Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 85 (24.10.1933)
- Date
- 1933-10-24
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Se״e 694 MODISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 24. X. 1933 Nr. Der Begriff des «Ariers״ ln einer Reihe erbbiologischer Vorträge, die von der Deutschen lleilpüdagogischen Gesellschaft in Berlin veransGltet wurden, sprach u. a. I)r. J oh. von Leers zum Thenn: ״Was h e i II t arisch?“ Er führte' nach einem Berieht des ,,Berliner Tageblattes“ vom 21. 1(1. aus: ״". aiiremi die Wissenschaft zunächst eine sprachliche und r<1ssi׳;e Gemeinsamkeit aller vom indogermanischen Urvolk abstammenden Völker annahm, ergaben weitere Forschungen, da!; es eine ganze Anzahl verschiedenrassiger Bestandteile ir!1tr!!;?b der die indogermanische Sprache sprechenden Völher gibt und da 15 die ״nordische Rasse“ die eigentliche Trä* der indogermanischen Sprache ist. Anderseits stellten u!e symbüigescliichtlichcn Untersuchungen von Hermann Wirth a :ג subarktische Kultur mit dem Hakenkreuz, der Sonnenspirale und dem Lebensbaum als Symbol fest, die weit über du! Lahmen der heutigen indogermanischen Sprache reicht. Somit ist das Wort arisch als solches wissens cliaf flieh stark bedenklich geworden. Im engste!1 Sinne würde es nur den rein nordischen Menschen erfassen, der in dieser Reinheit kaum zu finden ist. Weiter gefaut iniilite es weit über den Rahmen Europas ausgedehnt werden. 1 n seiner gesetzlichen Verwendung von heute ist das Wort arisch eine unvermeidbare (i e I e g e n h e i t s 1 ö s u n g. Man wollte die lächcrliehe Gegenüberstellung Christen ’ und Juden vermeiden, da cs sehr Gele getaufte Juden und nichtchristliche Nichtjuden g.bt. Aiuicrseiis wollte man den Ausdruck Deutsche und Jam :1 vermeiden, weil man von der rassischen und nicht v1 .״׳־ der Volkszugehörigkeit ausgehen wollte. So fand man d■׳:’ Am druck arisch. Das Wort arisch bedeute also in erster 1 ־ : ׳׳ ,drei von jeder jüdischen Blutsbeln:!׳•־■!! u n g“. Ls soll ferner «ine klare Trennung von farbi- :;׳. m He.it bedeuten. Hierbei wird man auch aus außenpolit,.;!•■!! Gründen scharfe Unterscheidungen zu machen haben ׳.-. .•■׳׳.׳!hu! M i 11 d e r r a s s i g e n und Andersrassigen. 1 '׳׳ ׳• r Mimii'rrassigen wird man in erster Linie das Negertutn not ml ui seinen Abarten zu verstehen haben. Bei den großen;!•-du'ii Kulturvölkern handelt es sich nicht um minderw״:.... •, sondern um andersartige Rassen, vielfach deutlich not;i.ier nunlisolier Grundlage. Eine gelbe Rasse gibt es U!!:. man so nennt, sind sehr verschiedene Rassen, deren ei.-./i.;.• I'ebemnstimmimg in einer mehr oder minder starkm; Beimischung der innerasiatischen Rassen mit Schlitz• äugen und Mongolenmerkmalen besteht. Hinsichtlich der Turunter, Ungarn, Finnen und Esten wird man ihre Gleich- Setzung mit den Indogermaneu als ״arisch im weiteren Sinne*' n::!:cl!;;!e11 dürfen. Das Wort arisch ist in erster Linie ein Abwehrwort gegen! u den und k u! t u r u n s c h 5 p f e r i s c h e Rassen. Eine Diskriminierung von 1 lochrassen enthält es nicht.“ Atari wird diesen Ausführungen insoweit beipflichten müssen, als sie klarstellen, daß es sich bei dem Begriff des ,.Ariers“ nicht um eine wissenschaftliche De• f 1 n i ז i o n handelt, sondern um ein zu Zwecken der Praxis geprägtes Wort. Es wäre allerdings wünschenswert, daß diese richtige Erkenntnis auch auf das von dem Referenten weiterhu! behandelte Gebiet der sogenannten ״Minderrassi• geii“ und ״kulturundifferierfen“ Rassen ausgedehnt würde; es würde sich dann voraussichtlich heraussteilen, daß es sich auch hierbei nicht um wissenschaftliche Klarstellungen handeit, sondern um Ansichten, die aus praktischen Er- Wägungen heraus geformt wurden. Dr. Marx von der Bestechung ~ Anklage freigesprochen In dem Frankfurter Prozeß gegen den Syndikus des C.