Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 90 (10.11.1933)
- Date
- 1933-11-10
- Page
- Seite 782 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Srt<! 780 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 10. XI. 1933 Nr. IA mag sonderbar erscheinen, bei der Würdigung eine; .Mannes, der 45 Jahre seines Lebens so gut wie a־״ ' : ״"h'cli jüdischer Volksarbeit gewidmet hat, zuvc'•./־: S'/'1cr Tätigkeit als amtierender Kongreßpräsident ni gc .. •11?.״. Aber wir g’auben, daß für Motzkin diese 1 u: ' 1; 1 :ס charakteristisch war, daß viele ihn im Bilde di .l.kalten in Erinnerung behalten werden. Motzkins .'*' k:? Tiiiigkcit war eine universale. Schon in seiner •״.; .... ugefrd empfand er den auf dem Judentum lasten• c’?n r׳.uck als unerträglich. Er gehörte zu jener rusiidiwlien Generation der achtziger Jahre, die durch d'e 1 ■crüurung mit Europa aus der Enge des jüdischen L'i'kus lierausgerissen, die Notwendigkeit einer völli* gen inneren und äußeren Umwälzung der jüdischen Sänali/m erkannte. Die jüdische Lage war ihm ent- U.reml, und er schämte sich der Gleichgültigkeit, mit der die meisten Juden seiner Zeit das Gegebene als in aMinder!ich Jiinnahmeii. Nichts war selbstvcrständlieiwr, als daß Theodor Herzls Appell an das jüdische Elirgeiüh! (und an die jüdische Einsicht) bei Motzkin und seinen Freunden auf begeisterten Widerhall stieß. Vom ersten Tage an gehörte er zur zionistischen Ik- \ve;urg Für Motzkin war der Zionismus niemals eine ek 01:>;r ״politische“ Angelegenheit, sondern er war; ine Volksr.ache, in deren Rahmen alle ökonomischen, so/äi’en 11 תd kulturellen Bestrebungen zur Hebung der vt׳r׳.׳l. inn-icn ״der rückständigen jüdischen Volksmasscn!::m'ingehörcn. Fr verstand, daß Palästina nicht alle Juden au-'nchincii kann und daß auch den Juden in ikea gegenwärtigen Woiinlätulern ein menschenwürdiges Da 11: ס bereitet werden muß. Darum bejahte er die?׳-׳;<. nanuie ,.Gegenwartsarbeit“. Als nach dem Weltkrä ־.׳•־ das. Schicksal der Juden in den neugebildeten oder vergrüß?rum Staaten Osteuropas problematisch wurde, v. ar e/ Mat/kin, der siel! mit der ganzen ihm zur Verfu 1:mg sU-beiiden Begeisterung in den Dienst dieser v!g!e stellte. Während der Friedenskonferenz in Paris kämpfte er an der Spitze des ,,Komitees der jüdischen I Vegaiioiien“ für einen Schutz der jüdischen Minderbeiten. Seiner Tätigkeit ist cs zum großen Teile zu danken, vvenn das Problem der nationalen, bzw. rassi-;cl!en ,Minderheiten — in den maßgebenden westeuropiiischen Staaten unbekannt — wenigstens teilweise Verständnis fand. Aber nicht nur die rechtliche Seite, die durch die bekannten internationalen Minderheiten-Verträge geregelt wurde, war für Motzkin wichtig, sondern er erkannte, daß auch die soziale Hilfsarbeit auf eine neue Basis gestellt werden muß, So berief er im Jahre 1920 die erste jüdische Weltliilfskonferenz, die eine Koordination der jüdischen Hilfstätigkeit anstrebte. Die osteuropäische Judenheit hatte in Motzkin einen ihrer bewährtesten Vorkämpfer, der sich für ihre Rechte und Lebensbedürfnisse unermüdlich einsetzte. Seine Stellung als Vertrauensmann der jüdischen Minderheiten Osteuropas brachte es mit sich, daß Motzkin in der Minderheiten-Bewcgung auch über den jiidisehen Rahmen hinaus eine führende Rolle spielte. Als die Minderheiten sich zu einem ,,Kongreß der Nation,־)!!taten4‘ zusammenfanden, um die gemeinsamen Interessen zu. verteidigen, wurde Motzkin zu einem der Vize- Präsidenten dieser Organisation gewählt. Er genoß Respekt untl Sympathien auch außerhalb der jüdischen Kreise, Jeder