und die an den Häusern angebrachten Firmenschilder, so ergibt sich ein eigenartiges Bild: diese beiden Städte weisen nämlich eine solche Fülle von Läden mit Luxus waren, Luxuswerkstä 11 en und sonstigen Luxusberufen auf, wie man sie kaum in irgendeiner europäischen Mittelstadt oder sogar angehender! Großstadt finden würde. Am auffälligsten wird dem Betrachter diese Erscheinung, wenn er sich klarmacht, daß noch vor wenigen Jahren Jaffa-Td-Awiw und Haifa (auch Jerusalem), ebenso wie die anderen Hafenstädte der Levante außer Läden zur Befriedigung der allerprimitivstcn Lebensbedürfnisse ־ nur solche l.uxuslädcn aufwiesen, in denen Andenken für Touristen verkauft wurden. In einem einzigen Häuserblock von Tel-Awiw z. B. finde!! wir — Laden an Laden — folgende Geschäfte: Delikatessen, Spiehvaren, elektrische Eisschränke, feine Komlitorwaren, Blumen, Musikinstrumente, feine Lampenschirme, Radio-Apparate, Handarbeiten, photographische Apparat«. Beim Weitergehen durch die Geschäftsstraßen sieht man dann, daß diese Wareniypen keineswegs auf einen oder zwei Läden beschränkt sind, sondern daß eine ganze Reihe von Oeschäften ähnlicher Gattung vorhanden sind. Ihnen schließen sich Läden an, in denen in reicher Auswahl und zum Teil in feinster Ausführung ntigchofen werden: englische Herrenanziige, Pariser Damcnlileider, feine Wiener Filzhiitc und andere moderne Herren• und Damenhüte: allermodernste Stahlmähe!; Sportartikel, Leder- und Galanteriewaren, Pelzmäntel (die im palästinensischen Klima mehr ein eleganter Schmuck, als ein notwendiger Bekleidungsartikel sind): Radios, Grammophone und elektrische Haushaltsgegenständc (die sich bei dem!!oben Preis des elektrischen Stromes nur wohlhabende Leute hier leisten können); Klaviere, Flügel und andere Musikinstruniente; Operngläser, Parfüm und Kosmetika, feine SchrciJm'aren, Schmucksaeben und Juwelen; Tischgeschirr aus Porzellan und Majolika von bekannten europäischen kunstgewerblichen Werkstätten und Tischgeschirr aus lenaglas; andere kunstgewerbliche Waren aller Art und verschiedensten Materials, mehr oder minder schöne Oeschenkartikel (darunter richtige Nippessachen); seidene Wäsche usw. Auch fiir diese Waren gibt es keineswegs nur ein oder zwei Spezialgeschäfte, sondern nun findet sie wieder und wieder in einer ganzen Reihe von Läden. Achtet man weiter auf die Firmenschilder an den Hau selng'än ן tn und über den Fenstern der Häuser, so stößt man auf eine Wiederkehr der folgenden Berufsarten, von denen einzelne sehr häufig vertreten sind: Mainküre. Pediküre, Schönheitssalons• Kunststopferinnen; Lehrer und Lehrerinnen für rhythmische Gymnastik und Tanzen, für Tcimistinferricht und Bridgeunf erricht: ferner fnnenarchitekten, Kunstgewerbler jeder Art •und Stickerinnen; Stimmbildner usw. Dieses Bild ist unvollständig, solange man es nicht noch ergänzt durch die überaus zahlreichen Cafes, Konditoreien, Friihstücksstnben, Kinns, künstlerischen Veranstaltungen. Diese Fülle von Luxusbcitifcn in Tel-Awiw, Haifa und in täglich wachsendem Maße auch in Jerusalem macht das Bild der Geschäftsstraßen sehr anziehend und läßt auf ungewöhnlich hohe zivilisatorische Bedürfnisse und große Kaufkraft der Bevölkerung schließen. Aber ein wenig angst und