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Jüdische Rundschau · 1933-11-17 · Heft 92 (17.11.1933) · p. Seite 816

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 92 (17.11.1933)
Date
1933-11-17
Page
Seite 816 (sequence 4)
Language
German
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Seile 814 jüdische Rundschau Nr. 92, 17. XI. 1933 Der Arierparapaph in der Kirche l!1 der c v 1! ו g c I i ז c 1! c n Kirche wird gegen värtig im Ans h!11H an die Beschlüsse der letzten Kirdieiiversammlung!i e Bedeutsame Auseinandersetzung über die Durchführbar- Iss if des Arierparagrapher! innerhalb k i r c 11 ־ lieber Institutionen ausgetragen. Namhafte Theologen haben sieh gegen die Uebertragmig der Rasscnideologie vo;:1 weltlichen aut das kirchliche Gebiet ausgesprochen (v I. 1, B, Karl Barth i1׳ seiner Broschüre ״Theologische I; i '.e!1/ heute“). Heber das dieser Frage gewidmete Guta1'״:en der theologischen Fakultät der U n i v e r - sitat M a r b u r g berichteten wir in Nr. 89 der ״lüdischcn Ih!•);!schau“. In tüescni Marburger Fakultätsgutachten werden f’i c entsprechenden Paragraphen des Gesetzes, die sich mit dem Aiicrprinzio beschäftigen, als unvereinbar mit dem Wesen der christlich en Kirche erklärt. Auch eine Erklärung einer Reihe bedeutender Theologen zum Thema der Rassenfrage und des Zusammenschlusses von arisehen und nichtarischen Christen in einer Kirche betont, da!) eine einheitliche Gemeinde der christlichen Lehre allein ent :,יי iiche. Gegenüber dieser sich im Rahmen der thcologis e!1 e n A r g u m c n t :11 i 0 n bewegenden Haltung ist mm ei!!׳ Gegenströmung zu konstatieren, die von der Glau- 11 e 11 s b e w c g ung deutscher Christen getragen wird und sich mit aller Schärte für das Arierprinzip sowohl bei den Geistlichen wie auch bei der Bildung der Gem ei n t! e n cinset/t und zugleich die Entfernung der im Judentum wurzelnden Fieniente aus dem geistigen Gehalt ehr Kirche verlangt. Diese Strömung■ trat erneut an die < \ ftc iniiclikeit i!1 einer Kundgebung, welche die Glaubensbev.c umg deutscher Chriüen a!n 13. November ini Berliner S-’ort -uila st abhielt. Nach Ansprachen von Bischof Hossenfehler und des Berliner Gauleiters der ,,Deutschen Christen“ In. Krause wurde nach dein Bericht der ״Vossischen /eiiiitig \0:11 1(. November eine Entschließung vorgeh׳::t. in der 11. a. gefordert wird, daß entsprechend dem wm der Generalsvnode beschlossenen Kirchengesetz der An e r p a r a g r ,ו p h o 11 n e Absrh \v ii c h u n g durch» g e fuhrt und alle f r e m d b I ii t i g e n e v a 11 g e l i - s c I! «r n C h r i s t e n in b e s n n d c r e n Gemeinde n 1 h r er Art zu s a in in r ״ ח c f a ß t \v ii r 11 c n. Wei 1er fordert di; I 0;s׳,h!i1'lhm;: eine Ausmerzung aller fremden und und י n : - c h e n F 1 e 111 e 111 e aus Gottesdienst und Be- 1׳. un ף t 1' i s. Ger Berliner Gauleiter Dr. Krause erklärte 11. a., daß d׳V l'irchc frei von .