verehrte in ihm nicht nur den geschickten und gewandten Politiker, sondern auch den fanatischen Kämpfer für das Recht, den selbstlosen, gerechtdenken־ den Menschen. ״Ewed neeman - ein treuer Knecht“ Kärz vor Mitternacht auf den 7. November kam der Bote des Ihm!!!fischen Gerichtshofes zum Vorsteher der Registratur um! ver,',tilgte die Akten des vor weniger» Minuten verstorbenen Arie ben Malka, im Leben genannt Leo Efimowitsch Motzkin, dum der Gerichtshof sei bereits versammelt und — welcher AuMiahinera’.l! — Elijahu, der Prophet, führt den Vorsitz, Der Rey'iüi׳'r*1!!rvor<tc!1er brummte: ,,Haben die es aber eiligt Vor zwei Stunden kam die Aufforderung, die Chronik von Motzkins Lehen dein Bilanzengel zu gehen, damit er einen Bericht herstellte. Ich hatte gedacht, daß die Sache trotzdem nicht so eilig ist; aber cs scheint, da 11 Leo Motzkins Seele nicht länger als genau ob Jahre jn seinem sterblichen Körper wohnen wollte, llw.’ie horte er Geburtstag, und hätte er noch eine Stunde länger gelebt, so wäre er 66 Jahre und einen Tag alt geworden.׳‘ Mit diesen Worten begab er sich in die Bilanzabteilung, wo der Bericht über Motzkin gerade fertig geworden war. Anstatt die Lebensbilanz dem Boten zit übergeben, ging der Rcgisirrturengel selbst zur Gerichtssitzung, denn der Fall interessierte ihn. Kommt es doch selten vor, daß man sofort nach dem Tode eines Menschen hirrtmiischcs Gericht über ihn hält. Ls sei denn, es handelt sich um eine außerordentliche Angelegenheit. Der Gerichtshof s.10 in Erwartung da. Auf dem Präsldentenstuhlc die gütige Gestalt Elijaliu Hannwis, neben ihm die Beisitzer, rechts und links vor ilim Ankläger und Verteidiger, Kathegor und Sinegor. Und geradeaus vor ihm in der Milte eine weiße Seele. Elijnhu Hanawi begann den Bilanzbericht zu verlesen. Nachdem er die Personalien des Verstorbenen erwähnt und kurz, von den Kinderjalircn Motzkins Mitteilung gemacht hatte, schilderte er ausführlicher die Studienjahre des Dahingcschiedenen und zählte dann die Lebensdaten auf. Dann aber gab er, 11 ie und da einen Blick in den Bericht werfend, in freier Rede eine Charakteristik des Verstorbenen. Er sagte: ,,Selten hat das Gericht Gelegenheit, sich mit einer derartigen Seele zu beschönigen, wie mit der, die vor uns steht. Der Verstorbene war ״sanft wie eine Taube und klug wie eine Schlange“. Er war nstv wie ein Kind und dabei ciri Weiser. Er verkörperte in sic 11 den Golusjuden, der in der Reihe der zahllosen Oenerarionm der letzte in der Knechtung und der erste der Befiel,mg ist. Zweimal hatte er seine Heimat verloren. Das erste Mai, als er nicht mehr nach Rußland zuriiekkehren durfte, und das zweite Mal, als er seinen Wohnsitz in Berlin aufgab. Ucbtr9.il, wo das jüdische Volk in Not war, fand sich Motzkin bald als Berater und Helfer ein. Mochte es sich um Pogrome in Rußland, um den Beilis-Prozeß, um eine Neuordnung der rechtlichen Verhältnisse der Judenheiten bei der Pariser Friedenskonlerenz, um den Schwarzbart-Prozeß, um antijfidisehe Verfolgungen in Polen, Rumänien, Ungarn oder jn der Türkei handeln oder mochte es um die Sache der nationalen Wieder- Nun werden wir ihn nicht mehr sehen, diesen Mann mit dem nonchalanten, ja etwas nachlässigen AeuBern und dem väterlichen, liebevollen Blinzeln. Er war ein begeisterter Jude, ein unerschütterlicher Zionist, ein Mensch, der überall Freunde hatte. Das jüdische Volk hing mit Liebe und Verehrung an Motzkin. So umhüllt heute ein Schatten tiefer Trauer die jüdischen Gemeinden in allen Teilen der Welt. Die ihm am nächsten standen, empfinden diesen