Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-10-31 · Heft 87 (31.10.1933) · p. Seite 733

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 87 (31.10.1933)
Date
1933-10-31
Page
Seite 733 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653810--24299-2687241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

!933 Nr. 87, 31. X. 1933 jüdische Rundschau Seite 31ל täte er. 1ens ist Anlage iße, der hnt fast ist oder jewish ansässig, iversität, nn man I seine igsbriefe :rern so weit zu ach von nehr als II Juden man in t wissen el-Awiw, von mit — da! gibt es uck, den dem die erkleidet rusalcnis d. Aber e wicht io. n 0013• von der von der t es die 1 hohem lictswohiard des lie Wol- Zentralmd jetzt bei den ie haben :fe. Aber fertig Ist etwas in 1 Garten düngen :n Grund esprengi. die von Jnd dann ler Weit oheint es man mit;bung zu ind stoU iden und ter Blick rasaleincr p p h ei t 1 ab, ob den oder |n vielen Wohnung sorgfältig «nn sich :sen Um- und wie umg der rfrage ja tür die Veranden : Bauten, fmgebung ck weiter ne Baum- Siedlung, imen um- , 1 p i o 111, :hten Arhat, Ra - er weiter ars hat Seite die itz. Nach wie ein nsjordaninn weitet Plateaus, [lisch von 1 sich daagen und Stadt die nen. Eine inem daurgsch&tten airgsfalten nur herb, , wie beti Ruinen, früheren rscheinlich ch belebt, ommt der bene ver- : einfährt, eiten eine die noch 1k in die nd Nadelu bepllan- 1, Schilder eiten sind lon heute ben, bald eser Zone, ügeln um rüben die Av/Iw. Die arik in Je!• :sen Zweck ich bereit! *llung■ von ben, fCleb- 1. Auf der 5se werden;estelll ein. Die jüdische Gemeinde Wir veröffentlichten in den letzten Wochen eine Reihe von Berichten über das Leben in den einzelnen jüdischen Gemeinden Deutschlands (siehe Nr. 75176 und 83). Neben einer großen Reihe kleinerer Berichte brachten wir längere Beiträge über folgende Gemeinden: Berlin, Beuthen, Breslau, Darmstadt, Düsseldorf, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Lübeck, Mannheim, Nürnberg, Oberhausen, Stettin, Trier, Wuppertal. Die Reihe dieser Berichte setzen wir heute fort, da wir glauben, daß dieser Ueberblik über das Gemeindeleben für die Gesamtheit unserer Leser großes Interesse hat. (Red.) Vom jüdischen Lehrhaus in Stuttgart 1. Wenn in diesen Blättern in der leiden Zeit öfters die Möglichkeiten und Wege der Erwachsenenbildung erörtert wurden, so war dabei der neuen Form des Lehrh a u s e s, die in einigen süddeutschen Städten bereits eine fest umrissene Gestalt gewinnt, keine Erwähnung getan. Das lag wohl daran, daß die bisherigen Einsendungen nur norddeutsche Verhältnisse im Auge hatten. Als vor acht Jahren in Stuttgart auf eine Anregung Martin Bubers hin unter dem Vorsitz von Dr. Otto Hirsch das jüdische Lehrhaus gegründet wurde, da war diese Gründung — vom Frankfurt a. M. abgesehen — wohl der erste tastende Versuch, planmäßiger jüdischer Erwachsenenbildung eine Stätte zu schaffen. Es wurde bei seinem Entstehen vielfach skeptisch beurteilt, erwies sich aber als lebensfähig, wenn auch der Kreis derer, die regelmäßig die Kurse besuchten, klein blieb und sich zum größeren Teil aus Frauen und Mädchen zusammensetzte. Den Männern ließ der Kampf ums Dasein zu wenig Muße zu systematischem Lernen. Die hebräisehen Sprachkurse wurden auch von jungen Mensehen besucht, die sonst anfangs noch keinen rechten Zugang zum Lehrhaus fanden, später aber Sonderkurse