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Jüdische Rundschau · 1933-11-03 · Heft 88 (3.11.1933) · p. Seite 752

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 88 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
Seite 752 (sequence 8)
Language
German
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Seite 750 jüdische Rundschau Nr. 88, 3. XI. 1933 Zwei Kwuzoth Von Immanuel, Wir selten heule die Schilderungen eines Neueinwanderera (siehe Nr, 85, 86 und 87) fort. Red. Von der stahlfarbencn Chaussee, die mitten durch Re- < ho wo 111, eine der schönsten und reichsten Orangenkolonien lauft, zweigen gelbe Saudwege nach den Seiten ab. Man stapft durch die weichen Dünen, in denen man tief einsinkt, kommt über Stellen, wo die Erde steinhart von der Sonne nisammengehacken und in tiefen Rillet! geborsten ist. Man geht zwischen gelb blühenden Akazienheeken, an Kakteen von doppelter Mannshöhe vorbei. Sic sehen ganz anders aus als die zierlichen Topfgewächse, die in Europa in den Blumenladen stehen und die Stander der Biedermeierzimmer füllen. Es sind riesige Pflanzen, weder Strauch noch Baum, mit stammdicker« Blättern, uralt, zum Teil mit einem borkenähnliehen Aussehen. Wie ein Witz sitzen an alten dicken braunen und verstaubten Blättern kleine saftgrüne neue Triebe, und an vielen Stellen sieht man noch die stachligen Früchte. Sie sollen gut sein, saftig und aromatisch. Aber um sie aus den stachligen Hüllen zu schalen, gehört entweder ein Leder- Handschuh oder Heroismus dazu. Denn die haarfeinen Spitzen bleiben unsichtbar in der Haut haften und geben böse Eiterungen. Orangen wechseln mit •Mandeln, die jetzt kahl sind, mit Wein, der seine blattlosen, schwarzen Stocke zeigt, mit Aprikosen. Erst bei diesen Wanderungen sieht man, wie groß ein solches Dorf wie Rechowoth ist, was für verschiedene Teile es hat, wieviel Winket und Wege. Am Horizont stehen zwei große, eindrucksvolle Gebäude, jede-, aut einer Anhöhe, die Umgebung beherrschend: es sind di•• K i n d c r It;« 1! s e r zweier Arbeitergruppcn. Die eine nennt sich ü an-S c h 1 o in o, die zweite Oiwath Breiln c r. Ein I ic-entor, eine Allee von Nadtlbäumen, ein riesiger Hofplatz. Neben dein groben soliden Haus, das man schon von weitem sicht, ducken sich eine Anzahl von recht jämtnerliehen Baracken. Es 1s! Samstag, und das merkt man. Es herrscht eine gewisse Ruhe und Schläfrigkeit, hier und da sieht nuin Leute den notwendigsten Arbeiten nachgehen. Schließlich mus-cn auch;הזו Ruhetag Kinder gewaschen und veisorgt, Hohe und Pferde gefuttert werden. Aber staust sieht man die Leute itn LBsaai . eine nackte und ungemiitliehe Baracke . hcrurnsit/en und dem Grammophon zuhören, andere lesen, wieder andere schlafen, und Gruppen gelten herum und plaudern. Eon die Gäste, die keiner kennt, kütnmert man vielt zuerst nicht, alter wenn man jemand anspricht und um Auskunft bittet, so wird einem alles sehr bereitwillig erzählt und gezeigt. Mit Selbstverständlichkeit wird man zum Essen mitgenommen. Gastfreundschaft gehört dien hier •dazu. Freilich geben die Leute auf Befragen zu, daß die vielen Besuche nicht selten eine grolle Last •sind, i ur Samstag wird mit Selbstverständlichkeit für zwanzig Leute mehr gekocht. Fs kommen Freunde heraus und Bcsueher, die ״das!.and sehen wollen“. Und auch