Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-11-03 · Heft 88 (3.11.1933) · p. Seite 746

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 88 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
Seite 746 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653811--24313-2687256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Seite 744 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 3. XI. 1933 Wenn wir heute hören, daß in Bagdad und Damaskus, in Kairo und Mekka sich Sympathien für die palästinensischen Araber erheben, so zeigt dies den Ernst der Lire, Diese mohammedanische Weit ist ein Faktor, der stit: auch in den Erwägungen Englands eine Rolle gespielt hat. Die in Jaffa, Jerusalem und Haifa gefallenen Ara' er, deren Tod auch von uns auf das tiefste bedauert wird, werden in den Augen der übrigen arabischen Welt zu Märtyrern der arabischen Nation. Diese Toten sollten ein Ansporn sein, eine Lösung zu suchen, die weitere Opfer von Menschenleben unnötig und u nmöglich macht. Es ist eine Aufgabe höchster Staatskunst, die sich in den nächsten Wochen und Monaten zu bewähren haben wird. Nachstehend die vorliegenden Nachrichten. Der Belagerungszustand Aus Palästina wird vom 31. Oktober weiter gemeldet: Der High Commissioner hat die Notstandsverordn u n g vom Jahre 1931 in Kraft gesetzt, die die Einsetzung von Kri egsgericiiten fiir Zivilpersonen, strengste Kontrolle a'Ier Transportmittel, die Möglichkeit der Enteignung von Privateigentum und der Verbannung durch einfache administrative Verfügung vorsieht. lieber die Presse wurde die Vorzensur verhängt. Außerdem wurde die Brief- und Telegrammzensur «Jn״eführt und die Polizeioftizicrc ermächtigt, jedes Betreten öffentlicher Plätze der Stadt zu verbieten. Die arabische Presse ist als Protest gegen die Einführung der Zensur in Streik getreten. Die jüdischen Zeitungen erscheinen unbehindert weiter. Die Londoner ״Time s“ berichtet, daß die arabischen Arbeiter zu ihrer Arbeit zurUckkchren und die Stimmung In Jerusalem sich beruhigt. Der arabische Generalstreik aber dauert weiter an, und ein arabischer Führer erklärte dem Korrespondenten der ״Times‘', ״niemand könne den Streik abberufen, da niemand ihn angeordnet habe“. Die verhafteten arabischen Führer, unter ihnen der Vetter des Großmufti Dschemal Hussein!, der früher Sekret r der arabischen Exekutive war, die Mitglieder der Exelurtive, Izzat Darawaza und Said El-K Halali, der Führer der arabischen Jugend, Jacon G. Hussein und der Führer der Istakialpartei, Rechtsanwalt Auni Bey Abdul H a d i, wurden zu 11 Tagen Gefängnis verurteilt und zur Verbüßung der Strafe nach Acco gebracht. Einwanderer gelandet Nach der offiziellen Eröffnung des Haifaer Hafens lief In ihn der Darunter ״Martha Washington‘‘ mit mehreren Hundert jüdischen Einwanderern an Bord ein. Der Dampfer hatte wegen der Unruhen in Palästina vorübergehend Cypern angelaufen. Df« in Port Said gelandeten jüdischen Passagiere des Dampfers ״Polonia“ sind auf dem Landweg nach Palästina weitergereist. Der Dampfer ,,V ietui a“ hat am 30, Oktober in Haifa angelegt. 75 jüdische Immigranten sind ungestört an Land gegangen. * Ein weiterer Bericht aus Jerusalem besagt, daß in Anbetracht des herannahenden Jahrestages der ״Balfour- D c k 1 a r a t i o 11“ die arabischen Geschäfte — wie alljähr* lieh — kleine schwarze F :1 hnen gehißt haben. Aus Loncloii wird gemeldet, daß die Ereignisse in Palästina im gan zeit N a h e n O r i e n t, in S y r i e n, im 1 rak wie in T ra 11 s j o r d a n i e!1 einen gewissen Widerhall geweckt haben. Fs werden arabische Kundgebungen überallher gemeldet, so besonders aus Amman. In Bagdad wird am Freitag in der größten Moschee eine Kund* gebung gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina ver• anstaltct. In Serien!iahen die Franzosen umfangreiche Sichcrimgsmaß nahmen