Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-11-10 · Heft 90 (10.11.1933) · p. Seite 783

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 90 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
Seite 783 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653813--24352-2687297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

933 Nr. 90, 10 Xf 1933 führen, nippen :aß die :nd die iciniers n, daß aß daischen“ :11 r das iber er /erkehr Eigenht. Er gelang in den in der is Rußseiligen fiir die;tischen dschaftführte. idisches lanitiits- :ine gut Bi bl ioolonisa- Stellen, e Motz- 1 in den nt; war enz, der inferenz Wurzeln udenten Zeit der Ein un- Redner, den ab- Wogen mg von len. Die 3er vielauf dem eit. Das delte es sie Ver- 1 Instru- 1 sollte, ne ungcliingeris- Tribüne :rzl dann fod des ilen, na- Jugend- 1er, von heißung, selbstlos 11t einem hau fand : Trauer- 1 Körperer Präsi- Jcwish litutionen dauweiße er wurde Tag einirbeit für mit sich eien Tag 1 ein bril- :eit seines 3 gespro• ir ihm zu :smännern sammln: Eifer und schale zu rn irgend handeln, :11 pflegte, rglist, ein ennten, in der Very. Er, der nng. 1g an sich n Lebens• gen. Dort md seiner der wohlgen seines emler <!e- : hinderten;alt seinen! cn Namen ssfimrmind 1 benannte rotz seiner ns bestand den seinen verbitten: ihn mitter. 51ge, ab/. Rede md äger, doch t verzichte■ jericliEä ' kam er ir cn Spruch: :fimowiisch ed nec־ nes Volke?• die Seele» S. ח Weizmanns Gedenkrede Trauerfelcr in London London, 8. November. (J.T. A.) Nach dem Eintreffen der Nachricht vom Tode des Präsidenten des Zionistischen Akfions-Comifees, Leo Motzkin, traten die in London anwesenden Mitglieder der Zionistischen Exekutive und die Beamten des Hauptbüros der Weltorganisation zu einer Trauersitzung zusammen. Dr. Chaim Weizmann hielt die Gedenkrede. ״Es ist für mich, führte Dr. Weizmann aus, besonders schwer, über Motzkin alles das zu sagen, was ich über ihn zu sagen hätte. Mein Lehen ■war mit dem seinen von den ersten Anfängen unserer Arbeit in der zionistischen Bewegung an verbundeil. Ich traf ihn נוע erst in Berlin. Er war weit viel• seifiger als irgendeiner von uns; i!1 der zionls isclu-n Bewegung Rußlands hatte er sich viel stärker betätigt als wir, die wir außerhalb Rußlands lebten. Die russ'sclieri Zionisten betrachteten di« Gegenwartsarbeit als einen integralen Teil ihres Programms,, ein Punkt, in dem wir z. B. uns von ihnen unterschieden» Sein Weg in der zionistischen Bewegung war einzig• artig; alle allgemeinen jüdischen Probleme beschäftigten ihn und, er widmete sich ihnen aus vollem Herzen. Eine seiner hervorragendsten Leistungen war der Vortrag, aen er aut dem zweiten Zionistenkongret) über Palästina hielt, tr war. im Aufträge des Kongresses nach Palästina gegangen eind mit einem Bericht zuröckgekommen, der in jeder He- Ziehung glänzend und nicht nur von großer Liebe, sondern auch von großem Mut erfüllt war. Zum zweitenmal kan! ich mit ihm in Kontakt, fuhr Dr. Weizmann fort, anläßlich der Bildung der ״Demokratischen Fraktion“ innerhalb des Zionismus. Dies: trat damals in Üpposition zur herrschenden politischen Richtung in der Bewegung. Aber.sie .war eine sehr fcsunde Opposition und unterschied sich in dieser Hinsicht von derjenigen, die wir heute haben. Zum drittenmal kam ich mit ihm im Ziisamincuiian ׳ mit dem Uganda-Projekt jn Berührung, und auch hier ginnen unsere Meinungen auseinander. Später stand ich mit ihm in Verbindung im Zusammenhang mit der wertvollen Arbeit, die er im Dienste der Erneuerung des Palästina-Gedankens leistete und schließlich in der zionistischen Arbeit der Nachkriegszeit, einer Arbeit, an der Motzkin in jeder Hinsicht hervorragend beteiligt war. Gleichzeitig arbeitete er im Komitee der jüdischen Deicgafionen. Sein ganzes Leben war erfüllt von Arbeit, Reden, Debatten und dem allgemeinen Kampf gegen assimilatorische Einflüsse. In seinen zahlreichen großen Le'siungen hat er sich selbst ein Denkmal gesetzt. Ich brauche mir das nach dem Kischinevver Pogrom geschriebene große Werk über .,Die Judenpogrome in Rußland" zu erwähnen, das eine jahrelange schwere Arbeit erforderte. Motzkin war ein Manu von vielseitiger und timfangrci T!