in der Woche wird es in diesen Gruppen selten leer von Fremden. Die (i c s c 11 i c 111 e des Ortes ist kurz, ereignisreich und typisch für viele der neueren Siedlungen. Vor acht Jahren bekam man ein Stück Boden vom Keren Kajcmeth, dem Bodenfonds der Zionistischen Organisation. Zum Betrieb der Wirtschaft mußte man sich den größten Teil, wenn nicht alles, selber verschaffen. Der Stamm der Siedlung war eine Gruppe von Intellektuellen, hauptsächlich aus Galizien, die, als sie kamen, nicht viel von der Arbeit verstanden, zuerst in Kirjath Anawim, einer Bergsiedlung bei Jerusalem, die Landwirtschaft lernten und sich dann mit andern zusammen hier niederließen. Sie besorgten sich selbst Geld aus dem Ausland; sie nahmen Anleihen auf; sic ginget! auf Außenarbeit in Rechowoth. um zu verdienen. Das große Haus, in dem die Kinder wohnen, wurde kurz nach den Unruhen von 1929 gebaut, als man sich überall entschloß, den Siedlern wenigstens einen festen Mittelpunkt, auch für Vcrteidigungszwecke /וו '-,'tu.ffen. S;> entstand, halb aus dem Nichts heraus, eine Wirt-ch.aft. End die ist heute bereits recht ansehnlieh. Eine große Orangenpflanzung, zum Teil ganz neu, zum Teil schon in der Zeit der Fruchtreife, ist der Hauptbesitz und die große Hoffnung des Ortes. Daneben gibt es eine betrachtliehe Gärtnerei, eine Baumschule, Geflügel, schönes holländisches Vieh. In der Plantage, in der Gärtnerei, in allen Zweigen produziert man au! modernste Art, mit besten Sorten, Maschinen, großen Bewässerungsanlagen. Irr, Grunde sind die Leute, die hier für die einzelnen Gebiete verantwortlich sind, eher Wissenschaftler ihrer Art lind Neigung nach als einfache Landwirte. Nicht mit Tradition und körperlicher Kraft wird geschafft, sondem mit Verstand und mit N e r v e n. Dennoch sehen die Leute ganz anders aus, als man sonst Juden zu sehen pflegt. Sonnverbrannt und verarbeitet, sehr breit und kräftig, < jc-taltcn. denen man Wind und Sonne ansjdit. Man zeigt uns neben ()rangen und Mandarinen und Grape-Fruit, die jetzt bald zur Ernte reif sind, Früchte, die wir noch nie gesellen haben, eine kalifornische Grape-Fruit, die innen zart rosa ist und einen ganz ungewöhnlichen süßbitteren Geschmack hat. Es werden liier eben immer noch neue Dinge ausnrobiert und man kann tiie wissen, was für Neuigkeiten in kürzerer oder längerer Zeit auttaiichen. Die V o h n u ח ge n aber, in denen diese Menschen leben, sehen ganz anders aus als die Plantagen. Man sieht sehr deutlich, daß .alle, aber auch alle Investitionen in die Wirtschaft gehen, und daß für die Menschen sehr wenig übrig bleibt. Die Baracken, die da überall herumstehen, waren wahrscheinlich schon nicht sehr wohnlich, als sie neu waren. Jetzt sind sie verwohnt, manche Tür hängt nur knapp in den Angeln, im Sommer muß es zum Schwitzen heiß sein, im Winter ganz gründlich kalt. In der Fßbaracke, in der sich alles sofort nach dem Gongschlag versammelt, ist es schrecklich eng. Um die langen Holztische drängt man sich auf den schmalen Bänken eng zusammen. Auch an Geschirr besteht wohl kein Ueberfluß. Die Suppe schüttet man sich in den «bei! leer gegessenen Teiler, wo noch die Reste von Fleisch und Grütze drin sind, und oft genug muß man auf den Löffel warten, weil gerade keiner frei ist. Das scheint aber kaum einen anzufechten. Denn überall