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Jüdische Rundschau · 1933-11-24 · Heft 94 (24.11.1933) · p. Seite 850

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 94 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
Seite 850 (sequence 6)
Language
German
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Seite 848 jüdische Rundschau Nr. 94. 24. XI. 1933 Die Krise der Touristen-Elnwandeninj Denkschrift des Waad Leumi an den High Commissioner j c r [1 s;11 c m. 2.’. November. (J. T. A.) High Commissioner Sir ,Arthur Wauchope empfing eine aus VcTtretcrn aller Richtungen der pal ii■stinensiscb.cn" Jiidcnhcit bestellende Deputatien, die ihm eine Denkschrift überreichte, in der auf die wirtschaftlichen Ciffahren der gegen die jüdische i 11׳• lisicneinvsandeniiig gerichteten ,Malinahmen der Regierung hmgewiesen wird. Ikr unter Führung des Vorsitzenden des Waad Leumi, Ben Z w i, stellenden .Abordnung gehörten neben fünf Mitgliedern dos Jüdischen Nalionairats sechs Verireter a mir rer palästinensischer Körperschaften, daran‘ er auch solche der Agudath jisrael an. Ben Zwi setzte dem High Commissioner die durch den außerordentlichen Mangel an Arbeitskräften entstandene schwierige Lage auseinander, zu deren Armierung die auf Grund der atisjjegebcncn Zertifikate' zu erwartende Arbeiten׳inwanderung nicht ausreiche. Angesichts dieser Lage sei l'Kmnrtirrung eine unangemessen harte Bestrafung derjenigen Touristen, die ihre Aufenthaltsfrist überschritten haben. Ben Zwi forderte rechtliche Rege- 1 u n g d 1 r 0 1 t• I 1 11!1 1! dieser Li 11 w a ח d e r e r und wies im Zusammenhang damit auch auf die illegale E i 11 w;1 n - dem ח g arabischer und anderer Elemente aus T r :1 11 s ן n r!1;1 n i e 11 hi 11. Der Yi/eimrgeruiL׳i.-tcr von Tci-Awiw. R o k a c h, erklärte, in Tel- W iw hi-gehi׳;iiilVronLntürh stinke Nachfrage nach Arbcilskr.iUrn. B.iuarbcitvrj im Werte will einer Million Pfund seien nus.'utuliren, um dem in dieser Stadt herrschenden Wolimaigs.nangc! ab/״he|t\־n. Tr sehiug die I: i n s et z. u 11 g <• 1 n er 3 11 1i 1 s e 11 e n K 0!111 וו i s < i o 11 1 or, die über das Ausmai) der wirtschaftlichen Aufsaugung von Einwanderern, die ohne vorherige Erlaubnis ins i.uml gekommen sind. Bericht erstaun! soll,!)er Vertreter der Agudath Jisrael, Rabbi B1 a u, bestätigte. dali das l.elun in fkibsiina durch eine Massenallsweisunf \ 011 Touristen sei! wersien l'r-eliiitteningen ausgesetzt ist iimd dah die Ausweisung für die Betroffenen Wirtschaftliehen Ruin bedeuten muß. Die Auswirkung jüdischer Kolonisation auf die Lage der a r a b is c 1! e n B e \ ״ I k e r u 11 g schilderte der Führer der LaniKvirtecereinigun׳’, sik 11 e « i t / k i. Fr führte die Auf- Schließung der Taaron-Ebrnc durch jüdische Kolonisation als Beispiel dafür an, da;! die Entwickln!!,׳ jüdischer Kolonien in hohen! Muhe den Wohlstand der in ihrer Umgehung wobnenden arabischen Bevölkerung fördert. Herr Lew in, der Vertreter der Juden'iuit von Haifa, betonte, daß es vielfach gerade Personen, die als Touristen ins Land gekommen sind, waren, die an der Aufbauarbeit in hervorragendem Maße teilgn! omnicn haben. Br selbst, der heute Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde einer der bedeutendsten Stiidte des!.andes ist, sei vor 40 Jahren als Tourist ins Land gekommen. High Commissioner Sir Arthur Wauchope