-V. in Frankhirt, Dr. Martin Marx, wurde am '20. Oktober nach nctmtligiger Verhandlung das Urteil gesprochen. Der angeklagte Polizeirat Muhrdei und Dr. Marx, wurden beide zu je 7 Monaten Gefängnis verurteilt, und zwar der erstere wegen iortgeset/ter Amtsunterschlagung mit Tateinheit mit Oewa:1!:.u1nsbr:!ch und eines Vergehens gegen § 348, 2, der letzrcn־ wegen fortgesetzter Hehlerei und Amtsanmaßung in einem lalle. Von der Hauptbeschuldigung der Bestechung wurden beide Angeklagten freig e s p röche n. Die Beweisaufnahme des Prozesses hat sich vor allem um die Frage gedreht, ob die Geldzuwendungen, die Dr. Marx an Mührdel gegeben hat, Bestechungsgelder waren, oder aber ob sie für bestimmte andere Zwecke, insb׳ :>;;dcre zur Bezahlung von Spitzeln, _die in dem d,>:11.1.-; g :führten Kampf gegen die nationalsozialistische Part׳.i verwendet wurden. Das Gericht hat angenommen, daß tat■ a;dich die Gelder für Spitzel bestimmt waren und daß 3׳s di,וחי Gründen eine Verurteilung wegen Bestechung nicht m>h ist. In der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende au ,ehrlich auf diese Frage der Spitzel-Gelder ein und warf lieh, wenn Bestechung nicht angenommen werden kann, die r.apc auf: Wie ist die Zusammenarbeit der Angeklagten zu ei klaren r Fehlt das Motiv des Geldes, so muß ein andms Motiv־ da ge wesen sein, das die Zusammenarbeit herbciHibrtc. Bis gibt ja noch andere Motive, die als möglich gv׳.i'Hbi vcnlfii können, insbesondere die gemeinsam e n I;11 e;esse 11, die Vorlagen und die sich In dienstlicher Riehti’.״! ׳;,.׳•wcgtcn: das Interesse Mührdcls an der Bekämpfung des, Naiioiuiisü/.ialismHS auf der einen und die Interessen des Dr. Marx au der Bekämpfung des Antisemitismns auf der anderen Seite. Es mögen dabei gewisse überschwengliche Ueberreduxigert durch Marx auf den labilen, unbeständigen Charakter des Mührdel erfolgt sein. Wenn man den persönlichen Eindruck berücksichtigt und das Vorbringen der Verteidigung, daß Mührdel nicht der Mann ist, der nach Geld geht, in Betracht zieht, so komme man zu dem Resultat, daß die Angaben der Angeklagten nicht widerlegt werden konnten, und es bleibt dabei, daß die Bestcdiung nicht nachzuweiscn ist. Der Vorsitzende ging dann׳ auf die Fälle der Materiala u s h ä n <1 i g u n g ein. ln einer Anzahl der Fälle hat das Gericht auch hier Freispruch eintreten lassen, eine andere Anzahl führte zur Verurteilung wegen Unterschlagung und Gewalirsamsbnich. Dr. Marx hat sich in den Fällen der Materialaushiindiguiig der Hehlerei schuldig gemacht. Von den Fällen der Amtsanmaßung wurde er nur in einem Falle für strafbar erklärt. In diesem Falle war Dr. Marx in einer nichtpolitischen Sache aufgetreten, während alle übrigen Fälle unter die Amnestie fallen. Das Gericht hat auch abgelehnt, gegen die Beklagten Ehrverlust auszusprechen, denn es war zu der Ueberzeugung gelangt, daß sie nicht ehrlos gehandelt hätten. Der in Zagreb (Jugoslawien) verstorbene Direktor der größten Lederfabrik am Balkan Edruund Friedfeld hat die jüdische Gemeinde Zagreb zur Universalerbin seines groben, aus mobilem und immobilem Kapital bestehenden Vermögens eingesetzt, mit der Bestimmung, daß dieses Vermögen dazu verwendet werde, die jüdische Jugend Jugoslawlens in produktiven Berufen auszubilden und die Hachschara jüdischer Jugendlicher aus Jugos 1 a wien zu erleichtern, M. Steinhardt 70 