für sich verlangten, die auch durchgeführt wurden. Dazu kamen jährlich vier bis sechs größere Veranstaltungen, über deren wichtigsten die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ jeweils unterrichtet wurden. Die in diesem Rahmen veranstalteten öffentlichen Religionsgespräche zwischen Buber und nkhtjüdischen Persönlichkeiten verschiedener geistiger Prägung fanden besondere Beachtung. Deren letztes, 1m Herbst 1932 abgehaltenes, wurde jetzt von dem einen Oesprächspartner, Karl Ludwig Schmidt, Bonn, in den von ihm herausgegebenen Theologischen Blättern im Wortlaut veröffentlicht. Außerdem fanden noch, um den Lehrerkreis auch persönlich näher zusammenzuschtießen, Ausflüge nach jüdisehen Erinnerungsstätten des Landes statt. IL Zur Einleitung des neuen Arbeitsjahres sprach im September Martin Buber über ״Die jüdische Geschichte und wir“. Daß das keine Geschichtslektion im eigentlichen Sinn, kein historisches Kolleg, war, versteht sich für den, der Buber kennt, von selbst. Sein Wort von der sichtbaren und der verborgenen Oeschichte, vor Jahren zum erstenmal ausgesprochen, ist in einem neuen, ungeahnten Sinn lebendig geworden. Kein Volk ist in ähnlicher Weise Geschichtsvolk wie das jüdische. Seine Religion ist Geschichtsreligion, noch heute, und erst recht heute Ist jeder Jude, der sie wirklich erfährt, selber durch das Schilfmeer gezogen, selber am Sinai gestanden, aber auch selber Zeuge der Tempeizerstörung gewesen. Der (ude weiß von der Geschichte als von einem Gespräch zwischen Gott und seinem Geschöpf. So berichtet sie ihm die Schrift, das Buch seines Volkes. Nichts, was geschieht, geschieht außerhalb des Wissens Oottes, aber der Wille des Menschen bestimmt entscheidend alles Geschehen mit. Diese Wechselwirkung ist das Geheimnis in der Geschichte. Aus der Erkenntnis der Einzigartigkeit der Geschichtsverbundenheit des Judentums ergibt sich eine Erziehungsaufgabe. Sie zeigt uns für uns selbst und für unsere Kinder einen Weg durch die Irrgänge und Anfechtungen der Zeit. Sie führt zur Bejahung des Schicksals, zum Glauben an den Sinn, auch wo wir ihn nicht verstehen, und lehrt so, daß es zu jeder Zeit auf das Tun jedes Einzelnen persönlich ankommt. Sie wirft einen Schein aut das Verborgene in der Geschichte und läßt uns das dialogische Verhältnis, die Zwiesprache zwischen Gott und Mensch, wieder erfahren. III. Wieviel anders als vorher und um wieviel bewußter wir heute in den Ablaut des Geschehens hineingestelli sind, erfahren wir täglich. So hat auch das Lehrhaus für das Leben der Gemeinde erhöhte Bedeutung bekommen. Die veränderte Lage wies ihm einen erweiterten, teilweise neuen Kreis von Aufgaben zu, die teils in Angriff genommen sind, teils noch der Erfüllung harren. Die bestehenden Kurse für Neuhebräisch mußten bedeutend vermehrt werden. Die Einrichtung eines hauswirtschaftlichen Umschulungskurses für junge Mädchen durch den Ausschuß für Hilfe und Aufbau gab die Möglichkeit, für diese Schule und für das Lehrhaus ein gemeinsames Heim zu schaffen, das zugleich der Jugend zur Verfügung gestellt wird. Ein Sing- und Instnimentalkreis, den Karl Adler, der bisherige Direktor des Konservatoriums für Musik leitet, hat seine Arbeit begonnen. Das Lehrhaus betrachtet es heute als seine Aufgabe, alles Streben nach Weiterbildung von Geist und Körper, das bisher an anderen Orten Erfüllung suchte, zu sammeln und