betonte in seiner Antwort, daß es sich bei der genauen Handtiahung der Eimvanderungs- und Mederlassungsvorscnrüten keineswegs um eine einseitig gegen die J u - den gerichtete Maßnahme handle. Es sei ihm wohlbekannt, daß die Juden in anderen Ländern in schwerer Bedrängnis sind, doch kßnne dieses Moment nicht aus- »chladgchertd sein für die Regelung der Einwanderung*- poütik in Palästina. Die Einwanderung müsse ausschließlich der Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt sein. Von der Deponierung seien auch Araber und andere Transjordanier betroffen. Er hoffe, die durch die Abordnung vertretenen Körperschaften und die Jewish Agency würden mit der Regierung in Zukunft bei der Verhinderung unerlaubter Ein- Wanderung zusammen arbeiten. Protesfvcrsammlungcn in Palästina Jerusalem. Tb November. (j. T. A.) 111 Jerusalem, Tel• A 1v iw und 1 iaifa haben jüdische Misscnvers a m m ־ 1 ts 11 g <׳ n s!a*t;׳efu11(k־n in denen scharfe Resolutionen gegen die Irtzten den judis,l!e!1 Touristenverkehr nach Palästina ein •chr.inkenden Verordnungen dm־ Palastina-Reei erung gefaßt wurden, Protest in aller Welt London, 22. November. (J.T.A.) Die scharfen Maßnahmen der Ra!:■ ■eia 1־ ■Regierung gegen ' die sogenannte ״illegal« Ibmvandcrune", in •hrMmderc die 1 andesverweisung von Dementen, die ber!;i!e im, Wirtschaftsleben Palästinas Fuß gefaßt, bau in der judi-cium Bevölkerung aller Länder tiefe Beunruhigung und starken Protest hervorg'entferi. 111 Masseiiver-auindungui wird gegen die durch die Wirtschaftliehen Ye!h:1i!1!׳'ce k!׳ine-wegs ״ererbtfertigten Maßnahmen Einspruch erhoben und auf die Gefahren hiugmiesen, die dem gesamten Aufbauwerk durch dieses einem uhertriebenen Formalismus cm-pringcnde Vorgehen der palästinensischen Behörden drohen. Palästina-Trage vor dem Board 0! Depnlies Ion (I o!1, 20. November. (J.T.A.) Auf der letzten Sitzung des Jewish Board of Dcpnties fand eine eingehende Erörterung aktueller Baiäsiinairagen statt. Die Aussprache wurde durch das .Mitglied des Board, I. I. an da 11, eröffnet. Der Redner erklärte, (die getroffenen und angektindigten Maßn a hm e n zur Einschränkung i ii d i s c h er Ei n w a nd e r u n g n a c 11 I* .11 ä s t i n a m ii II t e 1! 11 ö c h s 11 3 B e - fremden erregen. Leonard Stein betonte, die neuen Verordnungen beträfen ausschließlich den Touristenverkehr. Die Einwanderung au sich sei durch diese Verordnungen nicht berührt worden, sondern bloß die Zulassung von Touristen und der Status jener Juden, die nach Palästina als Touristen ׳.׳kornmen und sich dnm! niedergelassen, aber die Vorschriften «treffend die Registrierung außer acht gelassen bähen. Dr. Feldmann kündigt« an, daß im Hinblick auf den Ernst der politischen Lag« am 21. November eine gemeinsame Sitzung des Palästina-Komitees und des Joint Foreign Commitlec stattfinden werde. Aufgabe aller sei es, die Agency zu stillten, damit sie ihren Einfluß voll zur Geltung bringen und ihre Funktionen in Palästina wirksam mistihen könne. Das Palästina-Komitee legte dem Board einen von Henrietla S z o I d untemdrhneten Bericht des Waad Leumi über die christliche \1 i s s i o n s a r b e i t in Palästina vor. Aut Grund von Schätzungen könne man mit einer Zahl von etwa 800 Kindern rechnen, die unter dem Einfluß der Missionsschulcn stehen. Flierzu knüpft Henrietta Szold eine eingebetule Analyse der P