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Jüdische Rundschau · 1933-10-27 · Heft 86 (27.10.1933) · p. Seite 711

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 86 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
Seite 711 (sequence 7)
Language
German
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Die Maße, mit denen wir unser Werk bisher gemessen haben, erweisen sich als zu klein. Neue Menschen kommen ins Land mit neuen Aspirationen und Ansprüchen, die nicht gewillt sind, sentimentale historische Betrachtungen darüber anzustellen, ob dieses oder jenes Institut mit großer Begeisterung und Mühe und mit wenig Geld aufgebaut worden ist und daß wir daher mit dem Erreichten, so bescheiden es ist, zufrieden sein müssen. Vielmehr werden diese Menschen die Anforderungen, die sie von Europa her zu stellen gewohnt ind, auch an unsere palästinensischen Institute richten. Daß cs so kommt, ist sicher sehr gut und in Ordnung; aber andererseits werden unsere geiehrten Institute, deren finanzielle Nöte a durch die erhöhten Ansprüche nicht geringer geworden sind, hrer Aufgabe nur gewachsen sein, wenn sie, was ihnen an Geld fehlt, ersetzen können durch die tatbereite und wohlorganisierte Hilfe ihrer Freunde in aller Welt. Die Bibliothek in Jerusalem, von der in den folgenden Zeilen die Rede sein soll, wird zweifellos zu den Instituten gehören, deren Bedeutung in der nächsten Zeit besonders steigen wird. Sie ist die einzige umfassende wissenschaftliche Bibliothek des andes. Die rasche Erhöhung der Frequenz der Universität einerseits und andererseits die Vermehrung der Zahl der Mensehen im Lande, welche für ihre Arbeit Bücher brauchen, stellen der Bibliothek Aufgaben von großer Tragweite und nicht geringer Schwierigkeit. Die Jüdische National- und Un i ve r s it ä t sbibiiothe k hat, wie ihr Name besagt, zwei Aufgaben zu erfüllen. Sie ist die Nationalbibliothek des jüdischen Volkes und ais solche hat sie im Sinne ihres Gründers Dr. Chasanowitz alle Bücher zu sammeln, welche in allen Ländern der Welt und in allen Sprachen über Juden und Judentum geschrieben worden sind. Ais Bibliothek der Universität hat sie den Lehrern und Studenten der Universität in allen Fächern die Bücher bereitzustellen, welche für die wissenschaftliche Arbeit und das Studium notwendig sind. Sie besitzt derzeit rund 270 000 Bände, die in einem alphabetischen und einem nach dem amerikanischen Dezimalsystem geordneten Fachkatalog katalogisiert sind. Die Bücher selbst sind ebenfalls streng nach fachlichen Gesichtspunkten (also nicht nach Spendern!) geordnet. Jede Bibliothek muß sieh heute, wo die Bücheiproduktion einen so großen Umfang angenommen hat, spezialisieren. Die Bibliothek hat zwei Abteilungen, in weichen sie nach mög-!ichster Vollständigkeit strebt: Judaistik und Orientalistik. Die Zahl der judaistischen Bücher der Bibliothek beträgt ungefähr da Drittel des Bestandes an Büchern. Bei anderen Völkern konzentriert Sich die nationale Bücheiprodtiktion in den entsprechenden Staats- oder Nationalbibliotheken durch den staatlichen Zwang der Pflichtexemplare. Obzwar unsere Bibliothek nidrt diesen Vorteil genießt, 80 ist doch in allen Ländern der Diaspora das Interesse für die Bibliothek lebendig .genug, um Schriftsteller und Verleger dazu zu veranlassen, frei- I'rillig Exemplare ihrer Veröffentlichungen nach Jerusalem zu [senden. In bezug auf jüdische Literatur in der weitesten Bedeuörde außer■ lörde, noch[ wird von] ZolWekia׳ des!mmi׳ h de! A in der erl fung, die alte und die moderne, steht die Bibliothek heute schon stände, diel in einer Reihe mit den allergrößten Bibliotheken der Welt. Sie chst genau|1|St eine sehr wertvolle Sammlung hebräischer Wiegendrucke, j. ... e!ne jgj. grggtcn Sammlungen von Pessach-Haggadoth, über 60;) hebräische Handschriften, sie bewahrt große und wertvolle Archive auf, die insbesondere für die Geschichte des Judentums in den letzten 50 Jahren von außerordentlicher Bedeutung sein werden. In der judaistischen Abteilung der Bibliothek wird die bibliographische Vierteljahresschrift ״Kirjath Sefer“ redigiert, welche vom Verlage der hebräischen Universität herausgegeben rer als detjvjrd. Diese Zeitschrift, welche jetzt im 10. Jahrgang erscheint, gibt regelmäßig bibliographische Verzeichnisse der gesamten judaistischen Bücherproduktion in der ganzen Weit und ist dawertvoüer*|dl,rch e,n 11״umgängliches Hilfsmittel für den Forscher, der sich im Lifivanl’ib<>r Entwicklung der Wissenschaft des Judentums in der ■ ganzen Welt orientieren will. Unter den judaistischen Sammlunan hier itilgen der Bibliothek ist besonders auch die Sammlung Schwadron : man hier!von Autographen und Porträts hervorragender jüdischer Per-;h jetzt hlsönlichkeita! zu nennen, welche die größte Kollektion ist, in 'liegt» Leider Briefe und sonstige handschriftliche Dokument« sowie Porüberhaup'lträts hervorragender Juden gesammelt werden. Die Orientalistische Abteilung der Bibliothek ist ——-- .-äufgebaut auf der Bibliothek des berühmten Orientalisten Ignaz •*1!**!"!'--'—־fGoldziher, die eine der größten Fachbibliotheken auf diesem Gebiet war und für die Hebräische Universität angeschafft wurde. Seit der Begründung des Orientalistischen Institutes der Universität im Jahre 1926 sind beträchtliche Summen für Bücherankäufe in das Budget des Institutes eingestellt worden. Diese Abteilung pflegt vor allem die arabische Sprache und die Geschichte des Islam, doch bestehen bereits gute Grundlagen auch für die anderen orientalischen Sprachen. Von besonderer Bedeutung für Palästina und für die wissenschaftliche Arbeit an der Universität ist die medizinische Abteilung, die eine der reichsten Abteilungen der Bibliothek ist. Sie unterhält zur größeren Bequemlichkeit der Aerzte von Jerusalem ein besonderes Lesezimmer im Hadassah-Hospital in Jerusalem, in welchem die besten medizinischen Zeitschriften der ganzen Welt (ca. 350) aufliegen. Die medizinische Abteilung 1. Auf de: hrssprachc! Juden, du Aut« übn■ dient), das Russen, n, größten■ Rotfisciaild dem Eu en Aerzte :1 zu bilde' nachmittag! iche Kaffee׳ Stert sowon hfolge itlich ver - hat da« wie in d{( r für Ne״' eis an *Straße ei Gy1״־ die Aerzt , . . . — — im Zweite unterhält gemeinsam mit der Organisation jüdischer Aerzte in lcl-Awiw eine Zweigstelle in Tel-Awiw, welche im dortigen Gesundheitszentrum der Hadassah untergebracht ist. Außerdem cersorgt diese Abteilung Spitäler und einzelne Aerzte im ganzen Lande mit den von ihnen gewünschten Zeitschriften und Büchern dei ermöglicht es so den Aerzten, über die wissenschaftliche ntwickiung ihres Faches auf dem laufenden zu bleiben. Was die anderen Abteilungen der Bibliothek anlangt, so »ind diejenigen systematisch ausgebaut worden, denen ein Lehrbetrieb in der entsprechenden Abteilung der Univer- 5■tat korrespondierte, jedoch sind die naturwissenschaftlichen _!oeh lang« nicht entsprechend entwickelt worden, da die Eroffnung d«s Lehrbetriebes an der naturwissenschaftlichen