Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 88 (3.11.1933)
- Date
- 1933-11-03
- Page
- Seite 748 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 745 ,JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 3. XI. 1933 Nr. Durch «las Oelinteressc bekommt Haifa, das schon ohnedies durch seine gemischte Bevölkerung von Juden und Arabern einem bunten Anstrich besitzt, eine stark internationaie Kote. Die jüdische Initiative ist einer, aber nicht der einzige Faktor in der Entwicklung des Landes. Das internationale Kapital hat hier seine speziellen Interessen und hat es sehr gut verstanden, sie zu wahren. Die Irak Oil Company ist nicht nur verantwortlich für den Bau der köhrenk-ihuig, sie hat auch die erste telephonische Verbin־ düng zwischen Palästina und Irak hergestellt, und die lange besprochene Frage einer direkten Verkehrsverbindung zwi• sehen den leiden Ländern wird eines Tages auch zur Lösung gelangen. Es war zuerst geplant, eine Eisenbahnverbindung nach Bagdad zu schaffen. Später wurde dieser Idee das Pro* jekt eines A uto weges entgegengesetzt. Wie auch die Ent- Scheidung mischen den beiden Möglichkeiten fallen möge, es ist als sicher atizunchmen, daß eine direkte Verbindung Hai.a-Bagdad immer notwendiger wird und daher auf die eine oder andere Weise verwirklicht werden wird, V. Strategie Neben den Oclinteressen und eng mit ihnen verschlungen gingen beim Bau des Haifaer Hafens Bedürfnisse des englisch e n Imperiums. Haifa ist heute einer der Knotenpunkte der englischen Luftlinien. Die Aeroplane der ״Imperial Airways‘־, der großen englischen Fluggesellschaft, die von London nach dem fernen Osten gehen, itenmen ihren Weg über Haifa nach Inilieu. Andererseits stößt Palästina an Aegypten, das den Ausgangspunkt der afrikanischen Linie bildet, die von Kairo zum Kap läuft. Palästina und vor allem Haifa bildet den Ausgangspunkt für den Landweg nach I 1! d i e 1], und ein großer I lafen wie der jetzt erbaute in nächster Nahe des Sue/kanals kann verkehrstechnisch und strategisch von einschneidender Bedeutung sein. Zudem gibt die Roliterilriümg die Möglichkeit zur Schaffung einer kolossalen Tankstelle für Schifte, die heute, wo Oelfeuerung immer rnelir die Kohle verdrängt, gar nicht zu überschätzen ist. Die Vertretung des englischen Imperiums in Palästina hat im l aufe der letzten zehn Jahre den Ausbau der strategischen Stellung int Nahen Osten mit Stetigkeit gefördert. Kein Wech• sei 1m Oberkommissariat, kein Schwanken in der paläsfinen- 8Kchen Politik hat an der l inie, die von Beginn an ekigeschlagen wurde, wesentliches geändert. Der PetrolaiUrgesellschaft wurden die denkbar günstigsten Arbeitsimiglichkeiten geschaffen, für eine Verteidigung ihrer Lager auf dem Wüstenwege und den Schutz der 1.111 ״en Röhrenleitung wurde Sorge getragen. Die Anlage des Halens wurde stetig und in raschem 'I entpo vnrvvärtsgctriebcn. VI. Haifaer Perspektiven Für Haifa beginnt mit der Einweihung des Hafens die Zeit des ökonomischen Aufstiegs. Der Orangenexport, der schon im Vorjahre angelangen!rat, nach der bequemeren Exportstelle zu tendieren, wird immer stärker von Jaffa nach Haifa geben müssen. Audi ein großer Teil des übrigen Warenverkehrs wird über Haifa gehen und im Laufe der Zeit wird die Stadt zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte eines großen Hinterlandes werden, das sich über Transjordanien nach Irak erstreckt und weiterhin die Verbindung noch Persien und Indien aufnehriien