Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 87 (31.10.1933)
- Date
- 1933-10-31
- Page
- Seite 735 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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933 Nr. 87, 31. X. 1933 J0DISCHC RUNDSCHAU Seite 733 ich der der er Bericht arte er u lösen cht Verm u n g t s g e ־ s ״Ber- Arbeitnahm, :rtreter, gnahme e amtenm. Der .IS Verja eine!n dem!tzgeber rlassen; Rechts- 1 Ein- Urteil 1er Art . Eine r a tt c 11 I n ttml nd den gen 7t: sei eine Isvertre- Bildung ine, dal! arischer tt. Ausrenn cs leiten n e n e n h a n - n Wiin- : Urteil, ttnmung ier :Mit-;n. rrsatmnstcllver- •n Hanicht des :m Veren, daß 1 betone e, d a ß 1. Wenn 1e nicht tde sein aqe det in den!1 über :ilt. insnit den 1 er t e r Hierbei : hingeierungsde! ist altschaft rden. hervor- \ Felix aramaier Verein Oe- :röffentsehen m menen igt, daß Wunsch, Veit ge- und die le unser zerstreut deshalb es sich e Streif- 1 davon, Mission“ ich, der les jüdt- Lev v, erhältnis ׳sser geäatnmcn- 17 luden [iidischcr unselige m Israel Bruderwie ein!gemerzt >r. N. Franklien Oer h a u s“ 1rofessor te: Prof. 1rof. Dr. Martin )er Syn- Eugen der Oe- Literaiur-Blaii ״Die Frau, die nicht enttäuscht" Zu Max Brods neuem Roman In allen literarischen Kreisen ist eine neue Arbeit von Max Brod immer ein Ereignis gewesen, auf das man gewartet hat. Von wie wenigen Autoren kann man das sagen! Und diesmal ist die Spannung besonders groß, weil der neue Roman ein Thema behandelt, das in seiner Problemstellung brennend ist: das Verhältnis zwischen einem Juden und einer Deutschen wird in allen Spannungen des Kraftfeldes einer Liebesbeziehung untersucht. Brod ist kein Konjunktur-Schriftsteller. Unnötig ist es, dies zu betonen. Trotzdem wird es gegenwärtig wichtig sein festzustellen, daß er seinen neuen Roman bereits im Juli 1932 begonnen hat. Die Handlung beginnt ebenfalls in dieser Zeit und währt bis Ende 1933. Ihr Inhalt (dessen kritische Beleuchtung einem späteren Zeitpunkt nach dem Erscheinen des Buches Vorbehalten bleiben soll) ist kurz folgender: Ein junger Jude (Justus Spira) erleidet unter dem wachsenden Andrang des Antisemitismus und dem schädlichen Einfluß einer unwürdigen Liebe einen Nervenzusammenbruch, der ihn zu einem Aufenthalt in einem Sanatorium zwingt. Hier trifft er die einer unglücklichen Ehe entflohene, einer Beamtenfamilie entstammende Breslauerin Carola Weber. Sie ist von ihrem jugendlichen Manne, dem sie sich in jeder Be- Ziehung überlegen fühlt, fortgegangen und fühlt sich zu dem Schriftsteller Spira (der erste Schriftsteller in Brods Romanweit übrigens) hingezogen. Aber er lehnt es ab, ihr Ratschlage zu erteilen; ein Deutscher soll von einem Juden jetzt keinen Rat annehmen. Trotz aller Reserve treibt aber die beiden feindliche Außenwelt das Paar zusammen: sie lösen ihre Verpflichtungen, die sie erniedrigen, und versuchen als ״reine Toren“ ein beziehungsloses Künstlerleben zu führen. Aber die Einflüsse von außen sind stärker als sie; sie färben ab, zersetzen und zerstören die Bindung. Am Schluß erscheint ein Sendbote aus Palästina, Jakob Barzilai, nachdem er oft vergeblich angeklopft, Justus als Retter aus dem Chaos seiner europäischen Situation mit dem Vorschlag zu Bund und Tat. (Die ״Jüdische Rundschau“ hat in Nr. 45/46 ds. Js. einen ihr von dem Dichter zur Verfügung gestellten Abschnitt, der sich mit der Stellung