getro'fvn, so daß die dort ansässigen Juden bisher nicht belästigt wurden. Die kleinen Geschäfts- Läden der Araber in Damaskus waren zum Zeichen der Trauer geschlossen. Kundgebungen zu Ehren der in Jerusa-!cm und in Haifa getöteten Aral)er fanden statt. Die arabische Exekutive Palästinas sandte Telegramme an König Fuad von Aegypten, an Körnig (111 az! vom Irak, an den König von Hodschas, Ihri-Satid, und an den!man von Yrrnen, um ihre Unterstützung» im Kampfe der Araber gegen die britische ,.imperialistische Regierung•‘ r.a erbitten. Bei den Zusammenstößen in Jerusalem wurden, wie aer PcTi/eibericht meldet, auch unprocDierte Bomben von den Demonstranten geworfen. Die Sprengkörper explodierten, ohne Schaden an/urichten. Fine arabischen F r a 11 f nd e 1 e g .1 t i 0 n, der auch die Frauen der verhafteten Führer angehörten, hat den High Commissioner um Freilassung־ der Verhafteten gebeten. Der High Commissioner hat diese Bitte abgeschlagen. Ungestörte Arbeit in den Kolonien Jerusalem, 3). Oktober. (J. T. A.) Während in Transjordnnbn und Syrien, insbesondere in Damaskus, die Stirnmun<r infolge der letzten Vorfälle in Palästina noch ziemlieh erregt ist, beginnt die Ruhe im Lande selbst allmählieh wieder zurückzukehren. Die arabischen Arbeiter, die in jüdischen Pilanzungsbetrleben beschäftigt sind, haben sich dem von der arabischen Exekutive proklamierten Streik nicht angeschlossen. Die Arbeit in den Kolonien ging während der ganzen Zeit der Unruhen vollkommen normal und ungestört vor sich. Auch die Beziehungen der Kolonisten zu den Bewohnern der umliegenden arabischen Dörfer haben keine Aenderung erfahren. Die aus den Städten in diese Dörfer entsandten Agitatoren finden bei der Bevölkerung kein Gehör. In Jerusalem bewegten sich jüdische Passanten ln arabischen Vierteln und Araber in jüdischen Stadtteilen völlig frei und unbehelligt. In Jerusalem sollte ebenso wie ln Jaffa. Tel-Avviw und Haifa die Schließung der Haustore von 6 Uhr abends an vertilgt werden, doch haben die Behärden mit Rücksicht auf die zunehmende Beruhigung im letzten Augenblick von dieser Maßnahme abgesehen. Maßnahmen in Syrien Damaskus, 31. Oktober. (]. T. A.) Die syrische Man• datsverwaltung hat die arabischen Zeitungen, die sich •webgerten, übertriebene Nachrichten aus Palästina zu dementieren, verboten. Die Initiatoren einer ״Liga der nationalen Aktion“, Dr. Abdel Razzal und Dr. Riishdi Ai-Jadl, die Protestversammlungen gegen die britische Politik in Palästina einberufen wollten, wurden verwarnt. Der Führer der Istikialpartei, Akratn Zouaiter aus Nablus, wurde über die paiästinensischc Grenze abgeschoben. Die Behörden erklären, die Betätigung ausländischer Agitatoren sei auf französischem Mandatsgebiet durchaus, unejvyünscht Die Frage des Legislative Council Jerusalem. 31. Oktober. (J.T.A.) Die arabische Exekutive hat eine Sitzung abgehalten, in der die politische Lage besprochen und ein Protest gegen das Vorgehen der Behörden beschlossen wurde. Ueber die Unterredung, die der High Commissioner nach den blutigen Ereignissen mit einer Abordnung der arabischen Exekutive gehabt hat, wird mitgeteilt, daß der High Commissioner der Delegation, die die schleunigste Einsetzung eines Legislative Counc 11 forderte, erklärt hat, je früher die Bevölkerung den aufrichtigen Wunsch nach Zusammenarbeit mit der Regierung zeigen und je früher die öffentliche Sicherheit gewährlelstet sein werde, um so früher werde die Einsetzung eines Legislative Council möglich sein. Die arabische Presse meldet aus Amman, daß Emir Abdullah ein Memorandum zur Vorlage an den High Commissioner vorbereite, in dem erklärt werde, jeder Mohammedaner und jeder Araber sei sich der Gefahr bewußt, die Palästina durch eine verstärkte jüdische Einwanderung■ drohe. Das Beharren der Regierung bei ihrer Einwanderungspolitik müsse zu ernsten Folgen führen. Arabische