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Jüdische Rundschau · 1933-11-10 · Heft 90 (10.11.1933) · p. Seite 785

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 90 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
Seite 785 (sequence 5)
Language
German
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33 Nr. 90. 10 XX 1933 jüdische Rundschau Seite 783 n icitcr* von blutig denen 1 Oe- ו uns 09 au indet! versehn- 1 ein- Aufseiner :!ringt :g der ichkcit eben!!, ic wir Sieges :s r;!- unser (! Be- ,bauen,!echtes n.anden an ihn stimme he, so ab von Volk! iben in fand, Ucbles. ׳t wern Weg eg des ib’t und 1 ihnen Lande, Schätze htstrahl c i s י I Symbol seinen! ist, mit es Irak großer in, Frau Lehrere s t i n'1 ׳ Vater, war es-, m jeder in hat!« •te, daf! ׳c etwas 11 r Her-׳, da ver- Er ver- und die eten mit irers mit m Tode age den icn Zciicnen. mng m 7. Nolungsv kys Ver• , in der aupt nur und der Iler iibri■ htsanwalt Analyse 1, die er B. an!!e-? geh«, '• uis einen die leienuchte der wies, da» iffa keiminnt wer■ : r t c i di* I am Vor• rcilassimg 1e ,,nrinn itis f:iluü Juli sier Roscnlilatt liger -Avl'.i! Beweise konnten. :ichmmgJ livid .1 ־- ' ß das Oe irund vo:!er Artike schw&ru;!■ lUSfülmn'jl nicht;׳!:I II daKegej 1 auf de® 1ard B 0 r mstiindipe aluzim af• eingestellt 1g teil 11 cd ork wurdj ernhard 5 Die Rede im Gottesdienst Von Rabbiner Dr. Max Wiener. Wir haben in Nr. 8-1 und 87 der ״Jüd. Rundschau‘ zwei Beitrüge zum Thema der Predigt unserer Zeit veröffentlicht. die großes Interesse gefunden haben, ln den nachfolgenden Ausführungen Rabh. Dr. Wieners wird dieses Problem unter anderen Gesichts!tunkten grundsätzlich aufgcroUt. (Red.) Was Gottesdienst als Lebcnsäußerung von sonstigen Bekundüngen unserer geistigen Lebendigkeit unterscheidet, das ist die Herausgchobenheit, die Sonderung; von weltverflochtenen Offenbarungen menschlicher Persönlichkeit. Er ist zu allererst die Anerkennung einer göttlichen Ucbcnvelt, das Verweilen in ihr, das Bekenntnis zu einem Sein, das irdisches Sein umfängt oder überhöht. Einkehr und Buße, Bitte und Dank, dieser geläufige Inhalt unserer Gebete, der aus dem welthaft irdischen Material unserer Schwäche und Bedürftigkeit, aber auch unseres Kraftgefühls und unserer triebhaften Hoffnung gewebt ist, all das wird sinnvoll nur durch den Bezug auf einen jenseitig e n A n k n ii p f ti n g s p 11 n k t, Und wie sehr der Gottesdienst — und ganz gewiß der italische — den Menschen mit der Kraft ausrüsten will, zu dem uns umbrandenden Leben die rechte Haltung zu finden, so ist diese wcltzugewcmlete Seite und erstrebte Wirkung doch eben nur ein — gewiß sehr wichtiges — Nebenprodukt, nicht aber das Wesen, das durchaus Ergriffenheit vom transzende 11t Göttlichen bedeutet. Man hat in der Auseinandersetzung zwischen dem nationalen Judentum und dem liberalen Bestreben, das Judentum •zu einer abstrakten Bekenntnisreligion zu stilisieren, häufig darauf hingewiesen, daß unser Gotteshaus, die Synagoge, ja eigentlieh ein Bet-liaknesset, eine Versammhmgshalle, ist, in der alle gemeinsamen Angelcgcniieiten der Gemeinde, nicht mir die des gemeinsamen Gebetes, ihren Platz zu finden haben. Das heilentet aber natürlich nicht, daß der Gottesdienst der Ausdruck des jüdischen Gemeinschaftswillens schlechthin wird, sondem könnte eher als Analogon zu dem alle Daseinsbezirke in Anspruch nehmenden Religionsgesetz den Sinn haben, daß das Judentum dazu neigt, alle seine gemeinsamen Aufgaben vom religiösen Zentrum her zu erleuchten. Man mag persönlich Religion