des jüdischen Schriftstellers deutscher Zunge beschäftigte, zum Vorabdruck gebracht. — A. d. R.) Es muß für de® Autor schwer gewesen sein, bei der Abfassungr dieser Dichtung die Fassung behalten zu haben. Ueberfiei ihn doch mitten ln der Arbeit der praktische Ausbruch de* Geschehen* ln Deutschland, das bis dahin nur eine theoretische Gewitterwolke gewesen war. ״Ich habe mich aber“, meint Brod, ״davon nicht beeinflussen lassen. Ich habe versucht, den Grundton des Beginns festzuhalten und von jeder Verbitterung freizubleiben. Es war mein fester Wille, tn dem Roman gerecht zu sein und zu bleiben.“ Dementsprechend bagatellisiert Brod den Rassen unterschied nicht, wie es vielfach marxistisch und liberal eingestellte Autoren tun, aber er gibt ihm nicht eine unüberbrückbare Abgrundtiefe. Für Brod gibt es, wie für jeden Zionisten, doch, eine höchste Einheit auch zwischen den verschiedensten Rassen. Distanz? Ja. Aber muß Distanz zur Fremdheit führen? Brod verneint dies und zeigt in seinem (kürzlich in einem Almanach abgedruckten) Schlußkapitel, wie die Kinder eines jüdischen und die eines arabischen Dorfes in Erez Israel zueinander finden. Hier kommen zwei Völker zusammen nicht auf der Grundlage der Macht, sondern die stärkere Nation neigt sich, die Führung nehmend, zur schwächeren , . ״ Der Roman, der in Wien, Berlin, München u. a. spielt, wird sicherlich eine große Diskussion in der jüdischen Welt entfesseln, nicht zum wenigsten auch durch die Gestalt des jüdisch-liberalen Dr. Türk, der aus dem Papiergezäun seines edlen, aber sinnlos gewordenen Vorstellungskreises nicht herauskommt. Im übrigen ist es interessant, daß der Romanheld Justus — weicher Jude möchte nicht so heißen! — an einem Plato-Buch arbeitet. Auch Max Brod arbeitet an einem solchen, dem er den Titel ״Die Nachfolge Piatos als Antwort an die Zeit“ geben will Und da Plato auch aut nationalsozialistischer Seite neuerdings vielfach als ״Vater des autoritären Staates“ genannt wird (Heidegger usw׳.), dürfte eine staatsphilosophische Auseinandersetzung auf der Ebene des platonischen Staatsbegriffes einen wichtigen und höchst aktuellen Charakter tragen. Hat doch gerade, wie Brod betont, Platos Begriff vom unverrückbaren Recht dazu geführt, daß kein geringerer als der so autoritative Kirchenvater Eusebius den großen Qriechen einen ״Moses atticus“ nannte. m. g. ״,Der funge David‘״ Vor kurzem haben wir unsere Leser darauf aufmerksam gemacht, daß in der ״Neuen Rundschau“ ein Akt der neuen dramatischen Dichtung ,,Der junge David“ von Richard Beer-Hoimann erschienen ist. Die vortreffliche Zeitschrift!,Corona“ (Verlag R. Oldenbourg-München) bringt nun in ihrem letzten Heft (Oktober 1933) gleichfall* einen Akt des Werkes zum Vorabdruck. Lernten wir dort die versonnene Lichtgestalt des jugendlichen David kennen, so zeigt der in der ״Corona“ veröffentlichte Teil den alternden, von Eifersucht verzehrten und verbitterten König Schaüi. Die nächste Umgebung des Königs, seine eigene Familie, steht zu David, sie flehen zu Schaüi um Davids willen, der vor dein König fliehen mußte. Aber diese Fürsprache erhöht noch den Zorn des Königs, der sehen muß, wie er alle Herzen, selbst Sohn und Tochter, an den gefürchteten Nebenbuhler verloren hat. Diese Szenen, in denen Schaüi wie ein Wahnsinniger um seinen letzten Halt ringt und doch nur seiner Vereinsamung innewerden muß, sind von stärkster