zu befriedigen — freilich nicht ganz auf die alte Weise, denn sonst wäre es kein jüdisches Lehrhaus. Lm. Tagung der rheinisch-westfälischen Rabbiner. Am 22. Okt. fand in Düsseldorf die Tagung des Rheinisch-Westfälischen Rabbinerverbandes statt. Es che Iba eher (Düsseldorf) hielt einen halachischen Vortrag ״Grundprobleme des jüdischen Familienrechts“. Nach einem Referat des derzeitigen Vorsitzenden, Hahn (Essen), über die ״Reichsvertretung der deutschen Juden“ nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: ״Der Rheinisch-Westfälische Rabbiner- Verband begrüßt es mit dankbarer Freude, daß unter Führung des Kollegen Baeck eine von den ausschlaggebenden Richtungen des deutschen Judentums anerkannte Reichsvertretung der deutschen Juden zustande gekommen ist. Er ist gewillt, der langersehnten einheitlichen Führung Folge zu leisten. Er erwartet von jedem deutschen Juden, daß er von nun an in allen Fragen, die die Gesamtheit betreffen, keine Schritte unternimmt, die nicht vorher ausdrücklich durch die Führung gebilligt wurden. Er sieht in einer solchen Haltung die Verwirklichung der Disziplin, die seit langem von allen Richtungen des deutschen Judentums gefordert wird/4 Gemelndearbclt ln der Notzeit Ein Bericht aus Chemnitz. Die erste Sitzung der Oemeinde-Verordneten seit einem Halbjahr brachte mehrere wichtige Neuerungen. Zum ersten Male war die Oeffentlichkeit zugelassen, was früher aus Platzmangel unmöglich war. jetzt aber in den neuen Gemeinderäumen sogleich eingeftthrt wurde. An Stelle des nach Palästina verzogenen Verordneten Dr. Sichel war Herr Rudolf Weißkopf (orthodoxer Zionist) einberufen worden; er wurde nun in den Vorstand delegiert. Damit wurden zwei langjährige Wünsche der Jüdischen Voikspartei erfüllt; es ist zu hoffen, daß jetzt eine friedlichere Periode in unserer Gemeinde beginnt. Der Vorsitzende der Verordneten, Herr R.-A, Dr. Lappe, gab dem auch gebührenden Ausdruck. — Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Jos. Kahn, berichtete über die Gemeindegeschehnisse der letzten Zeit. Es sind schon über 15 0/0 der Gemeindemitglieder ausgewandert, und zwar aus allen Kreisen; ein großer Teil mußte mit namhaften Beihilfen unterstützt werden. Die Steuern werden hauptsächlich von etwa 20 0/0 der Gemeindemifgfieder aufgebracht. Die Wohlfahrtsvereine haben ihre Fonds der Wohlfahrtszentrale zur Verfügung gestellt, an deren Spitze der Vorsitzende des Vor- Standes mit dem Rabbiner steht. Für Berufsumschichtung arbeitet der ״Sozial-Ausschuß“. Die meisten Arbeiten werden ehrenamtlich erledigt. Doch mußte infolge des außerordentliehen Anwachsens der gesamten Wohlfahrtsarbeiten eine besondere Kraft neu angestellt werden. Eine große Regsamkeit herrscht; junge Leute werden in den verschiedensten Fächern ausgebildet, Kurse für Hebräisch und andere Sprachen werden z. T. von Gemeindebeamten gehalten, eine Gärtnerei- Hachscharah für Palästina ist begründet, ein Kochkursus in Verbindung mit der Gemeindeküche wird vom Frauenbund jetzt geschaffen. Die Oemeinde wirkt überall mit, teils durch Beihilfen aus den vom Vorsitzenden verwalteten Geldern, teils durch Bereitstellung ihrer neuen Räume und ihrer Beamten. Sie hat außerdem einen Lesesaa! neu geschaffen, die Bibliothek neu eingerichtet und eröffnet, und der Jugend neue Möglichkeiten in ihren Räumen gegeben, die besonders von den zionistischen Jugendvereinen