Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 86 (27.10.1933)
- Date
- 1933-10-27
- Page
- Seite 713 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 86,27. X. 1933 30DISCHE RUNDSCHAU Seite 711 1933!preisen■ auf die ollzogen •r Leser, bewußt. ländlich ichkeikn Entwick• ireönliche rerrteheo. ie Selbste; er Ist nge, von!ent nach e bewußt nan hebt sucht ihn noraliscbe ssianische jüdische seine BclbewuRter m in bc• luchungen em bisher jüdischen oufgeheil* >er Dynait unserer eneration. 1 glaubte, »nd seinen Studenten- :h ״V o m seit 1916 ier wurde isteslebcns ulturwert« gesamtheit ihr eigenes ssimilation le gef ähr• Menschheit erten und e Wesens \ Dadurch Aufklärung ־düng au! lerung de; glrich de! 1ms in den ג so neu! ichen Erb! 5 n 1 i c h ng in de! 1 auch di! Hing nich auch sei! t sich al1 tommendet u bereiten )graphisch) chen Kom edergeburt .nd tinflut tliche Kul nismtis wi! 1t nur in 1 Sinne. S1 itionen de id zwischei itums. I. Die Vor Rabb. Hr ersten Tc! u m“. Ge iie wesent 1 dargcles ttlicher Be durch di׳ hr., enden» Ib Stunde׳ historische liegend fü Geschieht? uns wichtii uns in d!< wissen. S< d plastisch* 4000 Jahre n vor sich d man wa äit im Ge Variationei Darlegmt! itellung de ie Situatio! eswegs voi!׳chologisch lerer Men schichtlichc! ich machen mschen '0! eilich!«ich genheit ge mer vorbei!׳ergangene e des heut! N. Die Juden in der Wiriadiaft Eine neue Zeitschrift *Volk, Staat, Wirtschaft“, herfeusgegeben vom -Kuratorium für deutschen Volkswirt- »chaftwirast E. V “ bringt ln ihr« ersten Nummer einen Aufsatz von Dr. Richard Ki Jegeh «Die Abwehr der Lügen- Propaganda" worin auch die Juaenfrage speziell bebandelt wird. Wir zitieren hier den betreffenden Abschnitt: ״In letzter Zelt ist in der ausländischen Propaganda von Gieuelnachrichten kaum noch etwa* au finden. In besonderem Maße ist sie jetzt darauf abgestellt, an das Humanitätsempfinden der breiten Masse tu appellieren. Ganz einheitlich über die ganze Welt hinweg wird behauptet, in Deutschland würde die virt- *ehaftliche Existenz von vielen hunderttausend unschuldi gen Juden durch besondere Maßnahmen systematisch vernichtet. Zugleich wird erklärt, die sogenannte Judenverfolgung richte sich gegen die Juden als Rasse oder Konfession. Schon diese Hervorkehrung solcher Gesichtspunkte ist eine Fälschung. Der Abwehrkampf des deutschen Volks wird nicht gegen solche Jaden betrieben, die, ohne gegen die Staatsgesetze zu verstoßen, ruhig ihrem Gewerbe nachgehen. Bis in die jüngste Zeit hinein bestehen, wie auch jedem Wohlgesinnten bekannt, sehr zahlreiche jüdische Unternehmungen in Deutschland, denen es bestimmt nicht schlechter geht als arischen Unternehmungen. Die Juden aber, die Ursache hatten., den Zugriff der Staatsgewalt zu fürchten, sind über die deutsche Grenze geflohen, propagieren u. a. von Amsterdam, Paris, Straf,bürg und Prag aus den Wirtschaftskampf gegen Deutschland und sind bestrebt, die difent. liebe Meinung in der Welt Ober die trihrcn Zusammenhänge in dem Kampf de* deutschen Volke* gegen das Judentum ro tlu- «chen. Verglichen mit den in Deutschland auch heute ihrem Gewerbe ungestört nachgehenden Juden ist die Zahl dieser ״Emigrauten‘‘ gering. Um die richtige Einstellung zu der Judenfrage zu bekommen, muß die Tatsache iestgehalten werden, daß das deutsche Volk das Judentum nicht nur als Rasse oder Konfession bekämpft, sondern deshalb, weil es im anderen Volkstum ein Fremdkörper bleibt und obendrein der wichtigste Träger kommunistischen Geisteä ist. Die deutsche Abwehrpropaganda zielt allein darauf ab, der gesamten Weltöffentlichkeit den Blick für die vom Judentum aus• gebende Gefahr der Vernichtung der abendländischen Kultur zu ■chärfen, die gleichbedeutend wäre mit einer Bobchewisierunj der zivilisierten Welt.