dramatischer Kraft und wohl auch Bühnenwirkung. Beer- Hofmanns Schaüi Ist eine tragische Figur von Shakespeare- I scher Größe. Die Vers-Sprache ist auch in diesem Teil so edel und musikalisch wie stets bei diesem Dichter. ״Der junge David“ wird, wie man hört, demnächst als Buch bei S. Fischer erscheinen. Hier erwächst einem jüdischen Theaterensemble eine große Aufgabe, falls wirklich auch dieses jüdische Werk eines Juden von der deutschen Bühne ausgeschlossen sein sollte. Das Department für historische Altertümer bei der Palästina-Regierung hat auf dem Gebiet zwischen dem Kischon- Fluß und dem Berg Karmel Ausgrabungen durchführen lassen, die soeben zum Abschluß gekommen sind. Es handelt sich um die Stätte der schon im Buch Josuah erwähnten Siedlung Misch eal, die zum Gebiet des Stammes Ascher gehörte. Thomas Manns Jaakob -Roman Thomas Mann, ,Joseph und seine Brüder“. Der erste Roman: Die Geschichten Jaakobs. S. Fischer Verlag, Berlin. 1927 las Thomas Mann im Auditorium maximum der Münchener Universität ein Kapitel seines neuen Romans ״Joseph und seine Brüder“ — die Szene, da der junge Joseph in einer kanadischen Mondnacht reflektierend am Brunnen sitzt und der Vater zu ihm tritt — jetzt ist das erste Buch dieses Romans, der inzwischen die Gestalt einer Trilogie angenommen hat, erschienen, ״Die Geschichten Jaakobs“. Zum erstenmal wendet sich Mann, der Sproß eines alten Lübecker Patriziergeschlechtes, einem historischen Stoff zu — und greift eines der schönsten und rührendsten Kapitel der jüdischen Ueberlieferung. Was den Verfasser dazu gezogen hat, darüber gibt auch das Vorspiel der Trilogie, die ״Höllenfahrt“ keine Auskunft. Denn es ist ein kühnes Wagnis, eine Erzählung, die bereits ihre schlechthin vollkommene literarische Form (in der Bibel) gefunden hat, neu prägen zu wollen. Vielleicht deutet die Charakterisierung Josephs als eines ״von Männern der inneren Unbequemiichkeit und der Wanderung, deren neuartige Gotteserfahrung die Zukunft zu prägen bestimmt ist“ (ob ihr Leben einen Segen bedeute, stellt dahin — immer aber ist es ein Schicksal) auf das Thema des Werkes — aber noch bleibt es Verheißung. Denn im vorliegenden Buch ist Joseph ein Kind, dessen Aufgabe sich mit dem verwirrenden und furikelnden Gespräch am nächtlichen Brunnen vollendet. Wieder begegnet uns im Vorspiel Thomas Manns Liebe zu dem rätselhaften Phänomen ״Zeit“. War sie im ״Zauberberg“ die niemals zu fassende Gegenwart als Stundenabiauf, so ist sie in der ״Höllenfahrt“ urtiefste Vergangenheit, der erste Anfang. Je tiefer das Lot im Brunnen der Vergangenheit nach Boden sucht, desto unergründlicher und unerfindlicher scheint die Tiefe, bodenlos. Die Zeit des Jaacob und Joseph, wenn auch ihre Zeitbegriffe unklar waren, unterschied sich kaum von der unsrigen — hier war nichts, was auf den Anfang wies. Vor ihnen waren Kulturen aufgeblüht und zerstört, Länder entstanden und untergegangen, uralt war die Erde schon zu ihrer Zeit. Jaakobs Herdenschaf war ein Haustier, aus dem ״längst“ ausgestorbenen wilden Schafe gezüchtet, der Acker trug Oetreide — wieweit lag die Veredelung wilder Gräser zum brottragenden Korne zurück? ״Gewisse Funde bestimmen die Experten der Erdgeschichte, das Alter der Menschenspezies auf fünfhunderttausend Jahre zu schätzen.“ ״Die Form deT Zeitlosigkeit“, *agt Mann weiter, ״ist das Jetzt und Hier.