׳־!Len überängstlichen Bindungen a!1 hisio- 1 i 11׳ Gewordenes 1le;11 deutsche:! Cjotterleben in Kultus und Li l.e :״י'vis Raum geben müsse. Hierzu gehöre die kamp r n!11 i 111 o s e Beseitigung alles Fremd völkisebvii. in diesem Zusammenhang forderte er die Aus• * c 11 ,ו I t 11 ח g des Alten Testaments als Re'igioushuch, die strikte Durchführung des Arierparafjraphen um! die Ablehnung aller kirchlichen Führer, die nicht restlos auf dem Boden des Nationalsozialismus stünden. Gegen die in dieser Kundgebung gefaßten Beschlüsse und die Ausführungen von Dr. Krause wendet sich R e i c 11 s - b i sc 11 o f Müller in einer der Ocffentlichkcit übergebenen Erk Kirn!1 w, in der cs u. a. heißt: ״in der Reife ist in unerhört agitatorischer W eise gegen das Alte T estament gesprochen und sogar das Neue Testament einer kirchlich unmöglichen Kritik unterzogen worden. Das bedeutet nichts anderes als die Aufhebung der Bi b e 1, als der einzigen und unverrückbaren Grundlage der Kirche. Es sind weiter Anschaumigen vorgetragen worden, die einer Ablehnung der reforin»torischen!.ehren von der Rechtfertigung allein mis den! Glauben gkichkommen mul durch die ein rationalistisehes Jesttsbild aus längst verklungenen Tagen des Libera- IBrnus wieder 11 crvorgelioit wird. Es soll sogar, was ich k:1 tun für möglich halten kan!!, das Kruzifix abgclehnt worden sein. Hierzu erkläre ich: Solche Anschauungen und Forderungen sind nichts anderes, als ein unerträglicher Augtiff auf da; Bekenntnis der Kirche. Solchen Geist lehnt di-..• Leitung mul Führung der Deutschen Evangelischen Kirche mit aller Schürfe ab, wie ich überzeugt bin, daß auch di•' lebendigen Glieder unserer Gemeinden mit solchem (wist nichts zu tun haben wollest. Ich werde nie und.nimmer zu lassen, daß derartige Irrlehren s i c 11 in der L ׳.־:! n g e i i 5 c h e n K i r c 11 c breitmach c 11.“ (!Iiiclizeiiig wird bekannt', daß der Evangelische Oberbi״..! um; at den Studienassessor Dr. Krause wegen seiner den (!ckenmnisgruiiiilagen der Evangelischen Kirche widersw wehenden Rede bei der Sportnalast-Kundgebun״ der Deut- .schcMi Christen am 13. November mit sofortiger Wirkung v 0 11 sei!•: en s a nt 11 i c h e r! kirchlichen Acmtern s!1 s p e n J i e r t h n t. Eine Reihe von Mitgliedern des Evangc'Gi'hcn Oberkireftenrafs und der Reichsleitung der Glauhei:•־■ bewegung Deutsche (Christe« haben die Erklärung abrtw־ebe11, daß sie gegen den Inhalt der Reden der Herren Dr. Krause mul Xmidsn' in der Sportpalast-Kundgebung herci׳; an Ort und Stelle durch Bischof Peter stärksten!' rötest c i n g e I e g t!1 a b e n und diesen Protest hiermit vor der ()effen'.ii :!ikcit wiederholen. Die Erklärung ist unter- 7ei ’inet vom Bischof Peter, Präsident Dr. Werner, Oberkme iwornlnt Dr. Furie, D. Freitag, Nobiling, Dr. Friedrich Ko b. D:׳. Walter Koch, Ranke, Dr. Thiimme!. I i.se Ausoimnilerset.׳untren zeigen, daß gewisse theo* 1׳׳ i wie und weltanschauliche Fragen auch in den Kreisen, i'i ■ 1!׳ nie wesentlichster Träger der evangelischen_ Kirche si!, heftig umstritten werden. Diese Auseinanderset/um: ist nur indirekt für uns Juden von Interesse, da die Betroffene:! ungeachtet ihrer jüdischen Abstammung der jüdischen Gemeinschaft fern st eben. Bedeutsam ist für uns allein die Tatsache, daß liier um G 1 a u b e 11 s g ii t e r gerungen wird, deren historische Wurzel im Judentum liegt, und daß dort, wo politische Prinzipien auf das Gebiet des Glaubens übergreii'en, ein Widerstand entstellt, der teilweise auch von denen ausgelit, die im Politischen gewiß unverdächtig auf den! Boden des Rassenprinzips stehen. * Die ״Deutsch-Evangelische Korresponden?