Verlust besonders schwer. Sein Andenken wird im jüdischen Volk fortleben, aber es wäre zu wenig gesagt, wenn man dies nur in schlichter Weise feststellte; denn sein Andenken wird auch anfeuernd wirken, wird Kräfte wecken itn jüdischen Volk, das Andenken Eines, der alles einsetzte für jüdische Ehre, für die Zukunft seines Volkes. Mag mancher in diesem oder jenem Punkt anders gedacht haben als er; alle sind einig in der Ueberzeugung, daß es gut um unser Volk stünde, wenn alle diese Kraft der Hingabe, diese Liebefähigkeit und diesen Idealismus hätten wie Leo Motzkin, dessen Vermächtnis wir als Verpflichtung auf uns lasten fühlen. Vom jungen Motzkin Erinnerungen von Alfred Klee Er kam aus der Kiewer Gegend nach Berlin als ein Zogling Professor Max Mandelstamms, der ihn wie ein Kind liebte. Das erklärt vieles. Mandelstarnm aus Sagarcn an der preußischlitauischen Grenze, war Student an der damals deutschen Universität Dorpat, Freund des berühmten deutschen Augenarztes Dr. Pagenstecher, ein aufrichtiger Bewunderer der deutschen Kultur, zugleich Mittelpunkt des jüdisch-nationalen Lebens, nicht nur in Kiew, wo er als Augenarzt und Philanthrop wirkte, verehrt, sondern als Führer der Bewegung ln ganz Rußland anerkannt. Auch Leo Motzkin wuchs schnell in das deutsche Kulturleben hinein. Das Abiturientenexamen bestand er auf dem Berliner Humboldt-Gymnasium. Der Kreis, in den er hineingestcllt war, setzte sich zusammen aus den Persönlichkeiten, die, religiösliberal gestimmt, jener assimilatorischen Periode angehörten, die etwa durch den Namen Maybaum charakterisiert ist. Es war bezeichnend, daß er nicht, wie viele russisch-jüdische Mensehen dieser Epoche, den Weg der deutschen Assimilation ging. Er liebte die deutsche Kultur, die er ganz in sich aufnahm. Aber er blieb nationaler Jude. Pietätvoll hat er oft von jenen Zeiten erzählt, von dem Hause und dem Kreis David Cassels und Moritz Kirschsteins, von dem Vielen, was er an Wissen, auch jüdischem Wissen, den Menschen dort dankte, ohne daß er sich je in ihre Weltanschauung, die nicht die seine war und wurde, einlebte. Ein hervorragender Schüler, war er als Student der Berliner Universität geradezu ein genialer Mathematiker. Es war die Zeit, in der an deutschen Universitäten in der Mathematik ausgezeichnete jüdische Forscher wirkten, so in Berlin Kronecker und Fuchs, in Heidelberg Königsberger und andere. Dem jungen Motzkin stand als Mathematiker eine glänzende Karriere in Aussicht. Die Berliner Privatdozentur war ihm sicher, als er auf alles, wie selbstverständlich, leichten Herzens verzichtete, uni sich ganz der jüdischen Volksarbeit zu widmen. Die zionistische Arbeit dieser vor-HerZl’schen Tage wurde in Deutschland itn wesentlichen von Studenten geleistet. Daß .Motzkin im Kreise seiner russischen studentischen Lands, leute, die sich im ״Russisch-Jüdischen Studentenverein““ zusammenfanden, führte, war selbstverständlich. Daneben aber war er, wie keiner berufen, die Brücke zu uns deutschen Studenten zu schlagen, und er löste diese Aufgabe mit der ihm eigenen Liebenswürdigkeit und Tatkraft. Diese Innere ״Assimilation“, das lncinanderwachsen des deutschen und russischjüdischen Elementes war nicht immer ganz, leicht. Der Zionismus der ersten Jahre weiß davon zu erzählen. So ist eine wunderliche Tatsache, die 1897 den Wahlen zum ersten Zionistenkongreß voranging, im Innersten wohl feburt in Palästina gehen — immer war Motzkin an vorderster teile dabei. Einfach in seinem Wesen, bis zur völligen Selbstlosigkeit und Askese, war er seit seinem Jünglingsalter bis zum letzten