Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 88 (3.11.1933)
- Date
- 1933-11-03
- Page
- Seite 750 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 7« jodische Rundschau Nr. 88. 3. XI. 1933 Nr Der Kampf um die Einwanderung Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Der nachfolgende Bericht Ist noch vor Beginn der Vnruhen in Palästina geschrieben, gibt aber eine sehr instruk• live l'cb-'rsicht über der! tatsächlichen Stand der Elnivandcru r'Präge und die Punkte, die bei einer sachlichen Beurteilang dieses Problems zu berücksichtigen sind. (Red.) gl, Tel-Awiw, 24. Oktober 1933. Der Beschluß des Oberkommissariats über die Anzahl der Einwanderungserlaubnisse für die Zeit von Oktober 1933 bis April 1934 war auch für eingeweihte Kreise eine Ueberrasrilump Cs war wohl von vornherein klar, daß die Regierung, die unter dem Druck der Propaganda der arabischen Nafionalhewegung steht 1!nd Furcht hat, diesen Druck weiter tu verstärken, sehr viel weniger bewilligen würde, als die Juden gefordert hatten, Dali sie sich aber mit 3503 Zerti fikaten für das nächste Halbjahr begnügen und auf diese Zahl noch die Avancen von 2000 Erlaubnissen, die schon vorher art die Jewish Agency bewilligt waren, zum Abzug bringen würde, daß also im ganzen die neue Arbeitcreinwanderung a u f 3100 sich beschränken würde, das kan» auch den offiziellen Kreisen als eine bittere Uebcrraschung. Mit dem Bekanntwenlen dieses Beschlusses beginnt in Palästina ein neuer Kampf um die Einwanderung, der von allen Kreisen der Bevölkerung getragen wird und mit großer Macht einsetzt. Was ist geschehen - Es hat sich von neuem gezeigt, daß alle wirtschaftlichen Fragen des Bandes mit politischen Oesifhtspiinktcn verknüpft u erden. Fngliml hat sich bisher auf den Standpunkt gestellt, daß die Einwanderung ״entsprechend den w :lisch,milchen Möglichkeiten des Landes" geregelt werden müsse nie Juden haben im Prinzip dieser Formulierung zugestimmt, sin sie aber sehr dehnbar war, genügte sie keinesfalls für eine Einigung über die Zahl der jeweils zu bewilligenden Zertifikate. Es ist seit Jahren l'«u5 gewesen, daß von Halbiahr /1t Halbjahr Zählung«■!! und Untersuchungen altgestellt wunE n, um fcst/ti-dcllcn, wieviel neue Arbeiter die jüdische Wirtschaft im Lande absorbieren Konnte. Die jüdische Arbeiter- Organisation hat zweimal im Jahre entsprechende Erhebungen durchgeführt, die Jewish Agencv, als die offizielle Vertretung der Juden, hat sie geprnft und dem Oberkommissariat dann ihre Forderung auf eine bestimmte Anzahl von Zertifikaten unterbreitet. Die Regierung, die ihrerseits wieder durch ihre Beamten Erhebungen über die Lage des A r heit s m a r k tes ansteilte, hat dann jeweilig eine größere oder kleinere Anzahl von Erlauhnissvit ausgegeben. Und es wurde immer weniger, oft sehr viel weniger bewilligt als gefordert wurde. Einerseils ist die Regierung zu einer großen, oft übergrollen Vorsicht in diesem Punkte geneigt, weil sie durch ein zu starkes Strömen «der Einwanderung eine Arbeitslosigkeit zu produzieren fluchtet, andererseits — und das ist das ausschlaggebende Motiv — wird jede Entscheidung in der Frage der Zertifikate zu einem Politieum, weil die Araber sich gegen die Immigration stemmen. Dieses Mal kann man mit Sicherheit sagen, daß die Entscheidung■ des Oberkomniissariats eine rein politische war. Das Land zeigt einen außerordentlichen Arbeitermangel. Neue Unternehmungen müssen beschnitten oder verschoben werden, weil nicht genügend Kräfte zu ihrer Ausführung da sind. Auch das Argument, daß ׳'die'jüdische Einwanderung ökonomisch den Arabern schade, ist durch die Tatsachen absolut widerlegt. Die wirtschaftliche Lage im ganzen Lande ist sehr viel besser als in den benachbarten Territorien, was sich allein dadurch beweisen läßt, daß wir eine arabische Zuwanderung aus Tratisjordanien und Se rien und keine arabische Auswanderung haben. Ein weiterer wichtiger Beweis für den wirtschaftlichen