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Jüdische Rundschau · 1933-10-31 · Heft 87 (31.10.1933) · p. Seite 730

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 87 (31.10.1933)
Date
1933-10-31
Page
Seite 730 (sequence 2)
Language
German
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Seite 728 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 31. X. 1933 Tel-Awiw wurde durch die Kundgebung nicht ln Mitleidenschaft gezogen und war in keinem Augenblick gefiihrdet. Am Machmittag war die Polizei vollkommen Herrin der Lage. Das bereitgestellte Militlr hatte keine Gelegenheit einzu grellen, da die Polizei für die Wiederherstellung der Ordnung vollkommen ausreiclte. Jaffa, 27. Oktober. H. T. A.) Die nach dem Mittags• gottesdienst in der Jaffaer Moschee am Freitag, dem 27. Oktober, in den umliegenden Straßen ausgebroenenea Unruhen waren durch die Polizei bereits um 2 Uhr nachmittags unterdrückt. Die Ruhe ist, nachdem die Situation etwa *i Stunden lang einen bedrohlichen Charakter gezeigt hatte, wieder vollkommen hergestellt. Das Viertel, in dem sich die Büros des Distrikt.skommi'sars befinden, svar durch spanische Reiter, hinter denen Truppen bercitgestellt waren, abgesperrt. Nachdem aus der ״Mitte der aus der Moschee strömenden zehntausendköptigen Menge Schüsse gegen den Polizeikordon gefallen" waren, verkündete ein Polizeibcamter das i n k r a f t treten der A 1! f r 11 h r b e s t i m in u ri g e n. Dann erst eröffnete die. Polizei das Feuer. Etwa 20—30 Minuten lang hielt das St hießen an. Es entwickelte sich ein Straßenk a m p f, hei dem die wütende Menge Steine gegen die Poibeiabfeilungen schleuderte und gegen einzelne Polizisten mit Stöcken tintl Dolchen losging. Zehn englische und zwanzig arabische Polizisten wurden iri diesem Kampfe verwundet. Einzelne berittene Polizisten wurden von den Pferden heruntergezerrt, die herrenlos durch die Straßen rasten. Die Zahl der verwundeten Demonstranten wird auf über hundert geschätzt. Als erstes Todesopfer fiel ein arabischer Polizist. Den verwundeten britischen Polizeioffizieren Faraday und Sigrist wurde durch eine aus Tel-Awiw herbeigerufene Amb 1! I a n z d e s R 0 t e n Magen D a v i d erste Hilfe geleistet. Andere Verwundete fanden im Hospital der Had a s sa h zu Tel-Awiw Aufnahme. Während der offizielle Berieht nur von zwei getöteten Polizisten und drei getöteten Demonstranten spricht, wird die Zah! der Toten in einem anderen Bericht mit zehn angegeben. In Tel-Awiw und Jaffa wurde die Schließung der Tort nach 6 Uhr abends angeordnet. Der Ausnahmezustand wurde, wie von den Jerusalemer Zentralbehörden offiziell mitgeteilt wird, am Nachmittag in Tel-Awiw und Jaffa noch nicht verhängt. Er 8011 jedoch, falls die Lage es erfordern sollte, am Abend verkündet werden. Die Zusammenstöße in Haifa und Jerusalem Jerusalem, 29. Oktober. (J. T. A.) Am 27- Oktober Ist es soät abends zu einem l'cbergreifcn der Unruhen in Jaffa auf verschiedene andere Städte in Palästina gekommen. Auch am Sonnabend, dem 28. Oktober, fanden in Haifa und Jerusalem Zusammenstöße zwischen arabischen Demonstranten und der Polizei statt, die überall die Ruhe in verhältnismäßig kurzer Zeit viedcrherzusteilen vermochte. Auch am 28. Oktober wurden militärische Kräfte und Luft- Streitkräfte gegen die Veranstalter der Kundgebungen nicht eingesetzt. Die Regierung hat ihre Sicherungsmaßnahmen verstärkt. Für Truppenteile in Aegypten wurde Marschbereit- *chaft angeordnet. Nach der augenblicklichen Sachlage ist es nicht wahrscheinlich, daß ea zu