Proietie London, 30. Oktober. (J.T. A.) Beim Colonial Office ist ein vom High Commissionar Sir Artur Wauchope ausgegebenes Conimunique eingetroffen, in dem cs heißt: Alle Berichte zeigen, daß die Polizei überall mit größter Selbst• beherrsehung und Schonung vorgegangen ist. Das Militär wurde nicht ztim Eingreifen aufgefordert, da die Polizei die Lage beherrschte. Der Präsident der arabischen Exekutive hat als Ursache der Llnruhen angegeben, daß die Araber befürchten, daß die Juden in Palästina die Oberhand ge• winnen könnten. Der Standpunkt der Regierung in der Einwanderungsfrage sei deswegen ein unrichtiger, weil die Juden trotz ihrer geringen Zahl durch ihre besseren Kenntnisse in Industrie und Handel eine gefährliche Konkurrenz für die Araber darstellen und mit Hilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel Boden kaufen können, was die Araber infolge ihrer Armut nicht können. Der Präsident der arabischen Nationalliga hat an den Kolonialminister ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die Anwendung von Gewalt gegenüber ״einem unbewaffneten friedlichen Volke“ Protest erhoben wird. Die Balfour-Deklaration Wir geben nachstehend den Text der Balfour-Dehlaration wieder, die den Anstoß za der politischen Entwicklung Palästinas nach dem Kriege gab. Die Deklaration ist in die Form eines Briefes an das jüdische Oberhausmitglied Lord Rothschild, das sich für die zionistischen Bestrebungen einsetzte, gekleidet. Red. Foreign Office, November 2nd, 1917. Dear Lord Rothschild, l liave tnuch pleasure in conveying to you, on behalf of His Majesty’s Government, the following dcciaration of sympathy with Jevish Zionist aspirations which has been submitted to, and approved bv, the Cabinet. “His Majesty’s Government view with favour the cstablisbment in Palestine of a national home for the Jewish people, and will use their best endeavours to facilitate the achievement of this Object, it being clearly understood that nothing shall be done which may prejudice the civil and religious rights of existing non-Jewish communities in Paicstine, «r the rights and politicai status enjoyed by Jews in any other country.” I should be grateful if you would bring this declaration to the knovvledge of the Zionist Federation. Arthur James Balfour. ln deutscher Uebersetzung: Ministerium des Aeußeren, 2. November 1917. Mein lieber Lord Rothschild! Zu meiner großen Genugtuung übermittle ich Ihnen namens S. Al. Regierung die folgende Sympathie-Erklärung mit den zionistischen Bestrebungen, die vom Kabinett geprüft und gebilligt worden sind. Seiner Majestät Regierung betrachtet die Errichtung einer Nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei klar verstanden werde, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischet Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die poiitische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte. Ich bitte Sie, diese Erklärung zur Kenntnis der Zionistl• sehen Föderation zu bringen. Arthur James Balfour. Die belgische Regierungskommission für Ausstellungen und Messen trifft Vorbereitungen zu einer Beteiligung Belgiens an der im Frühjahr 1934 stattfindenden Lev ante -Messe in Tci-Awiw. An alle belgischen Produzenten wurden Rundschreiben versandt, in denen sie aufgefordert werden, ihre Erzeugnisse auf der Levante-Messe auszustellen. » Die ״Jüdische Rundschau" als Morgenblatt Von d«r nächsten Nummer an (Dienstag, den 7. November) wird die ״Jüdische Rundschau" unseren Abonnenten bereits erheblich früher als bisher zugestellt werden. Es ist uns gelungen, alle technischen und organisatorischen Voraussetzungen zu erfüllen, daß die ״Jüdische Rundschau" Montag und Donnerstag nachts beim Poslzeitungsamt aufgeliefert werden kann, so daß sie in Berlin Dienstag bzw. Freitag morgens, den meisten Abonnenten int Reiche Dienstag- bzw. Freitag-Abend