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Jüdische Rundschau · 1933-11-07 · Heft 89 (7.11.1933) · p. Seite 774

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 89 (7.11.1933)
Date
1933-11-07
Page
Seite 774 (sequence 6)
Language
German
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Seite 772 - J0DISCHE RUNDSCHAU Ni. 89, 7. XL 1933 ״Ui1terwe#§" Einfacher und doppelter Golm s. 11. Paris, 15. November 1933. Um die Situation der jüdisch-deutschen K u s - Wanderer zu verstehen, die sich jetzt in Paris befinden, muß man sich die Lage der russisch-jüdischen Flüchtlinge in Erinnerung rufen, welche in den Jahren 191S und den folgenden auf ihrer Fahrt nach dem Westen in Berlin Station machten. Es gab damals zwei grobe Gruppen unter den russisch-jüdischen Ankömmlingen: die einen, welche den Primat des Judentums nicht nur als Lippenbekenntnis betätigten, sondern in ihrem Leben verwirklichten; die anderen, welche russisch assimiliert waren und in der neuen Umgebung, wo sie Aufnahme gefunden hatten, sich doppelt fremd fühlten. Die ersten befanden sich im ״einfachen׳‘ Golus, die zweiten im ״■doppelten׳‘. Die jüdisch Bedingten hatten auf der hisforischen, jahrtausendealten Wanderung des jüdischen Volkes den Weg, den ihre Urahnen vor vielen Jahrhunderten aus dem Westen nach Osten zurückgclegt hatten, in verkehrter Richtung wiederholt. Simon Dubnow gab dieser Erscheinung erschütternden Ausdruck in der Vorrede zur deutschen Uebersetzung seiner ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“. Die russisch-assimilierten Ankömmlinge aber hatten nicht die innere seelische Kraft, ihre Wanderung zu deuten und fanden im neuen Milieu weder Anse hl uR an die i!1 Berlin lebende jüdische Gemeinschaft und noch weniger au die nichtjüdische deutsche Bevölkerung. Die ״jüdischen׳‘ russisch-jüdischen Ankömmlinge aber nahmen nach ihrer Ankunft Beziehungen zu ihren jüdischen Stammesgenossen in Deutschland auf, schufen selbst Zirkel, in denen sie sich jüdisch betätigten, oder sie traten willig in die vorhandenen jüdischen Organisationen und Institutionen ein, die über den Zustrom frischer, ergebener Kräfte froh waren. Wenn man in diesem Jahre durch die Fügung des Schicksals von Berlin nach Paris verschlagen wurde, so erlebt man in einer anderen Umgehung, und an Juden anderer Herkunft exc1T!|difiziert, noch einmal das Gleiche, dessen Zeuge inan in Berlin in den Jahren nach der bolschewistischen Revolution gewesen ist. Auch die deutsch-jüdischen Ankömmlinge in Paris teilen sich in zwei Lager: dasjenige, welches die ״jüdischen“ Ankömmlinge aus Deutschland umfaßt und das zweite, in welehern die jüdischen ״Deutschen‘‘ gruppiert sind. Das erste Lager lebt hier in Paris, selbstverständlich unter anderen Wirtschaftliehen und sozialen Bedingungen, im ,,einfachen“ Golus; das zweite Lager aber befindet sich im ״doppelten Golus“, iirt allgern tin-jüdischen und in dem deutscher Emigranten. Es wird noch Gelegenheit sein, sich ausführlich mit beiden der genannten Gruppen zu beschäftigen und ihr Schicksal vom jüdischen und menschlichen Standpunkte aus zu beschreiben. Heute sei nur die Rede von jenen jüdischen Auswanderern aus Deutschland, die sich auf dem Wege zur jüdischen Geschlossenheit und auf der Reise zu einem normalisierten golnsfrcien Leben befinden. Ich meine damit die zionistisch erzogenen und zionistisch fühlenden Juden, die aus