stark benutzt werden. — Schließlich wurde in der Sitzung ein ״Jüd. Kultur-Ausschuß“ gegründet, der mit ähnlichen Ausschüssen in den großen Nachbargemeinden Zusammenarbeiten soll. Umsehwnig ond Hemmungen Jüdisches Leben in Neiße Das jüdische Leben unserer Gemeinde leidet edn wenig durch die geographische Lage: Neiße liegt gleich fern von dem regen Leben Breslaus und der Gemeinden des oberschlesischen Industriegebietes. Selbstverständlich macht sich auch die wirtschaftliche Situation bemerkbar. Nach dem Tode Rabb. Eilguthers, der hier lange Jahre wirkte, war die Gemeinde nicht mehr in der Lage, die Stelle des Rabbiners neu zu besetzen, und das Fehlen eines geistigen Oberhauptes macht sich sehr fühlbar. Vor allem haben die Ereignisse dieser Zeit es kaum vermocht, bei der Mehrzahl der hiesigen Juden einen wirklichen Umschwung, eine innere wie äußere Rückkehr zu ״inem positiven Judentum herbeizuführen. Das zeigt sich in der sehr regen Tätigkeit der Vereine (C.-V., RjF. und Loge). Veranstaltungen, wie ein vor längerer Zeit stattgefundener Vortrag von Dr. Friedrich Brodnitz, oder eine Ansprache von Dr. Baeck in der Synagoge in Oppeln, zu der eine nicht geringe Zahl von Neißer Juden erschienen war, sind leider nicht von der nachhaltigen Wirkung, die man erwarten sollte. Es ist so, daß ein bestimmt vorhandener Wille zur Gemeinschaft, nicht zuletzt aus rein äußeren Gründen, darunter den genannten Verkehrsgeographischen, sich nicht positiv jüdisch verwirklichen kann. Darunter leidet auch die zionistische Arbeit, die meist von Jugendlichen gemacht wird. Eine Frage für sich ist die der Jugendarbeit. Ein großer Teil der Kinder hat die höheren Schulen verlassen, die älteren unter ihnen schichten um. Es scheint fast unmöglich, die gesamte Jugend zusammenzufassen; hier besteht ein ״schwarzes Fähnlein“, das Verhandlungen zwecks Einigung oder wenigstens gemeinsamer Arbeit mit dem ״Esra“ abgebrochen hat. Der ״Esra“ leidet unter ständigem Führerwechsel. Aussichtsreicher ist die Arbeit der C.-V .-Jugend, die die älteren unter der Jugend erfaßt. Augenblicklich wird von ihr ein Palästinakursus veranstaltet. Geplant sind ferner Freitag-Abend-Veranstaltungen. Vielleicht, daß sich von dieser Seite her noch eine Einigung oder doch Zusammenfassung der Jugend ermöglichen läßt. Ein gut funktionierendes ״Jugendhilfswerk“ besorgt Um- Schichtung, Stellenvermittlung und Erteilung von hebräischen, englischen und französischen Kursen und Stunden in Neiße und Umgebung, A. Positive Entwicktnng Brief aus Liegnitz Die Liegnitzer Gemeinde gehört zu den wichtigsien Gemeinden Niederschlesiens. Sie dürfte an Seelenzahl Görlitz gleichkommen, Glogau übertreffen. In den Zeiten ihres stärksten Wachstums hatte sie eine Seeienzahf von ca. 1000 Mitgliedern, diese ist jetzt, teils durch Abwanderung, teils durch das ungünstige Verhältnis zwischen Geburten und Todesfällen, auf 680 zurückgegangen, von denen 160 als Steuerzahler registriert sind. Wie in allen niederschlesischen Gemeinden, waren ihrer jüdischen Einstellung nach die Gemeindemitglieder zum größten Teil, und im besonderen die Oberschicht religiös liberal. Wenn auch durch einen stärkeren Zuzug aus den abgetretenen östlichen Provinzen mit den zugewanderten Elementen ein positiverer Zug in das Gemeindeleben kam, so trat die wesentliche Aenderung erst mit der politischen Umwälzung ein. Gehörte bisher