muß. Es wird für Haifa eine große Bedeutung haben, daß diese Territorien im Beginn einer Europaisierung und damit der Hebung ihrer Bedürfnisse stellen, daß damit Handel und Wandel sich steigern und die Verbindung mit einem Ausgang zum Meer, der alle Erfordernisse eines modernen Hafens erfüllt, eine Notwendigkeit wird. Der bisherig« Aufstieg yon Haifa ist nur ein, erster Schritt. Wenn der Hafen seine eigentliche Arbeit beginnt und sich im Verkehr mit dem .Westen und ,.den,! Nachbarländem auszuwirken anlängt, wird der eigentliche Ökonomische Aufstieg der Stadt erst richtig einsdzen, Haifa — ein Zentrum des industriellen Aufbaus Zur Eröffnung des Hafen* Vor! Dr. Alfred Marcus, Haifa, Oie Bedeutung des Hai f a e r H a f e 11 s für die Wirtschaftliehe EnNvickhmg Palästinas Pt außerordentlich groß. Haifa ist von d:־r M.uulatsverw altung 711 einem Hafen ersten Ranges ausgeheut worden. Die Gründe, die die Mandatsverwaltung hierzu veranlaßt haben, können, soweit sie geographischer Natur sind, als bekannt vorausgesetzt werden. Jeder, der die Haifa-Ray einmal puschen hat, weiß, worum es sich hier handelt. Nun ist dieser 1 lafen eine Tatsache geworden, deren Bedeutung für uns in folgendem liegt: Ir ez-lsraei hat w oder fl r e 11 n s In!{ e!10111־ E rze. Fs hat daher im Lande seihst keine Möglichkeit, schwere Industrien von d׳'r Urproduktion an rn entwickeln, die (irtmdlauc für die Bedarfsdeckung der Produktionsmittelindustricn an Eisen und Metallen muß der Import sein. Wenn wir diesen Gedanken einmal z:t Ende denken und tms darüber klar sind, daß das Land auf die Dauer nicht ohne Produktionsmittelindustrien existieren kann, wnui seine Wirtschaft weiter wachsen soll, dann gelangen wir zu folgendem Resultat: Die K a! 111 a ue r d es H a i f a e r Ei a f e 11 s ist soms a gen die Basis für die Entw׳ i c k 11111 g einer Produktionsmittelindustrie im I ande. Damit rückt Haifa in das Zentrum jeder stand• ort’i 11־• 11־ pdustricllen Erwägung in Erez-Israel. Das ist aber noch;ins einem zweiten (.!runde der Fall. Haifa ist nicht nur in dem gedachten Sinne «las Tor, durch welches entstehende schwere Industrien ihre Rohstoffe beziehen müssen, sondern aurli das, durch welches sie ihren wichtigsten Brennstoff beziehen werden — das Erd 5 1 und seine Derivate. Die Verknüpfung von Rohstoff- und Breunstoffbezug für schwere Industrien in dem Zentrum Haifa ist nicht unser Werk, sondern das der Mandatsverwalfung und der l.P.C. Wir müssen aus dieser Erkenntnis die Konsequenz ziehen, daß es ebensowenig einen Sinn hat. mit Haifa in dieser Hinsicht konkurrieren zu wollen, wie etwa die Einwohner von Perpignan in Südfrankreich auf die Idee kommen würden, mit denen von Longwy in Ncnlostfrankreich in Konkurrenz zu treten, Das heißt: Der Norden des Landes in der Umgegend von Haifa w i r d aus dem a n g c cl e u t e t e n, f ü r u 11 s als ״n a t ü r - 1 i 11 ־׳ c G e g e b e n h e i 1“ im Sinne der Standort«* lehre zu betrachtenden Grunde, das l n d u s t ri - eile Zentrum Erez •Israels darstellen müssen. Das D! rin״ Tatsache, an der mit noch so großer Energie und 0־׳s״l :c‘-,!