einer Einsetzung aes in Palästina stationierten Militärs oder gar von Abteilungen, die von auswärts herangezogen werden müßten, kommen wird. Zu Angriffen auf Juden «der jüdisches Eigentum ist ei nirgends gekommen. In Tel-Awiw herrscht vollkommene Ruhe. Nur die Verbindung mit Jaffa und damit mit Jerusclem — die Straße Tel-Awiw—Jerusalem führt über Jaffa — ist unterbrochen. in H ai la wiegelten am 21. Oktober spät abends Agifatoren, die aus Jaffa gekommen waren, die Menge gegen die Polizei auf. Als sich die Demonstranten nach einer in die Luft abgegebenen blinden Salve nicht zerstreuten, war die Polizei genffligt, scharf zu schießen, wobei einige Demon-!tränten verletzt wurden. in Jerusalem kam cs zu einem Angriff auf eine Polizeistation, bei der Abwehr wurde ein Angreifer erschossen. Die Ordnnung war nach kürzester Zeit wiederhergestellt. In Nablus mußte die Polizei ebenfalls von der Schuß- Waffe Gebrauch machen. Es gab einige Tote. Der In Jerusalem proklamierte Generalstreik der Araber wurde am Sonnabend fortgesetzt. Am Morgen sammelten sich Araber um das Haus des Präsidenten der arabir;hen Exekutive, Musa Kazitn Pascha, sie wurden jedoch von der Polizei zerstreut. Der High Commlssloner hat ein Commufiiqud ausgegeben, in dem er die Zusammenstoße bestätigt, gleichzeitig aber feststellt, daß die Polizei überall die Lage fest in Händen hat. In Hai la griffen am Sonnabend früh etwa 2000 Araber die Bahnlinie und ein Poii/.eiquartier an. Sie wurden zurückgeschlagen. Die in arabischen Vierteln wohnenden jüdischen Familien haben sich in die ncuangelegten Quartiere im Haifa Bay-Gebiet begeben, ln der Stadt selbst kam es zu vereinzelten Zusammenstößen, doch wurde noch im Laufe des Vormittags die Ruhe wiederhergestellt. Das Begräbnis der bei *len dreitägigen Unruhen ln Jaffa getöteten Demonstranten und Polizisten ist vollkommen ruhig verlauten. Unter den Verwundeten befindet sich auch der arabische Führer Dschemal Hussein!. Mehrere Mitglieder der arabischen Exekutive, unter ihnen der General- Sekretär Auni Bey Abdul Hadi, wurden verhaftet. Jerusalem, 29. Oktober, (J.T.A.) Aus Saled wird telephonisch berichtet, daß unter der arabischen Bevölkerung■ infolge dauernder Verhetzung durch ortsfremde Agitatoren noch immer starke Erregung־ herrscht, die leicht zu gewalttätigen Ausschreitungen führen könnte. Doch ist der allgemeine Eindruck der, daß nach Uebernahme der Stadt- Verwaltung durch die Militärbehörden und nach Verstärkung der Polizeiwachen durch Militärpatrouillen alle Vorkehrungen getroffen sind, um etwaige Exzesse im Keime zu ersticken. Auch in Hebron, wo die Stimmung sehr erregt Ist, beherrscht die Polizei die Lage vollkommen. In Haifa wurde die Schließung der Haustore nach 6 Uhr abends angeordnet. Straßcnansammlungen werden nicht geduldet. Die Militärbehörden sind dazu übergegangen, bei Arabern und Juden Automobile für eventuelle Truppentransporte 211 requirieren. Es wurde bereits eine große Zahl von Autobussen und Privatwagen für diesen Zweck in Bereitschaft gestellt. Juden nicht betroffen Jerusalem, 29. Oktober- (J.T.A.) Die PalHitina- Exekutive hat am Sonntag Nachmittag ein Communiqug Ober die allgemeine Situation im Lande ausgegeben. Die Ex©- kutive stellt fest, daß die jüdische Bevölkerung nirgendwo im ganzen Lande von den Unruhen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Da» Hauptbüro der Jcwlsh Agency steht in dauerndem Kontakt mit •Imtlichen jüdischen Siedlungen In Stadt und Land. Aua den einlaufenden Berichten ist zu ersehen, daß die Lage *war ln einzelnen