die Zionistische Ortsgruppe zu den schwächsten Vereinen in der Gemeinde, so änderte sich dieses nun grundlegend. Das Interesse für den Zionismus begann sichtlich zu wachsen, zionistische Veranstaltungen erfreuten sich eines außerordentlieh starken Besuches, die Abonnentenzahl der ״Jüdischen Rundschau“ wuchs um das Vielfache. Die Leitung der Ortsgruppe, die zur Zeit ca. 60 Mit• gileder umfaßt, hat jetzt Dr, Lewy* Die Eröffnungssitzung wurde ausgefüllt durch ein Referat des Vorsitzenden über das Thema: ,,Zionismus und deutsches Judentum“, ln den Sitzungen, die regelmäßig stattfinden, werden Probleme des udentums in eingehender Weise behandelt. So referierten etzthin Herr cand. phil. Kauffmann über Pinskers Autoemanzipation und Herr Dr. Baeck über das Problem des deutschen Nationalismus unter Benützung der gleichlautenden Broschüre von Dr. Krojanker. Eine besonders wichtige Arbeit wird in den Kommissionen geleistet. Die Nationalfonds־ Arbeit steht unter der Leitung von Frau Fraenkel. Die Sammlungen zu Rosch Haschanah erbrachten die anselmliehe Summe von über 300 Die zionistische jugendgruppe, mit der eine Kindergruppe verbunden ist, verfügt über eine Mitglicderzahl von ca. 40 Personen. Auch in ihr wird intensiv gearbeitet und vor allem Fühlung mit der Jugend der Nachbargemeimlen gesucht. Der hebräische Kursus, der unter Leitung von Dr. N1115 ha um (Breslau) steht, hat stärksten Anklang gefunden und weist eine Tcihu-limcrzahl von über 50 Besuchern auf. Die Ortsgruppe zeigt eine straffe Organisation, und bei allen Mitarbeitern ist der ernste Wille vorhanden, positiv jüdische Arbeit zu leisten, die Ideen des Zionismus in die Tat umzusetzen; es besteht die sichere Aussicht, daß diese Arbeit nicht ohne Erfolg bleiben wird. Selbstverständlich ist die Zahl der ,,ewig Oestrigen‘■ in der Gemeinde, wenn sie auch stark zurückgegangen ist, doch noch nicht ganz geschwunden. Und es wird immer und immer wieder versucht, in die Ideologie des Liberalismus von gestern zurückzukehren und mit ihr Propaganda zu machen. Die Führer von gestern, die glauben, es auch heute noch sein zu können, treiben immer noch Mimikry; sie wollen nicht einsehen, daß ihre Lehren schon oft in die Irre geführt haben. Dr. B. Gemeindearbelt io Wiesbaden In diesen Tagen nimmt das seit zwölf Jahren bestehende Jüdische Lehr haus, das im Mittelpunkt aller jüdisch-geistigen Bestrebungen unserer Stadt steht, seine Wintertätigkeit auf. Von öffentlichen Vorträgen wurde in diesem Jahre abgesehen, sondern der Hauptwert aut Arbeitsge mein sc hatten und Sprachkurse gelegt. Es lesen über folgende Themen im Monat November: Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach), ״Aus der Welt des Midrasch“; Dezember: Lehrer Capell (Wiesbaden), ״Die jüdische Schule, wie sie ist, wie sie war und wie sie sein soll“; Januar: Rabbiner Dr. Lazarus (Wiesbaden). ״Erste Einführung in ein Gesamtwissen vom Judentum“; Februar-März: Lehrer Lilienthal, ״Wie gebe ich den Seder?