Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 87 (31.10.1933)
- Date
- 1933-10-31
- Page
- Seite 732 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 730 jüdische Rundschau Nr. 87, 31. X. 1933 sieaiunp deutscher Juden, Bildung von Oruppcn usw. zuzuleiten. l>ie Landwirtschaftliche Abteilung wird gerne «Ile Projekte prüfen, sie begutachten und mit den Einsendern besprechen. II. Oie Abteilung ״Allgemeine Beratung“ des PalSstina-Amtes teilt mit: 1. Industrielle Informationen. Es wird nochmals auf die bereits in Nr. 84 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 20. Oktober erschienene Mitteilung über die Zentralisierung der industriellen Information in Palästina hingewiesen. Eine große Reihe von Organisationen haben in Erkenntnis der Notwendigkeit, erte wirtschaftliche Information an einer Stelle zu zentrali- Steren, das ״Zentrale Informationsbüro für Ind u s t r i e“ errichtet. Es ist dem ״American Economic Committee for Palcstinc“ Tel-Awiw, Boulevard Rothschild 18, P. O. B. 52, angegliedert. Die Schaffung dieser Zentrale war um so notwendiger, als die Vermehrung der Auskunftsslellcn und die Erteilung von Informationen durch unbefugte Per- •*“en und Privatbüros starken Umfang angenommen hatte. 2. Auskunfterteilung. In letzter Zeit mehren sich die Ankündi.gungen von Informationsstellen, die in keiner Weise autorisiert sind, Auskünfte zu erteilen. Das Publikum wird in sei nein eigenen Interesse darauf hingewies«!, diesen Ankündigungen" gegenüber recht vorsichtig zu sein und in Zwei dsfallen Rückfragen beim Palästina-Amt, Abteilung Allgemeine Beratung, zu halten. Die Aufgabe der vorgenannten Abteilung ist cs, Auskünfte allgemeiner Art über Palästina zu erteilen. 3. Zollfragen, Umzugigut. Nach einer neuen Bestimmung des palä stine״>ischcn Zolldepartements ist für nach kom• m e 1111 c! G c p a c k innerhalb einer Frist von 5 Tagen nach der Ankunft des Lmwanderets eine Zollerklärung zwecks Zollbefreiung des Umzugsgutes im Zollbüro Jaffa oder Haifa rib/׳i״elK׳n. Dieser Zollerklarung muß eine genaue Spezifik. itioü des Inhalts auch des naclikommenden Gepäcks beigelugt weidet!. Nach Abgabe dieser Zollerklärung besteht die Mdg lichkeit, Dnmigsgut bis zu 90 Tagen nach Ankunft in l'ai.v-.ttifia zollfrei ei;izuführcn. 4. Zollfragen, Einfuhr von Motorfahrzeugen (Autos, Trakform, Motorräder). Autos, auch solche, die als Umzugsgut tniujebracht werden, sind in jedem Fall zollpflichtig■. Nach ikwition '291 des palästinensischen Zolltarifs werden ״Fahr- 7eu::e, mechanisch betrieben, aller Art und Traktortn und l. iii/eltei le sowie Motorräder und Teile hiervon׳‘ zu einem Zollsatz von 23 0״ vorn Wert verzollt. b. Palästina-Literatur. Das Palästina-Amt gibt die deutsche Fassung des palästinensischen Zolltarifs nebst Einfuhrverboten und -Beschränkungen gedruckt heraus (alphabetisch geordnet). Der Preis des Zolltarifs beträgt 1 RM. Er Ist zu beziehen durch unseren 1.iteraturversana. f). Flugpostverhindungcn nach Palästina. Nach einer Mitteiiimg des Postamts Her litt-Charlotten bürg 2 vom 18. Oktober bestehen seit dem 18. Okt. folgende Luftpostverbindungen: die Enpbnd-Jndicn-Linie, ab München Sonnabends um 20 Uhr; die Niediwktnd-Indien-Linie, ab Postamt Halle (Saale) Donnerstag um 6 Uhr; die Marscille-Neapel-Linie, ab Neapel Mittwochs um 20 Uhr; die London-Kairo-Kapstadt•Linie, ab München Mittwochs um 20 Uhr. 7. filtachdufh Olej Germania, Haifa. Es wird nochmals auf die neue Adresse der Hitachduth Olej Germania, Haifa: Merkas Misrachi, Misrachstr.