״l1' eit nichts peindert werden kann. Wir müssen dem alter R׳-rh'i׳1:״r tragen, denn wenn wir es nicht tun, entsteht für unser A׳!'b״’<w״rk im Lande folgende Gefahr: Schott יי gute gehen von Haifa aus die Brücken nach der Wirts :hakt E •ropas und nach dem Erdöizentnim Mftssul-Kerkuk, das zu dem wichtigsten der ganzen östlichen Welthalbkugel zu werden verspricht. Für unser Aufbauwerk wird alles darauf an komm en, daß diese Brücken nicht über Erez-Israel hinwegeh en und das Land als kleine, wirtschaftlich bedeutungslose rovfnz tief unter sich liegen lassen. Tritt dieser Fall ein, so verliert Haifa seine Bedeutung für das Land. Es ist War, daß dies nicht geschehen darf. Es kommt also darauf an, daß die industrielle Energie des Jischuw auf Haifa bewußt konzentriert wird. Das Ist ein Gesichtspunkt, der heute zweifellos noch nicht im ganzen Jischuw in seiner Tragweite erkannt wird. Also: das Land wird sich nicht nur damit abfinden müssen, daß in Haifa sein wichtigstes industrielles Zentrum entsteht, sondern es wird nerniinftigerweise diese Tatsache sogar freudig bejahen. Ich spreche hier von einer Tatsache. Ich kann «las deshalb tun, weil das industrielle Zentrum Haifa ganz ohne Aus palästinensisdien Zeitungen Probleme der ländlichen Siedlung fm B11 s t e n a i, dem Organ der Pflanzer, betoni M. SmiJanski die Notwendigkeit, rieben der Orangen nicht andere Zweige der Landwirtschaft zti pflegen, insbesondere den Weinbau: ״Unsere Weine und unsere Mandeln haben aut der! europäischen Märkten nicht viel Aussichten. Dort Ist nur Platz für erstklassige oder besonders billige Erzeugnisse. Unsere Produktion kann nicht billig־ sein und sie ist auch nicht allerersten Ranges. Sie hat aber Möglichkeit auf dem heimischen Markte, der von Jahr zu Jahr größer wird. Die Nachfrage nach Tafeltrauben ist in überraschender Weise gestiegen; man verkaufte um ein Drittel teurer als im vergangenen Jahre, und es war nicht genug vorhanden. Auch die benachbarten asiatischen Länder sind trotz aller vorhandenen Schwierigkeilen Märkte für unsere Produktion.“ ״Die Regierung müßte für die Verbesserung der Handeisbeziehungen zwischen uns und den benachbarten Ländern durch Handels- und Zoll vertrage sorgen. Aegypten allein kauft für 287 590 £ im Jahr Kognak, Likör und Snirituosen (außer Wisky), Trauben für 80 640 £, Rosinen für 32 760 £ und Mandeln für 60 810 £! Und aus Palästina, das alle diese Dinge produziert, kauft Aegypten im Ganzen nur für 8 240 £. . . Daran trägt der Zoll Schuld. Dabei könnte die Regierung flicht nur auf den Zehnten von Trauben und Mandeln, sondem auch auf die hohen Weinsteuern verzichten. Ihre vollen Kassen würden ihr das erlauben.“ Außer Trauben und Mandein versprechen auch Datteln, Aepfcl, Birnen, Pflaumen und Nüsse reichen Ertrag und guten Absatz. Versuche mit dem Anbau dieser Früchte wurden in Obergaliiäa, im Emelc und in der Umgehung von Jerusalem gemacht, wobei der Erfolg in den hochgelegenen Teilen des Landes besonders gut war. im Ausland kann man sie schwer absetzen, da ״es bei unsern Arbeit«• und Transportbedingungen unmöglich ist, sie billig zu verkaufen, und nach ihrer Qualität können sie nicht als erstrangig gelten. Aber der heimische Markt zeigt eine große Nachfrage nach diesen Früchten. Wir führen jedes Jalir von diesen Früchten für etwa 60 000 £ ein. Und Aegypten kauft diese Früchte für 417 000 £ im Jahre.