“ vom 8. November beschäftigt sich in einem Aufsatz mit der Zahl der ״evangelischen Pfarrer jüdischeu Blutes“. Gegenüber der Behauptung, die namentli::1 vom ״Tannenbergbund“ ausgestreut wurde, es gäbe r. i wkwtens 500—600 derartiger Piarrer, zitiert dieses Blatt eine Hrß ew uchung der Zeitschrift ״Deutscher Herold“. Diese t'nh׳::u־'u1r1g bezieht sich auf die Gesamtheit aller evange- 1 1 :::.ו::;ו Pfarrer Deutschlands seit der Reformation, deren ג Iw't Abs'ammting nachgeprüft wurde. Auf diese Weise vun’crt ii 100 Jahren 63 verstorbene Pfarrer ermittelt, bei de;: c:1 bis jüdische Abstammung nachgewiesen ist. Dazu ko:::t״.c1־ noch 35 bz.w. 37 lebende evangelische Pfarrer, von iterrc 20 noch in einem geistlichen Amt stellen, während 8 be •a s emeritiert worden sind. Das Ergebnis ist also, soweit die Gegenwart in Frage kommt, folgendes: Unter den urigeführ 18 000 gegenwärtig im Amt stehenden evangelischen Pfarrern Deutschlands sind etwa 29, das heißt noch nicht 2 <0י jüdischer A b l< 1t n f t. Von den genannten 29 nichtarischen aktiven Pfarrern gehören 17 der preußischen Landeskirche an, 11 davon haben bereits vor dem 1. August 1911 in einem kirchlichen Amt gestanden oder sind Frontkämpfer gewesen. Es fallen also nur 6 Pfarrer unter die Bestimmungen des Kirchengesetzes vom 6. September 1933. Das genannte Blatt beschäftigt sich weiterhin mit diesen Verhältnissen bei der katholischen Kirche; es weist darauf hin, daß im katholischen Klerus auch an sehr hohen Stellen jüdisches Blut vorhanden ist, daß aber UniersucUungen über seinen Anteil nicht existieren und wohl auch kaum zu erwarten sind. Für Verbot der Mischehe Iin ״Deutschen Aerztcblatt“ vom 11. November, Heft Nr. 20, ist der Vortrag veröffentlicht, den Ministerialdirektor Dr. Schnitze, Staatskommissar für des Gesundheitswesen in Bayern, Präsident der StaatsineJizinischcn Akademie, anliißlieh der Eröffnung dieser Akademie am 2. November über das Thema ״Grundlagen und Ziele der Rassenpflege" gehalten hat. In diesem Vortrag kommt Dr. Schnitze nach ausführlichen bevölkerungspolitischen Darlegungen auch auf die Judenfrage zu sprechen. Er führt hierzu ans: ״Als unbedingt feststehende Tatmrhe aber hat zu gelten, daß die Vermischung der europäischen mit außereuro!)iiisclicn Rassen unrrr allen Umständen schädlich uml mit allen Mitteln zu unterbinden ist (siehe die .Mischlingsfrage in Amerika, Afrika. Australien ussv.). L’nd zu diesen bedingungslos uncrwünschten Hassen geholt eben für uns Deutsche viel mehr als etwa die asiatische in erster Linie die jiidi sehe Rasse. Daher muß der Zuzug der Juden in unser Vaterland mit allen Mitteln zunächst einmal tr n m ö g - lieh gemacht werden. Aber damit kann und darf es rratürlieh nicht sein Bewenden haben; die ,.] aden I r;1 ״c“ muß auch noch tri anderer Beziehung im Sinne nra ־.enliygieniscbcr Forderungen beantwortet und behandelt werden. Ins ist nur gu1, daß wir Deutsche, wenn wir mir erst den Mut aulbi Ingen, ohne Scheuklappen an diese weitesten Kreisen noch immer so heikle Frage hertiimrgehce., die besten Aufschlüsse über die unserem Volk drohenden Gefahren immer wieder von namhaften Juden selbst bekommen und damit die Berechtigung unserer Forderung von unseren Gegnern selbst Lestäligt erhalten. Sonst würde nranches der urteilslose Durchsclirrii!