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Jüdische Rundschau · 1933-10-20 · Heft 84 (20.10.1933) · p. Seite 673

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 84 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
Seite 673 (sequence 5)
Language
German
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1933 Nr. 84. 20 X. 1933 jodische Rundschau Seite 671 kalter ront hat us v e ricke ver-!entliehen I eigener : Hauptmg aller nter ein-; 2. die •rberuft . ,itgliedcr; valtungcn r Ver• ngsbe■ die Berundsatz; ete vorige una n 11 iprach. Hs ein? 1111■ 1er die m wird. Wie kte, dafür beitsfront gäbe vom Juden in eher J11 r, ierlin eine BündisHn n hard Wa;;- iprach v! ) im poi:. sich daii.i initzuhehrii lasse nlelir;' iden“ unj isltang der las Theater utschcr;ht einmal n Verbauüssen wir iung wohl icht, die stinktieibstkritik icster Jniversität Jniversität gestifteten Gelehrte ffen. Am rtin Wein- R. Baer •ris (Lcipjvid Katz jüdischen ibsehbarcr liner Prolorisiliarius nkonsiliar- Is Berater ו-Gedacht•!es Jahres der deutür Sied• außer• den darauf ren Juden soweit es Wirtschaft- , daß wir 1 von. 1!n* urzer Zen rin kleiner rden. the-Univcr• 1r kurzem ir Wiederkörper ehr enten. Dk sere Leser p e n h e i * :h brodt, , Dr. Mar* l Fra e r ist Prot, den. Prof. Universität abteiluric 1 veranlaßt, daß kein genodtr assensc't ken. Jeder : n Mehl• die gegenie feierliche 1 J e w i “' mg zu dem Exekutive von Ver■ ßstabs der Berufsumschichtung — und ihre Grenzen Von Ernst Hoffmann. Der nachfolgende Artikel, den wir als einen Beitrag zur Diskussion des wichtigen Themas veröffentlichen, wendH sich gegen eine Ueberschätzung der politischen bzw. apologetischen Tragweite einer jüdischen Berufsumschichlung in der Diaspora, ohne jedoch die wirtschaftliche Notweniigkeit und den moralischen Sinn der Umschichiungsbewegung zu bestreiten. Wichtig ist der Hinweis, daß die Leistungen der ״deutsch-jüdischen Mischkuttur“ nicht geringschälzig abgetan werden dürfen, auch wenn in Zukunft die Geschichte andere Wege gehen muß. Wir glauben aber, hierbei den Autor dahin ergänzen zu dürfen, daß nicht auch die Abfallserscheinungen dieser Kulturmischung, die weder vom jüdischen noch vom deutschen Standpunkt erfreulich sind, aber irrtümlicherweise von einer assimilatorischen Schicht als eine kulturelle Hochblüte behandelt wurden, unter diese Rechtfertigung fallen sollen. Red. Berufsumschichtung ist in allen Lagern das Losungswort des Tages. So begrüßenswert aber die Einmütigkeit gerade in dieser Frage auch erscheinen mag, so darf doch nicht verhehlt werden, daß an dem Zustandekommen dieser Ucbereinstimmung Hoffnungen, Grundsätze und Methoden mit am Werke waren und sind, die von Zionisten nicht geteilt werden können. Kritische Besinnung auf die in der Natur der Sache liegenden, von der zionistischen Grundeinsicht gesetzten und in der Anwendung werbekräftiger Beweisführungen gebotenen Grenzen der Berufsumschichtung tut not. Von erlittener Umschichtung — ein Gebiet eigenster jüdischer Geschichtserfahrung — sei hier nicht die Rede. Doch entspringt auch der Wille zur Berufsumschichtung im landläufigen Sinne, als Bekämpfung der natürlichen Beharrungsfendenz in den überkommenen Berufen und der in Wirtschaftlieh bewegten Zeiten nicht minder naturgemäßen Aufstiegsfendenz, einer