Ortschaften noch Immer gespannt Ist, daß aber bei der jüdiicbea Bevölkerung keinerlei Nervofltlt oder gar Panikstimmung herrscht. Mit Ausnahme von Jerusalem, wo die indischen Geschäftsinhaber ihre Läden vorübergehend geschlossen haben, gehen die Juden Im ganzen Lande in vollkommener Ruhe ihrer täglichen Arbeit nach• Neue Ausschreitungen in Jerusalem Jerusalem, 29. Oktober. (LT. A.) In Jerusalem ist es ans Sonntag nach dem Mittagigebet neuerlich zu Araberexzessen gekommen. Straßenmob rottete sich zusammen und versuchte den starken Polizeikordon beim Jaflator, durch den der Weg zu den jüdischen Vorstädten abgeriegelt wird, zu durchbrechen. Die Polizei machte vom Gummikniippel Gebrauch und gab eine Schrecksalve ab. Es gelang, in wenigen Minuten die demonstrierende Menge zu zerstreuen. Vorher hatten die Demonstranten die jüdischen Geschäftsleute gezwungen, ihre Läden zu schließen. Gegen ein Geschäh war ein Steinbombardement eröffnet worden. Verletzt wurde niemand. Sämtliche Geschäfte bleiben bis aut weiteres geschlossen. Jerusalem, 29. Oktober. (J.T.A.) Nach den letzten Meldungen hat sich der einzige Zwischenfall, bei dem Juden in Mitleidenschaft gezogen wurden, im Verlauf der beiden letzten Tage in Haifa ereignet. Bei den Unruhen, die in der Nähe des Bahnhofs am Sonnabendmorgen ausbrachen, geriet der Omnibus einer jüdischen Gesellschaft in die demonstrierende Menge. Ein arabischer Trupp, der Gefangene zu befreien versuchte, griff hierbei auch die Insassen des Omnibusses an, von denen einige Verletzungen erlitten. Die in Jerusalem, Haifa und Jaffa wohnenden englischen Untertanen wurden in neu aufgestellie H i i f s po 1 iz t ikorps eingereiht. la Jerusalem kam es In den Nachmittagsstunden de! Sonnabends nur noch zu einem kleineren Zwischenfall, bei dem ein englischer Polizist verwundet wurde, In Hebron und Safed ist die Lage äußerst gespannt. In Safed ist die Verwaltung in militärische Hänae übergegangen. An allen anderen Orten hält die Polizei die Ordnung aufrecht. Unruhe in Transjordanien London, 29. Oktober, ü. T. A.) Londoner Zeitung*- meldnngen zufolge macht sich auch in Transjordanien und in Damaskus wachsende Unruhe bemerkbar. Es heißt, daß Kundgebungen syrischer Araber geplant sind. Aus Kairo wird berichtet, daß die dort stationierten liritischen Luftstreitkräfte in höchster Alarmbereitschaft gehalten werden, um nötigenfalls sofort in Palästina eingesetzt werden zu können. Die Blätter äußern auch Befürchtungen betreffend den Verlauf der für Dienstag, den 31. Oktober, angesetzten offiziellen Eröffnung des Hafens von H ai I a. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß sich die Araber nicht mit dein von ihnen angekündigten Boykott der Feierlichkeiten begnügen, sondern auch bei diesem Anlaß feindselige Kundgebungen veranstalten werden. Ein Bericht der ״Times" Die ״Time s“ vom 30. Oktober berichtet folgendes: Sonntagmorgen sind die arabischen Geschäfte in J«rusaierai aufgefordert worden, ihre Läden zu schließen, die Juden sind nicht dazu aufgefordert worden. Doch haben einige jüdische Kaulieute aus Vorsicht selbst ihre Geschäfte geschlossen. )Veiter wird berichtet, daß es gestern, zwei ,Tote und I7 Verwundete gab, daß die Stadt jetzt aber ■ruhig ist. Es sind keine Zwischenfälle mehr vorgekommen, auch nicht in Transjordanien. Da die christlichen Geschäfte am Sonntag geschlossen haben und die jüdischen Geschäfte aus Vorsicht schlossen, waren die Straßen in der Altstadt Jerusalems ungewöhnlich verödet. Die arabischen Omnibus- und Auto- Chauffeure haben einen Streik proklamiert, der aber das merkwürdige Ergebnis einer Verbrüderung von Arabern ־und Juden hatte, da die Araber die jüdischen Autos benutzten. Es war auch auffallend, daß in den großen jüdischen Cafes außerhalb der Altstadt besonders viel arabische Feze zu sehen waren. Beim Begräbnis der Opfer von Jaffa riefen Frauen: ״Nieder mit den Effend 1s, welche unsere Männer gemordet haben!