chlcrdes j ii d i s e h e ri S c 11111- Systems in Palästina, das weit davon entfernt ist, jenes vollkommene Instrument zti sein, das dem jüdischen Volk in seinem nationalen Zentrum zur Verfügung stellen sollte. Das jüdische Erziehungssystem leide von! Kindergarten angefangen bis zu den obersten Klassen der Elementarschulen an der Knappheit der zur Verfügung stehenden Mittel; ebenso werde die Entwicklung geselliger Einrichtungen für die heranwachsende Jugend, für die es keine Abendfortbiidungs'slasscn, keine Klubs, keine sozialen Erholungszentren gebe, durch Geldmangel gehindert Den Bericht des Joint Foreign Committee erstattete L eonard G. M o n t e f i 0 r e. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß es möglich sein werde, in den nächsten Monaten die Arbeit der vor kurzem ia London abgchaltenen Konferenz für Hilfe an die deutschen Juden erfolgreich zu erganzen, Aeußerungen der Exekutive ln den letzten lagen haben eine Reihe zionistischer Führer zur aktuellen politischen Situation sich geäußert. Der Präsident der Jewish Agency, Nah um Sokolow, hat in Warschau in einer Pressekonferenz vor den versammeltcn Journalisten seine Anschauungen über die letzten Vorgang־׳ in Palästina dargelegt. Er hat betont, daß die Exckutive einen entschlossenen Kampf um das Recht auf Ein- Wanderung führt, leider seien die Anschauungen über die Grundsätze, welche die Einwanderung zu regeln haben, verschieden bei der Mandats-Regierung einerseits und bei der Jewish Agency andererseits. Die Jewish Agency werde aber nicht müde werden, ihren Standpunkt vor der Mandats- Regierung und auch vor dem Völkerbund zu vertreten. Sokolow fügte hinzu, daß die Juden zu einer Verständigung mit den Arabern bereit sind, aber an den Bestimmungen des Mandats nicht rütteln lassen können. Die Forderung der Juden sei Friede, Ehre, Sicherheit und Schutz für die Entwickhmg des Jüdischen Nationalheirns. Zur Frage eines Legislative Council sagte Sokolow, daß die Jewish _ Agency gegen die Schaffung einer solchen Körperschaft ist und diesen ihren Standpunkt in zahlreichen Denkschriften an die Regierung begründet habe. In einem im Anglo Palestitic Club in London gehaltenen Vortrag betonte Prof, B r 0 d e t s k y, daß die von der Jewish Agency durchgeführte Untersuchung über die Aufnahmefähigkeit Palästinas sich als zuverlässig erwiesen halte 'und daher auch den Einwanderungs-Bewilligungen zugründe gelegt werden müßte. Die Behauptung, die jüdische Arbeit untergrabe die Stellung der Araber, sei ein Märcnen, das durch die einfache Tatsache der Zunahme der arabischen Bevölkerung zu widerlegen ist. Der Redner erörterte ausführlieh die Frage der Touristen-Eitnvanderung, die einem eiementaren Bedürfnis der luden entspricht. Es habe sich gezeigt, daß die meisten dieser von der Regierung als ״illegal“ hczeirhneten Einwanderer im Lande Beschäftigung gef 11 n 11 e 11 haben, ohne irgend andere Juden oder Araber aus ihren Arbeitsplätzen zu verdrängen. Damit ist erwiesen, daß Palästina eine größere Zahl von Juden absorbiert hat, als die Regierung lei ihrer Zuteilung von Zertifikaten für möglich hielt. Aktionen der Jewish Agency Die Frage der Einwanderungspolitik wurde von Mitgliedern der Palästina-Exekutive der Jewisli Agency in wiederholten Unterredungen 1!1it Regierungsstellen erörtert. Neben den Verhandlungen, die die Leiter der