Geisteshaltung, die diesem Gedanken eines mechanisch-konstruktiven Eingriffes in den geschichtlich-gesellscliaftlichen Ablauf in manchen jüdischen Kreisen frühzeitigen Eingang und weite Verbreitung sichert. So findet der Zionismus schon in seiner Geburtsstunde den Umschichtungsgedanken vor und setzt sich mit diesem auseinander. Die denkwürdige Begegnung zwischen Herzl und Baron Hirsch, dem Schöpfer der jüdischen Bauernsiedlung in Argentinien, offenbart die ganze Tiefe des Zwiespalts auf einem scheinbar gemeinsamen Boden. — Linzählige arme Juden hoffen noch durch wirtschaftlichen Aufstieg dem Antiseraitismus entrinnen zu können, der steinreiche Baron Hirsch hingegen resigniert schon und erwartet die einzige Rettung nur mehr von der Umkehrung dieses Prozesses. Sein Kolonisationsplan ist ein Fluchtversuch; ein schärferer Gegensatz zu Herzl, zu eitlem Bahnbrecher voll überquellender Zuversicht, ist kaum zu denken. Hirsch muß in einem damals noch entlegenen Winkel der Erde kolonisieren, hofft er doch nicht, mit seinen Umschichtungsplänen anderswo durch zudringen. Herzl will kolonisieren, und so rückt ein sozialer Fragenkreis an ihn heran, der ihm ursprünglich femliegt. Hirsch will die Juden klein machen, sie vor dem Haß verstecken, auf der Linie Herzls liegt die Ueberleitung in Berufe, geeignet, die künftige, die neue Größe des jüdischen Volkes auf dauerhaften Grund zu stellen. Anderen Verfechtern der Berufsumschichtung schwebt nicht nur ein schützendes Dunkel, sondern der nationale Tod, die Selbst Vernichtung vor. Jene Abart von Assimilationsjuden, die das Judentum bloß für einen ״ideologischen Oberbau“ angesehen hat, wollte diesem durch Angleichung der jüdischen Berufsgliederung an die der Umwelt den ״wirtschartlichen Unterbau“ entziehen, um das unwillkommene Phänomen des eigenen Volkstums auf diese Weise aus der Welt zu schaffen. Die Hoffnung auf Selbstvernichtung oder auf eine schützende Mimikry vermöge Aenderung des Wirtschaftsgefüges wird heute vornehmlich von denen gehegt, die gestern noch sich für hinlänglich entjudet gehalten haben und die nunmehr in der unterlassenen Berufsallgleichung die verhängnisvolle Assimilationslücke erblicken wollen, durch deren Schließung noch so manches oder alles Versäumte gutzumachen wäre. Jene einseitige Auffassung der geschichtlichen Vorgänge, die allein der Selbsttäuschung Vorschub leistet, nationale, geistige und rassenbedingte Verwicklungen vom Wirtschaftlichen her lösen zu können, ist heute der letzte Rettungsanker der Assimilation; die Berufsumschichtung wäre demnach der Hafen. Auf diese Art glaubt man, ohne sich übrigens von den Zusammenhängen klare Rechenschaft zu geben, die jüdische Wirklichkeit von heute mittels polifischer Grundsätze und Methoden von gestern meistern zu können. Man gibt sich redlich Mühe, das außerjüdische Geschehen nach neuen, diesem immanenten Motiven zu beurteilen, die entscheidende Bedeutung nationaler und geistiger Momente für die Umwelt restlos anzuerkennen; innerhalb der jüdischen Mauern wird aber nichts unterlassen, um den gegen die Juden erhobenen Vorwurf der Rückständigkeit zu rechtfertigen*■). Der in den Umschichtungsbestrebungen kundwerdende jüdische Lebenswille und Daseinsmut soll sich gerade angcsichts der übereinstimmenden Ausdrucksform besonders deutlich