“ Daneben laufen Sprachkurse für Englisch und Französisch und vor allem für Neuhebräisch, für die ein aus Palästina kommender Lehrer angestellt ist. Zum ersten Male in diesem Winter sind 1'n das Arbeitsprogramm des Lehrhauses auch künstlerische, musikalische und 1 i t e - rarische Veranstaltungen einbezogen, um den Zusammenhang mit dem Kulturleben der Gegenwart zu ^pflegen und jüdischen Künstlern Gelegenheit zur Betätigung zu geben. Es sind acht Abende vorgesehen, davon mehrere Konzerte namhafter Künstler, sowie auch ein Palästina-Abend mit Lichtbildern. — In diesen Tagen veranstalteten Gemeinde- Vorstand und Rabhinat einen Gemeindeabend, an dem Herr Dr. Heinrich Strauß (Berlin) vor überfülltem Haus sprach über: ״Palästina als Einwandertmgsland“. — Von der ״Vereinigung jüdischer Frauen'• sind seit einem halben Jahr h.'Uiswirtschaftliche Kurse für junge Mädchen eingerichtet worden, die vor allem der Berufsumschichtung und Vorbercitung für Palästina dienen; die Kurse sind von liiesigen und auswärtigen jungen Mädchen gut besucht. — Seit April besteht in Verbindung mit der Arbeiiszentrale jüdischer Wohltahrtsvcrciiiiirungen eine besondere Be* r-a 1 u!1 g s s t e 11 e für einschlägige!■'ragen, insbesondere für Palästina- und Auswanderung* fragen, Berufsumschichtung usw., die überaus stark in Anspruch genommen wird. — ln den letzten Woclu-n sind auf Antrag des Gemeinderabhiners Dr. Lazarus Verhandlungen mit den zuständigen Steilen angeknüpft worden zwecks Gründung einer jüdischen Volksschule; man hofft, daß trotz allen Schwierigkeiten — hier in Nassau existiert nur die ,,christliche Simultanschule“ — diese allerdringiichste Aufgabe bald erfüllt wird. Gelsenkirchen, die zweitgrößte Gemeinde Westfalens Anfang dieses Jahres zählte die Gemeinde Gelsenkirchen noch 1600 Seelen, durch Abwanderung ist die Zahl bis aut 1250 gesunken. Die im Jahre 1927 eingemeindeten Stadtteile Buer und Horst bilden eigene Gemeinden mit 300 bzw. 100 Seelen. Die jüdisch-kulturellen Verhältnisse in diesen Kleingemeinden liegen sehr im argen, da man es In Gelsenkirchen ängstlich vermeidet, dort nach dem Rechten zu sehen. Nur die Zionistische Ortsgruppe und die zionistischen Jugendbünde haben enge Beziehungen zu den Gesinnungsfreunden in Buer und Horst, der Vertrauensmann des Palästina-Amtes in Gelsenkirchen betreut auch die Nnchbargemeinden. Die Leitung der Gemeinde liegt in Händen von Herren, die, vor vielen Jahren gewählt, den Ereignissen der letzten Zeit in ihrem Sinne Rechnung tragen. Die Repräsentanz. — 7 Liberale, 2 Zionisten — ist durch Abwanderung aktiver Kräfte in ihrer Aktionsfähigkeit gehemmt. Es sei als Kuriosum vermerkt, daß die Liste der Liberalen erschöpft und für den zuletzt Ausgcschit'Uenen kein Ersatz, vorhanden ist. _ Durch den R. j. E., der bemüht ist, die Leitung der Gemeinde in seinem Sinne zu beeinflussen, der den Turnsaal des von den Zionisten geschaffenen, jetzt von der Gemeinde übernommenen Jugendheims für sich in Anspruch nimmt und ihn dem ״Bar Kochba“ verweigert, der die Aufnahme ostjüdischer Jugend in seine Turngruppe ablchnt, wird eine gewisse Hemmung im Leben der Gemeinde hervorgerufen. Immerhin sind die Bemühungen aktiver Genieindemitglieder, die sich in der ,Jüdischen Wirtschaftshilfe“ zusammengefunden haben, zu erwähnen. Diese ״Wirtschaftshilfe“ ist durch die Initiative des Leiters zu der Zentralstelle sozialen Lebens in der Gemeinde geworden. Die Einrichtung einer Darlehnskasse ist vorgesehen. Die Beratung der Palästina-Interessenten liegt in den Händen des Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, der auch in der Wirtschaftshilfe tätig ist. Die Jugend hat mehrere hebräische und englische Kurse, der Frauenverein einen Näh- und Plättunterricht ein- 1!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.