Jfahre alt Von Hugo Rosenthal Wenn beute das deutsche Judentum in /einem innersten Bestand erschüttert ist und eine Fülle von Fragen, die unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen, uns zur Lösung herausforderu, so darf gerade diese Zeit nicht an dem 70. Geburtstag eines Mannes vorübergehen, dessen Name einer ganzen Generation von Lehrern außerordentlich viel bedeutet hat. M. Steinhardt ist immer der unermüdlichste, entschiedenste und erfolgreichste Streiter für den Gedanken der jüdischen Schule gewesen und bis heute geblieben. Ich las vor kurzen! eine Schrift, die Steinhardt vor dreißig Jahren über die Fragen der jüdischen Erziehung veröffentiiehte und mir war, als lese ich meine eigenen Worte und Ich empfand mit tiefer Beschämung für unsere ganze Generation, daß sie das, was ihr heute durch äußeren Zwang zum Bewußtsein gebracht wird, nicht früher schon begriffen hat, obwohl neben manchen anderen ein Mahner wie M. Steinhardt immer und immer wieder auf die Notwendigkeit der jüdischen Schule hinwies und diese Notwendigkeit mit Worten begründete, wie sie heute in jedem Munde sind. Das Organ, das Steinhardt sich für die Verbreitung seiner Ansichten geschaffen hatte, waren die .,Blätter für Erziehung und Unterricht“, die von ihrer vor mehr als drei Jahrzehnten erfolgten Gründung bis zu ihrem Eingehen am 1. Oktober 193'i unter seiner Leitung standen. Auch die ״jüdische Schulzeitung" wurde von ihm redigiert. Ein Mann, der so mit aller seiner Kraft der Bildung und der Erziehung der Kinder diente, war naturgemäß der reiferen Jugend immer verbunden, fn der Blüte seiner Jahre ließ er es sich nicht nehmen, von Stadt zu Stadt zu reisen, um die Jugend zu sammeln, anzuregen und ihnen neue Arbeitsgebiete zu erschließen. Aber auch der alte Steinhardt war in den Kreisen der Jugend gern gesehener Gast, denn das innere Feuer, das den reifen Mann erfüllte und zu immer erneutem Einsatz seiner Person zwang, das spürte die Jugend auch noch, wenn er als alter Mann sie durch seine Worte für die Aufgaben des Judentums entflammte. Wenn wir heute am Beginn eines neuen Abschnittes in der Geschichte der Juden Deutschlands stehen, und wenn dieser Abschnitt vor allem gekennzeichnet ist durch den Willen zu neuer jüdischer Erziehung, so soll die vorbildliche Hingabe unseres alten Führers M. Steinhardt uns aneifem zu Leistungen, die den seinen würdig an die Seite gestellt werden können. Sonja Rosenzweig Die Tragödie eines Jüdischen Kindes s. n. Paris, den 17. Oktober 1933. Drei Tage lang bildete dieser Name eine Pariser ״Sensalion“. Eines der größten Boulevardblätter machte ihn in ganz Frankreich bekannt. Und zwar auf Grundlage nachstehend geschilderten Tatbestandes. Am 6. September dieses Jahres betrat der jüngere Bruder der dreizehnjährigen Sonja Kosenzweig die Weinschenke eines Monsieur Thiolas in der Rue Letort, im Quartier Montmartre. Herr Thiolas, in eifriger Unterhaltung mit einem Gast, erkannte im Jungen einen kleinen Juden und vergnügte sich damit, das Kind in roher Art zu verspotten. Der Junge rannte heulend davon, und kurze Zeit darauf kam seine dreizehnjährige Schwester Sonja, die, gleich ihrem Bruder, nur jiddisch und kein Französisch verstand. Empört über die Mißhandlung ihres Brüderchens, verausgabte sie ihren gesamten französischen Wortschatz, der aus den , Wöriern ״Sale cochcm“, schmutziges Schwein, bestand. Solche Worte lerpjy'map im Quartier Montmartre ,als Anfangsgrund der französischen Sprache. Herr Thiolas war in seiner Ehre gekränkt, fürchtete vielleicht eine Anzeige wegen des rohen Spaßes, den er mit dem Judenjungen