bejahen oder verneinen; man soll aber ihre Härte lind Schroffheit, ihre aus Weltjenseitigkeit entspringende Lebensfremdheit sehen und ihren Kern auf keinen Fall ״zeitgemäß" machen wollen, das heißt auslaugen und auflösen. Diese Binsenweisheit muß jeder Betrachtung über eine mit dem Gottes glauben in Berührung stehende Frage vorausgehen, auch einer Erörterung über die Red e, mit der der Prediger den eigentlichen Gottesdienst unterbricht oder vielmehr nicht unterbricht, sondern ergänzt. Für diese Rede ist es kein Lob, sondern ein Tadel, wenn man von ihr sagen könnte, daß sie überall am Platze gewesen wäre. Was überall hin paßt, paßt nir״ gends hin; und auch die schwersten Erschütterungen, die wir erfahren, deren Wellen sich selbstverständlich durch unser ganzes bewußtes Leben hindurch fortpflanzen, dürfen jene grundsätzliche Voraussetzung der Bezogenheit auf das Transzendentc nicht von ihrer zentralen Stelle wegrücken. Warum ist Religion wesenhaft konservatlveSeelenhaltung? Weil die stete Hinkchr auf das eine und seibige Ewige, dem ja alle Theologie, als Grundprädikat die Un- Wandelbarkeit zuerkennt, einen breiten Raum des Statischen, der geruhigen Lebendigkeit, in dem ihr hingegebenen Menschen schafft. Im Anfang war die Offenbarung; die wichtigste, nämlieh die göttliche Wahrheit, ist vom Beginn her der religiosen Gemeinde vertraut, die eben darum in ihrem Ur- Sprung zugleich den Höhepunkt ihrer Geschichte erlebt. Alles, was sie erfährt, ist ja nur Amvendüng, Bekräftigung, Erfüllung dieser Wahrheit. Und der Prophet kündet nicht eigentlich die Zukunft voraus, sondern verhei&t nur die Bewährung des von Anfang an geltenden und allen wohlbekannten Wortes, das von Gott her ergeht für alle kommenden Generationen. In keinem Lebensgebiet wird mit den Jahrtausenden, mit den Aeonen,, so freigebig timgegangen wie in dem religiösen. Das heißt aber nicht, daß konkret geschichtliche Zeiträume entgrenzt, in eine zeitlich erlebbare gevaltige Weite ausgedehnt werden; sondern genau umgekehrt: die ״Ewigkeit“, die Fülle der Aeonen, Ist nur ein Symbol der Zeitlosigkeit. In jedem Nun ist die ganze und volle göttliche Wahrheit gegenwärtig- Es geschieht überhaupt nichts, w׳as zu seinem Vollzug Zeit brauchte. Das, worauf es ankommt, die göttliche Realität, Ist immer da, nicht geworden; nicht vergehend; und was jenseits ihrer liegt, das ist überhaupt nichts, das ist Selbsttäuschung, Schein, Trug, Lüge. So spricht ganz offen und uneigentlidi mystische Religiosität. Aber alle Ver- Senkung in den reinenSinn des Religiösen fühlt sich am Rande solcher Stimmung und urteilt von hier aus über die Dynamik des natürlichen Lebens, Die gottesdlenstüeheRedefst nur dann ein leg!- times Bestandstück des Gottesdienstes, wenn sie der Hauch solchen Geistes durchweht. Die Richtigkeit dieses Prinzips ist leicht einzusehen. Aber über Prinzipien läßt sich meistens leichter Einstimmung erzielen als über ihre verständige und erfolgreiche Durchführung. Die Hörer, die doch im allgemeinen weder Mystiker, noch in ihrem Hauptberuf Ringer um eine Weltanschauung sind, sondern Leute, die im Gotteshaus für eine kurze Weile ihr Tagesgescbäft unterbrechen, sollen hier das Bewußtsein vom Ewigen empfangen oder von neuem in sich geweckt fühlen. Insofern hat die Predigt nur fortzusetzen, was der dauernde Rhythmus des schon durch die hebräische Fassung aus der profanen Nachbarschaft herausgestelltcn Gebetswortes im geschlossenen Kreislauf des liturgischen Kalenders vollbringt. Die Rede hat der Gemeinde zu geben, was die Gemeinde hören soll; aber