“ Damit waren die arabisehen Führer gemeint, die der Bevölkerung versprochen halten, daß die Polizei unter keinen Umständen schießen werde. Die Zeremonien der Eröffnung des Hafens von Haifa sollen am Dienstag ordnungsgemäß vor sich geben. Der Dampfer ,,Polonia“ mit einigen hundert jüdischen Ein- Wanderern an Bord, der heute in Jaffa landen sollte, wurde nach Port Said geschickt. Auch wurde gemeldet, daß das Scliifl ״Martha Washington“ an der Landung verhindert und nach Port Said geschickt wurde. Die arabische Presse, so meidet die ״Times“ weiter, ist im allgemeinen sehr zurückhaltend. ״Times“ widmet den Ereignissen in Jaffa einen Leita ri ikel; in welchem sie 11. a. schreibt, daß das Schlimmste in Palästina vorbei 711 sein scheint, obwohl sie keineswegs darin sicher ist, da die Befürchtung besteht, daß von Transjordanien aus neue Unruhen entstehen könnten. Weiter hebt die ״Times“ das ausgezeichnete Verhalten der palästirensisclicn Polizei hervor, der arabischen sowohl wie der jiklischeu und der christlichen. Das sei besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, daß im Jahre 1929 das Verhalten der arabischen Polizei keineswegs so zufriedenstellend war. Ferner schreibt die ״Times“, der Verlauf der jetzigen Unruhen habe die Ansicht von verschiedenen Beobachtern bestätigt, die gemeint haben, daß die nächsten Unruhen nach 1929 sich weniger gegen die Juden als gegen die Mandatsregienmg richten würden. Die arabischen Führer hätten nichts getan, um die übertriebenen Gerüchte über die Verpflanzung von deutschen Juden nach Palästina zu widerlegen. Sic naben sogar die Verbreitung dieser Gerüchte gefördert. Die ,,Times“ schiebt daher die ganze Schuld auf die arabische Exekutive, der sie vonvirft, daß sie cs in Kauf nehme, wenn viele ihrer leicht (anatisierbaren Anliänger getötet werden, weil sie auf diese Weise aus dem Tod dieser Menschen Kapital schlagen könne und aus ihnen Märtyrer mache. Da die arabische Exekutive in der letzten Zeit gesehen hat, daß sie in Palästina an Boden verliert, weil sich gegen ihre Weisung, mit den Zionisten beim ökonomischen Aufbau des gemeinsamen Landes nicht zusammenzuarbeiten, Kriti k erhoben hat, die nicht nur auf Nichtaraber beschränkt ist, haben sie eine neue Kampagne an gefangen. Zu Beginn dieses Monats haben sie schon mit Demonstrationen begonnen, obwohl viele gemäßigte Araber sich geweigert haben, diese Aktion der Exekutive zu unterstützen. Der Wunsch, das verlorene Prestige wiederzugewinnen, kann allein diese Aktion der arabischen Exekutive, die so bedauernswerte Resultate gehabt hat, erklären. * Wl« wir hierzu erfahren, findet dl! Landung der Pataagiere de! Dampfers ״Martha Washington“ in Jaffa vermutlieh am Dienstag und Mittwoch statt• Die Presse Ober di e Palästinaereignisse Die deutsche Tages presse hat den Ereignissen ln Palästina naturgemäß sehr großes Interesse entgegengebracht da die Frage der Auswanderung deutscher Juden nach Pal lästina weite Kreise des Publikums stark interessiert und die Unruhen ja in einem gewissen Zusammenhänge mit der verstärkten Einwanderung stehen. Im allgemeinen kann man *agen, daß man sich bemüht hat, objektiv