wird fröhlich eine Unterhaltung geführt und die Enge wird ebenso wie die recht schmale Kost für selbstverständlich genommen. Ob man bei der schweren Arbeit auf die Dauer bestehen kann, ist fraglich. Brot gibt es freilich dabei, soviel jeder will, aber sonst ist alles weder reichlich noch besonders gut. Wenn man die Leute fragt, zucken sie die Achseln. Es geht eben nicht anders. Wenn man die Wirtschaft auf die Beine steilen will —- und alles andere kommt nicht in Betracht — so muß man sich eben den Gurt enger zielien. Es wird ja auch einmal besser werden. Schließlich wird man größere Einnahmen haben, wem! die ganze Plantage tragen wird, und in dies e tu Stadium der Ansiedlung geht es gar nicht anders. Das leuchtet ein. Die Frage ist nur, wie lange dieses Stadium dauert, [diese Leute in G an -Sch 10m o sind jetzt acht Jahre am Orte, und es ist noch gar nicht abzuselicn, wann cs einmal besser wird. Schließlich müssen die Schulden bezahlt werden und die hohen Zinsen dazu. Und neben den direkten materiellen Entbehrungen spürt man bei dieser kollektiven Form der Ansiedlung noch andere. Bei diesen Wohnungsverhältnissen ist es nicht möglich, daß jeder seine private Ecke hat, daß jedem auch nur die nötige Ruhe gesichert wird, und die Reibungsflächen, die in dem inneren Zusammenleben entstehen, werden wohl stark vergrößert. Es gehört schon eine große Geschlossenheit der Gruppe dazu, um diese inneren Schwierigkeiten zu überstehen, eine sehr vorsichtige Auswahl «euer Mensehen, ein Verzichten auf alle möglichen kleinen persönliehen Wünsche, die für ״uns“, die wir dieses Leben zum ersten Male sehen, dazu gehören. Die Leute, mit denen wir sprechen, sind sich aller dieser Schwierigkeiten durchaus bewußt. Der alte Stamm wählt sich die neuen Leut« sehr kritisch aus, er scheut sich auch nicht, neue, die nicht hincinpassen, wieder aus/uscheid«n. Und so wächst die Siedlung. Nur eine Stelle im Orte gibt es, wo Menschen wohnen, und wo man etwas von Behaglichkeit spürt und von genauester Sorge um jeden einzelnen: das ist das große Gebäude, das einzige Betonhaus am Platze, wo die Kinder untergebracht sind. Die fünfzehn Kinder, die hier betreut werden, vom eben geborenen Säugling bis ins Schulalter sehen erstaunlich gepflegt aus, gut genährt, ausgezeichnet gehalten. Sie haben ihre besonderen Wasch-, EU- und Spielrätunc, ihre Pflegerinnen und ihre eigene Küche. Lind man sieht ihnen die guten Bedingungen, die Pflege, Luft und Sonne, die ärztliche Ueberwachung und die viele Sorgfalt, die aut sie verwendet wird, an. Es ist ein kräftiges und fröhlieh es Geschlecht, das hier aufwächst, •und diese kollcktivistischc Form der Siedlung, die Kwuzah, ist tiir die Kinderpflcgc fraglos ein ungcheurerFortscliritt. Oh es die Erwachsenen auf die Dauer in diesem engen Zusammenlcbcn aushalten, mag fraglich sein. Daß man den Kindern glänzend« Bedingungen bereitet, steht über allem Zweifel. Vieleicht fühlen die Eltern irgendwie, daß sie von der Arbeit völlig aufgebraucht werden, und haben deswegen zuerst einmal dafür gesorgt, daß in jedem Falte die Aufzucht der nächsten Generation gesichert werde ... Ich frage nach der Verwaltung und Administration einer solchen Kwuzah. Man sieht mich zuerst etwas verständnislos an, und ich muß zuerst erklären, was ich eigentlich meine: ich frage