«r Arbeit. Sein Tod hat daher eine empfindliche Lücke im jiidisehen Leben zuriickgelasscn. Fiir uns ist sein Hingang Signa! zum Aufbruch. Wir müssen die Arbeit fortführen; die zionisfiseh« Bewegung macht eine schwere Zeit <1111x11, eine Zeit des Hinauf und Hinunter, wie wir solche: Zehen schon früher erlebt haben. Ich hoffe, da!! das ״Hinunter•‘ die-,mal ein kurzes sein wird, Wir werden Motzkin schwer vermies '11, aber um der Ehre seines Namens und seines And/nkcns wi len!unsren wir weiter arbeiten.“ Nach Weizmann gaben noch Bcrl Locker, Prof. Biodetsky und Dr. Victor Jacobs oh 11 der tiefen Trauer Ausdruck. Der Eindrude in,Paris s. n. Paris, 9■ November 1033. Kurz nach dem knapp vor Mitternacht vom 6. auf den 7. November erfolgten Tode Leo Motzkins kamen bereits verschiedene Gesinnungsfreunde und Mitarbeiter d s Vorstorlienen ins Traiierhatis, wo Motzkin, der in einem Se srl vom Tode überrascht wurde, bereits aufgebalirt lag. Am Dienstag, dem 8. November, kamen zahllose Freunde und Verehrer des Verstorbenen. Um 5 Ulir nachmittags fand im Hause von I. Naiditsch, einem der vertrautesten Freunde Leo Motzins, eine Trauerversarnmlting von eiligst lierbeiperufencn Vertietcrn verschiedenster Organisationen s att. Naiditsch eröffnete die Trauerkundgcbung und Dr. Markus!: 11 r e!1 p r e i s, Oberrabbiner von Stockholm, hielt als Studienkamerad des Verewigten aus dessen Berliner Zeit eine Gedenkrede. Hierauf wurde ein engeres Komitee zur Durchführung der Begräbnisfeierlicbkeiten eingesetzt, Motzkin wird in Paris nur provisorisclt beigesetzt, um in raschest möglicher Zeit nach Palästina überführt zu werden. Das Begräbnis wird im Geiste des Verstorbenen in den einfachsten Formen gehalten sein. Nach Ahlaut der Trauertage soll in einer großen Versammlung dem versforbenen Führer gehuldigt werden. Ueljer die Pläne, wie das Andenken Motzkins in Palästina verewigt werden soll, wird sich das Traucrkomitee mit der Zionistischen Exekutive in London in Verbindung setzen. Schon der Trauersitzung bei Naiditsch lagen die ersten Kondolcnzdepcschen aus aller Welt vor. Die Londoner Ziomstisctie Exekutive, andere zionisiisdie Institutionen, Freunde aus Palästina und sogar aus dem fernen Argentinien gaben wenig« Stunden nach Motzkins Hinscheiden ihrer tiefen Er- Schotterung über den plötzlichen Tod Ausdruck. Die große Pariser Presse sowie die Agence Havas gedachten in $vmpathisch gehaltenen Notizen des verstorbenen repräsentativen Führers. Die jiddische Pariser Tageszeitung der ״Havnt“ willmete <!em Andenken Motzkins am 8. November eine Sonder- Hummer. Das Begräbnis fand Donnerstag vormittag auf dem Friedhole Montpamasse s'att. Vertreter verschiedener Organisationen aus zahlreichen Ländern haben am Grabe das Wort ergriffen. * Die Z.V. f. D. hat anläßlich des Ablebens von Leo Motzkin Beileidstelegramme an Frau Motzkin und an die Zionistische Exekutive in London abgesandt. 