vom Selbstvemichtungswillen, von Lebensangst und müder Selbstflucht abheben. Eine klare Scheidung muß auf der Erkenntnis fußen, daß Berufs Umschichtung in der Diaspora nur als Hachscharah, als Vorbereitung für Erez Israel, einen bleibenden Sinn hat. Wohl erleichtert planvolle Umschichtungsarbeit auch die Auswanderung nach anderen Ländern, doch zeigt es sich (in England, U. S. A.), daß solchen Veränderungen im jüdischen Berufsgefüge keine über die Einwanderergenerafion hinausreichende Beharrungstendenz, innewohnt. — Die planmäßige Umschichtung richtet sich recht einseitig nach der Aufnahmefähigkeit des Einwariderungslandes und wirkt im Endergebnis nichts weniger als ausgleichend. Die in den Einwanderungsländern verfügbaren Arbeitsstellen erfordern entweder ein besonderes Können, ihre Vergebung an Juden schafft also eine jüdische Arbeiter-Oberschicht, oder es handelt sich um ungeschulte, geringgeschätzte und schlechfbezahlte Arbeiten, die von den Ein־.vanderern zur Not übernommen und bei erstbester Gelegenheit wieder im Stich gelassen werden. Eine solche unbeständige Umschichtung geht z. B. mit der Naclikriegswanderung nach Frankreich und Belgien •) An sich ist dies nichts Neues. Die sich zum jüdischen Glauben bekennenden ״Angehörigen“ anderer Völker waren als Juden stets um mindestens eine Epoche im Rückstand. In der liberalen Zeit war der Aufbau und die Verfassung der jüdischen Gemeinden — nicht nur der orthodoxen — konservafiv; erst später mumifiziert sich der in der nichtjüdischen Welt längst verflossene Liberalismus im selben Rahmen. In der Regel sind es auch dieselben Personen, in denen sich der politische Januskopf der Assimilation verkörpert. So nimmt z. B. der jüdisch-ungarische Politiker Vdzsonvi, der Vorkämpfer des demokratischen Wahlrechtes im ungarischen Parlament, als Führer der Pester Israelitischen Kultusgcmeinde an deren Klassen- und Elekforen-Wahlrecht keinerlei Anstoß. — Es wäre fast ein Wunder, träte heute keine Tendenz zur Umschaltung von Vorgestrigem auf Gestriges in Erscheinung! Hand in Hand. Bewegungen in der Diaspora schieben das Problem nur ungelöst über diese oder jene Grenze. Eine großzügige, Sicherheit versprechende Umschichtung im Inland verlangt selbst Sicherungen. Sie will von den Trägem des Staates gutgeheißen und gefördert werden; sonst könnte sie, anstatt einen neuen Lebensraum zu erschließen, den vorhandenen noch weiler einengen. Mit der freiwilligen Räumung von vorderhand noch zu haltenden Stellungen müßte das Beziehen neuer Schritt halten können. Auch so wäre das Schicksal der nächsten oder der zweiinächsten Generation nicht gesichert. In welchen Berufen Juden heute geduldet oder erwünscht sind, in denen sind sie es morgen nicht mehr. Eine zaristische Regierung sucht Juden durch Erteilung von ״Vorrechten“ dem Universitätsstudium zu gewinnen, die nächste erfindet den ״numerus clausus“. (Vgl. auch meinen Aufsatz ״Der Antisemitismus und die Lösung der Judenfrage“ in der ״J. R.