• Ecke Jaffastr., hingewiesen. Die landwirtschaftliche Abteilung bringt zur Kenntnis, daß die Gründung einer Kooperative für Brunnenbau und Tiefbrtninenbohrung stattgefunden hat. ln ihr haben sich eine Reihe von jüngeren Ingenieuren und Handwerkern zusamtrsengeschlossen, die aus eigenen Mitteln di« erforderiiclten Maschinen besdiaften. Die Mitglieder der Gruppe werden die Bohrarbeiten seihst ausführen. Der Kooperative ist durch Vermittlung des Palästina-Amtes Berlin Förderung durch palästinensische Steilen gesichert. Es besteht die .Möglichkeit, daß sich noch Einzelne, besonders solche, die spezielle Kenntnisse in der Her- Stellung von Tiefbohrungen besitzen, an der Kooperative beteiligen können. Interessenten wollen sich umgehend an das Palästina-Amt Berlin W15, Meinekestr. 10, Landwirtschaftliche Abteilung, wenden. Kleine Nadirlchlen Der Zenfralver band der A r b e i,t s i t! v a 1 i d e n und \U i t w e tt D e 1! t s c h i a n d s ist in den nationalso/ialistUch en Rcichsverbntid der deutschen Arbeitsopfer aufgegangen. Auf Anfrage eines jüdischen Mitgliedes hat der Gau Freistaat Sachsen mitgeteilt, daß die konfessionelle Filin- Stellung der Mitglieder für die Verbandszugehörigkeit keinen Aus-chlog gibt und daß die jüdischen Verbandsmitglieder die gleichen Rechte genießen wie die anderen. Wie der JTA. mitgeteilt wird, können entgegen anderslautenden Meldungen trotz der Gleichschaltung des ״Deuts c!1 e u I; s p c r a r! i 0 - B u n d e 5“ indische Mitglieder im Verein bleiben, auch können fernerhin Personen jüdischer Konltssion aufgcnomnicn werden. Die innerhalb der festgesetzten Prozentzahien als Nichtarier zugelassenen Studenten der Berliner Universität haben eine neue gelbe Studenteuk jrte für Nichtmitglieder der Deutschen Studentenschaft und ein schraffiertes gelbes Rechteck auf das Studienbuch erhalten. Im Gebiete der Freien Stadt Danzig wird eine Winterhilfeaktion durchgeführt. Auf einer in Zoppot abgehaltenen Ver- Sammlung erklärte der Kommissar für die Winterhilfe, Senator B a t z e r, jüdische Hilfsbedürftige würden durch die offiziehe Winterhille nicht bedacht werden, ihre Unterstützung sei Aufgabe der jüdischen Öffentlichkeit. Zwei Jahre zionlsüicher Politik. Wir haben bereits an* gezeigt, daß unter diesem Titel eine Darstellung der zionistisehen politischen Arbeit in den Jahren 1931/33 im Rahmen der Schriftenreihe der ״Jüdischen Rundschau“ erschienen ist. Es handelt sich dabei um einen Sonderdruck aus dem Be■ fiel t e c r zionistischen Exekutive an den letzten Kong ich. Im ersten Teil des Berichtes wird die in London geleistete politische Arbeit behandelt. Besonders ausführlich rt der Abschnitt, der sich mit den French-Berichten beschäftigt. Der zweite Teil schildert die Arbeit des politischen Departements in Jerusalem. Er wird mit einem Nachruf auf den so tragisch dahingerafftea Leiter dieses Departentents, Ghaim Arlosoroff, eingeleitet. Sehr ausführlich sind die Abschnitte über Einwanderung, Landentwicklung, öffentliehe Arbeiten und Bodenfragen gehalten. Das Studium des Gesamtberichtes zeigt mit aller Deutlichkeit die Fülle der Aufgaben politischer Art, die in London und Jerusalem zu lösen sind und gibt auch dem, der hierüber im einzelnen bisher weniger informiert war, eine gute Anleitung zum Ver* ständnis der, Probleme. Ein Städtchen Jerusalem Von Immanuel. Wir setzen heute die Schilderungen eines Neu- Einwanderers (siehe Nr. 85 und 86) fort. Red. Die Autos kommen von der falschen Seite nach Jerusalem. Man bekommt durch diese Einfahrt einen ganz verkehrten oder besser gesagt gar keinen Eindruck von der Stadt. Das stahlblaue Band der schön asphaltierten Chaussee von Jaffa windet sich durch die judaischen Berge in riesigen, zum Teil beängstigend engen Serpentinen, fährt durch trostlose Oede und grau schimmernde Olivengiirten, an arabischen Dörfern vorbei, die unheimlich malerisch an den Abhängen kleben, und zwängt sich in eine ziemlich enge, reichlich häßliche Straße