111 den Telegrammen wird der tiefen Trauer der deutschen Zionisten Ausdruck gegeben. New York, 9. November. (J. T. A.) Tiefe Trauer herrscht unter den amerikanischen Juden über den Tod Motzkins. Der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Morris Rothenberg, veröffentlicht eine Erklaruiig, in der die Persönlichkeit des Verstorbenen gewürdigt wird. MacDonald beginnt seine Arbeit Genf, 8. November. (J.T. A.) Der Emigrantenkoinmissar James MacDonald trifft am 11. November in Genf ein.'uin mit dem Völkerbuiulssekretariat und den Vertretern der Exekutive der Londoner jüdischen Hilfskonferenz Beratungen über die Durchführung des Hilfswerks für die Auswanderer aus Deutschland abzuhalten. Nach diesen Besprechungen wird der Emigraiitenkommissar den :!us Vertretern von 15 Staaten bestehenden Verwaltinigsrat des Ililfswerks einberiifen, der voraussichtlich noch in diesem Monat zusammentretcj! wird. Der Verwaltinigsrat wird Be- Schlüsse betreffend die Zahl der privaten Organisationen zu überlassenden Sitze fassen. Von den jüdischen Organisationen jy.erden 5 bis 8 Sitze im Verwaltungsrat beansprucht. jüdische Rundschau Schwere Zukunfissorgen Unbefriedigendes Ergebnis der Hilfskonferenz Die gewaltige Umwälzung im Leben der deutschen Juden hat nicht nur die deutschen Juden selbst vor eine ganze Reihe neuer großer Gemeinschaftsauf faben gestellt, sondern auch den jüdischen Gemeinschaften außerhalb Deutschlands mit der Notwendigkeit belastet, an den sich ergebenden Problemen mitzmvirken. Dies ist zunächst eine Selbstverständlichkeit der jüdischen brüderlichen Hilfsbereitschaft, die niemals versagte, wenn ei!1 Glied des jüdischen Gcsamtkörpers in Not geriet• darüber hinaus aber sind die praktischen Folgen der Geschehnisse ii Deutschland au :11 bei den [iidenscliafteil der anderen Länder unmittelbar fühlbar, weil viele Juden Deutschland verlassen haben und die Frage, wie sie anderwärts eingeordnet werden sollen, noch völlig ungeklärt ist. Diese emigrier!eil Juden aber erhöhen die ,,Judenfrage“ jedes Landes. Es ist heute müßig, darüber zu streiten, aus welchen Motiven diese Juden aus Deutschland ailswanderfen; selbst wem man davon absieht, daß viele paniknnigen Abreisen im März und April aus einer psychologischen Situation heraus blindlings erfolgten, so muß doch mich ln■- rüeksichtift werden, daß viele Juden, die ihren Beruf in Deutschland verloren haben, die Möglichkeit des Auf bans einer neuen Existenz außerhalb Deutschlands an st reheil müssen. Die jüdischen f:;ligranien, die jetzt schon in einer Reihe von Ländern snzen, werde:! vo:1 den dortig 111 ׳ Jltdeiischafien zunächst betreut. Aber durch bloße Philanthropie ist diesen Menschen nicht zu helfe». Man muß sieh die Frage vorlegen, was mit ihnen auf die Dauer geschehen könne, u!ul man wird zu dem Ergebnis gelangen, daß wir hier vor etwas größerem stehen ah vir einem ,,II! nigrantcn“- Problem, nämlich vor einer Umlagern;!;; des gesät :1ten j ü cl i s c h c n Daseins in der Di a s p o r a. Eine solche große Neuordnung bedarf umfassender und cinlieitiic 11 er Pläne, läs ist zu befürchte 1, daß . aus beste:! Moliveu der Mildtätigkeit und Guthcr/i;!seit - viel Gebier zunächst für Unterstützungen atisgegebe:! werden, ohne 11.1 ü ein bleibender Zweck erreicht wird. Dies war tatsäch'i 11׳ auch bei den meisten Hilfskomitees in den Nachbarländern der Fall, und wir hören, daß manchen dieser Komi.ecs hcrei.s die Gelder nuggelicn, ohne 11:11! die Lage der Emigranten ge regelt worden wäre. Venu auch unter diee.cn Emigranten Illemente sein mögen, die nur die Konjunktur ausnütz,!:, mi Unterstützungen zu erhalten, so besteht doch sicher die;;rolle Mehrzahl aus echten Ililfs'n■ cliirf igen. Dazu kommt noch die Tatsache, daß besonders fiir die j ii d i s c h e J u g e ti d i n Deutschland, die zu schwerer physischer Arbeit bereit ist, Arbeitsplätze gefunden werden sollen, was sicherlich ohne Bdr.stiui;; der Volkswirtschaften, decei Gas f ounds.