“ Im weiteren Verlauf seines Artikels spricht dann der Verfasser davon, dai durch die jüdischen Aeußerringen gegen Deutschland die Weltöffentlichkeit erst von dem Vornandensein eines Judenprobleins erfahren hat und siel! nun auch die anderen hochrassigen Völker gegen die Juden zu schützen beginnen. Zu diesen Ausführungen muß bemerkt werden, daß es gewiß in Deutschland noch jüdische Unternehmungen gibt, die bestehen können, aber ebenso ist es eine allgemein bekannte Tatsache, daß zahlreiche Unternehmungen aus jiidischen in arische Hände übergegangen sind und daß nicht nur In den Intelligenzberufen, sondern auch in zahlreichen Berufsverbänden eine Ausnahmebchandlung der Juden Platz gegriffen hat. Die betroffenen Juden, zumeist der biirgeriiclien Schicht angeliörend, waren gewiß nicht Kommunisten, oder doch nur zu einem kleinen Teil, ebenso wie man ja auch unter der arischen Intelligenz einen gewissen kleinen Prozeutsatz von Kommunisten findet. Daß das Judentum eine ״Bedrohung der abendländischen Kultur“ darstellt, muH von uns am das entschiedenste bestritten werden; wir glaubea vielmehr, daß die von der jüdischen Lehre ausgehende Ethik, wie *ie etwa in den sogenannt« Zehn Oeboten ibryn, Ausdruck fand, zur Basis der gesamten abendländischen Kultur geworden ist. Mit Rücksicht auf die offiziellen Er- Klärungen, die in der letzten Zeit — besonders eindrucksvoll *uf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP. — über die Bedeutung der Rasse als Orundlage des Staates abgegeben worden sind, scheint es uns auch unzulässig, in Abrede zu steilen, daß sich die Ablehnung des Judentums in erster Linie auf Rassengesichtspunkte stützt ״Karikaturen" Der ״Deutsche T e xti!- A rb ei t e r“, Zeitung des Deutschen Textilarteiter-Verbandes, steht ln der ersten Reihe der Zeitungen, die eine ganz zügellose Judenhetze betreiben. Es werden die kühnsten Phantasien über Juden und Judentum den Lesern vorgeselzt, und es ist nur zu hoffen, daß der größte Teil der Leser durchschaut, daß es sich hier um Entstellungen oder willkürliche Erfindungen handelt. Die Zeitung schreibt in ihrer Nummer vom 6. Oktober an der Spitze ״Die Auflage unserer Zeitung hat eine halbe Million überschritten“. Dieselbe Nummer bringt als Leitartikel Auszüge aus den gefälschten ״Protokollen der Weisen von Zion“ und auf der ersten Seite zwei abstoßende antoemitiiche Zeichnungen. Das Blatt schreckt auch vor erslaunlichen Geschmacklosigkeiten nicht zurück. In der Nummer vom 13. Oktober finden wir auf der ersten Seite unter dem Titel ״Der Zionisten-Kongreß in Prag“ ein ״Gedicht“, das mit üblen Karikaturen geziert ist. Um ein Beispiel des Stil* dieser Zeitung zu geben, zitieren wir ein kurzes Stück: ״Mit Hind1 and Fuß wird viel geredet, Die ganze Welt wird durchgelnetet. Man regt sich auf, mit hitzigem Gemüt, Der Jud' hat orientalisches GeWüt.“ Unter dem Gedicht hdßt es dann: ״Die» der Bffentlfctie Kongreß. In den geheimen Sitzungen wurde beschlossen, die Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt durch Geld- Schiebungen (Dollar- und Pfund-Baisse usw.) weiter zu verschärfen, um die Unzufrirdenehit zu erhöhen und durch den Bolschewismus Juda zu retten.