“ Im Hapoel Hazair beschäftigt sich der Redakteur I. Lufban mit der immer mehr überhand nehmenden Ersciieinung, daß jüdische Arbeiter, angelockt durch die hohen Löhne, die derzeit in der Stadt, im Baugewerbe, bezahlt werden, das Dorf oder die Arbeiten der Regierung (Straßenhau, Eisenbahn unv.l und die Arbeiten am Toten Meer verlassen upd in die Stadt ziehen,. Er erinnert an# jtie Verganjjetjheit "der* judisclien ArhCitefbe\v%un<r In Palästina: '״Eines 3er Hauptmerkmale der Ghalh'z-Einwanderung war die Abvvandcrung von der Stadt ins Dorf. Nicht immer wurde die Ein- Wanderung wie heute von äußeren •wirtschaftlichen Nöten und von plötzlichen Katastrophen getrieben. Die Chaluz-Firtwanderttng war ihrem Wesen nach das gerade Gegenteil der üblichen Immigration: nicht Abwanderung aus dem Land wirtschaftlichen Druckes in das Land wirtschaftlicher Prosperität, sondern sehr oft Einwanderung aus einem!.ande Wirtschaftlieber Prosperität in ein Land, das iiherhaupt keine Wirtschaft hatte, dessen Wirtschaft man erst eben durch die Einwanderung schaffen wollte.“ ״Palästina, das wahre Palästina begann für diese Einwanderung erst jenseits der Grenzen der Stadt, und der Begriff der ״Eroberung“, der durch sie geschaffen wurde, war niemals eine Eroberung durch Gewalt und auch nicht die Eroberung eines Gutes aus der Hand eines anderen Besitzers, sondern die Eroberung unserer selbst für neue und schwere Aufgaben, an die wir nicht gewöhnt waren, nach dein Worte: ״Wer ist ein Held? Der seinem Trieb niederzwingt.“ Das war durchaus keine Romantik, sondem die Erleuchtung der Herzen für die historische Aufgabe des Chaluz, für die Verwirklichung des Zionismus. Das jüdische Volk ist ein städtisches Volk, und das ist der schwerste Schaden seines Daseins, das ist das Unglück seiner Wurzel- Iosigkeit, und die Restaurierung dieses Schadens!st nicht nur die moralische Bedingung für den Aufbau eines besseren und vollkommeneren Lebens, sondern auch die Wirtschaftliehe Grundbedingung für jeden richtigen Schritt auf dem Wege der Erneuerung und der Entwicklung eines, normalen Lebens“. . . ״Während vieler Jahre bis zum heutigen Tage sah der jüdische Arbeiter auf dem Lande die HauHfront in seinem Kampie um die jüdische Arbeit. Dieser Kampf war sehr schwer und zu Zeiten auch sehr bitter . . . Bis heute dauert dieser Kämet an und dauert auch seine Erbitterung an. und trotz der Tatsache der Existenz einer so mächtigen Arbeiterschaft in den Kolonien sind ihre Erfolge noch nicht dauernder Besitz. . . . Die heutige Abwanderung vieler Arheiter aus der Landwirtschaft und ihr Eintritt in die Bauarbeit in der Kolonie selbst, und die Abwanderung aus der Kolonie überhnunt, 11m ln der Stadt zu arbeiten, während keine Arbeitslosiekeit ar!1 Ort ist, ans dem einzigen Grunde, daß in der Stadt der Arbeitslohn höher ist — diese Abwanderung ist Flucht von der Front des Cliaiuz, und sie wird die Fluchtlinge zu einer weiteren psychologischen Entwicklung auf dieser Ebene fuhren, wird sie noch leichtere Lebenswege suchen lassen, wozu die Verlockungen in der Stadt heute sehr groß und mächtig sind. Vor allem aber bringt diese Ab- Wanderung das große Werk der ,,Eroberung der Arbeit“.zum Scheitern, dem die .Arbeiterbewegung ihre ganze moralische und organisatorische Kraft während dreier Jahrzehnle gewidmet hat. — Dasselbe gilt von der Arbeit bei der Regierung. Nach der Arbeit in den Kolonien halten wir die Arbeit bei der Regierung für das wichtigste Gebiet für die ״Eroberung“ durch den jüdischen Arbeiter. Seif der Zeit des Chausseebaus, der einst das Hauptgebiet für die Aufnahme der Cbaluz-Ein- Wanderung war — damals begann die Enoehe der großen Ein- Wanderung nach Palästina nach dem Weltkrie«׳ — war unser Kampf um uniern gerechten Anteil an den öffentlichen Arbeiten und an andern Regierungsarbeiten einer der Haupt- Zweifel auch dann entsteht, wenn wir uns nicht mit aller vorhandenen Energie hieran