politischen Abteilung Mosche Sherlok und David Hen Gurion mit dem High Commissioner geführt haben, wurden vom Chefsekretär der Palästina-Regierun£[, John Hathorn H a 11, Besprechungen mit Dr. Werner Scnator und Mosche S 11 e r t 0 k abgchalten. Die Frage des Anteils der Juden im palästinensischen Polizt «i Korps wtirdc vom Vorsitzenden des Waad Leumi, Isaac Ben Zwi, und den Vertretern der Jewish Agency׳, Mosche Sh«rtok und Joschua Gordon, mit Roy O. B. S ק i c e r, einein der leitenden Beamten der Palästina-Polizei, erörtert. Die jüdischen Vertreter riesen darauf hin, daß der Prozentsatz der Juden im Polizeikorps sehr niedrig ist und außerdem fast wöchentlich jüdisch« Polizisten sich veranlaßt sehen, aus dem Korps auszuscheiden. tu einer am 20. November in Jerusalem abgehaltenen P r 1׳ s s ckonf er t n z. sprach Ben Gurion über den Kampf der Jewish Agency gegen die neue Ausweisungspraxis gegenüber illegal Eingewanderten■ * Bei einer Besprechung des Palästina-Problems weist die englische Zeitung ,,The Near East and I n d i a“, die in jüdischen Kreisen stets als ausgesprochen arabophil betrachtet wurde, darauf hin, daß die Umwandlung Palästinas zu einem modernen Land dem jüdischen Unternehmungsgeist und Enthusiasmus zu danken ist. Die Furcht der Araber vor einer Verdrängung sei dem außenstehenden Beobachter unbegreiflich, denn es sei offenbar, daß jüdisches Kapital und jüdische Einwanderung auch den Lebensstandard der Araber gehoben und zahlreichen Arabern Beschäftigung gebracht habe. Wären die Araber Palästinas sich selbst überlassen geblieben, hätten sie auf Generationen hinaus diesen Wohlstand nicht crcichcu können. Die Aufgabe in Palästina bestehe heute darin, den breiten Massen der Araher diese Tatsachen begreiflich zu machen, damit sie aufhören, die Irreführungen zu glauben, die ihnen die arabischen Politiker und Journalisten einhämmern. Die alästiuensischen Behörden müßten sich eingehend mit der rage befassen, wie dieser Aufklärungs-Feldzug durchzuführen ist, der nicht minder dringlich sei wie die Steucrnacl1Ias.se an den arabischen Bauern. Das 29ö5 Duriain umfassende Gebiet in Wadi Chawarith, das vom Jüdischen Nationalfonds für zwei Jahre zur prov i s 0 r i s c h e ת A n s i e d 1 u n g einer Gruppe von B « d 11 i 11 e n dieser Gegend der Regierung verpachtet worden war, ist nunmehr dem Nationalfonds wieder übergeben worden. Mit der Besiedlung des Gebietes durch Juden wurde solort begonnen. Im Hcrzl-Zimmcr des Keren Kaiemeth-Hauses in Jcrusalcm-Rcchawjah versammelten sich Ussischkin, Schm. Lewin, J. M. Goldberg, leib Jaffc, Rabbi Meir Berlin, H. Farbstein und andere persönliche Freunde Motzkins zu einer Trauerfeicr, wobei Ussischkin mitteilte, daß auf KK!.-Boden in Mitraz-Haifa ein Stadtteil mit dem Namen ״S c h c c h u n a < h - M o t z k i 11“ errichtet werden wird. ״Reise durch das jüdische Palästina“ Bild bericht vom Aufbau Erez Israeli Jeru*aUtn I Haifa Etsiek-Jesrcel / Scharon / Orangenernte io Juda* / Neueste Bilder von Tel-Aviv B 4 d I eitvortra j: Felix Isaak Montag, den 27. November, 20: ״ Uhr im Ca>6 Stainecker, M0ll»r§tr. Eck« S»»str. Berliner Zionistische Vereinigung Bcr irktgruopo Nord, Wirtschaft und Politik Einfluß der jüdischen Siedlung auf die arabische ‘Wirtschatt Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awltv, Mitte November 1933. Die politischen Forderungen der Araber gegenüber der Regierung, die in den letzten Wochen durch blutige Demo!!