verschiedenen Gründen Deutschland verlassen haben und in Paris von dem Gefühle getragen sind, daß sie sich ״unterwegs“ befinden. Für einen großen Teil der jüdischen ״Deutschen“ war auch der Weg zu den jüdischen Hilfsgesellschaften und den allgemeinen jüdischen Institutionen in Paris seelisch nicht ganz leicht, da sehr viele dieser Menschen auch in Berlin gar keine Be- Ziehung zu Judentum und jüdischen Einrichtungen hatten. Doch vermittelt der Anschluß an das ״Consistoire“ oder an das ״Coinite de Secours“ nicht jenes Gefühl der Geborgenheit wie die Einfügung des frisch Angekommenen in die vorhandenen zionistischen Gruppen, welche sofort mit Selbstverständlichkeit den Zuwachs aus dem Osten (in Paris sind alle deutschen Juden ״Ostjuden“, denn sie kommen aus dem Osten) nicht mir als Objekt der Fürsorge und des Mitleids, sondern als Subjekt der Mitarbeit bewerten, Allerdings muß die Zionistische Organisation Mittel und Wege suchen, um in wirksamster Weise den zionistischen Bedürinissen der aus Deutschland gekommenen Ocsinnungsgenossen vor allem der Vorbereitung auf Palästina, 711 entsprechen und ihre Kräfte in der geeignetsten Weise zu verwenden. Zu diesem Zwecke sind in den letzten Tagen aus dem Kreise der aus Deutschland nach Paris gekommenen Zionisten Anregungen gekommen, die nicht nur dazu angetan sein können, die Zionisten von ״jenseits des Rheins“ in der französischen Haupt- Stadt zu sammeln, sondern die in sich Möglichkeiten größerer Art tragen. Diese Möglichkeiten sind nichts mehr und nichts weniger als die Schaffung einer wahrhaft funktionierenden zionistischen Organisation in Pari«, die im Laufe der Zeiten imstände sein wird, die amorph verstreuter! zionistischen Kräfte zu sammeln und ein Gebilde zu schaffen, ähnlich demjenigen, wie cs in Berlin besteht. Das Ziel ist nichts anderes als eine ״Zionistische Vereinigung für Frankreich“ und auf Paris bczogen eine ״P. Z. V.", eine .,Pariser zionistische Vereinigung“. Vorläufig ist ein Komitee aus fünf Zionisten gebildet worden, Namen, die sich in der zionistischen Arbeit bewährt haben. Schon für die nächsten Tage ist eine Reihe von größeren Veranstaltungen geplant, und vor allem sind Schritte unternommen worden, um innerhalb der streitenden Gruppen in Paris (hauptsächlich Revisionisten und der Linken, aber auch anderen zionislischen Gruppen) die Bereitschaft zu einem Waffen- Stillstand zu schaffen. Denn es ist leider bis jetzt in Paris so gewesen, daß die streitenden Parteien gegenseitig ihre Ver- Sammlungen gestört haben und keine vernünftige zionistische Arbeit zur Werbung neuer Menschen nrließen. Die neue Gruppe will einen anderen Weg gehen; sie ist als ein Sammelpunkt aktiver, arbeitsgewohnter Zionisten gedacht, die ein Kraft- Zentrum bilden wollen, und damit die Hoffnung verbinden, daß diese Energiequelle wie eine Art Magnet wirken wird: nämlich als eine Stätte der Anziehung für viele, welche bis jetzt keine Möglichkeit hatten, mit Gleichgesinnten für die gemeinsame Sache zu arbeiten. Pariser Emigranten int Spiegel des ״V. B.