“ vom 4. April 1933.) Eine auf normalen Berufsaufbau in der Diaspora absehende Umschichtung käme dem Versuche gleich, einen Schwerkranken durch Verabreichung von Gesundenkost zu heilen. Die jüdische Berufsgliederung ist trotz ihrer und in ihrer ganzen Abnormität das der einzigartigen Lage des jüdischen Volkes gewissermaßen organisch angepaßte Ergebnis eines geschichtlichen Werdens. Die an die Juden fast allezeit und allerorten gestellte Forderung, den zugemessenen Lebensraum durch Schaffung besonderer, nach Art oder Menge schwer ersetzbarer Güter bzw. Werte zu verdienen, bestimmt ihre jeweiligen Berufe. Die Erzeugung allein der Menge, nicht auch der Beschaffenheit nach zusätzlicher Güter genügt nur in minder entwickelten Volkswirtschaften. Daher werden die Juden aus der Landwirtschaft und aus den meisten Handwerken -ל in Deutschland schon im Mittelalter, in Osteuropa erst im Laufe der letzten hundert Jahre — verdrängt. In der Industriearbeiterschaft wird der jüdische Anteil durch die vorwiegend bäuerliche Herkunft dieser Schicht mitbestimmt und eingeengt; gegebenenfalls liegen die Verhältnisse ähnlich. Einer Arbeitskrise müssen die Juden notgedrungen in erster Reihe zum Opfer fallen. Die Verdrängung, die Ersetzung der Juden beginnt erst nach einer hinreichenden Erstarkung des nichtjüdischen und dem parallelen verhältnismäßigen Rückgang des jüdischen Anteils und fällt stets mit einer Bedeutungscinbuße, mit einer Wertvermimdenrng der betreffenden Berufe innerhalb des Wirtschaftsganzen zusammen; ein Gleichlauf der jüdisehen Berufskrisen und der Wertkrisen der von Juden ausgeübten Berufe ist unverkennbar. — Die Juden müssen aus ihren Berufen weichen, nicht weil sie zu bedeutend, zu einflußreich geworden, wie die den Tatsachen nachhinkende Begründung wissen will, sondern weil sie es nicht mehr sind, weil Ersatz für sie da ist, weil sie keine Abgäbe an Sonderwerten mehr leisten. Es ist derzeit die Bedeutimg des Handels im Rahmen der Volkswirtschaft ungleich geringer als etwa vor zwei Menschenaltem, der jüdische Anteil ern Bruchteil des damaligen. Die Führerschaft der Hochfinanz gehört ebenso der Vergangenheit an wie die hervorragende Rolle der Juden in dieser; seit dem Zusammenbruch der großen mitteleuropäischen Banken ist auch die Legende des jüdischen Bankiers verblaßt. Die akademischen Berufe machen gegenwärtig schwere — nicht nur innere — Wertkrisen mit: ihr Stellenwert im Staate ist geringer ge- ■worden. — Das kulturelle Schaffen der Juden wird erst Bekämpft, als und insofern das (von David Koigen in der klassischen Abhandlung ״Oeschichte und Kultur“ (Ethos L) beschriebene) kulturhistorische Paradoxon in Erscheinung tritt, (indem eine der "Xusgliedenxng der Juden aus dem deutschen Geschichtskörper zwangsläufig parallele Kulturspaltimg vor sich geht), als und insofern die von Juden geschaffenen Kulturwerte ihre Geltung im deutschen Volke verlieren. Es ist nur die positive Seite derselben Gesetzlichkeit, daß Juden, die als Frontsoldaten vom deutschen Volke anerkannte Geltungswerte verwirklicht haben, vergleichsweise bevorrechtet werden. Es wird den Juden über ihr Dasrinsrecht als Fremdvolk täglich neue Rechenschaft abverlangt. Daß sie als Fremde empfunden werden, daran trägt ihre Berufsgliedening keine Schuld, im Gegenteil: wäre Fremdheit auf wirtschaftlichem Wege zu beheben, dann hätte sieh die höhere Wirtschaftssteflung der Juden nur vorteilhaft, verbindend und nicht trennend, auswirken müssen. Fine Angleichung, Normalisierung der jüdischen ■Berufssrhichtung ist überdies unmöglich, zumal Von der geschichtlich gegebenen Lage aus, inmitten eines ״Volkes