Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 91 (14.11.1933)
- Date
- 1933-11-14
- Page
- Seite 805 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653814--24375-2687321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 91, 14. XL 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 803 1933 «se war ßer Teil e selbst• gelangmit dem fslelitmg sie und ten, das müssen, .'omforts. ei mit igte sich auf der defekten m Laufe :11 (einer :hiff auf um Teil׳ berhaupt liall sich ie wenig die Tat- Betrieb fsleitung blieben. I um die II Passa• 1en Fall Einwan•! Klauen rger. 86 .׳ der ant sein zon vier- 1 seinem rieren (reffende nn nicht 14 Tagen in Immiden Begenannt, 'rist nur Septemens den- und Anprechend .ager- :ntstehen er Güter die bei ilien die : Spesen en; aber ung von ebenfalls möglich, ins dem Platz י-! aufmand. Zu et wird; n jedem herungsnnte Art iutes ist ung zu ine freie imitglied ilie Vorcht einübrigen Ich darf 5 siedeln v artigen!en habe ie Woh- X/oh!1u11- :ht mehr : solche llerdings rr/ögert en Zeit-!en muß rechnen, erkosten erwägt, sind toiidsätzen Lift zu- Umzugsch Em- :rforderibedingt :nstänae der gar angszcit?en von an nicht schaffen rtkosten billiger itspunkt Haifa, Haupt-!, Dele* ingerem fit dem für da» 1 Paris, nkreich, luf Man allen Arbeit ■ch sein es Auf- Die jüdische Gemeinde Die Lage in der Berliner Gemeinde Erklärung von Dr. Siegfried. Moses ln dem Bulletin der JTA. nimmt Dr. Siegfried Moses — Vizepräsident der Reichsvertretung der deutschen Juden, der kürzlich seinen Austritt aus dem Direktorium der Berliner Jüdischen Gemeinde erklärt hat — zu dem in den JTA-Nachrichten veröffentlichten Aufruf der ״Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen“ (s. die Notiz ״Kuriose Erneuerung'* in Nr. 90 der ״J. R.") Stellung. Dr. Moses äußerte sich wie folgt: 1. Der Aufruf der ״Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen“ scheint mir namentlich deshalb bedeutsam, weil er Haltung und Tendenzen der ultra-liberalen Gruppe, die zur Zeit die Berliner Jüdische Gemeinde beherrscht, ins rechte Licht rückt. Man hat den Versuch unternommen, das im Berliner Gemeindeblatt veröffentlichte politische Programm als harmlose ״Privatarbeit“ hinzustellen. Jetzt zeigt sich, daß der gleiche Personenkreis, der die Politik der Berliner Jüd. Gemeinde bestimmen will, sich mit Gleichgesinnten aus anderen Kreisen (einschl. der Naumann-Gruppe!) verbündet,mit denen er vor allem in der scharfen Gegnerschaft gegen die Reichs Vertretung einig ist. Und der Zweck dieses Bündnisses besteht vor allem darin, den Kampf für eine ״klare zwiespaltfreie deutsch-jüdische Führung . . . der Reichsvertretung“ zu proklamieren, mit anderen Worten: durch stille Opposition und laute Gegner- Schaft d|e gegenwä rtige Reich svertretung zu stürzen, die die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden hinter sich hat und der soeben noch, neben den großen Organisationen des deutschen Judentums, auch die Berliner Jüdische Gemeinde und die ״Vereinigung für das liberale Judentum“ loyale Mitarbeit versprochen haben. 