nach der Leitun g eines solchen großen Besitzes, die doch irgendwo ,konzentriert sein muß. Dann erst bekomme ich Auskunft: Die oberste Instanz ist die Versammlung aller Mitglieder, die auch über alle zentralen Fragen zu bestimmen hat. Dann wird jedoch ein ״Sekretariat“ gewählt, das die tägliche Leitung darstellt, sich um finanzielle Dinge, die Verhandlungen mit Kreditinstitutionen, Bestellungen und Verkäufe usw. kümmert. Die Arbeit wird in bestimmten Abständen verteilt, im Laufe der Zeit bilden sich auch Sachverständige für einzelne Zweige heraus, die dann meist dauernd auf diesem Gebiet arbeiten. Wer siel! in diesen Rahmen nicht einpassen kann, zu viel Schwierigkeiten dabei findet oder macht, geht von selbst oder wird ausgeschieden. Die technischen Sicherungen gegen irgendwelche Arbeitsstörungen sind also sehr gering. Alles bängt von den Menschen ab. lind wenn die Betriebe lange Zeit nicht nur bestehen bleiben, sondern sich trotz aller Schwierigkeiten auch entwickeln, muß dieses Menschenmaterial eben erstaunlich gut sein. Ich frage nach neuen deutschen Ein wänderem. Hier haben sie relativ wenige, aber es sind doch welche da. Die Frage, wie sie sich einleben, wird etwas ausweichend beantwortet. Man kann nocli nicht recht wissen. Es ist ganz verschieden. Eine Familie, die kurze Zeit hier war, hat eine Möglichkeit in Tel-Awiw gefunden und geht bald fort. Für viele ist das Leben zu schwer, sie verstehen auch nicht diese Form des Zusammenlebens, kennen nicht diese absolute Hingabe an die Arbeit. Es gibt auch wieder Typen, besonders unter den Jungen oder solchen, die schon von früher eifrige Zionisten waren, die sehr bald hineinkommen und dann gute Arbeiter und zufrieden tind. Im übrigen aber —■ so sagt man mir — wenn Du mehr von der deutschen neuen Einwanderung sehen willst, so geh nach Giwath Brenner hinauf. Das lag ohnedies in meinem Plan, und trotz der immer noch empfindlichen Mittagshitze klettern wir die Höhe durch den Sand hinauf. Was man oben findet, ist im ersten Moment überwältigend. Unten in Gan Schlomo war es ja nun keineswegs komfortabel, aber hier sieht es noch ganz anders aus. Es ist ein riesiger Komplev, um den sich die Wirtschaft gruppiert. Hier gibt es außer den landwirtschaftlichen Zweigen auch eine Schlosserei und Tischlerei und Schusterei. Zum Teil für den Bedarf des Ortes, zum Teil für den Markt Und wälirend es unten 50 Menschen schon eng haben, haben es liier 250 übermäßig eng und unbequem. Das große Steinhaus, das man von weither sieht, gehört natürlich den Kindern. Und im übrigen wohnt man wie man kann! Baracken; ein ganzes Lager von Zelten, kleine Rundzelte, wo drei und vier Leute ihre Beiteil steilen haben. •An einer Seite sind aus Betonblöcken sogenannte Häuser aufgerichtet. Man sieht ihnen an, in welcher Eile sic gebaut wurden. Viereckige Kästen, ohne Fundament, die Blöcke einfach aneinandergeklebt und dann acht oder neun Bette! in einem Zimmer. Als es gar nicht mehr ging, bat man aus Säcken einen Verschlag gemacht und Betten hineingestellt. Die Schule für die Kinder — es sind schon sechs schulpflichtige Kinder dort oben — hat zum Lernen eine Hütte aus Matten, aber die sieht sehr freundlich und beharrlich aus. Daß es im F.