die Gemeinde wird nur zuhören, wenn das Dargebotene zugleich ihr Interesse fesselt. Hebräischer Gebetstext, Bibelvortrag tragen ihre Autorität in sich selber. Der Chasan erfüllt seine Pflicht, wenn er nichts anderes sein will als ihr sachkundiger Dolmetsch. Mehr ist da weniger. Die freie Rede entspringt der Persönlichkeit, ihrem Können oder Versagen. Aber sie ist eben nicht fr eie Rede schlechthin, das einzelne Produkt eines hier und jetzt Sprechenden mit der Bedeutung, die sich in dieser Unmittelbarkeit erschöpft, sondern Ausdruck der Autorität des Rabbiners, des Vertreters der jüdischen Sache. Und so ist sie, was immer sie in sich enthalten mag, immer zugleich in dessen allgemein jüdischer und religiöser Haltung gegründet. Und das ist etwas, was nicht nur im Hinblick auf den Rabbiner selbstverständlich ist, sondern was vor allem in bezug auf die Hörer selbstverstündlich sein sollte. Denn die Hörer sind nicht Hörer schlechthin, ein zusammengelaufener Haufe, ein ״Publikum“, das sich in dieser Zusammensetzung ein einziges Mal beieinander findet wie zu einer Zirkusvorstellung oder zu einem Boxkampf, — vielmehr( sind sie oder sollten doch sein eine Gemeinde, ein Kreis von Menschen, der durch grundsätzlich gemeinsame religiöse Gesinnung eine Gemeinschaft bildet, eine Gemeinde, die Woche um Woche, Jahr um Jahr in dem gleichen Gotteshaus sich ein findet, die sehr viel mehr aus Eigenem in eine solche Versammlung mitbringen muß als ein Publikum, das in eine Volksversammlung oder in ein Theater geht, um Sensationen oder Genüsse exquisiter Art sieh ״darbieten“ zu lassen. Alks muß iin Gotteshaus auf Regelmäßigkeit, Gleichmaß, ummterhrochencn Rhythmus, auf Patina ausgerichtet sein, so das Ewige, den Inhalt der Religion, versinnbilderid. Daraus folgt nicht, daß in bezug auf die Rede aus der Not der Langweiligkeit hier eine Tugend gemacht werden soll. Wohl aber heißt (las, daß Atmosphäre und Milieu des Gotteshatises wie der Charakter der gottesdienstlichen Gemeinde und das Amt des Rabbiners eine Rede ermöglichen sollen, die von ganz anderen Dingen handelt, als Drang und Bedürfnis des Tages dem in seiner Nervosität immer um dieselben Dinge kreisenden Geist des Menschen nahelegen. Eines der wichtigsten hiologischen Ergebnisse echter Religiosität beruht darin, daß sie jene nervöse Hast, das sinnlose Sorgen tun Unabänderliches niederschlägt oder erst nicht aufkommen läßt. Das folgt aber nicht erst aus dem Gehalt des Glaubens, der Gott alle Dinge anhcimstcllt, weil er alles schon zum besten lenken wird; sondem es ist die viel allgemeinere Funktion des Religiosen, das alle welthaften Wichtigkeiten am Maßstab des Ewigen inißt und dann nicht mehr ganz so wichtig findet. Aber gewiß, Ewigkeit ist kein greifbares Ding, Ewigkeit ist eine Haltung des Geistes. Und die kann sich mir an der Art bewähren, wie zu den vorüberrauschenden Sachen und Ereignissen Stellung genommen wird. Das ist das Besondere, was die gottesdienstliche Rede aus den übrigen Teilen des Gottesdienstes heraushebt. Und liier kommt die Aktualität zu ihrem Recht. Wenn Menschen wie wir deutschen Juden heute die A11 flösttngder Daseinsgrundlagen erleben, die die meisten unter 11ns vor kurzem noch als unerschütterlich empfanden, so wollen wir im Gotteshause menschliches und jüdisches Geschick sub speciae aeternitatis sehen. Und der Rabbiner wird sich von dem jüdischen Politiker schlechthin durch die besondere Note unterscheiden, daß er nicht bloß das Jüdische an diesem Geschick sieht und die praktisch richtige Haltung durch seinen Einfluß zu erwirken strebt, sondern daß er unser Erleben an den klaren Normen der zeitlos gültigen Gebote der von Gott verkündeten Wahrheit mißt. Daß diese Tätigkeit nicht eins ist mit der Verbrämung seiner Rede mit mehr oder weniger sinn!