2. Wir Zionisten begrüßen es, daß eine klare Front sich gebildet hat, die die ״jüdischen Deutschen“ gegen die ,,Zionisten aller Schattierungen“ zusammenschließen will. Ich glaube, wir können getrost abwarten, wie die deutschen Juden auf diesen Appell reagieren werden. Für den Bereich der Berliner Jüdischen Gemeinde aber ergibt sich aus der Sachlage klar die Forderung: Die Gemeindekörperschaften müssen eine Umgestaltung erfahren; sie müssen derart ergänzt und verjüngt werden, daß sie in Ihrer Zusammensetzung den jetzigen Anschauungen der Berliner Juden entsprechen. Die gegenwärtige Zusammensetzung ■der Gemeindekörperschäften beruht auf den Wahlen des Jahres 1930. Sie würde personell nicht einmal dann den Wünschen der damaligen Wähler entsprechen, wenn deren Anschauungen sich nicht grundlegend gewandelt hätten: durch den Weggang vieler Repräsentanten sind, in allen Gruppen, Menschen in die Repräsentantenversammlung eingerücKt, denen die Wähler »inen Platz auf der Liste eingeräumt hatten, welcher lediglich eine ehrenvolle Erwähnung bedeuten, nicht aber einen Repräsentanterisitz verheißen sollte. Aber hiervon ganz abgesehen, sind vor allem die psychologischen Quellen versiegt, aus denen der Wahlkampf gespeist wurde, der den Liberalen eine Mehrheit brachte. Die Berliner Juden wünschen heute, daß ihre Gemeinde von Körperschaften geleitet wird, deren Zusammensetzung die positiv jüdischen Anschauungen der großen Mehrheit der deutschen Juden widerspiegelt, wie sie die Reichsvertretung vertritt. 3. Würden die Berliner Liberalen von ihrer formell noch bestehenden Mehrheit den loyalen Gebrauch machen, der sich eigentlich von selbst verstehen sollte, nachdem jede substantielle Basis für die formale Mehrheit geschwunden ist, so hätte man mit der Umgestaltung der Gemeindekörperschaften vielleicht bis zum Herbst 1934 warten können, in dem die neuen Wahlen fällig sind. Allein die ultra-liberale Gruppe innerhalb der Berliner Gemeinde hält es für richtig, in immer steigendem Maße gegen die wahre Majorität der Berliner Juden unter Berufung auf den längst verjährten Rechtsanspruch aus dem Jahre 1930 aufzutreten und Politik, Jugendarbeit und Schulwesen mehr und mehr nach Anschauungen zu formen, die einer versunkenen liberalen Epoche angeboren. Nachdem diese Gruppe jetzt auch noch den Streit über die Grenzen der Berliner Gemeinde hinausträgt und ihren schrillen Kampfruf im deutsehen Judentum ertönen läßt; nachdem ihr Bestreben offenbar dahin geht, die Berliner Jüdische Gemeinde als solche zur Keimzelle einer gegen Zionismus und jüdische Solidarität gerichteten Kampforganisation zu machen; gestattet uns das Bewußtsein der Verantwortung für die Gestaltung der jüdisehen Zukunft fürderhin nicht mehr, die Formal-Mehrheit der Berliner Gemeinde nach ihrem Belieben schalten zu lassen. Ich habe die feste Zuversicht, daß die Spaltungsbestrebungen der ״jüdischen Deutschen“ an dem einheitlichen Solidaritätswüllen der deutschen Judcnheit scheitern werden. Im besonderen wird die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde eine Neugestaltung der Gemeindekörperschaften hinnehmen müssen, die die Eingliederung der Berliner Gemeinde in die Einheitsfront des deutschen Judentums und eine loyale Zusammenarbeit mit der Reichs- Vertretung der deutschen Juden gewährleistet. Erhöhung der Gemeindesteuer Berlin. SitzungdeTRepräsentantenversammlung vom 6. Nov. 1933. (Offizieller Bericht.) Der stellvertretende Vorsitzende, Dr. London, widmet vor Eintritt in die Tagesordnung dem verstorbenen Dr. Ludwig Tietz Worte des Gedenkens. Amtsgerichtsrat Michaelis berichtet über die Steuervorlage des Gemeindevorstandes. Nach eingehender Aussprache wird einmütig beschlossen, den Zuschlag zur Einkommensteuer für das Jahr 1933 auf 20 0/© festzusetzen und den vom Vorstand beantragten Zuschlag zur Reichsvermögenssteuer gutzuheißen. Von der Erhebung eines Zuschlages zur Rcichsfiuchtsteuer soll Abstand genommen werden, ln eingehender