ohne Raum“, in Wettbewerb mit einem immer noch milüonenzähligen Arbeitslosen-Reserveheer der Industrie. Berufsumschichtung vermag zu einem anders, nicht zu einem minder einseitigen Wirtschaftsgcfiige zu führen. In der Diaspora wird sie weder zur Lösung der Judenfrage beitragen, noch einen wirtschaftlichen Ruhepunkt erreichen, sondern bestenfalls örtlich und zeitlich begrenzte Daseinsmöglichkeiten erschließen. Hiermit sei alles gegen eine politische Be wertung der Berufsumschirhtung, doch nichts gegen die Umschichtungstendenzen selbst gesagt. Ihre in der jüdischen Jugend wirksamen Triebkräfte sind nicht in erster Linie polifischer oder wirtschaftlicher, sondern sittlicher Natur; sie entspringen jenseits der wirtschaftlichen und politischen Vermmft und geraten oft in einen Gegensatz zu dieser. Es kommt hierin das Fraglichwerden der im zusammengebrochenen System der Assimilation wurzelnden sittlichen Grundlagen der alten Berufe zum Ausdruck. So ist es auch zu verstehen — nicht zu billigen —. daß sich manche Vorkämpfer der Berufsumschichtimg, die Jugend den alten Berufen auch innerlieh abspenstig zu machen bestrebt, über diese Berufe und ihre Leistungen gelegentlich herabsetzend äußern. Es sollte jedoch auch in der nunmehr gescheiterten Fehlform jüdischeu Seins das Walten ewiger jüdischer Kräfte erkannt und anerkannt werden. Lfeute darf diese nächste Quelle jüdischer Selbstwertung nicht verschüttet werden! Dem jüdischen Volke haben die wirtschaftlichen Großtaten jüdischer Kauf- und B-.inkleute im Dienste anderer Völker keinen Vorteil und wenig Dank eingehracht; kein Grund auf sie nicht stolz zu sein. Die Benifstragik der jüdisehen Intellektuellen bietet gleichfalls keinen Anlaß, die gute, ehrliche und wertvolle Arbeit sogar jener, die sich durch keine Spitzenleistungen ausgezeichnet haben, anzuzweifeln. Weder waren sie ״unproduktiv״, noch sind sie der ״Heilung durch Arbeit“ (״L R.“ vom 28. April 1933) bedürftig. Aehnliehe Anleihen aus dem Wörierbuche des Gestern sollten besser unterbleiben. — Ob ferner die Schöpfungen der deutschjüdischen Kultur zur deutschen oder zur jüdischen Kultur gezählt werden, oh zu keiner von beiden, eine abfällige Wertung darf sich daran nicht knüpfen. Kurzlebige Mischkulturen (z. B. die jüdisch-hellenistische) haben der Welt schon Unvergängliches geneben. — Ist die Zeit des Handels, des Geldwesens, des Pfropfens auf fremde Stämme endgültig um. so sollte die der unbefangenen Würdigung gekommen sein! Wohl muß eine nicht bloß vorübergehende Umschichtung auf ein im wertschöpferischen Charakter des neuen Berufes wurzelndes Standesbewußtsein fußen, ein Aufstieg sein und als ein solcher empfunden werden, doch wird dieses Bewußtsein aus der Wertverneinung anderer Berufe niemals hervorgehen. Schon deshalb (und auch als Neuaufhau, nicht Eingriff in organisch Gewordenes!) ist eine ' Berufstimschichtung von Dauer — ohne Verkennting der wirtschaftlichen Stufenordnung der Berufe und des ganzen Sinnes der Arbeitsteilung — nur in Erez Israel möglich. Hier allein wird die freiwillige Einengung der wirlschaftljch-wertschöpfcrischen Möglichkeiten durch den nationalen Aufstieg, durch die unvergleichliche Ausweitung des nationale Werte begründenden und verwirklichenden Schaffens mehr als reichlich aufgewogen. Die Berufsumschichtung