bange wird einem doch, wenn man die Anhäufung dieser Berufe und Warengattungen, zu denen gerade von den neuen Einwanderern sich viele besonders hingezogen fühlen, mit der Zahl der Kaufkräftigen und auf derartige Bedürfnisse eingestellten Bevölkerung vergleicht. Wer die Entwicklung Palästinas in der Zeit nach dem Weltkriege in der Nähe rnitarigesehen hat, der weiß außerdem, daß diese Entwicklung immer in sehr starken Weilen• bewegungen vor sich gegangen ist: auf Zeiten eines rapiden Aufschwunges ist schon mehrfach ein jäher Rückgang erfolgt: einmal infolge des plötzlichen Stockens der Ein- Wanderung aus diesem oder jenem Grunde, einmal infolge von Unruhen im Laude, einmal Infolge einer ungünstigen Orangenerntc. In solchen Zeiten des stockenden Auf- Schwunges sind natürlich die Luxusberufe am schnellsten und am gründlichsten beeinträchtigt. Die Ueberfülhmg des palästinensischen Marktes mit europäischen Waren aller Art, wie sie besonders im letzten Halbjahr durch die neuen Einwanderer herbeigeführt wurde, birgt aber noch eine andere Gefalir: die palästinensische Industrie steckt auf fast allen Gebieten noch in den Kinderschuhen, kämpft mit großen Schwierigkeiten und hat nur •dann Aussicht auf Erfolg, wenn das palästinensische Publikum die Losung ״To z e r et h ha’Arez — Kauft Landesprodukte!׳‘ beachtet. Daß diese Forderung in den letzten Monaten stark in den Hintergrund gedrängt wurde, liegt daran, daß die vielen neuen europäischen Waren, die zu möglichst niedrigen Preisen auf den Markt geworten werden, auf das Publikum einen Reiz ausüben, dem cs nicht widerstehen kann; von diesem Reiz werden sogar Leute angesteckt, die sich eigentlich des dauerhaften wirtschaftlichen und nationalen Wertes einer eignen Landesproduktion und der durch sic herbeigeführten F.xistcnzmögliehkeiten für jüdische Arbeiter bewußt sind. Allerdings gibt es noch Leute, die sich von •dem Reiz dieser europäischen: Luxuswaren unc! Luxrsbeschäftigungen nicht blenden lassen und meinen, daß für ein Land, dessen kaum erst begonnenem Aufbau ein hoher sittlicher Gedanke zugrunde liegt, auch bei günstigsten wirtschaftlichen Bcdingungen eine weniger luxuriöse Lebensführung gcsünder wäre. Das von der H a b I m a h veranstaltete Preisausschreiben für ein Theaterstück, das eine Prämie von 100 Pfund für das beste Stück Vorsicht, wurde bis zum 1. Januar 1934 vcrlängett. Bisher sind bei der Jury 46 Manuskripte eingelaufen. Etwa die Hälfte der Arbeiten stammt von palästinensischen Schriftstellern und ist in hebräischer Sprache abgefaßt. Von Schriftstellern anderer Länder sind Theaterstücke in fünf versclücdenen Sprachen eingelaufen. Kart BlnmenfelJs erster Vorlrag In Berlin Das Seminar der Berliner Zionistischen Vereinig 11 ng, das zur Fortbildung und Schulung der vielen neuen Zionisten geschaffen wurde, war in allen seinen bisher!