Aussprache wird der Etat der Wjrtschaftsstelie der Gemeinde erörtert. Der Dezernent Woyda ergänzt seine Ausführungen in der vorigen Sitzung in bezug auf verschiedene Einzelheiten. Aus der Mitte der Versammlung werden verschiedene Anregungen gegeben und Wünsche in bezug auf die Ausgestaltung der Tätig- Reit der Wirtschaftshilfe voigetragen. Die Versammlung behandelt zum Schluß noch eine Reihe von Personalangelegenheiten. Landeshut i. Schl- Den 70. Geburtstag und das 50jährige Amtsjubiläum beging der Lehrer und Prediger unserer Gemeinde, Herr Falkenstein. Der Jubilar genießt in weitesten Kreisen großes Ansehen. Leben in einer Kleingemeinde Ein Bericht aus Brandenburg _ Wenn wir die Synagogengemeinden in große, mittelgroße, kleine und kleinste Gemeinden einteilen, so zählt unsere alte Brandenburger Synagogengemeinde zu den Kleingemeinden. Denn unter etwa 60000 Einwohnern befinden sich rund 406 jüdische Seelen. Die noch immer sehr lesenswerte ״Geschichte der Juden in Brandenburg a. H.“ von dem verstorbenen Rabbiner Dr. Ackermann führt die Anfänge eines Gemeindelebens unter den Juden Brandenburgs auf etwa 1700 zurück. Trotzdem ist unsere jetzige Synagoge erst am 26. September 1883 eingeweiht worden. Viele Jahre vor dem Kriege und bis nach dessen Ende bezeichnete sich die Mehrzahl unserer Gememdemitglieder gern religiös als fortgeschritten-liberal, obwohl immer streng orthodoxe Rabbiner hier ihres Amtes gewaltet hatten. Das religiöse Leben unserer Gemeinde wurde aber nach dem Kriege insbesondere dadurch befruchtet, daß aus den an Polen verlorengegangenen Teilen Preußens fromme Juden auch in unsere Gemeinde zogen. Eine besondere Steigerung des jüdischen Lebens setzte in Brandenburg seit Frühjahr dieses Jahres «in. In 5 Abteilungen werden von unserem Religionslehrer etwa 40 Kinder (einschl. Gymnasiasten und Lyzeumsschülerinnen) unterrichtet. Er betreut gleichzeitig den Religionsunterricht der jiidischen Kinder im benachbarten Genthin. Für Kinder über 14 Jahre hat er eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet, in der nachbiblische Geschichte und Religionslehre getrieben wird. In jedem Monat wird ein Jugendgottesdienst abgehalten, und edn neu eingerichteter Kinderchor verschönt den Sabbat- Gottesdienst. Während wir in der Vorkriegszeit häufig genug Mühe hatten, selbst zu den Sabbat-Gottesdiensten die vorgeschriebene Zehnzahl zu erhalten, erfreut uns jetzt immer ein reger Synagogenbesuch, und selbst die Kinder werden angehaften, dem Gottesdienst an den Freitagabenden regelmäßig beizuwohnen. Seit dem Sommer dieses Jahres herrscht regstes. Interesse für Erlernung der hebräischen Sprache. Die neugegründete Zionistische Ortsgruppe, die 25 Mitglieder zählt und eine Jugendgruppe von 21 Mitgliedern hat, richtete zwei Sprachkurse ein, deren Mitgliederzahl 27 beträgt. Daneben leitet deT Religionslehrer zwei neuhebräische Sprachkurse mit 12 Teilnehmern und eine Arbeitsgemeinschaft gleichen Zieles mit weiteren drei Mitgliedern. — Die Zionistische Ortsgruppe hält wöchentlich drei Heimabende ab, in der jüdische Geschichte der Neuzeit getrieben wird. Außerdem hat sie die 10- bis 14jährigen Knaben und Mädchen zusammengeschlossen, die sich zu Heimnachn^ittagen und Wanderungen zusammenfinden. Chewrah und jüdischer Frauenverein sorgen dafür, daß kein Gemeindemitglied zu hungern und zu frieren braucht. Sie legen Wert darauf, daß die größeren jüdischen Wohlfahrtsverbände von uns für unsere Bedürftigen nicht in Anspruch genommen zu werden brauchen. Trotzdem