zugestellt werden wird. Wir sind überzeugt, daß unsere Abonnenten diese technische Neuerung begrüßen werden. Bei fehlerhafter Zustellung bitten wir, zuerst beim Briefträger bzw. beim Zustcllungspostamt zu reklamieren und sich erst nach Erfolglosigkeit dieser Reklamation mit uns in Verbindung zu setzen. Verlag und Versand-Abteilung der ״Jüdischen Rundschau" Stimmen der Presse Auch in dieser Woche haben die Ereignisse in Palästina in der deutschen wie in der internationalen Presse ein außerordentlich starkes Echo gefunden. Neben der Wiedergabe der Meldungen sind auch eine ganze Reihe von Stellungnahmen zu verzeichnen. So äußert sich die ״V os s i s c h e Zeitung“ vom 30. 10, in einem sehr instruktiven Leitartikel: ״Schüsse in Palästina“ zum Gesamtprobiem der arabischen Bewegung in Palästina, der englischen Politik und der Stellung der Juden. Das Blatt betont u. a., daß ״der Andrang der Juden nach Palästina, das ihnen durch die Balfour-Deldaralion in völkerrechtlich bindender Form als nationale Heimstätte zugesagt worden ist, so elementar ist, daß die Einwanderung wohl reglementiert werden kann — was die englische Verwaltung bereits durch ein ganzes Netz von Bestimmungen getan hat — daß aber an ein Abstoppen nicht zu denken ist.״ Das Blatt sagt weiter: ,,Daß der jüdische Bevölkerungsteii zu den Einnahmen des Landes!11 einem Verhäitnis beigetragen hat, das seinen zahlenmäßigen Anteil weit jibersteigt, steht außer Zweifel. Die Konjunktur des Landes ist andererseits auf ein Fortdauern der Einwanderung angewiesen, da starker Kapitalimport die unmittelbare Folge der Einwanderung ist“, und schließt mit folgender Feststellung: ״Den Konflikt als solchen zu lösen, läge höchstens* in der Macht der streitenden Parteien selbst; aber die Hoffnung daraut ist, solange das Kräfteverhältnis noch so ungleich, das Kulturniveau so verschieden ist, recht gering. Vielleicht, daß die größte aber irdischen Mächte, die Zeit, das zustande bringt, was heute noch wenig aussichtsreich erscheint.“ Das ״Berliner Tageblatt“ vom 31. 10, beschäftigt sich gleichfalls in einem in der Hauptsache informativ gehailenen Artikel mit den Vorgängen in Palästina. Das Blatt weist daraut hin, daR ״bei der relativ geringen Bereitwilligkeit der europäischen Staaten und Amerikas, größere Massen von Emigranten bei sich unterzufcringen, die offene Tür in Palästina, um die es sich bei all dem schließlich handelt, von Interesse für sie ist. Ihrer Auffassung steht, von anderen Gesichtspunkten aus, soviel man weiß, auch die deutsche Regierung nicht fern.“ — im ״B,T.“ vom 1. November bringt Karl Figdor einen ״Umblick in Vorderasien“, worin es heißt: ״Diese ganze Welt wird gerade in diesen Monaten von lauten und stillen Krisen durchschüttert. Zum Teil dafür verantwortlieh ist seltsamerweise die Lage der Dinge im neuen Deutsch-!and. Allein in den letzten Älonaten sind in den palästirrensischen Häfen mehr als 6000 deutsche Juden gelandet, wobei die Zahl der Tausende, die unterwegs sind, nicht mit eirrgcrechne, ist. Diese Einwanderung hat das ganze Kräfte- Verhältnis im Jordanland weiter verschoben.“ Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 1. 11. hebt hervor, daß bei den jetziger! Bewegungen in Palästina zum ersten Male die intellektuellen Führer des arabischen Nationalismus auf die Straße gingen, und daß der Schwerpunkt der Demonstrationen bei Jugendlichen lag. In der arabischen' Presse komme auch deutlich genug zum Ausdruck, daß die Bewegung sich nicht allein gegen den Zionismus wende, sondern vor allem eine Auseinandersetzung mit der britischen, Mandatsmaclit anstrebe. Wie das Blatt betont, könne man hier Fernwirkungen von der Aufhebung des britischen Mandats im Irak durchfühlen. Es werde nun darauf ankommen — so heißt es im Artikel weiter — welche unmittelbaren Konsequenzen der Obcrkommissar außer der Bestrafung der Schuldigen zu ziehen gedenkt. Im ״Völkischen Beobachter“ vom 31. 