“ Der Pariser Sonderberichterstatter des ״Volk. Beob* acht er s“ schildert in der Zeitung vom 3. d. M. die Lage der Emigranten in Paris angesichts der vom ״Comite national“ (dem Hilfskomitee) abgegebenen Erklärung über die zur Neige gehenden Mittel wie folgt: ״Man versteht jetzt, weshalb in der Rue de 1a Durance die Tore vor Hunderten Juden und Jüdinnen, die erbittert und mit viel Geschrei im durchdringenden Regen auf dem Schulhof sich anstellen, kurzerhand geschlossen wurden, ohne daß erst der dritte Teil aller Bittsteller abgefertigt worden war. Mari muß einlcHen. Die Geldquellen versiegen bald. Die Roth- Schilds und Lord Melchctts sehen ja, daß die Juden in Deutschland weiter ihren Geschäften nachgehen können. Und darum soll man, weil Rassegenossen in feiger Angst das Hasenpanier ergriffen, bis ad infinitum Geld zum Fenster hinausschmeißen, von dem nicht ein halber Franken wieder herein kommt? Man hat diese ärmsten Emigranten jetzt von Stadt wegen im Nordosten von Paris in der Rue de la Villette in großen, traurig aussehenden Gebäuden und Baracken, die Kasernen gewesen sein mögen, untergebracht. Da hocken sie beieinander und wehklagen und fluchen ihrer übereilten Flucht. Uebcrall versuchen sie sich in freien Berufen, als Modistinnen, Korsettmacherinnen die Frauen, als Sprachenlehrerinnen, die Männer als Gdegenheitsjpuraalistcn, Uebersetzer, Agenten, kaum einem Dutzend ist es gelungen, in eine feste Stellung hineinziischlüpfen. Schon der Fragebogen auf dem Französischen Konsulat in Berlin macht die Bewilligung einer Einreiseerlaubnis von der Verpflichtung abhängig, keine Stellung in Frankreich zu suchen und anzunehmen; überdies fragt dieser Bogen neuerdings auch nach der Konfession der Einrciselustigen. Der Ansturm Judas nach Paris wird anscheinend nicht mehr allzu freudig begrüßt.“ Der Korrespondent kommt dann auf verschiedene Zeitungsgründungen zu sprechen und schließt: ״Es wird den Franzosen zu langweilig, zu jeder Tages- und Nachtzeit jüdisches Wehgeschrei zu lesen und zu hören, sie desinteressieren sich, und vielleicht wird es nicht mehr lange dauern, bis ihnen die deutschen Emigranten so lästig werden, daß sie sie mit Freuden wieder abschieben möchten, — wenn nur ein anderes Land sie aufnähme.“ Zionistische Arbeit in Polen Trauer um Rabbiner Schapiro (Von unserem Korrespondenten) —g. Warschau, 3. November Die diesjährige zionistische Winterarbeit begann hier mit einer großzügigen Propaganda für den ״Mifal Ariosoroff“, für die in Palästina zu gründende landwirtschaftliche Siedlung zum Andenken an Chajim Arlosoroff. Keren Kajemeth und Keren Haiessod, sowie die zionistischen Parteien haben gemeinsame Komitees zwecks Durchführung dieser Aktion gegründet. Leider haben die Revisionisten und der Misraclii ihre Teilnahme an dieser Aktion abgelehnt. Präsident So ko low hat in Warschau, Lemberg, Krakau und Bielitz auf großen Veranstaltungen den ״Mifai Arlosoroff“ eingeleitet. Man erwartet, daß die Sammlung in Kongreßpolen unter der energischen Leitung von Baruch Zuckermann erfolgreich sein wird. J. Grün bäum, der in einigen Tagen Polen verläßt, um nach Palästina zu übersiedeln, hat bereits in seiner Eigenschaft als Leiter des Alijahressorts in der Exekutive, einige Emigrationsländer (Oesterreich, Ungarn, Rumänien) besucht und dort, wie auch in Polen, die Reorganisation der Palästina-Acmter auf Grundlage der Kongreßbeschlüsse, die die neuen Kräfteverhältnisse in der Bewegung berikksichtigen, durchgeführt. Die Revisionisten in Polen haben init zwei großen ״Schauparaden“ ihre Arbeitssaison eingeleitet. Zuerst fand in Warschau die Landestagung des Brith-Trumpeldor statt. Dann tagte die zweite von den Revisionisten organisierte Organisation, der ״Brith Hachajil“. Es ist dies