beschäftigt die verantwortlichen Stellen unserer Gemeinde di« bange Sorge, wie lange unsere Synagogengemeinde sich noch einen Beamten (Kantor und Religionslehrer) wird leisten können. Diese Frag« muß auch einmal in einem solchen Bericht angeschnitten wer• den, damit die Aufmerksamkeit unserer großen jüdischen Organisationen auf diese Sorge der Kleingemeinden gelenkt wird. Es wird unbedingt nötig werden, mit größter Beschleunigung der Frage näherzutreten, außer den bereits eingerichteten Bezirksrabbinaten auch die für Klein- und Kleinstgemeinden überaus notwendigen Bezirkskantorate und Bezirkslehrer nt schaffen. Begrüßenswert wäre es ferner, wenn die großen jüdischen Kulturorganisationen Berlins es sich angelegen sein ließen, die Provmzgemeinden, auch die kleinen, mit Darbietungen zu versorgen. Das Gefühl jüdischer Gemeinsamkeit könnte dadurch nur gewinnen. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß drei jüngere jüdische Familien unserer Gemeinde im Laufe dieses Sommers nach Palästina übergesiedelt sind. S. C 0 h 11. Ctemeindearbeit in Görlitz Es ist bereits im Mai dieses Jahres möglich gewesen, eine den Notwendigkeiten entsprechende Einheit der Gemeinde herzustellen. Vorstand und Repräsentanz haben damals in einer Resolution, die den in Frage kommenden Körperschaften zugeleitet worden ist, eine neue Reichsvertretung der deutschen Juden gefordert, wie sie vier Monate später Wirklichkeit geworden ist. Gleichzeitig ist die in neijüdische Arbeit auf eine neue Basis gestellt worden. Die Palästina-Auskunftsstelle der Zionistischen Ortsgruppe ist der Gemeinde zur Verfügung gestellt worden. Aus den Anfängen der damaligen Wirtschaftsberatungsstelie ist die Abteilung für Hille und Aufbau hervorgewachseri. Ein mit gutem Resultat gesammelter Hilfstonds für nur produktive Hilfe wurde einem Kuratorium unterstellt, für welches ein Beirat unter der Führung von Frau Else Kober die untersuchenden und empfehlenden Vorarbeiten leistet. Vom Hilfsfonds ist ein Teilbetrag zur ebenfalls bereits vollzogenen Gründung einer Darlehn skasse e. V. abgezweigt worden (Leitung Herr Feldmann). Am Beginn unserer Arbeit ist ferner ein Kulturamt der Synagogengemeinde (Leitung Herr J. Herbst und Dr. F riedländer) begründet worden, dessen Aufgabenbereich die gesamte jüdisch-kulturelle Erziehungsarbeit an jung und alt umfaßt. Alle Vereinigungen haben auf eigene öffentliche Veranstaltungen verzichtet, dafür kommen alle positiv-jüdischen Richtungen auf allgemeinen Gemeindeabenden zu Wort. Bisher haben 12 Abende stattgefunden, deren Themen genannt sein sollen: 1. Palästina, Land und Leute, ein Reisebericht, Frau Else Kober; 2. Aufbau! ein Palästinareisebericht, Dr. G. Friediänder; 3. Palästinabestrebungen vor den Zeiten des Zionismus, Herr Dr. Schwarz; 4. Organisierung der jüdischen Hilfe in Deutsch-!and, ,Herr J. Herbst; 5. Theodor Herzl und Achad-Haam, Herr Dr. Schwarz; 6. Aufgaben der jüdischen Frau und Mutter, Frau Irma Levy (Breslau); 7, Palästina, Einführung in Geographie, Naturkunde und Kolonisation, Herr Werner Pese; 8. Jüdischer Leseabend, eine Auswahl aus Bibel, jüdischer Literatur des Mittelalters und der Neuzeit; 9. Lichtbilderabend, Aufnahmen der bisherigen Görlitzer Palästinareisenden mit erklärenden Worten; 10. Neue Wege der deutschen Juden, Herr Dr. Franz Meyer (Breslau), Mitglied der Reichsvertretung; 11. Heiterer Simchath-Thora-Abend, Programm von der gesamten Jugend bestritten; 12. Praktische Gegenwartsfragen, Herr L)r. Breitbarth, Syndikus des C.