־deutsche gar nicht glauben. So hat der Jude Kahn vor nun nicht langer Zeit klar ausgesprochen, daß auch heute noch 30 l’roz. der ״fteligionsjtiden“ deutsche Mädchen heiraten! Dcrnriach kann die einzig mögliche Schlußfolgerung für uns nur sein, die Eheschließung zwischen Juden und Deutschen ein f ii r allemal d 11 r e h G e 1 f t! unmöglich 2 u m a e h c 11, ja a u c 1t der! a u ß e r e 11 c 1 i c h c n G e s c h 1 e c 111 s v c r k e h r zwischen den Trägern beider Rassen unter strengste Strafe zu stellen. Wir weisen in diesem Zusammen-!lang darauf hin, daß wir keinesfalls die erster, Vertreter dieser dein Volk, der Rasse »nnarhsichtlirh diktierten Zwangsmaß• nahmen sind, sondern daß ent vor wenigen Monaten die Siidafrikanische Union ein glciehgcartetes Gesetz gegenüber der schwarzen Rasse geschaffen hat, (l/eber eine andere, ebenfalls unter den Begriff Judenfrage fallende Notwendigkeit wird noch in kürzester Zeit entschieden werden müssen.)■‘ Es ist bemerkenswert, daß auch in diesem Vortrag, ebenso wie in früheren Denkschriften von maßgebender iuristischer Seife, strenge Maßnahmen gegen die Verbindung von jüdischen und nichtjüdischen Menschen gefordert werden. Was mit der in dem Schlußsatz, des obigen Zitates an• gekündigten anderen Maßnahmen gemeint ist, geht aus dem Zusammenhang des Vortrages nicht hervor. ״Ha$ und Liebe״ im Antisemitismus Am 15. 11. sprach in den •Tennishallen in einer Versamm• hing der Berliner Rechtsfront der Reichsjustizkomniissar, Staatsminister Dr. Frank, über die Aufgabe der Juristen. Er erklärte in seinen grundsätzlichen Ausführungen u. a., daß im Mittelpunkt des Rechts das Volk Stehe, d a ß an die Stelle des Staatsangehörigen der Begriff des Volkes und des Rasscnangchörigen trete. ״W1 r deutschen Juristen bekennen uns tun Antisemitismus nicht aus Haß gegen die J u ־ d c n, sondern ans Liebe nun deutschen Volk!“ rief er nach dem Bericht des ״Volk. Beobachters“ unter tosendem Beifall aus. Zu dieser Formulierung Dr. Franks ist 2u sagen, daß die Wertung einer politischen Haltung, wie sie der Antisemi■ tisinus darstellt, nicht allein im Hinblick auf die Motive ihrer Träger vorgciiomnien werden kann, sondern min• Bestens in gleichem Maße in Hinblick auf die Wirkungen bei denen, auf die sich diese politische Haltung bezieht. Unter dieser Voraussetzung muß allerdings der Antisemi• tismtis als eine Erscheinung des ״G r u p p e 11 11 a s s c s“ eingeordnet werden. Er wird dadurch als politische Ausdrucksform nicht diffamiert, zumal Politik als Regulativ der Gruppeubcziehungcn i'iberhaünt zu einem erheblichen Teile sich mit affektgebundenen Beziehungen beschäftigt. Die Klärtnig der grundsätzlichen Lage, in der sich verschiedene miteinander verknüpfte Menschengruppen befinden, scheint lins aber wichtig dafür zu sein, um zu einer für beide Teile erträglichen Regulierung ihrer Beziehungen za gelangen. t Humor Der ״Kladderadatsch“ (Berlin), der sich in der letzte!! Zeit durch antijüdisclie Karikaturen (kein Heldenstück) auszciclinct, veröffentlicht in seiner Nummer vom 12. November nachstehende Glosse: Juden — «wenig gefragt"! ' Die Fra״e: Wo bringen wir die Juden unter? wird, wie wir hören, demnächst den Völkerbund beschäftigen. Franzosen und Engländer, ihre einstmaligen Gönner, zeigen ihnen eine recht abgckiihlte Schulter. D.is gelobte Laad, das sie einst treulos verließen, bat inzwischen eine andere Bei Dung bekommen und wird ihnen von den Arabern streitig gemacht, während Dr. Ritter per Furiksprueh bat wirsen lassen, daß die G.nlapagos-Inseln, soweit noch