- strationen gestützt wurden, werden in Memoranden, Reden und Artikeln durch ökonomische Argumentationen untermauert. Es wird behauptet, daß die jüdische Immigration dam diene, die Araber wirtschaftlich zu verdrängen, ihnen die Lebensmöglich־ keiten zu nehmen und auf diese Weise nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch die Lage der Araber zu verschlechtern. Unter diesem Gesichtspunkt ist es geboten» die Ökonomische Geschichte Palästinas seit der Uebernahme der Administration durch die Engländer kurz zu überblicken. Die Engländer übernahmen nach Beendigung des Weltkrieges Palästina als ein fast durchweg landwirtschaftliches Gebiet. Es gab keine größeren fndustrieunternchinungen und die Betriebe, die man gelegentlich als solche bezcichnete, waren im besten Falle als handwerklich zu betrachten. Hierhin gehört die hauptsächlich in Nahlus konzentrierte Scifenindustrie, die als Rohstoff das einheimische Olivenöl benutzte und einen beträchtlichen Export nach moslemischen Ländern besaß, weil ihre Reinheit von tierischen Fetten gesichert war. Außerdem bestand eine Hausweherei im Süden, die als Mittelpunkt Medjel hatte, ein kleines Städtchen in der Nähe von Gaza. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung jedoch bestand aus Fellachen, kleinen Landwirten, die «Luc primitive, extensive Getreidewirtschaft betrieben und einen überaus niedrigen Lebensstandard besaßen. Nur ein Teil der Fellachen war Besitzer des Bodens, den er bewirtschaftete. Eine große Anzahl lebte als Pächter auf den Gütern der großen Grund Besitzer, der Eifendis, die häufig nicht im Lande ansässig waren und ihre beträchtlichen Einkünfte in Kairo oder Paris verzehrten. Der Pachtzins war außerordentlich hoch und nach Abzug der Steuern, die in natura eingchoben wurden und ein Zehntel der Ernte betrugen, blieb dem Fellachen von den ohnehin geringen Erträgnissen seiner Wirtschaft kaum genug, um sich und seine Familie durchzuschlage!!. Von außen wurde wenig gekauft, etwa nach der Ernte das Notwendigste an Kleidung und gelegentlich etwas Zucker und ähnliche Luxusgiiter. Im übrigen versorgte die Wirtschaft sich selbst. Der Acker lieferte Mehl für die eigengebackenen flachen Brote, etwas Gemüse, das Vieh lieferte Mist zur Feuerung, Der ohnedies karge Boden wurde durch den Mangel an Düngung immer ärmer und die kablet! Berge, des Schutzes der Bäume entblößt, hatten keinen Humus und wurden zu einer Steinwüste. In den fruchtbaren Gegenden des Landes, vor allein in der großen Ebene Jesrcel, litten die arabischen Dörfer auls schwerste durch Malaria und die sanitäre Fürsorge war so lückenhaft, daß die Sterblichkeit, besonders unter den Kindern, immens hoch war. Diese verarmte und durch die Grundbesitzer unterdrückte Bauernbevölkerung kam nun nach Kriegsende unter die Administration der Engländer. Und zugleich setzte mit der Uebernahme des Mandates durch Britannien eine verstärkte jüdische Siedlungstätigkeit ein. Die Engländer begnügten sich zuerst einmal damit, die öffentliche Sicherheit weitmöglichst zu garantieren und die Grundlagen einer geordneten Administration zu legen. Steuerwesen und Gesetze wurden zuerst kaum angetastet. Nach und nach wurden zwar verschiedene Reformen auf diesen beiden Gebieten durchgeführt, aber sie