-V. für Niederschlesien. Anfänglich waren nur die Palästina-Abende überfüllt, allmählich erfreuen sich alle Abende eines hervorragenden Besuches der immer interessierter werdenden Gemeinde. Ueber die weiteren Abende wird berichtet werden. Vor den Nachbargemeinden Zittau und Bautzen referierte ferner Herr Ehr. Friedländer über die Bedeutung Palästinas für die deutschen Juden. — Der Jugendarbeit steht das Kulturamt helfend zur Seite. Die Sportgnippe des R. J. F. hat die Aufgabe der körperlichen Ertüchtigung■ der Jugend übernommen. Mit Hilfe ihres Sportwartes Siegbert L e w y führt sie ihre Aufgaben durch. Die erwachsene Jugend kommt regelmäßig an den Freitagabenden zur Erörterung ihrer Probleme zusammen. Diese Arbeit ist noch im Werden, Es bestellt ferner ein Snif-Hechaluz (Vertrauensmann E. Kupferberg), der alle Hachscharah-Arbeiten betreut. Durch Vermittlung des Rabbiners Dr. Krakauer ist es gelungen, fünf Chaluzitn und Chaluzoth auf der Ackerbauschule in Trautenau unterzubringen. Leider ist die Einstellung von Handwcrkerlehrlingcn nicht möglich geworden. Landwirtschaftliche Ausbildungsstcllen zu beschaffen, liegt im Rahmen unserer derzeitigen Bemühungen. — Die Schuljugend kommt neuerdings am Sehabbath-Nachmittag unter Leitung des Rabbiners zusammen. — Das Kulturamt hat sich ferner in Gemeinschaft mit dem Rabbinat und dem Gemeindevorstand mit dein gesamten jüdischen Unterrieht befaßt. Als ein bisheriges erfreuliches Ergebnis ist die Einführung von wöchentlich zwei P f 1 i c h t s t u n d e n Neuhebräisch fiir die gesamte Jugend zu buchen. — Sprachkurse für alle Altersstufen sind gleichfalls am Beginn unserer Arbeit eingerichtet worden, und zwar für Hebräisch, Englisch, Französisch. Hebräisch wird ferner auch im Einzelunterricht gelernt. Den gesamten hebräischen Unterricht erteilt mit großem Geschick Herr Kantor 1 lalpern. So erfreulich das Ge ״im Ibild der begonnenen Arbeit sein mag, dennoch sehen wir mit gewisser Sorge in die Zukunft. Die an sich, auch wirtschaftlich., schwache Gemeinde hat bereits 13 Familien und zahlreiche Einzelpersonen, darunter jugendliche kaufmännische Angestellte, durch Abwanderung verloren, weitere werden folgen. Vier Familien sind nach Lrez Israel übergesiedelt. Den Einzelnen, die, z. T. führend, an jüdischer Arbeit teiigcnoiiinien haben, ־sagt die Gesamtheit an dieser Stelle Dank, alle aber begleiten beste Wünsche. _ ' Dr. F. Ein altes zionistisches Zentrum Brief aus Stolp In der hiesigen etwa 400 Seelen zählenden Gemeinde hat nicht erst seit der Schicksalswende der deutschen Juden der Zionismus und die Palästina-Idee ihren Einzug• gehalten. Einer der ersten zionistischen Vorkämpfer unter den Rabbinern Deutschlands, der bekannte Verfasser des Werkes: ״Das Judentum am Scheidewege‘■, I )r. Max Joseph, wirkt hier seit etwa 30 Jahren als Gemeinderabbiner. So hat sieh schon seit Jahrzehnten ein großer Teil der Jugend dem ,Zionismus angeschlossen. Die Zionistische Ortsgruppe hat seit vielen Jahren die Werbung für unsere Idee und für die praktische Palästina-Arbeit in unserer Gemeinde gepflegt. Seit einigen Jahren besteht daneben für die Jugend eine Gruppe des Makkabi-Hazair in Stärke von etwa 50 ,Mitgliedern. Diese umfaßt die zionistische Jugend von 10—25 Jahren. Mit Hilfe der älteren zionistischen Freunde hat der Makkabi im Juli dieses Jahres ein Jugendlager an der Ostsee in einem Fischerdorf durchgeführt. Lieber vier Wochen lebten dort etwa 25—30 Jungen und Mädchen in ihrem Camp, fanden Erholung am Strand, in der See und im Walde