Nutzen, den die gegenwärtige Einwanderung und die mit ihr verbundene Initiative auf verschiedenen Gebieten dem Lande bringt, ist die glänzende Lage der Regierungs- Lasse, die sich immer mehr füllt und Reserven anhäuft. Der gewaltige Protest, der unter den Juden gegen die Entscheidung der Regierung aufflammt, stützt sich also nicht nur auf ge• täuschte Hoffnungen, sondern auf Tatsachen und Zahlen. Die Vertretung der palästinensischen Judenheit, der WaadLeumi, hat sich in einem großen A u f r u f a 11 die Oeffcntlich• keit gewendet und die gegenwärtige Lage im einzelnen mit Hilfe von Berechnungen geschildert. Sie betont die Absicht der Juden, mit den Arabern in Frieden zu leben, schildert den unge• heuren Druck, der auf der Judenheit der ׳Oaluthländer lastet und fordert 11 ie Hilfe der Welt für die Lösung der Judenfrage. Die hebräische Presse und die verschiedenen Gruppen der paläsfinfrisischen Juden unterstützen den Ruf, Die neugewählte Zionistische Exekutive muß ihre Arbeit mit einem Kampf um diesen beute entscheidenden Punkt des Palästina-Werkes, die Immigration. beginnen.. In der B e g r ii n d u 11 g d e s (...) 1» e r k o m in i s s a r s für die von ihm getroffene Entscheidung wird unter anderem gesagt, daß die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes eine grilliere Anzahl von Zertifikaten ermöglichten, daß an sich 6500 Erlaubnisse lütten aimgegeben werden können. Jedoch nimmt er an, daß eine große Anzahl von Aufenthaltserlaubnissen im nächsten Halbjahr für Touristen benötigt werden, die im Lande bleiben wollen und daß er daher von vornherein die Quote herabgesetzt habe. Damit wird von der höchsten Stelle an das Problem der Touristik gerührt. Es ist von großer Bedeutung für die Regelung und richtige Unterbringung der Einwanderung und von speziellem Interesse für die Immigration aus De 111 s c 111 a n d. Wahrend sonst diese neuer» Immigranten noch gar nicht dazu kommen, sich mit öffentlichen Dingen im palästinensischen Leben zu beschäftigen, auch vielfach gar kein Interesse dafür zeigen, wird die Frage der Immigration im allgemeinen und die der Touristik im besonderen gerade in diesen Kreisen mit brennender Anteilnahme verfolgt. Es bestand eine paradoxe Situation für die gesamte Einwanderung und besonders für die deutsche. Einerseits wurde die Notwendigkeit zur Uehersiedlung immer stärker und die Möglichkeiten im Lande immer größer. Andererseits war die Regelung der Einreise mcistens so kompliziert und erforderte so lange Zeit, daß man sich irgendwie helfen mußte. Wenn man kein Zertifikat bekam oder auch die Erlaubnis, als Kapitalist, also mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund einzuwandern zu lange hinausgezögert wurde, so versuchte man sein Heil als Tourist Eine sehr große An/aM dieser ״illegalen T o 11 r i s t e n“, wie man sie hier im Lande nennt, fanden hier sofort Arbeit oder eine Investitions- oder Beschäftigungsmöglichkcit. Ihre Einreise entsprach also durchaus den ,,wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes“. Ein anderer Teil der ״illegalen Touristen1' rekrutiert stell aus Leuten, die in der Tat als Touristen ins Land kamen, um es sich a!1- Zusehen, die Verhältnisse kennen zu lernen, und die dann gerne bleiben wollten, sofort eine Lebensmöglichkeit für •ich entdeckten und sich Mer niederließen, jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht dazu kamen, innerhalb der vorgeschriebenen Zeit -- drei Monate — das Gesuch um eine Aufenthaltserlaubnis einzureichen. Die Regierung bekam jedoch vor der T©uristencinwandening Angst und gab ihre Absicht kund, sie in Zukunft mit scharfen Mitteln zu unterbinden. Es werden Schwierigkeiten bei der Landung gemacht — freilich hat die Regierung gerade deutschen Touristen gegenüber die Zügel bisher lange nicht so straff angezogen wie bei Ankömmlingen aus anderer» Ländern — und in letzter Zeit hat sogar die Polizei einmal ein Hotel durchsucht, um festzustellerr, ob