getrieben hatte, und kehrte den Spieß um: Er tat schwer beleidigt und schleifte Sonja ins nächste Polizeirevier, wo er dem Kommissar allerhand für Sonja Unverständliches erzählte. Der Kommissar soll sich nicht der Situation entsprechend benommen haben. Er sagte mancherlei, wovon Sonja wieder nichts verstand. Beim Verlassen des Reviers aber redete ihr Monsieur Thiolas ein, daß sie und ihre Mutter eine schwere Bestrafung zu gewärtigen hätten. Sonja ging erst gar nicht nach Hause, sondern in die Seine. Zwei Wochen später wurde die klein« Leiche aus dem Wasser gefischt, und aus diesem tragischen Vorkommnis wurde eine Sensation. Die große Boulevardpresse nahm sich der Sache an. Ein efundenes Fressen für fette Schlagzeilen, für ausführliche childerungen von Boutiqueroheit, von Polizeikommissarhärte, und allem Drum und Dran: Interviews mit Augenzeugen, Zu- Schriften aus dem Publikum, eine Kollekte für die Unglückliehe Mutter und schließlich Behandlung der Affairc im ״Club du Faubourg“. Dieser Club veranstaltet regelmäßig Aussprachealiende über die verschiedensten Themen. Trotz Genf und anderen Vorgängen in der politischen Welt war der Fall Sonja zum Ereignis des Tages geworden, und drei prominentc Redner behandelten am 11. Oktober vor einem vieltaiisendköpfigen Publikum das tragische Vorkommnis um Sonja Rosenzweig. Man verlangte stürmisch eine gerichtliche Untersuchung des Vorfalles, Anklage gegen die Schuldigen und harte Strafe für den Budiker Thiolas. Der Forderung nach gerichtlicher Klärung ist mittlerweile statfgegeben worden. Der Fall Sonja Rosenzweig ist bei Leibe keine Staatsaffaire, aus der man weitreichende Schlußfolgerungen ziehen dürfte. Er ist aber auch nicht ein banaler Einzelfall, wie er in jeder Großstadt Vorkommen kann. Er ist ein Fall eigener Art. So sui generis wie der Fall der jüdischen Zerstreuung, wie das üehetztsein der jüdischen Volksmassen von Land zu Land. Ucberall als seltsame Menschengattung betrachtet, mit Mißtrauen ,angesehen, und darum verängstigt und tausend drohender Schicksalsschläge gewärtig. Sonja Rosenzweig dachte nicht nur wie ein dreizehnjähriges Kind in einer fremden großen Stadt, sondern sie dachte instinktmäßig wie eine Jüdin, die in ihrem Blute die Erinnerung an tausendjähriges Schicksal trug. Sie hätte sich sagen müssen, daß sie 1m Rechte war, ais sie die Roheit eines Budikers mit groben aber durchaus treffenden Worten charakterisiert hatte. Sie hätte, im Bewußtsein ihres Rechtes, der Drohungen des Thiolas spotten können. Aber sie war Jüdin, und wußte, daß die Welt, in der wir leben, zweierlei Gesichter hat: Eioes für solche, die selbstsicher und in ihrer Umgebung verwurzelt sind, und das zweite Gesicht für solche, die am Morgen nicht wissen, wie ihr Abend aussehen wird. Das Zentralkomitee zur Unterstützung von Auswanderern aus Deutschland in P a r i s hat seine Tätigkeit wegen Mangels an Mitteln eingestellt. Ob es zu einer Wiederaufnahme der Arbeiten des Komitees kommen wird, ist zweifelhaft. Es verlautet, daß auch die Hilfskomitees von Antwerpen und Amsterdam wegen Geldmangels ihre Tätigkeit vorläufig eingestellt haben. Das jüdische Flflchtlingshilfskomitee in England hat aut Grund einer Vereinbarung von Chiefrabbi Hertz mit der staatlichen Agrarkonimission die erste landwirtschaftliche Ausbildungsstätte Englands für jüdische Jugendliche aus Deutschland, die später als Chaluzim nach Palästina gehen sollen, eröffnet. Eine Gruppe deutsch-jüdischer Jugendlicher hat bereits mit der Arbeit begonnen. Berufsumschichtung und Kurzlehrc Berufst!inschichtung ist seit Jahren für das deutsche