beteiligen• Deshalb ist dringend zu wünschen, daß die Einstellung bestimmter Faktoren des Jischuw zu Haifa und seiner wirtschaftlichen Zukunft positiver wird, so positiv־, wie das im Interesse der jüdischen Gesamtwirt- Schaft liegt. Es soll Mer nicht darauf eingegangen werden, in welcher Weise die Verteilung der jetzt in das Land strömenden neuem Energien auf die beiden wirtschaftlichen Zentren T el-A wiw und Haifa planmäßig abzugrenzen wäre. Eine solche plan - mäßige A bgrenzungist aber mit der Zeit unvermeidlich geworden. Es wird notwendig sein, daß der Jischuw׳ sich hierüber klar wird und entsprechende Instanzen schafft, die dar« in der Lage sind, der außerordentlich wichtigen wirtschaftlichen Tatsache ״Haifa“ wirklich Rechnung zu tragen. punkte unseres politischen Kampfes. Und wieder war hier neben der wirtschaftlichen Frage, neben dem Nutzen, der uns aus dem Regierungshaushalt als Hauntsteuerzabler dieses Landes gebührt, auch ein anderes Problem, das, obgleich es imponderabel ist, ein starkes Gewicht für die Frage unserer Verwurzelung mit diesem Lande hat, das ist das Problem unse• rer unmittelbaren Beteiligung am Aufbau des palästinensische« Staates. . . Unsere Beteiligung an der Schaffung der Verkehrsadern im Lande, an der Eisenbahn, der Post, dem Tele• graphen und an andern öffentlichen Betrieben, unsere Beteiligung an der Verwaltung, dem Sicherheitsdienst usw. — hier ist nicht der Arbeitsplatz an sich wichtig־ (obgleich auch er für uns ins Gewicht fällt), sondern die Tatsache unserer Teilnahme an dieser Arbeit, Die Tatsache, daß viele Chausseen Palästinas von unseren Chaluzim gebaut sind, daß der jüd. Arbeiter die Schienen der Eisenbahn gelegt hat, daß er die Telephonu. Telegraphendrähte gespannt hat, daß der jüdische Arbeiter wichtige Dienste bei der Eisenbahn als Beamter und als einfacher Arbeiter versieht usw. — diese Tatsache ist nicht allein eine wirtschaftliche, sie ist auch eine politische. ... Es tut uns sehr leid, daß wir wegen der Politik der Regierung gegenüber der jüdischen Einwanderung, zurzeit nicht unser längst anerkanntes Recht ausnutzen können, das der jüdischen Arbeit den dritten Teil der Regierungsarbeiten zuspriclit, oder daß wir wegen des Mangels an jüdischen Arbeitern nicht mit Energie für die Durchtührung dieses Rechtes kämpfen können. Noch mehr aber betrübt uns das Verlassen der Arbeitspositionen,, die wir schon besitzen. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit der Eisenbahn. Mit Mühe kamen wir in diese Arbeit hinein und mit Mühe ge• lang es uns, unsere Position zu halten. Die palästinensische Eisenbahnverwaltung sieht uns bei ihren Arbeiten nicht gern; sie hätte viel lieber mit unorganisierten Arbeitern zu tun, die einen niedrigen Lebensstandard haben Und wenig Ansprüche steilen; das Vorhandensein des jüdischen Arbeiters stört häutig die ruhige Routine, an die die koloniale Administration gewohnt ist und nach der sie strebt. Durch das Verlassen dieser Arbeit in der jetzigen Zeit zerstört man die Hoffnung für den jüdischen Arbeiter, in absehbarer Zeit wieder in ihr Fuß zu fassen. Auch dies ist eine Flucht aus der Front des Chaluz und ein Aufgeben wirtschaftlicher und politischer ^Positionen, um die wir lange gekämpft haben. Nickt weniger schädlich vom wirtschaftlichen und vom politischen Gesichtspunkt aus, ist die Aufgabe der Arbeit bei den großen Konzessionen, vor allem bei den Toten-Meer-Werken. , , . Die Gefahr ist viel größer, als sie hier geschildert worden ist — und ich weiß nicht, ob es möglich ist, 'den Fluch dieser Flucht durch eine bloße Moralpredigt zu beseitigen. Eine radikale Besserung kann nur durch verstärkte Einwanderung kommen, durch die Immigration einer genügenden Anzahl von Arbeitern, die die Nachfrage in allen bestehenden Zweigen der Wirtschaft wie auch in denen, die durch die Einwanderer selbst geschaffen werden, befriedigen wird.