eine Organisation der ehemaligen jüdischen Offiziere und Soldaten der polnischer! Armee. Die Tagung fand in Anwesenheit Jabotinskys statt, der angesichts der soeben aus Palästina eingetroffenen Nachrichten über die arabischen Demonstrationen die Wichtigkeit des Legionsgedankens hetvorhob. Auch der Misraclii mobilisiert seine Anhänger und führt selbständig eine Sammelaktion für den ״Keren Erez- Israel“, unter der Losung ״Aufbau eines religiösen Erez-Israels“ durch. Die Zeire Misraclii haben eine Parteiratssitzung abgehalten, in der sic die Haltung des Misrachi gebilligt haben. * Eine der Säulen des zeitgenössischen religiösen ludentums, Rabbiner Meir Schapiro in Lublin, ist nach kurzer Krankheit verschieden. Schapiro war einer der größten Talraudgclöhrteu,, eine bekannte Autorität im orthodoxen Judenturn, einer der ״Großen seiner Generation“. Sein Lebenswerk, dem er alle seine Kräfte widmete, war die ״Jeschiba Cachmci Lublin“, das größte, modern ausgestattete orthodoxe jüdische Lehrhaus. Schapiro war Gründer und Leiter dieser Jeschiba, und die Erhaltung und Entwicklung dieses Instituts war seine größte Sorge. Schapiro war auch Mitbegründer und Führer der ״Agudah“ und hat einen besonders ehrwürdigen Platz in dieser Bewegung eingenommen. 1 General Sinais gegen antisemitische Propaganda Kapstadt, 3. November. (J. T. A.) Der Vizepräsident des Ministerrats von Südafrika, General Smuts, erlieft einen Aufruf, 111 dem er nachdrücklich davor warnt, die sich in Südafrika entwickelnde antisemitische Propaganda zuzulasseri. Das Justizamt, erklärt Smuts, erfährt, daß in verschiedenen Teilen des Landes antisemitische Flugblätter verteilt und von Judenfeinden veranstaltete. Versammlungen abgelialten werden. Diese Veranstaltungen zielen darauf ab, Störungen von Ruhe und Ordnung hervorzurufen. Bedauerlichervveise sind Anzeichen dafür vorhanden, daß durch eine organisierte Bewegung Rassen- und Klassenhaß in unserem Volk verbreitet werden soll. General Smuts warnt zum Schluß die antisemitischen Agitatoren und erklärt, auf diese würde die Schuld fallen, wenn ernste Unruhen ausbrcchen sollten. Die Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina eröffnete am 1. November offiziell ihre diesjährige Winterarbeit mit einer Werbeveranstaltung im Gartensaal des Logenhauses. Der Besuch war stark — schon vor Beginn mußten die Türen geschlossen werden. Beides — der Redner des Abends, Herr Dr. Sereni, der über die Frau als Pionier in Erez Israel sprach, und die Ankündigung eines neuen Wizo- Films — hatte so viele Menschen angelockt. Dr. Sereni zeichnete mit kurzen, starken Strichen die Probleme, in die die heutige Frau — vielleicht besonders die Frau in der Kwuzah — gestellt ist. Kein Vorbild aus früheren Zeiten, aus der Geschichte ihres Volkes, fand das Mädchen, das neu einwanderte, für ihre Aufgabe in Palästina — ganz fern ist sie ihrer Nachbarin, der Araberin, der vorläufig noch kein Volksgenosse Mitbestimmungsrecht in wichtigen Fragen der gemeinsamen Wirtschaft geben würde, die sich die Chaluzah errungen hat. Ein großes Problem ist für sie die Kindererziehung, der Zwiespalt, sie für sich zu behalten, trotzdem sie der Gemeinschaft sehr stark gehören. Starker Beifall dankte dem Redner für seine verständnisvollen Ausführungen. Schöne Bilder der Wizo-Einrichtungen und der palästinensischeu Landschaft hatten Wizo und KKL zusammengcstellt und Fräulein