Judentum ein Problem gewesen und heute zur Notwendigkeit geworden. Als der junge Jude seinen Beruf nach Fähigkeit, Neigung oder Standesgesichtspuukten wählte, war es verhaltm'srnäfiig leicht, junge Menschen in irgendeinen! Beruf unterzubringen. Es wurde zwar immer gewarnt, nicht das Heer des akademischen Proletariats zu vergrößern, aber diese Warnung wurde nicht verstanden oder, wenn man offen sein will, wollte man sie nicht verstehen. Jahrzehntelang haben führende jüdische Männer des Hand- Werks versucht, den Eltern klarzurnachen, daß im Handwerk tüchtige Menschen die Möglichkeit haben, einen Beruf voll und ganz auszufüllen, sich eine Existenz zu gründen, ohne dabei Einbuße in ihren menschlichen oder gesellschaftlichen Qualitäten zu erleiden. Man hat auch wohlwollend zugestimmt, hat Vereine gegründet, welche sich die Propagierung des Handwerks unter den Juden zur Aufgabe machten aber nur für anderer Leute Kinder! Es hat heute keinen Wert, sich darüber zu unterhalten, denn die Sorgen, die über die deutschen Juden in seelischer und wirtschaftlicher Beziehung hereingebrochen sind, drücken uns schwer darnieder; sie dürfen uns aber nicht so schwer bedrücken, daß wir bei der Berufsumschichtung den alten Fehlern neue Fehler hinzufügen. Es erfüllt die jüdischen Handwerker mit schwerer Sorge, wenn heute von unberufener und auch teils von beruierier Seite der Kurzlehre das Wort geredet wird, jeder Handwerksmeister weiß, daß mit dem Abschluß der eigentlichen Lehre die Lehrzeit erst beginnt, wenn der junge Gehilfe seine Kenntnisse ohne Lehrherrn aus sich heraus zur Anwendung bringen muß. Die Kurzlehre birgt die schwere Gefahr in sich, daß hier dem Pfuschertuni Vorschub geleistet wird. Der jüdische Handwerksmeister hat seit langen Jahren gegen das Pfuschertum gekämpft. Wir haben volles Verständnis für die jungen Menschen, welche aus ihnen liebgewordenen Berufen herausgerissen worden sind und jetzt mit Kurzlehre ein Handwerk erlernen wollen, aber wir können und dürfen nicht aus Wohlwollen einen Weg ebnen helfen, der nicht aufwärts, sondern abwärts führen muß. Heute, wo ein großer Teil der deutsch-jüdischen Jugend nach Palästina geht, kann nicht dringend genugvor solchen Kurzlehren gewarnt werden. Werden doch schon heute Stimmen aus Palästina laut, daß es an genügend gut ausgebildcten Handwerkern fehlt. Man darf hierzu nicht Stillschweigen. In Erez Israel soll jüdische Aufbauarbeit geleistet werden, die ganze Welt richtet ihr Augenmerk dorthin. Man erweist Palästina und den jungen Menschen einen schlechten Dienst, wenn man Kurzlehren von einem halben oder einem Jahr das Wort redet. Die Handwerkskammem stehen auf dem Standpunkt, daß ein Lehrling die von den Innungen vorgeschriebene Lehrzeit einzuhaften hat; erbringt der Lehrling aber nach zwei oder drei Jahren den Befähigungsnachweis, daß er das Lehrzeugnis erhalten kann, so kann mit Einwilligung des Lehrherrn und der Innung eine verkürzte Lehrzeit zugelassen werden. Man darf vor allen Dingen nicht vergessen, daß, wenn die in einer Kurzlehre ausgebildeten Lehrlinge nach Palästina kommen und dort versagen, sie auch dem gut ausgebildeten Lehrling die Möglichkeit nehmen, in Palästina eine Existenzmöglichkeit zu finden. Paul Goldmann, Hannover. Kleine Nachrichten Auf d«r Münchener Bundestagung des Bundes Deut• scher Architekten wurde ebenfalls der Arierparagraph eingeführt und die Löschung der bisherigen jüdischen Mitglieder verfügt. Sie dürfen die Bezeichnung ״Architekten B. D. A.