Fa- *ultät der Universität zu einer Zelt erfolgte, in der die schwere Wirtschaftskrise die Universität bereits zwang, starke Kürzungen in ihrem Budget vorzunehmen. Abteilungen, denen noch keine Letrkanzel der Universität entspricht, konnten bisher nicht systematisch ausgebaut werden, da kein Budget f ü r d e n Ankauf von Büchern für diese Abteilungen zur Verfügung stand. Dies gilt leider auch vom Fächern, deren Bedeutung für das Land sehr groft ist־, wie z. B. Landwirtschaft, Technik, Psychologie, Pädagogik, Kunst usw. Was bisher da ist, ist den zufälligen Spenden einzelner Fmuide zu danken und dementsprechend sind die Lücken, die nicht ergänzt werden konnten, sehr groß. Die Bibliothek hat eine reiche Zeitschriftenabteii u n g, in welcher die wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften der ganzen Welt aufliegcn. Außerdem gehört es zu den Pflichten der Bibliothek, als Jüdische Nationalbihliothek alle bedeutenden jüdischen Zeitschriften und Zeitungen der ganzen Welt zu sammeln und für den künftigen jüdischen Historiker aulzubewahren. Es ist vielleicht auch interessant, daß die Bibliothek mit ihren über 50000 deutschen Bänden die größte deutsche Bibliothek des Orients ist. De Bibliothek besorgt auch den Leihverkehr für Leser außerhalb Jerusalems und unterstützt die anderen befindlichen Bibliotheken in den Städten und in den Kolonien. Selbstverständlich ist die Bibliothek, wie die Universität selbst, Lesern aller Nationen und Religionen offen und wird vielfach von nichtjüdischen Lesern, insbesondere von den in Palästina weilenden Gelehrten, in Anspruch genommen. Ein Wort über die Sammlung von Büchern für die Bibliothek. Geschenke sind stets willkommen, doch sind die Transportspesen so groß, daß vermieden werden muß, Bücher zu schicken, die bereits vorhanden sind. Der Spender wolle daher ein Verzeichnis der Bücher anlegen und der Bibiiothek übermitteln, damit die Liste mit den Beständen der Bibiiothek verglichen werde. , Aber so wichtig die Schenkung bestehender Sammlungen ist, nicht minder wichtig ist der systematische Ausbau der einzclnen Abteilungen durch Kauf. Es hat sich bisher sehr gut bewährt, daß einzelne Personen oder Fachgruppen von Freunden der Bibliothek besondere Abteilungen der Bibliothek unter ihre Patronanz nahmen und für deren ständige Erweiterung Sorge trugen. Dieses System wird auch in Zukunft ausgebaut werden müssen. (Anmerkung der Redaktion: De Berliner Zionistische Verdnigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10, gibt alle notwendigen Auskünfte bezüglich der Bibliothek•) Eine Stadtbibliothek in Tel-Awiw Von Heinrich Loewe. Eine der selbstverständlichen Pflichten des jüdischen Volkes ist «s, die National- und Universitäts-Bibliothek in Je- *usalent snszubauen and sie im Laufe der Zeit in eine der großen Weltbibliotheken umzuwandeln. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der über die Besiedlung des Landes Israel durch Juden nachdenkt, der diese Notwendigkeit nicht einsähe. Aber natürlich ist damit die Bibliothekenfrage für das Land nicht erschöpft. Wenn man sich überlegt, daß die eine Stadt Berlin — ganz abgesehen von den zahlreichen Privatlibliotheken — allein über einhundert Bibliotheken hat, die öffentlichen Charakter tragen, dann muß man verstehen, daß auch solche Städte wie Haifa und Tel-Awiw ihre eigene öffentliche Bibliothek besitzen müssen. — Wenn so niemand an der Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit einer Tel- Awiwer