vorhanden, einer solchen Belastungsprobe nicht mehr gewachsen wären. So sehen wir. daß der Völkerbund einer schwerer! Aufgabe gegenüberstellen wird, die er aber dank der Leichtigkeit, mit der er sich über weit schwerer wiegende Probleme hinweggesetzt hat, in Kiirre lösen oder — ad calendas grnecas vertagen wird. Diese Schadenfreude gegenüber einem durch die Jahrhunderte geheizten Volk empfinden wir nicht als eine Be- Rundung von Ritterlichkeit des Herzens. Nichtarische Aerzte und Fürsorgebehandlung. Für die Ausschließung nicht arischer Aerzte von der Behandlung Hilfsbedürftiger durch die Kezirksfürsorge verbinde sollen dieselben Grundsätze elfen wie für die Zulassung bei den Krankenkassen. In' lebereinstimtnung mit dem Reichsinnenminister und dein Reichsarbeitsminister erklärte der preußische Innenminister, er habe gegen dieses Verfahren keine Bedenken, Die Leiden des Einzelnen Im ״Deutschen Aerztcblatt“ vom 11. November wird in einem Leitartikel 9״. November — 12. November“ auch derer gedacht, die in Io! ge der verwandelten Verhältnisse in Deutschland eine geminderte Steilung einnehmen. Der Artikel spricht von denen, die das Erwachen Deutschlands tu vülkbchem Bewußtsein zu d r Krkemilnis gebrach! hat, daß sie ab fremd empfunden werden, daß ihnen die heutige . Staatsauffassiing nicht länger ihc gleichen Rechte zuhi lügen kann und darf, auf welche die Söhne utrd Töchter des eigenen Volkes einen selbstverständlichen Anspruch haben. Diesen hier gemeinten Menschen wird dann vorgeworfen, daß das demokratische System ihnen Vorrecht« eingeräumt habe, ״von denen sic ohne die gebotene Zurückhaltung ttnzulässigen Gebrauch gemacht halten“. Der Artikel fährt dann fort: ,AVcnn einem solchen Widersinn ein Ende gemacht wurde, so hat vielleicht niemand die daraus für den einzeln«! entstehende unglückliche Lage stärker nachempfunden als Adolf Hitler so Hs t. Kr gab. als er vor einer Abordnung der deutschen Aerzte über die völkische Grundlage des neuen Reiches sprach, offen zu. daß er sich der tragischen Folgen bewußt sei, die sich aus der Verwirklichung des völkischen Gedankens in Deutschland für deu einzelnen ergeben müßten.“ In diesem Zusammenhang wird also anerkannt, daß für den einzelnen von dieser Veränderung Betroffenen persönlich häufig tragische Folgen cintrcten mußten. Wenn dann hin-?!!gefügt wird, ,,aber es kommt heute auf den Einzelnen nicht mehr an“, so wäre zu prüfen, ob nicht nach den revolutionären Verdrängungen in Deutschland zuweilen Einzelne die Lage dazu benutzt haben, um sich persönlich« Vorteile zu verschaffen, ein Verhalten, das von maßgebenden nationalsozialistischen Führern in mehreren Reden offen (lieh gebrandmarkt wurde. ״Scmi - Gotha״ Bekanntlich stützen sich manche antisemitische Autoren Tief ihren Untersuchungen über die Rassenzugehörigkeit adliger Personen gern auf den sogenannten ,,S e m i - G ot h a“, der im Jahre 1914 erschienen ist. ln der Zeitung ,,Der Mittag“, Düsseldorf, wird nun im Rahmen eines Aufsatzes über den Fürsten Otto von Bismarck, den Enkel des Alt-Reichskanzlers, nachgewiesen, daß der ״Semi-Ootha“ in diesen! Fall keinerlei Kenntnisse über englische Verhältnisse gehabt hat, wenn er behauptet, daß die mütterliche Großmutter des Fürsten, die aus England stammte, jüdischer Abkunft gewesen sei. Es wird weiterhin nachgewiesen, daß auch der mütterliche