in Erez Israel darf nur im Sinne Herzls, nicht in dem des Baron Liirsch, von statten gehen. Berufsnmschichtung um des jüdischen Volkes willen und nicht Einwanderung, um es mit anderswo aussichtslosen Plänen zu versuchen. Gewiß hat die Arbeit im Lande auch eine besondere Weihe (die in A. D. Gordon ihren Künder gefunden hat), aber ״Awodah“ heißt nicht nur Arbeit, sondern vor allem Dienst: Dienst an dem höchsten Werte des Judentums und auch Dienst am Volke. Ueber David Koigen Ueber den im März d. J. in Berlin verstorbenen Soziologen und Philosophen David Koigen veröffentlicht Leopold von Wiese einen Nachruf in den ״Kölner Viertel- Jahresheften für Soziologie“ (Jahrgang 12 Heft 1), worin er die Bedeutung dieses jüdischen Gelehrten für die soziologische und philosophische Wissenschaft vvürdigi. Abgesehen von unserer Pietätspflicht gegenüber dem von uns geschätzten und verehrten Gelehrten, dessen Bedeutung in der ״Jüdischen Rundschau“ auch von der jüdischen Seite beleuchtet wurde, halten wir es für berichtenswert, daß in der heutigen Zeit, wo häufig abfällige Stimmen über die Leistung jüdischer Wissenschaftler gehört werden, eine solche Würdigung einer jüdischen Leistung seitens eines deutschen Fachgenossen veröffentlicht wird, wobei besonders interessieren wird, in welcher Weise sich Wiese kritisch gegen die ״jüdische“ Denkungsart Koigens abgrenzt. Ls ist ein Beispiel, daß auch Kritik — und teilweise Ablehnung — mit Sympathie und Anerkennung verbunden sein kann. Prof, von Wiese schreibt im zweiten Teil sein« Aufsatzes über Koigens letztes Werk: ״Daß Koigen etwas Ungeheures, unendlich Tiefes, Ueberwältigendes erstrebte, tritt auch in seinem letzten Werke hervor, das er den ,Aufbau der sozialen Welt im Zeitalter der Wissenschaft“ und zugleich ,Umrisse einer soziologischen Strukturlelire“ nennt. Es ist sehr schwer, dein Gedankengangc dieses Werkes, das nicht groß irn Umfange ist, zu folgen, und im Rahmen dieses Nekrologs kann ich nicht daran denken, es zu erläutern oder auch nur dem Verständnisse näher zu bringen. Offenbar sollte die eigentliche Darstellung der sozialen Welt noch folgen, und es ist diesem ernsten Denker nicht vergönnt gewesen, sie zu vollenden. Ich muß aber einem Zweifel Raum geben, ob der Verlust, aus dem wissenschaftlich - philosophischen Gesichtspunkt betrachtet, schwer ist. Denn wenn wir durch E. Bernstein erfahren, daß Koigen als Sohn eines Gutspächters in einem kleinrussischen Dorfe sehr nachhaltige Jugendeindrücke empfing; ,denn der Vater war ein bis zur Ekstase frommer Mystiker und prägte den Kindern mit Inbrunst das Andenken eines Vorfahren ein, der als gelehrter Rabbiner einen Ruf weit über die Grenzen Rußlands genossen und in den Kämpfen־ die im 17. Jahrhundert zwischen Mystikern und Rationalisten im russischen Judentum ausgefochten wurden, eine hervorragende Rolle gespielt hart, so muß ich sagen, daß ich fürchte, der Hang zum Mystizismus, der besonders in dem letzten Büchlein stark hervortritt, hätte endlich die Oberhand gewonnen und das Schrifttum Koigens schlechthin unverständlich gemacht. Denn schon hier spricht er im Vorwort vom Mysterium der Urteilsvernunft, in dessen Bahnen das soziale Geschehen, wie wir von ihm erfaßt werden, uns zwinge und uns verleite, es ferner zu gestalten, zu erdulden und es jedesmal