hinein. Kleine Läden zu beiden Seiten und ein ungeregelter und bunter Verkehr. Araber im Fez, Beduinert in schwarzen Mänteln, Fellachenfrauen in blauen Kleidern, orthodoxe Juden im langen Kaftan und Europäer in internationaler Kleidung und mit sehr verschiedenen Gesichten!. Die Straße verbreitert sich, wird europäischer, die Geschäfte eleganter, der Verkehr stärker. Es sieht sauberer aus als bei der Einfahrt, hier und da gibt es auch eine ganz schöne Ecke, aber ist das wirklich Jerusalem, das Jerusalem, von dem man so viel gehört hat, die heilige Stadt? Erst ,wenn man ein paar Tage überall herumgelaufen Ist, an kantigen Steinen seine Schuhe geritzt und wehe Füße bekommen hat, erhält man den ersten Begriff von dem echten Jerusalem oder einem der vielen echten, die cs gibt. Und nach ein paar Tagen weiß man auch, von welcher Seite man in diese Stadt einfahren muß. Nicht von Jaffa her, sondern von Jericho, wo sich plötzlich bei dem gewaltsamen Aufstieg über die Chaussee, die sich durch die tiefe Schlucht hinaufwindet, das Panorama der Stadt öffnet. Von der Höhe aus sieht man sie liegen, weitläufig mit Kuppeln und spitzen Minaretts, mit blockigen Häusergruppen und Kirchtürmen, mit alten, wuchtigen Mauern und dem riesigen Tempclplatz, auf dem sich die Kuppel der Omarmoschee wölbt. Ein unvergeßliches Bild mit seiner Vielfältigkeit der Formen, der erstaunlichen Gliederung trotz aller Gewalt und Wucht, den immer wechselnden Farben una dem Hintergrund der umliegenden Flöhen. Man soll niemals von der falschen Seite nach Jerusalem kommen. Man •agt mir, daß noch vor fünfzig Jahren nicht viel mehr bestand als die ״alte Stadt“, Jenes unbeschreibliehe Gewirr aurcheinanaergeschachtelter Gäßchen und überwölbter Bazare, das immer wieder neue Ausblicke und Ueberraschungen bietet und das man am liebsten ganz so, wie es ist, in ein Museum stellen möchte. Rund um diese von Zeltdächern überspannten Treppengäßchen, durch die die bepackten Kamele schaukeln und die zierlichen Esel trippeln, wo sich die Kirchen aneimnderdrängen und jeder Bazar seinen eigenen Geruch hat, schließt sich die riesige Saraz.enenmauer. Außerhalb war vor einem halben lahrhundert so gut wie nichts. Dann aber wagte sich der eine und der andere Bail außerhalb der Mauern. Es kamen jüdische, arabische, amerikanische, deutsche Viertel. Und heute ist die alte Stadt, die unverändert geblieben ist und ihren Handel und Wandel treibt wie seit Jahrhunderten, ein ganz winziger Teil Jerusalems. Die eigentliche Stadt, die bewohnt wird, die ihre Geschäfte betreibt, ihr politisches Leben lebt, sich immer behaglicher gestaltet una sich über di.e umliegenden Höhen ausbreitet, umfaßt diesen alten Kern und erhält ihn, wie er war. Aber man kann in Jerusalem leben, wirtschaften, an allem teilnehmen, alle Bekannten besuchen, ohne Jemals in die aite Stadt zu gelangen. Sie wird von der Entwicklung nicht berührt. Es gibt kein einheitliches jüdisches Vier• tet in | er 11 salem. Es gibt viele; und sie sind 50 verschieden ’ voneinander, als ob cs getrennte Städte wären. Noch vor fünf Jahren soll ein großer Teil der Juden, vor allem die europäischen Einwanderer, verstreut unter den Arabern gelebt haben. Seit 1929 die Unruhen das Gefühl der Sicherheit stark beeinträchtigten, hat sich die Tendenz gezeigt, sich mehr in eigenen Vierteln zu kon- Die ״Jüdische Rundschau“ hat in den letzten Monaten ihre Leserschalt verzehnfacht. Sie bringt die besten Informationen über jüdische Fragen, über Palästina, über die jüdischen Bewegungen unserer Zeit; sie ist eine Tribüne der Verteidigung jüdischer Ehre und jüdischer Existenz in der gewaltigen Geschichtswende unserer Zeit. Wer noch nicht za unseren Abonnenten gehört, gehe sofort seine Bestei• lung auf! Die ״Jüdische Rundschau“ ist das beste Insertiensorgatft, da unsere Leser auch den Inseratenteil mit größter Aufmerksamkeit verfolgen. Fragen Sie unsere Inserenten nach ihren Erfahrungen! zentrieren, und die Baubewegung hat starke Resultate er. geben. Einer der Mittelpunkte des jüdischen Lebens ist א e c h a w i a h, ein Mittelding zwischen städtischer Anlage und Villenort. nur zehn Minuten von der Jaffastraße, der zentralen Verkehrsader der Stadt, entfernt. Hier wohnt fast alles, was unter den Juden in Jerusalem bekannt ist oder eine Stellung hat. Hier sind die Mitglieder der Jewish Agency, der offiziellen Vertretung der Judenheit, ansässig, hier wohnt ein großer Teil der Professoren der Universität, hier wohnen Akademiker und höhere Beamte. Wenn man unter den zionistisch bekannten Persönlichkeiten seine Freunde hat oder mit einer Reihe der Empfehlungsbriefe ausgestattet ist, die heute bei den neuen Einwanderern so beliebt sind, so braucht man in Jerusalem nicht weit zu suchen. Es lohnt sich vielfach, in Rechawiah einfach von Haus zu Haus zu gehen und anzuklopfen, um so mehr als hier auch eine beträchtliche Anzahl von deutschen Juden sitzt, die seit längerem in Palästina leben und die man in allen möglichen Dingen, die ein frischer Immigrant wissen will, um Rat fragen kann. Dieses Rechawiah sieht sehr anders aus als Tel-Awiw, Breite Straßen, imposante Steinhäuser, manche davon mit viel Geschmack hingesteilt, in den älteren Teilen — da! heißt denen, die älter sind als fünf Jahre! — gibt es schöne Gärten. Es mag viel von dem soliden Eindruck, den dieses Viertel macht, an dem Material liegen, aus dem die Häuser bestehen oder mit dem sie wenigstens verkleidet werden, dem Kalkstein, der in der Umgebung Jerusalem! gebrochen und zu großen Quadern behauen wird. Aber auch der ganze Stil ist schwerfälliger, ruhig, gewichtig. Tel-Awiw erinnert immer an eine Mischling von Gold■ räberstadt und Badeort. Rechawiah hat nichts von der lüchtigkeit und dem Durcheinander, aber auch nichts von der kochenden Energie und Unruhe. Wenn doch etwas an Tel-Awiw erinnert, so ist es die Baubewegung. Man spürt sie in Rechawiah in hohen Maße. Es entstehen ganz neue Straßen, große MietswoEuungen und Eigenhäuser. Der relativ hohe Standard des Viertels äußert sich in dem Komfort der Bauten. Die Wolnnngen sind bequem, an vielen Stellen gibt es Zentral- Heizung; denn der Jerusalemer Winter ist kalt und jetzt schon sind die Abende empfindlich kühl. Die Gärten bei den ״alten Häusern“ sehen ganz selbstverständlich aus, sie haben zum Teil schöne Zypressen, Nadelbäume, Blumenbeete. Aber erst wenn man einen Neubau sieht, der gerade fertig ist und seinen Garten bekommt, versteht man, daß so etwas in Jerusalem keineswegs selbstverständlich ist. Einen Garten dort anlegen, heißt nicht einfach umgraben und düngen und pflanzen. Da werden zuerst die Felsen, die den Grund des Viertels bilden, aufgehackt, planiert, zum Teil gesprengt. Auf die geglättete Unterlage wird Erde gebrach(, die vor! Eseln in backen mühsam herantransportiert wird. Und dann erst kann man an das gehen, was sonst auf der Welt Gartenarbeit heißt. Auch wenn es so weit ist, scheint es nicht einfach hier mit Grün und Blumen. Wenn man mit einem seiner Wirte aufs Dach geht, um die Umgebung zu sehen — und das tut man sehr oft, denn alle sind stolz auf Jerusalem und den Blick, den man von Veranden und Dächern genießt — so ist wie instinktiv ihr erster Blick in den Wassertank. Diese Behälter spielen im Jerusalemer Leben eine große Rolle. Bei der Wasserknappheit in der Stadt hängt für den Haushalt alles davon ab, ob sie von den zentralen Leitungen zur Zeit gefüllt werden oder ob der Verbrauch nicht die Vorräte übersteigt, ln vielen der neuen Häuser ist