ßsaa! viel m eng ist, braucht keiner Erwähnung. Und überall wimmelt «9 von Menschen. Im Eßsaal ist Versammlung, man sitzt eng gedrängt und hört zu. Man spricht darüber, wie man sich einrichten soll, wieviel Arbeitskräfte man für Bauten ab״ geben kann, wieviel für die Arbeit in der Wirtschaft, wieviel für die Lohnarbeit in Rechowoth. Autos Rommen an mit Touristen, die sich die Sache ansehen wollen, mit Freunden von ״Neuen“, die hier untergekommen sind. Hier ist in der Tat eine beträchtliche Anzahl von neuen deutschen Ein- Wanderern. Meistens ganz junge Menschen, die von vornherein vorhatten, in eine solche Gruppe zu gehen. Man hört sehr viel deutsch. Die Frage des Einlebens ist hier noch gar nicht zu beantworten. Der ganze Betrieb ist im Auf- und Umbau. Daß es mit den Wohnungen so nicht weitergeht, be• tonen die Leute selbst. Aber man nimmt alles mit viel Humor, die ״Alten“ mit einem etwas überlegenen Lächeln, das wohl heißen so!!: wir haben noch ganz andere Zeiten und noch ganz andere .Schwierigkeiten gekannt, und die ״neuen“ mit einem bewußten oder unbewußten Draufgängertum. Audi die Verwaltung dieses riesigen Betriebes —- 250 Menschen! — ist nach denselben Linien aufgebaut wie die in Gan Schlomo. Das ist eben die Grundlinie der Kwuzoth. Hier muß nicht nur sehr viel Hingabe nötig sein, um das Getriebe in Gang zu halten, sondern auch eine außerordentliche organisatorlsche Fähigkeit. Ob diese vorhanden ist, läßt sich bei solchen Besuchen überhaupt nicht übersehen. Der Rückweg nach Rechowoth geht durch den sinkenden Abend. Sobald man den Tumult von Giwath Brenncr hinter sich hat, wird es still und unendlich friadikh.. Wie riesige Arme ragen die Blätter der Kakteen durch die Finsternis, di« Akazienhecken bilden schwarze Streifen, die gelben Sandwege verschwimmen im Dunst. Fs ist immer wieder überraschend, wie rasch die Dunkelheit kommt. Eben noch ist es hell, dann die übersatten Farben des Sonnen- Untergangs, die alles in ein Meer von Rot. Gold und Lila tauchen, und in ein paar Minuten ist das alles verblaßt und die Dunkelheit bleibt übrig. Aber sehr bald erscheint ain Naclithimmcl eine ganz schmale Mondsichel, klar gezeichnet und schön geschwungen. Man sieht nicht nur die Sichel, solldem den ganzen Reif; es scheint, als könne man den Mond richtig an einem Ring aulhingen. Und bald ist der Himmel unendlich voll von Sternen. Versteinerte Geschichte Nene Ausgrabungen In PalAatlna Von Simon Menczer, Tel-Awiw. ln den letzten Jahren wird in Palästina viel gegraben. Professor Garstang gräbt das vorisraelitische und israelitische Jericho aus; Professor Aübright glückte es, die strategisch und politisch wichtige biblische Festungsstadt B e t h - Z 11 r zu entdecken; der Archäologe Dr. Grand gräbt in dem als Waffenstadt wie als Verkehrsknotenpunkt gleich bedeutenden, auf dem Bergweg nach Jerusalem gelegenen Beth-Schcniesch; ferner wird auch die Gegend des philistäischen Gaza durchgraben und durchforscht. Von bcsonderem Erfolg jedoch waren die Ausgrabungen und Entdeckungen des deutsch-amerikanischen Gelehrten Professor Bade im benjamitischen M i z p a h bei J erusalem und die von amerikanisch-englischen Archäologen in Gemeinschaft mit der Universität Jerusalem vorgeuonimerien Grabungen in Schomron-Sebastia. Mizpaii ist auch als der Wohnort des Propheten Samuel und als die Krönungsstadt Sauls bekannt, in der 900 Jahre später Juda Makkabi seine Bergscharen sammelte, sie in Trauer und Fasten die Zinnen Jcrusalems überblicken ließ und sic zur siegreichen Schlacht gegen den syrischen Fcldhcrrn Georgias anfeuerte. — Nach der Meinung Professor Bades bieten die Ausgrabungen in M i z p a h, das König Assa (Könige 1. 