die Papiere aller Insassen in Ordnung wären. Die jüdische Ocffcntlichkeit protestiert gegen diese Maßnahmen, und für jeden ״Neuen1“ ist die Regelung seiner Aufenthaltserl aubnis nicht nur eine selbstverständliche, dringliche Angelegenheit, sondern sie wird oft genug zu seiner einzigen Sorge und erschwert ihm die Installierung in hohem Maße. Die Situation wird noch kompliziert dadurch, daß die Regicrungsämter den erhöhten Anforderungen, die an sie gestellt werden, in keinem Maße gewachsen sind. Der Beamtenstab ist für eine solche Zeijt viel zu klein. Tausende von Gesuchen bleiben liegen, auf Anfragen bekommt man sehr verspätet oder gar keine Antwort, und es gibt heute Tausende von Menschen im Lande, die geradezu zwischen Himmel ■und Erde schweben und für die eine Bewilligung ihrer Gesuche um Einwanderung von Verwandten oder Bestätigung ihrer eigenen Aufenthaltserlaubnis zum Zentrum ihrer Wünsche wird. All das zeigt deutlich, daß es so nicht weitergehen kann. Eine Neuregelung der Einwanderungsbestiminimgen und eine entsprechende Vergrößerung des Beamtenstabes in den mit der Einwanderung befaßtem Departements ist unerläßlich. Schließlich ist die illegale Touristik ein Produkt der paradoxen Situation, in der wir uns befinden. Es wird auf die Dauer nicht möglich sein, daß sich die Immigration den heute bestehenden behördlichen Bestimmungen anpaßt. Sie kann es nicht, weil iter Druck im Ausland zu groß ist und die Mensehen, solange Existen/.inögliclikeiten in Palästina bestehen, ins Land drängen. Erst wenn die behördliche Regelung sich den praktischen Notwendigkeiten des Tages anpassen wird, können normalere Zustände entstehen. Dann wird so etwas wie eine illegale Touristik nicht nötig sein und von selbst aufhören, und weder die Einwanderer, noch die Regierung werden weiter ein dringliches Problem mit unzulänglichen Mitteln angreifen. Wenn aber die Regierung von vornherein eine Quote von 1000 Zertifikaten auf Kosten der illegalen Touristik von den Einwanderiingserlaubnissen herunternimmt und damit die legalen Immigratiousmöglichkeiten verkleinert, so fördert sie damit indirekt die Einwanderung auf Umwegen. Ob auf eine Aenderurig der Einwandeiungsbestimmungen zu hoffen ist, bleibt sehr fraglich, weil die Regierung die Dinge unter politischen Gesichtspunkten sieht. Es wäre jedoch verdienstlich, genaue Vorschläge für eine andere Gestaltung der Immigrationsbestimmungen au;- zuarbeiten, um auf ihrer Grundlage zu verhandeln. Und ebenso dringlich wie die Ueberwindting des englischen Widerstandes oder vielleicht noch dringlicher wird eine Behandlung des arabischen Problems, das ja die Grundlage aller Schwierig- Leiten bei der Regierung bildet. Ohne die Propaganda der arabischen Führer, ohne die Protestdemonstration.gegen dis Immi■ gration am '13. Oktober hätte der Oberkommissar die Quofe'der Erlaubnisse nicht so gewaltig beschnitten. Gerade jetzt in der Zeit des großen Aufstiegs sind die Juden ein sehr gewichtiger und bedeutender Verhandlungspartner. Sie sind gezwungen und imstande, die Frage der Immigration nicht nur den Engländern, sondern auch der! Arabern gegenüber in ihrem ganzen Umfang aufzurollen. Die ״Jüdische Rundschau44 hat in den letzten Monaten ihre Leserschaft vervielfacht* Sie bringt die besten Informationen über jüdische Fragen, über Palästina, über die jüdischen Bewegungen unserer Zeit; sie ist eine Tribüne der Verteidigung jüdischer Ehre und jüdischer Existenz in der gewaltigen Geschiehtswende unserer Zeit. Wer noch nicht zu unseren Abonnenten gehört, gebe sofort seine Besteilung auf! Die ״Jüdische Rundschau“ ist das beste Ifisertionsorgan, da unsere Leser auch den Inseratenteil mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Fragen Sie unsere Inserenten nach ihren Erfahrungen! Notleidendes Hilfswerk s. n. Paris, den 31. Oktober 1933 Wir haben darauf hingewiesen, daß die zahlreichen jadisch-deutschen Auswanderer, die sich in Frankreich und in