Stadtbibliothek zweifeln dürfte, so darf man dar* über sprechen, wie eine solche Bibliothek ausselicn sollte, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll. So wie die Stadt Tel-Awiw von Jaffa geboren und von dort zur selbständigen Existenz ausgezogen ist, so ist auch die erste Bibliothek von dort mit der Stadt gekommen. Die in Jaffa im Jahre 1891 ins Leben getretene Bibliothek Sha’ar-Zion, ist irri Verein mit der Achad-ha-'Am• Bibliothek der Keim, aus dem die Stadtbibliothek erwächst. Wenn die Jerusalemer Bibliothek eine Zentralbibliothek des jüdischen Volkes überhaupt sein soll, so entspricht das dem Charakter der Stadt Jerusalem, als der uralten Haupt- Stadt des Landes und des Volkes Israel. Ebenso muß aber die Bibliothek von Tel-Awiw sich ihre Richtungslinien entsprechend dem Stadtcharaktcr des jungen Gemeinwesens vorzeichnen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Bibliotheken muß im wesentikhen derselbe sein wie zwischen der Eigenart der Stadt Jerusalem und der Stadt Tel-Awiw. In Jerusalern herrscht bei allem neuen Leben doch das Historische, das Heilige, das Altehrwürdige vor. Dagegen fühlt man in Tel- Awivv und sieht deutlich vor Augen das Moderne, manchmal vielleicht das Alhu-Modertie, das Lebendige, das Wachsende, das Schaffende und das Werdende, Wenn sich Td-Awiw erkennen läßt als die Stadt der Juden aus aller Welt, die hier durch die hebräische Sprache zu einer Nation mit hebräischer Kultur zusammenwachsen, die modernen Ktilturerrungenschaften mit den uralten historischen Werten zu lnuerstörbarer Einheit verbinden, so muß es die Aufgabe der Stadtbibliothek sein, diesen Zusammenhängen Rechnung zu tragen und das Büchermaterial zur Verfügung zu stellen das diesen Aufgaben entspricht. Dabei muß die Stadtbibliothek den Bedürfnissen einer zuwandernden Bevölkerung entgegetikommen, die ihrer Galuthspraciien noch nicht entraten können, wcil sie in die hebräische Umgebung erst hineimvachsen sollen. Ferner ist Tel-Awiw das eigentliche Zentrum der neuen kolonisatorischen und landwirtschaftlichen Siedlung, auch wenn sich die Verwaltungen des Keren Kajemeth Lcjisraci und des Keren Hajessod in (erusalem, und der Mittelpunkt der Technik in Haifa befinden. Diesen Richtlinien muß also die Bibliothek Rechnung tragen. Auch müßte sich die Bibliothek bemühen, wenigstens einigermaßen in ihrer Größe und in ihrem Umfange dem Wachstume der neuen Stadt zu folgen, wenn es auch Idar ist, daß sich ihr gerade hier die allergrößten Schwierigkeiten in den Weg stellen. Entsprechend dem Charakter als Universifäts- und National-Bibliotlick kann die Jerusalemer Bibliothek in erster Linie nur eine Archivbibliothek sein. Dagegen wäre eine solche 1iir Tel-Awiw in heutiger Zeit wenigstens völlig unangebracht. Vielmehr bedarf diese junge Stadt in erster Reihe einer Ausleihbibliothek. Erst recht ergibt sich diese Verschiedenheit in dem Bücherbestände, der für die beiden Bibliotheken natürlich ganz erheblich voneinander abweichen muß. Was in Jerusalem eine Notwendigkeit ist. kann gelegentlich in Tel-Awiw mir ein unnötiger Ballast sein. Und was in Tel-Awiw von Wichtigkeit ist, könnte für die National- Bibliothek entbehrlich sein. So kann Jerusalem vollständiger Zeitschriftens-'rien aut den verschiedensten Gebieten des Wissens und der Kunst nicht entbehren, während für Tel-Awiw von denselben Zeitschrifteil oft vielleicht nur die neueren und neuesten Jahrgänge in Frage kommen. Darin freilich stimmen beide Bibiiotheken