5, 15) auf den Trümmern des uralten Mizpaii errichten ließ, zum erstenmal ein vollständiges Bild einer altisraelitischen Stadt und Festung noch vor der Davldschen Epoche. Vor allem fällt die mächtige und massive Bauart der Stadtmauern, Paläste und Häuser auf, •wie man sie bisher im Land« nicht fand. Eine uralte Stadt mit ihren Kulten und Lebenseinrichtungen erstellt aus den Bautenresten und Ruinen, und fast jeder Laie glaubt, mit Leichtigkeit die Rekonstruktion vornehmen zu können. Neben dem Heiligtum für Jahwe ragen in der Nähe des Königspaiastes die Reste eines Astarfe-Tcmpels in die Höhe. Von den sieben Mazebboth stellen am Eingang in den Tempel zwei, an denen der Wächter saß und den Lohn für die Priestc• rinnen in Empfang nahm; im Innern des Tempels sind auch die einzelnen Zellen der Priesterinnen zu sehen. Die im Tempel gefundenen kleinen Tondarsteilungen der Astarte zeigen die Göttin der Fruchtbarkeit als Frau mit schwellenden von beiden Händen gestützten Brüsten und einem zarten Taubenkopt, oder als runden Frauenkopf mit dichten Locken und kurzem Haar. Angesichts der Nähe von Königspalast und Astarte-Tempel werden die Worte des Propheten ״Schaffet fort die fremden Götter aus euerer Mitte!-‘ recht lebendig. Unweit des Astarte-Tempels liegen die Ruinen des Palaste•, des Stndtresidenten, zu dem Stuten liin auf führten; auch hier herrscht unter den viereckigen Sätiien meist die Sicbenerzahl vor. In zwei Nebenräumen des Palastes wurden vierzehn mit Steinen eingeschlagene Weinkrüge gefunden, aus denen man wahrscheinlich in der Eile vor dem cindringenden Feind den Wein hat aiisfließen lassen. In der Umgebung, gähnen die öffentlichen Kerkergruben, die König Assa errichtete; eine dieser Gruben ließ der aus königlichem Geblüt. stammende Jischmael ben Natanjah mit den Leichen der erschlagenen An- )länger des Statthalters Gedaljahu ben Achikam füllen (Jer. 40/41). An das Werklebcii der einstigen Bewohner erinnern drei an verschiedenen Stadtteilen entdeckte primitive Färbereien, die hier zum erstenmal in Palästina gefunden worden sind. In einem glattrund ausgehöhlten Stein wurde der harte Farbstoff zerkleinert und gestoßen und dann mit Wasser vermengt; ein zweites Gefäß daneben mit einer Decke und einem Loch in der Mitte diente dazu, das in die Farbflüssigkeit getauchte Gewand abtropfen zu lassen, damit der kostbare Farbstoff nicht verloren ging. Den erhebendsten Eindruck aber innerhalb der dicken Stadtmauern mit ihren starken Böschungen und den reiten unterirdischen Zisternen, die auch als Schutzort verwandt werden konnten, macht das mit einer innern und äußern Turmanlage versehene östliche Stadttor, durch das wohl der assyrische König Sancherib geschritten sein mag, als er 701 v. Chr. die Stadt eroberte, Rechts und links des einige Meter breiten Tores sind in den Mauerwänden .die Aushöhlungen zu sehen, wohin die langen schweren Torriegel hineingeschoben wurden; auch die zwei runden schweren Steine, die, in der Mitte durchlocht, zur Aufnahme der Torpfosten dienten, liegen