Tage seines Lebens ununterbrochen im Dienste seines Volkes tätig. Er starb, er, der regelmäßige Präsident der Zionistenkongresse, a’so der ״Parlamentspräsident'‘ des jiidisehen Volkes, nicht in einem Palast, sondern in einer bescheidenen Pariser Wohnung, in der es an allem modernen Komfort fehlt. Noch vier Stunden vor seinem Tode diktierte er die letzten Briefe an bekannte nichtjüdische Politiker, um ihnen für ihr den Juden entgegengebrachtes Wohlwollen zu danken, Er ist in den Sielen gestorben, Seit Jahren von einer tückischen Krankheit befallen, gönnte er sich nicht einen Tag Ruhe. Von Stadt zu Stadt, von Land ׳••u Land, von internationaleji Konferenzen zu jüdischen politischen Beratungen und Hilfsversammlungen eilte dieser Mann hin, und der Eifer zu nützen sowie der Drang zu helfen verdoppelten seine Energie und zwangen den schwächlichen Körper auch zu den höchsten physischen Leistungen. Ohne genügende Mittel — er benützte aus Ersparnisgründen immer nur die 3. Eisenbahnklasse — und ohne einen entsprechenden Apparat vollbrachte er die Arbeit, die sonst nur von einem ganzen Ministerium erledigt zu werden pflegt. Er war gütig und freundlich gegen alle Mensehen und geriet nur dann in Erregung, wenn irgendwo die Gerechtigkeit gebeugt wurde oder Hohlheit und Unernst sich breit zu machen versuchten. Er war ein verläßlicher Freund und ein gern verzeihender Gegner. Er war sachlich »ad gründlieh, pedantisch in allen Dingen, die irgendwie mit •der wahrheit im Widerspruch z.u stehen schienen. Seine glühende Liebe galt seinen! Volke. ״Kelle und Schwert“ waren das Symbol seines Lebens. Die Kelle des Aufbaiis der eigenen Freiheit in Erez-Ismel, die liebte er am meisten. Aber die Leiden seiner Brüder in der ganzen Welt zwangen ihn, ein Leben lang das Schwert der Verteidigung in der Hand zu führen. Land. Volk und Sprache waren in ihm zu einer vollendeten Einheit verkörpert. Nichts Jüdisches war Ihm fremd! Er war ein Träumer und ein Idealist und dabei ein Wirklichkeitsmensch, wie kaum irgendeiner von den Führern des jüdischen Volkes. Zion'smus, der Aufbau Palästinas, der Kampf um jüdische Rechte, Fragen der jüdischen Kultur und die Probleme der jüdischen Hilfsarbeit fanden in ihm den eifrigsten Verfechter. Er kannte das jüdische Volk wie kaum ein anderer. Er war ein Jude alten Schlages und dabei ein vollkommen moderner Mensch, ausgerüstet mit der Erfahrung und dem Wissen unserer Zeit. Dabei rang er sich seine ganze Lebensarbeit unter schweren Kämpfen von seiner eigentlichen Liebe ab, nämlich der zur Wissenschaft. Hätten seine Brüder nicht gelitten, so wäre aus Motzkin. dem in seiner Jugend genialen Mathcmatäkstudenten, ein in der ganzen Welt berühmter Lehrer seines Faches geworden. Aber Motzkin verzichtete aut privates Leben. Selbstlos bis zur vollständigen Hingabe, lebte er viele Jahre hindurch das Leben eines Einsamen ohne Familie und dazu noch unter auch auf den deutsch-russischen Gegensatz zurückzuführen. Es hatten sich nämlich in Berlin zwei zionistische Ortsgruppen gebildet. Praktisch bestanden ihre Differenzen darin, daß die eine die ״Judenstaatler“ Theodor Herzls umfaßte, während die andere der kolonisatorischen Richtung Dr. Hirsch Hildesheimers und Willy Bambus' nahesland. Aber mir will scheinen, daß dieser Gegensatz doch auch damit zusammenhing, daß damals — das hat sich bald geändert — bei den ״Praktischen“ mehr das deutsche Element, in der anderen Gruppe mehr das russische Element den Ton angab. Motzkin kämpfte, aber er wirkte auch ausglcichend. Seine auf der Schule und im Verkehr mit uns