“ Die Sintflut »pielt zugleich am Euphrat und in China, und überall kehrt der Mythos vom Großen Turm und vom Garten Eden wieder. ״Was uns beschäftigt, ist nicht die bezifferbare Zeit. Es ist vielmehr ihre Aufhebung im Geheimnis der Vertauschung von Ueberlieferung und Prophezeiung, welche dem Worte ״einst“ seinen Doppelsinn von Vergangenheit und Zukunft verleiht.“ So nur kann es dem Joseph scheinen, }aacobs Elizar wäre derselbe Alte, der die Rebekka dem izehak gefreit, so nur dünkt es Jaakob, er wäre Abraham und ihm wäre geheißen, den Knaben zu opfern. Der Begriff des Oewesenen fluktuiert mit dem des Zukünftigen und wird zur ,,potentiellen Gegenwart“. Das letzte ״Zurück“ wird im Sündenfall erreicht. ״Es wird ausgesagt, daß die Seele, die in Gottes Nähe in einer Hochwelt der Ruhe und des Glückes wohnte, sich von der Neigung zur noch formlosen Materie beunruhigen und verwirren ließ, begierig, sich mit ihr zu vermischen und Formen aus ihr hervorzurufen.“ Im gleichen Referat soll es weiter heißen, ״daß aus der Substanz der Göttlichkeit der Geist in die Welt gesandt wurde, damit er der Seele zeige, daß diese Weit nicht ihre Statt sei und ihr sinnliches Leidenschaftsunfernehmen eine Sünde gewesen, als deren Folge die Erschaffung der Welt betrachtet werden müsse“. Nach diesem Vorspiel ist es selbstverständlich, daß Mann einen Schauplatz wählt, der auch nicht in einer Rcdcwendüng modernisiert und damit anachronistisch ist — vielmehr erklärt er die Menschen mit der peinlichen Genauigkeit des Historikers aus ihrer Umwelt. Es sind also hier nicht nachträglich neuzeitliche Begriffe hineingelegt worden. ״Die Geschichten Jaakobs“ scheinen überhaupt nichts ״beweisen“ zu wollen — keine Problematik und kein psychologisches Beispie! — Jaakob wird auch nicht von einer bestimmten Perspektive her gedeutet, sondern die Ereignisse werden genommen, wie sie sich aus einem jahrelangen Quellen- Studium abzeiclinen und — erzählt; erzählt, den alten Hirten und Rhapsoden gleich, in einer bedächtigen und wortschöpferischen Sprache, die stets in den Bildern jener Zeit malt, wenn auch ein Satz, wie der mit dreihundertzwanzig Worten, bewußt archaisiert. Manchmal scheint es, man liest den Bericht eines Zeitgenossen Jaacobs, so exakt sind Ortsbestimmungen und Genealogien durchgeführt. Thomas Mann will kein ״Geschichtenerfinder“ sein, kein ״Lügen mä rieht für einen unterhaltenden Augenblick wie Wirklichkeit aussehen lassen“. Vielmehr stützt er sich auf ״Tatsachen der Ueberlieferung, deren Unerschütterlichkeit nicht darunter leidet, daß sie nicht allen bekannt sind, sondern daß einige davon einigen wie Neuigkeiten lauten“. Mit der Begegnung Jaakob* und Joseph* am Brunnen ,Jenseits der Hügel im Norden von Hebron“, also dem zeitlieh spätesten Punkt des Romans, beginnt der Geschichtenerzähler, um dann auszuholen bei Jaakob und Esau, den ersten Höhepunkt in des getäuschten Jizchaks Segen zu finden und dann von den fünfundzwanzig Jahren in Labans Diensten zu erzählen. Hier erst, nach deT zeitlich zurückliegenden, zum erstenmal in dieser Form zusammengetragenen Einnahme der Stadt Schekem durch die nomadisierenden Brüder des Joseph, gewinnt die Erzählung an Fluß u!1d Reichtum, ״was wäre das zügellose Gefühl des Menschen für den Menschen, wie Jaakob es sich für Rahe! gönnte und dann, in womöglich verstärkter Uebertreibung, für ihren Erstgeborenen, anderes als Abgötterei? Was dem Jaakob durch