Grethe Bloch, die neue Sekretärin des Verbandes in Berlin, gab Erklärungen zu den Bildern. Man spürte ihre Vertrautheit mit den Aufgaben der Wizo und ihre Kenntnis der Fragen des Palästina-Aufbaus. TBeaeStten Sie unseren Inseratenteil ,,Für Aulbau und Frieden in Palästina4' Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltcte am Sonntag, dem 5. Nov., zwei große Kundgebungen anläßlich der jüngsten Ereignisse in Palästina, im Theater ■des Westens und iin Lehrervereinshaus am Alexanderplatz. Etwa 4000 Teilnehmer waren in den Kundgebungen versammelt, viele Hunderte fanden wegen Ueberftillung der Säle keinen Einlaß mehr. Alle Schichten der Berliner Judenhrit waren zu den Kundgebungen erschienen, um ihren tincrschiitt erlichen Willen auszudrücken, daß der friedliche Aufbau Palästinas fortgesetzt werden müsse. Besonders die Jugend war sehr stark vertreten. 111 beiden Versammlungen sprachen Dr. Sereni, Dr. Michael Traub und Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Sereni beschäftigte sieh zunächst mit der These, daß die Judenfrage als eine Weltfrage in die Weltpolilik einbezogen werden muß. Er begründete das Recht amf jüdische Arbeit in Palästina mit den Notwendigkeiten ■der Reproduktivierung des jüdischen Volkes und zeigte, daß in Pekvtina ein neues jüdisches Geschlecht entstanden ist, da» #*.1rch keine Kraft der Welt entwurzelt werden kann. Seine Ausführungen wurden wiederholt durch stürmischen Beifall unterbrochen. — Dr. M. Traub beschäftigte sich mit den Problemen der wirtschaftlichen Be- Ziehungen zwischen Juden und Arabern. Er schilderte die Lage Palästinas vor dem Kriege, als Palästina infolge seiner ökonomischen Verwahrlosung ein Land arabischer Auswandcrung war. Inzwischen ist durch friedliche jüdische Arbeit das Land kultiviert worden. Unter schwersten Entbehrungen ist es jüdischen Arbeitern in Palästina gelungen, bracbliegendes Oedland in fruchtbare Felder und Orangenhaine zu verwandeln. Diese Arbeit verbindet uns mit dem Boden Pa- Iästinas und bildet unseren sittlich wirksamsten Reclitstitel gegenüber der Außenwelt. Auch die Araber haben von uns gelernt und weitgehenden Nutzen aus unserer Einwanderung gezogen, In wenigen Jahren haben die jüdischen Einwanderer eine Industrie geschaffen, in der über 17 000 jüdische Arbeiter tätig sind und die 50000 Seelen ernährt. So gewiß die Araber in Palästina unsere Bundesgenossen sind und bleiben müssen, so unerschütterlich ist auch unser Anspruch, den wir auf das Land im Namen der entwurzelten jüdischen Massen in anderen Ländern erheben. Die Rede Dr. Traubs fana gr-oßen Beifall. — Rabbiner Dr. Pri nz wies darauf hin, daß der Zionismus keinen leichten Weg darstelle, da er der historisch fundierte Neubeginn der Geschichte eines alten Volkes sei. Wir bauen kein kleines Kolonialland auf, sondem wollen neue jüdische Geschichte und neue jüdische Menschen schaffen. Eigenes Land, eigene Nation, eigene Arbeit sind unsere Forderungen. Hierzu ist der politische Weg erforderlich. Die Judenfrage ist der Antrieb zur Erfiilhing dieses Programms. Man muß allerdings das Volk dazu lieben, um diese Forderungen durchznsetzen. Wir wünschen die Rückkehr zu eigener Kraft eines Volkes, das schon begann, sein Dasein zu vergessen. Wir sind die Hoffnung aller Völker, die bereit sind mit uns die Judenfrage zu lösen. Nach neuen stürmischen Beifallskundgebungen schlossen die eindrucksvollen