anderen Ländern befinden, die Ergebnisse der Bern• tungeit sowohl der vom Völkerbund eingesetzten Kommission für Flüchtlinge wie auch der allgemeinen jüdisclu-n Hilfskonferenz fn London mit gespanntester Anteilnahme verfolgen, da die 0 א t d i e s c r Auswanderer, besonder י in Anbetracht des nahenden Winters, außerordentlich groß ist. Aber auch die einzelnen Hilfskomitees, die in den verschiedenen Ländern sich der Auswanderer angenommen haben, verfolgen die Entwicklung der Beratungen und Maß■ nahmen in Genf und in London mit stärkstem Interesse, denn diese Hilfsgesellschaf len sind nicht minder notleidend als die Schützlinge, für die sie ins Leben gerufen wurden. In den letzten Tagen war sogar die Nachricht verbreitet, daß das Hilfskomitee in Baris wegen Mangels an Mitteln seine Pforten geschlossen hätte. Zum Glück ist diese Nachricht vorläufig nicht wahr und eilt einer möglichen Entwicklung voraus. Aber in Wirklichkeit ist die Situation des Zentralhilfskornitees für die jüdischen Auswanderer in Paris und ganz Frankreich alles andere als rosig. Im Bewußtsein dieser Sachlage hat das genannte Komitee vor einigen Tagen der Oeffentlichkeit einen vorläufigen T ä - tigkeitsbericht unterbreitet. Wenn man diesen Bericht aufmerksam studiert, 80 gewinnt man den Eindruck, daß er eine Art Abschiedskundgebung hätte werden sollen und im letzten Augenblick dahin geändert wurde, daß in Anbetracht der Zusammenfassung aller Anstrengungen der jüdischen Gcmeinschaft in der ganzen Welt eine Fortsetzung der H il f s t ä t i g k e i t, eventuell in einem anderen Rahmen und in anderen Formen, doch möglich sein werde. Der Bericht wählt als Stichtag den 20. Oktober. Bis zum 1. Oktober warn: beim Hilfskomitee 9251 Auswanderer vorgemerkt. Von dieser Zahl haben bis zum 20. Oktober 2392 Unterstützung vom Komitee erhalten. Unter den Unterstützten befanden sich 1265 deutsche Staatsbürger, 450 polnische und 571 aus ande■ ren Landern. Die Erhaltung der völlig mittellosen Unter■ stützungsbedürftigen kostete das Komitee täglich pro Kopf 10 französische Franken. 1515 der Betreuten wohnen in Hotels; 747 sind in vier Kasernen uiitergebracht '{deren Fr- Haltung kostet täglich nur 6 fr. Frcs.). Ls gelang, 111 der Berichfsperiode 897 Registrierten Arbeit zu verschaffen. Davon sind 148 in der Landwirtschaft, 96 als Büroangestellte, 49 in der Konfektion und 201 in der Provinz untergekommen. Das Hilfskomitee hat sich in Verbindung mit der Orga• nisation ״Hieem“ bemüht, einer Anzahl von Hilfsbedürftigen die Auswanderungsmöglichkeit nach Hebersee zu verschaffen. Es mußten die Mittet für 1164 Reisen auf• gebracht werden. 434 von diesen Reisen waren Rückreisen in die Heimatländer; der Rest waren Reisen in neue Auswandcrungsgebiete, 118 der,in Paris befindlichen Auswanderer er• hielten die Einreiseerlaubnis nach Brasilien. Ein besonderes Problem bildete die Fürsorge für die Intellektuellen, mit denen sich ein spezielles Komitee beschäftigte. Es gelang, 40 Personen dieses Kreises Anstel• lungen als Assistenten und Laboratoriumsgehilfen zu ver■ schaffen. Bisher wurden nach dem Berichte des Hilfskomitees für das Hilfswerk insgesamt ungefähr 7 Millionen französischer Franken ausgegeben. Das Hilfskomitee als solches verbrauchte 5 Millionen Franken; das Intellcktuellenkomitee gab 540009 Franken aus und die Reisespesen für die erwähnten 116t Reisen betrugen den Restbetrag, der auf 7 Millionen fehlt. Diese Summe hört sich überrasenend hoch an. Man darf aber nicht vergessen, daß 80 französische Francs erst ein eng- Iisches Pfund sind, ln England hat man in der Berichtsperiode des französischen Hilfskomitees für die Zwecke der deutsch-jüdischen Auswanderer 195 000 Pfund gesammelt, und das ergibt, in französische Francs umgerechnet, die Summe von 15,6 Millionen. Wenn man noch in Betracht zieht, daß von den in Paris ausgegebenen Millionen der Hauptanteil aus Spenden des alten Barons Rothschild stammen, so gcwinnt man