zu berichten, wenn es natürlich auch nicht zu vermeiden war, daß über• triebene Nachrichten in die Presse gelangten. Man darf vielleicht auch die Anmerkung machen, daß hier und da in der Aufmachung der Nachrichten etwas zu viel ge• schehen ist, wenn man die objektive Bedeutung der Ereigniss: gegenüber anderen politischen Vorgängen in Betracht zieht. Von Kommentaren haben sich die meisten Blätter bisher ferngchalten. Eine Ausnahme macht der ״An griff“, der sich zu den Ereignissen wie folgt äußert: ״Die Vorgänge in Deutschland haben das Judentum der ganzen Weit veranlaßt, eine Verstärkung der jüdischen Einwan. derung nach Palästina zu betreiben. In dem Maße, wie sich diese verstärkte Einwanderung nunmehr bemerkbar macht, wächst der Widerstand der arabischen Einsassen des Landes. Es ist eine lehrreiche Ironie der Weltgeschichte, daß die Juden da, wo sie die herrschende und militärisch geschützte Minderheit eines Laudes darstellen, sich nicht einen Deut um die von ihnen sonst für heilig »!!gesprochene Demokratie kümmern und rückskhtsloi Ansprüche vertreten, welche in gar keinem Verhältnis zum natür■ liehen Rechte der übergroßen alteingesessenen Mehrheit steilen, Auch die Rücksicht auf di« Rassenverwandtschiit (Araber w!« Juden sind Semiten) spielt dabei keinerlei Rolle. Es ist hier wie überall in der Welt: die Juden verstehen es wohl, zu provozieren und bis auis Blut zu reizen, aber nicht, innerlich zu verpflichten und tu versöhnen — nur fallen in Palästina die Hemmungen weg, die sich die Juden in anderen Ländern notgedrungen und mit immer geringerem Erfolge auferlegen. Wir haben an sich nichts dagegen einzuwenden, wenn möglichst viele Juden in Palästina das Land ihrer Hoffnungen erblicken und praktische Folgerungen daraus ziehen, glauben aber nicht, daS ea den jüdi• sehen Einwanderern gelingen wird, mit den Arabern *u einem guten Einvernehmen und einem friedlichen Nebeneinaifderleben zu kommen. Sie müßten aufhören, sich so zu benehmen, wie wir sie kennen ■— und dem widersprechen die Erfahrungen von Jahr■ hunderten und Jahrtausenden.‘1 Zu dlesrn Ausführungen Ist zunächst ganz allgemein zu sagen daß es sich selbstverständlich in Palästina nicht um Ausschreitungen ,,antisemitischer“ Art handelt, die etwa den Vorgängen g-ieichzusetzen sind, die aus der jüdischen Diaspora- Geschichte bekannt sind. Abgesehen davon, daß eine derartige Bezeichnung: begrifflich unmöglich wäre, handelt es sich in Palästina um einen allerdings — lediglich scheinbaren — nationalen Gegensatz, wie er zwischen verschiedenen nationalen Gruppen auch in anderen Teilen der Weit vorkommt. Es sind nicht die ״rücksichtslosen“ Ansprüche der Juden, die zu den Ereignissen geführt haben, und nicht ein Mangel an Versöhnungsfähigkeit, überhaupt nicht Dinge, die im ״Benehmen“ der Juden liegen, sondern politische Differenzen zwischen zwei Völkern, die heute noch nicht völlig bereinigt sind, von denen wir aber glauben, daß sie bei gutem Willen beiderseits eine Lösung linden können. Das jüdische Volk jedenfalls besitzt diesen VSiilen zu einem friedlichen Zusammenleben mit dem arabischen Volke in vollem Umfange. Der. Flüdiilingskommissar ernannt Der Präsident des VöHerbundrates hat zum Oberkoni■: mlssar für die Flüchtlinge aus Deutschland den Amerikaner James B. MacDonald ernannt. Hierzu wird mitgeteilt, daß die Ernennung Im Elnvernehmen mit den Vertretern Portugals, Spaniems, Frankreichs, Englands, Italiens, der Tschechoslowakei und der Niederlande erfolgte. Die Wahl sei von verschiedenen Gruppen in den Vereinigten