• gen Abenden ein Erfolg. Der erste von den drei Vorträgen, die Kurt Blumenfcld übernommen hat, war ein zionistisclies Ereignis. Dieser Einfiihruiigskiirs in die Gedankenwelt der zionistischen Bewegung, den Dr. Martin Bandtnaim mit herzlichen Worten der Begrüßung fiir den Redner einleitete, war viel mehr als eine geistesgeschichtliche Analyse der Begriffe ״Volk“ und ״Land“ und ihrer Rolle im westlichen Judentum seit der Emanzipation. Man kennt den K.unpt von drei Jahrzehnten, in dem Blumenfcld gegen' ein der Assimilation verfallenes Judentum und di« versinkende Welt des Liberalismus, die wirklichen Gegebenheiten und Tendenzen der jüdischen Geschichte herausgearbeitet hat, indem er zionistische Elemcntargedankcn fand, formulierte und weiterbildete, Das wesentliche an diesem Abend war aber nicht die noch so glanzvolle Darbietung von Erkenntnissen und die souveräne Kritik, sondern die Gradiinigkeit lind Unerschrockenheit, mit der dem Hörer, nachdem das Thema bis zur rationalen Grenze ausgeschöpft war, das elementare Erlebnis ״Volk“ vermittelt wurde. Gegenüber der Welt des 19. Jahrhunderts, in der begriffliche Abstraktion, das Definierbare und die Satzung alleinige Gültigkeit beanspruchten, greift der Zionismus, wenn er vom Volk und Judentum spricht, zurück auf die tiefsten Kräfte des Lebens selber. Viele haben in der Not dieser Zeit den Zionismus als politische Theorie oder gar nur als sozialökonomisches Experiment kennengelernt. Man war gekommen, Näheres über eine Idee zu erfahren und man hat darüber hinaus das Leben selbst zu selten bekommen, den Prozeß des Werdens, als welcher ״Volk“ sich eigentlich darstellt. Wir werden über die Vorträge Blumenfeids, der lebhaft gefeiert wurde, in größerem Zusammenhang ausführlich berichten. E. M. Die ArlosoroHmord lliilersnchang Jerusalem, 22. November. (J.T. A.) Zwi Rosenb 1 a t t, der dritte der Angeklagten int Mordfallc Arlosoroff, betcuerte bei seiner Vernehmung durch das Untersuclningsgerichl seine U n s c 11 u 1 d und erklärte, er habe an dem Abend, an dem der Mord geschah, in Kfar Saba geweilt. Rebekka Feigin, die ihn bei der Polizei als Mörder a«gezeigt hatte, habe ihn dreimal im Gefängnis besucht und von ihm gefordert, daß er ein Geständnis ablege; er aber habe jedesmal erwidert, daß er unschuldig sei. Die Fe igln brachte ihm auch angeblich von Achi Meir geschriebene Zottel, in denen or beschworen wird, im lnteresse der Partei ein Geständnis ah/!liegen; er aber habe die Zettel als Fälschungen erkannt, Audi Frau Arlosoroff habe ihn besucht und ihm gesagt, es lägen schwerwiegende Beweise gegen ihn vor, er solle gestehen. Aber auch Frau Arlosoroff erwiderte er, daß er unschuldig sei. Niemals, befeuerte Rosenbiatt» habe er gegenüber seinem Zellengenossen Moses Cohen ein Geständnis abgelegt, wie dieser, der unter der Beschuldigtmg des Diebstahls verhaftet Gewesene, ausgesagt hat. Wohl habe sich Cohen ihm unter der Vorgabe, er sei Revisionist, zu nähern gesucht, aber ein Geständnis habe er, Rosenblatt, nicht abgelegt. Rosenblatf bezeichnet« Cohen als Lockspitzel der Polizei. Psychoanalyse in Jerusalem Jerusalem, 18. November. (J. T. A.) Jüdische Einwanderer aus Deutschland haben in Palästina eine psychoanalytische Vereinigung ins Leben gerufen, die demnächst ein Psychoanalitischcs Institut mit euier eigenen Klinik unter Leitung des ehemaligen Vorsitzenden der Deutsehen Psychoanalytischen Vereinigung und Vizepräsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung Dr. M. Eitingop. errichten wird. l)r, Eitingon, der seinerzeit das Psychoanalytische Institut in Berlin gegründet und geleite! hat, wird in der