- gen Bibelzitaten und Beschwörung der alten Weisen, ist klar. Wie überhaupt der Prediger sich vor nichts mehr zu hüten hat als vor dem ״Predigen“, jener Produktion von erbaulich klingenden Worten, deren großer — psychologischer — Fehler In ihrer auf der Hand liegenden Unbestreitbarkeit liegt. Das Ewige, tausendmal Gesagte sozusagen, daß es so neu und frisch erscheint, als ertönte es zum ersten Male, das ist seine Aufgabe, seine Pflicht gegenüber der Gemeinde, vor allein aber seine Pflicht und sein Recht gegen sich selbst. Denn nur das, was auf einen selbst durch seine Unabgebrauchtheit wie eine Offenbarung wirkt, nur das kann auf die Dauer die gleiche Wirkung auf die Hörer haben. Gefallen muß darum die Rede zuallererst dem Redenden selber; gefallen nicht ln einem ästhetisehen oder in dem noch niedriger stehenden Sinne des Erfolgverjieißens, sondern in der Bedeutung, daß der Redner in seiner Redesich selber etwas klar macht, was er vorher mit dieser von ihm selbst erlebten Gefühlswirkung nicht erfahren. Der Redner ist sein allerwichtigster Hörer. Er darf aus diesem Grunde über nichts sprechen, was nicht vor allem ihn selbst tief interessiert. Findet er hierfür die geeignete Form und den pädagogischen Weg, dann wird er seiner Aufgabe vollkommen gerecht. Denn es ist ein ganz wunderbarer Zusammenhang, der von persönlicher Ueber/eugtheit her die Herzen der Angeredeten mit Willen und Gemüt des Redners verbindet. Hält doch der gottesdienstliche Redner in Wahrheit einen Monolog, an dem er die Gemeinde teiliielunen läßt. Problematische Kritik Zu demselben Thema erhalten wir ferner folgende Zu- Schrift von Rabh. Dr. Joachim Prinz, Berlin, zu der wir bemerken, daß keineswegs eine ,,Rezension“ der Vredigten beabsichtigt war. (Red.) In Ihrer Nr. 87 hat einer Ihrer Mitarbeiter unternommen, einige Predigten Berliner Rabbiner kritisch zu betrachten. Jeder der amtierenden Rabbiner setzt sich mit allem, was er sagt, der Kritik der Menschen aus, zu denen er spricht. Wird aber die Rezension von Predigten zur Angelegenbeit einer jüdischen Zeitung gemacht, dann ergibt sich neben anderen Mißständen, von denen liier nicht zu sprechen ist, eines, worauf hier hingewiesen sei. Die besondere Struktur der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat uns zu W a n d e r p r ed i g e r n gemacht. Statt daß jeder Rabbiner seine Gemeinde hat und dort predigt, weil ja die Predigt auch den persönlichen Kontakt mit der Gemeinde voraussetzt, ist der größte Teil der Berliner Rabbiner verpflichtet, in mehreren Synagogen zu predigen. Vor allen denjenigen, die sich bemühen, aus der Berliner Gemeindeorganisation eine Kehilla und aus dem Publikum eine Gemeinde zu machen, wird dieser Zustand auf das tiefste bedauert. Es liegt ihm nämlich ein Begriff zugrunde, der in der religiösen Sphäre keinerlei Zu- Ständigkeit hat, nämlich der Begriff der ״Abwechslung“. Diese Sucht, dem Publikum Abwechslung zu verschaffen, hat in die Predigt Akzente hineingetragen, die sie einfach nicht verträgt. So wird um des ״Publikums“ willen die Predigt in einer schon unerträglichen Art an den Prediger gebunden und wird so mehr eine Angelegenheit seiner Person als der von ihm vertretenen Sache, Darunter müssen notwendig Niveau der Predigt und der Prediger persönlich leiden. Ans der ruhigen, kontinuierlichen Arbeit