auf dem Dach für jede Wohnung ein besonderer Tank und jede Familie sichert ihn sorgfältig mit einprn Vorlegeschloß. Sicher ist sicher! Man kann sien vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten unter diesen Umständen die Pflege eines Gartens verbunden ist und vie alles auf die angekündigte große Wasserversorgung der Hauptstadt wartet. Schließlich bedeutet die Wasserfrage ja für die Bemittelten nur eine Unbequemlichkeit, für die Armen aber unendliche Mühe und Ausgaben. Weit draußen auf der Höhe sieht man von den Veranden der Häuser wie in einem Halbkreis große weiße Bauten. Zuerst einen riesigen Komplex, der die ganze Umgebung beherrscht, das Schloß des Oberkomtnissars; ein Stück weiter das Wohnhaus einer Arbeiterinnengruppe, die hier eine Baumschule und Geflügel haben. Dann kommt eine große Siedlung, schön gelegen am Hang eines Hügels und mit Bäumen umhegt, ein anderes Zentrum jüdischer Siedlung, T81 pio t h, una schließlich die Häuser einer anderen gemischten Arbeitergruppe, die hier Boden und eine Wirtschaft hat, Ramat Rachel. Jerusalem schiebt seine Kreise immer weiter hinaus. Oben am Schloß des Oberkommissars hat man die ausgreifendste Rundsicht. Auf der einen Seite die Stadt, diese erstaunliche Stadt mit dem Tempelplatz. Nach rechts hinunter die Senke des Toten Meeres, das wie ein Spiegel unten schwimmt, abgeschlossen von den transjordanisehen Gebirgen, versenkt in den toten Karst. Dann weitet sich weiter hinunter ein Blick auf Hügel und Plateaus, durstig, von der Hitze aufgerissen, in einem Gemisch von braun, grau und gelb; staubweiße Wege schlängeln sich dazwischen mit schwarzen Eselchen, die Fellachen tragen und schließlich Talpiotb und drüben jenseits der Stadt die anderen Vorstädte, die halb im Dunst verschwimmen. Eine Landschaft von unvorstellbarer Großartigkeit, von einem dauernd sich ändernden Farbenspiel, in dem die Bergschaden über die Täler schweifen und sich in die Gebirgsfalten einfressen. Aber eine grausame Landschaft, nicht nur herb, sondern feindlich, voller Geheimnisse, kahl, nackt, wie beraubt. Daß sie einmal anders war, sieht man an Ruinen, an Steinhügeln, die aufgeschichtet sind und von früheren Wohnbauten stammen, aber sie sehen fast unwahrscheinlich aus. Eine ungeheure Phantasie gehört dazu, sie sich belebt, voll Grün und mit Bäumen vorzustellen. Ein Beispiel von der Fahrt Jaffa—Jerusalem kommt der Phantasie zu Hilfe: Dort, wo sich die große Ebene verengert und man in die kahlen judaischen Berge einfährt, trägt eine Strecke lang der Berg zu beiden Seiten eine zarte grüne Decke. Es sind junge Bäume, manche, die noch wie Setzlinge aussehen, manche, die schon schlank in die Höhe geschossen sind, Zypressen, Oliven, Laub- und Nadelbäume. Hier hat man versucht, die kahlen Felsen zu bepilanzen, aufzuforsten. Draht schließt die Schonungen ab, Schilder warnen die Hirten vor ihrem Betreten. Die Arbeiten sind noch nicht alt, vielleicht fünf Jahre. Aber schon heute ändert sich die Landschaft, ändern sich die Farben, bald wird es Schatten geben und eine andere Luft in dieser Zone. Vielleicht geschieht dasselbe einmal auf den Hügeln um Jerusalem? Wie eine Bestätigung sieht man drüben die Bäume von Talpioth. ______ Eine Farbband- und Kohlepapierfabrik In Tel-Awiw« Die baldige Eröffnung einer Farbband- und Kohlepapierlabrik injel- Awiw steht, wie mitgeteilt wird, bevor. Die für diesen Zweck in Deutschland eingekauften Maschinen befinde^ sich bereit! aut See. Dein Unternehmen wird auch die Herstellung von Tinten aller Art, Stempelfarben, Verfielfiltigungsfarben, Klebstoffen und Buchdruckfarben angegliedert werden. Auf der im kommenden Frühjahr stattfindenden Levante-Messe werde« bereit* die Erzeugnisse diese* Uqtcmehta&iu ausgestellt ein.