Großvater des Fürsten nichtjüdischer Abkunft gewesen ist, wie es fälschlich in einem ,,Weimarer historisch-genealogischen Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischett Ursprungs“ vom Jahre 1913 behauptet wird. Uns interessieren diese Almenuntersuchurigen an sich wenig; was für uns wichtig ist, ist die Feststellung, daß hier auch von!!ichtjiidiseher Seite einmal erkannt wird, daß diese ,,׳wissenschaftlichen“ Handbücher aus gänzlich unkontroilierbaren Quellen schöpfen und in keiner Weise geeignet sind, wissenschaftlich haltbare Urteile auf sie zu stützen. Antisemitische Studenteminruhen in Warschau Warschau, 12. November. (J. T. A.) Die antisemitischen national demokratischen Studenten haben seit einiger Zeit systematisch Ueberfälle auf jüdisclie Studenten gemacht. Anläßlich des Jahrestages der Tötung des Studenten Waslawski in Wilna kam cs auf der Warschauer Polyteclinik, auf der Landwirtschaftlichen Hochschule und aut der Handelshochschule zu Unruhen. Gleich am frühen Morgen wurden die Eingänge zur Polytechnik von Nationaldemokratischen ״Wachen“ besetzt, die alle Hochschiiler, die das Gebäude betreten wollten, zur Ausweisleistung aufforderten und jüdischen Studenten den Zutritt verwehrten. Einige jüdische Studenten, die trotzdem ins Innere des Gebäudes gelangten, wurden dort und «ir.isetm Heben Studenten umzingelt und schwer mißhandelt. Die Polizei räumte den Platz vor der Hochschule, respektierte jedoch die ״Hochschulautonomie“, so daO den Vorgängen auf den Hochschulen selbst nicht Einhalt geboten werden konnte. An den Innenseiten der Eingangstore angebrachte Plakate antisemitischen Inhalts wurden auf Anordnung des Rektors entfernt. Aehnliche Vorgänge spielten sich auf der Landwirtschädlichen Hochschule und auf der Handelshoc hsc 11 ule ab. Die Rektoren aller drei Hochschulen verfügten daraufhin die Schließung der Anstalten bis auf weiteres. Da die Warschauer Universität bereits seit etwa zehn Tagen geschlossen ist, steht gegenwärtig keine einzige Warschauer Hochschule mehr in Betrieb, « Auch in der ungarischen Ciraf-Stephan-Tisza-Universität in Debreczin (Ungarn) wurden, nach einem Bericht des ״Berliner Tageblatts“ vom 15. November, Kundgebungen gegen die jüdischen Hörer veranstaltet. 111 den klinischen Anlagen kam cs zu Schlägereien. Universitätslchrer stellten mit Hilfe der Pedelle die Ruhe wieder her. Der ehemalige Leiter des KrebsforschungsJnstituts an der Berliner Charite, Professor Dr. Ferdinand Blumenthal, der als außerordentlicher Professor an die Belgrader Universitat beruten wurde, hielt im Physiologisch-Histologischen lnstitut der Belgrader medizinischen Fakultät seine Antritts- Vorlesung über seine Untersuchungen der Krebserkrankungen. In einer kurzen Einleitungsansprache dankte er der jugoslawischen Regierung und der Belgrader Universität, daß sie ihm ermöglicht haben, seine wissenschaftlichen Forschungen über die Krebskrankheit fortzusetzen. Der Vorlesung wohnte auch ein Vertreter der deutschen Gesandtscha ft bei. IllMliffilllliliawlM^^ Die Frsuen-Arbeitsgemeinsehat! rar patsstma ladet, xur Wiederholung ihre» Vortragsabends ein. Frauenarbeit im Aufbau von Palästina mit der neuesten Bildserie der Wizo, Dlonstaa, den 21. Nova mb•*, SO׳/, Uhr, Hackescher Hot, Rosenthaler Str. 40/41 iiiiiiiPiiiiiia

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