öiaft!:!an in Anspruch nimmt, mögli :11 ist. Vor allem kommt fiir d; esc Jugend Kolouia’dand i:1 Befracht, und da gerade die Jugend gewillt ist, ihre Existenz unter Zugrundelegung ihres Judeseins aiii/iibauen, steht hier auf ganz natürliche Weise Pa ־ 1 ii s t i!1 a i:11 Vordergrund. Um die hier angedeu'.etc Planmäßigkeit der Hilfsarbeit zu erzielen, wurde die jüdische H i 1 f s k o 11 f e - rin z nach London cinberufen. Die Konferenz, über deren Ergebnisse wir berichtet haben, war der erste Versuch, nach dem unmittelbaren Nots'and der ersten Monate zu einer gruiuls d/ßchen Bewertung der Lage und der zu ergrei.en Jen Maßnahmen zu gelangen. Dies hat um so größere Bedeutung, als auf Initiative des Völkerbundes ein Emigranten- Kommissär eingesetzt worden ist, der mit Unterstütz 1111g eines aus Verire.ern der wichtigsten bei ei Ii .;teil Staaten sowie privater Gesellschaften gewisse Teile des Emigrantengrobioms in Angri f nehmen soll. Das Amt des Genfer Kommissars, auf dessen Losten bekanntlich der Amerikaner James Mae 1)0n a 1 d berufen wurde, ist noc'1 nicht im Betrieb. Die jüdische Hiliskoufcrenz konnte also, soweit die jüdische Seile des Problems in Frage kommt, wichtige Vorarbeit machen. Die Konferenz hat׳ auch inil ihren Beschlüssen eine ganze Reihe von wichtigen Anlegungen gegeben. Auf Grund der eingehenden sachlichen Behandlung der Materie, die in den Kommissionen erfolgte, wobei die Vertreter der ein/einen Landes-; udenscliafteii ihre Erfahrungen aiistausehen k«!mten, gelangte man zu grundsätzlichen Resultaten, die freilich, für diejenigen, die sieh schon seit Jahren mit den Problemen beschäftigen, keine neue Erkenntnis bedeuten. Es ist v.oh! keine Parteilichkeit, wenn wir sagen, daß liier Grunds ätze, die vom zionistischen Teil der Judenheit seit langem vertreten werden, akzeptiert wurden. Auch die nicht/ionistisehc Judenschaft hat sich zu diesen Erkenntnissen durcbgenuigen, nicht aus einer bestimmten Gesinnung heraus, sondern einfach u 111 e r d e in D r u c k e d e r N 0 t 11 n d d er R e <1 I i - täten. Demgemäß bestand zwischen Zionisten und Nichtzionisten keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß, ,,Pa- 1 ä s t i ןנ a unter den Ländern, die von jüdischen Auswanderern fiir die Möglichkeit dauernder Niederlassung in Betracht gezogen werden können, einen hervorragenden Platz einnimmt“. Ferner wurde betont, daß im Mittelpunkt der konstruktixen Hilfsarbeit ״die B e r u f s 11 rn s c 11 i c h t u!! g und B c r 11 I s a!1 s b i! d 11 n g der j 11 g e!1 d 1 i c h c!1 A 11 s \v;1!1 - derer“ stehen soll, während alten Leuten, die nicht mehr die Elastizität der Umstellung haben, ״von der Auswanderung dringend abgeraten werden“ müsse, natürlich sofern sie nicht die Mittel für ein Rentnerdasein haben. Die G 11 a 111 z b e w e - g 1111 g, ursprünglich eine Pioniergruppe des Ernstinadiens mit der persönlichen Verwirklichung des zionistischen Arlieitsideals, gelangt zu einer gewaltigen g e s a 11! t j i! d i s c 11 e!1 Bedeutung. Es soll vergessen werden, daß nicht/ionistische Juden i!1 ihrer bürgerlichen Selbstsicherheit früher über die Ghalu-zbewegting geiä-dielt oder sich ihr hindernd in den Weg gestellt haben. I teilte ist das anders. Eltern, die f rüber eine solche ״Verführung“ ihrer Kinder mit Entrüstung zurikkgevvicsen hätten, sind jetzt häufig froh, wenn es ihren Kindern gelingt, Anschluß an die Clialii/bewegung zu finden. Die Zeiten haben sich geändert, und es ist selbstverständlich, da(! sich auch die Methoden der Hilfsarbeit ändern müssen. Nicht alie zuständigen