waren sehr zögernd und kamen nur stufenweise voran. Die wichtigsten dieser Aenderungen waren eine Umwandlung der Zehntensteuer aus einer Produktenin eine Geldabgabe und die Aufstellung einer festen Durehschnittssumme dieser Abgabe, die nach den Erträgnissen eines Jahrfünfts berechnet wurde. Freilieh wurde diese fraglos gut gemeinte Maßnahme für die Fellachen zu einer noch größeren Last als die trübere Steuer. Denn unterdessen hatte die agrarische Weltdepression eingesetzt und die Fellachen mußten Steuern entsprechend den früheren relativ guten Getreidepreisen zahlen, während ihr« ganze Wirtschaft durch die Konkurrenz der großen Weizen- [ander und das Fallen der Getreidepreise unrentabel geworden war. In der Tat hat sich auch die Regierung Jahre hintereinander gezwungen gesehen, große Teile dieser Steuern überhaupt zu erlassen, da die Betriebe der Fellachen vor dem Zusammenbruch standen und man nicht daran denken konnte, ihnen noch Steuern abzunehmen, sondern sich damit befassen mußte, ihre Wirtschaft auf neue und sicherere Grundlagen zu stellen. Zu diesem Zwecke hat sich die Regierung von Sachverständigen verschiedene Pläne vorlegen lassen, die die Einführung neuei Kulturen, die Bildung von Kooperativen und ähnliche modernisierende Maßnahmen umfaßtem. Die Umwand- Jung, Hebung und Modernisierung der Fellaclienwlrtschaft Ist־ jedoch eine immense Aufgabe und das Vorgehen der Regierung ist bisher überaus langsam gewesen und sämtliche Projekte stecken immer noch in den ersten Anfängen. In einigen Bezirken hat jedoch die arabische Landwirtschaft einen gewaltigen Antrieb erfahren, wie sich überhaupt irn Laute des letzten Jahrzehnts die palästinensische Wirtschaft als solche stark veränderte. Eine Autschließung des Landes durch einen sich überall hin verzweigenden Straßenbau hatte eine starke Steigerung des Verkehrs, vor allem durch Kraftwagen für Passagiere und Lasten zur Folge. Die jüdische Siedlungstätigkeit wandelte ganz relativ große Bezirke vvirtschaftiich völlig um. Es entstand in kurzer Zeit eine Landwirtschaft von ganz neuem Typus, die sich auf neue Kulturen, neue Arbeitsmethoden und Maschinen stützte, und Seite an Seite mit dem Fellachen und seinem von einem Esel oder Kamel gezogenen Hakenpflug arbeilete bald der Traktor und de! Mähdrescher. Gegen die Mitte des vorigen Jahrzehnts begann die Kultur der J affa-Orange alle anderen Pflanzungen in den Schatten zu stellen und man sah oft, wie eine frühe! extensiv bebaute Fläche oder ein Landstreifen, der von Beduinen zur Weide benutzt worden war, jetzt mit einem Schlage unter eine hochwertige Kultur gelegt und in seiner! Erträgen um ein vielfaches gesteigert wurde. Zugleich mit einer vielseitigen landwirtschaftlichen Entwicklung ging eine Umwälzung der städtischen Oekonomic. Die ersten Industrien im Land(• begannen zu arbeiten. Die Baubewegimg breitete sich aus und modernisierte sich, Import und Export stiegen und der Handel nahm einen größeren Umfang an. Es konnte nicht ausbleiben, daß die arabische Wirtschaft, sowohl die städtischen Händler als auch die größeren Landbesitzer und die Fellachen, von dieser durch die Juden verursachten Entwicklung beeinflußt wur• den. Arabische Grundbesitzer nahmen einen aktiven Anteil an der Pflanzungsbewegung. Sic legten nicht nur neue Zitrusplan-

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