wird der sensationell aufgebaiischte, von der Person des Predigers abhängige ״rednerische Genuß“. Dieser Zustand aber erstickt im Grunde genommen jede echte religiöse Wirksamkeit. Unternimmt es nun ein Blatt vom Range der ״Jiid. Rundschau“, diese Predigten gar noch zu rezensieren, dann wird aus den Gottesdiensten vollends eine Th e a t e r - V c r a 11 s t a I - tung und man muß sich da sehr hüten, der Laune und dem Wohlwollen des Herrn Rezensenten keine Gelegenheit zur abfälligen Kritik zu geben. Ich füge hinzu, daß man sich überlegen mag, welches peinliche Gefühl für den ״gelobten“ Prediger entsteht, wenn er sich einem weniger gelobten Kollegen gegenüber sieht. Dr. J. Prinz. Eine jegliche Zeitspanne, eine Jegliche Geschichtsperiode, hat Ihre Aufgabe und insbesondere In Zeiten weltgesdiichtlidier Hochspannung - und unsere Epoche ist saldier Art — helfet es für das ״Haus Israel": Sammlung vom Israel, Neufundieiung der Metropole seiner yveltgesdiiditli dien Kolonlsalions- und Missionswerke. In soldien Zelten sucht die HebrSernotion, diese Urnation der Weltkultur schlechthin, sucht die Seele des Judentums dos jüdische Volk, ihren Körper aufs neue zu stöhlen und wahrzunehmen. Und unser Blick richtet sich natürlicherweise auf des Land hin, wo selbst der universelle Bundesgcdonke des Volkes zur Welt kam, zurück, zum Ausgangspunkt unserer Geschichte, ohne jedoch der Wege zu vergessen, die wir gegangen sind. David Haigen Aus ״Das Haas Israel“ Die Beerdigung von Ludwig Tietz Die Beerdigung von Ludwig Tietz. 11m 8. dieses Monats in Weißcnsee gestaltete sieh zu einer überaus eindrueksvollen Truuerfcicr, :1(1 der alle Schichten des jüdischen Herlins teil nahmen. Line unabsehbare Menschenmenge hatte sich eingefunden, darunter sehr viele Jugendliche, die in dem Verblichenen ihren Führer sahen. Alle repräsentativen jüdischen Organisationen waren durch Delegationen vertreten. Die Traucrhulle konnte die Schar der Trauergaste nicht fassen, so dar noch außerhalb der I lulle .sieh die Menge staute. L’eher dem Sarg sah man die Paniere der jüdischen •lugendvcrhüinle. darunter auch das Panier mit dem gelben Fleck, das eine jiidisrhe -lagendv ercinigung sich erwählt hat, um zu /.eigen, daß die als Kntehruiif» gemeinte Stigmatisierung von der heuo'gen jüd ßchen Jugend zu einem Ehrenzeichen gemacht wird. Diese Einstellung ci'tspricht auch der Gesinnung, zes de!׳ Ludwig Tietz sieb durchgerungen hatte. In der Trauerliulle hielt Itahbiner Dr. Leo Hacek zanächst einen warmen Nachruf. Sodann spracli namens des Contra!-Vereins dessen Vorsitzender, Justizrat 1$ rodnitz, und namens der Jugendverbände Dr. Herrn,um G er son. Itn Anschluß an die in unserer letzten Nummer veröffentl ichtcn Kundgc l> u n g c n j ü d i s c h c r () r g a n i s a - (tonen und Verbände anläßlich des Ablebens von Dr. Ludwig Tietz sind uns noch eine Reihe weiterer Kund,- geklingen zugegangen, die der Trauer um den schweren Verlust des deutschen Judentums Ausdruck verleihen. Darunter befindet sich eine Trauerbotschaft des Preußische« Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, des 11ilfsvercins der deutschen Juden, des lleichsverbandes <ler jüdischen Jwgcndverbündc•. Die Zionistische Vereinigung für Deutschlancl hat an den Zentralausscliuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, sowie an den Central-Ycrein dcutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens anläßlich des Ahleben» von Ludwig Tietz Kondolenzbriefe gerichtet, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß die deutschen Zionisten, ganz