‘־ weiterhin nicht mehr führen. Das Mitteilungsblatt des Vereins deutscher in• genieure und des deutschen Verbandes techniscli-wissenschaitlicher Vereine berichtet, daß auf der in Eisenach abgehaltenen Hauptversammlung des VDI. beschlossen wurde, nur noch Arier als reichsdeutsche Vereinsmitglieder aufzunehmen. Anläßlich der Ueberriahme der Fleischlieferungen an die früher aus eigenen Regiebetrieben versorgten Frankfurter städtischen Krankenhäuser und sonstigen städtischen Anstalten durch die Frankfurter Metzgerinnung hat der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt entschieden, daß auch von den jüdischen Metzgern Frontkämpfer und solche Metzgerfamilien, von denen ein Mitglied im Kriege gefallen ist, bei den Lieferungen herangezogen werden dürfen. In der BerlinerCniversitätist folgender Anschlag angebracht worden: ״Reichsdeutsche Studenten nichtarischer Abstammung, die bisher einen Ausschlußbescheid nicht erhalten haben, werden aufgefordert, sich im Senatssaal einzufinden zwecks Aufnahme eines Vermerks in das Studienbuch über die Zulassung zum Weiter- Studium an der Universität. Erst wenn ela solcher Vermerk in das Kollegbuch eingetragen ist, ist ein Belegen von Vorlesungen in der Quästur gestattet.“ Der holländische Professor van Hainei, früherer Völkerbundskommissar für Danzig, gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Leitung des vom Völkerbund geschaffenen Flüchtliugsamtes. Der Präsident der Republik Cuba, Grau San Martin, empfing eine jüdische Delegation. Er versicherte der Ddegation, die im Namen der gesamten jüdischen Bevölkern!!;,׳ Cubas sprach, daß er und seine Regierung den Juden freundlich gesinnt sei und den Wert der jüdischen Bevölkerung Cubas für den Staat zu schätzen wissen. Die Frage der zionistischen Einheitsfront in Oesterreich• Wie man uns aus Wien berichtet, hat in der letzten Zeit Adolt Böhm die Schaffung einer zionistischen Einheitsfront in Oesterreich zunächst für die Durchführung der Aufgaben, die durch die gegenwärtige innere Lage der Juden des Landes gestellt sind, propagiert. In größeren und kleineren Zirkeln, sowie in zionistischen Zeitungen hat er anläßlich der Anwesenheit Sokolows, der diese Aktion lebhaft begrüßte und unterstützte, ausgeführt, daß eine Einheit zu schaffen dringend nötig sei. Man soll zunächst mit den Nichtzionisten zu einer Einigung wegen einer Vertretung der österreichischen Juden gelangen, die nach außen und innen die nötigen Aktionen führen soll An positiven inneren Aufgaben sind die Erweiterung des ju• dischen Schulwesens, Lösung der Pressefrage, Berufsumschiehtung, Reorganisation und Ausbau der sozialen und Wirtschaftliehen Hilfsinstitutionen, Palästinaarbeit usw., durchzuführcn. An all diesen Fragen wird auch schon gearbeitet. Böhm schlägt vor, daß jede zionistische Gruppe einen Vertreter in ein gemeinsames Komitee entsende, das sich einen neu• tralen Vorsitzenden wählt. Wie es scheint, besteht Aussicht, daß die eingeleiteten Aktionen erfolgreich sein werden. Die Lage der Juden in Oesterreich erfordert die Rückstellung aller inneren Differenzen. Zeit ist nicht zu verlieren. Sokolow meinte, daß das Gelingen der Aktion auch für andere Länder beispielgebend wirken würde, Bo im Ste die ab' gen-lru Vei'käu Außer Boden zone n Dunam samtrie meister angebo schwer denen Herten keit 21 Ci! auch a weitere stigen Käufen Stelle einige solche und 6 Au einer j C!1 läge f für di< sieht \ sendet erwiesi Saison ling 1 Experi: haben, gen. I die pal Au Preis glaubt als 1/- Se ganz interes! noch i verkau Baum. Ka daß K1 duktioi Jahresi Es wir Kartofl Rentab trieben An Boden für de wurdet bis jef; teils fi an w alt. 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