Laban geschah“ (Die Unterschiebung Leas in der Hochzeitsnacht für Rahel) ״mag noch ... als notwendiger Gerechtigkeitsausgleich in Hinsicht auf Esaus Schicksal verstanden werden... Bedenkt man aber andererseits Raheis V Beachten Sie | unseren Inseratenteil dunkles Los und erfährt man dann gar, was der junge Joseph auszustehen hatte, ... so erkennt inan, daß es sich um Eifersucht... eigentlichster! Sinnes handelt, uni höchst persönliche Eifersucht auf die Gegenstände des abgöttischen Gefühls, in welchem es rächend getroffen wurde, — mit einem Worte; um Leidenschaft. Nenne man das einen Wiistenrest, so bleibt doch wahr, daß gerade erst in der Leidenschaft das tosende Wort vom ,lebendigen Gott‘ sich recht erfüllt und bewährt.“ Es ist nicht so, daß Raheis Geschichte bei Mann ein neues Gesicht bekommt — sie bekommt ein reales insoweit als gleichzeitig mit der Handlung eine Kritik der Handelnden verknüpft ist; es wird nicht nur vom ״daß“ gesprochen, sondern vom ״warum“. Etwa wenn die mit Jaakobs Ankunft einsetzende Fruchtbarkeit der Herden aus der Wartezeit Jaakobs auf Rahel abgeleitet wird — sein Drang, sich zu mehren, sieben Jahre gestaut, teilte sich als Ausgleich seinen Herden mit. Plastisch stehen die Gestalten — der ״Erdenkloß“ I.aban mit hängendem Munde, immer auf seinen Vorteil bedacht, und Jaakob, aalglatt, nicht minder geschickt im Werken, aber vom Glauben an den Allerhöchsten durchdrangen und schon deshalb den arideren überlegen. Wie sich bei Jaakob und Joseph der jüdische Gottesbegriff aus dem Götzendienst der Umwelt noch nicht überall losgelöst von ihr, langsam herausarbeitet, ersetzt allein eine theologische Abhandlung. Der Roman endet mit dein tragischen Schicksal der Frau, deren Muttersehnsuciit stärker war als ihr Leben: mit dem Tode Raheis. Unvergeßlich bleibt der Augenblick, da sie am Wegesrande kreißend ihr Leben aushaucht — und in ihren letzten Worten Jaakob bittet, ihr nicht böse zu sein wegen der Hausgötter, die sie I.aban entwendet, damit sie ihn beschützten. ״Sternenjutigfrau“ nannte Jaakob diese rührende Mädchen mutter, die sich der Fruchtbarkeit opferte um des Wortes willen des Gottes, den Jaakob ihr gebracht. Die Fragen, die der Roman noch offen läßt, wird wohl das zweite Buch ״Der׳ junge Joseph“ und der dritte, abschließende Roman ״Joseph in Aegypten“ beantworten. Herbert Friedenthal. * Der Roman Thomas Manns findet in der deutschen Presse soweit wir sehen, ein ablehnendes Urteil. Vielfach wird hervorgehoben, daß gegenüber Thomas Manns gekünstelter und weitschweifiger Darstellung die Meisterkunst des biblischen Erzählers in helles Licht rückt. So wird — vielleicht unbewußt — bei manchem deutschen Kritiker die Ablehnung Thomas Manns zu einer Reverenz vor dem Geist der hebräischen Poesie. Interessant ist eine Bemerkung Paul Fechters in der Zeitschrift ״Deutsche Zukunft“. Fechter hebt erst hervor, daß Mann selbst ״in mehr als einer Hinsicht überlegen und ironisch von den Menschen seiner alt jüdischen Welt abrückt“, kommt aber doch zu dem Schluß: ״Was für ihn spricht, ist der Mut, in dieser Zeit ein Buch mit einem so un populären Thema herauszubringen“ ... Kedem. Taschen-Wörierbuch. Deutsch-Hebräisch, bearb. von Georg Herlitz. Berlin-Charlotten bürg, Verlag Kedem 1933, VII, 208 S., 8°. Früher gab es wohl hebräisch-deutsche Wörterbücher, aber keine deutsch-hebräischen. Es war schon etwas Besonderes, wenn