Stellen sind sich darüber noch voll im klaren. Aber die Erkenntnis wächst, und die Londoner Konferenz bedeutet sicherlich einen Wendepunkt in der Auffassung jüdischer sozialer Arbeit. Das harmonische Zusamm (!!wirken von Zionisten und Nicht zionisten auf dieser Konferenz, und die Einigkeit i:1 bezug auf den Rang Palästinas läßt diese Konferenz, sogar als einen hoffnungsvollen ersten Schritt in der Richtung auf das erstrebenswerte Ziel einer gesamtjüdischen Einigung über die 1929 erfolgte Erweiterung der Jewish Agency hinaus erscheinen. \ Seite 781 Dennoch wäre es falsch, zu übersehen, daß die Londoner Konferenz leider ihren eigentlichen Zweck nie ht erfüllt hat. Den Einberufern der Konferenz, insbesondere den Führern der großen englisch-jüdischen Körperschaften, schwebte vor, daß ein einheitlicher Plan der 11 i 1 f sarbeit aufgestellt werden soll, dessen Durchführung einer zentralen Körperschaft zu übertragen wäre. Diese Körperschaft, in der alle großen Organisationen vertreten wären, müßte dann auch die Verfügung über die in den einzelneu!.;indem gesammelten Gelder hnbe.i. Es ist lei/ln ersichtlich, daß dieses Prinzip das Um und Auf für ein prnktisches Funktionieren der Oiganisation bildet. Denn solange jedes Landeskomitee seine Gelder in beliebiger Weise ausgibt, bleibt jeder gemeinsame Plan zunächst nur ein Wunsch und eine Thcoiie. Die Anträge dieser Art aber stießen auf entschiedeneii Widerstand. Vor allem haben die großen a 111 e r i - k a n i s c h - j ii d i s r 11 c 11 Hilfsorganisationen eine solche: enge Zusammen arbeit a b g c 1 e h 11 t. Die deutschen Juden sind in dieser Angelegenbeit nur Objekt der Tätigkeit mul 11 aben keine S.iuime; aber wir müssen offen ansspreehen, daß nach unserer Meinung das Eeiilsdüagen der bläue durchgreifender Kooperation zu bedauern ist. Wir fürchte;!, daß sieh aus dem Nebeneinander von Inslanzen Verwirrung, ja unerwünschte Rivalitäls-Strciiigkciteii ergeben könnte!!; ist es doch eine menschliche Szkwühc, daß l'liilaii.hropea, und häufig 11 oc 11 mehr Verwalter philanthropischer Gelder, die Verfügung über ihre Gelder als pci --<";:1!i die ,Macl1tpo-.ilion betrachten, lind dies hat!11 \1: nur für die Gelier, sondern auch vor allem iür die Nehmer häufig unerwünschte Nebenwirkungen. So wie die Dinge jetzt lie :eil, hat sich durch die Londoner Konferenz ir! der praktischen Arbeit der 1 lilfsorganisationen vci-aig ge ludert. Zwar hat man einen ״Zentralen Rat für lüde und Aufbau‘־ ein/11-e'.zen Ik׳.׳c!1!osm‘!1, aber diese Körper Miaft 11,al nur beratende E'iiiikuoneii. Sie soll Projekte ,,studieren“ und ״ausarbeiten“, aber sie verfügt nicht über die Mittel, sie d :1 r c 11 z 11 f ü ti r e n. Audi ist es, wie wir de:! iel/le.1 B.uär’iten entnehmen, noch keineswegs dclier, ol 1 alle vo:1 den widiti;cn l<örperschaflen ihre Vertre.er v, j; 1tii .11 i.1 den Gcneralrat entsenden werden. Man darf liier wohl innerhalb des jüdischen Bezirkes einen Abklatsch der allgemeinen poli.i v!׳,e:1 Verhältnisse erblicken; so wie die Verei ,1 i; us! Sunde'1 von Amerika an europäischen Konfeien/e:! :•gir du:״ 11׳.׳BroNi!!:er“ teil/inic'unen pflege!!, und in die c:1 ,spre ulenden Körperschaften nicht eintreten, so könneu sich anscheinend an.di die amerikanis/hen Juden, vor :,Hem das American Joint Dis; ri hntion Committee, nicht zur verpflichttuiden Teilnahme an ubcrgaaüichcu jüdische» Körperse haften entschließen. Ange.izhts dieser Sachlage kann man nur die Hoffnung aussp rechen, dal! durch die Londoner Konferenz noch 11 i c 11 t d.a s letzt e \V o r t g c׳ s p r o c!1 e!1 ist. Wir haben vor der Konferenz gehört, daß ein großer Appell a 11 die Juden aller Länder zur Sammlung eines Fonds von 2 AVillioneu I5fuu 11 eif rigen soll. Wir wissen nicht, ob nach dem Ausgang der Konferenz a:1 diesem Plan festgebaltei! wird. Die Pag: der Jude״! in 1 )eutschlatid, aber auch in einigen anderen Ländern, und insbe;0:1;Izre die Lage der heimatlos mul meist auch subsisieü/los gewordenen jüdischen Emigranten er-■ heischt gebiete;isch ein großzügiges Handeln aus einem' neun Geäst, geboren aus tlan (iefüh! der Brüderlichkeit und Schi.