“ Es Ist wirklich bedauerlich, daß eine Zeitung es für richtig hält, über den Zionistenkongreß solche ״Witze“ zu machen. Hier ist der Versuch des jüdischen Volkes, mit größten Anstrengungen und unter Betätigung der besten Kräfte seiner idealistisch« Jugend wieder ein Volksleben aufzubauen, zum Boden zurückzukehren, aus eigener Kraft etwas au schaffen, von dem man annehmen müßte, daß es selbst dem Gegner Achtung einflößt. Und da kommen ahnungslose Schreiber und betätigen ihren Geistreichtum auf diese weise. Ist das nicht zu bedauern? Straßenumbenennung. Man schreibt uns: Der Magistrat des Ostseebades Kolb erg, der kürzlich — wie berichtet — die Entfernung des Hirschfeld-Denkmals an ordnete, beschloß, die Simon-Straße, die nach dem Kommerzienrat James Simon (Berlin) benannt worden ist, in Hermann- Göring-Straße umzubenennen. James Simon, der der hochherzige Gründer des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinder- Erholungsheims des Berliner Vereins für Ferien-Kolomen (Berlin, Am Karlsbad 10) war, hat seinerzeit das prächtige und imposante Gebäude des Kinder-Erholungsheims in Kolberg aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Die Stiftung, die taUsenden armer Berliner Kinder zum Segen wurde, kommt last visschlkBlicl gerade christlichen Kindern zugute. Ancrbenbehörden und Arierparagraph Im Rddisgesetzblatt vom 20. 10. ist die «rate Durchführungsverordnung zum Rei chterbhof geaetz veröffemllcht In dies« Verordnung wird ln § 7 beatlmmt, daß zu Vorsitzenden de* Anerben Bericht», zu Vorsitzenden oder richterlichen Mitgliedern des Erbhofgerichts oder zu beam* teten Mitgliedern des Reichserbhofgerichts nur Personen ernannt werden dürfen, die im Sinne de* g 13 des Gesetze* deutschen oder stammesgleichen Blutes sind. Das Vorliegen dieser Voraussetzung wird vermutet, wenn die arische Abstammung im Sinne des § la des Reichsbeamtengesetzes nachgewiesen ist Eine weitere Bestimmung dieser Art ist in § Id enthalten. Dieser Paragraph ordnet an; daß Personen, die nicht arischer Abstammung 1m Sinne des § la des Reichsbeamtengesetzes sind oder die, ohne Rechtsanwalt zu sein, das Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, vor den Anerbenbehörden als Beistände oder Prozeßbevollmächtigte ausgeschlossen sind. Werden von diesen Personen schriftliche Eingaben eingereicht, so soll der Vorsitzende oder das Gericht sie zurückweison; das gleiche gilt für Eingaben, die von einem anderes eingereicht, aber von diesen Personen an gefertigt sind. Kleine Nachrichten Der preußische Kultusminister hat darauf hingewiesen, daß bei der Anwendung des Gesetzes zur Wiederherstellung de* Berufsbeamtentums *uf die Lehrer t n den höheren Schulen ohne weiteres die Möglichkeit einer Ruhegehaltsgewährung an Studienassessoren entfällt, wenn sic auf Grund des Berufsbeamtcngesetzcs in den Ruhestand versetzt oder entlassen worden seien. Der Minister hebt hervor, daß Anträge auf eine Ausnahmebehandlung zwecklos seien. Die Landesregierung von Lippe hat verfügt, daß in den letzten Klassen sämtlicher Schulen unverzüglich die Erarbeitung des neuen Gebietes der Rassenkunde in Angriff genommen werde. Insbesoadere sollen Vererbungslehre, Rassenkimde, Rassenhygiene, Familienkunde lind Bevölkerungspolitik gelehrt und in sämtlichen Abschlußprüfungen Prüfungspflichtfächer werden. Die Regierung erklärt, kein Schüler und keine Schülerin dürfe in Zukunft noch ohne Erkenntnis der biologischen Grundtatsachen die Sehnigemeinschaft verlassen. Die Gothaer Stadt- und Kreisleitung der NSDAP, erließ folgende Bekanntmachung: ״Es ist wiederholt die Frage aufgeworfen ־ worden, ob Juden auch den deutschen Gruß zu leisten haben. Um alle Mißverständnisse in Zukunft zu unterbinden, geben wir hiermit bekannt, daß der deutsche Gruß ein Gruß der Deutschen ist, der von Juden nicht verlangt wird, sondern der von ihnen nicht einmal erwünscht ist. Die Bevölkerung wird daher ersucht, Juden, die den deutschen Gruß nicht anwenden, unlehelligt zu lassen.