Veranstaltungen mit den Klängen der Hatikwali. Jugend-Alijah Da der Artikel ״Jugend-Alijah“ in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“, wie aus mehrfachen Anfragen hervorgeht. Mißverständnisse hervorgerufen hat, geben wir nachfolgend noch einmal ein« Zusammenstellung der Organisationen, die sicli mit Fragen der Jugend-AIijah beschäftigen. Di e J ü d i s c h e J u g e n d h i 1 f e e. V. ist zuständig für die Alijah von Jugendlichen im Alter von 15—18 Jahren. Ihr B ü ro befindet sich nicht, wie irrtümlich in dem Artikel angegeben, Kantstr. 155, sondern Bl ei b t r eu s t r. 50, (Gartenluus ptr ). Das Kinderheim Ahawah will eine Zweiganstalt auf lern Boden des Keren Kajemeth in der Haifa-Bay errichten. Diejüdische Waise nhilfe e. V. ist die Tfägerin des fugend- und Kinderdorfes Ben Schemen. Die drei genannten Organisationen haben sich in der ״Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend- Alijah“, Kantstr. 158, zusammengeschlossen, um auf diese Weise eine Koordinierung der Mittelaufbringung im In- und Auslande zu erreichen. Die Arbeitsgemeinschaft steht in allen Fragen, die die Ueberführung und Eingliederung der Jugendlichen in Palästina betreffen, im engsten Zusammenhang mit dem Palästina- Amt. fn allen Fragen, die die Aufbringung der Mittel betreffen, steht die Arbeitsgemeinschaft im engsten Zusammenhang mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau. Dde Gründe der deutsch-englischen Entfremdung. Das ״Berliner Tageblatt“ berichtet am 5. November aus London: ״Die Warnung des Stellvertreters des Führers, Heß, an di« übereifrigen Mitglieder, sich vor Taktlosigkeiten und ähnlichen Uebcrgrifteri zu hüten, wird hier viel besprochen, vornehmlich von dem Teile des englischen Volkes, der die Hoffnung auf eine Wiederannäherung an Deutschland noch nicht auigegeben hat. fn diesen Kreisen wird auseinandergesetzt, daß drei Gründe für die deutsch-englische Entfreniciiing maßgebend sind: erstens die Kriegsangst, zweitens die Judenfrage, drittens die Zwischenfälle. Nachdem Heß in so energischer Weise eingegriffen hat, rechnet man hier!damit, daß die Gefahr der Zwischenfälle jetzt beseitigt ist, womit ein großer Schritt vorwärts getan sein würde. Den ״Dorfterroristen‘', wie die hiesige Presse sie nennt, sei jetzt wohl das Handwerk gelegt/ Der Zugang zur Bibel. In seinem letzten Vortrag im Kulturbund deutscher Juden machte Rabbiner Dr. Prinz den Versuch, seinen Zuhörern die Welt der Bibel nahezubringen. Bei gutem Willen, meint der Vortragende, sei dies möglich; denn das Große der Bibel sei, daß sie uns nicht Idealgestalten und ״EdelMenschen“ vorfiihre, sondern einfache Menschen von Fleisch und Blut, die ihre Vorzüge und Fehler haben wie jeder andere. Zudem ist die dichterische Gestaltungskraft der Bibel so einmalig, daß jeder wertempfängliche Mensch die Besonderheit dieser Dichtung begreifen muß. Selbst wo uns der weltanschauliche Hintergrund nicht mehr ganz begreiflich ist, ist die Darstellung menschlicher Leidenschaften und die Sprache so stark, daß wir uns dem Zauber dieser Dinge nicht entziehen können. In ähnlicher Art deutete Dr. Prinz die Psalmen, die Propheten und das Hohelied. Ueberall ist der bleibende Wert nicht die zeitgebundene weltanschauliche Basis, sondern das allgemein Menschlich-Gültige, das aus diesen Schöpfungen zu uns spricht. N.

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