Staaten vorgesclslagen worden. Im vergangenen Sommer sei MacDonald auf Ersuchen einer am Flüchtlingsproblem interessierten Gruppe in New York nach Deutschland, Frankreich und England gereist, um die Frage zu studicren. Zur Entsendung von Vertretern In «len V e r w a 1 ■ tungsrat sind folgende Regierungen aufgefordert worden: die Niederlande, Frankreich, Polen, Tschechoslowakei, Belglen, die Schweiz, Dänemark, Italien, England, Schweden, Spanien, die Vereinigten Staaten, Argentinien, Brasilien und Uruguay. Sobald die Antworten eingetroffen sind, soll der, Verwaltungsrat konstituiert werden. Damit ist die bereits in unserer vorigen Nummer mitge״ teilte Mutmaßung über die Besetzung dieses Postens Wirklichkeit geworden. Die Persönlichkeit MacDonalds bürgt dafür, daß er das Werk der Hilfe für die aas Deutschland Emigrierten im Geiste der Verständigung zwischen den Völkern durchzitführen suchen wird. James G. MacDonald kennt als Leiter der außenpolitischen Vereinigung in New York sehr genau die Schwierigkeiten der internationalen Beziehungen. Er fiat Deutschland häufig besucht und ist daher mit den mitteleuropäischem Problemen vertraut. Genf, 26. Oktober. (J. T. A.) Die Einladung an den Amerikaner James MacDonald, das FlüchiHugskommissariat zu übernehmen, erfolgte, nachdem die Kandidatur Lord Cecil of Chehvoods im letzten Augenblick zurückgezogen worden war. Lord Cecil dürfte nunmehr voraussichtlich Vorsitzender des dem Flüchtlingskommissar zur Seite gestellten Beirats der R e gi e ru n gs v e rt r et er werden. Die amerikanische Regierung hat dem Völkerbundsrat offiziell mitgeteilt, daß sie bereit ist, einen Vertreter in den Beirat zu entsenden. Unmittelbar nach seiner Konstituierung wird «ier Beirat Be- Schlüsse betreffend die Hinzuziehung von Vertretern privater Organisationen fassen. Genf, 27. Oktober. (J.T.A.) Die Informationsabteilung desVölkerbundssekretariats gibt folgendes Communiquf aus: Der Generalsekretär hat von der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten Amerikas in Bern folgende Mitteilung erhalten: ״Der Staatssekretär der Vereinigten Staaten Amerikas beehrt sich, den Empfang der vom 24. Oktober 1933 datierten Mitteilung des Generalsekretärs des Völkerbimds zu bestätigen, in der der Generalsekretär um Benachrichtigung darüber bittet, ob die amerikanische Regierung im Sinne des Beschlusses der Völkerbundsversammlung vom 11. Oktober 1933 und der Designierung des Völkerbundsrats vom 12. Oktober 1933 eine Vertretung In dem Verwaltungsrat wünscht, der dem mit der Leitung des Hilfswerks zugunsten der Auswanderer aus Deutschland betrauten Oberkommissar zur Seite gestellt wird. Im Hinblick auf die Tatsache, daß das Volk der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit stets allen Bemühungen, die Lage unglücklicher Menschen zu erleichtern, die durch von ihrem willen unabhängige Umstände in schwerste Not geraten sind, Interesse und Sympathie entgegengebracht hat, teilt der Staatssekretär dem Generalsekretär mit Genugtuung mit, daß die amerikanische Regierung glücklich sein wird, in allernächster Zeit einen Vertreter zu ernennen, der •ich an den Arbeite# des Verwaltungsrats beteiligen wird.“ Nr. S Ne Hai beginnt »erden, in gröl wenn a derer n geringe lieber 1 mit sei doch a Wohnu Stadttei hänge baut si rollen 1 Morger mischm sten Kt noch i nüermc und Zf päischc >ie me Ausblif 1 laupts 1 iäuser mveitf mit gi durcha auch ( wohnt« vieifacl oder I nicht Ameril In wie H B a t h jeden!: war,! 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