zu beiden Seiten des Torwegs, wie wenn sie der Feind erst gestern aus ihrer Lage gerissen hätte. Vor dem Tor innerhalb der Maliern befinden sich die zwei, kleinen Zimmer der Richter und nach innen zu an beiden Seiten die glatten gelben Quadern, auf denen die Richter und Stadtältesten saßen und ״Recht im Tore sprachen“. An einer, hochgelegenen Hügelecke fand Professor Bade auch eine in den Fels gehauene große Weinkelter mit einem guterhaltenen Turm. — Den wertvollsten Fund dieser Ausgrabungen stellt zweifellos das im Grabe Jaasnijahtis, eines der oft genannten Hauptlcute des Königs Zidkijahu, gefundene Siegel aus kostbarem Achatstein dar. Auf der einen lidittrrauen Seite sind in zwei Zeilen in althebräischer Schrift die Worte ,.Lejaasnijahu Ewed Harneiech (dem Jaasnijahu, den! Diener des Königs)“ cingraviert und darunter ein Hahn in Kampfstellung, der vielleicht die militärische Kraft symbolisieren sollte; auf der anderen Seite ist ein vorgewölbtes sthwarzbrauncs Auge, das wachsame Auge Jaasnijalius, zu sehen. Das über 2500 Jahre alte Siegel bestätigt die Erzählungen aus Könige II. 25 und Jeremias 40/41, wonach Jaasnijahu einer der Fiaiiptleute des Königs Zidkijahu war, die aus Jerusalem flüchteten und dann in Mizpaii mit dein dort von Nchukadnezar eingesetzten Statthalter Gedaljahu ben Achikam untergeordneten. Gleichzeitig mit den Entdeckungen in Mizpah waren auch die Ausgrabungen in Schomron-Sebastia von Erfolg begleitet. Nach den Erklärungen Dr. Sukeniks, des Archäologen der Jerusalemer Universität, gelang es der Expedition, die ganze Länge des Königspalastes aus der Zeit der altisraelitischen Könige Achab und Omri bloß/ulegcn. Der Palast, der viele hunderte Meter sich hinzieht und von dessen Terrassen und Türmen eine großartige Aussicht bis zuin Meer sich bot, legt Zeugnis ab von der Größe und dem Reichtum des alten Scnomrom. An einigen Stellen wurden die Elfenbein- Verzierungen der königlichen Möbel gefunden, meist aber in einem schwarzen durchgebrannten Zustand, der von den Zer- Störungen dieser Stadt kündet. Das biblische Abbilrlungsverbot scheint in der damaligen Epoche, wo man noch dein Baa! und der Astarte diente, nicht verbreitet gewesen zu sein. Die Elfcnbcinstückc weisen Abbildungen von Löwen, Cherubim, Palmen und andere Verzierungen auf, die auch an ägyptisch« Vorbilder erinnern. Aus den Eingangstoren des Palastes wurden gerade vor den Augen der Besucher drei große Steinquerbalken, mit verschiedenen schönen Vcrzierungen geschmückt, ausgegraben. — Gleichzeitig mit diesen Entdeckungen wurden auch viele Reste derselben int Herodia- Mischen Zeitalter Sehastia genannten Stadt ausgegraben. Die schon bei früheren Grabungen bloßgelegteii schwarzen Riesensäulen des Heradianischen Palastes wurden diesmal bis auf ihren Grund freigelegt; eine schöne Basilika und eine gepflasterte Straße, die eine Verbindung zwischen der inneren Stadt und der von außen in diese führenden über 1SÖ0 Meter langen Säulenstraße licrstclite, wurden neu entdeckt. Ein römisches Forum, ein Amphitheater, eine weite Arena, ein beschädigtes Marmordenkmal des Augustus, teilweise schon früher aufgefunden, sowie neue Mauerteile und Stadtruinen lassen das einstige herodianisch-römische Sebastia wieder ahnen.

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