ein Lexikon am Schlüsse ein Verzeichnis der deutschen Wörter brachte, das einen kurzen Hinweis aut die Stellen gab, wo man unter dem hebräischen Stichwort auch die deutschen Wörter finden konnte, die unter gewissen Bedingungon dem hebräischen Begriffe entsprechen. Seit einem Yierteljahiinnidert erscheinen auch Wörterbücher in deutscher Sprache und deutscher Schrift, die dem Benutzer, der von der deutsch.cn Sprache ansgeht, den Zugang zu den hebräischen Worten! öffnen. Das hangt, mit der Verltbendigang der hebräischen Sprache zusammen, die wenigstens für das deutschsprachige Judentum zu den toten gehörte, Aber das Hebräische ist längst von seinem Scheintode erwacht und auch in Drutschland nie 111 mehr tot. F.s ist klar, daß deutsche Juden, die eben erst augefangen haben, sich mit der hebriiiselten Sprache zu beschäftigen, von großen Wörterbüchern keinen vorteilhaften Gebrauch machen können. Sie müssen da zwischen verschiedenen Wiedergaben wählen, die dem: deutschen Worte unter verschiedenen Umständen entsprechen. Aber vor allem ist es ja nur ein kleiner Wortschatz, dessen sie sich in ihren Unterhaltungen auf dem Markte und in der Straße, int Verkehr und beim Geschäft bedienen. Erst allmählich erweitert sich auch mit ihren Kenntnissen das Bedarfnis nach größerem Wortschatz. Herlitz rechnet bei seinem Lexikon mit solchen deutschen Juden, die keine pliilosophisehe® Ansprüche stellen, sondern die sich so leicht und einfach wie möglich verständigen und die das entsprechende Wort so schnell wie möglich finden wollen. Zugleich erfüllt er einen pädagogischen Zweck. Er will dem Benutzer das Lerpen leicht machen. Er soll möglichst auch Wörter finden, die ihm von irgendwoher bekannt Vorkommen. Das ist in erster Linie bei solchen Wörtern der Fall, die von der Gebetssprache und aus dein Kultus her bekannt sind. Daß wurzelhaft verbundene Wörter bei einer semitischen Sprache besonders gut zu merken sind, war der Grund, daß bei der Auswahl der hebräischen Wiedergaben möglichst oft dieselben Wurzeln herangezogen wurden. Es hat dies zwar den Nachteil, daß verschiedene, einander benachbarte Begriffe, fast nur nuancierte Begriffe, zuweilen mit dem gleichen hcbräisclien Worte wiedergegeben werden, aber der Allgemeinbegriff wird in dieser Wiedergabe viel besser im Gedächtnis festgehalten. Dieser Mangel ist also in dieser Zusammenstellung ein Vorteil. Dabei ist der gegebene Wortschätz viel größer, als man nach diesen Voraussetzungen vielleicht vermuten könnte. Natürlich bringt der Vorzug des Wörterbuches, der in der Kürze und leichten Uebersichtlichkeit und dem Aussclialten alles Fraglichen bestellt, auch eine Gefahr. Wenn z. B. das Wort ״alltäglich“ das!cht, so weiß man nicht, ob das Adjektiv oder das Adverbium gemeint ist. Aber in weitaus den meisten _ Fällen ist das ausdrücklich klar gezeigt, so daß kein Zweifel entsteht. Es ist aber anzunehmen, daß infolge seiner großen Brauchbarkeit für die Tausende von Anfängern, die drüben von der deutsehen Sprache ausgehend zum Hebräischen gelangen wollen, der ״kleine Herlitz“ sehr bald in neuer und verbesserter Auflage erscheinen wird, unc? daß dann die kleinen Aus- Stellungen, die wir und andere noch haben, bald verselnvinden werden. Das kleine Format, die Deutlichkeit, die saubere Ausstattung und die Sorgfalt bei der Bearbeitung werden dem handlichen Büchlein den Weg bereiten. Heinrich Loewe,