“ Das Fest des Wasserschöpfens ln Palästina wird in den Zu’hchenfeiertagcn dest StiJihoth festes das alte Fest des Wasserschöpfens ge~ feiert. Es ist eine rechte Feier der Jugend, an der sich besonders die Jugendbünde beteiligen. (Red.) Schon als es zu dunkeln begann, setzte die Wanderung nach Betk Hakerem, einen der schönsten Vororte Jerusalems, ein. In einem Tal hinter Beth Hakerem sollte die ״Chagigah“ (Festlichkeit) stattfinden. Fortwährend überholen die übervollen Autobusse Oruppen singender Jugend. Fast alle Bünde und Organisationen (Makkabi, Hapoel, Noar haowed, Zofim) nehmen nicht, sondern haben durch gemeinsame Vorbereitung Anteil an der Feier. Unten in der Talsenke ist die einfache Holzbühne aufgeschlagen — oben, auf «len halbhohen Hügeln zucken braungelbe Feuerfackeln gegen die Nacht — weithin, in mächtigem Halbkreis. Hier gibt es keine ״Zuschauer“ — nur ״Miiwirkende“. Die hier auf dem Boden kauern, auf Eseln sitzen oder einen Platz auf den wenigen Holzbänken gefundon haben, sind keine Gleichgültigen, die sehen wollen, wie andere ״etwas aufführen“. Etwa so feierten unsere Urväter einst das Fest des Wasserschöpfens an einem Zwischentag des Sukkothfestes. Dieses Fest muß die uns überkommenen Freudenfeste um Erheblieh es an Freude und Jubel übertroffen haben, denn der Talmud sagt: ״Wer den Jubel beim Fest des IVa ssmehöpfens nicht kurte, der weiß nicht, was Jubel ist In weißen Kleidern tanzen die Jünglinge und die Mädchen und bezwingend geht der Takt des Tanzes in mich ein —י schnell und leise, schneller und lauter klingt und singt es, ״Und alles neigt sich vor den Jünglingen, die die goldenen Krüge aufnelimen und vor goldenen Leuchtern anmutig die goldenen Schalen füllen.“ Dana lösen sich aus der Masse die Fackelträger — auseinander fließt das Licht und zusammen drängt es nach oben. Alle singen und wiegen sich wieder im Takt. Der Quell der Freiheit, der Quell wirklichen Lebens ist aufgebrochen in uns. Oben auf der Höhe des Hügels werfen die Fackeln ihren unsteten Schatten auf das Land, seine Täler und Berge, So viel wollte in mir etwas sagen und etwas rufen, daß ich mich kaum sammeln konnte. Es war mir, als müßte ich vor Freude weinen. Langsam steige ich den steinigen Hang hinauf. Ein kleiner Funke kann so viel bedeuten. ... Unten schließen sich die Kreise zum Tanz. Noch in der g!eichen Nacht breitet *ich in den Straße« und Wiukeigtssen Jerusalems das Lied des Wasserschöpfens, das Lied der Befreiung durch Reinheit: ״ln Freude sollt ihr Wasser schöpfen von den Quellen der Befreiung.“ Erich S. Schwärs, Jerusalem. llWWWlllM!WlillWHIIIMWIMm1Mllr1lilWI(IHIIMIIIWm1WSHHIlW>lltllWIIH)IW0lll«n»llll«t>ll)IWnHUtBMll«1m1lltWSW«IIIWilllHMItlltn1HllllllHaWllUllll1millWIMllS>IHIUHIlMlllillMllltlMWtlllSlllilllll«lllliltlllHSIIHII11ttWIIII)lll||m|1l|>1ll|ll»lll1n1l>n1illlltllil Haben Sie noch immer Bekannte, die unsere Zeitung nicht ständig leisen? Gelten Sie diese Adressen bitte unserer Werbe - Abteilung. Wir senden kostenlos Prob nummern! 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