überein, daß iauifende Zeitschriften überhaupt trotz der erheblichen Kostenbelastung mit zum wichtigsten Bestände der Büchereien gehören. Aehnlich wie mit den Zeitschritten ist es mit den Schätzen, die für die große National- Bibliothek oft von unschätzbarem Werte sind, wie den Frühdrucken (Inkunabeln), historischen Flugschriften, besonderen Handschriften und Autogrammen. Denn für Tel-Awiw kommt heute in keiner Weise ein Büchcrmuseuin in Betracht, sondern «ine lebendige und lebenspendende Bibliothek. Hier müssen Wissenschaft und Leben einander umschlingen und durchdringen. Seiner Natur nach bildet Tel-Awiw die Verbindung Europas mit Palästina, zwischen Orient und Okzident, von Ländern des Westens und Vorderasien, und ist zugleich mit seiner Naclibarstadt das Ein gangster nach Zion. Hier sind Volk und Land dabei, einen neuen Bund zu schließen. Und die Verbindung von Volk und Land muß auch der Bibliothek die Kennzeichen verleihen. Darum hat schon bisher die Bibiiothek Sha’ar-Zion ganz von ■selbst den denkbar größten Wort auf die P a I ä s t i 11 a -1. i t e r a t u r gric!;t. Audi i!1 Zukunft wird es eine der Hauptsorgen der Leitung׳ sein müssen, diesen Zweig der Bibliothek weiter aus/ub:uu5<־. I )ie Literatur über Palästina, in erster Linie die wissenschaftliche, aber auch die belletristische und künstlerische, muH möglich u voll gesammelt werden. Wie aber das Judentum nicht ohne die Kultur der andern Völker begriffen werden kann, so muß der (Grient den Hintergrund bilden, ohne den es kein Verständnis für Palästina gibt. Und zwar gehört dazu der ganze Orient, mit seinen Ländern, seinen Völkern und seinen Zeiten, also der alte und der neue Orient, vor allem auch der Islam und das umgebende arabische Volk mit seiner Kultur, seiner Geschichte und seinem modernen Leben. Natürlich stellen die modernen LaiKlobedininDsz in vord erst er Reihe. Deshalb müssen Hygiene und Sanitat-wescn, aber damit die Medizin und überhaupt die Natur- Wissenschaften ein wichtiger Tri! der Bibliothek wer• den, wobei wieder das I listorisehe geg eniiber den Frfortlernissen des flutenden Lebens zurücktreten muß. Denn die werdende Stadt Tel-Awiw wird nicht bloß! für Palästina, sondera für den ganzen Vordem Orient das Vorbild einer richtig und nach großen Gesichtspunkten verwalteten Stadt sein. Infolgedessen müssen auch Ver waltu ngsrec 111 und Verwaltungspraxis stark in den Vordergrund treten, natürlich ebenso die Kolonisafionswisserischaft in ihrer theoretischen Bedeutung und in ihrer praktischen Auswirkung. Von ältester Zeit her war hier ein Hafen, und so haben vor Jahrtausenden Jaffa und heute Td-Awiw ihre Entstehung doch dem Hafen zu verdanken. Sie sind deshalb auf das Seewesen hingewiesen. Die Bibliothek muß dementsprechend die Möglichkeit gewähren, sich in ihr mit allen Zweigen der Nautik zu befassen, und sie kann dazu beitragen, daß sich eine neue jüdische Seefahrt, und was ganz naheliegend ist, eine jüdische Hochseefischerei entwickelt. Daß die Meeresforschung hier eine neue Stätte finden wird, ist ganz fraglos. Vor allem gilt es, die Jugend zu einem gesunden hebräischen Volke zu erziehen, aber auch die schon erwachsene Generation in diesen Erz.iehungsprozeß mit cinzubezielien. Daher sind alle Werke von Wert, die dazu dienen, der Pädagogik die alten und neuen Wege zu weisen. Wenn auch das Zentrum der Technik vor allem in Haifa zu liegen scheint, so.ist es doch ganz selbstverständlich, daß alle Gewerbe und alle technischen Berufe in