deutschen Studenten gewonnene Einsicht in die Eigenart unserer Psychologie machte ihm das Wirken leicht. Er wurde in beiden Lagern als Führer anerkannt, und es gelang ihm sehr bald, nicht nur die Einheit des Zionismus in den Berliner Gruppen herzustellen, sondern auch, was sich in der Zukunft als viel bedeutungsvoller erwies, die jungen aus Rußland stammenden Intellektuellen und uns zu dem gegenseitigen Verständnis zu führen, das die notwendige Grundlage für die gemeinsame zionistische Arbeit war, und von den zionistischen Anfängen an nicht nur zu einer Reihe dauernder freundschaftlicher Bindungen, sondern zur innigsten Verschmelzung führte. Motzkin war überall, wo sich damals in Berlin jüdisches Leben regte, im ״Jung-Israei“, in der ״Jüdischen Humanitüts- Gesellschaft“, einem recht verschwommenen Titel für eine gut nationale Sache, im Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek", der ersten Organisation dieser Art, im alten Kolonisationsverein ״Esra“, vor allen Dingen aber auch an den Stellen, wo jüdische Hilfsarbeit geleistet wurde. Schon der junge Motzkin hatte die große Bedeutung der damals gewiß noch in den Kinderschuhen steckenden jüdischen Hilfsarbeit erkannt; war er später der Begründer der Jüdischen Weithilfskonferenz, der Präsident des aus der von ihm einberufeuen Prager Konferenz stammenden ״Emigrationsdirektoriums“, so liegen die Wurzeln dieser Arbeit bereits in der Anteilnahme des jungen Studenten an der Berliner jüdischen! Hilfstätigkeit, lange vor der Zeit der Begründung des ״Hilfsvereins der deutschen Juden“. Ein imcrmiidlicher Arbeiter, war er auch ein faszinierender Redner. Es ist schwer für die jüngere Generation, die ihn als den abgeklärten, häufig durch ein Scherzwort die brandenden Wogen glättenden, Kongreßpräsidenten kennt, eine Vorstellung von der machtvollen Rhetorik seiner jungen Jahre zu geben. Die ihn in dieser Frühzeit nicht kannten, erinnern sich aber vielleicht noch an eine andere, spätere Episode, als er auf dem Winterkongreß in Basel eine Rede zum Bankstatut hielt. Das Thema selbst interessiert nicht mehr. Natürlich handelte es sich nicht um reine Statutenfragen, sondern um die feste Verankerung des zionistischen Gedankens im Statut des Instrumentes, das der Durchführung des Zionismus dienen sollte. Motzkin sprach mit begeisternder Kraft und erzielte eine urigeheure Wirkung, die sich bei einer von seiner Rede hingerissenen jungen Zionistin darin äußerte, daß sie vor der Tribüne ihren Rosenstrauß dem jungen Redner zuwarf, den Herzl dann beglückwünschte, daß er unter Rosen nicht den Tod des Heliogabal gestorben sei. Nun ist er einen anderen Tod gestorben. Uns allen, namentlich denen, die ihm, und denen er seit frühester Jugendzeit verbunden war, ein unersetzlicher Verlust. Einer, von denen wir stolz sagen können, daß er nicht nur Verheißung, sondern auch Erfüllung bedeutete. Schon in der Jugend selbstlos und treu, gütig und tapfer, voll großer Gedanken, mit einem reinen Herzen. Warschau, 8. November. (J.T.A.) In Warschau fand anläßlich des Hinscheidens Leo Motzkins eine große Trauer- Versammlung statt, an der Vertreter aller zionistischen Körperschaitcn des Landes tcilnahmen. Hauptredner war der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nahum So ko low. Alle zionistischen Institutionen in Warschau haben die mit Trauerflor umhüllte blauweiße Flagge auf Halbmast gehißt. Zum Zeichen der Trauer wurde in allen zionistischen Aemtern die Arbeit für einen Tag eingestellt. den bescheidensten Verhältnissen. Er war an die Arbeit für die Allgemeinheit so gewöhnt, daß er einfach nichts mit sich zu beginnen wußte, wenn Ihm der Zufall einen freien Tag bescherte. Er war weder ein glänzender Redner noch ein brillanter Schreiber, aber die Einfachheit und Wahrhaftigkeit sei!!