abgesehen von ihrem Ameil an dem Schmerz des deutschen Judentums, in dem Verblichenen einen Freund betrauern, der aufrichtiges Verständnis für das Aufbau, werk in Palästina gehabt hat. Die Exekut ive der Jevvish Agency bat aus London an den Zentralausscliuß ein herzliches Beileidstelegramm gerichtet. Auch von Dr, Martin Rosenblütli ist aus London ein Beileidstelegramm cingcl uufen. Dr. Wcizmnnn hat aus London an Dr. Leo Hacek folgemles Telegramm gerichtet: ״Ich bin tief erschüttert durch den tragischen vorzeitigen Tod von Ludwig Tietz, den ich als einen der glänzendsten und hingebungsvollsten Jugendliehen Führer des deutschen Judentums kannte. Nehmen Sie Bitte den Ausdruck meines wärmsten Mitgefühls und übermitteln Sie auch den Angehörigen me-ine aufrichtige Kondolenz zu ihrem iurchtbaren Verlust. Ludwig Tietz wird uns allen bitter fehlen." Antrittsvorlesung Professor Torczyiiers In Jerusalem Jerusalem, ö. November. (J. T. A.) Am 5. November fand an der Hebräischen Universität Jerusalem die feierliche Inaugurierung der C h a i m N a c 1! nt;1 11 Ri ,1׳ I i k - L e 11 r ■ k a!1 z e I f ti r 11 e h r ii i s e It e S p 1־ a e 11 e statt. Die Mittel zur Errichtung der Lehrkan/c! waren von der vor kurzem gegründet en Gesellschaft der palästinensischen F re ׳.!!ule der Hebräischen Universität zur Verfügung gestellt worden. Die Eröffnungsansprache hielt der Kanzler der Universität Dr. Juda L. Mag 11 es. Fr erklärte, die neue Lehrkanzel sei nach Bialik nicht nur deshalb benannt worden, weil der!lichter geradezu eine Personifizierung der hebräischen Tradi'ion von den frühesten Zeiten an bis auf die (iegenwart sei, sondern auch deshalb, weil Bialik unermüdlich an der Bildung der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität gearbeitet und die Führung der Gesellschaft iih!,rnomtnen iin he. Die Antrittsvorlesung hielt der Inhalier der Lehrkanzel Professor Noah Harry Torcr.ynor über ״Ti.-senschaftliclie Arbeit auf dem Gebiete des hebräischen Wortschatzes". Professor Torczyner, der liis vor kurz cm in Berlin wirkte, wurde 18S6 als Sohn des Chowew-Zion Eisig A. Torezyner geboren. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er an der Wiener Universität und am Wiener Seth Hamidrasch unter der Leitung von Rektor Schwarz. Nach seiner Promotion zum Doktor der Philosophie int Jahre 1<)!V> setzte er seine assyriologischen und jmlaisti«che11 Studien in Wien und Berlin fort. Er war der erste Dozent der Wiener Universität für modernes Hebräisch. Von 1011 bis K)B war er Lektor am Hebräischen Gymnasium in Jerusalem. 101<) lihernahm er den Moses-Mendelssohn-Lehrstuhl für Ribeh'orschung und semitisehe Sprachen an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. 1020 hielt er sechs Monate lang Gastvorlesititgen am Jewislt Institut of Religion in New York. Er hat eine große Zahl wissenschaftlicher Schriften veröffentlicht und einen Band Aehad Hnam ins Deutsche übersetzt. * London, 8. November. (|. T.A.) Das Kuratorium der Hebräischen Universität zu Jerusalem hat eine Kommission eingesetzt, die demnächst nach Jerusalem entsandt werden soll, um eine genaue Untersuchung der organisatorisehen und technischen Verhältnisse an der Universität durclizufiiliren und Pläne für ihren weiteren Ausbau, insbesondere im Hinblick auf die geplante Berufung deutschjüdischer Gelehrter an die Universität ausznarbeiten. Auf Grund des Berichtes dieser Kommission wird das Kuratorium die notwendigen Maßnahmen zur Reorganisation der Universitat treffen.

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