Tel-Awiw vertreten sein werden. Datier muß sich die Bibliotheksverwaltung bemühen, aut Grund von Physik und Chemie und überhaupt der Naturwissenschaften die Zweige der Technik sowie die Lehre von Landwirtschaft und Gartenbau zu pflegen. Trotzdem wird sie auch die historDchen Disziplinen nicht außerachtlassen, wenn sie auch hier weit hinter |cr(1s:1lem Zurückbleiben muß. Ihr besonderes Facti auf diesem Gebiete wird es sein müssen, der G e s c h i c 111 e d es j ü d i sc 11 e n Volkes, vor allem aber der neuen Volkswerdung aufs (ווויgellendste zu folgen. Das muß zwar im Rahmen des Weltgesclichens sein. Aßer doch muß ihr die homJeruufgabe der (i (־sch i c 11 f e des 7. i o ״ i s m 11 s, d!• r K o I (11 י i s a t i 0n und des neuen 1' r e / Jisrael voilvhalteii!)1eiben. Vor allem muß die Ltad'bibliothek das lebende jüdische Volk zur Darstellung bringen. I):h iieiHi : die Volkskunde <i c r J ti d e 11 in allen ihren Zweigen und Abwandlungen muß hier gepflegt werden und zwar als!־'tl1no!׳T,1־ph!e und Ethuologie, als Stammeskumle, Demographie, Stall st i k und allgemeine jüdische Kulturktmde. I)a aber das jüdische Volk nicht isoliert lebt, so ist es notwendig, auch die Kultur anderer Völker, wie sie sich in der Literatur und im!.eben ausprügt, 7.11 verfolgen. Nur muß mau sich bewußt bleiben, daß Juden und Judentum, sowie Palästina im unverrückbaren Mittelpunkte dieser Sammlungen bleiben müssen. Dies sind nur einige äußere Linien, die der Verwaltung einer solchen Stadtbibliothek vorschweben müssen. Viel sclivvieriger als die Aufstellung solcher Rielitliuien ist ihre Befolgung. Denn Bücher kosten Geld, und Material kostet Geld, und sogar die Verwaltung verursacht־, wenn auch weit geringere Kosten. Bibliotheken sind eine teuere Sache. Die endlos große Zahl von Bibliotheken in Europa verdanken ihre Entstehung und ihren Ausbau ■den reichen Mitteln begiiterter Fürsten und reicher Städte. Die großen National- Bibliotheken wurden durch die vereinigten Mittel der Staaten und Völker errichtet und werden durch sie erhalten und erweitert. Ans der jungen Geschichte der'sich geradezu wunderbar entwickelnden Büchersammlungen der National-Bibliothek in Jerusalem wissen wir, wie schwer es ist, ohne solche staatliche Organisation das geistige Rüstzeug der Wissenschaff und der Kultur zusammenzubnngen, dessen vir bedürfen. Soll die Stadtbibliothek auch nur im geringsten der Aufgäbe gerecht werden, die ihr gestellt ist, so bedarf sie dringend der Unterstützung aller Juden, nicht bloß in Td-Awiw selbst, sondern vor allem auch in den Ländern der Gallith. Augenblicklich werden durch die völlige Umstellung zahlloser Juden in europäischen Ländern, die an anderen Stellen sich eine neue Heimat und eine neue materielle Existenz bauen müssen, Privatbibliotheken, grolle und kleine, ein« Last für die bisherigen Besitzer. Diese wären zufrieden, wenn sie wüßten, daß sie zu einem guten Zwecke, zu einem den Juden und dem Judentum förd״rndcn Ziele verwendet werden könnten. Da bietet das Werden der Stadtbibliothek in Tel-Awiw eine wichtige Entlastung für diese jüdischen Biicherbcsitzer. Das meiste, was Jerusalem schon nicht mehr sucht, wäre noch ein wertvoller Gewinn für die neue Stadtbibliotiiek der neuen Stadt. Deshalb ist es mit Freuden zu begrüßen, daß ein Komitee in Berlin diese Sa mm hingen in die Hand nehmen wird, und daß hier eine wertvolle Mithilfe für die Bibliothek in Tei-Awiv geschaffen wird.

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