erst den richtigen Standpunkt, um die Schwierigkeiten bei der Aufbringung der nötigen Beträge richtig einzuschätzen. Dies ist keineswegs als eine Kritik gesagt, sondern soll bloß veranschaulichen, wie mühsam es ist, im Wege von Spendensammlungen ein über viele Monate sich hinziehendes Hilfswerk fortzutühren. Wenn man die täglich erscheinenden Spendenlisten in den jüdischen Zeitungen von Paris verfolgt, so ist man über die Hilfswilligkeit der kleinen und kleinsten Leute aus dem Pariser Judenviertel gerührt. Der Bericht vermerkt, daß das Hilfskomitee in Zukunft gezwungen sein wird, das Ausmaß seiner Fürsorge sehr stark einzuschranken. Fortan können an die Bedüritigen nicht mehr, wie bisher, zwei Mahlzeiten verabreicht werden. Das Geld reicht kaum noch dafür, den Notleidenden einmal täglich eine warme Mahlzeit zu geben. Ausnahmen werden nur für Kinder und Kranke gemacht werden können. Ein schwieriges Problem ist die geistige Fürsorge für die in den Kasernen Uniergebrachten. Ein großer Teil von ihnen hat keinerlei Beschäftigung und leidet darunter schwer. Man hat nun llntcrrichtskurse eingerichtet und sorgt für turnerische Betätigung. Besonders schwierig ist die Lage der ostjü(fischen, aus Deutschland gekommenen Auswanderer. Sie werden zum großen Teile im Laufe der Zeit die Rückreise in ihre Heimat antreten müssen. Der Bericht schließt mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß es dem Komitee gelingen wird, sein Hilfswerk in bescliränktem Umfange fortzuführen, bis Völkerbund und die von der_ Londoner Hilfskonferenz zu schaffende Zentralinstanz die Obliegenheiten des Pariser Komitees zum großen Teile übernehmen werden. Im Interesse der Auswanderer ist zu wünschen, daß die Hoffnung des Pariser Hilfskomitee Verwirklichung finde. D Alfred Sport[ 11 er J Zcitur R<•;: rolir 011׳ ) 1 >ou Spi :1111 das S[1r; 1 ו m di,׳ ״fi׳ E bedi’ii liehen gesell vertre begril oh 11 e wie d Defin!)es 1 «leuts« der F Kritei Roser d e r t heitst politil territi Zerst inshei 11! m führti Defin \veni£ Stellt: gchöi 7 w i wie selbst ז völke gesch r ec 1 n ic 1 strurr für E für I 10. 1: die T \ ertri die 1 von Rel Vertr e 111 י Relig scliei Von liehet J u d ihrer treffe lung Spra< diese auch engfi in a Deut politi jene letzt! 1 i n c stitut V״lk> 111 d ko:m( : arh ohne ah A i.irliU lifllls: a!1 f zieh fü 18 1913 Jacob Bernays, ein Lebensbild in Briefen, herausgegeben von Michael Fraenkel, Verlag von M. & H. Marcus. Breslau. — Diese Schrift beschäftigt sich mit dem großen jüdischen Gelehrten, dem hervorragenden Philologen, der durch seine Wirksamkeit in Bonn und Breslau, dort insbesondere am Rabbinerseminar, ein Bahnbrecher der modernen philologischen Forschung geworden ist. Bernays steht so recht ״zwischen den Zeiten“. Er ist ein Sohn Isaac Bcrnavs׳, des Hamburger Oberrabbiners, der in sich bereits die Elemente europäischeil Wissens in Verbindung mit der jüdischen Tradition entwickelte. Die wissenschaftliche Begabung des jungen Bernays hätte ihm einen glanzvollen Aufstieg gesichert, wenn er nicht Jude gewesen und geblieben wäre. Er trat der Verlockung, zum Christentum überzntreten, mit aller Entschiedenheit entgegen (berühmt ist sein Schreiben hierüber an Georg Bunsen) und mußte daher fast sein ganzes Leben hindurch unter äußerlich widrigen Umständen arbeiten. Seine Briefe, die von Fraenkel liebevoll gesammelt und geschickt ausgewählt sind, zeigen einen der Welt und allem Schönen in ihr angewandten Menschen, der mit einer Reiht■ bedeutendster Zeitgenossen in engem Freundschaftsverhiiltnis stand. Die Briefe beweisen allerdings zugleich auch, wie stark die zentrifugale Tendenz bei den besten jüdischen Köpfen jener Zeit um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gewesen ist, obwohl sie ursprünglich in einem gefühlsmäßigen Judentum wurzelten. oe. 1 fr ein besui bei! ihr S späte crscl: Nun liönn diplci d e u rück: keit I Zeit i n I ägvp (taue schei die t die 1 Reisi mehi