־ksalsgemeinsehaft, mit neuen .Methoden, die dem Um!ong des neuen Problems entsprechen. Denn cs handelt si:u jetzt nicht um eine vorübergehende Hilfsaktion f ir Lculc, die durch bestimmte Ereignisse geschädigt wurden; es handelt sich um durchgreifende Mittel zu einer Neuregelung der Judenfrage. Die Bewältigung dieses Problems liegt im ureigenste 11 Interesse al I c r jüdischer Gruppen. 1 )111:1 die ungelöste Judenfrage ist ein Unglück, das um sich greift. Auch in diesein Sinne kann man getrost sagen, daß inan die Situation nicht unter dem (iesiehtspunk! der Unterscheidung von Gebern und Nehmern hei rach;0:1 sollte. Wenn man den ganze» Umfang der jüdischen Katastrophe der Gegenwart nicht erkennt lind mit unzulänglichei! .Mittein an sie lierangchi, wenn man sich nicht über Kompetenzfragen und!1 ergcbrachte Prestige- Momente c 1 hobt, dann iיt zu befürchten, daß der Effekt der Hilfsaktion, für die Tausende von Juden aller Länder mit dem Wunsche zu helfen beigestcuert haben, für die Gesamtheit sehr gering bleibt und dal! man nach Erschöpfung der Mittel nicht wesentlich weiter ist als man anfangs war. Wir wissen — und das hat auch die I.oiuloiier Hiliskoufcrenz gelehrt - , daß alle der Hilfsarbeit dienenden Gruppen und Persönlichkeiten darin einig sind, daß es darauf ankoinmt, dauernde Resultate zu erreichen, den aus ihrer Bahn Geworfenen die Schaffung einer wirklichen Existenz zu ermöglichen und zugleich, au der Milderung der J 11 d e 11 f r a g e wenigstens in Teilbezfrken mitzmvirken. E; wäre absurd, wenn der Aufwand der von den Juden gesammelten off entliehen Gelder die Judenfrage genau dort ließe, wo sie heute ist, ja am Ende sie noch verschärfte, statt ihr eine großzügige Wendung zur Gesundung zu gehen. Wir sprechen offen aus, welche Sorgen die Herzen denkender Juden erfüllen. Wir sind überzeugt, daß wir damit auch in U e b c r e i n s t i!11 m u!1 g in i t d e n 111 a ß!׳ c b e!1 - d e!1 F a k t o r c n der a 11 d e r c 11 J u d <: 11 schaft e n und der jüdischen Hilfsorganisationen stehen. Die Londoner Hilfskonferenz wird von uns als erste Fühlungnahme gewertet. Wir erwarten, daß sich unter der Initiative der ,,zum Studium“ eingesetzten Komitees weitere Pläne und ,Maßnahmen ergeben werden. Selbstverständlich ist, dail auch (lat deutsehe Judentum selbst, das sich ja eine zentrale llilE.instanz geschaffen hat, den ganzen Umfang der Aufgabe begreifen muß. Us bandelt sich nicht um philanthropische Hilfsarbeit des Tages, sondern um eine U 111 s c 11 i c 11111!1 g 1!!1 d U in läger 1111 g d <׳ r g a n z c 1! j ü d isch e n sozialen P o s i t i o 11; diesem Problem ist aber nicht ohne ein gründliches Umdeiikeii der Judcnfrage in allen ihren Aspekten beizukoniineii. Paris, 7. November, (j. T. A.) In Paris sind!)«legierte der jüdischen I liltskortfei enz eingetroffen, um Besprechungen mit dem vorn Völkerbund eingesetzten Hochkommissar, James MacDonald, über die Organisierung des Hilfswerks für die deutschen Juden abztihaHen. In den Besprechungeii wird auch die Frage der Vertretung der jüdischen Körperschaften in dem Verwaltungsrat des internationalen Hilfswerks erörtert werden. *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.