“ Ein Gutachten der theologischen Fakultät der Universität Marburg besagt, daß der Arier- Paragraph in der christlichen Kirche nicht angevvendet werden dürfe, denn die Kirche dürfe ihre Einheit nicht preisgeben. Eine staatsbürgerliche Beschränkung sei von der Kirche nie vertreten worden. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund hat mit sofortiger Wirkung seinen sämtlichen Mitgliedern ver- J)0tpn, J üals cji e Repetitoren zu besuchen. Die italienische Regierung für die Universität Jerusalem Jerusalem, 26. Oktober. (J.T.A.) Der Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. J. L. M a g n e s, teilt mit, daß die Italienische Regierung der Unlversitat Jerusalem einen Beitrag zur Errichtung einer Lehrkanzel f ü r rom a n Is c he S p ra ch e und Literatur mit besonderer Berücksichtigung des Italienischen zur Vem fiigung gestellt hat. Der Entschluß der Italienischen Regierung, sich an der Errichtung der neuen Lehrkanzel matcrlell zu beteiligen, ist auf die Intervention des italienischen Generalkonsuls In Jerusalem, Commendatore Mario de Angells, zurilckzufiihren. Die Vorlesungen über romanische Sprachen und Literatur werden von dem bisherigen Dozenten für Sprachen und Literaturen des Mittelalter*, Dr. Heinz P f I a u m, gehalten werden. Ein Vorbereitungskurs für italienische Sprache wird von Dr. A. V a r d I geleitet. Dieser Schritt der italienischen Regierung, erklärte Dr. Magncs, ist außerordentlich zu begrüßen. Die italienische Beihilfe für die neue Lehrkanzel hat die Einführung ־ eines seit langem als notwendig empfunden«! Gegenstandes in den Lehrplan unserer Universität ermöglicht. Jetzt taucht die Frage auf, ob wir auch Mittel für die Einführung des Unterrichts in englischer Sprachwissenschaft erhalten können. Heute kann sich der Hörer der Hebräischen Universität Kenntnisse in hebräischer, arabischer, griechischer und -- von diesem Jahre am auch ln lateinischer Sprache, sowie in den romanischen Sprachen und ihren Literaturen erwerben, Aber es ist notwendig, daß der Horizont des Studenten auf dem Skopusberg auch durch Eindringen in die modernen europäischen Literaturen erweitert werde, beginnend mit der Renaissance und unter besonderer Berücksichtigung des Englischen, Französischen und Deutschen neben dem jetrt neu eingeführten Italienischen. Qrünbaum legt sein Mandat nieder Die Mlnderheitenpolliik In Polen Warschau, 25. Oktober. (J.T. A.) Auf der Tagung des zionistischen Parteirats iür Polen trat der Ehrenvorsitzende der Zionistischen Organisation Polens, Abg.!. Grünbäum, dem von dem ehemaligen Abgeordneten Dr. Hartglas gemachten Vorschlag, die Opposition zur Regierung im Pariament aulzugeben, entgegen. Nach einem längeren poiitisehen Referat Orünbaums nahm der Parteirat dessen Man* datsniederlegung zur Kenntnis und sprach ihm für seine langjährige hingebungsvolle Arbeit im Dienste de* polnischen Judentums Dank und Anerkennung aus. Sodann faßte der Parteirat eine Anzahl politischer Resolutionen. U. a. wurde beschlossen, den