überwindend als Ganzes zu erleben. Alles dies Leben und Wirken . . . dies Abschreiten von Evokrtions-, Devohrtions-, Revolutions- und Involutionsbahnen gleiche dem Gehorchen eines einheitlichen, aber vielgestaltigen und vielfach deutbaren, synoptischen Entfaltungsgesetzes, und dies Gesetz erinnere lebhaft an die Gestaltung uralter Mysterien, die . . . das Entstehen, Verkümmern, Sich-Auflehncn und Wiederervachen, in bereicherter Form, in ihren Kulten zur Darstellung brachten. Für jüngere Menschen lohnt es sich vielleicht, diesem geheimnisvollen Denker! nachzugehen. Ich fühle mich außerstände dazu. Es kommt mir vor, daß Koigen, wie mancher vor ihm. Unmögliches erstrebt und gesucht hat. Man hatte cs wohl öfter in den Gestaltungen des orientalischen und auf besonderer Art des jüdischen Denkens gefunden: ein emsiges unablässiges Sichvcrsenken in die eigenen Ge-' danken und Visionen, das vielleicht einzelne Jünger begeistern und zur Nachfolge reizen kann, aber doch nicht eigentlich fruchtbar wird. Koigen war ohne Zweifel ein sehr ernster, forschender und bedeutender Geist. Seine Leistungen sind danach angetan, hohe Achtung zu erwecken. Er war persönlich ein Mann von heiterer, liebenswürdiger und freundlicher Art, der mir noch, als ich ihm zuletzt zufällig am Kurfürstcndamm begegnete (im Februar d. J.) durch seine Jugendlichkeit auffiel. Aus seinem ganzen Wesen sprach Herzensgute und Redlichkeit. Sein Andenken wird mir geweiht sein.“ Alter und Neuer Orient. Der Palestine and Egvpt Lloyd, Jerusalem, versendet einen Prospekt über eine Ge seilschaftsreise durch den erwachenden Orient, die im Frühjahr 1934 stattfinden soll. Die Veranstaltung steht unter der!Devise ״The Changing World of the East“, was man wohl übersetzen kann ״Der Gestaltwandel des Nahen Orients“. Es sollen alle Denkmäler׳ und Sehenswürdigkeiten besichtigt werden, und aus diesen Gefilden der Romantik wird dann der Weg gezeigt zur heutigen Modernisierung des Orients, der immer stärker den Einflüssen Europas erliegt. Die Reise sieht folgendes Programm vor: Aegypten sind 8 Tage gewidmet, von Kairo wird dann mit Auto die Reise über Suez und die Sinaiwüste nach Palästina dtirchgeführt. Palästina und Transjordanien werden in 7 Tagen besichtigt. Syrien und Libanon in 5 Tagen, Irak in 5 Tagen und dann die alte Straße der großen antiken Völkerwanderungen vom Irak zum Meere in 3 Tagen. Die Führung und die Erläuterungen hat_ Dr. Hans Kolin übernomrnen, der als Verfasser der beiden Bücher ״Geschichte des Nationalismus im Orient“ und ״Nationalismus und I!nperialismus im Naben Orient“ als genauer Kenner dieses gesamten Ländergeblctcs und seiner politischen Probleme, seiner sozialen und ökonomischen Struktur bekannt ist. Die Reise beginnt in Alexandrien und endet in Beiruth. Sämtliche Agenturen des Palestine and Egypt Lloyd erteilen nähere Auskünfte. Der Archäologe der Hebräischen Universität Jerusalem Dr. E. L. Suk en ik hat am Ostufer des Tiberiassees Ueberresfe einer aus dem dritten oder vierten vorchristlichen Jahrhundert stammenden Synagoge entdeckt. Die bei der Ortschaft Er-Rafid gelegenen aus mächtigen Basaitblöcken bestehenden Ruinen lassen den großen, auf eine dichte jüdische Bevölkerung hinweisenden Umfang der Anlage erkennen.

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