und konnten im gemeinschaftlichen Erleben dieser Wochen ihr jüdisches und zionistisches Wissen und ihre innere Verbundenheit unter Leitung der Lagerführer bereichern. Auch einige Mitglieder der Makkahi-Gruppen aus den Nachbarstädten Lauenburg und Schlawe nahmen an dem Lager teil. Von Stolp aus ist überhaupt der zionistische Gedanke in diese und andere Nachbargemeinden getragen worden; meist mit erfreulichem Erfolg. In der Jugendgruppe und unter den älteren Zionisten wird fleißig hebräisch gelernt, Die Artieit für den K K L hat erfreuliche Ergebnisse gebracht. Die Tischri-Aktion bat etwa 900 RM. ergeben. Die Ortsgruppe hält etwa monatlich eine Veranstaltung ab, welche in letzter Zeit durch Mitwirkung des Makkabi bereichert wird. In den Nachbarstädten sind von hier aus im Sommer Herzl-Feiern abgehalten und auch andere Vorträge gehalten worden. Mit Beginn der Winterarbeit werden wiederum die Nachbargruppen von Zeit zu Zeit besucht. Aus dem Kreise der hiesigen zionistischen Jugend befinden sich 10 junge Leute und Mädchen auf HachscT.arah in Deutschland, Dänemark und der Tschechoslowakei, fast sämtlich in der Landwirtschaft. Verschiedene Familien unserer Ortsgruppe sind bereits nach Erez Israel gegangen; andere bereiten ihre Alijalt vor. Die hiesige Arbeit wird dadurch begünstigt, daß die Synagogengemeinde in ihrem Haus ein Heim für die Jugend eingerichtet hat. Dieses wird fleißig von ■der zionistisehen und auch von der übrigen jüdischen Jugend zu ihren Zusammenkünften benutzt. Die Gemeinde hat mit Unterstützung der jüdischen Vereine im Frühjahr, als der Jugend Turnhalle und Sportplatz fehlten, Gartenarbeiten eingerichtet, bei weichen die Jugend unter Leitung eines Gärtners die Anlegung und Anpflanzung eines Gemüsegartens erlernte. Die eifrige Arbeit der Jugend an allen Nachmittagen hat gezeigt, daß' für diese Betätigung viel Lust und Liebe besteht. Manche Anfangskenntnisse im Gartenbau konnten der fugend vermittelt werden. Die Freude hieran fördert den Willen zur Berufsumschichtung weit mehr als logische Erkenntnisse. Für Zwecke der Berufsum- Schichtung hat die Gemeinde einen Betrag zur Verfügung gestellt, durch den es möglich sein wird, Zuschüsse zur Erlangung von Lehrstellen in begrenztem Umfange zu gewähren. Der Vorstand der Gemeinde hat die Tätigkeit der_ hiesigen jüdischen Vereine, die sich der sozialer, Fürsorge widmen, in der ״W irtschaftsstelle der Synagogengemeinde Stolp“ zusammengefaßt. Eine einheitliche und planmäßige Verwendung der vorhandenen Mittel im Sinne von ״Hilfe und Aufbau“ ist damit gewährleistet. __ Dr. A r o n. Hamburg. Hier bildete sich aus erwerbslosen jüdischen Mitgliedern Hamburger Theater kürzlich eine Gemeinschaft jüdischer Künstler, die in Anlehnung an die Grundzüge des Kulturbundes Deutscher Juden regelmäßig Theateraufführungen durchführen will. Vergangene Woche wurde die Vor• stellungsreihe mit Shakespeares Lustspiel ״Was ihr wollt“ eröffnet. Trotz der technischen Schwierigkeiten — der Gabriel Riesscr-Saal des Tempels kann nur als Notbehelf gelten! — die z. B, in der Aufeinanderfolge der Szenen fühlbar wurden, verstand es Regisseur Willy Krus/insky, eine geschlossene Darstellung zu bieten. — Ä!1 die Aufführungen schloß sich erstmalig ein Kammerkonzert, das von den Damen Hertha Kahn (Geige) und Hertha von Son (Klavier) bestritten wurde. Die Programmfolge brachte Beethoven, Mozart und Brahms. S.-—n. (Zusammenfassende Berichte über jüdische Gemeinden erschienen vorher in Nr. 75/76, 83 und 87 der ״Jüd. Rundschau“.) L