Kontakt mit den übrigen Minderheiten Polens zu lösen. Die endgültigen Richtlinien für die neue nationaljüdische Politik in Polen festnilegen, soll dem Parteitag Vorbehalten bleiben. Die politische Behörde in der Slowakei und in Karpal horußland hat «ine Verordnung erlassen, durch die das Tragen der Uniformen der revisionisti* sehen Jugendorganisation Brith Trumpeldor verboten wird. _ Anläßlich de» Simchath Thora-Festes spielte das Glockenspiel der Kathedrale von Antwerpen die״Hatikwah“. Heinrich Stern 50 Jahre In diesen Tagen feiert R.-A Heinrich Stern, der Vorsitzende der Reprlaentantenversammlung der Berliner Jüdi- •chen Gemeinde, •einen 50. Geburtstag. Heinrich Stern, der *uch Vorsitzender de* Verbandstags de* Preußischen Landes verbände* Jüdischer Gemeinden und der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum ist, steht uns in seinen jüdischpolitischen Anschauungen fern. Aber am Tage eines persöniiehen Festes darf man sich wohl von politischen Gruppengefühlen frei halten und einen Glückwunsch auch an einen Mann richten, der in seiner Art sich für das Judentum mit seinen besten Kräfetn einsetzt und Respekt in allen Kreisen findet, die zur Zusammenarbeit mit ihm Gelegenheit hatten. Heinrich Stern ist eine religiöse Natur, er nimmt liefen Anteil an den religiösen Problemen des Judentums, die Ihm — wenn wir ihn recht verstehen — wichtiger sind als Politik, in die hereingezogen zu werden ein Mann des öffentliehen Lebens freilich nicht vermeiden kann, ln seiner Amtsfiihrung in der Gemeinde und im Landesverband hat er stets Wert darauf gelegt, objektiver Vorsitzender und nicht Parteimmm zu sein, und tatsächlich ist auch das persönliche Verhältnis zwischen ihm und den Angehörigen jiidisdi-andersdenkender Grtippen stets ein korrektes gewesen. Er hat sich nicht durch Parteileidenschaft von seinem Bekenntnis zu ״Klal Jisrael“, der jüdischen Gemeinschaft, abhring«n lassen. Alle sehen in Stern eines der Elemente, denen vor allem die Einigkeit in der Gemeinde über alle Gegensätze hinweg am Herzen liegt. Wenn wir diesem jüdischen Funktionär und Gegner des Zionismus heute gratulieren, so wün- •chen wir ihm nicht nur weitere Arbeitsmögli chkeit im Dienste des Judentums, sonders wir möchten ihm auch wünschen, daß es ihm vergönnt sei, aus eigener Anschauung das Werk der jüdischen Wiedergeburt i!1 Palästina zu sehen und 711 erleben. Es wird seiner! Ei nd ruck auf ihn nicht verfehlen, und er könnte darin eine Energiequelle des Judentu ms entdecken, ebenso wie kein denkender Zionist die überragende Wichtigkeit jüdisch-religiöser Erneuerung in Ahrede stellt. Die Uoffnnng, dal) wir einander jenseits von ״Programmen“ dereinst begegnen, gehen wir nicht verloren. Wie ich Zionist wurde Ein Bekenntnis lUir erhallen folgende Zuschrift eines Zionisten, der sich ers! in diesem Jahre unserer Bewegung angeschlossen hat. (Red.) Zum ersten Male wurde sch vor einigen Jahres mit dem Zionismus bekannt. In Gesprächen und Diskussionen befaßte man sich damals mehr mit ideellen und theoretischen Fragen des Zionismus. Dabei möchte ich sagen, daß ich damals dem Zionismus zwar nicht direkt ablehnend, aber immerhin recht skeptisch gcgenüberstaml, und zwar hauptsächlich wohl darum, weil ich einer Umgebung entstamme, in der zionistische Gedankengänge keinen Platz hatten. Andererseits wußte man aber auch zu wenig vom praktischen Zionismus; selbst diejenigen, die Zionisten waren, kümmerten sich fast durchweg nur um irgendwelche ideellen und theoretischen