Führung des neuen palästinensischen Instituts von dem in Tel-Awiw ansässige!! ehemaligen Vorsitzenden der Russischen Psychoanalytischen Vereinigung Dr. M. Wolff, der ehemaligen Assistentin des Berliner Instituts Dr. C. Smilanskv und den ehemaligen Mitgliedern der Berlincr Psychoanalytischen Vereinigung Dr. Sehalit-Haifa und Dr. W. Kiuge-Jenisalem unterstützt werden, Jüdische Volkslieder. Eine der iefzten Novembrr-Veranstaltungcn des Kulturbundes war dem jüdischen Volkslied gewidmet. Arno Nadel hielt einen einleitenden Vortrag, Er führte aus, daß das jüdische Volkslied ein Produkt des Ghettos sei; dieser Ursprung verleihe ihm seinen eigenen Charakter. Das Ghetto umfaßte das ganze Lehen der jüdischen Gemeinschaff, vom Religiösen bis zum Profansten; dementsprechend spiegelt auch das. Volkslied alles wider, was die Gemeinschaft an Freud und Leid erlebt. Die'Verbundenheit des Volksliedes mit der sozialen Struktur, der es entstammt, kann man t. B. erkennen an den Liedern, die vor! den Ghassiditri kommen. 111 ihrem Leben spielt das Religiös-Mystische, die Versenkung und die Andacht eine wesentliche Rolle. Darum verdanken wir ihnen solche köstlichen und tiefempfundenen Lieder wie das ״Dudele“, ein Hymnus, der in seiner Schlichtheit lind Ausdruckskraft nicht zu übertreffen ist. — Kann man aber bei diesen Melodien von einer eigenen ji'idisehen Musik sprechen? Nadel bejaht dies mit der Begründung, dal) die Melodien einen durchaus jüdischen Stil besitzen. Dur lind Moll sind in diesen Melodien kaum noch zu unterscheiden; es gellt beides neben- und ineinander; Nadel spricht darum von einer ,,undefinierbaren jüdischen Tonleiter“. Auch im Text zeigt sich jüdische Originalität. Wohl finden sich zuweilen Parallele» oder auch Ucbereinsfiinrnunpen mit deutschen Volksliedcrtexten; aber die Grundhaltung ist doch stark ausgeprägt. Während in deutschen Volksliedern die Naturverbundenheit die Folie abgibt, dominiert in den jüdischen Liedern das religiöse Moment. Für den leider im letzten Augenblick erkrankte« Leo Gollanin sprang Oberkantor John in die Bresche und sang einige ernste und heitere Lieder; die Zuhörer sparten nicht mit Beifall und ererzwangen sich mehrere Zugaben. N. «Jüdisches Vokabular״■ Vor einiger Zelt veröffentlichten wir in der ״Jüdischen Rundschau“ für unsere neuen Leser ein Vokabular mit lieber- Setzung derjenigen jüdischen Ausdrücke, die nur den im jüdischen Leben versierten Personen ohne weiteres verständsind. Es handelt sich dabei um die Bezeichnung verschiedener jüdischer Institutionen, sowie um Ausdrücke, die in bezug auf palästinensische Gegebenheiten in Palästina selbst und In zionistischen Kreisen gebräuchlich sind und sozusagen als ״Termini technici“ dienen. Da seit jener Veröffentlichung die ״Jüdische Rundschau“ wieder eine große Zahl neuer Leser erhalten hat und wir aus zahlreichen Zuschriften ersahen, daß neuerlich ein Bedürfnis nach einem solchen Vokabular besteht, veröffentlichen wir dieses Vokabular nochmals. Wir bitten unsere Leser, bei Ausdrücken, die sie nicht verstehen, bei uns anzufragen, damit wir bei der geplanten nächsten Veröffentlichung dieser Art solche konkrete Wünsehe berücksichtigen können.

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