« Wesens wirkten stärker als alle Künste des virtuos gesprodienen oder geschriebenen Wortes. Keine Arbeit war ihm zu unbedeutend: Er verhandelte mit den mächtigen Staatsmännern der Erde, um dann am Abend in einer kleinen Versammlung für irgendeinen nebensächlichen Zweck den ganzen Eifer und den ganzen Enthusiasmus seiner Person in die Waagschale zu werfen. Niemals verlangte er von seinen Mitarbeitern irgend etwas, und mochte es sich um Handlangerdienste handeln, was er nicht selbst, bis an sein Lebensende, zu machen pflegt/, wenn es nötig war. Er war ein Mensch ohne Arglist, ein lebendiges Wahrzeichen einer Entwicklung von Jahrzehnten, in welcher Zeit das jüdische Volk aufgestiegen ist aus der Versteinerung der Gallith in den Vorflur der Befreiung. Er, der Verstorbene, war ein Bannerträger dieser Entwicklung. Seines Lebens Sehnsucht war, die reale Befreiung an sich selbst zur Wirklichkeit werden zu lassen und seinen Lebensabend im werdenden jüdischen Palästina zu verbringen. Dort edachte er im Kreise seiner Familie, der Frau und seiner eiden Söhne Theodor und Gabriel, nicht etwa sich der wohlverdienten Ruhe hinzugeben, sondern die Erinnerungen seines Lebens abzufassen, zu Nutz und Frommen kommender Gcschlechter. Aber die Ereignisse in der jüdischen Welt hinderten die Durchführung dieses Planes. Sein« große Liebe galt seinen! Meister und Führer Theodor Herzi. Wenn er dessen Name« gedachte, so leuchteten seine Augen und Feicrtagsstimmuii־! senkte sich aut ihn hernieder. Seinen ältesten Sohn benannte er nach dem toten Führer. Seine schwere Arbeit vollbrachte Leo Motzkin trotz seine: fragilen Körperlichkeit und als schwer Leidender. Es bestand die Wahrscheinlichkeit, daß seine körperlichen Leiden seine:: Lebensabend, wenn er sich zur Ruhe setzen werde, verbittert würden. Darum beschloß die himmlische Vorsehung ihn mitte״ aus seiner Arbeit, auf der Höhe seiner Lebenserfolge, ab?? berufen.“ Elijabu Hanawi hatte die letzten Worte seiner Rede mit weicher Stimme gesprochen. Er winkte dem Ankläger, doch dieser machte eine Bewegung, daß er auf das Wort verzieht? So hatte auch der Verteidiger nichts zu sagen. Der Gerichts!!?‘ zog sich zur Beratung zurück. Nach einer Minute kam er m den Saal, und Elijaliu Hanawi verkündete folgenden Spruch: ״Arje ben Malka, im Leben genannt Leo Efimowitsch Motzkin, ist einstimmig anerkannt als ein ״Ewed ne/־ in a n“, ein ״treuer Knecht“ dies Herrn und seines Volke‘ Er wird eingereiht in den Kreis jenes Ordens, dem die Seele״ derer, die für Ihr Volk gelebt haben, angehören.“ s.!י Li der N Aktion wesen! Beamt! Sitzung rede. ״t schwer sagen Aiiüinc verhtin seifige! Rußlar außerh 1 et eil Progra schied! artig; und er r:i cren er Fr wa und n zieliun auch \ Zt Dr. W f rakti! sition Aber! sich in Z! dem I unsere Verbin er im und sc einer , beteili! Gl fionen, i lebatt r.infliis sich sc Kischii Judenf sclnvei M Arbeit, sehen zum / nistiscl des H erlebt sein u der El wir 1v N; d et s Ausdri Ki 7. No! versch honen Tode dem 8 Versto I. Na k ins, Vertie öffnet( Obcrr; Verew wurde feierlic sorisci uberfii storbe laut dt sforbe Anden das T in Ve! St Konck nistisc aus P wenig schüft Paris e pathis Führe mete minim Friedt sation ergrif: D Motzt •an di Teleg Ausdr N herrse kins.!;anis; klar!!! würdi C k o in vemb (lei! י konf« für 1 diese; aus י des 1■ ■Mona schlü: übcrl; jverdi