10. ist ein Bericht des Londoner Vertreters dieses Blattes enthalten, der sich mit den palästinensischen Problemen auseinandersetzt. U. a. wird folgendes gesagt: ״jährlich strömen Tausende von Juden nach Palästina und machen sich dort — wie überall in der Welt — als Parasiten unbeliebt. Es gab schon 1929 schwere Aufstände. Jetzt ist die jüdische Einwanderung nach Palästina vervierfacht, und vor allem sind es die unsozialen jüdischen Elemente, die aus Deutschland fliehen mußten, die jetzt in der Richtung nach Palästina strömen.“ Hierzu ist zu sagen, daß es bedauerlich ist, wenn die Leser des ״Völkischen Beobachters“ in dieser Weise über die Ereignisse in Palästina informiert werden. Die Juden in Palästina leben nicht als ״Parasiten“, sondern errichten einen wirtschaftlichen Neubau, der alle Zweige einer normalen Volkswirtschaft umfaßt und den Gedanken der Produktivitat in den Mittelpunkt des Lebens stellt. Es sind auch nicht ״unsoziale Ehmente“, die Palästina aufbauen, sondern gerade diejenigen Teile des jüdischen Volkes, die am allerstärksten die Bedeutung der Eingliederung des Einzelschicksals in einem Gesamtzusammenhang als notwendig empfinden. Die Gegensätze in Palästina sind also durchaus nicht vergleichbar mit den Reibungsflächen, die zwischen den Juden und ihrer nichtjüdischen Umgebung in Europa zu einem gewissen Teil aus sozialen Gründen bestehen, sondern stellen einen n a - t i o n a 1 e n Gegensatz dar. Auch die ״Deutsche Zeitung“ vom 28. 10. beschäftigt sich mit den Unruhen unter der Überschrift ״Der Araber-Aufruhr gegen die jüdische Landplage“. Es wird in dem aus Jerusalem stammenden Bericht gesagt, daß das Bcnehmen der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland 111 Palästina helle Empörung ausgelöst habe. Fiir die Juden seien die Unruhen unangenehm, schon des ״Renommees“ wegen, und der üble Eindruck müsse abgebogen werden. Man besinne sich auf die alte Kunst, durch einen Dreh für eine eigene Schuld andere verantwortlich zu machen, und bc- Haupte in den jüdischen Zeitungen ״mit jener Unverfroren־ heit, die wir an den Juden nicht erst jetz.t kennenlernen, die deutsche Regierung gebe den Auswandernde™ die Anw ei* sung, sich nach Palästina zu wenden.“ — Es scheint uns, daß dem Jerusalemer Berichterstatter der ״Deutschen Zcitung“ zumindest eine völlig mißverständliche Auslegung der palästinensischen Presse unterlaufen ist, wenn er mitteilt, daß in den jüdischen Zeitungen derartige Behauptungen über die Haltung der deutschen Regierung in der Auswanderungsfrage veröffentlicht worden sind. Ansiedlung deutscher Jaden Im Libanon? Beirut, 31. Oktober. (J.T. A.) Wie Beiruter Zeitungen melden, soll deutschen Juden die Erlaubnis zur Nieder* lassung im Libanon-Gebiet erteilt ■werden. Gegenxvärtig sind Verhandlungen über die Ansiedlung jüdischer Auswanderer aus Deutschland an der iibanesiach-palästinensischen Grenze im Gange. Einer unbestätigten Nachricht aus Homs zufolge, soll die in dieser Stadt ansässige Grundbesitzerfamilie Sabet das Dort Mischrafa für 200 000 ägypt. Pfund an Juden verkauft haben. Jerusalem, 31. Oktober. (J. T. A) Wie die in Cypern erscheinende Zeitung ״Sarar“ berichtet, haben die Behörden der Hauptstadt Nicosia den Antrag des assyrischen Patriarchen Mar Schimun angenommen, die Assyrier aus dem Irak und Syrien in der britischen Kronkolonie Cypern anzusiedeln; ferner soll 39 000 jüdischen Aus wänderern aus Deutschland die Möglichkeit zur Ansiedjung in Cypern gegeben werden. Einem Bericht aus Bagdad zufolge, wurde der Völkerbund bereits offiziell von der Zu- Stimmung Cvperns zur Aussiedlung der Assyrer verständigt, (Was die Judenansiediung betrifft, ist diese Zcitungsnachricht mit großer Vorsicht aufzunehmen. A. d. R.J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.