Fragen, über die Praxis, über wirtschaftliche Fragen, über das Verhältnis der Juden zu den Arabern u. dgl. wußten diese Menschen fast keine Auskunft zu geben. Den entscheidenden Anstoß gab bei mir, wie wohl bei vielen die politische Entwicklung des letzten halben Jahres. Hatte man bisher immer noch geglaubt, eine Assimilation sei möglich und auch eine erstrebenswerte Lösung־ der Judenfrage, so bin ich jetzt zu der Erkenntnis gekommen, daß eine Assimilation der Juden heute nicht nur unmöglich, sondern auch ein verkehrter Weg zur Lösung der Judenfrage ist. War man bisher der Ansicht, daß eine Bekämpfung des Antisemitismus mit logischen Argumenten möglich und Pflicht eines jeden von uns sei, so hat uns ja die Zeit eines anderen belehrt. Heute bin ich viel eher geneigt, die antisemitischen Bewegungen nicht als rein zufällig zu bewerten, sondern in ihnen den tieferen Sinn eines Geschehens zu sehen, das uns Juden wieder dazu führt, ein Volk zu werden und 1ms einer!Bestimmung znzuführen, die dock allem Anschein nach noch unser harrt. Ick möchte sogar sagen, daß alles das, was jeden einzelnen von uns im Augenblick so schwer bedrückt, für das Judentum als Ganzes sein Gutes haben kann, wenn wir daraus die Mahnung lesen, anders zu werden, als wir bisher waren, denn in seiner ebenso krampfhaften wie erfolglosen Bemühung, sich zu assimilieren, wurde das Judentum zu einem Zerrbild seiner selbst. Dieses Judentum kann sich nur wieder rehabilitieren, wenn es selbst wieder ein Volk wird und der Welt zeigt, was Juden leisten können, wenn sie frei schaffen. R. Rothschild, Vöhl. Dr. Georg Herlitz, der Direktor des zionistischen Archivs, hat dieser Tage Berlin verlassen, um sich nach Palästina zu begeben. Dr. Herlitz hat durch seine Arbeit, durch das Sammeln von Akten und Dokumenten das zionistische Archiv geradezu erst geschaffen und cs in jahrelanger mühseliger Arbeit betreut, Als hervorragender Kenner der zionistischen Geschichte hat er sich außerhalb seiner engen beruflichen Tätigkeit um die zionistische Bewegung in Deutschland außerordentlich verdient gemacht. Einem weiteren Kreis ist er als Mitherausgeber des fünfbändigen jüdischen Lexikons bekannt. Wir wünschen Dr. Herlitz, daß er in seinem neuen Wirkungskreis Palästina volle Befriedigung finde. 14 Tage Sportführerkursus des Deutschen Makkablkrelses. Wir erhalten folgende Zuschrift: Da in der letzten Zeit ein großer Teil der sportlich führenden Menschen nach Palästina ubergesiedelt ist und sich immer mehr bisher dem Sport Fernstehende ln die Makkabibewegung einreihen, veranstaltet der Deutsche Makkabikreis Ende November in Berlin einen sportlichen.Au.shild 11 ngs k ursu s, der etwa 14 Tage dauern wird. Hierzu werden für die auswärtigen Teilnehmer eine große Anzahl von Quartieren mit Verpflegung benötigj, die sich nicht für die ganze Dauer des Kursus zu erstrecken brauchen. Das Präsidium des Deutschen Makkabikreises richtet an alle Zionisten und Freunde die dringende Bitte, ihm durch Stellung von Quartieren bei dieser wichtigen Arbeit für unsere Freunde aus der Provinz behilflich zu sein. Anmeldungen beim Büro des Deutschen Makkabikreises, Meinekestr. 10, J 1, Bismarck 7165. Aufruf zum Zionismus KUNDGEBUNG DER BZV•JUNGGRUPPEN Es sprachen: JOACHIM PRINZ MARTIN BRANDMANN Donnerstag, d. 2. November 1933 20,30 Uhr, Im großen Saal der Loge,Klelststraße 10, für dis Mitglledar der BZV-Junggruppen und für alle Jugendlichen Borliner Zionistisch• Vereinigung Waid dar •inngfiruppan